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Gießen, Donnerstag, den 25. Mürz
1897
Poftztg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112.
Ausgabe
Gießen.
ische Landeszeitung.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
N
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* 38 53 2 8 2
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 24. März. Wir machen auch an dieser Stelle auf die heutige Bekanntmachung des städtischen Gas⸗ und Wasserwerks aufmerk⸗ sam, betr. die nächsten Freitag vormittags er⸗ folgende Absperrung der Wasserleitung in der oberen Ludwigstraße und in einzelnen angrenzenden Straßen.
Gießen, 24. März.(Stadttheater. Gastspiel Klinkhammer.) Morgen tritt Fräulein Thessa Klinkhammer vom Frank⸗ furter Stadttheater zum letzten Male in dieser Saison hier auf, und zwar in dem vieraktigen Lustspiel„ Goldfische“, in welchem die beliebte Künstlerin die„Josephine von Röchlaar“ spielt, eine Rolle, welche dieselbe erst kürzlich in Frankfurt mit großem Erfolge spielte.
* Gießen, 23. März.(Strafkammer⸗Ver⸗ handlung.) Der Viehhändler Gason Steinberger von Alsfeld hat der Witwe Birkenstock in Rainrod ein Kalb mit der ausdrücklichen Zusicherung verkauft, dasselbe entstamme einem seuchenfreien Stalle der Umgegend. Im Gegensatz hierzu hatte der Händler das Tier 2 Tage vor dem Verkauf auf dem Fuldaer Markt erst erworben. Das Kalb erwies sich später mit der Maul- und Klauen⸗ seuche behaftet und wurde dadurch der ganze Viehstand nicht nur der Witwe Birkenstock, sondern der Gemeinde Rainrod angesteckt. Der Vertreter der Staatsbehörde warf dem Angeklagten vor, daß er die Verordnung gegen die Viehseuchen bei diesem Handel außer Acht gelassen, er hätte das Kalb erst 7 Tage in den Stall zur Beobachtung stellen müssen und beantragte, denselben, da er wegen einer gleichen Handlungsweise bereits vorbestraft sei, mit 3 Monat Gefängnis zu bestrafen. Der Gerichtshof er⸗ kannte aber auf 6 Monat Gefängnis und beschloß, wegen der Höhe der Strafe Steinberger sofort in Haft zu nehmen, derselbe habe nicht nur im höchsten Grade ge⸗ wissenlos gehandelt, sondern seine That sei eine betrüge⸗ rische und gemeingefährliche, die nicht hart genug geahndet werden könne.— Der berüchtigte ehemalige Bürgermeister Scheerer von Rüddingshausen stand wieder einmal vor Gericht. Der Mann der 6 oder 7 Mal wegen der schwersten Verbrechen, zuletzt im Dezember v. J. vom Schwurgericht wegen Verbrechens im Amt vorbestraft ist, wird überführt, daß er einen jugendlichen Mitgefangenen vor seiner letzten Aburteilung verleite wollte, einen Meineid zu leisten. Gleichgültig nahm der in Sträflings⸗ kleidern auf der Anklagebank sitzende Verbrecher das Ur⸗ teil entgegen. Es lautete auf eine Zusatzstrafe von 2 Jahren Zuchthaus, sodaß Scheerer jetzt deren 13 abzusitzen hat.— Wegen Beleidigung hat sich der praktische Arzt Dr. Eduard Ernst Böttcher von Lauterbach zu ver⸗ antworten. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch, weil der Beleidigte ein Beamter, der Kreisarzt Dr. Weißgerber von Lauterbach ist.— Der Thatbestand ist kurz der Folgende: Die beiden Aerzte, die am gleichen Ort praktizieren, waren verfeindet. Aus der Verhandlung ging hervor, daß die Aerzte im Kreise Lauterbach in 2 feindliche Lager sich gespalten und daß hierbei die leidige Konkurrenz eine große Rolle spielt. Dr. Weißgerber als Vorsitzender des ärztlichen Bezirksvereins Lauterbach und als Führer der einen Partei, denunzierte seinen Kollegen Dr. Böttcher, den Führer der anderen Partei, beim Aerzte⸗ verein der Provinz Oberhessen, dieser habe sich Hand⸗ lungen schuldig gemacht, die des ärztlichen Standes un⸗ würdig, die ehrenrührig seien. Die darauf vom Pro⸗ vinztalberein ernannte Kommission erklärte nach
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gründlicher Prüfung der Sachlage die Anschuldigung des Dr. Weißgerber für unhaltbar und sprach in dem er— gangenen Urteil ihre Ansicht dahin aus, daß es zu be⸗ dauern sei, daß Dr. Weißgerber seinen Kollegen Dr. Böttcher in so frivoler und grundloser Weise, wie es ge⸗ schehen, beschuldigen konnte. Das Urteil wurde beiden Parteien bekannt gegeben und nun richtete Dr. Weiß⸗ gerber, immer ges ätzt als Vorsitzender des ärztlichen Kreisvereins Lauterbach,(§ 193 des R.⸗Str.⸗G., Wahr⸗ nehmung berechtigter Interessen) eine erneute Denunzia⸗ tion an den Provinzialverein, worin er erklärte, noch mehr Material gegen seinen Gegner in Reserve zu haben. Dr. Böttcher suchte nun seinen Gegner auf, aufs höchste erregt und dadurch gereizt, daß sein Kollege Weißgerber auch in außerärztlichen Kreisen gegen ihn operierte, und forderte denselben zum Duell, erhielt aber nicht etwa die Antwort, daß der Geforderte sich überhaupt nicht duelliere, sondern jener äußerte sich dahin, daß er jenen nicht für satisfaktionsfähig halte, daß er ihn der Staatsanwaltschaft anzeigen werde, worauf Dr. Böttcher die Erklärung abgab, das habe ich mir gleich gedacht, jener solle sich als von ihm geohrfeigt betrachten. In diesem letzten
Satz erblickt der Staatsanwalt die heute unter Anklage stehende Beleidigung und beantragte dieser⸗ halb auf eine Geldstrafe in Höhe von zehn Mark
zu erkennen. Rechtsanwalt Metz, der Verteidiger des Angeklagten, plaidierte für Freisprechung seines Klienten, der nur eine Beleidigung auf der Stelle erwidert. Hätte der Weißgerber die Forderung einfach abgelehnt, so wäre die Sachlage eine andere, denn zum Duell kann man niemand zwingen. Er hat sich aber ausdrücklich ver⸗ wahrt gegen die Annahme, als ob er sich überhaupt nicht schlüge, sondern erklärt, er wolle sich nur nicht mit seinem Klienten schlagen, diesen also für nicht satisfaktions⸗ fähig erklärt, also zuerst beleidigt. Rechtsanwalt Dr. Fuhr, der für Dr. Weißgerber als Nebenkläger zuge⸗ lassen war, plaidierte für eine wesentlich höhere Strafe, als die von der Staatsauwaltschaft beantragte. Die Beleidigung sei eine so schwere, daß die beantragten 10/ keine Sühne dafür bieten. Rechtsanwalt Metz führte demgegenüber aus, daß es ein Glück sei, daß der Gegner seines Klienten in seiner Eigenschaft als Kreisarzt dem Mtnisterium unterstehe, dieses habe die Untersuchung des Falles bereits in die Hand genommen, und so könne Dr. Böttcher wenigstens noch Genugthuung er⸗ warten für die ihm zugefügte Unbill, er müsse sagen, daß, wenn sein Mandant aus formalen Gründen heute gestraft werde, dessen Gegner doch sagen müsse: O weh, ich habe ge⸗ wonnen, noch ein solcher Beleidigungsprozeß mit diesem Ausgange, und er wird ausrufen müssen: O weh, ich habe verloren. Der Gerichtshof erkannte dem Antrage des Staatsanwalts gemäß auf 10/ Geldstrafe und Tragung der Kosten. Heinrich Häuser von Langenhain bei Herbstein ist vor drei Jahren wegen Wilderns von der Strafkammer verurteilt. Er sprach später einmal mit seinem Freunde, dem Landwirt Heinrich Bönzel, über den Prozeß und gab dabei seiner Ansicht Ausdruck, daß damals vor der Strafkammer die Depo⸗ sitionen des Oberförsters Weber von Gräfenhain, die derselbe unter Eid gemacht, nicht mit den Thatsachen übereinstimmten. Bönzel geriet mit seinem früheren Freund in Streit, die Freundschaft verwandelte sich in Feindschaft, und eines Abends drohte der Bönzel in einer Wirtschaft, er werde dem Oberförster mitteilen, daß Häuser jenen des Meineids bezichtigt hätte. Häuser giebt heute als Ange⸗ klagter zu, er habe damals in der Wirtschaft in ange⸗ trunkenem Zustande auf die Drohung Bönzels öffentlich erklärt, ja, der hat auch falsches Zeugnis abgelegt. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu einem Monat Gefängnis wegen einfacher Beleidigung.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg., für die Sspaltige Petitzeile.
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O Gießen, 24. März. Mit dem Scheiden des 4. Bataillons aus unserer Stadt werden dem Vernehmen nach folgende Offiziere gleich— zeitig ihre Garnison wechseln: Major v. Dom⸗ merich, Hauptmann Seitz, Hauptmann Clößner, Premierlieutenant Beck und die Sekondelieute⸗ nants Stifft, Rühl und Jochim. Ob diesel ben mit nach Butzbach versetzt werden, ist nicht be— kannt geworden.
R. Gießen, 24. März. Die Gießener Ruder⸗Gesellschaft hat für die kommende Saison einen Achter und einen Vierer zu bauen in Auftrag gegeben. Es ist erfreulich, daß diese Aufträge deutschen Firmen zugewendet wurden, welche den englischen Firmen selbst im Auslande längst erfolgreiche Konkurrenz machen. Der Achter wird von Schönwaide-Berlin, der Vierer von Frankfurt aus geliefert.
* Gießen, 24. März. Der Verein zur Züchtung reiner Hunderassen hat be⸗ schlossen, am 13. Juni wieder wie im verflossenen Jahre eine Hunde-Ausstellung zu ver⸗ anstalten. Es sind dem Verein, der den Winter über fleißig thätig gewesen, Zusagen nach dieser Richtung hin gemacht, sodaß zu erwarten steht, daß die Ausstellung bedeutend zahlreicher als im Vorjahre beschickt sein wird. Mit dieser Ver⸗ anstaltung wird gleichzeitig Schliefen für Teckel und Foxterriers verbunden sein.
* Grünberg, 23. März. Seitdem wir fast allerorts unter dem Zeichen der Maul- und Klauenseuche leben, seitdem mehren sich auch die Klagen unter der landwirtschaftlichen Be⸗ völkerung, weil ihnen durch die nur zu oft un⸗ nötig angeordneten Sperrmaßregeln, die sich auch auf unverseuchte Orte erstrecken und die den gesamten Viehhandel brach legen, großer Schaden erwächst. Um nun diesem Uebel⸗ stande abzuhelfen resp. Einhalt zu gebieten, beab— sichtigen die Landwirte von hier und der Um⸗ gegend, sich petitionierend an das großherzogliche Ministerium zu wenden. Dieserhalb findet am kommenden Sonntag im Gasthause„Zum Rappen“ eine Zusammenkunft der In⸗ teressentenkreise statt, und wäre es nur zu wünschen, daß die Beteiligung an dieser Be⸗ sprechung eine recht zahlreiche sei, denn nur durch gemeinsames Vorgehen dürfte in dieser Ange⸗ legenheit allenfalls etwas zu erreichen sein. Wie wir hören, will man allerorts hierzu Stellung nehmen, da die gegenwärtigen Zustände für die Landwirte auf die Dauer hinaus unerträg⸗ lich sind.
* Bad Nauheim, 22. März. Die ersten Kurgäste sind bereits hier eingetroffen, obwohl die fuͤnf Badehäuser nicht vor dem 1. April zur Benutzung geöffnet werden.— Mit großem Interesse wird hier die zur Zeit schwebende An⸗ gelegenheit wegen der Trennung der Polizei- verwaltung von der Bürgermeisterei besprochen. Gegenwärtig führt der Bürgermeister die Polizeiverwaltung als Nebenamt, aber er ist mit den Geschäften der Bürgermeisterei und den umfangreichen Geschäften des Ortsgerichts schon
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8 Expedition: 2 Kreuzplatz Nr. 4.
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lange so überhäuft, daß selbst der beste Wille nicht immer alles zu leisten vermag.
* Darmstadt, 23. März. Der Abgeordnete Breimer beantragt bei der zweiten Kammer, die Regierung zu ersuchen, sie solle in das nächste Budget 50—60 000 4 zur Unter- stützung bei Herstellung von Wasserleitungen für ärmere, mit hohen Kommunalsteuern belastete Gemeinden einstellen. Der Abgeordnete Schön⸗ berger beantragt, das Viehwährschaftsgesetz abzuändern.
* Mainz, 23. März. Das Abschieds⸗ essen für die Mannschaften und Offiziere des von hier nach Worms versetzten ersten Bataillons des 118. Inf.⸗Regiments findet Samstag, den 27. März, in Gegenwart der städtischen Vertreter in der Stadthalle statt.— Gestern Abend um 6 Uhr sprang ein bis jetzt noch unbekauntes Mädchen an der Mainspitze in den Rhein und ertrank. Die Mannschaften eines vorbei⸗ fahrenden Schiffes sahen dem Todessprung von weitem zu, konnten aber nicht helfen, da das Schiff zu weit von dem Ufer entfernt war.
* Mainz, 22. März. Im Rebstöckchen fand gestern eine Konferenz sozialdemokra⸗ tischer Vertrauensmänner aus dem Wahl⸗ kreis Mainz⸗Oppenheim statt. Delegierte waren anwesend aus Mainz, Kastel, Kostheim, Weisenau, Hechtsheim, Finthen, Gonsenheim und Umbach. Es wurde beschlossen, da es ungewiß sei, ob nicht eher, als man es vermute, eine Neuwahl für den Reichstag in Aussicht stehe, sofort eine rege Agitation zu entfalten und in den einzelnen Orten möglichst oft Versammlungen abzuhalten. Herr Landtagsabgeordneter Dr. David, der zu diesem Zwecke bereits eine„Referentenschule“ be⸗ gründet hat, wurde mit der Organisterung dieser Agitation betraut.(Kl. Pr.)
* Mainz, 23. März. In der Wirtschaft „Zur Ebertsburg“ zu Worms entstand in der Nacht vom 14. zum 15. November v. J. zwischen einer Anzahl Brauer- und Müllerschüler einerseits und dem Gasmeister Rödel anderer⸗ seits aus geringfügigem Anlaß Streit, der schließlich in Thätlichkeiten überging. Durch das Einmischen des Wirtes, seines Personals und anderen Gästen nahm der Streit eine große Ausdehnung an. Der Wirt und sein Personal, das sich mit Stöcken und Stühlen bewaffnet hatte, drang und hieb so blindwütend auf die Müller- und Brauerschüler ein, daß einige davon sehr erheblich verletzt wurden. Der Müllerschüler Neher aus Zell starb nach zehn Tagen. Der Fabrikant Julius Mayer, wohnhaft zu Godesberg, hat noch mit einem Ochsenziemer in der uumenschlichsten Weise auf den Schwer⸗ verletzten eingehauen, als dieser schon am Boden lag. Auch der Gasmeister Rödel wurde schwer verletzt und verlor zwei Finger. Angeklagt des⸗ halb sind der Fabrikant Julius Mayer in Godes⸗ berg, der Hausbursche Simon Merz aus Bonn, der Wirt Joseph Boos in Worms, der Kellner Ludwig Fischer aus Grünberg, der Hausknecht Konrad Amthor aus Stettin, der 27jährige Brauschüler Friedrich Eisele aus Wildbad und
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Dürre Blätter.
Nach dem Englischen v. John Strange Winter. Deutsch von B. T. Koner.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Vergeblich waren meine Beteuerungen, daß ich noch nie im Leben so im Ernst gesprochen hätte; vergebens gab ich ihr die Versicherung, daß ich seit dem Tode meines vor anderthalb Jahren verstor— benen Vaters niemandem Rechenschaft schuldig sei, außer meinem alten Vormund, der mich als einen jungen Mann von Grundsätzen kenne und mir keinerlei Vorschriften mache. Marian versicherte zwar, sie liebe mich mehr als ihren Bräutigam, mit dem sie sich vor drei Jahren verlobt hatte, als sie— wie sie betonte, genau so alt gewesen, wie ich jetzt.„Und“, fügte sie hinzu,„damals war ich überzeugt, ihn über alles zu lieben.“
Umsonst bet ich meine ganze Beredsamkeit auf, sie zu bewegen, dem anderen den Abschied zu geben. Es blieb dabei, daß wir uns trennen mußten, und so endete die Geschichte meiner Jugendliebe.
Anfänglich wußte ich nicht recht, was ich von ihr denken sollte— ob sie mich wirklich lieber ge— nommen hätte, als den, welchen sie später heiratete; ob sie wirklich nur aus Ehrenhaftigkeit mich nicht erhört und so fest bei dem ihm gegebenen Wort beharrt hatte. Nach Jahr und Tag aber wußte ich recht gut, daß Marian Chatterton keinen Deut nach mir fragte, und daß sie eine Erzkokette war, die keinen Verehrer, und mochte er auch ein neunzehn⸗ jähriger Milchbart sein, mit unversengten Flügeln
davon kommen ließ. Und ich hatte mich von ihr gründlich zum Besten halten lassen— oh, arglose Leichtgläubigkeit der Jugend!
II.
Durch meine erste Erfahrung ist mir die Liebe auf lange Zeit verleidet worden. Nicht etwa, daß ich mich in einen Weiberfeind oder Misanthropen verwandelt hätte! Dazu fehlte mir jede Anlage. Zuvörderst warf ich mich mit Eifer auf den Dienst und wurde Soldat mit Leib und Seele. Nebenher amüsierte ich mich recht gut— die Mittel hatte ich dazu— und war im ganzen mit meinem Jung⸗ gesellendasein zufrieden. Wäre Marian Chatterton meine Frau geworden, so hätte ich gewiß einen braven Ehemann abgegeben. Doch, da ich keine andere fand, die mein Herz gefangen nahm, war ich noch mit achtunddreißig Jahren— zwar durch die Gunst der Verbältnisse Regimentskommandeur, aber noch immer Ehestandsaspirant; obwohl, oder vielleicht gerade weil ich eine gute Partie war, was man mich niemals vergessen ließ. Meine Charge, mein Reichtum, dazu mein passabel gutes Aeußere, auch, daß ich mich gelegentlich im Felde ausge— zeichnet hatte— dies alles gilt etwas bei den Damen. Doch, wie gesagt, eine von ihnen zu heiraten, war mir noch nie in den Sinn gekommen.
Da traf es sich einmal, daß ich von Aldershot, wo mein Regiment im Lager stand, zur Zeit der Saison nach London kam. Die offizielle Veran⸗ lassung dazu war das Regiments-⸗Diner, doch nahm ich gern die Gelegenheit wahr, den Dienst auf ein paar Tage mit dem Großstadtleben zu vertauschen. Aldershot ist kein irdisches Paradies, und in London winkten mir alle Freuden der sommerlichen Gesellig⸗
keit: Einladungen zu Gartenfesten mit Illumination durch farbige Lampions, und gemütliche Soupers, für welche die Köche alle möglichen neuen in Eis gestellten Delikatessen ersonnen hatten. Es gefiel mir sehr gut, ausnehmend gut in der Hauptstadt.
Eines Abends ging ich, da ich zufällig keine Diner⸗Einladung hatte, in's Theater und freute mich, einen Parkettfauteuil im„Lyceum“ bekommen zu haben, wo„Viel Lärm um Nichts“ mit Ellen Terry als Beatrice gegeben wurde. Im Zwischen⸗ akl, als ich die Blicke müßig durch den Zuschauer⸗ raum schweifen ließ, sah ich— in der ziemlich oberhalb meines Platzes befindlichen Loge eine Dame— wahrhaftig, da saß Marian Chatterton!
Ich gestehe, daß mir der Atem stockte und ich einer Minute langen Sammlung bedurfte, ehe ich zum zweiten Mal hinaufzusehen vermochte. Und da bemerkte ich, daß sie mich wieder anblickte, aber nur ganz flüchtig, wie einen ihr völlig Fremden. Es konnte ja auch nicht Marian Chatterton sein, oder die Zahl müßte zwanzig Jahre still gestanden haben. Eine Aehnlichkeit, eine wunderbare Aehn— lichkeit hatte mich gefoppt. Durch mein Opern⸗ glas entdeckte ich dann noch, daß einzelne Gesichts— züge der jungen Dame ein wenig abweichend von denen Marian's waren trotz der frappanten Aehn— lichkeit im ganzen.
Während der nächsten Pause traf ich im Er⸗ frischungsraum einen Bekannten.
„Eharles Starkey!“ rief er, mir auf die Schulter schlagend.„Wie lange ist es her, daß wir uns zuletzt sahen! Wie ist es Dir denn in all
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Wir unterhielten uns, wie es bei solch' einem Wiedersehen zwischen alten Kameraden üblich ist; fragten einander, ob wir verheiratet seien und sprachen von der Ehe in dem wegwerfenden Ton alter Veteranen, deren Heim der Klub ist, und die allabendlich am Whisttisch kleben. Dann kam die Rede noch auf diesen und jenen der längst zur aroßen Armee versammelten Kameraden, und als es Zeit war, wieder unsere Plätze einzunehmen, hatte ich das junge Fräulein vergessen, die Marian Chatterton so ähnlich sah.
Ich sollte aber wieder an sie erinnert werden. Mein Nachbar im Parkett verließ seinen Platz und dies benutzte mein Freund Hans Villiers, um das Gespräch mit mir fortzusetzen.
„Hast Du noch mehr Bekannte im Haus?“ fragte ich ihn.
„Nur wenige, aber da oben“, und er bezeich⸗ nete durch eine Kopfbewegung die Loge seitwärts von unserer Reihe,„sitzen Leute, die ich kenne.“
„Was? die Gesellschaft in der Loge? Zu der das junge Mädchen im blauen Kleide gehört?“ fragte ich überrascht.
„Ja; das ist Fräulein Gordon“, antwortete er und brachte mich damit von der Idee zurück, daß die junge Dame vielleicht eine Tochter von Marian sei. Denn letztere hatte einen Major Mackenzie geheiratet.
„Sie ist ein hübsches Mädchen“, fuhr Hans Villiers fort; und auch sehr nett. Möchtest Du sie kennen lernen? Mit der Dame, in deren Be⸗ gleitung sie ist, Lady Cecil Palliser, bin ich sehr,
der Zeit ergangen, seit wir zusammen in Kabel standen?“
bekannt.„Ich will Dich gern in die Loge führer) ortsetzung folgt.)


