gesicht und Namen, als auch nach seinem inneren Herzenszustand, und spricht:„Siehe, ein rechter, wahrhaftiger, aufrichtiger Israeliter, in welchem kein Falsch, keine Heuchelei und Verstellung, auch keine halsstarrige Unwissenheit ist, sondern er nimmt die Wahrheit an.“ 5
Jesus, der Herzenskündiger, weiß die innere Gesinnung des Menschen. Aufrichtigkeit ist Ihm angenehm. Jesus sagt nicht:„In welchem keine Sünde ist,“ sondern:„In welchem kein Falsch ist,“ er ist kein Heuchler, er fürchtet Gott, er ist ein ehrlicher, offener, gerader Mann, er ist willig, die Wahrheit anzunehmen und den Weg der Wahrheit zu gehen. 5
„Wohl dem Menschen, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist. Wohl dem Menschen, dem Gott die Missetat nicht zu— rechnet, in des Geist kein Falsch ist.“(Pf. 32.)
Wenn wir diesem Faden weiter folgen(sagt C. A. Davis), so war dem Nathanael die Bedeu⸗ tung des Versöhnungsopfers nicht fremd, so war ihm darum auch das Bewußtsein von der Sünde welche dessen Notwendigkeit fühlbar machte, nichts Unbekanntes. Einerseits von dem Schuldbewußtsein gedrängt und andererseits von der Fürsorge des ver⸗ heißenen Sühnopfers angelockt, war die Botschaft, die Philippus ihm brachte, dasjenige, was sein Herz suchte Gott hatte ihm den Segen gewährt, nach dem er sich so sehr gesehnt. Er befand sich in dem glücklichsten Zustand der Vorbereitung auf die per⸗ sönliche Erkenntnis Christi, und wir sehen, wie er bei der ersten Unterredung seinen Meister ehrt, in- dem er ein Bekenntnis ablegt, das zu dieser Zeit irgendeinem der anderen Jünger weit voraus war: „Rabbi, Du bist Gottes Sohn, Du bist der König Israels.“(V. 49.)
Jedem aufrichtig nach Wahrheit suchenden Menschen läßt es der HErr gelingen, die Wahrheit zu finden, Jesum zu erkennen als den von Gott gesandten
Heiland und Erlöser. O. D. Die Versöhnung. In den ältesten Religionsbüchern heidnischer
Völker werden deutliche Spuren von dem Bedürfnis einer Versöhnung angedeutet. Alle Völker haben das Unrecht und die Schuld von der Sünde gefühlt und fühlen sie jetzt noch. Da aber den Heiden das rechte Licht fehlte, so haben sie mit einem von der Schuld beladenen und anklagenden Gewissen in der Blindheit bezüglich einer Versöhnung immer ver⸗ kehrt gehandelt. Alle religiösen Systeme zeugen, daß die Menschen eine Art blutige Versöhnung be⸗ dürfen. Aber der rechte Begriff von dem einzigen blutigen Opfer, das zur Versöhnung für ihre Sünden erforderlich ist, blieb allen so lange fremd und un⸗
bekannt, bis sie von dem Lichte der Wahrheit und von neuem vor den Richter gestellt zu werden! Die
dem des Heiligen Geistes erleuchtet wurden. Während die Heiden in der dunkeln Vorzeit immer weiter in die Irre gingen, hat Gott unter dem israelitischen Volke die mosaische Dispensation eingeführt und hat ihnen mit dieser Einrichtung den Bund, das Gesetz, die Verheißung und den Gottesdienst anvertraut. Die mannigfaltigen Sinnbilder und Vorbilder des Alten Bundes sollten die Schuld und die Be— fleckungen, welche durch die Sünde bewirkt wurden, allen Ernstes vorstellen. Das ganze Sittengesetz prägte dem Verstand einen Begriff von der Rein- heit und Heiligkeit Gottes und den Menschen ein tiefes Schuldgefühl ein. Der Altar, das Sühn⸗ opfer, der Priester usw. sollten die Übertreter von ihren Sünden und Schulden überzeugen. In dem Gottesdienst des Alten Bundes sollten bei der Ver⸗ söhnung nicht nur die vorsätzlichen Übertretungen und Sünden bedacht werden, sondern auch die Fehler, welche durch Übereilung, Vergeßlichkeit und sogar solche, die aus Unwissenheit begangen wurden, erfor⸗ derten ein Sühnopfer. Die verschiedenen Waschungen und Besprengungen mit Blut wiesen beständig auf eine durch die Sünde bewirkte Schuld und auf das Bedürfnis einer Versöhnung und einer Reinigung hin, die nur durch Blut bewirkt werden konnten. Sogar das Heiligtum, das durch die Gegenwart der sündigen Anbeter verunreinigt wurde, und der Altar mußten mit Blut besprengt werden. Diese ganze Einrichtung zeugte, daß nur durch Blut die Sünde gesühnt werden kann. Auf alle Juden, die den mosaischen Gottesdienst nach der göttlichen Vorschrift gewissenhaft beobachteten, mußte dieses einen tiefen Eindruck machen und in ihnen die Überzeugung von der Gerechtigkeit und Heiligkeit des göttlichen Ge⸗ setzes und der Verabscheuungswürdigkeit jeder sünd⸗ lichen Übertretung bewirken.„Christl. Botsch.“
Komm ans Licht!
Das„Tageblatt“ zu L. berichtet:„Vor achtzehn Jahren wurde der Lehrer M. aus M., als er von einem Jahrmarkt heimkehrte, auf dem er sein Fuhr⸗ werk für 1300 Mark verkauft hatte, unweit seiner Wohnung ermordet und beraubt aufgefunden. Als der Tat dringend verdächtig wurde der Postillon O. in Untersuchungshaft genommen, jedoch wegen Mangels an Beweisen vom Schwurgericht zu L. freigesprochen. Jetzt hat O. auf dem Sterbebett die Mordtat ein- gestanden.“
Dieser Postillon war sicher ein kluger Mann, denn er wußte vor Gericht sich so herauszulügen, daß man ihn freisprechen mußte. Aber sein Sterben machte offenbar, daß er den schweren Stein seiner Schuld achtzehn Jahre lang auf dem Gewissen ge— fühlt hatte. Wie viele Stunden der Angst mögen dagewesen sein, in denen er fürchtete, entdeckt und


