Ausgabe 
15.2.1920
 
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sollte, hätte ich in meiner Jugend nicht gedacht. Ich entstamme einem vornehmen Hause und genoß alle Vorzüge, die mir meine wohlhabenden Eltern bieten konnten. Aber auf der Universität geriet ich in schlechte Gesellschaft, spielte und besuchte Pferde⸗ rennen und machte Schulden, bis ich schließlich Wucherern in die Hände fiel. Um frei zu werden, tat ich etwas, was mich ins Gefängnis gebracht hätte; ich wanderte aber aus und führte in fremden Ländern ein unstetes Leben. Jahrelang erschienen in den größten Zeitungen des In⸗ und Auslandes Inserate, in denen ich gebeten wurde, nach Hause zu kommen Aber ich tat es nicht, ob⸗ wohl ich wußte, daß meiner Mutter das Herz darüber brechen würde. Nach Jahren wurde mir das Umher⸗ schweifen aber doch leid, und die Sehnsucht nach meiner deutschen Heimat wurde so groß in mir, daß ich für meine Überfahrt auf einem Schiffe arbeitete und zurückkehrte Mein Aussehen war so verändert, daß ich nicht erkannt zu werden fürchtete, zumal ich auch meinen Namen gewechselt hatte. Da ich schon immer gut mit Pferden umzugehen wußte, erhielt ich bald hier eine Stelle als Droschkenkutscher. So gat mich zwanzig Jahre lang niemand erkannt. Der Herr gestern aber war mein Bruder Ich er⸗ kannte ihn sofort, und meine Hand, die den Zügel Fan zitterte mehr als einmal, als er mit mir sprach

enn wenn ich nur gesagt hätte: Willi, wie geht's dir?«, würde sicher sofort alles wieder gut gewesen sein.

Und warum sagten Sie es nicht? fragte be⸗ gegt der Pastor.Und leben Ihre Eltern noch?

Die Mutter ist seit Jahren tot; aber der Vater lebt noch, und Liebe und Vergebung und ein Zermögen warten auf mich noch immer, wenn ich zur nach Hause gehen wollte; aber ich kann das zicht, mein Stolz läßt es nicht zu.

Mit bewegten Worten bat ich ihn, seinen Ent⸗ chluß zr ändern und dem alten Vater vor seinem Sterber die große Freude seiner Wiederkehr zu nachen. Aber ich brauchte alle meine Beredsamkeit

vergebens; er blieb bei seiner Weigerung und er⸗ klärte:Ich werde leben und sterben als ein Droschken⸗ kutscher, und niemand wird wissen, wer ich war Geben Sie sich keine Mühe weiter, mich zu über reden. Ich gehe nicht nach Hause, mein Stolz läßt es nicht zu. Und hier ist das Haus, wohin Sie wollten. Drei Mark fünfzig bekomme ich.

Ich bezahlte und begann noch einmal, ihn zur Heimkehr zu überreden; er aber berührte nach Kutscher⸗ art seinen Hut zum Gruße mit der Peitsche und fuhr davon. Als ich nach bald Jahresfrist wiederkam, war er nicht mehr unter den Lebenden. Eine Lungen⸗ krankheit hatte ihn vor einigen Monaten dahingerafft Bei seinem hartnäckigen und törichten Entschluß war er geblieben; in einem Hospital starb er unbeweint und unbekannt und unversöhnt mit seinem Vater

Mein Stolz läßt es mir nicht zu! Um dieses ver⸗ kehrten Stolzes und Trotzes willen lebte der Kutscher ein armseliges, glückloses, unbefriedigtes Leben und hätte doch so reich und glücklich werden können durch der Eltern Verzeihung und Liebe, wenn er den Weg zu ihnen gegangen wäre

Aber schilt nicht vorschnell auf dieses Manne Verkehrtheit, vielleicht gleichst du selbst ihm auf Haar genau, wenn du einmal das Verhältnis zwischer dir und deinem Gott vergleichst mit seinem Tun Warum bist du noch nicht heimgekehrt an das Vater herz Gottes, um Vergebung, Friede, Freude, Leber und Seligkeit zu empfangen? War es nicht auch dein Stolz, der dich abhielt, dich vor Gott z beugen und das Bekenntnis deiner Sünden vor Ihm und wenn es nötig wäre, auch vor Menschen al zulegen? Mit Recht hat einmal jemand gesagt daß die drei am schwersten auszusprechenden Wort lauten: Ich habe gesündigt! O dieser Stolz, dei die meisten Menschen um ihr ewiges Heil betrügt Wirf ihn von dir und eile, deinen Platz am Vater herzen Gottes einzunehmen, wie einst der verlorn⸗ Sohn heimkehrte voll Reue und Buße zu eine: neuen, glücklichen Leben! G. H

Versammlungs Anzeigen.

Bezirk Gießen. Stadtmission Gießen, Löberstraße 14 Jeden Sonntag Uhr Sonntagsschule, 4 Uhr Jungfrauenverein; 9% Uhr Versammlung; 4%½ Uhr Christlicher Verein junger Männer; eben Mittwoch Uhr Bibelstunde; jeden Freitag Uhr Gebetsstunde. N

Bezirk Bellnhausen. Jeden Sonntag 2 Uhr Versammlung im Vereinshaus Bellnbausen. .

Bezirk Friedberg. Stadtmission Friedberg, Ludwigstr. 24.

Jeden Sonntag vorm. 11 Uhr Sonntagsschule; nachm. 4 Uhr Unter haltungsstunde für die Jugend; abends Uhr Predigtgottesdienst; Dienstag abends Uhr Blaukreuz⸗ oder Frauenstunde; Mittwoch abends Uhr Jugendbund; Donnerstag abends gi Uhr Bibel⸗ und Gebetsstunde.

Bad Nauheim; Erholungsheim Bethesda, Frankfurter Str. 37½0. Jeden Dienstag und Donnerstag abends Uhr Bibelstunde. Stammheim und Schwalheim. Jeden Sonntag Versammlung

Bezirk Nidda Schotten.

Nidde(im Burghof). Jeden Sonntag abends 9 Uhr Berfsammlung jeden Montag abends 9 Uhr Gebetsstunde, ieden Dienstag abends 9 Uhr Bibelstunde

Schotten, Hauptstr 99. Jeden Sonntag mittags 12¼ Uhr Sonn · tagsschule, jeden Sonntag abends 9 Uhr Bersammlung, jeden Mittwoch abends 9 Uhr Bibel und Gebetsstunde.

Anderungen siehe Tageszeitung der Orte.

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Bezirk Sellnrod.

Jeden Sonntag abendt Uhr Bersammlung und jeden Mittwoch

und Freitag Gebetsstunde mit Bibelbetrachtung.

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