Ausgabe 
22.9.1897
 
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Auf Antrag der königlichen Amtsanwalt

Gießen, Mitwoch, den 22. September

1897.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

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Ausgabe

Gießen.

tun

Possytg. Nr. 3318 Telephou⸗Nr. 112.

a. 4. 2 Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 21. Sept. Nachdem der Vor⸗ and des Brand versicherungs vereins hessischer Lehrer nunmehr den 20 000 l. betragenden Garantiefonds bei der betr. Behörde niedergelegt hat, ist dem Verband seitens der großh. Staatsregierung endgiltig die Geneh⸗ migung zum Geschäftsbetrieb erteilt worden. Es ist anzunehmen, daß der Verein schon nach Verlauf von wenigen Jahren sämtliche Lehrer Hessens, soweit sie dem Landeslehrerverein an⸗ gehören, zu seinen Mitgiedern zählen wird, zumal die mit Sicherheit zu erwartenden Ueber⸗ schüsse in erster Linie den verschiedenen Wohl⸗ chätigkeitsinstitutionen(Ludwig⸗ und Alicestiftung, Lehrerwaisenstift, Unterstützungsverein proviso⸗

tischer Lehrer) zugute kommen sollen.

Gießen, 21. Sept. Um 5 Pfennige!

ImReichsanzeiger wurde nachstehendes Urteil

des Amtsgerichts II zu Dillenburg e

chaft wird gegen die Ehefrau des Friedrich Brado

0 hon der Haigerhütte bei Haiger, jetzt mit un⸗ bekanntem Aufenthalt abwesend, wegen der Be⸗

schuldigung, am 22. Mai 1897, nachmittags 2 Uhr, im Distrikt 53 des Schutzbezirks Mander⸗ hach eine halbe Welle trockenes Buchenleseholz entwendet zu haben, Uebertretung gegen§ 1 Nr. 2 und§ 2 des Forstdiebstahlsgesetzes vom 15. April 1880, wofür als Beweismittel be⸗ zeichnet ist: königlicher Förster Funke zu Mander⸗ hach als Zeuge, eine Geldstrafe von 1& sub⸗ diär 1 Tag Gefängnis festgesetzt, auch ihre

HBerpflichtung zum Ersatze des Wertes des ent⸗

wendeten Holzes mit fünf Pfennig an den Forstfiskus ausgesprochen. Zugleich werden ihr die Kosten mit 1,40. auferlegt. Der Ehe⸗ mann der Verurteilten: Friedrich Brado von der Haigerhütte, jetzt ebenfalls mit unbekanntem Aufenthalt abwesend, wird in Gemäßheit des 111 e Forstdiebstahlsgesetzes für den Fall des

be der Verurteilten für Geldstrafe,

Wertersazz und Kosten für haftbar erklärt. Dieser Strafbefehl wird vollstreckbar, wenn die Beschuldigten nicht in dem auf den 28. Oktober cr., vormittags 9 Uhr, vor dem königlichen Amts⸗ ericht hierselbst in dessen Geschäftshause, Zimmer

3, anberaumten, eintretenden Falls zugleich zur Hauptverhandlung bestimmten Termine er⸗ scheinen und Einspruch erheben. Dillenburg, den 25. August 1897. Königliches Amts⸗ gericht II.

W. Grünberg, 20. Sept. Gestern Nach⸗ Mittag veranstaltete der hiesige Schützenverein sein diesjähriges Abschießen, welches sich in anbetracht des jungen Bestehens des Vereins ener regen Beteiligung zu erfreuen hatte. Den

1. Preis, bestehend aus einer silbernen Medaille,

erhielt Herr Hermann Kreuder, den 2. Pr., einen Revolver, Herr Christian Wagner, den

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Bspaltige Penltzelle.

Daß der Verein seinem gesteckten Ziele in jeder Richtung nachkommt und auch mit auswärtigen Schützenvereinen in steter Verbindung steht, geht schon aus dem Umstande hervor, daß genannter Verein auf den Schützenfesten zu Gießen, Alsfeld und Laubach mit Preisen ausge 9 wurde. Nach Beendigung des Abschießens and abends im Vereinslokale zumEnglischen Hof eine gesellige Zusammenkunft statt.

n. Grünberg, 20. Sept. Wie wir hören, wird hierorts in allernächster Zeit ein steno⸗ graphischer Kursus eröffnet. Geleitet wird derselbe von der Stenographen-Gesell⸗ schaft zu Gießen, die für das Gabelsbergersche System Propaganda macht. In unserem Orte bringt man diesem Unternehmen lebhaftes In⸗ teresse egg, obwohl schon vor Jahren ein gleiches Beginnen kein erfreuliches Resultat zeitigte.

Grünberg, 19. Sept. Im hiesigen Post⸗ bezirk sind an Geldspenden für die Ueber- schwemmten zusammen 125,74 1 durch die von der Post ausgeführte Kollekte eingegangen. Eine von anderer Seite in der Stadt selbst ver⸗ anstaltete Sammlung ergab 140. Bei dem Postamt Laubach sind aus dem dortigen Bezirk zusammen 117,80. eingegangen. Zu diesem Betrag hat die Gemeinde Ruppertsburg aus der Gemeindekasse 50 l beigesteuert.

* Bad Nauheim, 18. Sept. In der letzten Woche sind 245 Fremde gegen 227 in der entsprechenden Woche des Vorjahres angemeldet worden. Die Gesamtfrequenz beträgt 17 595. Noch anwesend sind 1908 Personen, gegen 1479 Fremde am 17. September v. J. Bäder wurden in der letzten Woche 6138 genommen, gegen 7894 Bäder in der entsprechenden Woche des Vorjahres.

* Bad Nauheim, 19. September. Beim Einsteig⸗Diebstahl bei Spezereihändler Schmidt in Dorheim sind gegen 150& in bar gestohlen worden.

* Mainz, 20. Sept. Im Wahlkreis Mainz⸗Oppenheim wurde der Landtags⸗ abgeordnete Dr. Eduard David von einer soztaldemokratischen Vertrauensmänner⸗Versamm⸗ lung als Kandidat für den Reichstag wieder aufgestellt. Bei der im vorigen Jahr infolge der Mandatsniederlegung des Abgeordneten Ibst stattgehabten Nachwahl unterlag David mit wenig Stimmen gegen den Ultramontanen Dr. Schmitt.

* Mainz, 20. September. Gestern wurde hier die Generalversammlung des Verbandes hessischer Innungen und Be srufs⸗ vereine abgehalten. Bei dem Referate über das neue Handwerkergesetz kam es zu einer längeren Debatte über die Einrichtung von Hand⸗ werkerkammern. Es wurde hervorgehoben, daß die Regierung beabsichtige, für Hessen nur eine Handwerkerkammer mit dem Sitz in Darmstadt zu errichten; gegen diese Absicht nahm die Mehr⸗

D Expebition 1 84 Kreuzplatz Nr. 4.

heit der eee e und faßte den Beschluß, die großh. Regierung zu ersuchen, für jede der drei Provinzen eine Handwerkerkammer zu errichten, deren Sitze Darmstadt, Mainz und Gießen sein sollen. Einzelne Stimmen wurden gegen die Gewerbevereine laut; es wurde sogar angedeutet, daß die Handwerker aus den Ge werbevereinen ausscheiden sollen, die Mehrheit der Versammlung erkannte aber rückhaltslos an, daß die Gewerbevereine mit ihren Handwerker⸗ schulen sehr segensreich wirkten.

* Wetzlar, 20. Sept. Ein sehr bedauer⸗ licher Unglücksfall hat gestern den Bier⸗ händler Philipp Heger von Hermannstein betroffen. Heger war am Morgen mit seinem Sohne auf die Hühnerjagd gegangen und beide hatten auch schon einige Hühner geschossen. Als wieder ein glücklicher Schuß erfolgt war, legte der Sohn die Flinte, deren einer Lauf noch ge⸗ laden war, in einen Graben, um die geschossenen Tiere einzusammeln. In diesem Augenblick trat der die Jäger begleitende Hund auf den Abzug des Gewehrs, der gelandene Lauf entlud sich und die ganze Ladung ging Herrn Heger in die rechte Hand. Die meisten Finger dieser Hand sollen schrecklich zugerichtet sein und nur noch an der Hand baumeln. Der schwer verletzte Mann suchte die Gießener Klinik auf.(W. A.)

* Aßlar, 20. Sept. Am Freitag Abend hat sich auf der nahe bei unserem Ort gelegenen Aßlarer Mühle ein Unglücksfall ereignet. Durch eine zur Fabrilation von Holzwolle dienende Schneidmaschine wurden dem 18jährigen Oskar Uhl, dem Sohne des seit Jahren abwesen⸗ den Besitzers, 4 Finger der rechten Hand teil weise abgeschnitten. Der Schnitt ging, von dem kleinen Finger, der am stärksten mitgenommen ist, beginnend, quer über die Hand und trennte alles, was unter ihm lag, glatt ab.

4 Vermischte

Eine vegetarische Jubelfeier. Die Pflanzen⸗ esser halten diese Woche in London eine Jubelfeier ab, die mit einer Ausstellung verbunden ist, die von Lady Gwendolen Herbert in der Memorial Hall eröffnet wurde. Da ist Vegetarierbrot in verschiedenen Sorten ausgestellt, vegetarische Eßstoffe sind in Menge vorhanden. Am meisten interessiert man sich jedoch für die Gegenstände, die im täglichen Gebrauch befindlich ohne Vernichtung von Tierleben hergestellt worden sind; denn ein rechtgläubiger Vegetarier will nicht nur nichts verzehren, sondern auch nichts auf dem Leibe tragen, was einem Mitgeschöpf das Leben gekostet hat. Da sind, lautVoss. Ztg., unter Anderm Stiefel ausgestellt, die nicht aus Leder, sondern aus Kanevas und Pflanzenfasern verfertigt sind. Der Sekretär der Vegetarier, Jossiah Oddfield, trägt nur solche Schuhe, und ein Paar von ihm ausgetragener Stiefel werden mit fast religiöser Andacht betrachtet. Handschuhe aus Pflanzenstoffen sind, laut Ankündigung, weich und biegsam; wie vegetarische Seife aussieht, wie ebensolcher Leberthran schmeckt, kann der Besucher der Ausstellung selbst prüfen. In seiner Eröffnungsrede betonte der Vor⸗

sitzende Hills, daß auch auf dem Gebiet des Athletentums die Vegetarier sich auszeichnen. Es giebt pflanzenessende Radfahrer und Turner, die sich nicht nur mit fleischessen⸗ den Gegnern messen, sondern sie auch aus dem Felde schlagen können. Da ist John Barclay, der schottische Champion, der auf der halben Meile seines Gleichen nicht hat, obschon er kein Fleisch zur Ausbildung seiner Mus⸗ keln genießt. In London giebt es bereits acht Vege⸗ tariervereine, und seit der Kongreß vor sieben Jahren in London tagte, hat die Bewegung sichin Sprüngen und Sätzen verbreitet. Es giebt Vegetarierspitäler, und je mehr die Bevölkerung zunimmt, um so größer wird die Notwendigkeit der Rückkehr zu einer Lebensweise, die billig und einfach ist, meinte der Redner. Der Heilkraft der Pflanzenkost haben auch begeisterte Frauen auf dem Kongreß das Wort geredet. Frau Weigele will von einer schmerzhaften Krankheit geheilt worden sein. Fräulein Mabel Whitfield glaubt, daß der Fleischgenuß Grausam⸗ keit und Hartherzigkeit hervorbringt und für Uebellaunig⸗ keit verantwortlich ist.

Flugmaschinen im zwanzigsten Jahr⸗ hundert unter diesem Titel hat George Davidson derStatuday Review eine kurze Abhandlung eingesandt, die nicht ohne Interesse ist. Wir würden uns mit der⸗ selben gewiß nicht beschäftigen, wenn es sich um nichts weiter als um Phantastereien irgend eines müßigen Kopfes handelte; Davidson ist aber ein in England wohlbekannter Mann, der sich seit 15 Jahren praktisch mit dem Problem des mechanischen Fluges beschäftigt. Und da ist es für Mauchen gewiß trostreich, von diesem Manne die Ueber⸗ zeugung aussprechen, zu hören, daß die Meisten von uns es noch erleben werden daß die Luftschiffahrt in derselben Weise zum Verkehr von Ort zu Ort und von Land zu Land dienen wird wie jetzt Dampfschiffahrt und Eisenbahn. Es giebt schon heute thatsächlich Maschinen, welche im Verhältnis zu ihrem Gewichte eine größere Kraft ent⸗ wickeln können als ein Vogel Solche Maschinen müssen daher imstande sein zu fliegen, wenn ihre Kraft in der geeigneten Richtung zu diesem Zweck verwandt wird, d. h. in einer ähnlichen Richtung, wie es bei dem Vogel der Fall ist. Man muß nach Davidson den Gedanken voll⸗ kommen aufgeben, diese Aufgabe durch den Ballon oder durch schiffsschraubenähnliche Apparate erreicht zu sehen. Der Ballon fliegt eben nicht wie der Vogel, sondern des⸗ halb, weil er leichter ist als die umgebende Luft, und man darf auch nicht erwarten, durch die Luft mit den⸗ selben Maschinen fahren zu können, wie man stie für die Schiffahrt im Wasser benutzt, denn der Flug des Vogels ist von den Schwimmbewegungen Fisches eines weit ver⸗ schieden. Davidson will die Aufgabe soweit bereits gelöst haben, daß er die Richtung, in der die Kraft der Flug⸗ maschine einzusetzen ist, gefunden habe, es handle sich jetzt noch darum, für die einzelnen Maschinenteile eine geeignete Gestalt und einen geeigneten Bau zu ersinnen. Das werde aber in überraschend kurzer Zeit geschehen sein. Wir müssen uns also darauf gefaßt machen, nach wenigen, sagen wir zwanzig Jahren, das lenkbare Luftfahrzeug zum Trausport von Menschen zum Gebrauch fertig vor uns zusehen. Das erste dieser Luftfahrzeuge wird noch eine plumpe Maschine sein, etwa mit dem ersten Raddampfer vergleichbar, die vielleicht 20 Personen mit einer Ge⸗ schwindigkeit von ungefähr 100 englischen Meilen(160 Kilometer pro Stunde durch die Luft befördert wird. Bald aber wird sich dieses primitive Fahrzeug rasch ent⸗ wickeln und sich in sehr wenigen Jahren() zu einem großen Luftschiff umgestalten, welches mit jenem ursprüng⸗ lichen Fahrzeug nichts mehr gemein haben wird als unsere

J. Preis Herr Schlossermeister Hrch. Schmidt. Eine reiche Partie.

Erzählung von Felix von Stenglin. (Nachdruck verboten). (Fortsetzung.) 5

Ich muß Dich heute noch nach Friedrichsthal zurückbringen, sagte er.Deine Eltern werden sich anger. Oder wissen Sie?.

Nein.

Siehst Du! Und wenn sie auch wüßten! Ich sprach vorhin davon, was ich mir vorgenommen haͤte. Weißt Du, was es ist? Ich möchte so handeln, daß ich wieder Achtung vor mir selbst

ben kann. Denn ohne das kann ich nicht Aistieren, würde mein Leben mich nicht mehr be⸗ stiedigen. Und diese Selbstachtung kann ich nur wiedergewinnen, wenn ich der ich bisher nur don der Unterstützung anderer gelebt habe es aus eigener Kraft zu etwas bringe. Nur dann würde ich mich auch mit dem Gedanken abfinden, daß Warnshagen das ihm zugesicherte Geld nicht bekommt. Was er mir verschaffte, muß ich ent⸗ behren lernen.

Nun ja, aber wenn Du nichts von uns an nehmen wilist, könnteff Du doch von Deinem Vater

Da würde ich ja auch von anderen leben. Nein, Röschen, damit will ich ja eben abschließen. Es erscheint Dir das vielleicht sonderbar, aber ich weiß, was ich thue. Ich denke an die Zukunft. zund auch an mich, Hellmuth? fragte Röschen mit leisem Vorwurf.

Gerade an Dich. a

Nun, dann will ich gehen, sagte sie traurig und erhob sich.Obwohl ich nicht einsehe, was Dein Vorsatz mit meinem Hierbleiben zu thun hat. Du brauchtest ja nichts anzunehmen von uns...

Ich kann Dich noch nicht ernähren, Röschen. Das ist beschämend, aber wie die Verhältnisse liegen, konnte es nicht anders sein. Kurz oder lang würde ich doch wieder auf die Unterstützung der Deinen angewiesen sein. Und glaube mir, ich würde dann nicht nur in meiner, sondern auch in Deiner Achtung noch mehr sinken. n

Röschen sah vor sich hin. Er betrachtete ihr holdes Gesicht und hätte sie ja viel lieber in die Arme geschlossen als hier solche trockenen Gespräche mit ihr geführt, aber er nahm alle Kraft zu⸗ sammen, um auch aus dieser Prüfung siegreich her⸗ vorzugehen. 0 Sie schlug ihre schönen braunen Augen zu ihm

Wenn ich nun verspräche nichts von Hause

auf. N 8 f alles mit Dir zu teilen und mit zu

anzunehmen, verdienen 5 N

Er ergriff ihre Hand und küßte sie.

Antworte mir einmal effen, sprach er dann. Hast Du dasselbe unbegrenzte Vertrauen zu mir wie früher? n i

Sie schlug die Augen nieder. Sie war ver⸗ wirrt.Ich ich glaube wohl, ach ich weiß ja selbst nicht! Sie seufzte tief auf. Er war ent⸗ schlossen. Ihr die Hand drückend, sprach er fest: Komm'! Wir müssen gehen. 1 5 f

Er öffnete die Thür. Die Wirtin stand auf dem Korridor. Nun konnte Röschen nichts mehr sagen. Sie nahm ihre Tasche, sagte der Frau

ö ing voran. 7 1 15 1 05 Puhlmann waren erstaunt, als ihre Tochter mit ihrem Manne bei ihnen eintrat.

Mißtrauisch sah der Alte, neugierig sah sie auf das Paar.

Ich komme wiederzubringen.

nur, um Ihnen Ihre Tochter Sie wollte bei mir bleiben, aber

da ich sie noch nicht ernähren kann, halte ich es für meine Pflicht sie hier zu lassen. Leben Sie wohl! Und Röschen, von der er sich schon draußen verabschiedet hatte, noch einmal zunickend, eilte er hinaus. Aber so bleiben Se doch! rief Frau Puhl⸗

mann.Drinken Se doch'n Jläsken Bier! Laß ihn, Mutter, sagte Röschen.Er

kommt nicht.

Un warum nich?

Er will mit uns nichts zu schaffen haben! erwiderte Röschen heftig. Trotzdem sie sich auf der Herfahrt gütlich mit ihrem Manne ausge⸗ sprochen hatte, wirkte der verletzte Stolz in ihr nach.

Herr Puhlmann brummte vor sich hin. Er hatte offenbar garnichts von der Sache verstanden. Und das verstimmte ihn.

XV.

Nachdem Hellmuth in sein kleines, ungemüt⸗ liches Zimmer zurückgekehrt war, schalt er sich selbst einen Thoren. Als er das Zimmer verlassen hatte, war sie bei ihm gewesen, hier hatte fie gestanden, hier auf dem Sopha gesessen, noch umschwebte ihn ein Etwas, als wäre sie da, doch es war leer um ihn, und er selbst hatte sie vertrieben!

Und er sank nieder an einen Stuhl und kämpfte einen schweren Kampf. Nach einiger Zeit erhob er sich entschlossen. Er hatte die Anfechtung über⸗ wunden.

Als er am nächsten Mittag nach Hause kam, lag ein Brief auf seinem Tisch. Die Handschrift seines Vaters.

Der Brief lautete:

Lieber Hellmuth! Schon mehrmals habe ich Dir geschrieben, doch Du hast mir ausweichend ge⸗ antwortet. Heute würde ich selbst kommen, wenn ich nicht Deinen Wunsch respektierte. So muß ich denn noch einmal schreiben, rechne aber diesmal bestimmt darauf, daß es nicht vergebens geschieht.

Was für ein Bild machst Du Dir eigentlich jetzt von Frauensee, mein Junge? Daß es nicht sehr heiter bei uns zugeht, kannst Du Dir denken. Mama geht still und blaß umher, spricht wenig, denkt aber das weiß ich desto mehr. Ich wache mit Vorwürfen auf, gehe mit Vorwürfen zur Ruhe.

Einen Sohn haben wir nur. Er ist das Band, das uns in erster Linie ans Leben fesselt. Denn wenn man in ein gewisses Alter kommt und nichts wesentlich Neues erfahren kann, da verliert sich ein gut Stück der jugendlichen Daseinsfreude. Das Wohl der Kinder wird immer mehr unser Lebenszweck.

Nun sage einmal offen: Haben wir wirklich so schwer gesündigt, daß wir dieses Loslösen des Sohnes vom Elternhause verdienen? Mama schon garnicht. Und ich habe in der Sorge um Dich zwar nicht so gehandelt, wie man es von einem Edelmann erwarten darf, aber ich habe doch kein Verbrechen begangen!

Und Du selbst! Du übertreidst das Ehrgefühl, nachdem Du es auf meine Veranlassung einmal zu sehr zurückgedrängt hattest! Sieh' Dich vor, daß eine gewisse Eitelkeit nicht Deinen gesunden Sinn überwuchert!

(Fortsetzung folgt.)