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20.7.1897
 
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Gießen, Dienstag, den 20. Juli

1897.

Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Ah

Ausgabe

Gießen.

ische Landeszeitung,

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Kaser W., 10 Pe. Redaktion:. eee Kreuzplatz Nr. 4. 2 ene 8 188 n 5 0 7 0* 2 n fokales und Provinzielles. ** Gießen, 19. Juli. Dem ordentlichen 4 hrofessor in der medizinischen Fakultät der I Andes⸗Universität und Direktor der Frauenklinik 19. Sun. Gießen Dr. Hermann Löhlein ist der 0. Jul, charakter alsGeheimer Medizinalrat erteilt vorden. a* Gießen, 19. Juli. Der Privatdozent A5) r. Sticker, welcher der deutschen Kom⸗ ifston zur Erforschung der Pest in N 160 indien angehörte, ist gestern hier wieder ein ö 7 troffen. 5* Gießen, 19. Juli. Das Gebäude des ihhsikalischen und physikalisch-chemi⸗ chen Instituts in der Goethestraße, das echmerzenskind unserer Universitätsbauten ehaum. 1 sind die Mittel bereits dazu bewilligt l 4 züchst jetzt endlich mit Macht in die Höhe. Das A Alergeschoß ist bereits fertiggestellt und in iber behauenen Lungsteinen ausgeführt, auf gelchen das Mauerwerk der oberen Etagen in ten Verblendern sich aufbauen wird. Die i findet in tige Fassade wird mit grauem Sandstein

urchsetzt werden. Das Gebäude soll in diesem

E gahr noch unter Dach kommen. 00 Gießen, 19. Juli. Wir meldeten s. Zt., i am 1. April die Kranken⸗ und Begräbnis⸗ 5 sse für Kaufleute sich aufgelöst und das vor⸗ UI 1 andene Vermögen unter den Mitgliedern verteilt erden würde. Man wundert sich unter den suteressenten, daß die Auszahlung des Geldes lange Zeit in Anspruch nimmt. Die Empfangs⸗ klechtigten sind nämlich meistens verheiratete ente, die ihren Anteil gerade jetzt zu einem

ritt frel.

burg v. d. H. tholungsurlaub ganz gut gebrauchen können. 55 01Gießen, 19. Juli. Die gestrige Ver⸗

1 Astaltung des Stemm⸗ und Ring⸗Klubs

. ließen auf der Pulvermühle gestaltete sich zu

über em Volksfest, wie man es nicht besser

000 Mann znschen konnte. Die Vorführungen des fest benden Vereins erregten das allgemeine In⸗

2 Bonames et.. tesse. In der ersten Klasse beim Stemmen

kberes wird deneh, kangen Preise: Wilh. Grünewald 1. Preis mit 2 Punkten, Gottlieb Gellert 2. Preis mit 35 lunkten, Justus Friedrich 3. Preis mit 25 lunkten, Phil. Müller 4. Preis mit 23 Punkten. der zweiten Klasse: Ad. Thomas 1. Pr. f 47½ Punkten, Joh. Pothowsky 2. Pr. mit Punkten, Ph. Weigel 3. Pr. mit 34 Punkten, gust Vallenthien 4. Preis mit 29 ½ Punkten, bus Vogelhöfer 5. Pr. mit 25 Punkten, Hrch.

j wird nur elne

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jestät, errichtet ur Ausgabe durch

00.

195 ichmidt 6. Pr. mit 22 Punkten. Louis Sälzer 1 d Wilh. Weigel, frühere Mitglieder des Klubs, wut) MI. 5 lelligten sich außer Konkurrenz am Stemmen

id Ringen. Bei letzterer Vorführung warfen soseph Stein und Louis Sälzer jedesmal nach zem Kampfe unter dem Beifall der Zuschauer ite Gegner. Konzert und Tanz bildeten den icluß des Festes, welches erst gegen Morgen Ende ging.

Gießen, 19. Juli. Das Diplom, sowie übrigen Angebinde des ersten Preises, eder Bauersche Gesangverein gelegent⸗ i des Gesangswettstreites zu Bocken⸗ ehm errang, sind von heute ab im Schaufenster Herrn Schulze(Ecke Kreuzplatz und öltersweg) für einige Tage ausgestellt. Gießen, 19. Juli. Ueber dem Geschäfts⸗ gal der Löwen⸗Drogerie am Seltersweg prankt

an der 3

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ven Nachnahme

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Marken u Lösen.

2 se 12 8 1 ir Erteilung 1 Ferner felt f rhallungswüft,

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die öspaltige Petitzeile.

schild. Die Bildhauerarbeit daran ist vom Bild⸗ hauer Bartel ausgeführt, während der Lackierer Leib die Vergoldung und die Lackiererarbeit besorgt hat.

Rödgen, 19. Juli. Bei dem gestrigen Sängerfest erhielt der Gesangverein Viktoria zu Garbenteich unter 18 beteiligten Vereinen für seine hervorragende Leistungen den ersten Preis.

* Lumda(Kreis Gießen), 17. Juli. Der Landwirt Maus war in dem Walde mit dem Herausschleifen von Buchenstämmen beschäftigt. Plötzlich scheute das vorgespannte junge Pferd und der Besitzer, der sich ihm näherte, erhielt mehrere Schläge gegen den Unterleib, daß er zu Boden stürzte und von den übrigen Anwesenden 9 nach Londorf zum Arzt verbracht werden mußte.

B. Lich, 18. Juli. Um das religiös⸗kirchliche Leben unserer Gemeinde zu fördern, hat der Stiftsvorstand unter Genehmigung Sr. Durch⸗ laucht des Fürsten und unter Zustimmung des Kirchenvorstandes und der Gemeindevertretung beschlossen, den oberen Stock der Scheune am zweiten Pfarrhaus zu einem kirchlichen Ge meindesaal umzubauen. Mit diesem Neubau wird auch den sanitären Beziehungen Rechnung getragen, die in der Stiftss hule keineswegs genügten. Zum Besten des Baufonds hat sich ein kirchlicher Hilfsverein gebildet, der dem Stift die Zinsen für das zum Bau nötige Kapital aufbringen soll und der sich unter der hiesigen Einwohnerschaft großer Sympathieen erfreut, sodaß mit der Gründung dieses Vereins der Zweck vollständig erreicht ist.

h. Flensungen, 18. Juli. Vom herrlichsten Wetter begünstigt veranstaltete heute Nachmittag der hiesige Kirchengesangverein ein Waldfest auf dem Flensungerkopf, woselbst sich eine große An⸗ zahl auswärtiger Gäste eingefunden hatte; auch der Grünberger Kirchenchor war unter den⸗ selben zahlreich vertreten. Herr Pfarrer Frank aus Merlau hielt eine kurze Ansprache. Der Verlauf des Waldfestes wurde durch die dar⸗ gebotenen Gesangsvorträge noch wesentlich schöner gestaltet und zeigte, daß die Kirchengesangvereine auch in gesellschaftlicher Beziehung dem richtigen Ziele nachstreben.

* Vom südlichen Vogelsberg, 17. Juli. Nach mehrfach wenig günstigen Ergebnissen der letzten Jahre war man um so freudiger in diesem Frühjahre überrascht, als man sah, daß das Korn überall gut durch den Winter gekommen sei. Die Hoffnung auf eine Vollernte ist bei dem seit Wochen fehlenden Regen dahin. Für Gras und Korn hat die Feuchtigkeit genügt, aber ein aroßer Teil der Sommerfrucht ist oft nur hand⸗ lang. Auch die Wurzelgewächse und Oelsaaten verkümmern, wie denn auch der zweite Kleeschnitt ausbleibt, die Grummetwiesen sich nur sehr dünn bestellen. Allem Anscheine nach wird die Korn⸗ ernte in diesem Jahr 14 Tage früher begonnen werden können als es sonst hier Regel ist. Wenn auch der Körnerertrag zu wünschen übrig lassen wird, da es zur Blütezeit eine zeitlang kalt war und regnete, so giebt es doch voraus sichtlich eine reiche Strohernte. 0

* Butzbach, 16. Juli. In hiesiger Stadt werden gegenwärtig für das Gescheid Früh⸗ kartoffeln 14 bezahlt. Die Kirschen sind im Preise abgeschlagen und kostet das Pfund

10 bis 12. Für den Schoppen Heidel beeren werden 8 bis 10 bezahlt; Johan- nisbeeren kostet das Pfund 10.

* Bad Nauheim, 17. Juli. Bis zum 15. d. M. hatten wir eine Fremdenfrequenz von 10 870 Personen, von denen 928 in der letzten Woche angekommen sind. An Bädern wurden bis zu diesem Tag 115 558 bereitet, 12 981 mehr als bis zu diesem Tag des Vor⸗ jahres. Die günstige diesjährige Saison ist nicht ohne Einfluß auf die Preise geblieben. Bau⸗ plätze und Miethäuser sind bedeutend im Preise gestiegen. Eine Villa an der Ludwigstraße ging mit Inventar und anstoßendem Bauplatz zu 195 000 in fremden Besitz über.

* Darmstadt, 17. Juli. Der Abgeordnete Dr. Schröder hat bei der zweiten Kammer den Antrag eingebracht, für einen neu einzustellenden Gewerbeinspektor ein Gehalt von 4000 l. und für Diäten und Reisekosten desselben 1200 Mark ins Budget einzustellen. Außerdem bean⸗ tragt der Genannte zum KapitelZentralstelle und Landesgewerbevereine eine namhafte Er⸗ höhung der für persönliche und sachliche Aus gaben vorgesehenen Beträge.

* Darmstadt, 18. Juli. Wie verlautet, steht in aller Kürze die Beförderung des zur Zeit in Urlaub befindlichen Oberstaatsanwalts und Ministerialrats Geheimrats Schlippe zum Wirklichen Geheimrat mit dem Titel Exzellenz bevor. Weiter hört dieF. Ztg., daß zur Zeit an die Schaffung eines neuen Titels ge⸗ dacht wird.(Gott sei Dank! Red.) Wie die⸗ jenigen Assessoren, welche bei den Gerichten be schäftigt sind, Gerichtsassessoren, diejenigen bei den Verwaltungsbehörden Regierungsassessoren genannt werden, sollen die bei den Ministerien verwendeten Assessoren den Titel Ministerial⸗ assessoren führen. Die Assessoreufrage ist in folge der Vertretung des zur Regelung der Isenburg-Birsteinschen Angelegenheiten beur laubten Ministerialrats Braun durch einen Assessor in Fluß gekommen.

* Braunfels, 17. Juli. Am Donnerstag wurde hier eine Ausstellung für Hand⸗ werk und Haus industrie eröffnet. Sie hat den Zweck, das Handwerk zu heben, zu erforschen, was von alter Hausindustrie noch lebensfähig ist und der Einführung geeigneter Hausindustrien den Boden zu bereiten. Prinz Albrecht zu Solms stellte 100 Freilose der Lotterie der Aus⸗ stellung für Handwerk und Hausindustrie den jenigen Frauen zur Verfügung, die bei der Aus⸗ stellung eine Bescheinigung des Ortsvorstehers vorzeigen, wonach sie noch Flachs bauen, spinnen und zum eigenen Bedarf weben oder weben lassen.

Briefkasten. Ein Leser. Namen nennen. unberücksichtigt.

Auszug aus den Kirchenbüchern der evangelischen Gemeinde.

Matthäusgemeinde. Taufen.

Am 11. Juli. Eine uneheliche Tochter, Marie Elisa⸗ beth, geboren am 25. April. Dem Taglöhner Wilhelm Hofmann ein Sohn, Heinrich Ludwig, geb. am 25. Juni. Dem Knecht Karl Herr ein Sohn, Konrad, geboren am 13. Mai.

Anonymes bleibt

* Expedition: E Kreuzplatz Nr. 4.

Trauungen.

Am 12. Juli. Karl Martin Allgeier, Schneider zu Gießen, mit Marie Margarethe Bebling, Tochter des ver⸗ storbenen Arbeiters Karl Bebling zu Gießen. 15. Ernst Albert Rahnefeld, Wirt zu Gießen, mit Katharine Dieter, Tochter des Ackermannes Konrad Dieter zu Fauer⸗ bach v. d. Höhe.

Markusgemeinde. Beer digte.

Am 15. Juli. Valentin Erzgräber, Witwer, 72 Jahre

alt, starb am 13. Juli.

Neueste Telegramme.

Hd. Wiesbaden, 19. Juli. Der 18 Jahre alte Wilhelm Esalas stürzte gestern Nachmittag auf einer Radtour bei Wambach mit seinem Rade so unglücklich gegen eine Telegraphenstange, daß er auf der Stelle verschied.

Hd. Budapest, 19. Juli. Die Erbitte⸗ rung unter den parlamentarischen Par⸗ teien hat ihren höchsten Grad erreicht. Rechts und links ist man entschlossen, nicht um ein Haar nachzugeben und bis aufs äußerste zu kämpfen. Am Dienstag will die Regierungs- partei mit den Repressalien beginnen, und zwar ist für das erste die Verlängerung der Sitzungen von 2 auf 4 Uhr geplant. ollte dies nicht den erwarteten Erfolg bringen, so will die Regierung Abendsitzungen einführen, eventuell das Parlament in Permanenz erklären. Für den äußersten Fall sind noch energischere Maßregeln in Aussicht genommen, welche der unbeschränkten Redefreiheit ein Ende bereiten soll. Die Opposition wird auf diese Anträge mit der energischen Obstruktion ant⸗ worten, um diese Maßregeln unmöglich zu machen. 2

Hd. Paris, 19. Juli. Hier ereigneten sich mehrere Selbstmorde von Kindern. Ein 13jähriges Mädchen ertränkte sich, weil sein Vater, den es sehr liebte, vor längerer Zeit auf unerklärliche Weise verschwunden war. Ein 14jähriges Mädchen ertränkte sich gleichfalls, weil durch Verbrennen mit heißem Wasser ihre frühere Schön⸗ heit ihres Gesichts gelitten hatte.

Hd. Paris, 19. Juli. Auf dem Jahrmarkt in Batignolles wurde der Besitzer eines Schleßstandes von einem ungeschickten Schützen erschossen.

Hd. Rom, 19. Juli. Demnächst wer⸗ den die Verhandlungen wegen eines Han dels vertrages zwischen Italien und Frankreich hier beginnen. Da auf beiden Seiten großes Entgegen⸗ kommen herrscht, so hofft man auf ein baldiges günstiges Resultat.

Erprobte Rezepte

Kartoffeln in Petersilien⸗Sauce. Man röstet in einem Stückchen Butter 2 Kochlöffel Mehl mit einem Eßlöffel voll feingehackter Zwiebeln gelblich an, giebt einen Löffel voll feingeschnittener Petersilie dazu und rührt das Mehl mit schwacher Fleischbrühe zu einer gebundenen Sauce. In diese kommen die vorher in Salzwasser abgekochten Kartoffelschnitze, das nötige Salz und etwas Muskatnuß.

Nun kocht man das Ganze zusammen noch einige Minuten auf und kräftigt das Gemüse vor dem Anrichten mit 2 TheelöffelnMaggi.

Th. Haslinger.

Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmanpschen Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 13.

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t Samstag ein kunstvoll gefertigtes Firmen⸗

8 Versöhnt! die Erinnerung aus dem Eisenbahn-Betriebsdienste von Albert Roß.

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sowie twurs(Nachdruck verboten).

erbelaHerr Abteilungs⸗Baumeister haben gerufen? udelknetschke, Sie lassen mir heute Vormittag

* HKrel ümand vor, babe dringend zu thun und wünsche

weineuehhe estört zu bleiben! Verstanden?

s. di,Zu Befehl, Herr Abteilungs⸗Baumeister! Dann

I u ich ja wohl auch den Herrn Materialien- Wirte. 0 kwisor wieder wegschicken, der draußen im Warte⸗ eiche 9% 5 soeben nach Ihnen gefragt hat und Sie vor vagen von f zer Dienstreise noch zu sprechen wünscht? Wer ist's? Der alte Norbert? Knetschke, der ehemalige Unteroffizier und jetzige

Henn reaudiener nickte ehrerbietig.Sehr wohl, Herr . 1. 110 gause,, eNein, Knet S g

ause autKnetschke, den lassen Sie noch eintreten, l, Nitage 1 abr schnell! s

1 Der Büreaudiener verschwand sofort. Er hatte eur eg 1 Niers insofern eiliger wie sonst, als des Bau- 209% Weh, ga ers gefürchteter Bernhardiner sich bereits unter E, bs Herrn Arbeitstische mit unheimlichem Knurren forte! A hatte und große Lust zeigte, dem Ge⸗ moblie 110 F wieder einmal zu Leibe zu gehen. 4 Sime r' uhig, Juno, ruhig, marsch auf deinen Platz! e U 70% 6

Baumeister Karnbach glättete das goldig

glänzende Fell des schönen Tieres, dessen Kopf sich eng an ihn schmiegte und dessen große Augen ver⸗ ständnisvoll zu seinem Gebieter aasblickten. Sinnend nahm er dann seine, einige Minuten unterbrochene Wanderung durch das Büreau wieder auf, setzte die Zigarre in Brand und blieb schließlich am Fenster stehen, von dort aus den Gleisumbau des Quai ahnhofes verfolgend. 5 99 5 Jahre waren es nun, seit Karnbach bei der großen N. N. Eisenbahn-Gesellschaft einge⸗ treten war. Seine technischen Kenntnisse, ein ge wisses Organisationstalent und besonders seine un⸗ beugsame Strenge gegen Untergebene, Alles das hatte ihn im Schoße der Verwaltung zu Ansehen ge⸗ langen lassen. Man war ferner auf ihn durch seine Bau⸗Entwürfe und sachkundigen Erläuterungen aufmerksam geworden und bei der vor zwei Jahren begonnenen erheblichen Erweiterung des Bahnnetzes hatte die Direktion ihm in Anerkennung der bisher geleisteten Dienste die umfangreichste Abteilung der Neubaustrecke übertragen. ö

Der nunmehrige Abteilungs⸗Baumeister war trotz seiner 47 Lenze bis jetzt ein zwar immer noch verliebter, aber ehescheuer Hagestolz geblieben, die verhätschelte Juno schien seine stete Begleiterin selbst während der Dienstzeit im Büreau und auf der Strecke zu sein. Daß Kornba h den Hund auf letzterer nicht von seiner Seite ließ, hatte allerdings

auch guten Grund. Der Vorgesetzte war in seinem Dienstbezirke ein gefürchteter Beamter, dessen rigoröse Behandlung der Bahnmeister und ihrer Leute schon einmal den offenen Widerstand der Arbeiter herauf beschworen hatte. Nur seiner Juno, die ihren Herrn deckte, war es zu verdanken gewesen, daß der Angegriffene damals das nächste Dorf Breit leben mit heilen Gliedern erreichen konnte. Jenes Dorf aber, in dessen Nähe sich nun die vierte Bahnmeisterei befand, hatte es dem alternden Jung gesellen angethan, die Christel dort mit ihren Schelmenaugen, das einzige Töchterlein des Gast⸗ wirts, wollte ihm seit jener Zeit nicht aus dem Sinn. Die Christel, ja die Christel, das war Eine! So oft er die Neubaustrecke bereiste, richtete er es so ein, daß er in ihres Vaters Gasthofe Nacht⸗ quartier nahm, allein alle seine Bemühungen, bei solcher Gelegenheit mehr als die gleichmäßig ge schäftsfreundliche Aufmerksamkeit der hübschen Ehristel zu erringen, scheiterten an der scheinbaren Ver⸗ ständnislosigkeit, mit der das Mädchen lachend seinen verfänglichen Anspielungen begegnete. Sollte Christels Herz etwa nicht mehr frei sein? Ein finsterer Argwohn war bei seiner letzten Anwesenheit in dem Gasthofe in ihm aufgestiegen. Abends, als der Amtmann und der Ortsvorsteher sich in dem Honoratiorenzimmer zum gewohnten Skat an seiner Seite eingefunden, hatte er schon mehrere Male die

Tischglocke in Bewegung gesetzt und trotzdem war Christel nicht wie sonst flink wie ein Reh mit den Karten erschienen. Unmutig war Karnbach aufge⸗ standen, an das kleine in der Thür angebrachte Gucksenster getreten und hatte das die Glasscheibe bedeckende Gardinenstück ein wenig gelüftet, um zunächst auszuspähen, ob Christel etwa in der an⸗ grenzenden Bauernschänke stark beschäftigt sei. Was er dort erblickte, hatte sein Blut in Wallung ge⸗ bracht! War der Uniformierte doch in der dunklen Ecke nicht Scharzfeld, der Bahnmeister der benach⸗ barten 4. Bahnmeisterei und saß nicht auf der groben Holzbank an seiner Seite die Gesuchte? Wie eifrig die beiden auf einander eiusprachen, wie sie die Köpfe zusammensteckten, dann wieder sich scheu umsahen und jetzt richtig, jetzt sah er es genau, daß ihre Lippen sich zu einem langen Kusse einten! Himmel Sakra! Der Bahnmeister, dieser Mensch, den er schon vom Dienst her wegen seiner übergroßen Empfindlichkeit nicht verdauen konnte, der sollte ihm hier ins Gehege kommen, ihm, seinen Vorgesetzten die Jagd auf das Edelwild verleiden? Das fehlte nur noch!

(Fortsetzung folgt.)