Ausgabe 
22.6.1897
 
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Nr. 143

Gießen, Dienstag, den 22. Juni

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

sesische

Ausgabe

Gießen.

Posigtg. Nr. 3319. Tele yhon⸗Nr. 112.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

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* Gießen, 21. Juni. Der Oberlandes gerichtsrat Nicolaus Schlink ist für die Dauer des dermalen von ihm bekleideten Amts zum Mitglied des Verwaltungsgerichtshofes ernannt worden.

* Gießen, 21. Juni. Die Erwerbs⸗ und Wirtschafts⸗Genossenschaften der Provinzen Starkenburg und Ober⸗ essen halten am Samstag, den 10. und ountag, den 11. Juli, zu Groß⸗Gerau im GasthauseZur Krone ihren 29. Verbands- ab. Der gemeinschaftliche Mittagetisch sindet ebendaselbst statt.

* Gießen, 21. Juni. Die den Aerzten und Zahnärzten gegen Private zustehenden Honorarforderungen wurden seither in An⸗ sehnung an die Medizinaltage vom 14. November 1865 geregelt. Da diese den heutigen wirtschaft⸗ ichen Verhältnissen nicht mehr entspricht und die Taxe im Ganzen im Hinblick auf die Fort⸗ schritte der Medizin veraltet ist, hat das Ministe⸗ kium die Aufhebung der Medizinaltaxe be schlossen. Die Bemessung der Honorare bleibt für die Folge gemäß§ 80 der Gewerbeordnung her freien Vereinbarung überlassen.

* Gießen, 21. Juni. Das Kreisamt macht bekannt, daß das generelle Verbot der Übhaltung von Viehmärkten im Groß⸗ 1 4 5 Hessen aufgehoben worden ist und haß im Kreise Gießen die kalendermäßig horgesehenen Märkte bis auf Weiteres ühbgehalten werden dürfen. Auf die Märkte dürfen nur Tiere aus unverseuchten Orten des Großherzogtums Hessen, Tiere von Händlern aber nur dann, wenn sie mindestens eben Tage in unverseuchten hessischen Orten in seuchenfreiem Zustande zugebracht haben, aufge trieben werden.

Gießen, 21. Juni. Bei dem gestrigen Gesangswettstreit in Bockenheim erhielt her Bau ersche Gesang verein unter Leitung seines Dirigenten, Musiklehrers Polster, in der kitten Abteilung B den ersten Preis. Das diedIn den Alpen, von F. Heyar, wurde Rusterhaft vorgetragen. Die Sänger ernteten Es ehrt dies die Sänger ganz besonders, indem die Konkur⸗ renz in dieser Klasse sehr stark war.

Gießen, 21. Juni. Gestern Nachmittag wurde in einem hiesigen Restauraut ein Hundertmarkschein, welcher dem Kellner jum Wechseln übergeben worden war, ent- bendet. Ein des Diebstahls verdächtiger tellner wurde in Haft genommen. Der⸗ silbe stellte den Diebstahl in Abrede. Es wurde doch in seinem Besitz ein Hundertmarkschein ge⸗ funden, über dessen Erwerb er sich nicht aus⸗ weisen konnte.

* Gießen, 21. Juni. Ein Haus bursche aus der Klinik, welcher in vergangner Nacht das Personal mit dem Messer bedrohte,

Gießen, 20. Juni. Vorsicht! Frank⸗ ferter Blätter schreiben: Seit einiger Zeit macht en 600 der Altonaer Volksversicherungsanstalt Aegide in unserer Stadt Abschlüsse von Ver⸗

scherungs⸗Verträgen mit dieser Gesellschaft. Alles ng gut. Er brachte die von der Verwaltung een Verträge mit Unterschriften und tempeln in der von den Statuten vorgeschriebe⸗ zen Weise zurück und kassierte die Prämien recht⸗ Fitig ein. Als es sich aber um die Zahlung ener fällig gewordenen Versicherungssumme für enen Krankheitsfall handelte, war der Agent in der von ihm angegebenen Wohnung in der Lud⸗ higstraße nicht zu finden, er kam nicht einmal bieder um Prämien einzukassieren. Weitere Jachforschungen haben dann feigestal daß es Altona eine Volksversicherungs⸗AnstaltAegide k erhaupt nicht giebt. Man hat es also mit enem sorgfältig vorbereiteten Schwindelmanöver it thun. Auch Offenbach hat der Versiche⸗ ungsmann mit seinem Schwindel unsicher ge tacht, wie wir einem Offenbacher Blatt ent⸗

Lokales und Provinzie

gurde verhaftet.

uhmen.

Gießen, 19. Juni. Aus dem Staats⸗ 1 1897 1000. Für die Strafanstalten, bing nisse, und Haftlokale werden 4220 4 jährlich erfordert. Es wird ange⸗ uummen, daß sich täglich durchschnsttlich in den ssischen

Zuchthäusern, Gefängnissen und Haft⸗ lralen 1408 Personen in Haft befinden. Grünberg, 19. Juni. Der landwirt⸗ 0 haftliche Konsumperein Grünberg schlte Ende 1896 45 Mitglieder. Die Aktiva fe unten Vereins belaufen sich auf 3182,59, * Passiva auf 3002,30, mithin beträgt der eeingewinn 180,29 Wenn man in Betracht

Mitgliederzahl dieselbe blieb, so spricht dies deut⸗ lich dafür, daß man in landwirtschaftlichen Kreisen den anfänglich vielversprechenden Konsumvereinen längst nicht mehr die ursprüngliche Bedeutung beimißt. In Ilsdorf und auch noch anderen Orten haben infolgedessen die Konsumvereine sich keiner allzulangen Existenz zu erfreuen gehabt.

Darmstadt, 18. Juni. Das von den Banken für Handel und Industrie und für Süddeutschland zu Darmstadt für die Studieren⸗ den der Technischen Hochschule gestiftete Jubi⸗ läums⸗Stipendium im Betrage von 1000 A. wurde, wie wir einem Anschlage am schwarzen Brett der Hochschule entnehmen, für dieses Jahr durch Entschließung Seiner König⸗ lichen Hoheit des Großherzogs den Studierenden Herrn Otto Niedenthal aus Offenbach a. M. und Herrn Alex v. Tatschaloff aus Wiesbaden verliehen. Erfolgreiches wissenschaftliches Streben ist bei der Auswahl der Bewerber entscheidend.

* Darmstadt, 18. Juni. Seitens der städtischen Verwaltung wird die Verlegung der Gasanstalt außerhalb der Stadt geplant. Das demnächst vorzulegende Projekt wird einen Kostenaufband von 1300000 Mark er fordern.

* Mainz, 18. Juni. Die Mitteilung der Frankf. Ztg. über die Vertagung der für das Jahr 1898 in Mainz geplanten großen Gartenbau⸗-Ausstellung auf unbestimmte Zeit hat hier Befremden hervorgerufen. Wir erfahren, daß an der Vertagung der Ausstellung die städtische Deputation schuld sei, die wegen der Abgabe der sog.Neuen Anlage zum Zwecke der Ausstellung so viel Schwierigkeiten machte, daß der Vorstand des Gartenbauvereins lieber auf die Ausstellung verzichtete, als sie unter diesen Bedingungen zu übernehmen. Das letzte Wort sei übrigens noch nicht gesprochen.

* Mainz, 20. Juni. Die Landes ver⸗ sammlung des hess. FechtvereinsWai⸗ senschutz, welche heute Vormittag im Saale der Liedertafel stattfand, wurde vom Vorsitzenden J. Schrapenborg mit einem Festheil auf das großh. Paar eröffnet. Vertreten durch Dele gierte waren die Verbände Mainz, Gießen, Darmstadt, Bischofsheim, Nidda, Alzey, Gries⸗ heim, ferner die Fechtwartstellen, Ober-Olm, Bensheim, Weisenau, Nieder-Olm und Heides⸗ heim mit zusammen 165 Stimmen. Der er⸗ stattete Rechenschaftsbericht lieferte den Beweis, daß die Fechtsache im Großherzogtum, wenn auch langsam, so doch stetig sich entwickelte. Leider ist der Verband Worms, welcher sich nie ganz kräftig entwickelt hatte, eingegangen. Der Ver⸗ ein hat wegen Verleihung der Korporationsrechte sich an das großh. Ministerium gewendet. Ebenso ist ein Gesuch wegen Genehmigung einer Lotterie für das Großherzogtum dahin abgegangen. Das Vermögen des Vereins besteht aus 9840 4 59 8. Die Einnahmen betrugen im abgelaufenen Rech nungsjahr 2527 1 61&. Der vom Verband Gießen gestellte Antrag, die Oberfechterei zu ergänzen, daß eines seiner Mitglieder vom Verband Gießen zu wählen sei, wurde dahin modifiziert angenommen, daß die beiden Provinzen Starkenburg und Oberhessen durch je ein Mit⸗ glied die Oberfechtereei verstärken sollten, welches auf die Dauer eines Jahres zu wählen. sei. Für das laufende Jahr sind die Verbände Gießen und Darmstadt bestimmt, die Wahl der beiden neu eintretenden Mitglieder der Oberfechterei zu wählen. Als Ort, an dem die näch stjährige Landes versammlung tagen wird, wurde Gießen einstimmig gewählt.

Schwurgericht.

(Schluß.) W. Gießen, 19. Junt.

Frau Koch betritt als Zeugin den Saal, sie wird vom Vorsitzenden darauf aufmerksam gemacht, daß sie gegen ihren Ehemann nicht zu zeugen brauche. Frau Koch erklärt, Zeugnis ablegen zu wollen und bemerkt, daß sie 1893 nach Fulda gekommen sei, nachdem sie vorher ihren jetzigen Mann kennen gelernt hatte. Sie blieb in Fulda nur einige Tage und nahm dann in Frankfurt eine Stelle an. Von hieraus teilte die Zeugin dem An⸗ geklagten mit, daß sie in gesegneten Umständen von ihm sei. Beide zogen dann in Frankfurt zusammen. Nach der Geburt des Kindes hätten sie die Wohnung aufge⸗ geben. Die Zeugin ging in Stellung, das Kind wurde nach Hanau zu Kochs Mutter gegeben, welche dafür pro Monat 20& erhalten sollte. Die Zeugin will dem Koch regelmäßig Geldbeträge zum Unterhalt des Kindes gegeben haben, deren Höhe sie auf 12 18, normiert. Im Februar 1896 hatte sie ihren Mann geheiratet und sie seien nach Griesheim gezogen. Zum Ankauf der Möbel

die auf Abzahlung gekauft, habe auch sie Geld hergegeben. Die Zeugin erzählt, wie sie fleißig nähen gegangen sei, um zum Unterhalt der Familie beizutragen, da das Ge⸗

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Espaltige Petitzeile.

zieht, daß während eines Rechnungsjahres die

halt ihres Mannes nur schwach war. Bei ihrer Be⸗ schäftigung kam sie auch zur Frau Major von Bieberstein. Das Biebersteinsche Ehepaar war uneinig und wollte sich trennen und die Ehefrau empfahl der Frau Koch ihren Haushalt, wenn sie abgereist sei. So sei es gekommen, daß Herr von Bieberstein mit ihrem Mann abmachte, das Kochsche Ehepaar solle zu ihm hinziehen, wogegen Frau Koch ihm die Wirtschaft zu besorgen hätte. Beim Major von Bieberstein wohnten Kochs 4 Monate. Die Ehefrau erklärt, daß hier, wie schon früher, öfter Differenzen ent⸗ standen. Ihr Mann ist jeden Abend ausgegangen, sein Geld, was er verdiente, langte nicht, er versetzte dann alles, was ihm in die Hände fiel, er soll auch mit lüder⸗ lichen Frauenzimmern verkehrt haben. Die Zeugin weist entschieden zurück, daß sie mit dem Major in unerlaubtem Verkehr gestanden. Ihr Mann ließ durch einen Rechts⸗ anwalt die ersten Schritte zu einer Ehescheidung bei eine n Anwalt gegen sie einleiten. Die Sache zog sich aber wieder zu und sie zogen nach Sachsenhausen. Ihr Mann verstand sich nicht einzurichten. Er brauchte für sich viel Geld, Sonntags er nie zu Hause. Er behandelte sie schlecht und war nicht imstande sie zu ernähren, darum hat sie ihn verlassen und ist nach Gießen gegangen, weil sie das Verhältuis nicht mehr ertragen konnte. Sie habe tagelang hungern müssen. Die Zeugin bestreitet entschieden, dem Ehemann gegenüber behauptet zu haben, er sei nicht der Vater ihres Kindes. Sie will auch ernstlich beim ersten Besuch ihres Mannes die Absicht gehabt haben, zu diesem nach Fulda zurückzukehren. Sie habe aber, nach⸗ dem derselbe abgereist, erfahren, daß er sie beim Verwalter Keller schlecht gemacht und da sei ihr die Sache leid ge⸗ worden. Frau Koch giebt zu, daß sie auch in Gießen mit ihrem Ehemann bei dessen Besuchen, ehelichen Ver⸗ kehr gepflogen. Die Szene am 24. März schildert die Zeugin im Gegensatz zu ihrem Ehemann in der Weise: Er habe sie hart angefahren und zwar mit den Worten: Wie kannst Du mir einen solchen Brief schreiben lassen, verworfenes Mensch. Sie will darauf geantwortet haben: Du kannst mich ja doch nicht ernähren, wenn ich wieder zu Dir komme, geht das Elend von vorne an. Koch soll darauf erwidert haben, du mußt im Zuchthaus sterben, wenn du jetzt nicht tot gehst, du wirst dein Kind nicht wieder sehen. Ihr Mann habe darauf in die Ueberzieher⸗ tasche gegriffen und einen Revolver daraus hervorgezogen. Die Zeugin deponiert weiter, wie sie die Waffe gefaßt habe, um die Benutzung derselben zu hindern, es habe ein kurzes Ringen um den Revolver gegeben. Sie habe zur Thüre hinaus gewollt und habe diese bereits geöffnet gehabt und Käthchen, Käthchen gerufen, da habe sie den Schuß im Rücken bekommen. Gleich darauf den zweiten Schuß im Hals, worauf sie ohnmächtig zusammengebrochen wäre. Auf Befragen erklärt die Zeugin, ihr Ehemann habe ihr früher öfter mit Erschießen und Erstechen ge⸗ droht, sodaß sie im gewissen Sinne Furcht vor demselben habe. Sie befinde sich augenblicklich in Bad Nauheim, könne aber vorerst ihrem Erwerb als Köchin nicht nach⸗ gehen, weil ihr Arm infolge der Wunde im Rücken steif geblieben wäre.

Kliniksverwalter Keller deponiert, daß der Angeklagte bei dem erstmaligen Besuch ihn gebeten, zwischen ihm und seiner Frau zu vermitteln und diese zu bewegen, zu ihm nach Fulda zu kommen, gleichzeitig habe aber Koch ihm, einem Fremden gegenüber, wegen der Eigenschaften seiner Frau Reden geführt, welche diese als leichtsinnige und schlechte Person charakterisierten. Er müsse der Frau Koch wegen ihrer Thätigkeit als Oberköchin sowohl, als auch in sittlicher Beziehung, solange dieselbe in der Klinik war, das beste Zeugnis geben.

Der Gastwirt Seibel erinnert sich, daß Koch am 24. März, dem Tage, wo dieser die Schüsse auf seine Frau abgefeuert, seine, Ecke der Klinik und Frankfurter⸗ straße belegene Wirtschaft betreten, eiligst ein Glas Grog oder Glühwein verlangt und das Erhaltene hastig hinunter gestürzt habe. Der Mann sei ihm sehr erregt vorgekom⸗ men. Eine Stunde später, nachdem der Gast ihn ver⸗ lassen, habe er von dessen That im Küchengebäude der Klinik gehört.

Zeugin Ehefrau Schmiegel von Sachsenhausen, hatte an die Kochschen Eheleute ein Zimmer vermietet. Der Ehemann kam nachts häufig spät nach Hause und ließ seine Frau, wie diese ihr oft geklagt, Not leiden. Mitte des Monats wurde vom Ehemann schon begonnen, alles Wertvolle nach dem Pfandhause zu tragen. Die Ehefrau war sehr ordentlich und fleißig und habe manchmal hungern müssen. Dieselbe habe ihr Kind gut behandelt. Die Zeugin erinnert sich eines Falles, wo Frau Koch schwer krank darnieder lag, ohne einen Pfennig Geld zu besizen. Da habe der Mann die Nähmaschine für 8 versetzt, seiner Frau 5, gegeben und mit dem Rest sei er abends fortgegangen. Kaufmann Ferd. Studt von Fulda giebt Koch in jeder Beziehung ein gutes Zeugnis.

Die an die Geschworenen gerichteten Schuldfragen lauten dahin, ob der Angeklagte schuldig, daß er den Entschluß, seine Ehefrau zu töten, durch vorsätzliche, nicht mit Ueberlegung ausgeführte Handlungen, welche einen Anfang der Ausführung des Verbrechens, des Totschlags enthalten, bestätigt habe, oder ob der Angeklagte ohne eigene Schuld durch eine ihm von seiner Ehefrau zu⸗ gefügte Mißhandlung oder schwere Beleidigung zum Zorne und hierdurch auf der Stelle zur That hingerissen worden, oder ob andere mildernde Umstände vorhanden wären.

Auf Antrag des Verteidigers wird für den Fall der Verneinung der Frage 1 an die Jury die weitere Frage gerichtet, ob der Angeklagte schuldig der Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges und ob dann mildernde Umstände vorhanden seien.

Staatsanwalt Koch plaidiert auf schuldig des ver⸗

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

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suchten Todschlags, aber auch für Bejahung der Milde⸗ rungsfrage, es bleibe ja egal, welche Gründe die Ge⸗ schworenen hierfür als vorliegend anerkennen. Es sei schwer zu sagen, wer von den beiden Eheleuten Koch die Schuld trage an dem ehelichen Zerwürfnis. Jedenfalls würde die Wahrheit, von dem was der Mann und die Frau darüber angegeben, in der Mitte liegen. Jedenfalls hat der Mann es ernstlich versucht, die Frau zu bewegen, von Gießen zu ihm zurückzukehren. Der Ehemann hatte zum 1. April eine Wohnung für seine Familie gemietet und Möbel gekauft und was that dessen Ehefrau, sie schrieb ihrem Mann nicht nur selber einen rücksichtslosen Brief, sondern setzte ihrem geradezu hinterlistigen Treiben dadurch die Krone auf, indem sie dem Manne durch einen Rechtsanwalt schrelben und demselben mitteilen ließ, sie lehne es ab, weiter mit ihm zu verhandeln, er solle sie nicht mehr belästigen und wenn er dennoch zu ihr komme, würde sie sich mit den gesetzlichen Mitteln zu helfen wissen. Dieser Brief hat den an sich eifersüchtigen Koch hochgradig erregt und es erscheint in dieser Erregung die That des Mannes begreiflich.

Der Verteidiger Rechsanwalt Dr. Jung tritt warm für seinen Klienten ein, derselbe habe nicht die Absicht ge⸗ habt, seine Frau zu töten. Es handle sich im vor⸗ liegenden Falle nur um eine Körperverletzung mit einem gefährlichen Werkzeuge, die auch mildernd zu beurteilen sei, weil der Angeklagte in der Erregung über das unbe⸗ greifliche Verhalten der Frau begangen. Nach erfolgter Rechtsbelehrung durch den Vorsitzenden und nach ½stün⸗ diger Beratung verkündet der Obmann, Theobald von Bad Nauheim, den Wahrspruch der Geschworenen, der dahin geht, daß der Angeklagte schuldig des Versuchs des Totschlags und daß weiter mildernde Umstände vor⸗ handen. Der Staatsanwalt beantragte 1 Jahr 6 Mo⸗ nate Gefängnis.

Rechtsanwalt Dr. Jung überließ die Ausmessung der Strafe dem Gericht, beantragte aber die Untersuchungs⸗ haft in Anrechnung zu bringen. Das Urteil lautete auf 1 Jahr 3 Monate Gefängnis und Anrechnung von 2 Mo⸗ nate der erlittenen Zmonatlichen Untersuchungshaft.

Neucste Telegramme.

Hd. Berlin, 21. Juni. Bei der gestrigen Regatta gewann den Kaiservierer, welcher von der Kaiserin Friedrich III. gestiftet und 4 Mal hintereinander zu gewinnen ist, der Mainzer Ruder⸗Verein. Verteidigt wurde der Preis von dem Hamburger Ruderklub Favorite-Ham⸗ monia.

Hd. Berlin, 21. Juni. In dem Distanz⸗ Wettfahren Dresden-Berlin wurde erster Alfred Köcher in 6 Stunden 55 Minuten, zweiter Paul Blankenburg in 7 Stunden 35 Minuten.

Hd. Paris, 21. Inni. Der Temps bespricht die Miquel⸗Krise und sagt, die Ernennung Miquels zum Vicekanzler würde bedeuten, daß die Autorität der Regierung verstärkt werden muß, da eine strengere Politik gegen die Sozial⸗ demokraten Not thue. Miquel würde die Aufgabe zufallen, dem deutschen Volke begreiflich zu machen, daß eine starke Regierung vor einem Staats streich nicht zurückschrecken darf, wenn es gilt, die Flotte zu verstärken und das Vaterland nach innen und außen zu retten. Miquel hat, wenn nicht einen Staatsstreich, so doch ein Konfliktsprogramm zu verwirklichen.

Hd. Paris, 21. Juni. Der in Nanch wegen Spionage verhaftete Weinschenker Sattler wurde am Samstag vom Pariser Gerichtshof beschuldigt einem deutschen Spion. den Mobilisierungsplan verschafft, sowie der deutschen Regierung die Namen jener Elsäßer angegeben zu haben, welche Frankreich politische Berichte liefern. Sattler wurde zu drei Jahren schweren Kerkers und 500 Franks Geldstrafe ver⸗

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In Bingen am Rhein ist unter dem Namen Rheinisches Technikum eine neue Lehranstalt für Maschinenbau und Elektrotechnik ins Leben getreten. Der Lehrkursus umfaßt 5 Semester. Mit der Anstalt i, eine Werkmeisterschule verbunden, deren Ziel sich in zwei Semestern erreichen läßt. Der Eintritt neuer Sch'gler erfolgt zweimal im Jahre, zu Ostern und zu Michaelis. Die Leitung des Technikums hat der im technischen Lehr⸗ fache bereits bestens erfahrene Maschinen⸗Ingeniewe Regle⸗ rungsbaumeister Hoepke übernommen. Die Stadtver⸗ tretung hat beschlossen, demnächst ein neues Gebäude für die Zwecke der Anstalt zu errichten.

Verleger: Paul Bader in Marburg, Vera ntw. Redak⸗

teur: Wiltelm Sell in Gießen; Druck der EG. T Ittma Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 18. wacht