Ausgabe 
28.2.1897
 
Einzelbild herunterladen

Ib math Bibel. ingeldeh, g

r

uf 90 0 bene

artoffcsn pr entner 400 Mut

5

64 Jahte 1. 10. alt,

057 Jute alt . Alfeld. Ge. Die Lesche bird

Verantw. Neha. ann, debe in Oiezen

10 Leib).

suber⸗Panora uas c

roßem Radau, pan.

eren: J. Arnold, Orundergerstraße,

zar, Marktplatz 0, g. ane 1

pg Zeltersweg 30. erstand.

. Lollar.

eiert der genant

rn sein

ef l 46 orträgen

*

0 wpfiehl. slcaßt lein

55,

5

Gießen, Sonntag, den 28. Febinat

1897.

*

Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

Postztg. Nr. 3239. Telephou⸗Nr. 112.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

8 Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 26. Februar.(Stadtverordneten Versammlung. Schluß.) Vor Eintritt in die Generaldiskussion weist der Oberbürgermeister Gnauth darauf hin, daß im Budget⸗Entwurf pro 1897/98 eine zweite Rate für die Kanalisation nicht eingestellt ist, weil er es für im Interesse der Stadt liegend erachte, daß man sich in dieser Frage vorerst noch abwartend verhalte. Die Lindleyschen Pläne seien schon im vorigen Jahre so weit gediehen gewesen, daß eigentlich die Sache schon hätte vor die Versammlung gebracht werden können. Durch die Berliner Gewerbe⸗Ausstellung sei nun neuerdings wegen der Zweckmäßigkeit des Systems der Kanalisation kleinerer und mittlerer Städte die Streitfrage aufgeworfen, ob die gleichzeitige unterirdische Abführung des Regenwassers in solchen Städten mit den Fäkalien und Küchenabwässern praktisch set. Baurat Herzberg ⸗Berlin, eine Kapazität auf dem Gebiete des Entwässerungsbaues hat nämlich auf der Berliner Gewerbeausstellung einen sehr inter⸗ essanten Vrtrag gehalten, worin er für kleinere und mittlere Städte den Vorschlag einer Trennung des Regen⸗ wassers von den übrigen Abwässern vorschlug, wodurch, abgesehen von der wesentlichen Verbilligung der ganzen Anlage, ebenso des billigeren Betriebes derselben, manche Schwierigkeit beseitigt wird, welche die Kanalisation der mittleren Städte bisher erschwerte. Als wichtiges Moment dieser Trennung sei der Fortfall der Notauslässe zu be⸗ trachten, über deren Schädlichkeit im Interesse der Städte⸗ hygiene man sich noch herumstreite. In dem Streit über den Wert oder Unwert der geteilten Entwässerung von Städten sei bis jetzt nicht entschieden(die Regenwässer sollen oberirdisch oder in kurzen unterirdischen Röhren dem nächsten Wasserlauf zugeführt werden). Die Theo⸗ retiker und Hygieniker, so auch der Stadtverordnete Dr. Gaffky, hatten in ihrer Mehrheit die Ansicht, daß die geteilte Entwässerung unter gewissen Verhältnissen, wie solche auch bei uns liegen, große Vorteile besäße und einer gemeinsamen Abfuhr aller Abwässer vorzuziehen sei. Oberbürgermeister Gnauth hält es für Pflicht der Ver⸗ waltung, nicht so ohne weiteres über die Frage hinweg⸗ zugehen und hält es für das beste, vorerst die ganze Frage bis zum Herbst ruhen zu lassen. Im September tage nämlich der Verein für deutsche Gesundheitspflege und habe gerade diese für uns wichtige Frage zur Be⸗ ratung gestellt, sodaß es sich empfehle, das Resultat dieser Beratung abzuwarten, um eventuell sich für das eine oder andere System der Kanalisation zu entscheiden. Wenn nicht etwa aus der Mitte der Versammlung eine Anregung an ihn erginge, würde er die Kanalisationsfrage für vorerst für erledigt betrachten. Stadtv. Löber nimmt zur Frage der Ausdehnung des Stadterweiterungsplanes nach der Gegend der Schwarzenlach zu das Wort. Die Ausdehnung sei um so notwendiger, als die Kanalisation der Stadt durch das, was der Oberbürgermeister angeführt, wieder hinausgeschoben sei, und die Entwässerungsverhältnisse der neuen Grundstücke und Straßen im Westen(Asterweg) dringend wenigstens einer provisorischen Abhülfe bedürfen. Der Oberbürgermeister erklärt, daß er, nachdem das Stadt⸗ bauamt durch einen Assistenten und einen Techniker ver⸗ mehrt sei, hoffe, daß noch gegen Ende dieses Jahres der vom Vorredner angeregte erweiterte Bebauungsplan der Stadt im Westen fertig gestellt werde. Stadtv. Wallen⸗ fels rügt den schlechten Zustand unseres Stadtringgrabens und erkundigt sich, wie es denn mit der Haftung für diese Schäden seitens der Unternehmer, welche dieselben errichtet hätten, stände. Der Oberbürgermeister teilt mit, daß hier für die Ostanlage, Bahnhofstraße bis zum Seltersweg die Firma Stein in Wetzlar haftbar zu machen sei. Es sel bereits ein Schiedsgericht dieserhalb gebildet, und sei er persönlich der Meinung, daß dessen Spruch, der demnächst zu erwarten sei, zu gunsten der Stadt ausfallen werde. Es folgt darauf die Spezialdiskusston. Bei dem Titel Waldungen fragt Stadtv. Dr. Schäfer an, ob für den Philosophenwald der Holzhieb nach Grundsätzen des Forst⸗ betriebes nicht fortfallen könne, damit dieser Wald mehr den Charakter eines Parkes annehme. Es sei doch das einzige Gehölz, welches in der Nähe unserer Stadt den Bewohnern zur Promenade diene. Der Oberbürgermeister versichert, daß für einen Teil des Philosophenwaldes, nämlich denjenigen, auf dem die Jugendfeste gefeiert werden, schon jetzt so verfahren werde, wie es Dr. Schäfer wünsche. Es seien auch für Instandhaltung der Wege in jedem Budget 300 vorgesehen, ob man nach dieser Richtung vielleicht noch mehr thun solle, ließe sich erwägen. Stadtv. Löber fragt an, ob es wahr sei, daß der Pächter einer städtischen Jagd diese unweidmänntisch aus⸗ nutze, und zwar gegen die Vertragsbestimmungen. Der Oberbürgermeister konstatiert aus den Akten, daß eine dahingehende Anzeige erhoben sei und daß er diese Anzeige der Oberförsterei zur eingehenden Mitteilung übergeben habe. Es scheine bei den Jägern der Begriff, was weid⸗ männisch sei oder nicht, verschieden zu sein. Beim Titel Tonnenanstalt regt Stadtv. Kirch an, ob es sich nicht ermöglichen lasse, die Abfuhr der Fäkalien nachts vorzunehmen. Oberbürgermeister Gnauth entgegnet, daß diese Frage früher schon die Versammlung beschäftigt habe. Man habe mit dem Unternehmer unterhandelt, derselbe habe aber erklärt, daß er eine Garantie für regelmäßige Abfuhr, wenn dies nachts geschehen soll, nicht übernehmen könne, ferner kämen die erheblichen Mehrkosten hinzu. Die Tonnenabfuhr sei schon ziemlich kostspielig und man könne den Mehrbetrag den Interessenten nicht gut zumuten, aus diesen Gründen sei man davon zurückgekommen, der nächt⸗ lichen Abfuhr der Tonnen näher zu treten. Beim Titel Polizei macht Stadtv. Haubach auf die wunder⸗ lichen Andordnungen der Polizei aufmerksam, wonach den Radfahrern den Mittelpunkt der Stadt zu be⸗

2 Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen t 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzelle.

fahren, verboten sei. Er könne keinen Grund für dieses Verbot einsehen. Das Fahrrad sei heute doch all⸗ gemein Verkehrsmittel und es sei unbillig, zu verlangen, daß die Fahrer vom Rade steigen sollen, wenn sie den Mittelpunkt der Stadt queren wollen und ihr Rad da⸗ rüber hinaus drücken sollen, das Mindeste, was man ver⸗ langen könne, sei doch, daß diejenigen Straßen und Plätze, die man zum befahren frei gebe, ohne Unterbrechung auch befahren werden können. Beigeordneter Wolff erklärt, die Polizeibehörde gestatte Aerzten ꝛc. das Fahren auf allen Straßen. Der Oberbürgermeister verspricht, sich wegen der Sache bei der Polizei zu informieren, um dann der Frage näher zu treten in wie weit den Interessen der Radfahrer gedient werden könne. Beim Titel Allge⸗ meine Berwaltung fragt Stadtv. Haubach an, welche Mengen von Papier und Schreibmaterialien von außerhalb bezogen werden, er interessiere sich für die Be⸗ antwortung der Frage, weil ihm mitgeteilt sei, daß be⸗ sonders das Stadtbauamt solche Materialien von aus⸗ wärts kaufe, die man bei den hiesigen Papierhändlern ebenso gut und so billig beziehen könne und diese hätten doch gewiß ein Recht, zuerst zu Lieferungen herangezogen zu werden. Der Oberbürgermeister erklärt, daß er doch die Rechnungen für die Papierbezüge von außerhalb dekrediere, ihm seien aber nennenswerte Beträge dabei nicht aufgefallen. Diese Einkäufe seien auch nur ganz bestimmte Sorten, Zeichen- und Pausepapiere, die man, um ganz sicher zu gehen, am besten an der Quelle, d. h. direkt beim Fabrikanten kaufe. Stadtv. Haubach meint, es könne doch auch möglich sein, daß Einer oder der Andere unserer Papierhändler die Lieferung der gleichen Papiere zum mindestens gleichen Preise übernehmen könnte. Stadtv. Homberger ist überzeugt, daß das Stadtbauamt den Interessen der Allgemeinheit am besten dient, wenn es diese Papiere an der Quelle einkauft. Der Oberbürgermeister bemerkt, daß diese Einkäufe das Jahr hindurch, soweit dieselben von auswärts bezogen werden, nur unbedeutende Beträge ausmachen, er werde jedoch die Wünsche des Stadtverordneten Haubach im Auge behalten und feststellen lassen, wie hoch sich diese Einkäufe im vergangenen Jahre belaufen haben. Stadtv. Heichelheim ist ebenfalls der Meinung, daß man hier am Platze kaufen soll, weun der Artikel hier nicht schlechter oder teurer zu haben ist. Es könnte ja möglich sein, daß die Fabrik dem Zwischenhändler einen Extra-Rabatt be⸗ willigt. Zur Vermögensrechnung übergehend bemerkt der Oberbürgermeister, daß in das Budget noch in Ausgabe zu stellen sei bei Titel An⸗ und Verkauf von Gebäuden und Grundstücken 62 000% für die Neue Mühle, während der Rest des Kaufpreises von 18 000& für das Gelände im Stadterweiterungsfond verrechnet wird. Ferner seien noch in Ausgabe zu stellen 8700, erste Rate für den Realschulbau und der Betrag der Asphal⸗ tierung des Trottoirs der Löberstraße, abzüglich des Be⸗ trages den die Anlieger dazu zu leisten haben. Damit ist die Budget⸗Beratung beendet. Es folgt eine geheime Sitzung.

* Gießen, 27. Februar. Der Theater⸗ Verein bot gestern Abend etwas klassisches: Lessings Emilia Galotti. Gespielt wurde von Mitgliedern des Darmstädter Hoftheaters und zwar gut. Reichlicher Beifall lohnte ihre Leistungen.

* Gießen, 27. Febr.(Stadttheater.) Am nächsten Mittwoch, den 3. März, eröffnet die Direktion Kruse-Helm den zweiten Teil der Theater-Saison mit dem beliebten Lust⸗ spielKrieg im Frieden, in dem der Hof⸗ schauspieler Adalbert Matkowsky vom Egl. Schauspielhause in Berlin als Gast mitwirkt.

* Gießen, 27. Febr. Es war zwar kein Faschings⸗Konzert, welches wir gestern von den Hofgeismarer Dragoner zu hören bekamen, aber wir müssen gestehen, bei den vollendeten Leistungen dieser Kapelle freuen wir uns des Tausches ganz besonders. Das waren Geiger wie wir sie bei einer Kavallerie-Kapelle nicht er⸗ warten konnten, dabei ein Programm, so vor⸗ züglich und abwechslungsreich zusammen gestellt, daß dies schon allein dem Leiter, Stabstrompeter Toitzik alle Ehre macht. Herr Gerlach trug ein Solo aus dem 7. Konzert für Violine von Beriot vor, welches wahre Beifallssalven hervor rief. Ebenso leistete Herr Lietzmann auf dem Kylophon Bewunderungswertes. Das eigen⸗ artige und das exakte Zusammenspiel dieser Dragonerkapelle kam am besten in der Tell⸗ Ouvertüre und in einer zum Gehör gebrachten Fantasie aus der Oper Margarethe zur Geltung. Auch die Darstellungen des Mimikers Roèvska⸗ Rogge waren vorzüglich, so daß auch ihm die Konzertbesucher den Beifall nicht versagten. Wir hören, daß die Hofgeismarer Dragoner bald ein zweites Konzert in Steins Saalbau zu ver⸗ anstalten beabsichtigen.

* Gießen, 27. Februar. c Bruch- und Bleichstraße belegen, ca. 650 Qua⸗ dratmeter groß, dem Bauunternehmer Winn gehörig, wurde von diesem für 11,50 4 pro Quadratmeter an den Schreinermeister Kinkel verkauft. 8 i

* Gießen, 27. Febr.(Prozeß Carleé⸗ Haas). Wie uns nachträglich mitgeteilt wird, hat der Angeklagte Haas seinen Anwalt beauf⸗

Der Eckbauplatz

8 Expedition: 2 Kreuzplatz Nr. 4.

tragt, ebenfalls gegen das schöffengerichtliche Urteil Berufung einzulegen. Er will sich bei der, wenn auch nur milde erfolgten Verurteilung nicht beruhigen, da in der gestrigen Sitzung einzelne von ihm geladene Personen, durch deren Zeugnis er sich einen wesentlich günstigeren Er folg verspricht, nicht vernommen worden sind.

* Bad Nauheim, 26. Februar. Der Spar- und Vorschuß verein Bad Nauheim hielt gestern seine Generalversammlung für das letzte Geschäftsjahr ab. Wenn man sich bei dessen Beginn auch keinen allzugroßen Hoff nungen hingeben konnte, so war doch der Ver⸗ kehr ein sehr reger und das Resultat über Er⸗ warten günstig. Bei einem Mitgliederstand von 360 wurde ein Umsatz von 6700000& erzielt und wieder wie regelmäßig seit 12 Jahren eine Dividende von 6 Prozent verteilt. Zum ersten Mal seit dem langjährigen Bestand der übrigens musterhaft verwalteten Kasse sah sich dieselbe ge nötigt, eine Effekten⸗Reserve einzustellen, um die Verluste zu decken, die dem Verein durch die Konvertierung der Staatspapiere vou 4 prozen⸗ tige in prozentige erwuchsen. Es mußten nämlich, um die überflüssigen Gelder nicht müßig liegen zu lassen, 559000. ein Wert⸗ papieren angelegt werden.

* Mainz, 25. Februar. Ein unzurechnungs⸗ fähiger lediger Mensch Namens Mohr, der dem Trunke ergeben war, wurde gestern Nachmittag total betrunken von der Polizei auf der Straße aufgefunden und nach dem ersten Polizeibezirk verbracht. Als man abends die Zelle öffnete, fand man ihn tot. Es ist nunmehr eine amt⸗ liche Untersuchung darüber eingeleitet, ob Mohr durch den Uebergenuß von Spirituosen oder durch einen Sturz während der Trunkenheit ver storben ist.

8 Vermischtes.

Die Brückenkatastrophe von Szuczava. Wie wir schon berichtet haben, brach in der ungarischen Ortschaft Szuczava die daselbst über den Szuczava-Fluß geschlagene Brücke, auf welcher eine Menge Menschen dem Treiben des Stromeises zusah, unter der ungewohnten Last ein, und etwa vierzig Personen stürzten in die eisigen Fluten. Etwa zwanzig Personen klammerten sich an das Treibeis und gelangten so ans Ufer, die andere Hälfte aber konnte sich nur mit Mühe auf eine kleine Insel im Flusse retten. Doch wurden mehrere der Unglücklichen von den Fluten weggeschwemmt. Die Rettungsarbeit ging nur äußerst schwer von statten, denn es stand nur ein Kahn zur Verfügung, der mit den Rettern zweimal umkippte. Einzelne Episoden waren geradezu erschütternd. So stand z. B. ein kleiner Bäckerjunge an einen Weidenast angeklammert volle zwölf Stunden lang bis an den Hals im Wasser. Zweimal versuchte man ihn zu retten, doch niemand konnte in seine Nähe gelangen. Endlich kletterte der Junge in ein Boot, das man mit Stricken hinbugstert hatte, da schlug das Boot um und der Kleine ver⸗ schwand in den Wogen. Aus der Umgebung kamen Fischer zur Rettung herbei, in erster Reihe zeichneten sich die Soldaten bei den Rettungsarbeiten aus, besonders einer, Namens Wilhelm Stark. Wie viele Menschenleben die Katastrophe gefordert hat, ist noch nicht festgestellt, bisher beträgt die Zahl der Opfer neun.

Noch ein Chimay⸗ Skandal. Vor dem Brüsseler Zivilgerichtshof spielte sich eine Aufsehen erregende Verhandlung ab. Der Prinz Alfons von Chim ay, ein Vetter des kürzlich vielgenannten geschie⸗ denen Prinzen von Chimay, hatte auch eine Geldheirat gemacht und ein sehr reiches junges Mädchen, Fräulein Lejeune, geheiratet. Doch die Prinzessin fand mehr Gefallen an dem Bedienten ihres dem Sport huldigenden Mannes, als am Prinzen. Als der Prinz dahinterkam, daß seine junge Gattin mit dem Bedienten Josson auf vertrautestem Fuße stand, warf er ihn hinaus, aber die Prinzessin zog es vor, ihrem Geliebten zu folgen. Der Prinz ließ sich scheiden, und die Prinzessin heiratete den Diener Josson; sie ließ sich in Taintegnier bei Tournat ein Schloß bauen, und weilte oft mit ihrem neuen Gatten, der sich mit ihrem Gelde den Titel eines Marquis de Rigaud kaufte, am Comersee. Das geschah im Jahre 1885, aber nach 5 Jahren hatte Frau Josson ihren zweiten Mann auch satt; sie ging, so erzählte der Ver⸗ treter des Ehemannes Josson, Advokat Bara, mit dessen Sekretär durch und machte seitdem mit dem Sekretär Reisen durch Italien, Algier und Frankreich. Nach zwei⸗ jähriger Abwesenheit erschien sie wieder in Brüssel, aber nur um ihrem Manne zu erklären, daß sie für jede fernere eheliche Gemeinschaft mit ihm danke; ja, sie ließ sogar den Flügel ihres Schlosses bei Tournai, den Josson bewohnt hatte, niederreißen. Josson verlangt nunmehr die Scheidung. Der Vertreter seiner Frau, Advokat Woeste, erklärte dem Gerichtshof, daß Frau Josson dabei beharre, nicht mehr mit ihrem Mann zusammen zu leben, Der Gerichtshof sprach die Zulässigkeit der Scheidung aus und forderte den Kläger auf, die vorgebrachten Thatsachen zu beweisen. Sieben Zeugen sind vorgeladen worden. Die fürstlich Chimaysche Familie hat mit ihren Geld⸗ heiraten kein Glück gehabt. Die Chimayschen Scheidungs⸗ geschichten und ihre Folgen sind beredte Sittenbilder aus den belgischen Adelskreisen.

Standesamtliche Nachrichten. Geburten.

Am 16. Februar. Dem Drechsler Emil Krämer ein Sohn, Emil Ferdinand Friedrich. Am 17. Februar. Dem Werkmeister Jakob Heinrich Dewald eine Tochter, Paula Katharina. Am 19. Februar. Dem Buchhalter Wilhelm Josef Dittrich eine Tochter, Hildegard Anna Margarethe. Am 20. Februar. Dem Schreiner Karl Peter eine Tochter, Marie. 20. Dem Büreauvor⸗ steher Friedrich Möbus ein totgeborenes Kind, männlichen Geschlechts. 20. Dem Feldwebel Georg Ritz eine Tochter, Elisabethe Käthchen Luise. Am 22. Februar. Dem Anwaltsgehilfen Heinrich Fourier ein Sohn. 22. Dem Weißbinder und Lackierer Adam Wagner eine Tochter. Am 23. Februar. Dem Spengler Emil Ludwig Dörr ein Sohn. 23. Dem Lokomotivheizer August Trebing eine Tochter. Am 24. Februar.

Dem Schlosser Konrad Bonarius eine Tochter. 24. Dem Kaufmann Karl Gerbode ein Sohn. Am 25. Februar. Dem Metzger Ernst Fleck ein Sohn, Paul Otto.

Aufgebote.

Am 22. Februar. Johannes Peter Minke, Küfer dahier, mit Anna Margarethe Wißner, geb. Stein, Witwe von Wirt Heinrich Weißner dahier. Karl Eduard Ludwig Heußer, Kaufmann zu Offenbach a. M., mit Johanna Lynker zu Schiffenberg. Johann Heinrich Christian August Schaumburg, Lokomotivheizer zu Marburg mit Bertha Rörig dahier. Friedrich Mättner, Vicefeldwebel zu Dort⸗ mund, mit Katharine Rosenbecker zu Steinfurth. Am 25. Februar. Johann Christian Göttlich, Schneider zu Lollar, mit Elisabeth Holland, Witwe, geb. Kleinhenn daselbst. Philipp Schlitz, Fabrikarbeiter zu Offenbach a. M., mit Helene Clisabeth Emma Lutse Kuhlmann daselbst.

Eheschließungen.

Am 20. Februar. Johann Paul Hennig, Tapezier dahier, mit Luise Ernestine Gerndt hierselbst. Johannes Rausch, Fuhrmann dahier, mit Wilhelmine Bill hierselbst. Jakob Siegel, Fuhrmann dahier, mit Katharine Jakob hierselbst. Am 23. Februar. Dr. Friedrich Seiderer, prakt. Arzt zu Obernzell, mit Louise Auguste Bähr hier⸗

selbst. Jakob Frey Lackierer dahier, mit Wilhelmine Müller von Usenborn.

Sterbefälle.

Am 19. Februar. Margarethe Martern, geb. Welz, 85 Jahre alt, Witwe von Bankbeamten Johann Balthaser Martern dahier. Am 20. Februar. Marie Christ, geb. Schmidt, 62 Jahre alt, Witwe von Kutscher Johannes Christ dahier. Am 21. Februar. Elisabeth Mootz, 9 Jahre alt, Tochter von Bahnwärter Christoph Mootz dahter. Am 23. Februar. Friederike Noetzly, geb. May, 63 Jahre alt, Witwe von Metzger Jakob Noetzly dahier. Am 24. Februar. August Heß, 64 Jahre alt, Rentner dahier. Am 25. Febr. Peter Becker, 57 Jahre alt, Maurer von Nieder⸗Ohmen.

Neueste Telegramme.

Hd. Paris, 27. Februar. Das erste Konzept der an Griechenland gerich⸗ teten Note enthielt die Forderung der Räumung Kretas binnen drei Tagen, widrigenfalls die griechischen Schisse vor Kreta in den Grund gebohrt werden. Dieser Passus ist gestrichen worden, doch bleibt es sehr wahrschein⸗ lich einer notwendigen zweiten Note vorbehalten.

Hd. Athen, 27. Febr. Der englische Ge⸗ sandte hatte gestern Nachmittag mit dem König von Griechenland eine Unterredung. Derselbe legte, wie verlautet, dem Könige nahe, sich dem Willen der Großmächte zu fügen und erklärte, Kreta werde sicher die Autonomie erhalten, auch würden die Großmächte, wenn Griechenland sich vernünftig zeige, wahrscheinlich in späterer Zeit der Vereinigung Kretas mit Griechenland zu⸗ stimmen. Nach der Audienz hielt der König einen Ministerrat ab. Man glaubt, daß er heute eine Proklamation erlassen werde, in welcher er dem Volke seine Zwangslage darlegen und erklären wird, dem vereinigten Willen der Großmächte sich fügen zu müssen.

Marktpreise.

Gießen, den 27. Februar. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. 0,90 1,00, Hühner⸗ eler 2 Stück 1013, Enteneier, Gänseeier., Käse 5 7, Käsematte 3, Erbsen per Liter 16, Linsen 27 Pfg., Tauben per Paar 0,90 1,00, Hühner p. St. 1,20 1,40, Hahnen 1,30 1,50, Enten 1,70 2,00, Gänse per Pfund 48 54, Ochsenfleisch 66 74, Kuh- und Rindfleisch 60 bis 66, Schweinefl. 56 66, Schweinefl., gesalz. 70 72, Kalbfleisch 50 54, Hammelfleisch 50 65, Kartoffeln pro 100 Kilo 4,00, 5,00, Zwiebeln per Zentner 5,50 6,50 Mark, Milch per Liter 16 Pfg.

Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in Gießen.

Wasche mit Luhn's Sepeutin, Kernseife! Es ist eine Lust, bunte Gewebe jeder Art damit zu

reinigen, weil Alles Farbe behält und weich bleibt. Holen Sie zum Versuch/ Pfundpacketmit dem

Roten Kreuz beim Drogulsten, Seifen⸗ oder Kolonial waren⸗Händler. Fordern Sieechte Luhn's!

sische Landeszeitung.