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Gießen, Donnerstag, den 28. Jannar
1897.
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Nr. 28
Poftztg. Nr. 3239 a Telephou⸗Nr. 112.
Ausgabe Gießen.
Postztg. Nr. 3239 a. Telephon ⸗Nr. 112.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Ispaltige Petitzeile.
Lokales und Provinzielles.
„Gießen, 27. Januar.(Omnibus ver⸗ kehr.) Die Linie von und nach Wieseck wird eingestellt. Auch der Stadtverkehr muß eingeschränkt werden; die Fahrten Nr. 114, 15, 16, 21, 22, 23, 24, 31, 32, 33, 34, 49, 50 werden bis auf weiteres
sist iert. * Gießen, 2/. Jan. Dem Pfarrverwalter Otto Schreiber zu Langd, Dekanat
Nidda, ist die evangelische Pfarrstelle daselbst übertragen.
* Gießen, 27. Januar. Alle Welt hat sich darüber beschwert, daß ein Winter ohne Schnee kein richtiger Winter sei. Und jetzt, da es ein bischen— allerdings ein bischen sehr viel— geschneit hat, ist wieder alle Welt aus dem Häuschen. Die Schlittenbesitzer sind jedenfalls nicht böse. Für viele Menschen hat der reichliche Schneefall allerdings eine Menge von Unbequemlichkeiten im Gefolge. Man denke 3% B. an unsere armen Landbriefträger. Aber auch für den Handel und Verkehr ist der Schnee⸗ — verhängnisvoll geworden. Verspätete Züge,
usbleiben von Briefen und Zeitungen— das alles ist an der Tagesordnung. Bedeutende Verspätungen werden aus Süddeutschland ge⸗ meldet. Der Morgenzug 31 Frankfurt-Köln blieb eine Stunde, die Schnellzüge von Basel und München eine halbe Stunde über die fahr⸗ planmäßige Zeit aus. Größere Betriebsstörungen werden aus dem Odenwald und von der Strecke Worms⸗Alzey⸗Bingen gemeldet, namentlich sollen sich bei der Station Eppelsheim größere Schnee⸗ massen aufgeschichtet haben. Die Züge von Köln und von der Nahebahn kommen ziemlich pünktlich, die Strecke Andernach-Mayen soll gesperrt sein. — In uunserer Stadt war gestern eifrig der Schneepflug im Gange.
* Gießen, 27. Januar. Am Freitag, den 29. und Sonnabend, den 30. Januar ds. Js. von 10 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags wird Seitens des 2. Bataillons Infanterie⸗Re⸗ iment Kaiser Wilhelm ein Schießen mit charfen Patronen in dem Gelände nördlich und nordöstlich Kin zenbach mit der Schuß⸗ richtung nach dem Himberg abgehalten. Das Gelände zwischen Rodheim a. d. Biber— Kinzenbachermühle— Kinzenbach— Schwalben⸗ mühle— Grube Morgenstern— Bieber— Rodheim a. d. Bieber ist während dieser Zeit für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Straßen Rodheim— Gießen sowie Haina— Bieber sind passierbar.
* Gießen, 27. Januar. Gestern Abend fand aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers großer Zapfenstreich statt. Heute Morgen ertönte vom Stadtthurm ein Choral. Auf dem Hofe der neuen Kaserne fand die Parade statt, u der sich zahlreiche Zuschauer eingefunden 155 Im Gesellschaftshause hatte man ein
estessen veranstaltet, an dem sich die Offi⸗ iere nicht beteiligten. Für diese war ge⸗ 3 in ihrem Kasino das Festmahl
hergerichtet. Gießen, 27. Januar. Gegen Mitte Frank wird der Pfarrer Naumann⸗ rankfurt hierselbst einen öffentlichen
politischen Vortrag halten.
* Gießen, 27. Januar. Gestern Abend konstituterte sich endgültig im Hotel Einhorn im Beisein des Amtsrichters Neunhagen die Aktien ⸗Gesellschaft„Gießener Volksbad“ mit einem Aktienkapital von 120 000 A, wovon die Hälfte der Aktien von Privaten fest übernommen, während der Rest seitens der Stadt gezeichnet ist. Die Generalversamm⸗ lung beschloß von den drei als Bauplatz für das Bad an eee un Grundstücken Wiener
f, Bismarckstraße und Schellenbergs⸗
arten am Seltersweg den letzteren, ca. 2300 Quadratmeter groß, für 26 000. zu erwerben. Der Antrag wurde mit sehr großer Mehrheit angenommen. Der Zu⸗ gang zum zukünftigen B wird vorerst vom Seltersweg aus geschassen, sollte sich die Notwendigkeit eines zweiten Eingangs er⸗ weisen, so ist die Möglichkeit vorhanden, von der Ecke Bahnhofstraße⸗Südanlage zwischen der Villa Koch und dem Kübelschen Hause mit Ueber⸗ brückung des Schoorgrabens einen solchen zu schaßfen, Der Bau des Bades soll noch
n diesem Frühjahr in Angriff genom⸗ men werden.
* Bad Nauheim, 26. Januar. In der gestrigen Gemeinderatssitzung war Herr Bürger⸗ meister Wörner in der erfreulichen Lage, mit⸗
teilen zu können, daß die F. W. Konitzky lischt mit dieser Kassenübergabe die Thätigkeit
Witwe von Antwerpen zum Neubau des städtischen Kurhospitals eine weitere Schenkung von 25 000., also im ganzen von 50 000., der Stadt hat zufließen lassen. Der jetzt verlebte Ehegatte der edlen Wohl- thäterin hat während mehrerer Jahre die hiesigen Thermen gebraucht und sich dadurch eine Linde⸗ rung seiner Leiden verschafft.
* Butzbach, 26. Jan. Für unsere Stadt ist jetzt eine Baupolizeiordnung erlassen, die das Vorspringen der Fundamentmauern und Sockel, das Anbringen von Balkonen, Wetter⸗ dächern, Ausstellkasten, vorspringenden Firmen⸗ schildern, Marquisen, Rollläden, Kellerfenster, Oeffnen der Außenthüren usw., sowie die Fort⸗ führung der Abfallwasser und dergl. regelt.
* Aus dem nordwestlichen Vogels⸗ berg, 25. Jan. Bei dem anhaltenden Schnee— fall und Schneesturm sind schon leichtere Unfälle vorgekommen. So geriet gestern Abend ein mit mehreren Personen besetzter Schlitten bei Weickarts⸗ hain derart in eine sogen. Schneewehe, daß die Pferde nicht mehr vorwärts noch rückwärts konnten, und dieselben, sowie der Schlitten mit Mühe herausgeschafft werden mußten.
* Aus dem nordwestlichen Vogelsberg, 26. Januar. Die Eichhörnchen richten be— kanntlich im Forste bedeutenden Schaden an, indem sie die jungen Schößlinge der Baum⸗ kronen abbeißen und den Waldsämereien sehr gefährlich sind. Auch wird vielfach behauptet, sie seien gefährliche Feinde der Vogelwelt, da sie die Vögel beim Brüten stören und die Eier aus den Nestern werfen. Seitens der Forstverwal⸗ tungen ist man deshalb darauf bedacht, die Zahl der Eichhörnchen durch Abschießen mög⸗ lichst zu vermindern. Die Förster erhalten für jeden eingelieferten Kopf 20 Pfennige Schußgeld. Ein uns bekannter Forstwart hat im abge⸗ laufenen Jahre in seinem Revier an 50 Stück Eichhörnchen erlegt.— Für eingelieferte Eier von Raubvögeln, auch der Raben, werden den Forstwarten 10 Pfennige für das Stück gutgeschrieben.(D. Z.)
* Aus Oberhessen, 27. Jan. Zu den in neuerer Zeit ins Leben gerufenen Einrichtungen des hessischen Landeslehrer vereins ge⸗ hört auch das Lehrerheim. Die Anregung zur Gründung desselben ging von dem Bezirks⸗ verein Schotten aus. Der Verein„Lehrerheim“ hat in den letzten Monaten bedeutenden Auf—⸗ schwung genommen; im Laufe von wenigen Wochen sind an 300 Mitglieder beigetreten. Die Mitgliedschaft wird durch einen einmaligen Bei⸗ trag von 10, der in zwei jährlichen Raten entrichtet werden kann und vorläufig als unver⸗ zinsliches Darlehen 85 betrachten il, erworben. Zweck des Vereins„Lehrerheim“ ist, erholungs⸗ bedürftigen Lehrern gegen mäßige Vergütung einen mehrwöchigen Sommeraufenthalt in kräf⸗ tiger Gebirgsluft zu gewähren. Das Heim, das sich in der Nähe des reizend gelegenen Alten⸗ burgskopfes bei Schotten in nächster Nähe des Waldes erhebt und recht zweckmäßig eingerichtet und ausgestattet ist, erfreute sich schon im vergangenen Sommer bedeutenden Zuspruchs, namentlich aus Lehrerkreisen. Soweit Raum vorhanden ist, finden auch Nichtlehrer Aufnahme. Für Mitglieder sind erheblich mäßigere Pensions⸗ 1 angesetzt. Mit der Leitung der Geschäfte
es Vereins wurde in der letzten Generalver⸗ sammlung Herr Lehrer Linck zu Rudingshain bei Schotten betraut.
Darmstadt, 25. Januar. In den Wirtschaftsgebäuden des Großherzoglichen Jag d⸗ schlosses Kranichstein ist heute Vormittag gegen 9 Uhr Feuer ausgebrochen. Ein Teil der hiesigen freiwilligen Feuerwehr wurde allar⸗ miert und ist zur Hilfeleistung dorthin abge⸗ gangen. Der Brand entstand bei einem unvor⸗ sichtig vorgenommenen Versuch, einen Brunnen aufzuthauen. Ein Teil des Wohngebäudes und drei anstoßende Stallgebäude wurden ein Raub der Flammen; das Schloß war nicht in Gefahr.
* Darmstadt, 25. Januar. Der letzte Akt der Verstaatlichung der Hessischen Lud⸗ wigseisenbahn wird im Laufe dieser Woche vollzogen werden. Es ist dies die Uebergabe der Kassen, Barbestände und Effekten seitens der seitherigen Verwaltung an die staatlichen Organe. Bei der großen Ausdehnung des Ludwigsbahn⸗ unternehmens ist diese Uebergabe keine kleine Arbeit, die mehrere Tage in Anspruch nimmt. Besonders zeitraubend ist die Aushändigung der großen Effektenbestände, die bisher unter dem Verschluß des Präsidenten des Verwaltungsrates waren. Bis auf einige mit der Liquidation der Gesellschaft zusammenhängende Formalitäten er⸗
des Verwaltungsrates und der Spezialdirektion. Laut den mit der Regierung getroffenen Ver⸗ einbarungen erhalten die Mitglieder des ersteren bekanntlich für das laufende Jahr noch die statutenmäßige Tantieme im Gesamtbetrag von 110 000 Mark, wogegen den Mitgliedern der Spezialdirektion, insoweit sie nicht in den Staats⸗ dienst treten, gleichzeitig mit der Kassenübergabe die bedungene ee e(Gesamtbetrag der Abfindungssumme 810 000% behändigt werden.
* Offenbach, 25. Jan. Gestern wurde der hier in der sozialdemokratischen sowie in der gewerkschaftlichen Bewegung sehr thätig gewesene Arbeiter Dertinger beerdigt. An dem Leichenzug beteiligten sich ca. 2000 Personen. Der Reichstags- Abgeordnete Ulrich hielt am Grabe eine Gedächtnisrede.
* Mainz, 25. Januar. Der Rentner Friedrich Engel aus Worms wurde von der Anklage des Wuchers freigesprochen. Die Ver⸗ handlung war vor acht Tagen, die Urteilsver⸗ kündigung heute.
* Mainz, 26. Jan. In einer öffentlichen Zimmererversammlung wurde beschlossen, jetzt schon in eine Lohnbewegung einzutreten. Die Lohnkommission wurde beauftragt, den Unter⸗ nehmern folgende Forderungen zu unterbreiten: Einführung der zehnstündigen Arbeitszeit, im Winter nicht unter acht Stunden; Erhöhung des Stundenlohnes insoweit, daß die Gehilfen, welche jetzt 33—35„ beziehen, 42 und die, welche 30—35„ beziehen, 38 erhalten. Für Junggesellen im ersten Jahre 30% Mindestlohn, für Parliere einen Mindestlohn von 50 pro Stunde. Sonntags⸗ und Nachtarbeit, sowie Arbeit auf dem Wasser soll eine Stundenlohn⸗ zulage von 15 und Unterarbeit eine solche von 10„ erfahren. Akkordarbeit soll gänzlich unterbleiben und die Lohnzahlung wöchentlich erfolgen. Die Durchführung dieser Vorschläge wird für den 1. April gefordert. Die Lohn⸗ kommission wurde beauftragt, den Unternehmern mitzuteilen, daß sie zu einer Besprechung dieser Forderung bereit ist.
* Mainz, 26. Jan. Durch Vermittelung der Bürgermeisterei erhält eine große Anzahl städtischer Beamten von einer Fahrradfabrik Fahräder zum Preise von 150&. per Stück geliesert. Die Stadt Mainz bezahlt die Räder bar und jedem Beamten werden alsdann so lange 5 1 von seinem Monatsgehalt in Abzug gebracht, bis die Räder bezahlt sind.
* Mainz, 25. Jan. Der erste vom Mainzer Karnevalverein gestern veranstaltete Masken⸗ ball in der Stadthalle war am Samstag von etwa 1500 Personen besucht und reihte sich Neigen Vorgängern in jeder Beziehung würdig an. Wer zählt die Völker, kennt die Namen der Schönen, die in schmucken Kostümen da zusammenkamen, um den meist unmaskierten Herren der Schöpfung die Meinung zu sagen? Die von zwei Orchestern ausgeführte Ballmusik verstummte erst in früher Morgenstunde. Doch kaum senkten sich am Sonntag wieder die Schatten über die Erde, und schon wieder füllte sich die weite Halle zur ersten karnevalistischen Sitzung der Mainzer Prinzengarde. Und sie bewährte wieder ihre alte Anziehungskraft: über 3000 Personen hatten sich eingefunden. Durch ein wirksames Eröffnungsspiel, verfaßt von F. Schell, und eine Ansprache des Präsidenten Hausknecht eingeleitet, verlief das Fest in heiterster Weise.
* Wetzlar, 26. Januar. Ein sehr bedauer⸗ licher Unglücksfall hat sich gestern Vormittag auf der Grube„Gutglück“ bei Braunfels zugetragen. Auf einer Schachtsohle des Einzel⸗ feldes„Wrangel“ genannter Grube wurde der Grubenaufseher Jakob Hofmann aus Leun von 2 Bergleuten tot aufgefunden. Hofmann hatte vermutlich noch etwas in dem Schachte nachsehen wollen, ist hierbei ausgeglitten und auf die tiefe Schachtsohle hinab gestürzt. Der Verunglückte ist 44 Jahre alt und verheiratet.
* Wetzlar, 26. Januar.(Verkehrs⸗ störungen.) Die starken Schneewehen der letzten Tage sind selbstverständlich nicht ohne störenden Einfluß auf den Verkehr geblieben. Auch auf der Strecke Wetzlar⸗Köln war gestern Abend eine solche Störung eingetreten. Auf der Wasserscheide riß ein Güterzug durch und in zwei Teile. Der Schlußteil lief auf den vorderen Teil des Zuges auf; ein Wagen ent⸗ gleiste, 3 leere Wagen wurden zertrümmert, einige andere teils schwerer, teils leichter be⸗ schädigt. Verletzungen von Zugbeamten sind dabei glücklicherweise nicht vorgekommen. Die
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edition: Kreuzplatz Nr. 4.
war bald wieder gehoben.
durch den Unfall hervorgerufene Betriebsstörung
Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten⸗
Versammlung, Freitag, 29. Januar 1897, nachm. 4 Uhr.
1. Gesuch des Kommerzienrates W. Gail um Er⸗ laubnis zur Erbauung eines Trockenofens und einer Halle bei seinem Tonwerk.
2. Baugesuch des Wilh. Schäfer II dahier für den Asterweg.
3. Gesuch des Heinrich Benner II dahier, die Wasser⸗ bude an der Anatomie betr.
4. Gesuch des Gg. Appel III und des Joh. Kas p. Heß um Angabe der Baufluchtlinie für die Löwengasse.
5. Gesuch der Baugenossenschaft des evang. Arbeiter⸗ vereins J um Geländeabtretung hinter der Frankfurter⸗ straße.
6. Den Voranschlag des ⸗-Stadterweiterungs fonds pro 1897/98.
7. Festsetzung der Kokespreise.
8. Den Voranschlag des städt. Gas⸗ und Wasser⸗ werks pro 1897/98.
9. Vorlage der Rechnung des Gas⸗ und Wasserwerks pro 1895/96.
10. Vorlage der Rechnung der Stadt Gießen und Erstattung des Verwaltungsberichts pro 1895/96.
Neueste Telegramme.
Hd. Berlin, 27. Jan. Wie die„Volksztg.“ aus Hamburg meldet, hat der Arbeitgeber⸗Ver⸗ band in seiner vorgestrigen Sitzung noch keine Antwort auf das letzte Schreiben der Streiken⸗ den abgesandt. Man glaubt, daß sich die Arbeit⸗ geber auf keine weiteren Verhandlungen verstehen werden. Die Streikenden sind fest entschlossen, bis zum Aeußersten auszuharren. Vorläufig ist noch ein reichlicher Unterstützungsfonds vorhanden. Die Zahl der Streikenden hat sich nicht ver⸗ mindert. Der Elbverkehr ist des Eisgangs wegen gehemmt, der Schutenverkehr ganz un⸗ möglich.
Hd. Berlin, 27. Januar. Die Plenar⸗ sitzungen des Reichstags fallen am 1. Februar wegen Kommisstonsarbeiten, am 2. Februar wegen des katholischen Feiertags aus. Am 3. Februar ist voraussichtlich Schwe⸗ rinstag.
Hd. Berlin, 27. Januar. Wie der„Nat. ⸗ Ztg.“ zufolge in parlamentarischen Kreisen ver⸗ lautet, ist gegen den Oberst⸗Lieutenant Gäde ein ehrengerichtliches Verfahren auf Grund seiner im Prozeß Leckert⸗Lützow gemachten Aussagen eingeleitet worden.
Hd. Berlin, 27. Jan. Der„Lokal⸗Anz.“ meldet aus Wien: Der russische Botschafter Kapnist suchte heute beim Kaiser eine Audienz für Murawjew nach, nachdem er gestern mit dem Grafen Goluchowsky festgestellt hat, wann die Konferenz zwischen Murawjew und Golu⸗ chowsky stattfinden soll. Murajew kommt von Paris hierher und hält sich zwei Nächte und einen Tag hier auf. Am zweiten Tag morgens begiebt er sich nach Berlin.
Hd. Paris, 27. Januar. Graf Chaudordy, der von einem Redakteur des„Gaulois“ inter⸗ viewt wurde, erklärte, die Reise des Grafen Murawjew nach Paris für ein glückliches Ereignis. Dasselbe liefere den Beweis dafür, daß Rußland den Zeitpunkt für gekommen er⸗ achte, wo es Frankreich den Beweis zu erbringen habe, daß die Allianz zwischen beiden Ländern nicht eine der vertragschließenden Parteien allein Vorteile bringen solle. Der„Figaro“ führt aus, es sei ein Vorgang ohne Präcedenzfall in den Annalen der Diplomatie, daß ein russischer Minister des Auswärtigen auf Befehl seines Kaisers nach Paris komme, um sich mit dem Staats⸗Oberhaupt und den Minister Frankreichs zu verständigen.
Marktpreise.
Gießen, den 26. Januar. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. 1 1,10 Hühner⸗ eier 2 Stück 12— 15, Enteneier—, Gänseeier——, Käse 5—8, Käsematte 3, Erbsen per Liter 18, Linsen 28 Pfg., Tauben per Paar 70— 90 Pfg., Hühner p. St. 1,00— 1,20, Hahnen 1,20— 1,50, Enten 1,50— 1,70, Gänse per Pfund 48— 54, Ochsenfleisch 66— 74, Kuh⸗ und Rindfleisch 60 bis 66, Schweinefl. 56— 66, Schweinefl., gesalz. 70— 72, Kalbfleisch 50— 54, Hammelfleisch 50— 65, Kartoffeln pro 100 Kilo 4,50— 5,00, Zwiebeln per Zentner 4,00 Mark, Milch per Liter 16 Pfg.
Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗
teur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in Gießen
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