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Nr. 69
Gießen, Dienstag. den 23. Mürz
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
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Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der
Preis der Auzeigen: 10 Pfg. für die spaltige Me
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* 4 141145 Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 22. März. Dem Pfarrverwalter August Frey ist die evangelische Pfarrstelle zu Hitzkirchen, Dekanat Büdingen, übertragen.
Gießen, 22. März. Die Stadt prangt schon seit gestern im schönsten Flaggenschmuck. Die Schaufenster der Geschäfte am Markt, in der Mäusburg und am Selters weg sind teilweise in geschmackvoller Weise dekoriert. Während gestern die Garnison und die Krieger vereine ihren Kirchgang hielten, fanden heute Vormittag die Schulfeiern statt. Die Parade, welche zwischen 11 und 12 Uhr auf dem Trieb statt⸗ fand, hatte dieses Mal, begünstigt durch das prachtvolle Wetter, eine besonders zahlreiche schaulustige Menge angezogen, umsomehr, als sich die Männer im bürgerlichen Rock, die Mitglieder des Krieger⸗, Veteranen⸗, Artillerie- und Marine⸗ vereins, sowie die Kriegerkameradschaft an der Parade beteiligten. Dafür, daß heute Nachmit⸗ sag die Festversammlung in Steins Garten zahl- leich besucht sein wird, spricht der Umstand, daß schon vor drei Tagen keine Eintrittskarte mehr zu haben war. Auch auf die Illumination, die heute Abend stattfindet, dürfte man angesichts der großartigen Vorbereitungen gespannt sein.
* Gießen, 22. März.(Stadtthea ter.) Ueber die gestrige Nachmittags⸗Kindervorstellung schreibt uns eine kleine Theaterbesucherin das folgende:„Liebe Landeszeitung! Im Theater war es ganz prachtvoll. Wir haben die „Puppenfee“ gesehen. Das war ein sehr schönes Fräulein. Wie sie aus einem Wald herauskam und zu uns gesprochen hat, da sind alle Kinder, die vor mir saßen, auf die Stühle geklettert, so daß ich das schöne Fräulein gar nicht mehr sehen konnte. Einen von den Buben habe ich dann in den Rücken gepufft. Das hat aber nichts geholfen. Er hat sich bloß herum⸗ gedreht und gesagt, er wollte mich nachher„ver hagen“. Wie sich die Kinder wieder gesetzt haben, war das schöne Fräulein Puppenfee wieder fort. Da haben wir ganz schrecklich in die Hände geklatscht. Deshalb kann ich Dir auch nicht mehr schreiben. Meine Fingerchen sind von dem Klatschen ganz dick, Du kannst dem Theater mal sagen, liebe Landeszeitung, daß mir die schöne Puppenfee sehr gut gefallen hat. Kommt denn die schöne Puppenfee nun gar nicht wieder?“— So die kleine Theater- berichterstatterin. Hoffentlich ist die Direktion Kruse⸗Helm in der Lage, gelegentlich wieder eine Nachmittags⸗Kindervorstellung zu arrangieren. — Gestern Abend gelangte Gutzkows historisches Lustspiel„Zopf und Schwert“ zu muster⸗ giltiger Aufführung. Frl. Leno sprach vor Beginn der Vorstellung einen von Herrn Mau- bach verfaßten Prolog. Die Direktion kann auf den gestrigen Abend wieder mit Genugthuung zurückblicken. Alle Mitwirkenden schienen bestrebt, nur das beste zu bieten. Das Publikum zeigte sich auch recht dankbar und spendete reichlich Beifall.
* Butzbach, 21. März. Im hiesigen Stadt⸗ walde am großen Exerzierplatze ereignete sich gestern ein Unfall. Ein Arbeiter von Cleeberg, der für einen Holzhändler mit Schälen von Fichtenstangen beschäftigt war, suchte bei dem gestern Nachmittag gegen 6 Uhr über unsre Gegend verbreiteten schweren Gewitter Schutz unter einem Baume. Info
andrer Baum um und schlug den Arbeiter zu wodurch er Verletzungen davontrug, sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Bad Nauheim, mitgeteilt wurde, hat das un schießen dieses Jahr fast gefordert. Ein Bursche, der traf fahrlässiger Weise den den jungen Sohn des Hau anfänglich an dem Aufkommen gezweifelt wurde.
21. März.
Doch die kräf i Die Kugel konnte bis jetzt nicht aus dem Körper entfernt werden. Mit Hil Strahlen wurde Rippengegend kon von einem opera will vorerst den Ein Strafantrag Körperverletzung Voraus — wurde nicht gestellt, und unvorsichtigen Schützen bloß Strafbefehl wegen un
statiert.
bei einer
lge des orkanartig herrschenden Sturmes fiel in dessen Nähe ein
Boden, so daß
Wie s. Zt. selige Neujahrs⸗ ein Menschenleben scharf geladen hatte, im Zimmer anwesen⸗— ses so unglücklich, daß des Verletzten tige Natur siegte.
fe der Röntgenschen der Sitz des Projektils in der Man hat bis jetzt tiven Eingriff abgesehen und weiteren Verlauf abwarten. fahrlässigen etzung der Bestrafung so konnte gegen den ein polizeilicher befugten Schießens in Höhe
mit scharfer Ladung angeklagt, wurden vom Schöffengericht mit einer mäßigen Geldstrafe belegt, da nicht nachgewiesen werden konnte, daß sie scharfe Ladung verwendet hatten. Alsfeld, 21. März. Ein Akt bestia⸗ lischer Roheit haben die Trunkenheit und Raufwut einiger vom Musterungsgeschäft heim⸗ kehrender Burschen in dem nahen Altenburg gezeitigt. Im Handgemenge mit dem Messer wurde einem Unbeteiligten, der die Raufbolde trennen. wollte, der Bauch förmlich auf— geschlitzt, sodaß die Eingeweide zu Tage traten. Der Schwerletzte ist inzwischen verschieden. Die Verhaftung des Messerhelden ist erfolgt.
* Aus dem Vogelsberg, 21. März. Außergewöhnlich niedrige Preise werden zur Zeit für die Saugkälber bezahlt. Bei guter Preis⸗ lage wurde für das Pfund Lebendgewicht 35—38 A, bei hoher sogar 38 40», erzielt, jetzt aber giebt man im Durchschnitt nur 2830„ für das Pfund Lebendgewicht. Das kommt einem Preisabschlag von 20—21 Prozent gleich. Der Landwirt verliert immerhin durch diesen Preis⸗ rückgang in seinem Erlös aus Vieh einen nicht unbedeutenden Betrag.— Auch die Preise für die Schweine sind zurückgegangen; man verkaufte dieselben seither mit 37 und 38= das Pfund Lebendgewicht, jetzt aber wollen die Händler nur 35 und 36„ dafür geben. Dieser Preisrück⸗ gang dürfte mit verursacht werden durch das Massenangebot.
* Darmstadt, 21. März. Der Abgeordnete Köhler hat der zweiten Kammer ein Er⸗ suchen auf Vorlage eines Gesetzentwurfs des Inhalts eingebracht, daß der Staat, nachdem für eine Gemarkung die Vornahme der Feld— bereinigung beschlossen wurde, als selbständiger Unternehmer der Bereinigungsgeschäfte auftritt, daß die Gemeinde je 50. pro Hektar des zu bereinigenden Landes als einmalige Vergütung leistet, daß die Mehrkosten von der Staatskasse übernommen werden und der Staat die Feld— bereinigungsarbeiten durch eigene Beamte, Be⸗ zirksgeometer, zur Ausführung bringen läßt.
* Darmstadt, 22. März. Die Donnerstag, den 25. März, stattfindende Sitzung der zweiten Kammer hat folgende Tagesordnung: Beant⸗ wortung eventuell Besprechung der dringlichen Interpellation des Abg. Reinhart, betreffend die Ableitung der Fäkalien und Schmutzwasser der Stadt Mannheim vermittelst der Kanäle in den Rhein. Wahlprüfungen. Beratung über 1. die Vorlage großh. Ministeriums der Finanzen, den Verkauf des Braunkohlenbergwerks„Ludwigs⸗ hoffnung“ in der Gemarkung Melbach betr., und die Eingabe des Gemeinderats zu Wölfersheim, den Verkauf des Bergwerks zu Melbach betres— fend, vom Abg. Köhler als ame übergeben; 2. die Vorlage großh. Ministeriums der Finanzen, betr. den Uebergang der großh. hessischen Saline Karl⸗Theodorshalle an die Stadt Kreuznach; 3. die Vorlage großh. Ministeriums der Finanzen, die Organisation der Verwaltung der Staats- schuld betreffend, Rückäußerungen Erster Kammer. * Offenbach, 21. März. Die vereinigten Barbfere und Friseure Offenbachs beglücken ihre Kundschaft und das Publikum mit einem Preisaufschsag für ihre gesichtsverschönernde Thätigkeit. Vom Sonntag ab wird eine Mini⸗ maltaxe eingeführt, wonach für Rasteren 15», für Haarschneiden 30 5, Haar- und Bartschneiden 50„ und Kinderhaarschneiden 20. zu entrichten sind. Für jede weitere Dienstleistung soll eine entsprechende Preiserhöhung eintreten. 0b durch dieses Vorgehen der Bartkünstler jetzt hier mehr Vollbärte das Licht der Welt erblicken, bleibt
abzuwarten. 5 21. März. Die Massen schlach⸗
* Mainz, assense tungen in der kgl. Konservenfabrik sind nun 2370 Stück
zu Ende; es wurden diesmal nur S
Ochsen gegen 3000 Stück im vorigen und 7000 Stück im Jahre 1895 geschlachtet. Durch die 1895/96 in Spandau eröffnete Konservenfabrik ist der Verbrauch dieser Fabrik wesentlich zurück⸗ gegangen. In den nächsten Tagen werden noch Proben von gemischten Konserven(Fleisch und [Gemüse zusammen) für das Kaisermanbver fabriziert, wozu aber täglich nur 3 Stück Ochsen verwendet werden.
Vermischtes.
— Abenteuer eines Engländers in China. Unter dieser Ueberschrift erzählt ein ehemaliger Missionar aus China eine lustige Geschichte, die im wesentlichen auf die Vieldeutigkeit chinesischer Worte sich gründet. Es war in Tschonking, der Hauptstadt des östlichen Setschnan; dort sind die Chinesen noch ein gut Teil hochmütiger
von 14 Tagen Haft erla ein Einspruch nicht erhoben wurde.— andere junge
ssen werden, gegen den Drei Leute, ebenfalls des Schießens
gegenüber dem Europäer, diesem„westlichen Teufel“ und allen seinen kulturellen Errungenschaften, als anderwärts.
Tage nach Sonn- und Fetertagen.
titzeile.
Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
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in China, als Tschonking— nach ihrer Meinung. Und
nun denke man sich die Rolle, die ein unter diese hoch⸗
mütigen Zopfträger geratener Europäer spielt. Das Beste,
was ihm passteren kann, ist, bloß bemitleidet zu werden;
wenn er aber dabei selbst sich unbehülflich im Verkehr
stellt, dann hat er die ganze Meute hinter und gegen sich.
So erging es einem steifledernen Engländer John, den
der Reverend Smith zur Bequemlichkeit auf seiner
Missionar-Laufbahn aus England mitgebracht hatte.
Smith war Methodist und von der Gesellschaft für
protestantische Missionen in London zum Vorstande eines
kleinen Hospitals in Tschonking ernannt worden. John
hatte übrigens schon in China hineingerochen, wie man
so sagt, indem er, ehe er nach Tschonking kam, mit seinem
Herrn ein Jahr in Shanghai zugebracht hatte. So bildete
er sich ein, schon chinesisch sprechen zu können, während thatsächlich seine Kenntnisse sich auf irgend einen verball⸗ hornten Mischdialekt beschränkten. Als nun der Reverend sich häuslich zu Tschonking einrichten wollte, fehlte noch dies und jenes. Eines Tages rief er John und beauf⸗ tragte ihn, einen Wassereimer zu holen.„Ich habe meinen Litteraten nach der Bezeichnung gefragt und dieser sagte mir, Wassereimer heiße Tong. Du behältst doch, John?“ John wiederholte: Tong, Tong und erklärte, nichts sei leichter, als so etwas zu behalten. Und er eilte fort, um den erhaltenen Auftrag zu erfüllen. Unglücklicherweise lag die Wohnung des Missionars nicht„Unter Faßbindern“, wie wir sagen würden, sondern„Unter Apothekern“(die Zünfte haben bekanntlich ihre besonderen Stadtteile in China inne). Als nun John auf der Straße einen eleganten chinesischen Kommis erblickte, der, den Fächer in der Hand, den Kopf frisch rasiert, mit einer nach allen Regeln der Kunst geflochtenen Flechte vorüberstolzierte, rief er denselben an:„Wo giebt es Tong?“ Der An⸗ geredete mißt den westlichen Teufel mit einem hochmütigen Blicke, noch ganz anders, als es die Kommis in euro⸗ päischen Weltstädten verstehen, und meint:„In welcher Sprache spricht dieser westliche Teufel zu mir? Wohl in derjenigen der untergehenden Sonne.“ Dann besieht er sich John durch seine runden Brillengläser noch genauer und ruft:„Was für ein komischer Mensch! Der hat ja rote Haare! Er ist sicher ein hong man jers(wörtlich Mann mit roten Haaren, womit die Engländer bezeichnet werden). Und in was für Kleider steckt Der!“ Der Kommis, der noch nicht über Tschonking hinausgekommen war, wollte vor Lachen bersten und machte mit seinen lang benägelten Fingern die Vorübergehenden auf den verdutzt dastehendeu John aufmerksam. Und auch die Anderen lachten den armen John aus. Einer von diesen, ein Gereister, fragte ihn, von einigem Mitleid gerührt: „Fremder, was willst Du?“ John brachte nur Tong, Tong hervor. Ach so, er hat Schmerzen, vielleicht die Kolik, hier ist ja eine Apotheker⸗Bude, lomm nur mit. Und John geht mit, sieht aber, als er an dem Geschäfte anlangt, daß man ihn zum besten hält oder wenigstens nicht versteht. Und nun steht er da, hülflos, von der anwachsenden neugierigen und spottenden Menge umgeben. Nirgends auf der Welt finden sich in einer Stadt an irgend einem Punkte bei beliebigem Anlaß so viel Müßig⸗ gänger zusammen wie in China. Man drängte und stieß sich um den armen John herum. Dieser aber, als Eng⸗ länder, setzte seine Ehre darein, auch nicht einen Schritt zu weichen. Und so ging er langsam vorwärts, von Zeit zu Zeit fragend: Tong? Tong?„Was erzählt er uns doch da?“ fragten Einige.„Er sagt, wir hätten Winter (Tong heißt auch Winter) und es ist doch so warm!“ Wieder ein Lachausbruch. Nein, ruft ein Anderer, er will nach dem Ostthore, dem vornehmsten, durch welches auch die Fremden einziehen. So komm doch hierher, westlicher Teufel, hier geht es nach Osten(Tong heißt auch Osten). Nein, sagt ein Dritter, er will eine Pfeife kaufen oder ein kupfernes Waschbecken(beides heißt auch Tong), hierher mußt Du gehen! John aber heulte jetzt in einem fort: Tong, Tong! Und der Ton, in dem er es sagte, gab dem Worte den Sinn von Dummkopf. Einer der Mitlaufenden hielt das auf sich gemünzt und schimpfte: Du Schildkröten⸗Ei! Die Sache wurde schlimm; man hob schon Steine auf. Glücklicherweise nahm ein freundlicher Greis des Mannes sich an, dessen Verlegenheit er sofort erkannte. Er überlegte sich, was John wohl
mit Tong wolle. Den Namen der„hundert Familien?“ en in
(Es giebt nur ein paar hundert Familien⸗Nam China.) Nein! Eine Röhre? Nein! Ein Kind? Nein! Menschen? Nein! Ein Loch? Nein!
Einen großen, dicken Eine Höhle? Nein! Aber er will doch Tong? Aha, fällt ihm ein: Vielleicht ein Kübel! Komm guter Freund, sagt er nun zu John. Dieser, ruhig geworden, folgt ihm ver⸗ trauensvoll. Sie kommen in eine Straße, wo man hölzerne Gefäße verkauft. Da! da! ruft jetzt John. Und der Alte führt ihn in ein solches Geschäft. Tong, Tong, wiederholt er. Der Händler zeigt zunächst ein Weinfaß vor, tong tricou. Puschete(Nein) sagt John. Dann tong pan, ein vlereckiges Becken, in dem man den Reis schlägt. Puschete! Dann einen Nachtstuhl mit Zubehör aus Holz tong pien, tong Wa. John wird rot bis unter seine roten Haare. Endlich glänzt sein Auge und sein breites Gesicht verzieht sich zu einem noch breiteren Lächeln; er stürzt in eine Ecke, aus der er einen gewöhnlichen Wassereimer hervorholt. Gleichzeitig schreit er Tong, Tong, Tong und wirft zweihundert Sapeken auf den Ladentisch. Ja, das war ein Tong, aber ein Tong im dritten Ton, und er hatte alle falschen Benennungen erschöpft, ohne auf die richtige zu kommen.
feigten Reserveoffizier wurde nun, nach dem„N. Tgbl.“, von dem Ehrenrat die Auflage gemacht, sich mit seinem Gegner, der für satisfaktionsfähig erkannt wurde, zu schlagen, und zwar sollte ein Pistolenduell stattfinden. Der Reserveoffizier, der Familienvater ist, zog es aber vor, die Hilfe des Gerichts in Anspruch zu nehmen. Damit ist der Kaufmann Reserveoffizier gewesen. Eine neue Illustration zu einem alten aber wenig erfreulichen Text. Der Bürger, der den Gesetzen gehorcht, ist un⸗ würdig des Säbels, den ihm das Land durch den König überreicht. Welch' ein Widerspruch!
— Eine heitere Theater⸗Episode gab es kürzlich, wie die„Staatsbürger⸗Zeitung“ berichtet, im Berliner königlichen Schauspielhause. Es sollte elne sogenannte„Reiß⸗Verwandlung“ vor sich gehen, die auf folgende Weise geschieht: Die verschiedenen Teile des be⸗ treffenden Kleides find gewissermaßen nur zusammen⸗ geschnürt, und zwar durch eine einzige fortlaufende Schnur, die durch kleine, an der Innenseite des Gewandes an⸗ gebrachte Ringe läuft. Wird nun die Schnur schnell weggezogen, so fallen alle Teile haltlos auseinander und das darunter befindliche Kostüm kommt zum Vorschein. An einer genau bezeichneten Stelle, wo die Verwandlung vor sich gehen soll, öffnet sich hinter der sich verwandeln⸗ den Person an der Koulisse eine kleine Klappe; durch diese greift der Garderobier mit kräftiger Faust die erwähnte Schnur, ein Ruck— das leichte Gewand ist verschwunden. Diese„Reiß⸗Verwandlungen“ fanden von jeher auf der rechten Seite der Bühne statt, plötzlich wollte sie der Regisseur links ausgeführt haben. Bei der Probe ging dann die Sache auch ganz gut. Der Abend kommt heran, und die Fee eilt der bezeichneten Stelle links zu Mit Wehmut rezittert sie:„Fall' ab, du irb'scher Tand!“ Dem Tand fiel es aber gar nicht ein, abzufallen. Ohne Zweifel wurde das Stichwort überhört, noch einmal setzt sie lauter ein:„Fall' ab, du ird'scher Tand!“ als auf einmal große Heiterkeit im Publikum entsteht; denn auf der rechten Seite der Bühne wurde die Hand des Garde⸗ robiers sichtbar, der an langgewohnter Stelle vergebens das Gewand der Göttin zu erfassen strebte. Rasch stürzte diese auf die unheimlich gestikulierenden Finger zu, aber im selben Augenblick schien dem Besitzer derselben sein Versehen einzufallen, und kaum hatte die arme Fee die rechte Seite erreicht, als die verhängnisvolle Hand an der eben von der zaubermächtigen Fee verlassenen Stelle auf⸗ tauchte und unter brausendem Jubel des Hauses die krampfhaftesten Versuche im Schein des indessen angesteckten
roten Lichtes ungestüm erneuerte.
— Die Heirat zwischen Toten. Im dies⸗ wöchentlichen„Globus“ lesen wir: Die merkwürdige Sitte der Heirat zwischen Toten bespricht schon Marco Polo bei den Tartaren. Wenn jemand eine Tochter hatte, die vor der Hochzeit starb, und ein anderer hatte einen Sohn, der ebenfalls vor der Hochzeit gestorben war, so richteten die Eltern dieser beiden Verstorbenen eine große Hochzeit für dieselben aus. Ein Kontrakt wurde aufgesetzt und dann verbrannt, damit die beiden in der anderen Welt die Thatsache erfahren und sich gegenseitig als Mann und Weib betrachten könnten. Die Eltern hielten fich von Stunde an für Verwandte, als wenn ihre Kinder wirklich sich geheiratet hätten. Dasjenige, was als Braut⸗ schatz zwischen den Eltern vereinbart war, ließ dersenige, der es zu zahlen hatte, auf ein Stück Papier malen und verbrannte dasselbe, in dem Glauben, daß sich dadurch die genannten Dinge im Jenseits für die Beteiligten verwirklichten. Colonel Mule glaubte, daß diese Sitte chinesischen Ursprunges sei. Der Japaner Kumugufu Minakata weist dies aus einer chinesischen Quelle, dem „Tsoh⸗mung⸗luh“, auch nach. Aus derselben geht her⸗ vor, daß die Sitte im Norden Chinas bestand, aber offenbar von den Tartaren entlehnt war. Ein Freiwerber „Kweimei, d. h. Ehestifter der Geister“, wurde als Ver⸗ mittler gewählt, der die Zeremonie, die von der oben ge⸗ schilderten etwas abwich und zum Teil bei den Gräbern der Verstorbenen vorgenommen wurde, ausführte.— Der chinesische Autor des genannten Buches, Kang Muschi er⸗ zählt, daß er selbst seine alte Heimat kurz nach der Unterjochung durch die Kin⸗Tartaren im Jahre 1126 v. Chr. besuchte. Die Heirat der Toten muß ihm nun dort als etwas Neues entgegengetreten sein, was durch die nördlichen Eindringlinge nach China eingeführt worden war, denn er fühlt sich veranlaßt, die Sitte als erster aufzuzeichnen.
— Der gute Ruf eines Hotels.(Schau⸗ platz: Eleganter Salon in einem Hotel. Zeit: Ein Tag nach einem Selbstmorde in einem anderen vornehmen Hotel. Personen; Der Hotelier, ein Passagier.)
Hotelier(tritt, sich tief verbeugend, ins Zimmer): Mein Herr, Sie beliebten mich rufen zu lassen..
Gast: Bitte, nehmen Sie Platz. Ich wollte Ihnen sagen. ich bin außerordentlich mit Ihrem Hotel zu⸗ frieden... Elegantes Zimmer.. exquisite Küche
Hotelier: Ich bin glücklich, diese Anerkennung zu
finden Nun muß ich aber eine andere, unang
Gast: Bitte.. hren Ich erwartete Geld. Es
genehme Sache berü kam nicht an... Ich müßte auch noch heute eiue Reise
antreten, von der für mich Alles abhängt Hotelier(sich erhebend hart):„Mein Herr, bei uns müssen vor Allem die Rechnungen beglichen werden Gast: Selbstverständlich. Meine Wochenrechnung macht 126 fl. aus, aber, wie ich Ihnen bereits bemerkte, mein Geld ist ausgeblieben und. Hotelier(unterbrechend): Ich bedaure sehr, aber. Gast: O, ich muß bedauern.. mein Verlust ist
Triumphierend kehrte er heim. f 5 — Die Satisfaktion des Reserveofsiziers. öffentlichen Lokal zu einem
Zu Ulm kam es in einem öff hen N Renkontre zwischen einem Reserveoffizier, der nebenbei Dem dabei geohr⸗
Aber nicht nur dieses, es giebt auch keine schönere Stadt
Kaufmann ist, und einem Reisenden.
Lrößer als der Ihre. Die Rechnung werden meine An⸗ gehörigen begleichen, aber mich wird Niemand zu neuem Leben erwecken


