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Nufwärts!
Gemeinlchaftsblatt für Bellen
Erscheint alle vierzehn Tage. Verlag der Buchhandlung der Pilgermission Gießen.
Redakteur: Stadtmissionar F. Herrmann, Gießen Verschiedene Mitarbeiter. Druck von J. G. Oncken Nachfolger, G. m. b. H., Cassel.
UE Nr. 31/32.
Sonntag, den 1. und 8. August 1920.
13. Jahrg.
„Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach Seiner Gerechtig- keit, so wird euch solches alles zufallen“ Matth. 6, 33.
Gefahren.
In der Schlei, einem Meerbusen der Ostsee, liegt eine kleine Insel, die„Möveninsel“ genannt. Viele tausend Möven stellen sich bei Beginn des Frühlings ein, um die Sommermonate auf ihrer Insel zu verbringen. In der nahen Stadt sind sie liebe, alte Bekannte und werden von den Bewohnern mit Fleischresten und dergleichen gefüttert. Zur Hauptsache bilden jedoch die Schleiheringe ihre Nahrung. Sehr hübsch ist es, wenn an den Sommer⸗ abenden die Segel⸗ und Ruderboote die Insel um⸗ kreisen. Dann flattern die weißen Tierchen hoch, und die Insel ist gleichsam ein Gewirr von Flügeln. Den Höhepunkt der„Mövenfreuden“ bildet jedoch das Eiersammeln. Im Mai beginnt die Sammel⸗ zeit und hält mehrere Wochen an. Große Mengen Eier— sie kommen etwa einem Taubenei gleich und sind grün gesprenkelt— werden dort täglich aufgelesen
und als Leckerbissen in alle Gegenden verschickt.
Auch an der Küste Schott⸗ lands kennt man das Möveneier⸗ sammeln. Dort ist es aber mit
größeren Ge⸗
so, zwischen
fahren verbun⸗ den. In den wildzerklüfteten Felsen haben die Tierchen ihre Nester gebaut. Die Sammler lassen sich mit⸗ tels eines Seiles an einem Fels⸗ vorsprung her⸗ ab und holen
der Gedanke, daß
vor allem die
Himmel und
Erde schwebend, mit viel Mühe ihre sehr begehrte Beute ein. Beim Be⸗ trachten dieses Bildes kam mir
doch auch wir täglich, ja stünd⸗ lich von Ge⸗ fahren umgeben sind. Ich meine nicht nur die Gefahren des Leibes, sondern
Gefahren für die Seele. Man sehe nur einmal in die heutige Ge⸗ schäftswelt hinein. Wo sind die vielen reellen und soliden Geschäftshäuser von früher, wo gilt noch Treue und Glauben? Ach, das sind wenige, die die alten Grundsätze hochgehalten haben; wie viele dagegen sind in die Arme des Geldteufels hineingekommen. Er hält sie nun fest, sie sind seine Beute.„Reich werden,“ das ist ihre Losung. Und wodurch werden sie reich? Ist's nicht dadurch, daß sie andere übervorteilen, daß sie sich die Notlage anderer zunutze machen? Jawohl, ihr Ziel er— reichen sie, sie werden reich. Dieser Reichtum kann ihnen wohl kurze, zeitliche Ergötzung mitbringen, dann aber wird sich der Verkläger in ihrer Brust, das Gewissen, doch einmal regen. Gewiß, es hat sich ja schon oft geregt, sie aber haben diese Stimme immer wieder zum Schweigen gebracht. Einmal wird sich diese Stimme aber nicht mehr zum Schweigen bringen lassen. Wie lesen wir im Worte Gottes?
„Wohlan nun, ihr Reichen, weinet und heulet über euer Elend, das über euch kommen wird!


