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Nr 271
Gießen, Freitag, den 19. November
1897.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
Gießen.
ische Landeszeitung
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Das Abounement beträgt durch die Post bezogen: für die Ausgabe Gießen 1,90 resp. 2.30 Mk. Preis der Auzeigen: 10 Pfg. für die öspaltige Petitzeile.
5 Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 19. Nov. Als Geschworene für die vierte Schwurgerichtsperiode wurden ausgelost: Wilhelm Bechstein⸗Friedberg, Joh. Wagner IX-Langgöns, Hermann Reitz⸗ Butzbach, Martin Jehner⸗Rödgen bei Friedberg, Reinhold Schäfer⸗Blofeld, Wilh. Kunkel⸗Eschen⸗ rod, Gg. Konrad Emil Jacobi⸗Rodheim v. d. H., Karl Roth II⸗Kaichen, Karl Bierau⸗Friedherg, Jean Dern⸗Gießen, Richard Westernacher⸗Lind⸗ heim, Hermann Mettenheimer⸗Gießen, Karl Wilh. Bernbeck⸗Friedberg, Heinrich Wilh. Jakob Brack⸗ Altenstadt, Georg Geck II-Melbach, Frhr. Moritz b. Leonhardi⸗Groß⸗Karben, Adam Peter Pauli⸗ Leihgestern, Georg Philipp Müller⸗Ober⸗Hörgern, Emil Pistor II⸗Gießen, Arnold v. Jungenfeld⸗ Gießen, Christoph Leonhard⸗Okarben, Heinrich Hahn⸗Hartershausen, Balthasar Häuser I⸗Stein⸗ berg, August Klipstein⸗Laubach, Karl Diehl⸗ Münch⸗Leusel, Heinrich Euler⸗Ober⸗Breidenbach, Ludwig Kiesselbach⸗Butzbach, Joh. Weil⸗Münzen⸗ berg, Hermann Zorn⸗Hoch⸗Weisel, Heinrich Neb⸗ Nieder⸗Ohmen.
* Gießen, 18. Nov. Außerordentlich belebt war gestern unsere Stadt. Der preußische Bußtag hatte die Ausländer scharenweise nach Gießen geführt. Allein von Wetzlar waren Hunderte von Menschen hier. Unsere Geschäftswelt dürfte über den Bußtag in Preußen keineswegs bös sein. Namentlich egen Abend konnte man sehen, wie fast in allen
äden sich zahlreiche Käufer befanden. Das an⸗
genehme Wetter dürfte natürlich nicht wenig dazu beigetragen haben, so viele Menschen zum Reisen zu veranlassen. Hoffentlich haben die „Preußen“ nicht vergessen, trotz ihrer Reise in das Hessenland„Buße“ zu thun.
* Gießen, 18. Nov. Der Verein zur Züchtung reiner Hunderassen in Gießen bekommt Konkurrenz. Dessen ehemaliger erster Vorsitzender, Herr Ferd. Windecker, hat bei dem Kuratorium ünserer Rennbahn angefragt, ob man ihm die Anlage eines Schliefplatzes auf dem freien Platz in der Mitte der Rennbahn gestatten würde. Der Anfragende ist daraafhin aufgefordert worden, einen Plan solcher Anlage einzureichen.
* Gießen, 18. Nov. Man schreibt uns vom Westerwald aus Marienburg: Ihre Leser erinnern sich wohl noch des durch die„Hess. Landeszeitung.“ s. Ot. veröffentlichten Anschlags des Kreisphysikus Dr. Roth⸗ Marienburg am „schwarzen Brett“ der neuen Klinik zu Gießen. Der Anschlag erregte damals um des willen
großes Aufsehen, weil Dr. Roth junge Aerzte warnte, sich im Westerwald und speziell in Marienburg niederzulassen, weil diese dort keine auskömmliche Praxis erhalten würden und am Hungertuche nagen müßten. Dank der Bekannt⸗ machung dieser Behauptung durch die Presse hat es damals trotzdem ein zweiter Arzt gewagt, in unserem Kreise seinen Wohnsitz aufzuschlagen und fand bisher sein Auskommen, wenn er auch keine Aussicht hat, Millionär zu werden. Was thut nun Dr. Roth, der s. Zt. öffentlich durch seinen Anschlag erklärt hat, ein zweiter Arzt fände in Marienburg und Umgegend keine Be⸗ schäftigung? Derselbe hat sich einen Assistenz⸗ arzt, also einen dritten Heilkünstler kommen lassen. Unsere Bevölkerung ist darüber teilweise empört. Denn wird die Praxis noch einmal geteilt, dann allerdings vermag sich der zweite Arzt nur schwer zu behaupten, der Aufent⸗ halt wird ihm verleidet, und Dr. Roth wird wieder Alleinherrscher im hohen Westerwald, einem Gebiet, wo ein Arzt unmöglich alle Kranken allein behandeln kann.
Gießen, 18. Nov. Der Regierungsbau⸗ meister Jordan ist zur Eisenbahn⸗Maschinen⸗ inspektion in Mainz abgeordnet. Dem Ge⸗ nanntenzist die ständige Vertretung des Vorstandes der hiesigen Eisenbahn⸗Maschineninspektion über⸗ tragen worden.
* Gießen, 18. Nov. Das Zurückhalten von Zeugnissen der Angestellten seitens der Arbeitgeber nach der Lösung des Dienstverhält⸗ nisses macht diese nach einem Urteil des Kölner
Gewerbegerichts in jedem Falle entschädi⸗ Nane e as Gericht entschied, der rbeitnehmer brauche nicht den Beweis zu er⸗
bringen, daß er thatsächlich wegen Fehlens der Zeugnisse eine neue Stellung nicht habe erhalten können. In dem betreffenden Falle wurde ein Fabrikant zur Zahlung einer täglichen Entschä⸗ digung von 3,30 4 an einen Magazinverwalter verurteilt, gerechnet vom dritten Tage nach der Lösung des Arbeitsverhältnisses ab.
»»Gießen, 18. Nov. Die Durchschnitts⸗ dauer des menschlichen Lebens beträgt nach den neuesten ee eines ameri⸗ kanischen Arztes ungefähr 33 Jahre. Ein Viertel der Menschheit stirbt vor dem 17. Lebens⸗ jahre. Wer über dieses kritische Alter hinaus ist, kann aller Voraussicht nach recht alt werden. Von je tausend Personen erreicht jedoch nur eine das hundertste Jahr, von je hundert Menschen erleben höchstens sechs das 65. und von fünf⸗ hundert nur einer das 80. Lebensjahr. Von den 1500 Millionen Bewohnern der Erde
Redaktion und Expehition: Kreuzplatz Nr. 4.
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lialen: Alten⸗Buseck, Daubringen, Fellingshausen, Flensungen, Garbenteich, Or ⸗Buseck r.⸗Linden, Grünberg, Hausen, Heuchelheim, Göns, Launsbach, Lauter, Leihgestern, Lollar, Mainzlar, Queckborn, Rödgen, Rodheim, Stangen
Hochelheim, Kinzenbach, Kl⸗Linden, Krofdorf, Lang⸗
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starben 33 333 333 in jeden Jahr, 91824 an jedem Tage.
* Gießen, 18. Nov. Die hiesige Orts⸗ krankenkasse wird am Sonntag Nachmittag von 3 Uhr ab auf dem Lenzschen Felsenkeller ihre Generalversammlung abhalten. Da sehr wichtige Gegenstände zur Beratung stehen, über welche die Meinungen zwischen Kassenmit⸗ gliedern und dem Vorsitzenden sehr differieren,
kommen. Gegen den Vorsitzenden, Herrn Bau⸗ unternehmer Winn, herrscht unter den Kassen⸗ mitgliedern allgemeine Mißstimmung. Es wird dem Vorsitzenden zum Vorwurf gemacht, daß er in Kassenangelegenheiten zu eigenmächtig verfahre. * Gießen, 18. Nov. Gestern Abend er⸗ stattete Landgerichtsrat Müller auf Veran⸗ lassung des hiesigen Detaillistenvereins im Saale des Hotel Einhorn Bericht über die beabsichtigten Aenderungen der Handelsgesetzgebung im Anschluß an das geltende Recht. Der Redner gab eine kurze geschichtliche Dar⸗ stellung des seit 1862 bestehenden alten Rechts, an dem seither wenig ergänzt und repariert sei. Es sei erklärlich, daß in diesem alten Handels⸗ gesetz manches enthalten sei, was eigentlich in das gemeine Recht hineingehöre, aber man müsse bedenken, daß 1862 in Deutschlaud überhaupt kein einheitliches Recht bestand. Es sei aber auch begreiflich, daß die Notwendigkeit einer Neuordnung des Handelsgesetzbuches sich fühlbar machen mußte mit der rapiden Entwickelung des deutschen Handels. Der Handel habe in gewisser Beziehung ganz neue Bahnen eingeschlagen, andere Faktoren, als sie 1862 maßgebend waren, seien dazugekommen, z. B. die ganz neuen Formen der Assoziationen usw. Das neue Gesetz, welches vom Reichsjustizamt ausgearbeitet ist und von dem man sagen kann, es sei teilweise eine Neu⸗ bearbeitung des seither bestehenden Handelsrechts, um anderen Teil aber ein ganz neues Gesetz, fe nicht etwa ein Juristengesetz. Die Handels⸗ kammern von ganz Deutschland hätten dasselbe schaffen und beraten helfen, weite Kreise des Handels hätten daran mitgearbeitet, und man müsse zugestehen, alle berechtigten, dabei in Be⸗ tracht kommenden Interessen seien in dem Gesetz berücksichtigt. Ganz neue Rechtsmaterien seien entstanden, z. B. die Kapitel über Handels⸗ agenten, Handels⸗ Makler, das Lagergeschäft. Bedeutend ergänzt seien die Kapitel über den Eisenbahntransport und wesentlich modifiziert sei das Handelsgehilfen⸗Recht. Es könne nicht seine Aufgabe sein, so führte der Redner aus, erschöpfend über das neue Recht sich zu ver⸗
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Natalys Verlobung. Novellette von Anna Treichel. (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Woher weißt Du diese erlesene Neuigkeit denn, Jürg?“ fragte sie.
„Von Fahgant persönlich, er kam gerade aus'm Blumenladen, hatte'n Bündel Liebesheu bestellt, wir prallten sozusagen zusammen,— er mit selig verzückter Visage!„Was Neues 7“ fragte ich so en passant.„Ja, aber sehr, habe mich mit Fräulein Grete Konner verlobt, morgen kommts gedruckt mit Goldschnitt!“ sagte. 505
„Also selig⸗verzückt sah er au f
810 175 ich Dir,— er muß die Kleine doch wirklich lieben.“ In Jürgs Lieutenantsgehirn schien dieses Verlobungsmotiv größtes Staunen und Bewundern e e 5
„Du gratuliertest gleich?“ 5
„Na 15 chte en pyramidales Glück und schalt, daß er die Geschichte so heimlich betrieben, kein Mensch im Regiment wußte was.“
„Und was meinte er?“ 11.
„Feixte ganz hinterlistig,— ola, ja, Kamerad, die echte Liebe sitzt tief und verborgen im Herzen und hält sich still,— e' ist auch genug, wenn mans nur selber merkt und die, der es gilt! 1 Gott Strammbach, wo der Kerl all' die weisen Redewendungen immer aufgabelt!“
Jürg, welcher sichs inzwischen hatte gut schmecken lassen, legte Gabel und Messer beiseite und wischte ich den Mund.
„Denk' mal die Hochzeit, was es da für feine Weine geben wird!“ sagte er schmunzelnd und setzte hinzu:„Na, Natterchen, solltest man auch machen, daß Du unter die Haube kommtst,— die Grete Konner kanns schon mit Siebzehn!“ f
Nataly krauste die Stirn:„Jeder nach seinem
B 3* 1 elieben und strich sich den Uniformrock
Nun gehe ich schlafen, wenn die jungen Hunde satt find, machen sies auch so. Proste Mahlzeit!“ Damit entfernte er sich befriedigt. Seine Neuigkeit war er nun ja glänzend losgeworden. Zuerst noch an den Assessor B. auf der Promenade und nun an Nataly. Und Effekt hatte sie gemacht, Donner 11mm 88
Nataly blieb noch im Zimmer, sie stützte den Kopf in die Hand und sann nach.
Diese überraschende Verlobung gab ihr zu denken. 71
Zu ärgerlich, diese Verlobung, wenn dieselbe sie schließlich auch garnichts anging! 8
Aber doch,„uneigentlich“ ging es sie immer⸗ Sie spann diesen Gedanken aus.
Grete Konner, solch ein halbes Kind noch, und schon Braut! Und Nataly selber mit ihren 22 Jahren noch unverlobt! Das lag zwar in ihrer eigenen Hand, ausschließlich,— sie warf den Kopf hoch— und das wußte man auch, man konnte Nataly von Schulfens wählerischen Geschmack! Aber Nataly war weltkundig, sie wußte, daß man allmählich doch sagen würde, wie es vielleicht hie und da schon jetzt jemand sagte: Mit der Nataly wird es nun auch Zeit, alt genug ist sie, schließlich bekommt sie gar keinen Mann mehr, alles schon dagewesen!“ Und auch Bruder Jürg hatte sich wiederholt dahin geäußert, daß sie so lange„rum⸗ quirlen würde, bis der ganze Brei in die Asche fiele und sie dann dasäße wie Augustin im Dreck!“
Und nun Grete Konners Verlobung, das würde zu reden geben und vor— allem Anlaß zum Ver⸗ gleichen! Man würde die bräutliche Grete, dieses kleine, wenn auch ganz liebliche Gänseblümchen ihr, Nataly, der stolzen, aber doch einsamen Rose gegen⸗ überstellen, Bemerkungen austauschen, Parallelen i AUnerträglich! e Nala letzthin schon öfters erwogen, nämlich an ihre eigene Verlobung zu denken, nahm jetzt eine festere Form an, la, war fast zum be⸗
hin etwas an.
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lächelte stolz. Aber wen? Lieben, wirklich lieben that Nataly keinen, das kam also nicht in Betracht, darauf durfte sie auch nicht warten; sie würde niemand lieben, weil dieses Gefühl einfach in ihrem oberflächlichen, keiner tieferen Regung fähigen Herzen überhaupt nicht aufkeimen und existieren konnte! Gefallen that ihr mancher, war aber aus diesem oder jenem Grunde kein geeigneter Gatte für sie. Sie dachte an den und jenen ihrer Bewerber, welche sich um ihre Gunst bemühten und denen nur ein klein wenig mehr Entgegenkommen ihrer⸗ seits das entscheidende Wort auf die Lippen treiben würde.
Da blieben nur zwei zur engeren Wahl. Der
eine elegante Salonfigur, 100000 Mark Privat⸗ vermögen dazu,— und dann der Rittergutsbesitzer und Lieutenant der Reserve von Ohnstädt, ein blonder Recke, natürlich auch reich! An beiden hatte sie im Grunde nichts auszusetzen,— Pflammern gewann durch sein witziges heiteres Wesen, Ohn— städts würdige Ruhe wirkte jedoch ebenso ein— nehmend.
Nataly überlegte her und hin, einen festen Entschluß gefaßt, Schicksal entscheiden lassen.
„Sonnabend ist der Ball bei Frau von Badel“, sprach sie zu sich selber,—„dort soll sichs ent⸗ scheiden, das Schicksal wird mir schon sicherlich einen Wink geben und den will ich dann beachten!“
Sie stand auf, nickte im Vorbeigehen ihrem Bilde im Spiegel mit befriedigtem Lächeln zu und schrieb dann ein Billet an ihre Modistin, daß sie morgen um vier Uhr nachmittags dort erscheinen werde, um die neue Balltoilette anzuproben.
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endlich hatte sie sie wollte das
Auf den von Frau von Badel veranstalteten Festlichkeiten amüsierte sich ein Jeder, das stand nun einmal fest,— und kommen thaten alle gern, auch das war eine alte Thatsache, ohne zwingenden
g luß herangereift. stimmten Entschluß heraus— Nataly
Jürg erhob sich
entlang.„Habe mich aber schöne vollgegessen!
Sie brauchte ja nur zu wählen,
Grund blieb niemand aus. Wenn man hereintrat
Hauptmann von Pflammern, ein brünetter Adonis, z
rod, Staufenberg, Steinbach, Steinberg, Ulrichstein, Watzenborn, Wetzlar, Wieseck, Wißmar.
breiten, er wolle in kurzem Abriß sich nur mit dem Handelspersonenrecht beschäftigen, welches allein gegen 100 Paragraphen enthalte. In ganz interessanter Weise verstand es der Redner, die Hörer zwei Stunden lang mit dem an sich trockenen Thema zu fesseln, indem er durch Bei⸗ spiele aus der Praxis für seine Ausführungen die handgreiflichsten Vorbilder gab. Der Ver⸗
U sammlung wohnten die Mitglieder der Handels⸗ dürfte es zu lebhaften Auseinandersetzungen
kammer und viele junge Juristen bei, nur der überwiegende Teil der Mitglieder des Detail⸗ listenvereins glänzte durch Abwesenheit.
Gießen, 18. Nov.(Krankenauf⸗ nahme in die Klinik.) Mit Bezug darauf, daß es vielfach vorgekommen ist, daß erkrankte hilfsbedürftige Gemeindeangehörige und Kassen⸗ mitglieder sich behufs Aufnahme in unsere Kliniken hierher begeben, ohne die vorschrifts⸗ mäßige Bescheinigung des Gemeindevorstandes, bezw. des Vorstandes derjenigen Gemeinde⸗ oder Krankenkasse vorlegen zu können, welche zur Tragung der entstehenden Verpflegungstosten verpflichtet ist, erläßt die Verwaltungsdirektion der neuen Kliniken folgende Bekanntmachung: „Da von Seiten der Kassenvorstände mehrfach die Zahlung der eutstandenen Verpflegungskosten für erkrankte Kassenmitglieder aus dem Grunde abgelehnt wurde, weil der betreffende Kranke von ihnen nicht eingewiesen worden sei, so sehen wir uns veranlaßt, um die hierdurch uns entstehen⸗ den Nachteile für die Folge zu vermeiden, künftig⸗ hin nur
1. diejenigen Erkrankten in unsere Anstalt aufzunehmen, welche eine Bescheinigung des Gemeindevorstandes, bezw. des Vorstandes der zur Zahlung verpflichteten Kasse vor⸗ legen, woraus hervorgeht, ob und event. wie lange die betreffende Kasse zur Zahlung der entstehenden Kosten sich verpflichtet oder welche eine entsprechende machen.
Ganz besonders wird noch hervorgehoben, daß die von den Herren Aerzten ausgestellten Bescheinigungen bezüglich Uebernahme der Kosten auf die zahlungspflichtigen Kassen nicht genügen, vielmehr diese Bescheinigungen nur vom Vor⸗ stande auszustellen sind.“
* Darmstadt, 17. Nov. Am gestrigen Tage war der vierte Ausschuß der zweiten Kammer zusammen, um über den Antrag des sozialdemo⸗ kratischen Abgeordneten Ullrich betreffend Er⸗ richtung einer Landes⸗Lungenheilanstalt zu beraten. Dabei spielte sich eine recht be⸗ zeichnende Episode ab. Die Regierung ver⸗
2. Kostenvorlage
in die licht- und wohlgeruchdurchfluteten Räume, das schillernde Gewoge von geschmückten Menschen, all die frohen Gesichter sah, so umhüllte die Ball⸗ saalluft sofort die Sinne mit ihrem bestrickenden Hauche, so fühlte man sich sofort heiter und animiert gestimmt. Man dachte nicht mehr daran, daß es auch Elend und Jammer auf der Welt gäbe, der zerfallenen Hütten mehr als glänzende Prunk⸗ säle! dachte nicht daran, daß auch dieser schöne Ball nur wenige Stunden dauere, welche bald ver⸗ flogen wären, und dann manches zerrissene Kleid, manches betrübte Herz im Gefolge hätte und die Thränen derer, welche vor den Leuten lächelten, um daheim im stillen Kämmerlein desto tiefer zu ver⸗ agen,— man lebte nur dem Augenblicke.
Nataly von Schulfen war heute schöner und strahlender denn je und aus ihren Mienen sprach vollste Zufriedenheit über sich selber, das Fest und die eigene Bedeutung auf demselben. In ihrem Herzen aber lebte die Spannung und Erwartung, — das Schicksal sollte heute ja entscheiden!—
Sie hatte soeben mit Herrn von Ohnstädt ge⸗ tanzt und lehnte nun, sich eifrig fächelnd, etwas abseits in einem Sessel, wohin ihre Partner sie geführt. Er selber war neben ihr stehen geblieben, ihre Erscheinung mit warmem Blicke umfassend, sein Antlitz nahm einen ernsten Ausdruck an, man sah es ihm an, daß er etwas auf dem Herzen hatte.
„Hu, was machen Sie denn plötzlich für ein ernstes Gesicht, Herr von Ohnstädt, Sie denken wohl über die Quadratur des Zirkels nach!“ lachte Nataly ihn an.
„Nicht doch, Fräulein von Schulfen,— aber trotzdem ists ein Zirkel, ein gar wundersamer, in welchem sich all' meine Gedanken einherbewegen,— ein echter Zauberkreis,— immer rundherum, immer um denselben einen leuchtenden Gegenstand“ seine Stimme bebte leist.
(Schluß folgt.)


