Deutscher Reichstag. , N Berlin, 9. Juni 1923 eee die sogialdemobratische— interpel 5 vr den dolce enge e aide(nig Wee) al 85 er Sozlaldemokraten, die den Frie⸗ n 9 7 988 5 und den flüdischen Kapftalisten in die en r(u. Soz.) fordert zur Beseitigung des ien preteetee die auc, n der Lenk ic deen berge schaffen.— Alss mn erhält das Scherk e e e rtig in 1
Abg. Robert Schmidt(Soz.):
f n, um das Si d ing zu stoppen und di as ist ein mis, mit dem wir eden sind. Als die Maß tet wurden, ging ein G diesem gewaltigen Anp ige eee der ser steigenden Entwertung Entwicklung und A.
Es ist hier viel Über die Vorzüge der freien Wirtschaft
5 0 U geredet en, aber niemand hat gesagt, wie man die Opfer dieser freien tschaft unterstützen soll. Fsir uns ist die freie Wirtschaft und die
wangswirtschaft keine Glaubenssache. Der Getreidepreis wird 9 0 der Fleischpreis nur durch die Konjunktur 12 die Höhe
— Die Anpeffüng an die Weltmarktpreise ist nicht nötig, well 5 13 1 zu Unrecht an Löhnen sparen, weil wir ein Opfer von der Arheiterschaft verlangen, während r anderen Seite jedes Verständnis für dieses Opfer fesslt. 15 behauptet, die Landwirtschaft könne keine weiteren Lasten tragen. 5 Ein Beispiel: ir das Ablieferungsgetreide wurde in den letzten Monaten 685 000 Mark pro Tonne bezahtt, während es im frelen pandel 2 Millionen Mark kostet. An jeder im freien Handel verkauften Tonne Getreide erübrigt die Landwirtschaft also gegenüber dem Ablieferungsgetreide 1315 000 Mark. Wenn diese Marktlage aufrecht erhalten wird, und wenn man berücksichtigt, daß die Landwirtschaft in diesem Jahre 2,1 Millionen Tonnen Brotgetreide abgeliefert hat, dann wird sie im nächsten Jahre allein aus dieser Differenz einen Gewinn von 27 Bll⸗ ionen Mark, oder bei einem Dollarstand von 80 000- 138 Millionen 0. rk erlangen.(Hört! hört! links.) Nobelerweise wollen die n daftir auch 200 Millionen zur Reparation beitragen. Ueber ö die Wirkung unserer Sleuergesetzgehung auf die Landwirtschaft hat mueeilich ein Abgeordneter in der hessischen Kammer einige Ausführun, n. geen gemacht, die ergaben, daß der Pächter eines Besit ums von 904 is zu 750 Morgen, daß er bewirtschaftet, Defizit macht und keine inkommensteuer bezahlt, während dieselbe Steuergesetzgebung bei inem Besitztum von 70 Morgen ein Einkommen von 75 000 Mark * date und dem Besitzer oder Pächter mit Mk. 7500.— Steuern N et. Der große Hesitzer ist also frei, während der einfachste Landarbeiter . seine Steuern zu zahlen hat. 0 Dieser Ar ist unhaltbar und kann unmöglich aufrecht erhalten werden. Wir halten nichts davon. zur Besserung der Verhältnisse Schaufensterscheiben einzuschlagen und haben mit Genugtuung davon Kenntnis genommen, daß auch der kommunistische Redner von den Krawallen der letzten Tage abgerückt ist. Die Hilfeleistung der In⸗ dustrie in der Reparationsfrage hat die Unzufriedenheit in unserem Volke nur geschürt, Haben die Arbeiter für ihre Mitwirkung am Ruhrkampf, für die Opser, die sie brachten, Forderungen gestellt? Sie haben nur gefordert, Sorge dafür zu tragen, daß sie nicht zu⸗ grunde gehen. Von der Regierung fordern wir, daß sie dafür sorgt, daß den Angestellten und Arbeitern in Industrie, Handel und Land⸗
mi Löh ezahlt werden, die 1. sieht, daß kapitalistische Interessen⸗
Wenn unser Volk immer wieder
kreise 1 der Markentwertung keinen Schaden haben, sondern daß sich die Preisentwicklung mit der Markentwertung parallel bewegt, so fühlt ee sich mit Recht zurückgesegkt, denn es ist nicht in der
zu Gericht zu sitzen.
ein Auskommen ermöglichen.“
J zelt bekfagen. Ble rchen n iind her don zen Substazvertisten ber berechen ee ö n den Substanzver en der
„Aber treiben wir nicht auch ein Stüi
Raubwirtschaft mit unserer Arbeitskraft,
die auch eiue volkswirtschaftliche Substanz, zwar nicht eine tote, aber eine lebende von ungeheuerem Werte ist? und ist es nicht eine Raubwirtschaft, daß unser Volk nicht genügend er⸗ währt wird, daß die Kinder krank, gebrechlich sind und geisstig zurückbleiben? Diese trüben Aussichten für die Zukunft verpflichten Uns, len die Frage zu prüfen, ob nicht ein automatlscher Weltmesser zu finden ist, der die Löhne an die Entwertung der Mark und die Preisentwicklung anpaßt. Herr Dernburg hat gesagt, die Produktion sei um 50 Prozent zurückgegangen. Bei der Stein⸗ kohle im Ruh ebtet haben wir im Jahre 1922 gegen 1913 einen Rückgang von 15 Prozent. Es fragt sich, welche Betriebseinrich⸗ tungen dort rückständig geblieben sind, die die Erklärung für den Rückgang der Produktion geben. Und dann sage ich offen; so wie es vor dem Kriege der Fall war, konnte mit du Arbeitskräften im Kutschen Bergbau nicht weiter gewirtschastet werden. Mit 40 Jahren werden diese Leute als verbrauchte Menschen auf die Schutt⸗ halden geworfen. Bei der Braunkohle haben wir in demselben Zeitraum ein Plus in der Produktion von 57 Prozent. Im Kali⸗ bergbau haben wir eine Zunahme der Absatzziffer von 19 Millionen Doppelzentnern gegenüber im Jahre 1913. Auch beim Aluminium ist eine erhebliches Zunahme der Produktion zu verzeichnen. Für eine ganze Reihe won Industrien ist es natürlich auch sehr schwwer,
Man glaubt, wenn wir billig liefern, könnten wir den Markt wieder erobern; das ist falsch, denn der Krieg hat uns nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt die Konsumfähigkett, die wirtschaftlichen Grundlagen vernichtet. Ich sehe für die kommende Zeit nach den Erklärungen der Regierung und ber Parteien kein Ausschalten des wetteren Verfalls der Mark, weitere Bedrängnis aller Erwerbsschichten, die bis ins unerträgliche wächst. Wer hier helfen will, darf sich mit der Erklärung wirtschaftlicher Uebelstände nicht bognligen. Nolg weniger sollte er sie beschänjgen. Es gilt, den Fe 1 diese Mißstände aufzunehmen!(Lebhafter Beifall bei en Soz.
Damit ist die Interpellationsdebatte beendet.— Ein von den Kommunistett eingebrachter Mißtrauensantrag gegen die Regierung Euno wird gegen 5 kommunistische Stimmen abgelehnt.— Schluß 4½% Uhr. Nächste Sitzung Montag 3 Uhr.
Gießen und Umgebung.
Natlonalistische Demonstration mit der Leiche
Schlageters.
Am Freitag abend passierte die Leiche des von den Franzosen hingerichteten früheren Offiziers Schlageter den Gießener Bahnhof, um nach seiner Heimat Baden transportiert zu werden. Auch in unserem Blatte wurde die Vollstreckung der Todesstrafe an dem Schlageter selbstverständlich verurteilt; nach unserer Ansicht haben die Franzosem überhaupt kein Recht, über Deutsche im Ruhrgebiet Trotzdem muß— mit diesem Vorbehalt— die Tat Schlageters, wenn er wirklich getan hat, was ihm zur Last gelegt wurde, entschieden verurteilt werden, weil diese Dinge (Sprengungen usw.) dem Reiche und unserem Volke An Schaden zufügen. Daher ist es ganz unangebracht, den Mann als Helden und Märtyrer zu feiern, wie es bei dem Leichentrans port in mehreren Städten und auch hier in Gießen geschehen ist. Ver⸗ mutlich war eine Mitteilung hierher gelangt, daß die Leiche den hiestgen Bahnhof um 10 Uhr abends passieren werde, es hatte sich daher eine große Menschenmenge am Bahnhof eingefunden. ez uns berichtet wird, wurden bel dieser Gelegenheit hetzerische Reden gegen„Novemberverbrecher“, die Republik üsw. gehalten. Wer die Herren waren, die so mutige und tapfere Reden hielten, konnten wir noch nicht erfahren. Sicher ist jedenfalls, daß die Leichen⸗Demon⸗ stration bei allen verständigen Leuten keinen Eindruck machen kann.
Bemerlt sei noch, daß der Leo Schlageter der Organisation Heinz angehörte, von der feststeht, daß eine große Anzahl ihrer An⸗ gehörigen im Solde der Franzosen stand.— Schon in Elberfeld gestaltete sich die Trauerfeier zu einem großen natio⸗ nalistischen Erzeß. Von nah und fern waren Stahlhelmleute, Hakenkreuzler, Jungdoleute usw. mit Bannern und Fahnen in allen möglichen Unfformen angerückt. Die Beteiligung war riesenhaft. An ihr nahmen unter anderm auch die Spitzen der Behörden teil, sowie die meisten ausgewiesenen höheren Beomten, so Dr. Schlutius aus Dlisseldorf und Regie rungspräsident Grützner, der bestrebt war, der Veraustaltung dem nationalistischen, Charakter zu nehmen, Grützner hatte dem Polizeipräsldenten von Elberfeld, einem ehemaligen Ritt⸗ meister, mitgeteilt. daß schwarzweißtote Schleifen und antirepublika⸗ nische Abzeichen und Fahnen nicht getragen werden dürfen. Außer⸗ dem ließ er einen Kranz mit schwarzrotgoldener Schleife überreichen.
Das Verbot war jedoch ohne jeden Erfolg. Schon zu Beginn der Veranstaltung zeigte sich, daß Kräfte am Werke waren, die die Feier parteipolitisch ausgestalten und die Erregung, die die Erschießung Schlageters hervorgerufen hatte, zu antirepublikanischen Zwecken
Ordnung, daß die Löhne heute nur 40—50 Prozent der Vorkriegs⸗ ꝗ6Ptß.... ˙ r!N——— Gastspiel der Frankfurter Oper.
Don Juan. Oper in 2(3) Akten von W. A. Mozart.
Was uns Darmstadt versagte hat uns Frankfurt beschext: den Here h Mosarischen„Don 1 8 Auf Mozart selbst haben wir schon ge⸗ er dull legentlich unferer Figaro⸗Bosprechung kund, reien und 115 ict Lin andlung des„Don Juan“ wurde 1 0 Tetl anläßlich c Grab 0 i schhen Schauspieles bereits etwas eingehender erwähnt. Dor Tert en en bes Lorenzo da Ponto wurde in der Bearbeitung von Hermann sich nie Levi geboten, die musikalische Leitung war Dr. Ludwig Rot⸗ Atet U. tenberg, die Spielleitung Franz Warten berg anvertraut, * tl als besonderer Anspizient zeichnete Albert Dobbertin ver⸗ er antwortlich. 5 1. 5 f „GC b i feiert ertr. N 8 giese 1 95 0 05 10 0 genannt): der Komtur. Leporello und Ma⸗ men len fetto singen Baß; Don Oetavio Tenor; Donng Anna, Donna El⸗ bvira und Zerlie Sopran. Die Handlung spielt in Sevilla im 17. 9 4 eben 5* nde Berichterstattung erfordert, daß zubor reinlich „e Bete Sen aus ben Kerben voll Lob fiir unsere Gäste heraus⸗ 55 75 1 0
7 0 ö 9 1 ben Fahrten einer Orgel aten ueber f abe n e e ente Lerttetz weiblicher Hauptpar tem n, icht rechten darf, den alte Erfahrung, über die man in der 1 1 0 1
ein. will man sich nicht die Gunst der besuchenden gr 15 8 aupt verscherzen. Die„Zerline“, ehemals, eine Glanzrolle der 1 12 i 9 nd die onna Anna“, mit der eine Hen⸗ ich 1 a S 1. 10 0 ihre 1 7 0 begann, ee 890. 5 f ii i sesungen, die, mit dem Frank⸗ — doegsondt erwachen, eie unbedingt abgerundete 1. 2 nen, die man eben oon berühm⸗
ündigten und im großen und
n nd ein Fest ist.
11 1 eus mitgebrachten Requi⸗ geteilter Meinung sein.
1 mochte die Bühne nur schwer einen
. e des Komturs“ vorzutäuschen und
gerhause.—
ö te(wohl etwas zu stark in 1 Tongebung das Haus, n erst geboren und aller ursprünglichen
e keen ee ee
Und nun der Don Juan Adolf Permanns. Wir kennen nicht al le bedeutenderen heutigen Darsteller dieser Rolle— Adolf Permann aber muß wohl einer der größten sein. Musikalisch erübrigt sich jede„Kritik“ und mimisch set die gebotene richtige f ee der Gestalt als eine im Grunde tragische ausdrück⸗ lichst festgestellt. Hans Erls„Comthur“ und A dolf Jägers „Don Octavio“ standen gleichfalls auf löchster Höhe. Richard von Schenk, der den„Leporello“ sang, ist nicht nur in Gießen ein besonders beliebter Gast, sondern auch überhaupt als erst⸗ klassiger Künstler zu bekannt, als daß wir seine Vorzftge im einzel⸗ nen zu bewetsen 711 7 Die undankbare Rolle der„Donna Elvira“ wurde von Elisabeth Friedrich gefanglich und schau⸗ spielerisch wahrhaft gemeistert und Rudolf Brinkmann als Ma⸗ setto half ebenbürtig, die ihm zufallende besondere Aufgabe hervor⸗ ragend durchzuführen. Anna Karasek vom Nationaltheater Mannheim, als Gast- Gast, und Anta Franz, die ihre Kor- legin Elisabeth Kandt vertreten mußten, seien besonders be⸗ dankt, daß sie das Opfer übernahmen, gegenüber dem eigentlichen Ensemble womöglich etwas abzufallen. Wir freuen uns, feststellen zu können, daß sie sich nicht nur keine Enttäuschung bereiten mußten, sondern überraschend glücklich sich an⸗ und einzupassen wußten. Namentlich gab sich die anfangs gessanglich entweder etwas indisponferte oder befangene„Zerline“ hald in freierer und rei⸗ nerer Stimmgebung, sodaß sich musikalische und schauspielerische Leistung bestens die Wage hielten.
„Vier Diener“ gab den Herren Adolf Grünhut; Robert Bernaskoni, Paul Neumann und Hans Surkau Ge⸗ legenheit, den dramatischen Gang der Handlung und das Gesamt⸗ spiel wohltuend zu fördern.
Ueber die Bearbeitung und die Einteilung sowie die dadurch bedingte Verteilung der Pausen kann man dramaturgisch in An⸗ sichten auseinandergehen. Die Spielleitung als solche schuf Bedeu⸗ tendes, unbeschadet der eingangs erwähnten Bedenken.
Leporelles„Schöne Donna, dieses kleine Register“, Don Juans „Reich mir die Hand, mein Leben“, sein„Champagnerlied“, sein „Zitherlied“(mit wundervollster Begleitung!), Zerlines„Wenn du sein fromm bist“, verbanden nicht nur wegen der Geläufigkeit der Melodien, sondern vor allem auch deshalb besonders Bilhne, Pub⸗ likum und— Komponisten, weil sie nicht als selbständige Arjen, son⸗ bern in lebendigster Handlung geboten wurden; und das herrliche Menuett wurde in vollster Vornehmheit und Lieblichkett Mozart⸗ sscher Tonsetzung gespielt. 5
Mit Dankbarkeit für die Gäste, die wir so sehr gern öfter hier begrüßen möchten, und Stolz auf Mozarts Genkus verließ das überaus zahlresche Publikum unseren Zuschauerraum, der woch
Usikallschen Leitung(Dr. 00 1 0 10 U 15 rs bedeuteten
selten so Schönes vernahm. Et.
hiesigen Bahnhof der Zug ein, der die Lesche des
heraus, in dem der
das verlorene Absatzgebiet nach dem Auslande wiederzugewinnen.
Phantastisches Anschwellen der Groß“ audelspreise.
„fachen Vorkriegsstand. Das Prelsusveau
ausmittzen wollten. Während die Elberfelder Organfsationen vor schwargweißroten Schleffen absahen, und weiße Schlelsen wählten. rückten die auswärtigen mit schwarzweißroten Schleifen an, die teil. weise sogar mit Hakenkreuzen verzlert waren. Von einem Augenzeugen wird uns berichtet:. Vergangenen Freitag abend, etwa 11½ Uhr, traf auf dem von den Franuzosen ermordeten Schlageter in dessen Heintat führte. Eine große Menge, die zwei Stunden lang geduldig auf das Eintressen des Zuges wartet“, und unter der die von einer Abordnung, der Pro⸗ fessoren gesithrte akademische Jugend überwog, hatte sich auf dem Bahnsteig angesammelt. Dlejenigen aber die nur eine dem Ernst der Stunde angemessene, wilrdige Feier mitznerleben hofften, wie sie dann auf dem Frankfurter Hauptbahnhof veranstaltet wurde, sollten sich bitter enttäuscht sehen. Wenn man auch nicht, wie bald darauf in Frankfurt daran dachte, die Feier durch einen von einer Musik⸗ kapelle gespielten Choral eröffnen zu lassen, warum beschränkte man sich uscht auf ernste, würdige Ansprachen, wie die Stunde sie gebot, und auf den Gesang des Deutsch landliedes und des Liedes„Ich hatt“ einen Kameraden“, worin die Menge dem Toten und dem Vater⸗ land zu Ehren gern einstimmte? Warum mußten aus dem Wagen Sarg stand, von wenig Taktgefühl und wenig Ehrfurcht vor der Majestät des Todes zeugende Ansprachen gehalten werden Hatte man denn gar kein Empfinden dafür, wle abstoßend und für sedes feiere Gefühl im höchsten Miße verletzend es wirken mußte, wenn man das von den feindlichen Kugeln unversehrt ges bltebene Taschentuch des Ermordeten der Menge zeigte, Karten ver⸗ ö
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teilte, zur Eingahlung von Geldsummen auf ein genanntes Bank⸗
konto aufforderte und durch Schimpfen iber das Verbot des Tragens gewisser Abzeichen, die doch wohl gewünschten lauten Pfuixufe der Menge entlockte? Wußte auch einer der Redner, die außerhalb des Wagens sprachen, keinen passenderen Ton zu finden, als den mili⸗ tärisch schrejenden, der schrüll in die ganze Feier hineinklang? Wußte man wirllich nichts Besseres zu tun, als den Racheruf in die Masse hineinzuschleudern, damit er von dieser aufgenommen und weiter⸗ gegeben wurde? Der Ruf„Heil Ehrhardt“(1) aber, der vom Wagen her erscholl und dann vielfach wiederholt wurde setzte allm die Krone auf. Ob es endlich angebracht war, die Feier beim Wester⸗ fahren des Zuges mit dem Liede„Siegreich wollen wir Frankreich schlagen“ zu beschließen, darüber wollen wir nicht reden, Im ganzen hatte man den Eindruck, als ob es den Leuten, die bei der Veran⸗ staltung sich besonders hervortaten, wensger um eine Ehrung des Toten zu tun sei als darin, auch diese Gelegenheit zugunsten ihrer deutschnatlonglen Bestrebungen griindlich auszunftzen. Wo es gilt, ihre deutschnationale Gefinnung zu dokumentieren, scheinen diese Leute sich überhaupt nichts übel zu nehmen, auch nicht den Mißbrauch einer ernsten Totenfeier. 0
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Zum Naub⸗ und Luftmord im Schiffenberger Walde. Durch eine Bekanntmachung der Statsan wa ltschaft wird eine Belohnung von hunderttausend ar
deufensgen zugesichert. die durch Mitteilungen oder Mitwirkung 1
dazu beitragen, daß der Täter ernmttelt wird. Im allgemeinen Interesse empfiehlt es sich, die Bekanntmachung genau durchzulesen und etwaige Wuhrnehmungen oder Mitteilungen, die in dieser Alen wichlig erscheinen, an die angegebene Stelle welter⸗ zuuleiten.. 1
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Die gewaltige Steigerung der Großhandelspreise, welche durch die amtliche Statistik bereits zum 25. Mai festgestellt wunde, hält an. Nach den Berechnungen der Frankfurter Zeitung stellte sich Anfang Juni der durchschnittliche Preksstand von 98 Waren auf den 14 639⸗ ist um 78 Prozent höher als am Anfang Ma und weit mehr als doppelt so hoch als am nfang April ds. Js. Neben den Lebensmitteln, die eine Steigerung um rund 80 Prozent auf den 12 57ö5fachen Vorkriegsstand aufweisen, ist ö die Presssteigecung der industriellen Rohstoffe von großer Wichtig? keit. Hier fällt es auf, daß die Warengruppe Textilien, Leder usw. noch stärker gestiegen ist als die übrigen Warengruppen. Sie haben sich während des letzten Monats um 96,5 Prozent im Preis erhöht und stellen sich im Durchschnitt bereits auf den 27 640 fachen Stand, während der Dollar am Anfang Juni erst auf den 18 155fachen Staud angelangt war. Die anhaltende Presssteigerung im roß⸗ handel macht es wahrscheinlich, daß die Lebenshaltungskosten in den nächsten Wochen noch weiter und verschärft anziehen werden, nachdem insbesondere Zeit der neuen Brotverteuerung erst eben wieder eine gewaltige Belastung des Verbrauchs eingetreten ist. 5
— Störungen in den elektrischen Ueberlandanlagen. Vom Eleltrigitatswerk wird geschrieben: Um Verwechselungen vorzu⸗ beugen, würd darguf bfingewiesen, daß seitens des Kreisamts im 5 lokalen Teile der Nr. 125 dieses Blattes veröfsenblichte Mit⸗ teilung betr. Störungen in den elektylschen Leitungsanlagen in Ueberlandgebiet sich auf die von der Propinz betriebenen Anlagen dehog. Bel Slörungen in der an das Elektrizitätswerk Gießen augeschlossenen Ueberlandanlage jst stets dieses Werk(Telephon Gießen Nr. 6 und 113) auf schmellstem Wege zu verständigen.
— Zur Bekämpfung des Wuchers. Unsere Leser haben gewiß mit Erbilterung den Artikel von dem„elnträglichen Kuhhandel“ in der Samstagnummer unseres Blattes gelesen. Es ist einfach ein gemames Verbrechen aen darbenden Volke, wenn der Vieh⸗ händler das Doppolte des Preises für das Tier forderte, was er 71 zwer Tage vorher dafür bezahlt hatte. Und hier handelte es sich um sehr bedeutende Summen. Ein großer Unterschled, ob für eine Kuh 29 oder 5½ Millionen Mark bezahlt werden müssen. Handelt es sich um Schlachtvieh, kommt natitrlich die Preistreiberei im Preise des Fleisches zum Nuss ruck, das ohnehin teuer genug ist; handelt es sich um Zuchtvieh, so werden die Milchpreise in die Höhe getrieben die auch nicht mehr zu erschwingen sind. Aber es ist Lamit nicht gstan. diese Dinge der Oeffentlichkeit zu unter⸗ breiten und zu kritisieren es sollten vielmehr die betreffenden Händler ohne weiteres dex Polizei zur Anzeige gebracht werden. In vielen Städten find Marktgerichte eingerichtet worden,
mit dereil Wirksamkeit man durchaus zufrieden ist. Dieser Tage wurde die Frage im badischen Ministerium erörtert, wobei wal dem Bericht der Frkftr. Ztg. in. Aalssicht genommen wurde, die
Marktgeuichte so auszubauen, daß sie nach Bedarf überall um Lande rascheslons in Tätigkeit treten können. Betont wurde serner, daß die Mitwirkung der Bevölkerung bei der Wucherbekämpfung durch Erstattung von Anzeigen für die Wirkung der wuchorpoligeilichen Maßnahmen von größter Be⸗ deutung ist. Besonderes Augenmerk wird in der nächsten Zeit der Verhinderung des Wuchers mit Brot zugewandt werden. Gewichte und Preise für freies Brot sollen schärfer kontrolliert werden.— Das ist vollständig richtig, in dieser Weise kann nur eine Besserung und Ordnung geschasfen werden. 0 — Neuer Fahrplan der Straßenbahn. ist ein Fahrplan der Straßenbahn veröffentlicht, Verkehr von heute, 12. Jueni ab regelt. Bei seiner auf den Fahrplan der Reichsbahn Rücksicht genommen. Wir weisen an dieser Stelle auf den Plan, der an verschiedenen Orten der Sladt dauernd zum Aushang gebracht wird, hin. 1 — Hungen. In unserem Blatte vom 5, Juni brachten wir eine Notiz mit dem Skichwort„Tod bei der Arbeit.“ Dazu wird uns von der Gewerkschaft„Friedvich“, Braunkohlengrube, ge⸗ schrieben:„Der erst kurze Zeit hier beschäftigte Arbeiter über Tag Gustav Ebert von Utpbe ist nicht bei der Arbeit verunglückt, sondern an einem Magengeschwür erkrankt. Ebert wurde im Krankenhaus Hungen(micht Gießen) vor 8 Tagen einer Operation unterzogen und wird, wie uns heute der behandelnde Arzt mit⸗ teilt, wenn nicht unvorhergesehene Fälle eintreten sollten, von seiner Kraukheft genesen.“— Wir nehmen von der Zuschrist gerne Kenntnis. Viellescht liegt eine Verwechselung vor oder unserem Gewalrsiann ist eine irrige Mitteilung zugegangen. 10
Im heutigen Blatte nachdem sich der Aufftellung ist


