Ausgabe 
25.5.1897
 
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Nr. 121

Gießen, Dienstag, den 25. Mal

1897.

Postztg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112.

Ausgabe

Hessische Landeszeikun

Gießen.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Nedaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

Die Konvertierung der hessischen Staatsschuld.

Das großherzogl. Ministerium der Finanzen hat den nachstehenden Gesetzentwurf, die Kün ligung und Umwandlung 4prozentiger Stagtsanlehen betreffend, nebst Begründung den Ständen des Großherzogtums und zwar sunächst der zweiten Kammer zur verfassungs⸗ 7 95 Beratung und Beschlußfassung mit⸗ geteilt.

An der Zustimmung der Landstände ist wohl licht zu zweifeln.

Der Gesetzentwurf lautet wie folgt:

Art. 1. Unser Ministerium der Finanzen rd ermächtigt, den Rest der Staatsschuldver schreibungen der Oberhessischen Eisenbahnschuld om 1. Juni 1876, welche auf Grund der Be kanntmachung vom 7. Juni 1876(Regierungs⸗ Klatt Nr. 30) ausgegeben worden sind, sowie ste Schulverschreibungen des auf Grund des Fesetzes vom 2. April 1881(Regierungsblatt J N. 7) aufgenommenen Staatsanlehens vom . Juli 1882 zur Errichtung der Mainzer Straßenbrücke, zur Einlösung gegen Barzahlung ses Kapitalbetrags unter Beobachtung der in sen Schuldverschreibungen angegebenen Fristen u kündigen.

Art. 2. Bevor die Kündigung(Art. 1) er⸗ solgt, ist den Inhabern der genannten vier⸗ srozentigen Schuldverschreibungen die Umwand ung derselben in solche mit dreieinhalbprozen⸗ iger Verzinsung durch öffentliche Bekanntmachung nseres Ministeriums der Finanzen anzubieten. das Angebot gilt für angenommen, wenn nicht nnen einer auf mindestens drei Wochen vom Lage jener Bekanntmachung ab zu bemessenden srist von den Inhabern der vierprozentigen Schuldverschreibungen unter Einreichung der ithteren die Barzahlung des Kapitalbetrags be⸗ mtragt wird.

Art. 3. Die nach Art. 2 umzuwandelnden Schuldverschreibungen werden noch bis einschließ⸗ ich 31. Dezember 1897 mit 4 Prozent verzinst. dagegen hört für die Schuldverschreibungen, eren Inhaber Antrag auf bare Rückzahlung ge⸗ sellt haben, die Verzinsung mit dem Tage auf, ür welchen dieselben zur Rückzahlung demnächst gekündigt werden.

Art. 4. Die Umwandlung der Schuldver⸗ chreibungen der in Art. 1 genannten Anlehen afolgt auf die von der Staatsschulden⸗Verwal⸗ ung zu erlassende Aufforderung durch Abstempe⸗ ung der Schuldverschreibungen bei den durch le öffentliche Bekanntmachung zu bezeichnenden stellen mit einem die Zinsherabsetzung aus⸗ mückenden Vermerk. Mit der Zurückgabe der ihgestempelten Schuldverschreibungen findet zu⸗ leich die Aushändigung der dreieinhalbprozen⸗ ingen Zinsscheine nebst Zinsschein-Anweisungen gen Einlieferung der nach dem 15. November 97, bezw. 2. Januar 1898 fälligen Zinsscheine ind der Zinsschein-Anweisungen statt.

Art. 5. Die auf Grund dieses Gesetzes in neieinhalbprozentige umgewandelten Schuldver⸗

schreibungen dürfen den Gläubigern vor dem 1. Januar 1906 zur baren Rückzahlung nicht gekündigt werden.

Von diesem Zeitpunkte an treten hinsichtlich der Tilgung dieser Schuldverschreibungen die in dem nachstehenden Art. 7, Satz 2 und 3, ent⸗ haltenen Bestimmungen in Kraft.

Den Inhabern der Schuldverschreibungen steht ein Kündigungsrecht gegen den Staat nicht zu.

Art. 6. Die mit dem Antrag auf Bar⸗ zahlung des Kapitals(Art. 2) eingereichten Schuldverschreibungen werden mit einem ent sprechenden Stempelvermerk versehen und gemäß der später durch die Staatsschulden⸗Verwalung erfolgenden Kündigung zurückgezahlt.

Art. 7. Unser Ministerium der Finanzen wird ermächtigt, die Mittel für die zur baren Heimzahlung der nach Art. 6 gekündigten vier prozentigen Schuldverschreibungen erforderlichen Beträge durch Ausgabe dreieinhalbprozentiger Schuldverschreibungen zu beschaffen, für welche die nachstehenden Bedingungen zu gelten haben:

Die Tilgung des Schuldkapitals erfolgt in der Art, daß diejenigen Mittel, die jeweilig durch den Hauptvoranschlag der Staats-Einnahmen und Ausgaben dazu bestimmt werden, zum An kauf einer entsprechenden Anzahl von Schuld verschreibungen verwendet werden. Dem Staat bleibt das Recht vorbehalten, die im Umlaufe befindlichen Schuldverschreibungen oder einen beliebigen Teil derselben auch zur Einlösung mittelst Barzahlung des Nominalbetrags zu kündigen. Den Inhabern der Schuldverschreib ich steht ein Kündigungsrecht gegen den Staat nicht zu.

N 2 4 5 N Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 24. Mai. Mit Rücksicht darauf, daß die diesjährige Zustellung der Steuerzettel verspätet wurde, ist die Frist zur Vor bringung von Reklamationen in den Landgemeinden bis Mitte Juni, in der Stadt Gießen bis Mitte Juli erstreckt worden.

J. Gießen, 24. Mai. Das Sommerfest des WohlthätigkeitsvereinsContentia war recht gut besucht. Ca. 3000 Personen waren zusammen⸗ geströmt, um zu dem wohlthätigen Zwecke den der Verein verfolgt, ihr Scherflein beizutragen. Für Abwechselung war reichlich gesorgt. Recht amüsant gestalteten sich die Kinderspiele. Leider wurde das Aufsteigen des Luftballons durch den herrschenden Wind vereitelt. Der Rest des Tages wurde mit Tanz ausgefüllt.

A. P. Gießen, 24. Mai.(Sport⸗ und Volksfest.) Bei der Auswahl der Platzkarten zum internationalen Wettfahren am nächsten Sonntag auf der neuen Rennbahn an der Hardt möge für das Publikum folgendes zur Orientie⸗ rung dienen: Alle Sitzplätze sind amphitheatralisch angelegt und gewähren einen völligen Rundblick 5 die Rennbahn. Die Tribüne ist dabei noch

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Bfg. für die Sspalttge Petitzeile.

Expedition:

51 84 Kreuzplatz Nr. 4.

gedeckt. Die Sperrsitze sind Stuhlplätze und in Logen à 4 Plätze eingeteilt. Da diese Sitzplätze nur in beschränkter Zahl angelegt werden konnten, so empfiehlt es sich, Karten für dieselben sich frühzeitig zu verschaffen. Der Sattelplatz ist der Raum innerhalb der Rennbahn, er bietet keine Sitzplätze, gestattet daher aber freie Bewe gung und giebt vorzügliche Gelegenheit, jedes Fahren in nächster Nähe verfolgen zu können. Karten für diesen Platz sind gewissermaßen Passe-partout, da sie zum Eintritt in den eigent lichen Sportplatz berechtigen. Sie gelten auch, ebenso wie die Tribünen⸗ und Sperrsitzkarten zum Eintritt zum Kommers am Samstag Abend sowohl, als auch zur Preisverteilung und zum Ball am Sonntag Abend in Steins Garten. Der Vorverkauf dieser Karten zu ermäßigten Preisen dauert nur vom Dienstag bis zum Samstag Abend. Die Steh- und Terrassenkarten berechtigen nur zum Zutritt zur Umgebung der Rennbahn und zu der mit ausreichenden Sitz⸗ plätzen versehenen Terrasse, von der man einen freien Blick auf die Rennbahn hat und zum

besonders oberhalb der Terrasse angelegten Jupplatz.

* Gießen, 24. Mai. Die für das Volks- bad eingereichten Entwürfe, nebst Er

läuterungsbericht, sind zu Jedermanns Ansicht im Schulhaus Asterweg 25, Zim⸗ mer Nr. 2, ausgestellt; an Werktagen von 10 bis 5 Uhr, mit einer Mittagspause von 12 bis 1 Uhr und an den Sonntagen von 1 bis 5 Uhr und zwar vom 21. bis 31. Mai.

* Gießen, 24. Mai.(Besitzwechsel.) Andreas Euler verkaufte sein Steinstraße 15/17 belegenes Doppelhaus für den Preis von 62 000 A, an Wilhelm Gerhardt, Zigarren Engros⸗Geschäft. Das Haus Steinstraße 14, ebenfalls Andreas Euler gehörig, ging durch Kauf in den Besitz des Lokomotivführers Max i für den Preis von 19 200 l. über.

-d. Gießen, 24. Mai. Verhaftet wurde heute morgen der bei der Firma N. Reiß an⸗ gestellte Kommis Otto Schneider von hier, welcher nahezu 300&&. unterschlagen haben soll.

* Gießen, 24. Mai. Ueber die Häuser der Baugenossenschaft des evangel. Arbeitervereins in der Landmannstraße, welche auf dem der Genossenschaft städtischerseits sehr billig über lassenen Gelände errichtet wurden, brachten wir zu Anfang des Jahres eine Mitteilung, dahin⸗ gehend, daß bei mehreren dieser Häuser After⸗ vermietungen vorgenommen werden und daß in einem Fall, der uns speziell bekannt wurde, diese Aftervermietung der reine Wohnungswucher sei. Stadtverordneter Heichelheim nahm in der Stadtverordnetenversammlung gelegentlich Ver anlassung, zu fragen, ob das, was in der Zei tung gestanden, auch wahr sei. Stadtverordneter Heyligenstädt(Vorsitzender des Verwaltungsrats der Baugenossenschaft des evangel. Arbeitervereins) erklärte damals, die Verhältnisse seien sehr gute, es kämen Aftervermietungen nur vereinzelt vor. Nun sind wir aber durch das neue Adreßbuch

in der Lage, konstatieren zu können, daß unter den 18 Einfamilienhäusern der Landmannstraße 6 sich befinden, in denen Aftervermietungen vor handen sind. Der von uns gerügte Wohnungs wucher besteht aber nach dem Adreßbuch immer noch fort, wenigstens sind die Namen der Insassen noch im Adreßbuch in der Landmannstraße ver zeichnet, während der Vermieter(also der zu künftige Eigentümer des Hauses) unter dem Dach für 60 1 Miete seine, allerdings unzu längliche Wohnung hat und im Parterre des Hauses ein Privatier den Rest der an die Baugenossenschaft aufzubringenden Rente von 14 A bezahlt.

* Gießen, 24. Mai.(Postalisches. Haus⸗ briefkasten.) Bei dem außerordentlichen Umfange, den der Vriefverkehr seit Jahren angenommen hat, gestaltet sich die Briefbestellung, namentlich in den größeren Städten, durch das Anschwellen der Bevölkerung und die zunehmende Zahl der Stockwerke in Vorder- und Hinter⸗ häusern immer schwieriger. Die Briefträger sind häufig nicht imstande, die Bestellung in der ihnen zugemessenen knappen Zeit auszuführen. Kommen sie aber bei dem Publikum nicht pünktlich zur gewohnten Stunde, so wird sofort über die Verzögerung Beschwerde geführt. Die Postverwaltung ist dabei meist nicht in der Lage, Abhülfe zu schaffen, denn mit einer Vermehrung der Zahl der Briefträger allein ist nicht geholfen. Das einzig wirksame Mittel zur Beschleunigung der Be⸗ stellung hat das Publikum selbst in der Hand und dies besteht in der Anbringung von Haus⸗ briefkasten an den Eingängen der Wohnungen wie sie in England und Belgien bereits vielfach, bei uns aber erst in sehr beschränkter Zahl vorhanden sind. Wenn jeder Besitzer und jeder Mieter an seiner Wohnung einen solchen Briefkasten anbringen läßt, in dessen Oeffnung der Briefträger die gewöhnlichen frankierten Briefe, Post⸗ karten und Drucksache hineinsteckt, so liegt auf der Hand, daß eine große Beschleunigung der Bestellung zu erzielen ist. Denn nicht nur das Warten des Briefträgers auf das Oeffnen der Thür, das wiederholte Klingeln ꝛc. fällt weg, sondern es sind auch in den Fällen, wo niemand zuhause angetroffen wird, fernerhin keine doppelten und dreifachen Gänge zu machen. Fünf Parteien auf einem Grundstück, bei jeder, weil Hausbriefkasten fehlen, wenig gerechnet, nur/ Minuten unnötiges Warten: ergiebt bei 8 Häusern 30 Minuten Zeitverlust bei g einer Bestellung, bei viermaliger Bestellung volle zwei Stunden auf den Tag! Alles natürlich zum Nachteil der übrigen Bewohner des Briefträgerreviers, die um so viel länger auf den Eingang ihrer Briefe warten müssen. Weitere Vorteile, die der Hausbriefkasten gewährt, sind folgende: es können in denselben auch andere, als solche Korre⸗ spondenzen, welche der Briefträger überbringt, gelegt werden: Visitenkarten, Notizzettel, Zeitungen c. Der Schlüsselverschluß des Briefkastens verhindert, daß die Briefe und Postkarten zuvor durch die Hände des Dienst⸗ personals oder anderer Personen passieren, wodurch manch⸗ mal zu Indiskretionen Anlaß gegeben wird. Al so auch das Briefgeheimnis und das Geschäftsge⸗ heimnis ist besser gewahrt. Die Hausbriefkasten werden am zweckmäßigsten im Innern der Woh⸗ nungen unter Herstellung eines Spaltes in dem Entree⸗ abschluß angebracht, sie können aber auch außen, etwa am Klingelzug, angebracht werden. Eine einfache Vor⸗ richtung gestattet, die Briefkasten-Oeffnungen zu sperren, z. B. wenn Reisen angetreten werden und niemand in

der Wohnung bleibt. Noch viel besser und für den Be⸗

Poussette. Von Ouida.

Deutsch von B. Treumann⸗Koner. (Nachdruck verboten).

Poussette war eine kleine Dame. Ihr Alter serug sieben Jahre. Sie entstammte einem Gemisch eschiedener Rassen, aber das Ergebnis, ob auch icht regelrecht, war allerliebst. Sie war klein, menter und flink. Das feinste seidenglänzende Haar en zartester Chamoisfarbe bedeckte in weichem Illock ihren Körper, und in dem kleinen Gesicht erte sie ein paar große nußbraune Augen, aus enen immerwährender Sonnenschein lachte. Poussette dr ein Hündchen, nicht einmal edler Art, doch in hem Aeußeren und ihren Neigungen aristokratisch, no ein so hübsches Geschöpf, wie es nur je eines ee, in dessen Vierfüßlerbrust ein goldenes Herz ceug. Frohgemut sprang sie bald hier⸗ und bald thin, erfüllt von dem glücklichen Glauben an ie Welt der Freude, der Liebe und Güte, jenem Hauben, in welchem übrigens alle Hunde leben, er durch Menschenhand aus ihnen herausge gelt ist. Prügel oder auch nur Schelte kannte dussette nun freilich nicht, mithin war die Welt t sie allerdings ein entzückender, lustiger Spiel⸗ hig. Soweit ihre Erinnerungen zurückreichten, hne sie stets demselben Besitzer angehört, und büser wie immer er sonst sein mochte war uh ein guter Herr. Für Poussette hegte er weiche [Crühle in seinem Herzen, welches gegen alle An den hart war, das Herz eines Spielers, das im

Emum niedriger Leidenschaft verdorrte. Wenn sein Gemüt besonders verbittert, und er

in böser Stimmung war, fürchteten ihn seine sämt lichen Bekannten; denn zu solchen Zeiten war er handelsüchtig, und er hatte den Ruf eines ausge zeichneten Schützen und Fechters. Poussette aber bekam nie ein rauhes Wort von ihm zu hören. Unter aller Verbissenheit und Erbärmlichkeit seiner vom Unkraut des Lasters überwucherten Seele hatt: er sich noch ein wenig Zärtlichkeitstrieb und Gut herzigkeit erhalten, und dies hatte er Poussette ge widmet.Plus je connais I'homme, plus j'aime le chien, so sprachen und dachten schon ehren wertere Leute als er.

Wie so Mancher war auch Poussette's Gebieter von Hause aus zu etwas Besserem bestimmt, als er durch eigene Schuld geworden. Er gehörte einem alten Adelsgeschlecht an, war ein hübscher Mann von Talent und Fähigkeiten, und er hatte jene un schätzbare Eigenschaft besessen, die einem Feen⸗ geschenk gleichkommt: die Gabe, alle Welt für sich einzunehmen. In Reichtum geboren, war er in seiner Jugend von ehrgeizigen Plänen erfüllt ge wesen. Doch die fluchwürdige Leidenschaft des Spiels hatte seinen Ehrgeiz erstickt, seinen Reich tum in alle Winde zerstreut und alles zu Nichte gemacht, womit die Natur ihn so verschwenderisch ausgestattet. Jetzt, mit 38 Jahren, war er ein Spieler und weiter nichts. Er hatte Alles ver⸗ loren Güter und Stellung, seine Aussichten und seinen guten Ruf und die Selbstachtung auch. Wenn ihn Jugendfreunde auf den Boulevards von Paris oder auf der Promenade in Nizza daher⸗ kommen sahen, so wichen sie ihm aus und gingen auf die andere Seite hinüber.Wir sind gens

tarèes, Poussette, pflegte er dann wohl zu seinem

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Hündchen zu sagen; und Poussette spitzte die

hübschen Ohren so vergnügt, als bedeutetaxé zu sein die Verleihung königlicher Ehren.

Obgleich er sich einzureden suchte, es sei ihm einerlei, daß seine ehemaligen Kameraden vom Col lege de Louis le Grand nicht mehr auf der Straße mit ihm gesehen werden mochten, that ihm die Kränkung doch im Innersten seines Herzens weh. Und dazu kam noch die bittere Erkenntnis, daß er nicht schuldlos sein Anrecht auf Gleich stellung mit denen eingebüßt hatte, die nun als Ab

geordnete, Diplomaten, Großgrundbesitzer und Stabsoffiziere, als Familienhäupter und Ehren⸗

männer der Menschheit nützten. Im Alter von 16 Jahren hatte er in seinen ererbten Forsten als Fraktireur mit Feuereifer gegen die Preußen ge⸗ kämpft. Die Forsten waren längst nicht mehr sein. Oft wünschte er, daß ihn damals eine feindliche Kugel in der Reinheit seines tapferen Knaben⸗ herzens unter einer seiner eigenen alten Eichen darniedergestreckt hätte, denn er besaß noch immer genug Verstand und richtiges Gefühl, um den Wert derer anzuerkennen, die ihn gründlich verachteten.

Poussette behagte das Straßenpflaster von Paris nicht; sie lebte überhaupt sehr ungern in einer Stadt. An der Corniche in einer Fischerhütte ge boren, kannte sie die ganze Strecke Wegs längs der Küste und Alle in der Gegend, von den Croupiers Monte Carlos bis zu den Zimmerleuten von St. Jean, kannten sie. Seit mehreren Jahren waren sie und ihr Herr kaum noch über den Umkreis des Kasinos hinausgekommen. Er brachte mehr als die Hälfte seiner Zeit an den Spieltischen zu, und ge⸗ duldig wartete Poussette dann draußen unter den

Palmen der Gartenanlagen auf ihn. Vergeblich trachteten Kinder mit Kuchen, dann mit Liebkosungen sie fort zu locken. Poussette ließ sich durch nichts bewegen, von ihrem Posten zu weichen. Wie oft war sie hungrig, durstig und müde, aber sie rührte sich nicht, bis endlich ihr Freund die Marmorstufen herabkam.

Zuweilen, wenn es am düstersten in ihm aus⸗ sah, und er in so verzweifelter Lage war, daß er kaum noch einen Frank in der Tasche hatte, riß er sich von dem Platze los und begab sich in irgend ein Fischerdorf, wo er mißmutig und einsiedlerisch dahinlebte. Poussette aber war dann schier außer sich vor Vergnügen. Sie hatte hier ihren Freund ganz für sich allein, sie konnte sich den ganzen Tag zwischen dem Gestein der Küste tummeln, im Sande scharren und sich in der Sonne lagern; und in der Nacht schlief sie ebenso gemütlich auf harter Pritsche in einer ärmlichen Hütte, wie unter den seidenen Decken vergoldeter Betten in den feinsten Hotels.

Diese zeitweilige Zurückgezogenheit währte manch mal Wochen, auch Monate, mitunter ein Viertel⸗ jahr; ob jedoch von kurzer oder langer Dauer, es war damit vorbei, sobald für Vallarec Geld eiutraf irgend eine kleine Einnahme von dem bischen Land, das er noch besaß, oder von einem Pariser Journal, dem er einen flottgeschriebenen Artikel eingesandt hatte. Zwar kämpfte er wohl gegen seine Leidenschaft an, doch jedesmal erwies sie sich stärker als er; und er kehrte zur Spielbank zurück. Für Poussette fing so die Zeit von Neuem an, wo sie unter den Palmen des Kasinos die langen Stunden harrend verbrachte.

Fortsetzung folgt.)