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Erste Beilage zum Frankfurter Journal.

e 288. Mittwoch, den 25. October 188.

Deut schland.

Prag, 20. October. Aus allen Städten Deutsch⸗Böhmens gehen Adressen an den Reichstag ab, worin man denselben als einzige gesetzliche Autorität anerkennt. Auch der deutsche Verein in Prag hat eine Anerkennungsadresse an den Reichstag abge⸗ sandt. Aus guter Quelle erfahre ich folgenden charakteri⸗ stischen Zug. Dr. Löhner war wie bekannt vom Reichstag als Deputirter dem Kaiser nachgesandt, konnte aber nicht dazu gelangen, vorgelassen zu werden. Im Vorzimmer des Erzher⸗ zogs Franz Karl wurde Löhner, von Natur aus heftig, unge⸗ stüm und verlangte dringend im Namen des souverainen Volkes den Erzherzog zu sprechen. Da trat die Erzherzogin Sophie aus dem Zimmer und rief, purpurroth vor Zorn:Vergessen Sie nicht, daß Sie im Vorzimmer einer kaiserl. Hoheit sind, und daß ich von meinem Hausrechte Gebrauch machen kann. Ich stehe hier im Namen des souvsänen Volkes, erwie⸗ derte Löhner,vergessen Ew. kaiserl. Hoheit nicht, daß auch das souveraine Volk von seinem Hausrecht Gebrauch machen kann. Im Schlosse sind noch vier Gefangene aus der Pfingstwoche, unter ihnen Graf Potocki, ein Pole.(D. A. 3.)

Innsbruck, 16. Oct. Heute uns gestern sind unsere sämmt⸗ lichen deutsch⸗tyrolischen Deputirten von Wien hier eingetroffen, das sie meistens unter Verkleidung mit Zurücklassung ihrer sämmt⸗ lichen Habseligkeiten verlassen haben, dagegen sind die wälschzty⸗ rolischen Abgeordneten sämmtlich in Wien geblieben und arbeiten Hand in Hand mit der dortigen Linken. Die hiesige Stim⸗ mung gegen Wien ist eine höchst erbitterte; es wurde beantragt, eine Deputation nach Frankfurt zu senden, und das Land unker den Schutz der deutschen Centralgewalt zu stellen, versteht sich vorbehaltlich der Rechte der Dynastie, für welche hier vor wie nach die lebhaftesten Sympathien rege sind. Dieser Antrag ging

jevoch nicht durch. In Italien soll sich in Folge der Wie⸗ ner Ereignisse der Dämon des Aufruhrs aufs Neue mächtig rear

gen. Einem mir vorliegenden Briefe aus Mailand zufolge waren dort die Wiener Ereignisse bereits 36 Stunden vor ihrem Ausbruche bekannt und wurden allgemein besprochen. Auch ver⸗ breitet sich eben hier das Gerücht, daß in Trient und Rove⸗ redo neue Unruhen ausgebrochen seyen. So viel ist gewiß, daß unsere auf dem Heimwege begriffenen Schützencompagnien aus Botzen Befehl bekommen haben, umzukehren.(C. Bl. a. B.)

Posen, 18. Oct. Die Nachrichten aus dem Königreiche Polen enthalten jetzt nur immer die Wiederholung der längst bekannten Thatsache, daß Rußland seine Rüstungen unausgesetzt fortbetreibt; die einzelnen Angaben über die Zahl der Truppen differiren dort sehr unter einander. Nach den am meisten übereinstimmenden Angaben dürften längs der ganzen preußischen Gränze von Wirrballen bis Czetudz vielleicht 120⸗ bis 130,000 Mann aller Truppengattungen stehen, die in zwei Corps getheilt sind und bei Kalisch hinter der Prosna und Thorn gegenüber zwischen der Weichsel und Drewenz ihre Centralpuncte haben; gegen Galizien mehr im Innern und zwischen Weichsel und Bug stehen zusam⸗ men vielleicht nicht viel über 200,000 Mann. Das wäre im Königreiche also im Ganzen etwas mehr als 300,000. Sicher ist, daß Rußland für alle Fälle vorbereitet ist.(K. 3.)

Berlin, 21. Oct. Im Laufe dieser Woche will die Elite der sogenannten deutschen Demokratie hier ihre Tagsatzung eröffnen; es soll anderweitig über die Mittel und Wege berathen und be schlossen werden, wie man die Nationalversammlung in Frankfurt in den Augen des Volkes herab setzen und um alle Achtung bringen könne.(Sowohl die linke Seite der würtembergischen Abgeord⸗ netenkammer, als auch die Linke der National versammlung(deut⸗ scher Hof) haben den Plan, Abgeordnete nach Berlin zu senden, wieder aufgegeben.) Es ist bekanntlich in letzter Zeit mehr⸗ fach davon die Rede gewesen: das Streben der s. g. Demokraten müßte jetzt, da ihre Absichten in Frankfurt vereitelt wären, auf die Erhaltung der Vereinzelung in Oeutschland gerich⸗ tet seyn. In einem von den Abgg. Waldeck und Esser in der preuß. Nat.⸗Versamml. gestellten Antrage liegt ein solcher Schritt zu Tage; er ist so künstlich gestellt, daß sich in ihm leicht eine Majori⸗ tät fangen lassen dürfte. Wird das Ministertum mit dieser Ma⸗ jorität gehen? Bis jetzt hat es eine andere Ansicht gehegt, denn

es hat die Frankfurter Erlasse ohne Weiteres veröffentlicht. Auf eine Cabinelsfrage kommt es aber unserer Linken an weil sie in sich die Kräfte zu besitzen glaubt, welche die Geschicke dieses Lan⸗(N

Stettin, 19. Oct. Es ist, wie Ihre Zeitung bereits gemeldet hat, vor Kurzem eine Commission unter Leitung des geh. Ober⸗ Finanz⸗Rathes Oesterreich nach Swinemünde gesandt wor⸗ den, um festzustellen, ob der dortige Hafen sich zum Kriegs⸗ hafen eignet. Die Untersuchung soll ein nicht ungünstiges Re⸗ sultat ergeben haben.(Deutsche Ref.)

Schleswig, 20. Oct. Die Berathung über den Antrag des Adv. Friederici führte in der heutigen Sitzung der Landes⸗ versammlung schließlich zun Annahme eines Gesetzes, durch welches allen deutschen Kriegern, welche in Folge ihrer Dienste im diesjährigen Kriege gegen die Dänen, zur Erwerbung ihres Unterhalts unfähig geworden sind und kein Vermögen besitzen, einerlei, ob sie bei den schleswig⸗holsteinischen oder bei den Hülfs⸗ truppen, ob sie im regulären Militär oder in einem Freicorps gedient haben, so wie auch den Wittwen und Kindern der ge⸗ fallenen oder verwundeten Krieger unter gleicher Bedingung ein gesetzlicher Anspruch auf Unterstützung aus der schleswig⸗holsteinischen Staatskasse zuerkannt und zu diesem Zweck vorläufig eine Summe von 15,000 Rthlr. Cour. jährlich ausgesetzt wird. Die Motive für die Beschleunigung der Beschlußnahme über diesen Gegenstand sind vornämlich in der Erwägung zu suchen, daß der Landesherr, dermaleinst wieder zur Austübung der Regierungsgewalt gelangt, muthmaßlich wenig dazu geneigt seyn werde, einem Gesetz seine Zustimmung zu er⸗ theilen, welches Denjenigen Unterstützung zusichert, welche jetzt gegen ihn gekämpft haben, und daß das Widerstreben des Lan⸗ desherrn dann jedenfalls eine mehrjährige Zögerung zur Folge haben würde. Durch Verfügung der provisorischen Regierung vom 17, d. M. werden die dänischen Schiffe in den Häfen der Herzogthümer den Schiffen nicht privilegirter Nationen gleichge⸗ stellt.

Aus dem Herzogthum Limburg, 21. Octbr., wird der Köln.

Ig. berichtet:Mehrere Bürger der mittleren und wohlhabende⸗

brgestern in Broekhüysen zu versammeln, um über eine Eingabe 4 das Reichsministerium zu berathen, durch welche sie sich Aus⸗ kunft über den Stand der mit der niederländischen Regierung wegen Limburgs gepflogenen Unterhandlungen erbitten wollten. Bevor sich aber noch Mitglieder dieser Versammlung in dem dazu bestimmten Wirths hause eingefunden hatten, erschien ein Corps von drei Brigaden berittener Gensd'armen in vollständiger Kriegs⸗ rüstung, als gelte es einen gewaltigen Aufstand zu unterdrücken, welches sich theils in dem bezeichneten Wirthshause einquartirte, theils die anderen Wirthshäuser durchstreifte und die Umgebung recognoscirte. Als Zweck des Erscheinens dieses schreckenerregen⸗ den Cerps in einem stillen Dörfchen von kaum 600 Einwohnern wurde angegeben, man wolle den duitschen bond uitwinnen. Die friedlichen Bürger, welche nicht anders als auf gesetz⸗ lichem Wege ihre politische Lage zu verbessern streben und jedem Conflict mit der bewaffneten Macht sorgfͤͤltig auszuweichen suchen, überließen den Gensd' armen ihr Versammlungslokal und blieben ihnen ferne. So verfährt die Regierung des Herzogthums Lim⸗ burg; wo ssch nur Sympathie für das deutsche Reich kund gibt, ist man gleich bei der Hand, dieselbe durch Furcht vor den Bayo⸗ netten zu unterdrücken; und das geschieht in einem deut⸗ schen 1 1 5 welches unter dem Schutze der deutschen Reichs⸗ ewalt steht.

eee Gießen, 21. Oct. Unsere Wühler treiben ihr nobles Hand⸗ werk noch immer fort. Damit das Volk ja nicht zur Ruhe und Besinnung komme, ist eine Petition(wenn wir recht berichtet sind, um sofortige Berufung eines constituirenden Landtags) in

der Steuerverweigerung. Wohl zu merken, man sucht unter dem unschuldigen NamenUnterschreibung einer Petition eine Masse zur Steuerverweigerung zu consolidiren. Auf die Frage, wie viel schon unterschrieben, kam die Antwort: an 2000, und als Kun entgegnete, so viel Steuerpflichtige seyen ja ga nicht in Gießen, wurde erklärt: es sey eine Petition und die körne Jeder unterschreiben, zahle er doch später vielleicht Steu⸗ ern. Man sieht, die Leute wissen sich zu helfen. Nun kann be⸗

ten verleitet, muß wohl nothwendig mit den Hütern des Gesetzes in, Conflict kommen. Sollte nun die Behörde von zener Petitio nz nepmen, so versteht sich von selbst, daß allegesinnungs⸗

besser, als es bisher geschehen, zu lenken verstanden.(K. Z.)

tüchtigen Blätter, wie derjängste Tag, den nun sch

Klasse aus der Umgegend von Broekhüysen beabsichtigtea, sich*

Umlauf gesetzt, mit der entschiedenen Erklärung, resp. Drohung

karntlich der Einzelne auf seine Gefahr gegen das Gesetz thun, was er will; wer aber andere ebenfalls zu ungesetzlichen Schrit⸗