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Nr. 70
Gießen, Mittwoch, den 24. Mürz
1897.
Postztg. Nr. 3319. Telephon ⸗Nr. 112.
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Ausgabe
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Gießen.
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Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion:
Kreuzplatz Nr. 4. 5
—
Gesundheitsstand und Beweaung
der Bevölkerung, insbesondere die Todesfälle in der Stadt Gießen
im Jahre 1896.
Das groß herzogliche Kreisgesundheitsamt der Stadt Gießen(unterzeichnet: Dr. Haberkorn) veröffentlicht in
der amtlichen„D. Ztg.“ folgendes: In der Stadt Gießen sind im Jahre 1896 leben
geboren worden 455 Knaben und 459 Mädchen, zu⸗ sammen 91⁴ Kinder(tot zur Welt kamen 24 männliche und 16 weibliche, zusammen 40), wonach sich unter Ab-
rechnung der in der Entbindungsanstalt geborenen Kinde
fremder Mütter die Zunahme der Bevölkerung durch Nach⸗
wuchs ungefähr auf 540 stellt.
Demgegenüber beträgt die Gesamtzahl der Verstorbenen 476, davon 247 männlichen und 229 weiblichen Ge⸗ Zählt man hiervon, als bei der Sterblichkeits⸗ züffer nicht zu berücksichtigend, die Zahl der in den Kliniken verstorbenen Ortsfremden mit 173 ab, so bleiben orts⸗ angehörige Verstorbene 303, wonach die Zahl der Geburten für die Stadt diejenige der Berstorbenen um etwa 240
schlechts.
übertrifft.
Unter Zugrundelegung einer Bevölkerungszahl
Lebende auf 13,17 Prozent gegen Vorjahre. Die entsprechenden Zahlen der letzten 7 Jahre betrugen
13,3 Prozent
Verstorbene Einheimische: Sterbeziffer: 1890 391 19,00% 1891 350 17501„ 1892 330 15,64„ 1893 396 18,76„ 1894 290 1312 1895 302 1330 1836 303 1817
Die Sterblichkeit hat nach dieser Tabelle seit dem Jahre 1894 in unserer Stadt eine entschiedene Besserung erfahren, ja die Sterblichkeitsziffer ist im Vergleiche mit längeren Jahresreihe berechnet) mit 22 bis 23 Prozent eine auf⸗ fallend niedere, was wir nicht allein den verbesserten sanitären Verhältnissen der Stadt und ihren hygieinischen Einrichtungen, sondern auch dem Umstande zu verdanken
derjenigen des Großberzogtums(aus einer
haben, daß eine verhältnismäßig große Garnison, di
Mitglieder der Universität und anderer höheren Schulen, d. h. eine größere Anzahl gesunder, jugendkräftiger Leute einen Teil der Bevölkerung bilden; immerhin erhöht sich nach Abzug einer runden Summe für Militär und Uni⸗
versttät von der Einwohnerzahl die Sterbeziffer erst au 14,57 Prozent.
Was die Sterblichkeit in den einzelnen Monaten an
langt, so brachten die Frühlingsmonate März, April und Mai mit 38, resp. 32 und 43 die meisten Todesfälle,
die günstigsten Monate für die Gesundheit waren de
Oktober mit 12 und Januar mit 14, eine verhältnis⸗ mäßig hohe Mortalität brachte auch der Juli mit 37
Fällen.
Nach den wichtigsten Altersklassen geordnet sind ver⸗
storben:
von zund 23 000 Einwohnern berechnet sich die Sterblichkeits⸗ zlffer, d. h. die Zahl der Toten im Jahre auf 1000 im
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
und wird zunächst durch eine ausgedehnte Masern-Epidemie erklärt, welche in der Stadt Mitte Februar begann, sich erst ganz allmählich unter den Nichtschulpflichtigen aus⸗ breitete, im Mat auf die Schulen übergriff und in diesem Monate ihre Höhe erreichte, bis in den Juli hinein währte und im ganzen 30 Opfer forderte, davon die Hälfte im Mai; von diesen 30 Kindern waren 9 unter und 21 über ein Jahr alt. In zweiter Linie wurde die d Kindersterblichkeit erhöht durch 11 Todesfälle an Diph⸗ theritis(sämtlich über ein Jahr alt) gegen nur 2 Fälle im Jahre 1895.
Von enderen ansteckenden Krankheiten sind nur zwei Todesfälle an Rose bei einem Säugling und einem Er⸗ wachsenen zu erwähnen.
Der Tuberkulose überhaupt erlagen 60 Menschen oder der 5. Teil der Gestorbenen(gegen 46 im Vorjahre), davon 45(42) an Lungenschwindsucht und 15 an Tuber⸗ kulose anderer Organe; an Lungenentzündung starben 17 (29), an anderen akuten Erkrankungen der Atmungs⸗ organe, einschließlich Influenza 23 Personen, ebensoviele wie im Vorjahre.
Die Zahl der Todesfälle an Gehirnschlagfluß betrug 16(13), organische Herzleiden waren 13mal Todesursache. Von 15(in 1895: 19), an akuten Magen- und Darm⸗ krankheiten verstorbenen Personen waren 13 Kinder im ersten Lebensjahre; an allgemeiner Abzehrung gingen 2, an angeborener Lebensschwäche in den ersten Lebenswochen 10 Kinder zu grunde, an bösartigen Neubildungen ] Krebsgeschwülsten) 21(17), bei 15(15) wurde Alters- schwäche als Todesursache angegeben. 47(im Vorjahre 68) Verstorbene hatten an verschiedenen, minder wich⸗ tigen Krankheiten gelitten, und bei 9 blieb die Todesur⸗ sache unbekannt.
Verunglückt sind 6(gegen 1 in 1895) und zwar 3 durch Sturz und je 1 durch Ertrinken, Erdrücktwerden und Verbrennung; durch Selbstmord endeten 4 Personen (im Vorjahre 1), 2 durch Erhängen, 1 durch Sturz, 1 durch Erschießen. Von epidemischen ansteckenden Krankheiten waren die Bewohner Gießens im Berichtsjahre stärker heimgesucht als im Jahre 1895. Eine mäßig ausgedehnte Schar⸗ lach⸗Epidemie griff im Vorjahre herüber und führte noch zu 18 Erkrankungen, die sämtlich gut verlaufen sind; die oben schon erwähnte Masern⸗Epidemie hatte neben be⸗ deutender Ausbreitung und einer Dauer von 5 Monaten einen bösartigen Charakter, da sie 30 Todesfälle im Ge⸗ folge hatte, eine Zahl, die in den letzten 20 Jahren nicht beobachtet worden war(die im genannten Zeitraum höchsten Sterbezahlen an Masern betrugen in 1885: 17 f und in 1893: 12). Als dritte ebenfalls ausgedehnte Epidemie ist die Diphtheritis zu erwähnen; vom 1. Quartal mit 10 Erkrankungsfällen, die uns gemeldet „wurden, stieg die Zahl im 2. Quartal auf 43, auf 94 im dritten und fiel auf 68 im letzten Vierteljahr ab, von diesen 208 zur Anzeige gekommenen Diphtherie Fällen rind 11 d. h. 5 Prozent verstorben. Im Jahre 1895 waren von 63 zu amtlicher Kenntnis gelangten Er⸗ krankungen 2 gestorben= 3 Prozent. Diese Prozent⸗ sätze sind nach langjährigen Erfahrungen sehr günstige, zumal unter Berücksichtigung des Umstandes, daß wohl manche Krankheitsfälle unsrer Kenntnis entgangen sind.
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Einheimische Ortsfremde Summe] Von großem Interesse und hoher Wichtigkeit ist nun die
im 1. Lebensjahre 9 12- 82 Frage, welchen Einfluß die Impfung mit dem seit dem vom 1.— 15. Lebens⸗ 8 Jahre 1895 allgemeiner zur Anwendung kommenden jahre 55 25 90 Diphtherie⸗Heilserum auf Verlauf der Krankheit und die v. 15.—60. Lebens⸗ Sterblichkeit bis jetzt gehabt haben mag; obwohl uns jahre 94— 108= 202 leider zahlenmäßige Beweise noch nicht zur Verfügung das 60. Jahr hatten stehen, so ist doch aus privaten Mitteilungen bekannt, überschritten 74 28 102 daß das für die Kranken unschädliche Mittel in ausge⸗ Zusammen 308 173— 476 dehntem Maße und für den unbefangenen Beobachter mit
Wenn wir im weiteren unser Augenmerk nur auf die Sterbefälle der einheimischen Bevölkerung richten, so ist die hohe Zahl der über ein Jahr alten verstorbenen Kinder mit 65 gegen 29 im Vorfahre auffallend hoch rr—ꝛySyů.—
ausgezeichnetem Erfolge in der Stadt zur Verwendung kam, und es dürfte keinem Zweifel unterliegen, daß wir den Rückgang der Sterblichkeit an Diphtheritis dem Heil⸗ serum zu verdanken? haben.
Expedition:
. 8 Kreuzplatz Nr. 4.
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Erkrankungen an Typhus sind im Berichtsjahre nur 2 zu amtlicher Kenntnis gekommen bei einem Studenten
und einer Krankenwärterin, welch letztere sich bei der Pflege einer auswärtigen Kranken infiziert hatte.
Wir möchten bei dieser Gelegenheit nicht versäumen zu empfehlen, daß das Publikum von unsrer städtischen Desinfektionsanstalt, zumal da die Kosten der Desinfektion wesentlich herabgesetzt sind, im eigensten Interesse mehr Gebrauch machen möge, und machen darauf aufmerksam, daß die Desinfektion, d. i. die Zerstörung der von den Kranken produzierten ansteckenden Stoffe, nur dann eine sichere und vollkommene sein kann, wenn aus dem Krankenzimmer kein, auch nicht der scheinbar unbedeutendste Gegenstand entfernt und damit der Desinfektion entzogen wird.
Endlich sei noch einer Unsitte Erwähnung gethan, die unter dem Scheine der Wohlthätigkeit vielfach geübt wird, nämlich Kleider und Bettstücke, welche in Benutzung Kranker oder an ansteckenden Krankheiten, insbesondere an Tuberkulose(Schwindsucht) Verstorbener waren, ohne vorausgegangene Desinfektion zu verschenken oder zu ver⸗ kaufen; es ist dies eine ohne Zweifel häufige Quelle der Verbreitung ansteckender Krankheiten, und die scheinbare Wohlthat des Geschenkes wird unter Umständen zum leicht⸗ fertigen Verbrechen an der Gesundheit des Beschenkten, während die Behandlung solcher Effekten im Desinfektions⸗ Dampf⸗Apparate, aber auch nur in diesem, eine sichere Zerstörung der Krankheitserreger gewährleistet und die Weiterbenützung der Stücke ohne Gefahr für Leben und Gesundheit ermöglicht.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 23. März. Anläßlich der gestrigen Feierlichkeiten in Berlin wurde unter bielen anderen auch Professor Oncken ausge⸗ zeichnet. Er erhielt das Kreuz der Comthure des Hohenzollernschen Hausordens. Wir gratulieren.
* Gießen, 23. März. Die Illumination verlief 1 1 10 Abend glänzend. Der Selters⸗ weg, Mäusburg und Marktplatz gewährten einen großartigen Anblick. Von den öffent⸗ lichen Gebäuden waren das alte Rathaus, die Bürgermeisterei und das Verwaltungsgebäude des Gas⸗ und Wasserwerks am geschmackvollsten arrangiert. Das Hotel Prinz Karl zog die Menge durch ein im Vestibül des Hauses unter⸗ gebrachtes Blumenarrangement, in welchem die Beleuchtungskörper wirkungsvoll untergebracht waren, an. Ebenso hatte die Löwen⸗Drogerie schönes geleistet. Die Firma A. Holterhoff Söhne präsentierte den Vorübergehenden ein aus Blättern und Beleuchtungskörpern arrangiertes W. Am effektvollsten aber war unstreitig das Arrangement der Firma Ernst Balser, Mäusburg. Die Fassade des allerdings nur schmalen Hauses war vom Dache bis zur ebenen Erde mit hun⸗ derten von roten Flammen erleuchtet; wodurch das gemalte Gebäude wirkungsvoll gehoben wurde.— Auch ein Schadenfeuer haben wir zu verzeichnen. In der Hirschapotheke am Markt war der Inhalt eines Zimmers in Brand ge⸗ raten, doch wurde durch das energische Eingreifen des Schutzmanns Zink, welcher vom Markt aus das Entstehen des Feuers wahrgenommen, der Sache bald ein Ende gemacht. An der Ecke des Neuenweges und des Seltersweges, sowie in der Neuen Bäue verbrannte zur Belustigung des Publikums je eine Fahne, welche den Lich⸗ tern zu nahe gekommen waren.
* Gießen, 23. März. Gestern Nachmittag
—
in den Räumen des Steinschen Eta⸗ eine festlich gestimmte Menge ein⸗ Zu unserem Verwundern blieb jedoch um mindestens hundert Per- Der kleine
hatte sich
blissements gefunden.
noch Raum genug, sonen bequem plazieren zu können. Saal war nämlich nur halb gefüllt. Punkt 5 Uhr intonierte die Kraußesche Kapelle den Kaisermarsch von Richard ade worauf die Gesangvereine unter Leitung des Herrn Franz
Bauer das Lied„Die Ehre Gottes aus der Natur“ von Beethofen vortrugen. Auch die Strophen
des Gellertschen Gedichtes wurden von den ver⸗ einigten Männerchören exakt gesungen. Sodann hielt der Geh. Kirchenrat Prof. Dr. Köstlin die Festrede. Die Versammelten stimmten nach Schluß derselben stehend das Lied an:„Deutschland, Deutschland über alles“.„Wilhelm der Große“, gedichtet von Hans Meyer, komponiert von Chr. Krauße, gab sodann wieder den Sängern Ge⸗ legenheit, ihr Können zu beweisen.„Halleluja“ aus dem Oratorium des„Messias“ von Händel, ausgeführt von der Kraußeschen Kapelle, und „Kaiser Rotbarts Testament“, Männerchor mit Orchesterbegleitung, bildete den wirkungsvollen Schluß der Feier. f
* Grünberg, 22. März. Unsere Stadt prangt heute in schönstem Flaggenschmuck, Gestern hielten die hiesigen Vereine ihren Kirchgang unter zahlreicher Beteiligung. Heute fand im Gast⸗ hause„Zum Hirsch“ ein Festkommers stalt, bei welchem Musik- und Gesangverein mitwirkten. Zur Feier des Tages sprach Herr Dekan Pull⸗ mann, während Herr Pfarrer Koch in längerer Rede des„alten Kanzlers“ gedachte.
* Grünberg, 21. März. In hiesigem Stadt⸗ wald ereignete sich vor wenigen Tagen ein Un⸗ fall, der sehr leicht noch schlimmeren Ausgang hätte nehmen können. D. Bock, welcher mit dem Zerkleinern von Holz beschäftigt war, schlug sich bei dieser Gelegenheit mit einer scharfen Axt derart in den Fuß, daß er sich eine nicht uner⸗ hebliche Verletzung beibrachte und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte.
Vermischtes.
— Aufregende Vorgänge auf der Bühne. Im Wiener Hofopernhause ereignete sich am Donnerstag während der Aufführung des„Propheten“ ein Zwischen⸗ fall, der leicht zu einer Panik hätte führen können. Belm Finale des dritten Akts, als Johann von Leyden gerade auf die Stadt Münster hinweist, deren Türme im Lichte der aufgehenden Sonne erstrahlen, schlug plötzlich aus der Dekorationswand eine Flamme hervor. Nervöse Unruhe bemächtigte sich des Publikums, doch schon war es einem unmittelbar bei dieser Stelle postierten Statlsten gelungen die Flamme zu dämpfen. Von der Dekorationswand war ungefähr ein Quadratmeter ausgebrannt. Das elektrische Bogenlicht, welches die„Sonne“ darstellt, wurde sofort abgedreht. Die Dekoration war augenscheinlich gut im⸗ prägniert, sonst hätte die Flamme wahrscheinlich weiter⸗ gegriffen. Im Publikum machte sich ein Gemurmel be⸗ merkbar, das sich jedoch legte, als die Flamme erstickt war und Herr Winkelmann ruhig weiter sang.— Ein anderer aufregender Bühnenvorfall wird aus Elberfeld be⸗ richtet:„In der Vorstellung der Oper„Carmen“ hieb hier der Lieutenant so wüthendg auf seinen Nebenbuhler Jose ein, daß er dessen Säbel mitten durchschlug, nachdem er beim Ausholen dem hinter ihm stehenden Schmuggler eine gefährliche Kopfwunde beigebracht hatte. Es ist dies der dritte, durch unvorsichtigen Gebrauch von Waffen her⸗ beigeführte Unfall, der sich in dieser Saison im Elber⸗
Dürre Blätter. Nach dem Englischen v. John Strange Winte Deutsch von B. T. Koner.
15 Wie kommt es nur, daß sie heute so lebha
vor mir steht, wie vor zwanzig Jahren, nach unserer lange habe ich kaum ihr Bild schon den ganzen Abend! Ich war damals ein Marian sie war etliche Jahre älter,
Scheidestunde? Lange, sehr an sie gedacht, und nun verfolgt mich blutjunger Sekondelieutenant, und sie, Cbatterton,— je nun, als ich. Sah sie gut aus? Entschieden. ihrem majestätischen Teint, bei schwarzem Augen,
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das ich je zuvor erblickt hatte.
Ich erinnere mich noch deutlich des Eindrucks, den sie bei dem Offiziersball in Blankhampton, wo
ich seit kurzem in Garnison stand, auf mich macht
Es war mein erster Ball seit meiner Beförderung, als Mitglied des Korps zu
und nicht wenig stolz,
den Fesigebern zu gehören, hatte ich in der Saa
thür Posto gefaßt, obgleich ich leidenschaftlich gern Verliebt war ich noch nie gewesen, und als ein sehr unerfahrener junger Bursche, der eine strenge Erziehung genossen hatte, fing ich gleich das
tanzte.
erste Mal gründlich Feuer.
Wuchs, dem reinen, bleichen Haar und einem Paar dunkler die in dem sanften Glanz schwarzer Perlen schimmerten, war sie schöner, als irgend ein Mädchen,
Sie kam in ziemlich großer Gesellschaft und vas schneeige Weiß ihres Ballkleides türmte sich nach damaliger Mode in luftigen Wolken um sie her.
„Kennen Sie die Leute?“ fragte ich einen neben mir stehenden Kameraden, namens Owen.
„Ach, das ist ja die alte Lady Longueville mit einem ganzen Schwarm von Logiergästen! Sie meinen doch vie behäbige Matrone in schwarzem Sammet mit den vielen Brillanten? Wenn sie nur nicht einen so langweiligen Bücherwurm zum Ge⸗ mahl bätte! Hab' mich neulich beim Diner eine Stunde lang mit den alten Thebanern und ähn⸗ lichen interessanten Dingen von ihm peinigen lassen müssen.“
„Aber das junge schwarzen Haar?“
„Oh, die?“ antwortete Owen leichthin. ist ein Fräulein Chatterton.“
„Sind Sie mit ihr bekannt?“
„Jawohl; ich traf sie schon mehrmals draußen bei Longuevilles auf Longpark.“
„Bitte, mich ihr vorzustellen. Aber gleich, lieber Junge.“
„Ich soll Sie vorstellen?“ sagte er gedehnt. „Da müßte ich sie ja engagieren, und ich tanze grundsätzlich nicht mit Damen, die größer sind als ich.“ „Unbesorgt!
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Mäden in Weiß, die mit dem
„Das
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Wenn Sie mich vorgestellt haben,
können Sie unbemerkt verschwinden, während ich mir gleich mehrere Tänze sichere.“
Damit ergriff ich seinen Arm, und im nächsten Augenblick stand ich schon vor Marian. Ich bat um die Ehre des nächsten Walzers, welche sie mir huldvoll gewährte, und die mich beseligenden zwei Worte„Mit Vergnügen“ waren von einem Blick begleitet, der den in meinem Herzen glimmenden Funken zur lichterlohen Flamme anfachte.
Ich habe noch viel mit ihr getanzt; in der Zwischenzeit auch bei Lady de Longueville den An⸗ genebmen gespielt, und am Tage darauf natürlich den Damen in Longpark meine Aufwartung gemacht, um mich zu erkundigen, wie ihnen— will heißen — Marian, der Ball bekommen sei.
Das dauerte sechs Wochen, nicht etwa, daß ich gleich so lange geblieben wäre, aber ganze sechs Wochen hindurch kam ich wieder und wieder bis ich, durch Marians sanfte Blicke und ihr strahlendes Lächeln ermutigt, allen Ernstes um sie anhielt.
Ich thörichter Knabe! Wie oft habe ich mir später gesagt, daß ich dies war. Damals aber hielt ich mich keineswegs dafür. Und ich hatte die bedeutungsvolle Frage mit dem Unverstand der ver⸗ trauensseligen Jugend g4stellt, die noch nie eine Enttäuschung erlebt hat.
Marian wurde rot bis an die Schläfen. Sie habe nicht entfernt an so etwas gedacht; mich nur als einen Freund betrachtet, und mehr, als eine
Freundin könne auch sie mir nicht sein. Etwas anderes sei nicht möglich. Und auf meine Frage, warum sie mich verschmäht, erfuhr ich den Grund — sie war Braut. Ver drei Jahren hatte sie sich mit einem Offizier versprochen, dessen, Rückkehr von Indien jetzt nahe bevorstand.
So aus meinem erträumten Himmel gestürzt zu werden— man bedenke, ich zählte noch nicht ganz neunzehn Jahre— ich glaube, ich habe ge⸗ weint. Während ich, das Antlitz in meinem Rock ärmel bergend, fassungslos dastand, bat Marian inständigst, daß ich mich mit Ergebung in das Un⸗ abänderliche finden möge,— um ihretwillen— — und, wenn ich so darunter litte, wie viel mehr sie. Hierbei hatte ihre Stimme ein wenig ge⸗ zittert.
Ich weiß mich noch zu entsinnen, wie ich blitz⸗ schnell den Kopf hob und ihr hoffnungsvoll forschend ins Gesicht sah. Ich armer Narr! Sie legte ihre Wange an meine Schulter und flüsterte, daß es nun einmal nicht anders sein könne und auch für mich so am besten wäre, weil sie ja viel zu alt für mich sei und wahrscheinlich auch meine Familie Ein, spruch erhoben hätte; überdies wäre es vielleicht gar nicht mein Ernst gewesen—“ Und Das mir, der ich mich mit Freuden vor ihr in den Staub geworfen hätte, wenn ihr das ein wohlgefälliger Anblick gewesen wäre.
Fortsetzung folgt.)


