Ausgabe 
29.8.1920
 
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Als Christus am Kreuze starb, zerriß der Vorhang im Tempel von oben an bis unten aus. Gott, der durch das vollkommene Opfer Christi befriedigt war im Blick auf die Sünde, beseitigte dadurch mit eigner Hand die Scheidewand, welche den Sünder von Ihm trennte. Nun empfängt der Sünder, sobald er im Bewußtsein und Bekenntnis seiner Schuld Gott naht, Gnade und Vergebung auf Grund des vollbrachten Werkes Christi.

Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, reinigt uns von aller Sünde. Dem begnadigten und gerechtfertigten Gläubigen steht der Weg ins Heiligtum, in die Gegenwart Gottes offen; er darf und soll mit Freimütigkeit Gett nahen. Sein Ge⸗ wissen ist zur Ruhe gebracht, er kann mit glücklichem Herzen vor Gott treten und Ihn als seinen Gott und Vater im Geiste und in der Wahrheit anbeten.

Wie ganz anders ist doch dieser Weg, auf welchem der wahre Christ zu Gott gekommen ist, als alle selbstgemachten Wege, auf denen der Mensch vergeb⸗ lich Gott zu nahen sucht!

Hast du diesen wahren, lebendigen, göttlichen Weg betreten? Ist der Grund, auf den du dich gründest, das Werk des Sohnes Gottes, Sein Opfer?

O. D. 2

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Jesus und Zachäus. (Luk. 19, 110.)

Wie wunderbar begegnen sich hier zwei Seelen! Zachäus hat sein ganzes Verlangen auf Jesum ge⸗ richtet. Doch geht seine Hoffnung nicht höher, als Ihn zu sehen, wenn Er vorübergeht, vielleicht auch einmal eine Predigt von Ihm zu hören. Aber Jesus, der gekommen ist, zu suchen und zu retten das Verlorne, und der sich von Herzen freut über jedes reumütige und suchende Menschenkind, Er ge⸗ währt diesem verlangenden Menschenherzen weit mehr, als es zu hoffen gewagt hatte.

Von einem Nachbarort kam Jesus her. Seine Jünger gingen mit Ihm, und viel Volks strömte Ihm nach. Aus dem Wohnort des Zachäus waren viele dem Kommenden entgegengeeilt und standen wohl reihenweise rechts und links an der Landstraße. Nur der kleine Zachäus saß oben auf dem Baume. Da geschah das Merkwürdige, das Auffallende: Jesus blieb bei dem Baume stehen und redete den Zachäus an:Zachäus, steig eilend herab, denn Ich muß heute in dein Haus einkehren!

Er, der Sohn Gottes, der wußte, was in jedem Menschenherzen war, Er kannte auch den Mann, der hier auf dem Baume saß. Er sah seine Ge⸗ wissensnot, seine Reue, sein Heilsverlangen, seine Sehnsucht nach Ihm, dem Heiland. Da konnte Er nicht vorübergehen. Für solche Seelen ist Er ja vom Himmel auf die Erde gekommen. Er fragt nichts nach den murrenden Pharisäern, die sich in ihrer

Selbstgerechtigkeit ärgern, daß Jesus bei einem Zöllner einkehren will. Er kümmert Sich jetzt auch nicht um die neugierige Menschenmenge, die an der Straße steht. Er will diesem einen helfen, der Seiner bedarf wie der Kranke des Arztes. Er sagt:Ich muß heute in dein Haus einkehren. Es war Ihm ein heiliges Muß, eine innere Notwendigkeit. Jesus kann nicht anders; wo Er eine Seele sieht, die in Buße sich beugt und im Glauben sich sehnt nach Vergebung und Heil, da muß Er helfen.

So geht Er also mit Zachäus durch die Volks⸗ menge, läßt Sich in sein Haus führen und widmet Sich nun dieser einzelnen Seele, um sie zum Frieden und zum ewigen Leben zu führen. Und siehe, es gelingt Ihm! Zachäus nimmt das Heil an. Er wendet sich ab von den nichtigen Gütern dieser Erde; er bereut seine Sünde; er gelobt entschiedene Be⸗ kehrung. So kann Jesus dem Aufrichtigen vergeben, dem Verlangenden Hilfe und Frieden schenken!

Willst du, der du solches liest, nicht auch Ver⸗ trauen fassen zu solch einem Heiland? Siehe, wie Er das Verlorne sucht, wie Er Sich üm den ein⸗ zelnen kümmert! Glaube es, Er sieht auch in dein Herz, Er kümmert Sich auch um dich, Seine suchende und helfende Liebe kommt auch dir entgegen, weise sie nicht zurück, sondern öffne dein Herz für die Liebe Jesu! Bekenne Ihm deine Sünden, klage Ihm deine Not, bitte Ihn um Gnade und Frieden! Er wird dich erhören und dir helfen.

Gebt, ihr Sünder, Ihm die Herzen, Klagt, ihr Kranken, Ihm die Schmerzen, Sagt, ihr Armen, Ihm die Not!

Er kann alle Wunden heilen,

Reichtum weiß Er auszuteilen, Leben schenkt Er nach dem Tod. K. E.

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Die unterbrochene Vergnügungsfahrt.

Ich steckte mir hundert Mark in die Tasche, packte meinen Koffer und setzte mich in den Zug, um nach F. zu fahren. Wir hatten uns zu Hause gezankt, und in dem Leben und Treiben der Groß⸗ stadt wollte ich den Arger vergessen. Es war meine Absicht, nicht eher zurückzukehren, bis ich die letzte Mark verbraucht haben würde. Als ich im Zuge saß und über mein Vorhaben nachgrübelte, kam mir der Gedanke, es sei doch schön, einen Genossen der Freude zu haben. Da fiel mir plötzlich ein, daß mein alter Freund S., der seit Jahren in einem Orte an der Strecke nach Frankfurt Lehrer war, mich würde begleiten können. Er war früher immer zu allen lustigen Streichen bereit; das mußte interessant werden, mit ihm nach Jahren wieder einmal eine solche Fahrt zu machen.

Bald stand ich meinem alten Freunde gegen⸗ über. Die Freude des Wiedersehens war groß und der Empfang sehr herzlich. Ich merkte, wie erfreut