Ausgabe 
22.7.1897
 
Einzelbild herunterladen

lc per Uler 10 9

** 1 L 2 8 S 5 n 2

1

heft,

Nr. 1

U

10⁵

ee 30 Pfg.

ie

der

deutsche

strie.

lid, dauerhaft,

ittun

9.

jehörden Hebo

aaten

mit den

nungen

pe

lers

tr. 5

teile. eigen:

1406

chendste Garant,

off

elbe Solatbohues I

Killdlk

che,

1 guten

0

elm eue

2 S

p

0 allt 00 Schon 1 Blut.

hne/ ahl ö

tellun

Nr. 169

Gießen, Donnerstag, den 22. Juli

1897.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Hessische Landeszeitung.

Ausgabe Gießen.

Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

8

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die spaltige Petitzeile.

ebition: Kreuzplatz Nr. 4.

2 84

* Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 21. Juli. Darf man bei Gewittern Rad fahren? Diese Frage wurde bisher immer bejaht, weil sich die Rad⸗ fahrer durch den Gummireif des Rades isoliert glaubten. Aber neuerdings erfolgte Blitzschläge auf radfahrende Personen gaben Veranlassung, daß man sich mit dieser Frage in letzter Zeit wieder sehr viel beschäftigte, umsomehr, als ja auch der Fahrradsport eine ganz bedeutende Ausdehnung genommen hat. Nach einer Mit⸗ des Patent- und technischen Bureaus von Richard Lüders in Görlitz zieht das Fasirrad sehr leicht an, deshalb soll man bei Gewittern ur im Gehölz, aber nicht auf freien Flächen fahren. Es ist daher ratsam, wenn man sich auf freien Ebenen befindet, anzuhalten und das Rad platt auf die Erde zu legen. Wir glauben kaum, daß ein Radfahrer sich bei einem Gewitter vielleicht im strömenden Regen steben sein Rad stellt. Die meisten werden ver⸗ suchen, so schnell als möglich unter Dach und Fach zu kommen.

Gießen, 21. Juli. Von einer Mücke gestochen wurde ein Radfahrer aus Alsfeld, der auf einer Tour nach hier begriffen war. Er uchtete wenig darauf, doch schon nach einigen Stunden schwollen Hand und Arm derart an, daß ein Arzt zu Rate gezogen werden mußte, welcher Blutvergiftung konstatierte.

Gießen, 21. Juli. Unsere Garnison hat heute Morgen zwischen 7 und 8 Uhr in zwei Sonderzügen die Stadt verlassen, um bis zu Anfang August im Griesheimer Lager zuzu⸗ bringen.

Gießen, 21. Juli. Zu dem bevorstehen⸗ den Kaiser⸗Manöver in Oberhessen scheint man u. a. auch Gewicht auf die Wasser⸗ bersorgung zu legen. Es wird amtlich be⸗ lannt gemacht, daß der Oberstabsarzt Dr. Plagge hom 16. Infanterie⸗Regiment in Köln demnächst die mit Einquartierung oder Durchmarsch be⸗ dachten Orte besuchen wird, um ein Urteil über die Wasserversorgung während des Kaiser⸗Ma⸗ nöbers zu gewinnen.

* Gießen, 21. Juli.( Marktbericht.) Der gestrige Markt zeigte ein ruhiges Geschäft, der Handel ging trotz der vorhandenen vielen käufer schleppend. Trotz des überaus großen Futterreichtum zogen die Preise nicht an. Nur leste schwere Milchkühe in jüngeren und älteren Schlägen, welche für die Badeplätze stark begehrt, wurden erheblich besser bezahlt als am letzten Markt. Die Preise für mittel und geringere Ware hielten sich in gleicher Höhe. Der Auf⸗ rieb bestand aus etwa 700 Stück Rindvieh, harunter ca. 150 Kälber. Es wurden bezahlt für Milchkühe: Beste Ware 450525 Mark, 2. Qualität 400450 Mark, geringe Ware 300 Is 350 41 pro Stück. Der Fettviehhandel war tau. Die Preise blieben bei Rindern sowohl bie bei Kälbern die alten.

* Gießen, 21. Juli.

Vilbel kaufte von dem Landwirt Dietz von Nieder⸗Erlenbach ein Kalb zum Preise von 35 A1, um es zu schlachten. Nach zwei Tagen kam Grünebaum zum Verkäufer und teilte ihm mit, das Tier sei kaput gegangen, worauf jener sich vom Kaufpreis 16& abziehen lies. Thatsäch⸗ lich war das betreffende Kalb notgeschlachtet worden. Das Schöffengericht Vilbel sah in der Fin mei keinen Betrug und sprach den 5 Jahre alten Grünebaum, der noch nicht be straft ist, frei. Die Strafkammer, welche si 1 Berufungs-Instanz mit der Sache eschäftigte, war aber anderer Meinung. Die vorgenommene Notschlachtung bedinge noch lange nicht einen so hohen Abzug vom Kaufpreis, wie er vom Angeklagten vorgenommen. Unter dem Ausdruck, das Tier sei kaput gegangen, sei zu verstehen, daß das Fleisch als nicht ladenrein auf der Freibank verkauft wurde, also minder⸗ wertig gewesen sei. Der letztere Fall habe aber nicht vorgelegen, sodaß also alle Merkzeichen des Betruges vorlägen. Das Urteil lautete unter N mildernder Umstände auf 60.. Zeldstrafe event. 12 Tage Gefängnis. Jean Wunderlich aus Frankfurt a. M. war vom Schöffengericht Vilbel wegen Beamtenbelei⸗ digung freigesprochen worden. Der Angeklagte war mit dem Schalterbeamten der Eisenbahn⸗ station Nieder⸗Wöllstadt wegen der Abfertigung seines Fahrrades in Differenzen geraten und hatte in der Aufregung darüber eine Aeußerung gethan, durch die sich der Stationsvorsteher und der Billetschaffner beleidigt fühlten. Das Schöffen⸗ gericht stellte fest, daß an dem betreffenden Tage der Sohn des Stations-Borstehers der gar kein Beamter ist den Billetschalter bedient hatte. Da nur mit diesem der Ange⸗ klagte einen Wortwechsel gehabt, so war das Schöffengericht der Meinung, daß von einer Be⸗ amtenbeleidigung leine Rede sein könne. Anders, wenn auch sehr milde, faßte die Strafkammer den Fall auf und erkannte auf eine Geldstrafe von 10& event. zwei Tage Gefängnis.

W. Grünberg, 20. Juli. Seitdem die ob er⸗ hessischen Eisenbahnen in preußisch⸗ hessische Verwaltung übergegangen sind, machten sich mehrfache Uebelstände bemerkbar, die zu berechtigten Klagen Anlaß geben. Der um 9 Uhr 28 Minuten hier fällige Zug von Fulda traf heute erst um 10 Uhr abends auf hiesiger Station ein, sodaß Passagiere, die event. noch weiterreisen wollten, gezwungen waren, infolge des nicht erreichten Anschlusses die Weiterfahrt zu unterbrechen. Dies sind jedenfalls Uebelstände, die auf einer so wenig verkehrsreichen Strecke wie Gießen⸗Fulda nicht vorkommen dürften. Zu den Seltenheiten gehört es weiter nicht, daß Passagiere der 4. Wagenklasse an Sonntagen, wo der Verkehr stärker als an Wochentagen ist, gezwungen sind, die Reise infolge Mangels an

0(Strafkammer.)] ziehungen Hohn sprechendster Weise mitzumachen. Der Viehhändler Moses Grünebaum aus Hierin Wandel zu schaffen thut dringend not.

Dekanationsmissionsfest des evangelischen Dekanats Grünbergs findet am kommenden Sonntag in unserem Orte statt. Das Misstons⸗ fest, welches bei günstiger Witterung im Freien abgehalten wird, nimmt seinen Anfang nach mittags um 2 Uhr. Als Festprediger fungieren Hofprediger a. D. Stöcker aus Berlin und Missionar Autenrieth aus Kamerun.

* Darmstadt, 21. Juli. Nun ade, du mein lieb Heimatland! Die Spar- und Hilfskasse zu König, deren Rechner unter Hinterlassung eines bedeutenden Kassenmankos plötzlich verschwunden ist, gehört keinem Revisionsverbande an, ist auch keine eingetragene Genossenschaft, sie hat also einer Reviston durch den Gerichtsrevisor oder durch den Verbands revisor niemals unterstanden. Zum Glück bestehen im Großherzogtum Hessen nur noch sehr wenige nicht eingetragene und keinem gesetzlichen Revisionsverbande angehörige Kassen; leider aber verstehen es die maßgebenden Persönlichkeiten in solchen Kassen trotz allen Mahnungen von seiten der Behörden, die Unterstellung unter das Reichsgenossenschaftsgesetz und die dadurch be dingte Revision zu hintertreiben.

* Worms, 20. Juli. Im Zirkus Im⸗ mans geriet gestern Abend der Maschinist, der eine vor dem Zirkus aufgestellte Dampfmaschine zu bedienen hatte, durch die Exploston einer Petroleumkanne in Flammen und eilte unter fürchterlichen Hilferufen aus dem die Maschine umhüllenden Zelte. Beherzte Männer eilten herzu und erstickten mit Mühe das Feuer. Der Mann trug indessen anscheinend schwere Ver⸗ wundungen davon.

* Mainz, 20. Juli. Gestern passierte zum ersten Mal ein neuer Schleppkahn, der Firma Jos. Stenz in Mainz gehörig, die Stadt. Das Schiff, das eine Tragfähigkeit von 31 000 Zentnern besitzt, ist das größte, das unter hessischer Flagge den Rhein befährt; es heißt:Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen.

Vermischtes.

Ein Bühnenunfall vor Gericht. Ein in der Berliner Theaterwelt seiner Zeit vielbesprochener Unfall, den die Schauspielerin Frau Theresina Geß⸗ ner in einer Vorstellung des Berliner Theaters erlitt, hat jetzt ein merkwürdiges Nachspiel erhalten. Frau Geßner spielte am 16. April v. J. in Wildenbruchs König Heinrich die Königin. Als sich ihr, während sie mit dem Kinde auf dem Schemel saß, der König in den Schoß warf, brach der leichtgebaute Stuhl zusammen; Frau Geßner geriet mit dem linken Fuß unter die Last und zog sich einen Knöchelbruch und eine Verrenkung des Fußgelenkes zu. Sie befand sich infolgedessen bis Mitte Oktober in ärztlicher Behandlung und war nicht im Stande, aufzutreten. Die für die Kur und Pflege not⸗ wendigen Ausgaben beliefen sich auf 694 Mark. Ihren

* Londorf, 20. Juli. Das 1

Ausfall an Gehalt und Spielhonorar berechnete die Künstlerin unter Berücksichtigung des Umstandes, daß ihr

Versöhnt! Eine Erinnerung aus dem Eisenbahn⸗Betriebsdienste von Albert Roß. (Fortsetzung.) f

Zu der Angst um seine gefährdete Arbeiter- schaar gesellt sich bei den Bahnmeister noch eine indece Sorge. Wie mag es in diesem Augenblick in dem nahen Dörschen Breitleben ausschauen? Ist eine Christel glücklich geborgen oder umtosen die dasenden Berggewässer wie schon einmal wieder die Hasthofsmauern, und haben die geängstigten Be⸗ dohner abermals vor der Gewalt des alles über⸗ Cutenden Wassers bis in die höchsten Stockwerke Lüchten müssen?

Scharzfeld hat es versucht, die zertrümmerten Fensterscheiben notdürftig mit alten Sackstücken zu zerstopfen, aber schon hat der Orkan ausgetobt, zer Regen beginnt zu versiegen und in der Ferne eigen sich die Spitzen der anrückenden Arbeiter⸗ olonne.

Böses Wetter gewesen, Guntermann! Leute och alle heil davongekommen? Scharzfeld klopft einem völlig durchnäßten Vorarbeiter freundlich auf die Schulter.Und wie sieht's beim Einschnitt in zer Kurve aus?

Die Böschungen hielten noch, als wir flüchten mußten; glaube auch, daß morgen nur kleine Aus⸗ esserungen nötig sein werden. Leute alle mobil, ein Malheur bei dem kolossalen Gewitter passiert!

Gott sei Dank! Und nun Guntermann, ussen Sie uns noch einmal Ihre und meine No⸗ azen über unsere Bestände zusammenstellen. Was Ar gestern heraus rechneten, kann unmöglich richtig

ein] Wohe. a e r sollte denn das erhebliche Mehr auch

genügenden Wagen unter den sanitären Be⸗

Herr Bahnmeister, meine Zahlen find richtig, ich habe die Vorräte auf der Strecke heute noch- mals mit einem Buch verglichen, und da hat alles geklappt! 5

Und ich habe hier im Depot ebenfalls wieder⸗ holt revidiert, meine Angaben stimmen auch! Kreuz Bomben Element, wie ist es nur möglich, daß wir hier sehen Sie zu, Guntermann im ganzen 200 Unterlagsplatten, 100 Paar Laschen, 40⁰ Hakennägel, 50 Schraubenholzen, 60 Winkeleisen und 20 alte Schienenstühle mehr haben, als wir nach den Büchern haben sollen? Sind doch die Schienen-, Schwellen- und Weichenbestände mit den Buchbeständen übereinstimmend!

Kann mir nicht anders denken, als daß das Kleineisenzeug zuviel geliefert und bei der Abnahme nicht ordentlich gezählt ist! Möglich ist's ja auch, daß die auf der Strecke beschäftigt gewesenen Leute mir nicht ganz richtige Angaben über den Verbrauch gemacht haben. Wer soll das jetzt noch feststellen?

ga, ja, das ist alles ganz schön, aber wir geraten in Teufels-Küche, wenn uns der Revisor über den Hals kommt und das Plus findet! Wie helfen wir uns da aus der Patsche?

Guntermann, ein in der Bahnunterhaltung ergrauter Praktikus, kraute sich hinter den Ohren, dann lächelte er pfiffig, sein Rat war fertig.

Es ist nicht das erste Mal, daß so etwas beim Streckenumbau passiert ist! Aber es giebt ein altes Sprichwort, Herr Bahnmeister, das heißt: Spare in der Zeit, dann hast du in der Not! und das lassen Sie uns auch hier anwenden. Sehen Sie, mit solchen Materialien⸗Revifionen ich habe sie oft genug durchgemacht ist das eine eigene Sache, heute stimmt's zufällig und in 4 Wochen fehlt's an

ö

allen Ecken und Enden. Sie wissen ja selbst aus der Praxis, die Materialien liegen zu zerstreut herum und das können wir nicht ändern. Ein Teil von dem kleinen Zeug ist im Depot, ein anderer liegt im Freien aufgestapelt, wieder anderes befindet sich in den Bahnwärterbuden oder bei den Strecken⸗ arbeitern, es ist sehr schwer, ja schier unmöglich, bei der räumlichen Entfernung das alles zu über⸗ sehen und genau zu notieren. Fehlt es nun mal bei der Revision an den Oberbau-Materialienbe ständen, namentlich an Kleineisenzeug, dann ist der Babumeister der Verantwortliche und muß, wenn er den Verbleib des Fehlenden nicht glaubwürdig nachweisen kann, abgesehen von der Nase, die ihm von der Verwaltung droht, den Wert bar ersetzen. Ist's nicht so?

Allerdings! Ach und die Schreibereien darüber, die vielen Vernehmungen, Verantwortungen und mündlichen Auseinandersetzungen! Na, dem Himmel sei Dank, mir ist das ja noch nicht begegnet, habe aber auch noch keinen Umbau zu leiten gehabt! Nein, das mir so etwas zum ersten Mal passieren muß! Guntermann, es ist zu dumm!

Angenehm ist's freilich nicht, aber man muß sich zu helfen wissen, ohne unehrlich zu werden! Sparen Sie in der Zeit, so haben Sie in der Not, Herr Bahnmeister!

Wie soll ich denn das verstehen?

Na, kurz gesagt und gemacht! Passen Sie auf: Was wir jetzt über haben, verwahren wir un⸗ gebucht und zwar so, daß außer uus beiden keiner was davon weiß! Fehlt's dann mal bei der Re⸗ vision an diesem oder jenen Kleineisenkrum, dann läßt sich das leicht einrichten, daß wir aus unserm

geheimen Depot decken. Das ist das einfachste und

für eine gewisse Zeit der Dienstunfähigkeit schon vor dem Unfalle ein Urlaub bewilligt war, auf 3258, Da nun nach dem Vertrage die Direktion bei Unglücksfällen, ab⸗ gesehen von weiteren Entschädigungsansprüchen, zur Zahlung des gesamten Einkommens für die Dauer der Dienstunfähigkelt verpflichtet ist, erhob Frau Geßner gegen Direktor Prasch eine Forderung von im Ganzen 3958 Sie sei in Ausübung des Dienstes und auch durch eln Verschulden der Angestellten des Beklagten insofern ver⸗ unglückt, als der Aufseher über die Möbelarbeiter und der Inspizient hätten wissen müssen, daß ein Stuhl, wie der verwendete, eine so schwere Belastung mit so starken Bewegungen nicht tragen konnte. Direktor Prasch erkennt die Forderung der Künstlerin als durchaus berechtigt an, muß aber trotzdem sich verklagen lassen. Nach einem Un⸗ fall versicherungsvertrage mit der GesellschaftAllianz ist er nämlich nicht berechtigt, den Entschädigungsanspruch ohne vorherige ausdrückliche Genehmigung der Gesellschaft anzuerkennen oder durch Zahlung abzufinden, wenn er nicht alle Ansprüche an die Gesellschaft aus dem fraglichen Unfalle verwirken will. Er muß sich nun auf Grund dieses Vertrages verklagen lassen, um dann seinerseits für den der Klägerin erwachsenen Schaden dieAllianz in Anspruch nehmen zu können. Der Rechtsstreit ist vor das Landgericht J gekommen, das einen gerichtlichen Sachver⸗ ständigen darüber hören will, ob ein Verschulden des Direktors oder seiner Angestellten vorliege.

Ein Bühnenschriftsteller über die Bühnenlaufbahn. Der Figaro veröffentlicht folgen⸗ den Brief Alexander Dumas des Jüngeren an eine Dame, die ihn bat, ihrer Tochter den Eintritt in die theatralische Laufbahn zu erleichtern.Madame! Wenn ein den niedrigsten Klassen der Gesellschaft entstamniendes Mädchen mich bittet, ihr den Eintritt in den Bühnen⸗ beruf zu erleichtern, so gebe ich ihm die verlangte Unter⸗ stützung, falls es hübsch und begabt ist. Aber einem wohlgeborenen, ehrbaren und mit Mitteln versehenen Fräu⸗ lein schlage ich das immer ab, in Anbetracht, daß für ein junges, in solchen Verhältnissen lebendes Mädchen alles, selbst der Tod, einem so abscheulichen Dasein vorzuztehen ist. Dumas muß es wissen, er war Theaterschriftsteller und lebte in beständiger Fühlung mit den Theaterkreisen.

Neueste Telegramme.

Hd. Wien, 21. Juli. Der Abgeordnete der deutsch⸗mährischen Stadt Iglau, Dr. Groß wurde wegen Verbrechens der Störung der öffentlichen Ruhe und Ver⸗ gehens der Aufreizung gegen behördliche An⸗ ordnungen in einer in Iglau gehaltenen Rede in Untersuchung gezogen. Dr. Groß war einer der Anführer der Obstruktion im Parlament.

Hd. London 21. Juli.Daily News meldet aus Kanea: Die Lage sei sehr bedenklich. Die Admirale haben gedroht die Stadt zu bom⸗ bardieren, wenn die türkische Bevölkerung sich noch länger weigere, sich den Ordnungsmaßregeln

zu fügen.

Hd. London, 21. Juli. DieTimes meldet aus Konstantinopel: Die Bot⸗ schafter hätten erklärt, die Unterhand⸗ lungen nicht eher wieder aufzunehmen, bis die Pforte der Grenzregulierung zuge⸗ stimmt habe.

Derleger: Paul Dader in Marburg, Derantw. Nebat⸗ teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmannschen Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 13.

...... K

praktischste, was wir thun können und ehrliche Leute bleiben wir deshalb doch!

Guntermann! Guntermann! Ihr Rat ist zwar praktisch, aber gefährlich! Kann solche Heimlich⸗ keiten durchaus nicht leiden und wer weiß, wie es mir ausgelegt wird, wenn zufällig die Geschichte ruchbar wird oder gar der Revisor unser Privat⸗ Depot aufspürt!.

Das lassen Sie mich nur machen, Herr Bahn⸗ meister! Finden soll keiner, was ich verstecke, können ruhig darüber schlafen! Morgen Abend sehen Sie von dem Plus kein Stück mehr, und der Revisor kann kommen, wann er will!

Scharzfeld hatte die Hände auf den Rücken ge⸗ legt und war in dem kleinen Zimmer unruhig hin und her gewandert. Guntermanns Plan war zu verlockend, als daß er ihn ohne weiteres zurückge⸗ wiesen haben sollte. Es leuchtete ihm ein, daß die unangenehme Plusdifferenz auf diese Weise am zweckmäßigsten beseitigt werden konnte und vor allen Dingen beruhigte es sein Gewissen, daß er dabei nicht aus Eigennutz handeln oder die Ver⸗ waltung schädigen würde.

Nun, Herr Bahnmeister, wie ist's, soll ich den überzähligen Kleineisenkram verbuddeln? Am besten ist's, ich gehe gleich darüber her, die Leute sind alle fort, und wir können ungestört die Geschichte abmachen! Weiß schon, wie ich es am sichersten bewerkstellige!

Ein tiefer Seufzer entrang sich Scharzfelds Brust, der Versucher hatte gesiegt.

Nun, meinetwegen, Guntermann, aber daun auch gleich los an die Arbeit!

** 0

(Fortsetzung folgt.)

U