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Nr. 94
Gießen, Freitag, den 23. April
1897.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
Hessische Landeszeitung
Gießen.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
NMedaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 22. April. Hauptmann Seitz vom 5. Hess. Inf.⸗Reg. Nr. 168 zu Butzbach wurde zum Bezirkskommando versetzt.— Major b. Kurnatowsky von 116. Infanterie-Re⸗ giment„Kaiser Wilhelm“ wurde unter Be⸗ förderung zum Oberst⸗-Lieutenant nach Erfurt bersetzt.
Gießen, 22. April. Im Laufe dieses Frühjahrs werden im Kreise Gießen folgende Lehrerkonferenzen abgehalten: 1. Mon⸗ tag, den 3. Mai, vormittags 10 Uhr, im Cafe Ebel, Konferenz für den Bezirk Gießen; 2. Mittwoch, den 5. Mai, vormittags 9 Uhr, im Holländischen Hof in Lich, Konferenz für den Bezirk Lich⸗Hungen; 3. Don⸗ nerstag, den 6. Mai, vormittags 9½ Uhr, im Hotel„Zum wilden Mann“ zu Grünberg, Konferenz für den Bezirk Grünberg.
* Gießen, 22. April. Das Großh. Ministerium des Innern hat die Abhaltung eines Viehmarktes zu Büdingen am 27. und 28. April d. J. unter den üblichen Bedingungen genehmigt.
* Gießen, 22. April. Zur Reform des hessischen Lehrerbildungswesens. Ge⸗ legentlich der Beantwortung der Interpellation Jöckel, betr. die Vorkommnisse am Friedberger Lehrerseminar im Februar d. J., wurde von der Regierung bestritten, daß die Erkrankungs⸗ erscheinungen auf Ueberbürdung zurückzuführen seien. Nachträglich sind nun der„Mainzer Volks⸗ zeitung“, dessen Redakteur Herr Landtagsabge— ordneter Dr. David ist, in dieser Angelegenheit Mitteilungen zugegangen, die eine thatsächliche starke Ueberbürdung konstatieren. Danach sind wöchentlich über 40 Unterrichtsstunden an⸗ gesetzt, ohne die Klavier-, Geige⸗ und Orgel⸗ llebungsstunden. Die Stoffmenge würde gut bier statt drei Jahre ausfüllen. Als Extra⸗Ver⸗ guügen müssen die Seminaristen noch Orchester— übungen und Gesangsproben für die Konzerte des Mustkvereins mitmachen. Außerdem wird über„groben Unfug“ mit schriftlichen Strafar⸗ beiten geklagt. Bei geringfügigen Anständen läßt man Leute von 16—20 Jahren schriftliche Arbeiten 10—15 Mal abschreiben.— Vom Ministerium wurde die Ueberbürdung bestritten, aber doch eine Prüfung der Seminar⸗Lehrpläne in Aussicht gestellt. Die„Mainzer Volkszeitung“ hält das ganze Lehrerausbildungswesen für ver⸗ altet und einer gründlichen Reform dringend be⸗ dürftig. An Stelle des einseitigen Drills auf Präparandenschulen müßte allgemeine Vorbildung auf Mittelschulen(Gymnasien, Realschulen ꝛc.) treten. Lehrstoff und Methode auf den Semi⸗ naren wären dem Stand der modernen Wissen⸗ schaft und Pädagogik anzupassen. Dem Semi⸗ narabiturienten sei der Besuch der Universi⸗ tät(ähnlich wie in Sachsen) zu erschließen. Durch strenge Durchführung der Fachaufsicht sei dem Lehrerstand eine fachmännische Carriere in erweitertem Maße zu eröffnen. Wie das ge⸗ nannte Blatt weiter meldet, wird die fozial⸗
demokratische Fraktion eine dementsprechende Re⸗ form des Schulgesetzes in der Kammer bean— tragen.
Gießen, 22. April. Nächste Woche wird im Hotel„Einhorn“ der durch seinen Vortrag über Britisch⸗Ost⸗Afrika hier bestens bekannt ge⸗ wordene praktische Arzt Dr. Kolb einen Vor— trag über„Das Training“ halten. Auf Grund seiner Untersuchungen, die er an die Trainings⸗Mannschaften des Berliner Ruderklubs anstellte, war Dr. Kolb bereits im Jahre 1887 in der Lage, als Quelle der Muskelleistungen einzig und allein die Kohlehydrate(Zucker und Fett) zu bezeichnen, womit endlich die alte Lehre vom Eiweisverbrauch bei Muskelarbeit widerlegt wurde. Dadurch fiel die sinnliche Nachäffung des englischen Trainings bei uns in Deutschland fort. Dr. Kolb dehnte bereits damals seine Beobachtungen auf alle athletischen Sportarten, besonders auf Turner, Radfahrer, Schwimmer, Turisten ꝛc. aus und veröffentlichte in seinem Werke:„Physiologie maximaler Muskelarbeit“(er⸗ schienen Berlin, Braun und Komp.), die wissen— schaftliche Ausbeute seines Forschens. Neuer⸗ dings haben Dr. Kolbs Untersuchungen auch beim Militär n efunden. Die Ober⸗ stabsärzte Willaret und zehnsdörfer haben bei den Untersuchungen der Mannschaften Kolbs An⸗ sicht bestätigt gefunden. Es zeigt diese That⸗ sache unwiderleglich, wie gerade beim Militär aus Unkenntnis oft an den Mannschaften ent⸗ setzlich gesündigt werden kann. Kolbs Fest⸗ stellungen zeigen aber auch den Weg, wie man in Zukunft zu verfahren hat. Es ist anzu⸗ nehmen, daß der Vortrag des Herrn Dr. Kolb gut besucht wird.
* Gießen, 22. April. Ausschreibungen zu der am Sonntag, den 25. Juli d. J. stattfin⸗ denden 7. Ruder⸗Regatta auf der Lahn in Gießen. 1. Einer für Juniors. Ehrenpreis. 2. Vierer. Ehrenpreis, gestiftet von der Stadt Gießen. Wanderpreis. 8 e von 1896: Mainzer Ruderklub.)— 3. Dollenzweier für Juniors. Ehrenpreis.— 4. Vierer. Offen für Ruderer, welche nicht zum Rennen Nr. 2 ge⸗ nannt sind. Ehrenpreis.— 5. Einer. Lahn⸗ Pokal, gestiftet vom Deutschen Ruder⸗Verband. Wanderpreis.(Sieger von 1896: Herr August Oßmann von der Gießener Rudergesellschaft.) — 6. Vierer für Juniors. Damenpreis.— 7 Einer. Offen für Ruderer, welche nicht zum Nennen Nr. 5 genannt sind. Ehrenpreis.— 8. Dollenzweier. Ehrenpreis.— 9. Vierer. Offen für Ruderer, welche noch kein offenes Rennen im Vierer(Auslegerennbot) gewonnen haben und nicht zum Rennen Nr. 6 genannt sind.— 10. Dollenbierer. Ehrenpreis. 11. Achter. Ehrenpreis Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein. Wanderpreis.(Sieger von 1896: Oberrader Rudergesellschaft.) Länge der Bahn für alle Rennen ca. 1900 Meter stromabwärts in ge⸗ stautem Wasser. Allenfallsige Vorreunen finden Sonntag Vormittag statt. Melde- und Nen⸗ nungsschluß: Samstag, den 10. Juli 1897,
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen t 10 Pfg. für die spaltige Petitzeile.
abends 8 Uhr. Meldungen und Nennungen sind unter Beifügung der Einsätze an den Vorsitzenden der Rudergesellschaft Herrn Ernst Balser, Mäus⸗ burg, Gießen zu richten.
* Gießen, 22. April. Man schreibt uns aus Heuchelheim: Am 26. d. Mts. steht Termin bei der Großh. Bürgermeisterei Gießen wegen der Bieberthalbahn an. Unsere Gemeinde hat s. Zt. sich bereit erklärt,
das Gelände zum Bahnbau, soweit Ge⸗ meindeeigentum in Betracht kommt, un⸗ entgeltlich herzugeben, sofern unser Dorf eine Station oder Haltestelle bekommt.
Nun ergiebt aber der jetzt ausliegende Plan der Bieberthalbahn, daß wir zwar eine Haltestelle bekommen, die für uns ganz bequem liegt, deren Anlage aber auf Gießener Gebiet geplant ist, wodurch der Gemeinde Heuchelheim die kommu⸗ nalen Zuschläge zur Einkommensteuer, zu der die Bahn heran zuziehen ist, entgehen würden; diese würden fraglos der Stadt Gießen(wenn die Station, wie geplant gebaut wird), auch für die Station Heuchelheim zufallen.
* Grünberg, 21. April. Der hiesige Schützenverein hält am nächsten Sonntag sein Eröffnungsschießen ab. Der Ab⸗ marsch nach dem Schießplatze erfolgt von dem Vereinslokale aus. Bei günstigem Wetter dürfte die Beteiligung au dieser Feier eine allgemeine werden.-
* Kesselbach(Kreis Gießen), 21. April. Am zweiten Feiertage, ereignete sich hier ein bedauerns⸗ werter Unglücksfall. Mehrere Jungen spielten in einer Scheuer„verstecken“. Einer derselben, ein etwa 13jähriger Knabe, stieg dabei auf das Gerüst, that einen Fehltritt und stürzte durch das Gebälk auf die Tenne, wo er bewußtlos liegen blieb. Allem Anscheine nach hat er schwere innere Verletzungen davongetragen. Aerztliche Hilfe war bald zur Stelle.
* Bad Nauheim, 21. April. Bis zum 15. April waren hier schon 108 Kurgäste angemeldet, die 490 Bäder genommen haben. Im letzten Jahre waren bis zu dieser Zeit nur 400 Bäder bereitet worden.— Der Kurpark wird nach Westen zu bedeutend vergrößert. Es liegt dort im Felde ein kleiner Wald, Donners⸗ graben genanut; daselbst hat der Staat Gelände gekauft, den Quadratmeter zu 1—3 A.
* Darmstadt, 21. April. Im Oberpost⸗
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nahme an Wechselstempelsteu er im März 1897: 14373,50 M., zusammen mit den Vormonaten des Etatsjahres 145661,40 M. oder 6 106,50 M. mehr als in der entsprechenden Periode des vor⸗ maligen Etatsjahres.
* Darmstadt, 21. April. Schon früher wurde in der zweiten hessischen Kammer Klage geführt, weil in Worms die dritte Richterstelle ungesetzlich ständig mit einem Assessor besetzt ist. Nicht allein, weil er unge⸗ setzlich ist, ist ein solcher Zustand unhaltbar, sondern weil auch das Ansehen der Justiz darunter leidet. Nun aber wurde auch die 2. Amtsrichterstelle, die als definitive Amts⸗
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Fata Morgana. Novelle von H. René. (Fortsetzung.)
Auch dem Onkel Doktor schien es so zu gehen; so lange er noch zu uns herauskommen konnte, spielte und amüsierte er sich immer mit dem Taugenichts. Gern umgebe er sich wohl selbst mit solch einem munteren, vierfüßigen Freund, doch Tante Minchen fürchtet für ihre weißen Dielen.“
Absichtlich in ihrem Gespräch nur allerlei Fern⸗ liegendes berührend, ging sie neben ihm her durch den schweigenden Park. Die Sonne hatte ihr heißes Tagewerk beendet, gierig schien der See ihre letzten Flammenstrahlen zu trinken, langsam trat die bleiche Mondsichel am wolkenlosen Himmel hervor; es wurde Abend.
Nun hatten sie die Lindenlaube, in welcher Inge an dem letzten Abend ihres Lebens mit den Freunden geweilt, erreicht. Dachte Therese jener Stunden? Ueberkam sie die Sehnsucht nach Mutter⸗ liebe, nach treuem Rat? Leise weinend senkte sie plötzlich den Kopf.
„Thränen?“ fragte er erstaunt.„Thränen jetzt, wo die Nachtigall flötet und die Rosen blühen?“
Sanft hielt er die widerstrebende Hand und blickte ihr mit seinen lachenden, blauen Augen ins Gesicht. 0
„Thränen?“ wiederholte er.
„Ich habe so lange nicht geweint“, flüsterte sie,„in mir war alles zu Eis erstarrt.“
„Dann ist es Himmelstau, der bringt der Seele den Frühling wieder.“
„Frühling, der ist wohl lange versäumt, bald wird es Herbst“, meiute sie trübe.
„Frühling ist es immer, wenn man liebt“, rief er feurig.„Herzen altern nicht, haben die Kraft, wie der Phönix aus der Asche, sich stets zu neuem, jungen Glück emporzufchwingen. Du schweigst ge⸗ liebte, blasse Theerose; aber Deine Augen sind be— redter als der Mund.“
Stürmisch hatte er sie umschlungen, sie unler heißen Küssen an seine Brust gezogen, während er tausend zärtliche Kosenamen ihr ins Ohr flüsterte. Wie berauscht von Himmelswonne lag sie in seinen Armen, wie Sphärenmusik fiel jedes seiner Worte in ihr Herz.
„Nur nicht vorwärts, nicht rückwärts denken“, wünschte sie.„Nur nicht erwachen aus dieser Seligkeit!“ Doch langsam erhob die Wirklichkeit ihr kaltes, nüchternes Gesicht.
Hastig entwand sie sich seinen Armen und er erschrak über ihr blasses, verstörtes Aussehen.
„Bist Du nicht glücklich, liebst Du mich nicht?“ fragte er von neuem sie an sich ziehend.
„Und das fragst Du noch“, rief sie in leiden⸗ schaftliches Weinen ausbrechend.„Wir hatten ja vergessen, wer ich eigentlich bin. Nur, wenn ein teueres Leben erlischt, kommt für uns das Glück.“
„Mein Lieb, mein Leben, nicht diese nutzlose Selbstqual“, bat er zärtlich.„Laß uns doch froh werden unserer jungen Liebe. Warum Schatten her⸗ aufbeschwören, wo wir doch noch im goldneu Früh⸗ licht wandeln.“
Er hatte sich vor ihr auf die Kniee geworfen
und sein Kopf ihr in den Schooß gelegt.
In leisem, zärtlichen Spiel glitten ihre Finger durch sein blondes Haar.
„Ach, könnte ich doch mein Glück laut hinaus jubeln in die Welt“, dachte sie.„Ob ich mit Onkel Doktor davon spreche?“
Da erklangen im Laubgang wuchtige Schritte und kaum, daß der Doktor aufgesprungen, schob sich Chrißian's vierschrötige Gestalt in den Eingang.
„Mit Verlaub“, sagte er, die Mütze in der Hand zusammendrückend.„Aus Neuhof ist ein Bote gekommen. Dem August seinen Aeltesten, den gnädige Frau, so um Ostern herum als Ochsen⸗ jungen in den Dienst genommen, den hat die Krankheit nun auch erwischt. Das Fieber soll ihn nur so schütteln und dabei brennt's ihm im Kopf, als ob er auf Muttern ihr Kohlbecken sitzen möchte. Die Krausen sagte, daß wir den Herrn Doktor wohl noch im Garten finden würden. Da bin ich nicht zuerst in die Stadt hinein.“
„Vielleicht kann mich der Mann gleich hinüber— fahren, leben Sie wohl, gnädige Frau!“
Er war gegangen, und sie lauschte lächelnd seinen verhallenden Schritten. Welch ein Wieder⸗ sehen würden sie morgen feiern, mit wie viel tausend unruhigen Pulsschlägen sie seines Kommens harren?
Endlich ging auch sie ins Haus. Die Diener⸗ schaft, die noch auf der Hoftreppe plaudernd zu— sammengestanden, zerstob bei ihrem Nahen, alle Fenster waren dunkel, nur aus des Onkels Kranken⸗ zimmer fiel ein matter Lichtstreif über den Weg.
Sie ging an diesem und ihrem Schlafzimmer
Expedition:
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richterstelle durch Gesetz geschaffen wurde, mi einem Assessor besetzt. Das ist sicher ein Provisorium; aber dieses Provisorium wird doch Monate dauern und wäre auch ohnedies materiell und formell zu verwerfen. In Worms müßte schon seit Jahren eine vierte Richterstelle ge⸗ schaffen sein, weil die Arbeit für drei Richter zu viel ist und deshalb die Justiz an Promptheit und Gründlichkeit zu wünschen übrig läßt. Nun aber werden die Richter, die die Akten und die Verhältnisse kennen, auch noch alle Augenblicke versetzt und interimistisch Assessoren auf ihren Platz gestellt. Denkt denn die Justizverwal⸗ tung nicht auch an die Gegenstände der Recht⸗ sprechung.
* Reu⸗Isenburg, 21. April. Den Tod suchte und fand gestern die 21jährige Stickerin M. Kraut von hier in den Wellen des Main⸗ stromes. Am Morgen des 2. Feiertags hatte sie noch den Gottesdienst dahier besucht, nach dessen Beendigung sie mit verweinten Augen nach Hause kam, ihre Schmucksachen ablegte und sich dann von hier nach Bürgel begab, woselbst sie vom Mainufer aus die That ausführte. Heute Morgen wurde die Leiche zwischen Bürgel und Offenbach aus dem Main geländet.
* Mainz, 21. April. Die von Seiten der Bürgermeisterei nach Berlin und Hannover ent⸗ sendete Kommission zur Untersuchung der dortigen elektrischen Straßenbahn ⸗ Anlagen hat sich in einem ausführlichen Gutachten für die Einführung des elektrischen Betriebes dahier ausgesprochen. In Berücksichtigung der Vor⸗ und Nachteile der verschiedenen Systeme gibt die Kommission dem sog. gemischten oder Hannover⸗ schen System den Vorzug, und zwar innerhalb der Altstadt mit Akkumulatoren, außerhalb der⸗ selben mit Oberleitung.
* Mainz, 21. April. Am ersten Ostertag herrschte hier ein heftiger Nordweststurm begleitet von starken Regengüssen. Nachmittags nach 1 Uhr liehen sich drei junge Leute bei dem Botvermieter Proff am alten Winterhafen ein Bot und ruderten trotz des stürmischen Wetters stromaufwärts nach Weisenau. Dort verließen sie den Kahn, hielten sich etwa 2 Stunden an Land auf und traten dann die Heimfahrt an. Kurz vor der Eisenbahnbrücke versuchten sie, das Segel zu entfalten. Da dies infolge des hef⸗ tigen Sturmes nicht flott von Statten ging, ver⸗ ließ der am Steuer Sitzende seinen Platz, um zu helfen, da faßte ein mächtiger Windstoß das Segel, das Bot schlug um und die Insassen stürzten in die hochgehenden Fluten. Alle drei waren des Schwimmens kundig und der eine, der 20jährige Tagelöhner Karl Kirstein, der in Bingen arbeitet und zum Besuch hier anwesend war, schwamm dem Ufer zu und wurde von einem Weisenauer Schiffer in seinen Kahn auf⸗ genommen und nach Weisenau verbracht. Den beiden anderen Schwimmern kam das Ginsheimer Trajektbot zu Hilfe. Kapitän Reinheimer und Schiffer Laubenheimer warfen ihnen ein Tau zu, das der 18jährige Mechaniker Georg Brand von hier erfaßte. An den Brand klammerte sich der
eilig vorüber. Nur heute nicht ruhen, mit dieser Glücksfülle im Herzen nur nicht schlafen.
In der alten, trauten, großen Wohnstube, in der der verklärte Geist der Mutter sie noch um⸗ schwebte, dort wollte sie ihn ausklingen lassen den holden Traum der ersten, verspäteten Liebe.
Weit öffnete sie die Fensterflügel, silbern spiegelte sich die Mondscheibe im stillen See, und ein leiser Windhauch trug Rosen⸗ und Jasminduft zu ihr hinein ins Zimmer.
Sie war in die Kniee gesunken und genoß tief⸗ atmend den geheimnisvollen Zauber dieser am⸗ brosischen Sommernacht.
Still und stiller wurde die Natur, selbst das Quaken der Frösche in den nahen, schlammigen Teichen verstummte allmälig, und nur die Stimme des Wächters, der im Städtchen die Stunden ab⸗ rief, klaug über den See deutlich zu ihr hinüber.
Welch farbenprächtiges Zukunftsbild dabei in ihrer Seele erwachte, sie mit nie geahnter Seligkeit erfüllte. In einer jener elenden Gassen, über welchen gerade jetzt der Mond stand, würde sie später, an seiner Seite, gestützt und getragen von seiner Liebe wohnen. Als bescheidene Doktorfrau wollte sie für ihn sorgen, ihm ein köstliches Heim schaffen, in dem er gern ausruhete ven den Mühen seines Berufs. Hingebende Zärtlichkeit sollte er finden. Ach ihr ganzes Leben mußte ja fortan nur Dankbarkeit sein dafür, daß er sie liebte.
Sie hatte die Hände auf das hämmernde Herz gedrückt, wie in leisem Flüstern bewegten sich ihre Lippen, während die Augen groß und feucht in den offenen Himmel hinein zu schauen schienen.
(Fortsetzung folgt.)


