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Felzenleuchter,
urg, Verantw. Rehal⸗ tnann, belde in Gießen.
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Nr. 25
Gießen, Sonnabend, den 30. Jannar
1897.
Poflztg. Nr. 3239 a Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
Hessische Landeszeikun.
Gießen.
Postztg. Nr. 3239. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion:
25 Kreuzplatz Nr. 4..
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 29. Januar.(Militärdienst⸗ nachrichten.) Winter, Assistenz⸗Arzt 2. Kl. der Res., vom Landwehrbezirk Worms, zum Assistenz⸗Arzt 1. Kl., die Unterärzte der Reserve: Bach vom Landwehrbezirk Gießen, Dr. Raecke vom Landwehrbezirk 1 Darmstadt, Stroh vom Landwehrbezirk Gießen, Dr. Weyprecht vom Landwehrbezirk Erbach, Sartorius vom Landwehrbezirk 1 Darmstadt, Dr. Schinke, Unterarzt der Landwehr 1. Aufgebots vom Landwehrbezirk Worms— zu Assistenz⸗Aerzten 2. Klasse— befördert. Dr. Pullmann, Stabsarzt der Landwehr 2. Aufgebots, vom Landwehrbezirk 1 Darmstadt— der Abschied bewilligt. 5
* Gießen, 29. Januar. Außer den bereits 11178 mitgeteilten Beförderungen erfolgte aus
nlaß des kaiserlichen Geburtstages die Ernen— nung des Premier-Lieutenants Freiherrn von Dalwig von der 6. Kompagni des Kaiser Wilhelm⸗Regiments, abkommandiert zur Gewehr— Prüfungskommission in Spandau, zum Haupt⸗ mann.
* Gießen, 29. Januar. Der Kaufmann Henzerling von hier hat be Firchvers auf der Jagd einen schweren Hiusch erbeutet.
* Gießen, 29. Januar. Der Verein für Saur ee hält heute Abend in der Bavaria(Feidel) seine diesjährige General- versammlung ab.
* Gießen, 29. Jan. In der Beleidigungs⸗ sache des Schlachthofstierarztes Dr. Liebe
egen den Obermeister Pirr, in welcher be— anntlich der Kläger Berufung verfolgte, sollte heute Vormittag vor der Strafkammer ver⸗ handelt werden, doch unterblieb die Verhandlung, weil die Berufung in letzter Stunde noch zurückgezogen worden war.
* Gießen, 29. Januar. Eine nützliche Ein⸗ richtung ist jetzt bei den preußischen Amtsgerichten eingeführt, indem diese über alle Personen, die den Offenbarungseid geleistet haben, alphabetische Verzeichnisse führen. Die Einsicht dieser Verzeichnisse steht den Interessenten frei.
* Gießen, 29. Januar. Von der Hes⸗ sischen Ludwigsbahn. Man schreibt aus Hanau:„Als Illustration dafür, in welch krassem Widerspruch oft Büreaukratismus und kaufmännische Begriffe stehen, und wie sich die Hessische Ludwigsbahn als Verkehrsinstitut be⸗ trachtet, sei folgendes Vorkommnis erzählt. Mittwoch den 2. Dezember v. J. beorderte eine hiesige Firma aus Oelsnitz im Voigtl. tele⸗ graphisch eine Anzahl größere Teppiche, die sie einem Kunden für Freitag den 4. Dezember fest zugesagt hatte. Am gleichen Tage ist die be⸗ treffende Sendung im Gewicht von 183 Kilo⸗ gramm in Oelsnitz laut Empfangsstempel auf⸗
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
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gegeben worden, war jedoch Freitag nicht im Besitz der Firma. Letztere vertröstete daraufhin ihren Kunden bis zum Samstag. Da die Sendung jedoch auch am Samstag nicht an⸗ langte, so entging der Firma das Geschäft, das einen Verdienst von etwa 50. ausgeworfen hätte. Dienstag den 8. Dezember recherchierte der Auslaufer der Firma direkt in der Güter⸗ halle, fand dort sofort die betreffenden Kolli und hörte, daß sie bereits seit Donnerstag dalägen, was sich auch laut Frachtbrief bestätigte. Die Sendung kam nun infolge der Reklamation end— lich Dienstag Abend in den Besitz der Firma, für das projektierte Geschäft natürlich zwecklos. Die Firma reklamierte nun, und zwar teilte sie der Verwaltung mit, daß sie in der Lage wäre, den Nachweis zu führen, daß ihr durch die nicht reg⸗ lementmäßige Lieferung ein Schaden von etwa 50. entstanden wäre, erklärte sich aber sofort bereit, auf einen Schadenersatz besonders aus dem Grunde zu verzichten, weil sie eventuell ihren Kunden als Zeugen hätte vorladen müssen, was sie absolut vermeiden wollte, und verlangte uur, daß ihr statt Eilgut e m in An⸗ satz gebracht werde, denn die Kolli wären als Frachtgut ja in dieser Zeit auch hier gewesen. Die Firma hätte also keinesfalls nötig gehabt, 17,10. Eilgutfracht dafür auszugeben. Die Hessische Ludwigsbahn stellte sich nun auf fol⸗ enden interessanten Standpunkt:„Die Liefer- frist für Eilgut von Oelsnitz nach Hanau(380 Km.) beträgt drei 15 1 Dieselbe beginnt um Mitternacht des Auslieferungstages, also in diesem Falle Mittwoch Nacht. Die Sendung muß also erst hier sein Samstag Abend. Sie war im Besitz des Bestellers am Dienstag Abend; der Sonntag fällt aus, mithin ist die Ablieferung blos um zwei Tage verspätet und für die zwei Tage wird 8 der Fracht, also rund 3,40 ¼ als Entschädigung offeriert.“ Daß die Sendung am Donnerstag schon hier war, kommt für die hessische Ludwigsbahn gar nicht in Betracht, die Sendung muß() erst Samstag Abend hier sein, also beginnt nach diesem kanonischen Urteil die Verpflichtung zur Ablieferung dieser Sendung erst am Montag Morgen! Eine solche für die ganze Handels- welt interessante Entscheidung eines Verkehrs⸗ instituts verdient gewiß eine öffentliche Be⸗ sprechung und läßt erwarten, daß von der Verstaatlichung der Ludwigsbahn nach dieser Richtung nicht nur keine Verschlechterung, sondern eine Verbesserung zu erhoffen ist.“
* Gießen, 29. Jan. In einem Artikel der Berliner„Post“ wird auf die Vorteile hin⸗ gewiesen, welche der Bau einer zweiten Eisenbahn-Verbindung zwischen Bebra und Frankfurt auch im strategischen Interesse haben würde, da die jetzige einzige Linie über die Kopfstation Elm zu überlastet sei. Diese
Ihre erste Liebe. Novelle von E. von Bischdorf. (Fortsetzung.)
Im Wohnzimmer wurde der Kamin geheizt, behaglich lehnte sie daneben im Schaukelstuhle und wartete auf Felix; wie freute sie sich schon auf das gemeinsame Lesen! Sie hatte, wie sie alle Jahre zu thun pflegte, schon einen Plan entworfen für die Regelung der Lektüre im Winter. Sie pflegte regelmäßig ein historisches Werk und eine Reisebe— schreibung zu lesen und sich dann mit den neuen Erscheinungen auf dem Gebiete der Kunstgeschichte und Romanlitteratur zu beschäftigen. Wie anheimelnd lachten ihr die Bände entgegen, die sie aus der alten Leihe der Residenz hatte kommen lassen! Mit ihres Gatten Leben hatte sie sich nun vertraut ge— macht; jetzt würde sie ihn einführen in die Welt ihrer Interessen, in der er noch Neuling war. Aber wie lange er fort blieb! Er beaufsichtigte das Dreschen auf einem weit abliegenden Vorwerke, hatte doch aber fest versprochen, um 6 Uhr zurück zu sein, und jetzt that die alte Wandur schon sieben Schläge in ihrer gewichtig ernsten Art! Ungeduldig schürte Regine das Feuer und lauschte in die Dämmerung hinaus. Wie einsam es doch war in dem alten Hause, wie unheimlich es raschelte im großen Flure! Sollten es gar Mäuse oder Ratten sein, vor denen sie ein kindisches Grauen fühlte? Aber da schlug die große Dogge an, die ihres Gatten steter Begleiter war, die schwere Haus— thüre klappte, und sein fester, energischer Schritt näherte sich ihrem Zimmer:
„Schön guten Abend, Frauchen, bist Du schon sehr böse auf mich?“ klang gleich darauf seine fröh— liche Stimme neben ihr, und vergessen war alles Unbehagen. Sie holte ihm Hausrock und Morgen— schuhe und mischte mit kundiger Hand seinen Abendgrog.
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„Wie müde Du aussiehst, Felix, komm, stärke Dich ein bischen und ruhe aus nach dem ewigen Herumlaufen und Stehen!“
Er ließ sich glücklich lächelnd ihre Sorge ge— fallen und beobachtete jede Bewegung ihrer schlanken, weißen Finger. Nun schob sie den Stuhl näher an die rosig verschleierte Lampe, öffnete das Buch und las. Sie hatte eine Beschreibung von Schweden ausgewählt und war bald ganz mit den bunten Bildern beschäftigt, die aus den schwarzen Buch— staben vor ihrem geistigen Auge empor blühten. Ihre Stimme klang immer voller und weicher, ihre Augen wurden immer größer und dunkler, Felix achtete längst nicht mehr auf die Worte, die da an sein Ohr schlugen, sondern nur noch auf sein schönes Weib. Nun breitete es sich wie ein Schleier über die holdselige Gestalt, das Knistern des Feuers und das regelmäßige Auf- und Niederwogen ihrer Stimme flossen zusammen in ein einlullendes, sanftes Geräusch, sein Kopf wurde schwerer und eine wohlige Mattigkeit senkte sich auf seine müden Glieder.—
Derweilen wandelte Regine auf der Insel Gott— land unter verfallenen, romanischen Kirchen, zwischen denen die üppigsten Pflanzen grünten und blühten, umrauscht von Meereswogen.
„Ach, wenn wir doch einmal nach Wisby reisen könnten“, rief sie entzückt,„muß sie nicht wie ein lebendig gewordenes Märchen anmuten, die alte, vergessene Stadt im Meere, mit ihrer reichen Ver— gangenheit?“
Aber sie erhielt keine Antwort; aufblickend be— merkte sie erst, daß ihr Mann sanft und leise ein— geschlummert war.
„Aber Felix“, rief sie gekränkt,„wie kannst Du nur schlafen bei diesen köstlichen Schilderungen?“
Erschrocken schlug er die Augen auf.
„Verzeih, Regine, aber ich bin heute sehr müde
zweite Linie könne jetzt, nachdem die preußisch⸗ hessische Eisenbahnkonvention früher bestandene
Schwierigkeiten beseitigt, durch Fortführung der⸗
projektierten Linie Salzschlirf—Schlitz nach Hers⸗ feld, sowie die Ausführung der projektierten Linie Lauterbach— Grebenhain, welche Linien selbstredend dann für Vollbahnbetrieb erbaut werden müssen, leicht erreicht werden. Der Verfasser empfiehlt, die Linie Lauterbach— Grebenhain nicht an die projektierte Linie Stock⸗ heim anzuschließen, sondern zweckmäßiger durch das Seeenthal nach Büdingen forzuführen, weil die bereits im Betrieb befindliche Linie Gedern— Stockheim sich zum Vollbetrieb nicht gut ein⸗ richten lasse und bei der jetzt projektierten Linie Grebenhain— Gedern bedeutende Terrainschwierig⸗
keiten zu uͤberwinden seien. Die Vorteile dieses Projekts, durch welches an Stelle mehrerer unrentabler Nebenbahnen eine Vollbahn treten würde, die nicht nur diese Nebenbahnen mehr wie ersetzen, sondern auch trotz der höheren An⸗ lagekosten finanziell weit günstigere Resultate erzielen werde, werden besonders hervorgehoben.
* Gießen, 29. Januar. Das Ende der Schiefertafel. Den altgewohnten, lieben Schiefertafeln, ohne die man sich bisher die kleinen A-B⸗C⸗Schützen gar nicht denken konnte, wird das Grablied gesungen— den Vorstehern der Berliner Schulen ist von der Behörde anheimgegeben worden, statt! Griffel und Schiefertafel für den ersten Schreibunterricht Bleistift und Papier einzuführen. Diese Neuerung wird allerdings von Pädagogen und Aerzten immer dringender empfohlen, weil die Schrift auf der Tafel oft undeutlich ist und das Schreiben mit dem Griffel die Leichtigkeit der Schrift beeinträchtigt. Papier und Blei⸗ federn ist allerdings für die Eltern wieder kost⸗ spieliger.
* Steinbach, 29. Januar. Der 19 jährige Sohn eines hiesigen Landwirts, Namens Haas, machte gestern, an seinem Geburtstage, durch Erhängen seinem Leben ein Ende. Das
Motiv soll in unglücklicher Liebe zu finden sein. i * Ruttershausen, 28. Jan. Das Kreis⸗
amt Gießen macht bekannt, daß unsere Lahn⸗ brücke von Mittwoch, den 27. Januar l. J. ab bis auf weiteres wegen Vornahme von Repara⸗ turarbeiten nicht befahren werden kann.
* Grünberg, 28. Januar. Der 38. Ge⸗ burtstag unseres Kaisers ist hierorts in üblicher Weise begangen worden. Die„Honorationen“ vereinigten sich dieserhalb zu einem Festmahle im Hotel„Zum Hirsch“, bei welchem Herr Dekan Pullmann das Kaiserhoch ausbrachte. Im Gasthause„Zum Rappen“ hatten sich die hiesigen Korporationen, Krieger⸗, Turn⸗, Ge⸗ sang⸗ und Musikverein zusammengefunden, wo⸗ selbst Herr Pfarrer Koch zur Feier des
geworden, und bei Reisebeschreibungen ist es so schwer, aufzupassen.“
Bei seiner Liebe für Natur hatte sie geglaubt, gerade mit solchen das Rechte zu treffen; nun wählte sie am nächsten Tage ein anderes Buch— Ludwig Richters Selbstbiographie. Vielleicht interes— sierte ihn der Mensch in seiner geistigen Ent— wickelung doch mehr. Er schlief auch nicht wieder ein an den folgenden Abenden und stimmte zu, wenn sie sich an dem reinen, großen Gemüt dieses reich begnadeten Gotteskindes erfreute, obgleich er selbst unbewußt vielleicht zu viele ähnliche Eigen— schaften in sich trug, um den Zauber dieser Per— sönlichkeit richtig zu schätzen. Nun waren sie mit dem jungen Künstler in Rom angelangt, und Regine atmete hoch auf:
„O Felix, der Glückliche, der Beneidenswerte! Wie muß ihm dos Herz aufgegangen sein in der göttlichen Roma!“
Er lächelte verständnislos.
„Warum erscheint Dir denn Rom so göttlich?“
Warum? Sie fand die Antwort auf diese Frage nu schwer. Sie wollte Rafael, Michel Angelo nennen, aber wenn ihn bei dem Zauberworte„Rom“ nicht die heilige Ehrfurcht erfüllte, die sie von Kindesbeinen an gefühlt, würden auch diese Namen für ihn bedeutungslos sein.
„Allein die Peterskirche zu fehen“, sagte sie, „sich einmal so recht klein und winzig zu fühlen in diesem erhabensten Bauwerke und doch wieder groß zu wachsen in dem Gedanken, daß Menschengeist so wunderbar Herrliches vollbringen konnte; ein— mal so recht deutlich den Flügelschlag des unsterb— lichen Genius zu empfinden, der da fortlebt in seinen Werken durch Jahrhunderte und die Menschen empor reißt aus ihrer gedrückten Erbärmlichkeit zu seiner freien, luftigen Höhe.“—
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Tages sprach. Erwähnenswert sind noch die Einzelaufführungen und Vorträge der Vereine, wodurch zu dem schönen Verlauf und Gelingen der Feier wesentlich beigetragen wurde.
* Darmstadt, 28. Januar. An der tech⸗ nischen Hochschule dahier ist die Errichtung einer Professur für Nationalökonomie geplant. Da im Stadtbudget Mittel für einen Lehrstuhl des genannten Faches nicht vorgesehen sind, ist die landständige Zustimmung erforderlich. Bei dem stetigen Steigen der Frequenz der Hochschule ist an der Bewilligung der erforder- lichen Mittel nicht zu zweifeln.
* Offenbach, 28. Januar. Hier ist der Pfarrer der französisch-reformierten Gemeinde, Herr Kirchenrat Karl Braun, im Alter von 82 Jahren gestorben. Er hatte seit dem Jahre 1853 als Prediger der französisch⸗reformierten Gemeinde gewirkt und gelegentlich seines 50 jäh⸗ rigen Amtsjubiläums, das er vor etwa vier Jahren feierte, den Titel als Kirchenrat erhalten. Der Tod ist ohne eigentliche Krankheit infolge der zunehmenden Altersschwäche eingetreten.
* Mainz, 28. Januar. Der als Sachver⸗ ständiger hochgeschätzte Domkapitular und Prälat Dr. Schneider, Mitglied des Kunstrates zur Restauration des kurfürstl. Schlosses, hat der städtischen Verwaltung verschiedene„Ge⸗ sichtspunkte“ unterbreitet, nach denen die Restau⸗ rierung des Schlosses zur Ausführung zu bringen wäre. Herr Dr. Schneider ist der Ansicht, daß sich in erster Linie die geplante Restauration mit der Herstellung der Schäden zu befassen habe, die infolge des Wechsels der Verhältnisse in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts dem Bau zugefügt worden sind; hieran schließe sich als⸗ dann die Frage, ob außer diesen baulichen Her⸗ stellungen von Schäden und Entstellungen eine weitergehende Umgestaltung des Baues im Aeußern wie im Innern, sowie seiner Umgebung ins Auge gefaßt werden soll. Ferner wäre die Schaffung einer entsprechenden Umgebung nach der Stadt⸗ seite in Betracht zu ziehen und wohl auch der Frage Aufmerksamkeit zu schenken, ob nicht zwischen dem ehemaligen deutschen Hause, dem jetzigen großherzoglichen Palais, und dem alten Schloß ein Portalbau in Aussicht zu nehmen sei, der die jetzt zusammenhanglosen Baukörper zu einer künstlerischen Einheit verbände und ebensowohl nach der Stadt⸗ wie nach der Rhein⸗ seite ein wirkungsvolles, architektonisches Binde⸗ glied schaffen würde.
* Bingen, 28. Januar. Die projektierte Errichtung eines Elektrizitätswerks rückt jetzt der Verwirklichung näher. Die Stadtver⸗ ordneten haben gestern einem Anerbieten der Frankfurter Firma Brown, Boweri u. Co. zu⸗ gestimmt, wonach die Stadt den zum Betriebe nötigen Platz gegen eine noch zu vereinbarende Pachtsumme hergeben und ihr dafür ein Drittel
Sie hielt inne; wem sagte sie das? Felix ver⸗ abscheute ja Phrasen.
„Ist denn garnichts in Dir vom Zug zum sonnigen Italien, der uns Deutschen doch von jeher als Feengabe in die Wiege gelegt wurde?“ ver⸗ suchte sie zu scherzen.„Lockt es Dich nicht, den Boden zu sehen, auf dem sich so viel Weltgeschichte abespielt hat von Romulus bis zu Karl dem Großen und Viktor Emanuel?“
Er seufzte in komischem Entsetzen.
„Fange mir nur nicht mit römischer Geschichte an! Du beschwörst die gefürchtesten Geister aus meiner Schulzeit herauf! Was hab' ich grausam geschwitzt über den punischen Kriegen und Cäsar und all dem anderen, altmodischen Blödsinn, mit dem man uns armen Jungen die Köpfe vollge- pfropft! Lieber eigenhändig ein Feld umackern, als nochmals mit den schrecklichen Lateinern anbändeln. Du denkst Dir das nach den Büchern so wonnig, Reginchen, und wenn Du nachher in dem mörde— rischen Klima in Rom drinsitzest, das Fieber kriegst, von gräßlichen Jusekten geplagt wirst und nichts zu essen bekommst als Maccaroni und Salat mit ranzigem Oel, dann wirst Du Deinem Manne schon recht geben, daß es zu Hause am besten ist!“
Regine schwieg resigniert. Was half hier! weiteres Disputieren. Nachdem Richter erledigt war, fing sie Lewes Lebensbeschreibung von Goethe zu lesen an. Aber das wollte Felix garnicht munden.
„Nimm mir's nicht übel, Reginchen, aber dazu muß man bekannter sein mit Goethes Werken, als ich es bin, um das alles zu verstehen.“
„So wollen wir erst ein bischen Goethe lesen, ich will den Wilhelm Meister heraussuchen!“
Gortsetzung solgt.)
Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.


