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Gießen, Mittwoch, den 29. September
1897.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
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Ausgabe
Gießen.
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Postztg. Nr. 3319.
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Nedaktion:
** Kreuzplatz Nr. 4. 2
okales und Provinzielles.
Gießen, 27. Sept. Am Sonntag Vor⸗ Iittag waren die Mitglieder des Bezirks Frank⸗ It g. M. des deutschen Kupferschmiede⸗ irban des hierselbst zu einer General ver- amlung zahlreich versammelt. Es handelte außer den Beratungen wegen gewerblicher Jagen um eine Besprechung der neuen Gewerbe⸗ setze. 5 Gießen, 28. Sept. Großartige Be⸗ Juchtung. In einem Zug der Oberhessi⸗ sen Bahn brannte am Samstag Abend in Jem Wagen vierter Klasse(Nr. 2900) eine elrechte Stalllaterne. Die übliche Be⸗ sichtungseinrichtung hatte versagt, sodaß die cen um die Passagiere des für 60 Per⸗ gen bestimmten Wagens nicht im Dunkeln Jen zu lassen, gezwungen waren, in der Mitte Wagens eine kleine Laterne anzubinden. Gießen, 28. Sept. Gar häufig hat man 1 5 zu beobachten, daß das Publikum Barrieren an den Eisenbahnübergängen eigen⸗ achtig öffnet. Ein solches Gebahren ist für n W jährigen Arbeiter Heinrich Kerper n Ruttershausen verhängnisvoll geworden. Is er eines Abends im Juli d. J. den Bahn⸗ getgang zwischen Kirchberg und Ruttershausen Aslterte und nach Vorbeifahren des Zuges die kurlexe eigenmächtig öffnete, sah sich der Bahn⸗ inter mittelst seiner Laterne den Vorwitzigen was näher an. Kerper, darüber erbost, drang gezücktem Messer auf den Bahnwärter , der seine Last hatte, sich den Angreifer vom be zu halten und seine Laterne auf diesem azweischlug. K., der als rauflustiger Geselle kunnt und schon mehrmals wegen Körper⸗ letzung und Bedrohung vorbestraft ist, hatte heute wegen dieser That vor dem Schöffen⸗ kricht zu verantworten. Urteil: ein Jahr hefäng nis. Gießen, 28. Sept. Gestern Abend fand jeder eine lebung der Feuerwehr statt. as ist notwendig und auch gut. Für weniger wendig und weniger schön aber halten wir e bei diesen Uebungen übliche Trommelei. ch ist für die ganze Bewohnerschaft in der he des Brandplatzes jedesmal eine Tortur. dozu der Lärm, der oft noch nach 10 Uhr
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uütfindet? Was hat die Feuerwehr mit der Mommelei zu thun? Wenn absolut getrommelt zuden muß, dann könnte das wohl auf dem lrleb geschehen. Wir sind aber von der Not⸗ zendigkeit dieses unmelodischen Radaus bei der Fuerwehr gar nicht überzeugt. Vom Posaunen⸗ AIgen sollen ja schon Mauern umgefallen sein. ber daß man mit Trommeln schon Feuer ge⸗ licht hätte, ist uns nicht bekannt. Zum Signal⸗ 515 genügen die Feuerwehrhörner wohl voll⸗ g.
Gießen, 28. Sept. Ein schwieriger Kansport. Gestern Abend gegen 10 Uhr Aurde von einem hiesigen jungen Schutzmann hr dem Wallthor ein etwa 20 jähriger Bursche
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen.
Preis der Anzeigen: 10 fg. für die Ispaltige Petitzeile.
Sänger sich weigerte, seine Personalien anzugeben, wollte der Schutzmann zur Verhaftung schretten. Das war eine schwierige Sache, da sich der zu Verhaftende sehr renitent zeigte. Wir kamen gerade hinzu, als sich bereits zwei Schutzleute im Schweiße ihres Angesichts abmühten, dem gottbegnadeten Sänger auf die Beine zu helfen. Derselbe leistete passiven Widerstand, d. e legte sich auf die Straße, und mußte jedesmal 2 bis 3 Meter geschleift werden; dann wurde wieder Halt gemacht. Von der Ecke der Brau⸗ gasse ab leistete noch ein Zivilist Beistand. Der Transport vom Wallthor bis auf den Kanzlei⸗ berg dauerte etwa 20 Minuten. Vom Kanzlei⸗ berg bis zur Polizei halfen noch zwei Soldaten, von denen jeder ein Bein des Arrestanten mit Beschlag belegte, während die zwei Schutzleute
und der hilfsbereite Zivilist sich der Arme resp.
Schultern und Kopfes bemächtigt hatten. Wir haben nie eine häßlichere Straßenszene gesehen. Zuletzt hatte der Arrestant, der angetrunken schien, nur noch Hose und Hemd an. Als er die Treppe zur Polizeiwache hinaufging, hing das Hemd über die Hose. Er leistete den überaus wirk⸗ samen Widerstand, wie er fortwährend betonte, deshalb, weil er seine Verhaftung für ungerecht⸗ fertigt hielt, da er seinen Namen genannt habe. Das bestritt der eine Schutzmann. Der häßliche Zug, der fortwährend von 30—40 Menschen be⸗ gleitet war, hat jedenfalls zehnmal mehr Auf⸗ sehen erregt, als der Singsang des Burschen vor dem Wallthor in der Nähe des Oktroihäuschens.
* Grünberg, 27. September. Der Kreis⸗ feuerwehrtag des 2. Bezirks des Kreises Gießen fand gestern Nachmittag unter zahlreicher Beteiligung in Hamels Gartenhaus dahier statt. Den Vorsitz führte Herr Regierungsrat Wal lau⸗Gießen. Die Präsenzliste ergab die Anwesenheit von 34 Delegierten. Nicht vertreten waren die Orte Beuern, Oppenrod und Staufen⸗ berg. Zum ersten Punkt der Tagesordnung sprach Herr Kreisfeuerwehrinspektor Lobos-Gießen über das Thema: Die Aufgaben und Pflichten der Feuerwehren, insbeson— dere der Kommandanten. Der sehr lehr⸗ reiche Vortrag wurde mit lebhaftem Interesse aufgenommen. Herr Regierungsrat Wallau gab hierzu einige Erläuterungen hinsichtlich der technischen Ausbildung der Mannschaften. Hierauf hielt der Feuerwehrhaupkmann, der Gießener Freiwilligen Feuerwehr, Herr Gail, einen in⸗ teressanten Vortrag über: Die Entstehung der Feuerspritze resp. deren Bau und Konstruktion. An der Hand eines gläsernen Spritzenmodells erklärte der Referent die Hand⸗ habung und Zusammensetzung der modernen Spritze. Auch zeigte derselbe eine alte Hand⸗ feuerspritze aus der guten alten Zeit, aus dem Kreise Wetzlar stammend. Von den statistischen Mitteilungen ist zu erwähnen, daß es im Kreise Gießen 48 Saug⸗ und Druckspritzen und 49 Druckspritzen giebt. Orte, wo das Wasser von Hydranten entnommen werden kann, zählt der Kreis 4, nämlich: Gießen, Grünberg, Lich und Queckborn. Diesem schloß sich nach einigen er⸗
Telephon⸗Nr. 112. edition:
* 2 Kreuzplatz Nr. 4.
ug gie Bemerkungen des Vorsitzenden ein urzes Referat des Herrn Kreisfeuerwehrinspek⸗ tors Loos-Gießen über: Die Behandlung der Spritzenschleuche an. Der Vorsitzende, Herr Regierungsrat Wallau, teilte der Ver⸗ sammlung mit, daß der Kreisausschuß auf An⸗ regung des Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrver⸗ bandes, Herrn Fel ler-⸗Lollar, beschlossen hat, den Wehren in allernächster Zeit ein Lehrbuch durch die großh. Bürgermeistereien zur Ver⸗ fügung zu stellen, welches zum Studium, nament⸗ lich für die Kommandanten, sehr zu empfehlen sei. Damit war die Tagesordnung erschöpft und da keine Anträge gestellt worden waren, der Kreisfeuerwehrtag mit einem Hoch auf Kaiser und e geschlossen. Anwesend war aus Gießen noch der Herr Brandinspektor Traber, welcher einen Toast auf den Vorsitzenden aus⸗ brachte. Darauf folgten die Uebungen der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr, verbunden mit einem Brandangriff an dem Hause des Herrn Moll. Die Leistungen fanden allseitige Anerkennung. Im Gasthause zum„Wilden Mann“ fand nach Beendigung der Exerzitien eine gesellige Zusammenkunft statt.— Bemerkt sei hier nur noch, daß es zur Beschaffung geeig⸗ neter Lehrmittel am Platze notwendig sein dürfte, weun das öffentliche Interesse an dem Feuer⸗ löschwesen auch in finanzieller Unterstützung zum Ausdruck käme, namentlich gilt dies von hiesigen Instituten, die ja sonst reichliche Summen für andere Zwecke verausgaben.
* Bad Nauheim, 27. Sept. Der Fuhr⸗ knecht Eberhard Siegel aus Steinfurth erstickte heute Nacht hier in seinem Bett, das durch seine Zigarre in Brand geraten war.
* Darmstadt, 27. Sept. Unter der Anklage der Doppelehe(Bigamie) stand am Freitag der Metzger Franz Fäßler von Neu⸗Isenburg, zuletzt in Mühlheim, vor Gericht. Er hat vor etwa 17 Jahren geheiratet, aus der Ehe sind Kinder hervorgegangen. Alles schien in bester Ordnung zu sein, als eines Tages bekannt wurde, daß Fäßler schon einmal verheiratet war, die Frau noch lebe und eine Scheidung nicht erfolgt ist. In der eingeleiteten Untersuchung bestritt der Ehemann dies nicht, er behauptete jedoch, er habe einem Rechtskonsulenten Auftrag gegeben, die Trennung der Ehe herbeizuführen. Dieser habe dafür 50& erhalten und ihm später mit⸗ geteilt, die Sache sei erledigt. Sein guter Glaube scheint jedoch nicht so weit her gewesen zu sein, denn er gab sich vor dem zweiten Ehe⸗ schluß für ledig aus und ließ nie, obwohl auch aus der ersten Ehe Kinder da sind, merken, daß er schon einmal die Hand zum Ehebund gegeben. Jedenfalls würde er bei einiger Aufmerksamkeit erfahren haben, daß die erste Ehe noch zu Recht bestehe. Das Gericht sprach ihn unter diesen Umständen für schuldig und verurteilte ihn in eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten.
* Mainz, 27. Sept. Gestern Abend stürzte ein Metzgerbursche bei dem Herausheben eines Schweines in den mit kochendem Wasser gefüllten
Kessel; er wurde so furchtbar verbrüht, daß
ihm das Fleisch in Fetzen vom Körper abfiel. Hoffnungslos wurde der Unglückliche in das Hospital verbracht.
* Mainz, 27. Sept. Gestern Nachmittag unternahmen mehrere Schiffer mit dem kleinen Dampfer„Amalie“ eine Vergnügungsfahrt nach Nackenheim. Abends bei der Heimfahrt stie ß das kleine Boot auf den zu Berg kommenden Dampfer„Ginsheim“. Der Zusammenstoß war so heftig, daß die„Amalie“ zu sinken begann. Die Insassen wurden von dem„Gins⸗ heim“ alle gerettet, während die„Amalie“ versank.
* Mainz, 27. Sept. Vor kurzem ging die Notiz durch die Blätter, daß die Drucksachen⸗ verwaltung der Eisenbahndirektion Mainz ab 1. April 1898 nach Frankfurt verlegt werden sollte und somit die Mainzer Buchdrucker, die, wie früher für die Hessische Ludwigsbahn so auch jetzt für die Staatsbahn arbeiten, em⸗ pfindlich geschädigt würden. Diese Bekannt⸗ machung des Eisenbahnministers hat begreiflicher⸗ weise die beteiligten Kreise in große Beunruhigung versetzt, und die Buchdrucker haben sich geeinigt, um in einer Eingabe an den Minister Thielen diese für manche Betriebe geradezu verhängnis⸗ volle Verfügung noch rückgängig zu machen und den Minister zu bitten, die Drucksachenverwaltung wie seither in Mainz zu belassen. Diesem Vor⸗ gehen hat sich nunmehr auch die Handelskammer angeschlossen, die in einer Eingabe die Wünsche der Mainzer Buchdrucker unterstützt. Desgleichen will Herr Oberbürgermeister Dr. Gaßner im Namen der Stadt Mainz das Gesuch befür⸗ worten, und es wird demnächst dem Stadtver⸗ ordneten⸗Kollegium ein diesbezügliches Schreiben zur Genehmigung vorgelegt werden. Neben den Buchdruckern würden auch andere Geschäftszweige — im Falle diese Verlegung der Drucksachen⸗ verwaltung zur Wirklichkeit würde, was wir nicht hoffen— empfindlich geschädigt werden. Es bezieht sich dies auf die beteiligten Buch⸗ bindereien und Schreibmaterialienhändler, die dann auch einen großen Kunden verlieren würden.
* Mainz, 26. Sept. Gestern Abend hat sich in der Gärtnergasse ein bedauernswerter Un⸗ glücksfall ereignet. Eine daselbst wohnende Witwe Namens Schrott, Besitzerin eines Spezerei⸗ warengeschäfts, wollte bei Schluß des Geschäfts die in dem Laden hängende Petroleumlampe durch Kleinschrauben auslöschen, als die Lampe plötzlich explodierte und das brennende Petro⸗ leum über die unter der Lampe stehende Frau sich ergoß, wodurch deren Kleider sofort Feuer fingen. Die Unglückliche eilte auf die Straße, und einige Männer, die hinzukamen, rissen ihr die brennenden Kleider vom Körper. Die am Kopf, dem Gesicht und Oberkörper schrecklich ver⸗ brannte Frau wurde in das Hospital verbracht; sie ist inzwischen gestorben.— An einem irr⸗ sinnigen Frauenzimmer wurde gestern von zwei Knechten ein schweres Sittlichkeitsver⸗ brechen verübt; das Frauenzimmer ist seitdem spurlos verschwunden und glaubt man, daß sich
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Agehalten, weil er gesungen hatte. Da der r————
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Eine reiche Partie.
Erzählung von Felir von Stenglin. (Nachdruck verboten).
(Fortsetzung.) Warnshagen war sehr schweigsam auf der
fahrt, auch Grünebohm sprach nicht viel, nur ab nd zu ließ er einige nach seiner Meinung er⸗ Aunternde Redensarten fallen. 1 Nachdem sie von der Station aus noch etwa Ine viertel Stunde zu Fuß durch den klaren 1 Binterabend gegangen waren, standen sie vor dem 4 hutshause. Die Räume im unteren Stockwerk waren hell abel »Da scheint der Baum auch schon zu brennen,“ ite Grünebohm.„Aber der Weihnachten is noch
ch vollständig. Und nu gehen Sie mit Gott. id was Sie da bringen, das schenken Sie Ihren 5 ern im Himmel zu Weihnachten!“
1 ging. Seine Schritte f 70 i r zögerte ugenblic. schwerfällig, aber er zög
Nun hatte er die Freitreppe erstiegen, nun
waren keinen
e er an den Kaopf der elektrischen Klingel. 7 per erschien und öffnete. Dann verbeugte er und lleß Warnshagen ein.
Jetzt erst wandte der alte Preuße sich um und ng zur Station zurück.
XVII.
Der heilige Abend hatte in Frauensee recht bselig begonnen. Wohl hatten Hellmuths Eltern ihren Sohn
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und auch diesem ging das
aber so recht einig 1 man nicht. err von Jürgen merkte, daß dem 1 15 19 9 5 des Gutes, trotzdem sie doch nur zu des Letzteren Besten dienen sollte, nicht ge⸗ fiel. Er wagte aber einstweilen nichts zu sagen, er wollte den Gemütszustand des Sohnes schonen. Und auch Hellmuth sprach sich nicht offen aus, um dem Vater nicht wehe zu thun.
Still und ernst traten sie an den Weihnachts baum, den elterliche Liebe auch diesmal fürsorglich hergerichtet hatte. Hellmuth bedankte sich, aber die Sachen machten ihm augenscheinlich keine große Freude. Infolgedessen nahmen auch die Eltern ihre gegenseitigen Geschenke ohne besonderes Vergnügen entgegen. Möglichst bald wandte man sich zur Be⸗ scheerung der Leute im großen Saal.
Da ging es denn etwas froher zu, obwohl die Stimmung der Herrschaft natürlich nicht ohne Ein⸗ fluß auf die Dienerschaft blieb. Röper war sogar sichtlich unzufrieden, da in der Zerstreutheit Herr von Jürgen die Zigarren aufzubauen vergessen hatte. Mißvergnügt musterte er seinen Teller mit Pfeffer⸗ kuchen, Aepfeln und Nüssen, ließ das Halstuch flüch⸗ tig durch die Finger gleiten, öffnete das Porte⸗ monnaie, in dem er zu seinem Bedauern nicht mehr als zehn Mark entdeckte, betastete die Puls⸗ wärmer, Strümpfe und Hemden,— das alles er⸗ schien ihm recht unwesentlich— und öffnete schließ⸗ lich, nachdem die Herrschaft sich schon wieder in s Nebenzimmer zurückgezogen hatte, den Regenschirm.
herzlich bewillkommnet, Wiedersehen zu Herzen;
Achselzuckend wendete er sich zu seiner Nachbarin, einem der beiden Dienstmädchen.
Hm! Was ich damit solll“ „Halbseide! Zanella!“
„n Regenschirm! Er betastete den Stoff. sagte er wegwerfend.
„Der Schirm ist gut,“ meinte das Mädchen, „wenn ich man solchen hätt'!“
Röper lächelte überlegen.„Fassen Ste doch mal den Stoff an. Die Krücke ist auch sehr ge⸗ wöhnlich, ich möchte sagen, plump. Wenn er viel gekostet hat, hat er drei Mark gekostet!“
In diesem Augenblick trat Herr von Jürgen mit einer Kiste Zigarren in den Saal und ging auf Röper zu. Freundlich sagte er:„Das Beste hätte ich beinabe vergessen, Röper. Hier,— ge⸗ nießen Sie's in Gesundheit.“
Als ob das so sein müsse, nahm der Diener—
die Kiste in Empfang und verbeugte sich mit ein paar Dankesworten.
Herr von Jürgen ging wieder hinaus.
„Nun? meinte das Mädchen zu Röper.„Sind Sie jetzt zufrieden?“
Röper öffnete die Kiste und roch an den Zigarren.„'ne Fünfpfennig⸗Zigarre,“ sagte er. Seine anderen Sachen aber betrachtete er nun doch mit etwas mehr Wohlwollen.—
Frau von Jürgen vermochte nicht lange an sich zu halten.
Als die Leute mit ihren Geschenken den Saal verlassen hatten, begann sie alsbald von dem, was sie bedrückte, mit ihrem Sohn zu sprechen.
„Nun sage mal, Hellmuth,“ so fing sie an, „was für ein Unsinn ist es denn eigentlich, daß Du Dich da vor allen Leuten verkriegst—
„Nein, erlaube aber, lieber Junge, es ist doch sehr seltsam! Man weiß garnicht, was man den Bekannten sagen soll, und sie schütteln alle den Kopf. Du bist nervös und gehörst in gute Pflege, aber nicht in eine Fabrik mit ihrem Ruß und Schmutz.“
Hellmuth war ein wenig verlegen und wußte nicht recht, wie er antworten sollte. Daß er richtig gehandelt hatte, fühlte er zwar, aber begründen ließ sich seine Handlungsweise schwer.
„Ich konnte nicht anders,“ sagte er nur.
„Nun, wir hoffen, daß Du jetzt vernünftig ge⸗ worden bist. Wir haben hingegeben für Dich, was wir hatten,— Frau von Jürgen seufzte tief auf, „es ist uns bitter schwer geworden, glaube mir! Du denkst doch jetzt nicht mehr daran, in Deine Fabrik zurückzugehen?“
Die Eltern sahen beide den Sohn an und er— warteten seine Autwort.
Er schlug den Blick zu ihnen auf.„Ich muß,“ sagte er,„denn von den Leuten in Friedrichsthal nehme ich nichts an, das habe ich mir fest vorge⸗ nommen.“
Herr von Jürgen stand auf und ging durch das Zimmer. Also alles vergebens! Der Sohn war ihnen auch durch dies Opfer nicht wiedergewonnen! Endlich blieb er vor seinem Sohn stehen.
„Wir glauben's Dir ja so,“ sagte er etwas ärgerlich,„daß Du das Zeug in Dir hast, Dich auf eigene Füße zu stellen, aber verschmähe doch wenigstens nicht die naturgemäße Unterstützung, die sich Dir dabei auf Deinem Wege darbietet!“
„Unsinn ist es nicht, Mama Hellmuth fühlte sich etwas gekränkt.
(Fortsetzung folgt.)


