Ausgabe 
21.5.1897
 
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Gießen, Freitag, den 21. Mai

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

usgabe

Hessische Landeszei

Gießen.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Medaktion:

* Kreuzplatz Nr. 4. 8

Jokales und Provinzielles.

P. A. Gießen, 20. Mai. Sport⸗ und golksfest in Gießen. Immer näher rückt i Fest heran, nur wenige Tage noch, und Feier, eingeleitet durch einen Festkommers Steins Garten, nimmt ihren Anfang. Der tand, daß neben dem eigentlichen Sportfest in herbeiströmenden Besuchern auch die ver⸗ edenartigsten Genüsse, die ein Volksfest mit ich bringt, geboten werden sollen, läßt mit Recht ate rege Beteiligung aus allen Kreisen voraus⸗ en. Wie aus Nachstehendem ersichtlich, macht 1 für das Fest vorgesehene Programm seinen canstaltern alle Ehre. Zur Eröffnung der er findet, wie bereits oben erwähnt, ein fre Fest⸗Kommers inSteins Garten statt. auch nicht vorauszusetzen, daß bei demselben son sämtliche der zu erwartenden Gäste zu sen sein werden, so unterliegt es trotzdem em Zweifel, daß schon ein Teil der aus⸗ ltlgen Radfahrer bei demselben anwesend und Rommers in würdiger Weise und unter großer sceiligung vor sich gehen wird. Der erste Festtag id alsdann durch eine um Uhr früh er⸗ gende Tagesreveille eingeleitet, welcher sich A8 Uhr der Empfang der auswärtigen Sports⸗ meraden anschließt. Eine Vertretersitzung ist 9 Uhr im Hotel⸗RestaurantKafserhof an⸗ kaumt, während um 11 Uhr die Bannerweihe hWanderer, G. R.⸗G. in Steins Saalbau ir sich gehen wird. Ein solenner Frühschoppen it Konzert nebst der darauffolgenden gemein⸗ men Festtafel in Steins Saalbau beschließt lödann die Feier des Vormittags. Als einer r Hauptglanzpunkte des Festes ist wohl die m Uhr vorgesehene Korsofahrt sämtlicher sadfahrer zum Sportplatz zu bezeichnen, womit s eigentliche Sportfest seinen Anfang nimmt. n Uhr werden alsdann die vorgesehenen eennen vor sich gehen, denen sich um 8 Uhr ein unstfahren, sowie Preisverteilung anschließen. u. Steins Saalbau findet alsdann die Ver⸗ ligung der Festteilnehmer mit einem schönen uamenflor zu einem Ballfest statt. Für den geiten Festtag ist vormittags ein Frühschoppen⸗ inzert in Aussicht genommen, während der gachmittag dem großen Volksfest gewidmet ist, ns nicht verfehlen wird, eine bedeutende An⸗ sehungskraft auszuüben. Aus Vorstehendem ist zohl ersichtlich, daß dieses schöne Fest einen, den Teilnehmer befriedigenden Verlauf nehmen ned. All Heil.

P. A. Gießen, 20. Mai.(Sport- und golksfest.) Indem wir auf die Annonce im entigen Blatte aufmerksam machen, bemerken air, daß nach uns gewordenen Mitteilungen der or verkauf der Eintrittskarten in sächster Woche beginnt.

* Gießen, 20. Mai. Der hiesige Verein ur Züchtung reiner Hunderassen ver⸗

13. Juni d. J. auf derSchönen Aussicht eine Hundeschau, verbunden mit Preis⸗ schliefen. Aus den uns vorliegenden Be⸗ stimmungen entnehmen wir, daß die Ausstellung in drei Klassen, und zwar Jagdhunde, Luxushunde und Schoßhunde eingeteilt ist. Nur angemeldete Hunde werden zur Schau zu⸗ gelassen. Der Aussteller hat für jeden Hund ein Anmeldeformular genauesten bonafide aus⸗ zufüllen und dies mit Beifügung des Stand⸗ geldes bis spätestens 1. Juni d. J. an den 1. Vorsitzenden, Herrn F. Windecker, Selters⸗ weg 2, einzusenden; Anmeldeformulare sind von demselben zu beziehen. Das Standgeld für jede Klasse beträgt 3 l, für Mitglieder 2 1. Jeder Wurf kostet 3. extra. Ohne Standgeld ist die Anmeldung ungültig, und behält sich der Vorstaud das Recht vor, nicht genehme Aussteller ohne Angabe eines Grundes zurückzuweisen. Jeder Aussteller erhält einen Aunahmeschein, welcher am Eingang vorzuzeigen ist. Aussteller und Mitglieder haben freien Eintritt bei Vor⸗ zeigung ihrer Karten. Von der Schau aus⸗ geschroalte sind kranke, mit ansteckenden Haut⸗ rankheiten behaftete Hunde, sowie Kastraten. Es können alle Rassehunde ausgestellt werden, welche am Tage der Schau ein Jahr alt sind. Für Vorstehhunde, Dachs hunde und Foxterriers bestehen Jugendklassen von 6 bis 12 Monaten. Die Schan beginnt präzise morgens 9 Uhr und dauert bis 6 Uhr abends. Alle Hunde müssen pünktlich bis 9 Uhr zur Stelle sein. Die Preise bestehen in Ehrenpreisen und Diplomen 1 2., 3. Preis, Reservepreis, höchst lobende Er⸗ wähnung und lobende Erwähnung. Für die Schliefen(auf Fuchs und Dachs) sind 1. Alters⸗ schliefen für rassereine Dachshunde aller Varie⸗ täten, Rüden und Hündinnen. 2. Altersschliefen für rassereine Foxterrier, glatt⸗ und drahthaarige, Rüden und Hündinnen vorgesehen. Die Preise bestehen in Ehrenpreisen und Diplomen; außer- dem: 1. Preis 30, 2. Preis 20*, 3. Preis 10. in bar.

Gießen, 20. Mai. Zufolge der in der gestrigen Nummer unserer Zeitung veröffentlichten Zuschrift aus Steinbach, betr. den in der Nacht zum Montag verübten Unfug teilt uns heute der Polizeidiener Hahn aus Steinbach mit, daß sowohl er, noch andere in der Nähe befindliche glaubwürdige Zeugen nicht bemerkt hätten, daß Steinbacher Burschen nach den in den betreffenden Wagen skandalierenden Herren mit Steinen geworfen.

Nach Eintritt der Feierabendstunde(11 Uhr) sind sämtliche Burschen ruhig nach Hause gegangen. Von einem am Ende des Dorfes

(in der Richtung nach Gießen) wohnenden Ein⸗ wohner sei ihm(dem Polizeidiener) aber eine Anzeige gemacht worden, wie um fragliche Zeit die Insassen der betreffenden Fuhrwerke mit faustdicken Steinen an die Schalter der Fenster

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Hreis der Anzeigen: 10 Pfg. für die

instaltet, wie wir bereits früher berichteten, am

geworfen hätten. In allen Fällen habe man

Sspaltige Petitzetle.

D Expedition: 4 Kreuzplatz Nr. 4.

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egen diese Herren, deren Namen nunmehr fest⸗ stehen, Anzeige erstattet.

* Gießen, 20. Mai. Ein hiesiger Tapezier⸗ meister engagierte gestern Abend in Klein-Linden einen reisenden Tapeziergehülfen und kaufte ihm zu essen und zu trinken. Statt aber ein⸗ zutreten, suchte der Gehülfe heute früh 6 Uhr das weite und der Meister war geprellt.

* Gießen, 20. Mai. Neue Stempel⸗ marken. Das großh. Regierungsblatt giebt die Ausgabe einer neuen Stempelmarke bekannt. Es ist für angemessen erachtet worden, die vierte Gruppe der Stempelmarken um die Marke mit dem Werte von 500, zu vermehren. Die Marken von diesem Werte werden von der Haupt⸗Stempel verwaltung, gleichwie die anderen Arten Stempelmarken, gegen Vorausbezahlung des Geldbetrags an die Stempelmarkenausteiler auf Bestellung abgegeben.

* Grünberg, 19. Mai. Mit dem 1. Oktober d. Is. geht das GasthausZum wilden Mann in andere Hände über. Dasselbe wurde heute zum Preise von 26 000 K von einem Frankfurter Reflektanten erstanden; ein Teil der Nebengebäude bleibt von dem Ver⸗ kauf ausgeschlossen. Für den ganzen Gebäude⸗ komplex wurde seiner Zeit eine Summe von 34000 l gefordert. Derzeitiger Restaurateur genannten Gasthauses ist Herr J. Oeste, vor dem war Herr Parr, z. Zt. Inhaber des Schützenhofs zu Laubach, Pächter.

* Bad Nauheim, 19. Mai. Der Besuch unseres Bades von Ausländern ist so stark geworden, daß der Raum der Zollabfertigungs stelle für die zahlreichen zollpflichtigen Gegen⸗ stände im Salinenrentamt nicht mehr ausreicht. Man richtet deshalb einen anderen Raum in der Saline zur Unterbringung der Zollstücke her.

*Darmstadt, 19. Mai. Der vor etwa 3 Jahren in den Ruhestand getretene frühere Direktor des Großh. Hoftheaters Geh. Hofrat Theodor Wünzer ist heute Nachmittag vier Uhr infolge eines Schlaganfalles, der ihn in letzter Nacht getroffen hat, gestorben. Wünzer, 1831 zu Schwabmünchen bei Augsburg geboren, kam im Jahre 1874 vom kgl. Schauspielhaus zu Berlin als Heldenvater und Regisseur hier⸗ her, wurde 1878 Ober⸗Regisseur und etwas später Direktor des Hoftheaters. Als Helden⸗ darsteller leistete er Hervorragendes. Am ver⸗ flossenen Freitag wirkte er noch bei der zum Ge⸗ dächtnis von Johannes Brahms vom hiesigen Musikverein veranstalteten Trauerfeier mit, wo bei er den Prolog sprach. Am Sonntag unter⸗ nahm er noch mit Freunden einen Ausflug nach dem Rhein und heute wollte er eine Sommer⸗ frische im Odenwald aufsuchen. Wünzer war auch als Mensch allgemein beliebt und geachtet.

* Wörrstadt, 19. Mai. Am vorigen Sonntag erhielten die Schüler der hiesigen Handwerker⸗ schule die durch die Preisrichter bestimmten Preise. Meist waren es Werkzeuge oder Bücher,

welche die jungen Handwerker in der Praxis sehr gut verwenden können. Im ganzen wurden 12 Preise verteilt, im Fachzeichnen fünf, die übrigen im Freihandzeichnen. Außerdem erhielten mehrere Schüler lobende Erwähnung. Gleich⸗ zeitig wurde eine Visttation der Schule von be auftragter Seite vorgenommen. Was das Finan⸗ zielle dieses Instituts anbelangt, ist zu melden, daß im vorigen Jahre die Einnahmen 1283,97., die Ausgaben 1160,52 4 betrugen.

* Mainz, 19. Mai. Der fünfte hessische Katholikentag findet Sonntag den 27. Juni in Bensheim an der Bergstraße statt.

Vermischtes.

Ein Stück sozialer Frage. besserung der wirtschaftlichen Lage der Bühnen⸗ künstlerinnen haben nun 16 Frauenvereine dem dentschen Bühnenverein Vorschläge in einer Eingabe unter⸗ breitet. Es gilt diejenigen zu schützen, welche nicht an hervorragenden Bühnen dauernd angestellt sind, sondern an Provinztheatern und bei umherreisenden Gesellschaften einen ewigen Kampf ums Dasein führen müssen oder Gefahr laufen, der Schande zu verfallen. Auf ein Gesuch an den Präsidenten der Deutschen Bühnengenossenschaft zu Berlin war teils ein ablehnender Bescheid ergangen, teils darauf verwiesen worden, an den deutschen Bühnenverein sich mit gewissen Vorschlägen zur Aenderung einzelner Bühnenkontrakt⸗Paragraphen zu wenden. Diese Vorschläge lauten: 1. Jedem Theaterdirektor möge die Verpflichtung auferlegt werden, einen Fonds historischer Frauenksstüme zu halten. In der Begründung wird ausgeführt, daß der Mann nur das Nötigste an Trikots und Stiefeln zu stellen hat, die Frau dagegen eineu Fonds von Kostümen im Betrage von mindestens 3000 4, der für die Dauer des Engagements nie ausreicht. Diese Ausgaben hat die Bühnenkünstlerin von einer Durchschnittsgage, anfänglich von 150, von denen die üblichen Agentenprozente und Anderes abgehen, zu bestreiten, und sehr oft wird nach dem berüchtigten Kündigungsparagraphen die festgesetzte Ei nahme noch erniedrigt. Bei solchem Mißverhältnis zwischen Soll und Haben müssen die Jüngerinnen der Kunst hungern oder der Schande verfallen. 2. Um die Ausgaben der weiblichen Bühnenmitglieder etwas ein⸗ zuschränken mögen die Agentenanteile zwischen Direktor und Mitglied geteilt werden. Denn Beide haben am Engagement das gleiche Interesse. 3. Der Paragraph betreffs der Altersgrenze der in die Pensionskasse ein⸗ tretenden Opernsängerin sollte dahin geändert werden, daß gleich wie bei den Männern das 25. Lebensjahr festge⸗ setzt wird. Opernsängerinnen beginnen infolge des längeren Studiums erst in diesem Alter die Bühnenlauf⸗ bahn. 4. Es möge beim Ausscheiden der Bühnenkünst⸗ lerin aus dem Beruf durch Verheiratung wenigstens ein Drittel der eingezahlten Summe zurückgezahlt, sowie das 50. aktive Lebensjahr zur vollen Auszahlung des Ruhegehalts angesetzt werden. Es ist eine Thatsache, daß die Sängerinnen nur in Ausnahmefällen länger singen können.

Die Trauung einer Berlinerin mit einem Neger fand in der englischen Episkopalkirche in Berlin statt. Die Braut ist eine Tochter des königl. Güter ⸗Expeditionsvorstehers Ewert. Der Bräutigam, Herr Vincenz Edward, ist Billeteur an einem bekaunten Berliner Balletetablissement. Er stammt aus Westindien von der Jusel St. Domingo. Als sprachgewandter Mann

Behufs Ver⸗

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Ein Vogelsberger Bürgermeister aus der guten alten Zeit. Von A. M. (Nachdruck verboten). (Schluß.) Zu Hause angekommen, hatte er nichts eiligeres u thun, als für den nächsten Tag eine Volksver⸗

sarmlung unter die uralte Linde, wo schon die

boreltern bei wichtigen Gelegenheiten getagt hatten, einzuberufen. In frischer Stimmung eröffnete er geselbe und verkündete seine jüngsten Erlebnisse in vankfurt, wie er so hoch geehrt worden sei, diese Grenbezeichnungen jedoch für seine Person ab⸗ nen müsse, da dieselben nur seiner treuen Ge⸗ neinde, deren Vertrauen ihn zu hohem Amte eines rgierenden Bürgermeisters berufen, zu gut kämen. (r teilte der Versammlung ferner noch mit, daß de Frau Bürgermeisterin den Wunsch ausgesprochen, enen schönen Urhoibel(Bezeichnung für Papageien 1 Ilbeshausen) zu besitzen, und er versprochen labe, bei seiner nächsten Geschäftsreise nach Frank⸗ urt einen schön gefiederten mitzubringen, wo er zun im Interesse seiner lieben Gemeinde und daß nich das Dekorum gewahrt werde, die jungen Leute tesuche, baldigft einen hübschen Urhoibel zu fangen; auch lasse die hohe Frau den ehrbaren Frauen und mungfrauen Ilbeshausens einen gnädigen Gruß ntbieten, und sie beabsichtige, in der Sommer- yische Ilbeshausen als Luftkurort zu benutzen.

Die ganze Versammlung schwelgte in Freude und Entzücken und bewunderte in ihrem Bürger⸗ neister das große Genie und den feinen Diplomaten. Die eiligst herbeigerufenen Ortszinkenisten ließen unte Fanfaren ertönen, der hochweise Gemeinderat eschloß zum ewigen Gedächtnis ein ehernes Denk⸗

mal zu errichten und in das Gemeindewappen einen Urhoibel als Zeichen der Wachsamkeit aufzunehmen. Freies Bier und Boitelgeszoig(noch das beutige beliebte Nationalessen der Ilbeshäuser) sowie Tanz bis an den frühen Morgen beschloß die Feier dieses für Ilbeshausen ewig denkwürdigen Tages.

Die nächsten Tage begann nun eine förmliche Razzia, um einen schönen gefiederten Urhoibel zu bekommen, der auch endlich in der First einer sehr hohen Scheuer gefangen wurde. Ein gerade aus Welschland sich dort aufhaltender Drahtflechter er hielt den Auftrag, einen geschmackvollen Käfig an zufertigen und in der damaligen Landesfarbe bloi woiß») anzustreichen. Den nächsten Sonn⸗ tag war der Käfig mit dem Vogel zu Jedermanns Besichtigung unter der Linde ausgestellt, es war nur ein Lok über den schönen Vogel als auch über den schönen Käfig. Mit Stolz blickten die Ilbes⸗ häuser auf beide.

Den folgenden Tag reiste nun die Butterkara⸗ wane, den Bürgermeister mit dem Vogel an der Spitze, begleitet von den Segenswünschen seiner lieben Gemeinde nach Frankfurt.

Dort angekommen, ging unser biederer Löffler als offizieller Vertreter seiner Gemeinde zum Frank⸗ furter Kollegen. Nachdem derselbe mit aller der feinen Zuvorkommenheit behandelt worden war, die seine Stellung als Kollege erforderte, und nachdem die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Häuptern von Frankfurt und Ilbeshausen sich immer mehr befestigt hatten, wurde auch der Ilbes⸗ hauser Urhoibel(eine Nachteule) der Frau Bürgermeisterin überreicht und derselbe mit dem Frankfurter Papageien zusammengebracht. Der

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Frankfurter Kollege des Ilbeshauser Papageien(denn diese waren ja jetzt auch Kollegen) produzierte sofort seine Gelehrsamkeit und wollte sich mit seinem Kollegen bekannt machen; wie nun der Ilbeshauser sic, auch vernehmen lassen sollte, da half alles Bitten, Flattieren und Vorpfeifen nichts, der Vogel hielt seinen Schnabel und bewährte sich als großer Schweiger.

Auf die drängende Frage des Frankfurter Bürger⸗ meisters, welcher den Vogel sofort erkannt hatte und nur den lieben Kollegen ein wenig schrauben wollte, warum denn der Papagei gar nichts rede, gab der gute Ilbeshäuser die Antwort:Ha diankt soi Doahl.)

Die Frau Bürgermeisterin war trotz des großen Schweigens sehr erfreut über den schönen Vogel, und stellte dasselbe mehr auf Rechnung der großen Austrengungen der Reise, als auch der gänzlich un⸗ bekannten Umgebung, was sich jedenfalls nach einiger Erholung und Ruhe wieder verlieren und er dann auch redseliger werden würde. Dem Albeshauser Kollegen dankte sie in freundlichen Worten für die ihr erwiesene Aufmerksamkeit des offiziellen Ge⸗ schenkes seiner Gemeinde, und bemerkte noch, daß der Herr Kollege und Freund ihres Gemahls sich ein bleibendes Andenken bei ihr erworben habe.

So weit reichen die Ueberlieferungen aus den alten Chroniken. Ob derHandels vertrag abge schlossen, ob die erhabene Frau Bürgermeisterin die Sommerfrische in Ilbeshausen genossen und dem großen Schweiger endlich die Zunge gelöst worden, darüber finden sich nicht mehr Andeutungen, nur das Sprichwort hat sich bis auf den heutigen Tag

) Er denkt sein Teil.

bei besonders schweigsamen Menschen erhalten:Ha diankt soi Doahl wie der Ilweshoiser Babbegey. **

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Betrachten wir nun das Albeshausen der Neu⸗ zeit, wie es heute ist, und seine Bewohner. Ihr Handel mit landwirtschaftlichen Produkten nach Frankfurt und den Rheinlanden blüht heute noch wie vor 1000 Jahren, ihr Familienname Löffler ist nicht ausgestorben, sondern jedenfalls noch zahl⸗ reicher wie früher, sie zeichnen sich alle durch eine imposante Größe und kräftige Muskulatur aus, ihre Mädchen sind schöne und kräftige Gestalten.

Kommt ihr Städter in den Vogelsberg, benutzt da im nächsten Sommer die Sommerfrische, ver⸗ schafft euch einen Führer in den Vogelsberg(Ver⸗ lag von E. Roth in Gießen), holt euch eine dralle Löfflerin, deren jede bei ihrer Verheiratung von der Mutter als Morgengabe das sehr geheim gehaltene Verfahren zur Bereitung des berühmten National⸗ essens, desBoitelgesgezeug mitgeteilt bekommt

Wenn ihr dann abends mit eurer Schönen an den Gestaden des naheliegenden kleinen Sees lust⸗ wandelt und die Geister der hier vor Jahrtausenden hausenden Pfahlbautenbewohner in unheimlichem Geflüster umschwärmen, werden die Urhoibel eure keusche Liebe beschirmen.

Die altertumsforschenden Vereine sowie die An⸗ thropologen finden hier ein reiches und dankbares Feld für ihre Forschungen, möge es ihnen ganz be⸗ sonders empfohlen sein, und mögen sie es nicht versäumen, die sehr seltenen Funde aus der Phahl⸗ bautenzeit, namentlich die Bekleidungsgegenstände, Kopfschmuck, Waffen ꝛc., welche im Kasino in Lauterbach aufbewahrt und bereitwilligst Jedem, der dafür Interesse hat, gezeigt werden, in Augen⸗ schein zu nehmen.