Ausgabe 
19.5.1897
 
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Gießen, Mitwoch, den 19. Mai

1897.

Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

sche Landeszeitun

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion:

2 Kreuzplatz Nr. 4. 8

lokales und Provinzielles.

* Gießen, 18. Mai. Die Uebergabe des tuen Sportplatzes an der Hardt, wie die Einweihung des neuen Ver⸗ tmmlungszimmers an die Vorstände Kuratoriums der Rennbahn Gießen 1897 id derWanderer Gießener Radfahr-⸗Gesell⸗ haft fand am vergangenen Samstag Abend fTextors Terrasse statt. In Vertretung s Herrn Rechtsanwalt Dr. Jung eröffnete

err Wilhelm Homberger die Feier und teilte sofort dem Haupte des ganzen Unter ahmens, Herrn Gg. Bichler das Wort. Der⸗ l be führte ungefähr folgendes aus: In richtiger rtenntnis der Bedeutung einer Rennbahn für ir Hebung des Radfahrsports in Gießen faßten n Herbste vergangenen Jahres die Herren Bilh. Homberger, Chr. Duill und Wilh. Hamel em Entschluß, eine erstklassige Bahn in Gießen zulegen; ein Entschluß, der bald auch zur Iusführung kam und zwar aufgrund eines mit herrn Bichler abgeschlossenen Vertrags. Bald lerkten jedoch die Unternehmer, wie große schwierigkeiten sich ihnen in den Weg stellten, ad nur der Gedanke, daß das, was andere Sportszweige, hauptsächlich Ruderer und Turner, kleistet und erreicht haben, auch von den Rad sihrern geleistet werden kann, ließen die anfäng⸗ schen Befürchtungen bald schwinden. Auch in r technischen Anlage sei man auf große Schwierigkeiten gestoßen, war doch kein Vorbild da, nach dem man sich richten konnte und war num doch nur angewiesen auf Unterredungen mit lechnikern und Rennfahrern; aber auch diese hindernisse wurden überwunden, Dank dem Ent⸗ segenkommen Fremder und der regen Thätigkeit ler Erbauer. Für diese ihre Thätigkeit und lufopferung zollt Herr Bichler warme Worte es Dankes allen Denen, welche an dem Werke mitgearbeitet, besonders dem technischen Leiter es ganzen Unternehmens, Herrn Jean Kröhler, hwie Herrn Herdt aus Frankfurt a. M. nebst Arbeitspersonal für die vorzügliche Ausführung er Cementarbeiten, welche trotz der Unbill der Witterung rechtzeitig fertig gestellt wurden. Um zun auch weitere Kreise für die Bahn zu inter⸗ ssieren, erfolgte im Februar d. J. die Gründung desKuratorium der Rennbahn Gießen 1897. lmter der Versicherung stets treu zur Sache zu halten und der Hoffnung Raum gebend, daß die bahn am 30. Mai die Probe gut bestehen möge

und daß das Ziel, die Hebung des Radfahr⸗ ports in Gießen erreicht werde, übergiebt Herr

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Ispaltige Petitzeile.

Bichler die Bahn an die Vorstände beider Ver⸗ eine. Herr Homberger übernimmt unter Worten des Dankes an Herrn Bichler die neuen Anlagen mit Wirkung vom 1. April l. J. Durch das großartige Entgegenkommen des Herrn Bichler sei mehr geschaffen worden, als man in den kühnsten Hoffnungen erwartet hatte und man könne mit Beruhigung den Rennen am 30. Mai entgegensehen. Aber nicht allein an die sportliche Seite hat Herr Bichler gedacht, sondern er versteht es auch, die Gemütlichkeit zu fördern. Zeuge hiervon ist das reizende Ver sammlungszimmer derWanderer, welches Herr Bichler mit Szenen aus dem Radfahrwesen und mit dem Bundes⸗ und Vereinsabzeichen hat schmücken lassen. Mit einem dreifachenAll Heil auf die Familie Bichler schließt Herr Homberger seine Ausführungen. Herr W. Weiß toastete auf das gute Einvernehmen zwischen Kuratorium undWanderer und Herr Jean Kröhler widmete seinAll Heil den Hoffnungen, welche mit der Uebernahme der Bahn verknüpft sind. Nicht unerwähnt mögen die Solovorträge des Herrn Hüttenberger(Violine) bleiben, wie man überhaupt der Musik die höchste Aner⸗ kennung für ihre Leistungen zollen muß. Vor⸗ träge wechselten mit Gesängen ab und hielten die Teilnehmer noch bis zu früher Stunde zu⸗ sammen, dann erst bei Tagesgrauen traten die letzten den Heimweg an.All Heil!

Gießen, 18. Mai. Die Eisenbahn⸗Direk⸗ tion Frankfurt a. M. teilt der großh. Handels⸗ kammer das folgende mit: Am 1. Juni d.. wird an der Strecke Lollar-Wetzlar zwischen den Stationen Lollar und Launspach der Halte⸗ puult Wißmar eröffnet. Derselbe dient nur für den Personenverkehr. Die Ausgabe der Fahrkarten geschieht durch den Zugführer und erstreckt sich nur auf den Verkehr mit den Sta⸗ tionen an der vorgenannten Bahnstrecke.

* Gießen, 18. Mai. Nach dem Jahres- bericht des Oktroiinspektors Mäser pro 1896/97 beträgt A. das Oktroieinlommen unserer Stadt: 1. von Schlachtvieh 33 749 1. 55(31 491,99 A); 2. von Fleisch und Wild⸗ pret 5915,95 1(4789,59); 3. von Brennmate⸗ rialien 31 007,51 4(29 298,54); 4. von Mehl, Früchten und Backwaren 32 934,68%(31 602,56); 5. von Getränken 29 080,71 4(29 127,83); im ganzen 132 688,40 4(126 310,51); mithin in 1896/97 6377,89. mehr. B. die Rückver⸗ gütungen betragen: 1. für Schlachtvieh und Fleisch 935,10%(645,08); 2. für Brenn⸗

materialien 593,08 l(743,94); 3. für Mehl,

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

S 2

Früchte und Backwaren 19 226,79 4.(17 782,38); 4. für Getränke 5590,89.(4886,31); 5. an das Militär 2921,44,(3063,67); im ganzen 19 067,30 1(27 121,38); mithin in 1895/96 1945,92 1 mehr. C. Absschluß: von dem Einkommen 132 688,40 4(126 310,51); die Rückvergütungen ab 29 067,30.(27 121,38) bleibt 103 621,10.(99 189,13), daher in 1896/97 4431,97 ½ mehr.) Ensprechende Ziffern aus dem Vorjahr.

Gießen, 18. Mai. Eine neue Art des Vertriebes ihrer Waren hat ein Versandhaus in Aachen eingerichtet. Indem es in marktschreie rischer Art den Wirten großen Nebenverdienst in Aussicht stellt, wirbt es diese als Agenten für sich an und verheißt diesen Leuten ohne große Mühe einen schönen Nebenverdienst, wenn sie in ihren Lokalen einkünstlerisch prachtvoll aus⸗ geführtes Reklamebild der Firma aushängen wollen, wofür dem betreffenden Wirt 8% von jeder Bestellung, die infolge davon erfolgt, in bar versprochen werden. Die Wirte erhalten von der Firma Postkarten mit Kontrollzeichen, auf welche die Reflektanten ihre Bestellungen dem Hause mitteilen. Zuerst wird dem Wirt natürlich geraten, sich selbst Stoff zu einem An⸗ zug kommen zu lassen, damit er sich von der Güte der Waren überzeugt und dieselben dann weiter zu empfehlen in der Lage ist. Wir sind überzeugt, daß es nur wenige Wirte giebt, welche sich zu e Thun bereit finden. Die Gießener Wirte sind wohl mit uns der Ansicht, daß es im Interesse des eigenen Gemeinwesens liegt, wenn das Geld in der Stadt bleibt und nicht nach auswärts wandert.

* Gießen, 18. Mai.(Politik in der Kirche.) Die neueste Nummer der sozialdemo⸗ kratischenMitteldeutschen Sonntags-Zeitung veröffentlicht unter der vorstehend angegebenen Spitzmarke einen Artikel, der die weiteste Ver breitung verdient. Der Artikel lautet wie folgt: Es ist bei uns in letzter Zeit wieder viel darüber geklagt worden, das einzelne Pfarrer im Kreise Gießen die Kanzel benutzen, um über die Sozialdemokraten los zu ziehen. Die Herren Geistlichen scheinen gar nicht ein⸗ zusehen, daß sie damit ihren Zuhörern geradezu gewaltsam den Besuch der Kirche ver⸗ leiden. Man denke nur: Im Kreise Gießen giebt es Dörfer, in denen die Mehrheit der Einwohner Sozialdemokraten sind. Sie stellen auch den größten Teil der Kirchen- besucher, eine Thatsache, die man immer

den Verleumdern vor Augen führen sollte, die uns nachsagen, wir wollten die Religion ab⸗ schaffen und dergleichen. Nun versetze man sich in die Lage dieser Sozialdemokraten, denen der Seelsorger allsonntäglich vorpredigt, welche schlechten Kerle sie sind. Daß das, was der Prediger in dieser Beziehung sagt, unwahr ist, wissen doch unsere in der Kirche sitzenden Parteigenossen. Sie sind zunächst unwillig über das Verhalten desPärrner, halten sich im Wirtshaus darüber auf und bleiben schließlich der Kirche fern. Dann räsoniert der Pfarrer erst recht von der Kanzel herab über diegottlosen Sozial⸗ demokraten, sieht aber nicht ein, daß er 1 die Leute der Kirche entfremdet 0 9 Weiter wird dann in dem Artikel gesagt, daß sich die Herren Pfarrer ebenso wenig um die Parteizugehörigkeit ihrer Gemeindeglieder kümmern sollten, wie sich die Sozialdemokraten um die religiösen Anschauungen ihrer Par⸗ teigenossen kümmerten. Das müsse für beide Teile Privatsache sein. Zum Schluß fordert das genannte Blatt auf, ihm Mitteilung zu machen,wenn Pfarrer weiter von der Kanzel herab in Sozialistenhatz machen. Es soll dann in den Dörfern in öffentlicher Volksversammlung über die Bestrebungen der Sozialdemokratie ge⸗ sprochen und festgestellt werden,wie weit die Herren Geistlichen in ihrer Schilderung der sozialdemokratischen Partei bei der Wahrheit ge⸗ blieben sind. Selbstverständlich würden die be⸗ treffenden Herren Geistlichen besonders zu diesen Versammlungen eingeladen. Wir müssen es auch entschieden mißbilligen, wenn die Kanzel dazu benutzt wird, Politik zu treiben. Wer sich politisch bethätigen will, soll in die Volksver⸗ sammlung gehen, wo alle Teile zum Wort

kommen können, was in der Kirche nicht der Fall ist.

* Gießen, 18. Mai. Wir hören, daß die eingegangenen Entwürfe zum Volksbad

Ende dieser Woche öffentlich ausgestellt werden. Der Beginn der Maurerarbeiten soll bald vor sich gehen, damit der Bau in diesem Jahre noch unter Dach kommt und über Winter austrocknen kann.

Gießen, 18. Mai. Spruchliste der für die am 14. Juni d. J. beim Land⸗ gericht Gießen beginnende Schwur⸗ gerichtstagung: Justus Lenz, Hotelbesitzer, Gießen; Caspar Horst II, Ruppertenrod, Karl Pfannstiel, Rechner, Ulrichstein; Ludwig Kinkel IV,

Der Wildfang. Von O. Seeher. (Nachdruck verboten). (Schluß.)

Diese hätte nun wirklich fliehen mögen, weit, weit fort, allein die Füße versagten ihr den Dienst; wie angewurzelt blieb sie stehen und starrte auf das emscheinend recht vertraute Paar.

Da blickte Walter auf.Gertrud, mein Alles! mef er und eilte auf sie zu. Du kommst zur sechten Stunde.

Allein sie streckte ihm abwehrend die Hände titgegen. Dann schien sie der Rest ihrer Selbst leherrschung verlassen zu haben; sie wäre umge sunken, wenn sie Walter nicht vorsorglich in seinen Urmen aufgefangen hätte.

Er trug die Willenlose zur nächsten Quelle, und hier erbolte sie sich unter seinen und des

Fräuleins Bemühungen allmählich. Dann führte r sie zur Bank, lehnte ihren Kopf an seine Schulter und beruhigte sie mit den zärtlichsten Ausdrücken. Auch ihre angebliche Nebenbuhlerin stzte sich zu ihr und drückte ihr warm die Hand.

Als Gertrud die Augen aufschlug, blickte sie in gas Antlitz eines unschuldsvollen Kindes, dem die bellen Thränen auf den Wangen perlten und daun n Walters Augen, die sie hatte meiden wollen und nie doch nur die innerste Liebe zu ihr bekundeten. Es war ihr, als ob sie aus einem bösen, schweren Traum erwachte. Angst und Zweifel, die ihr Gemüt so namenlos beunruhigt, schwanden; Ruhe und Besonnenheit traten an ihre Stelle, und das alte seelische Gleichgewicht, das Gertrud ehedem noch in keiner Lebenslage verlassen, kehrte zurück, mit ihm die Seligkeit jenes Augenblickes, indem er ihr seine Liebe offenbart hatte.

Sprich das Zauberwort noch einmal aus und ich glaube Dir; flüsterte sie.

Er verstand sie:Gertrud sei mein, wie ich Dir angehöre für alle Zeit! sprach er innig dann

betzte er lächelnd hinzu:O, Du kleine Eifersucht!

Du hast mich für flatterhaft gehalten, und da der Schein gegen mich ist, so soll Dir das Recht der Aufklärung zu teil werden; höre mich an! Und

nun berichtete er in gemütvoll launiger, doch so zweifellos wahrheitsgetreuer Weise, daß das völlig überzeugte Bräutchen bald an seinem Halse hing und ihm den Mund mit seinen Küssen verschloß.

Auch die kleine Unschuld empfing ihren Teil.

Verzeiht mir beide! bat Gertrud weich.Wie konnte ich so thöricht sein; ich habe das erste Examen schlecht bestanden, mein Walter, aber dafür eine Lehre erhalten für mein ganzes Leben!

Ich nicht minder! rief das kleine Fräulein eifrig, dann aber errötete sie, und alle lachten.

So wurde, wie Dorchen vorausgesagt, dieses Quid pro quo oder besser: Quis pro quo, das keine Mitwisser hatte, fortan nur noch scherz⸗ haft behandelt.

Am Polterabende erfolgte dann die feierliche Veröffentlichung der Verlobung. Sie war so geheim gehalten worden, daß jedermann bereits davon wußte.

Ihr folgte das lustigste, aber auch das glanz⸗ vollste Fest, das die Brausewalder Oberförsterei je in ihren Räumen gesehen hat.

Das jüngste Brautpaar Walter und Gertrud verbrachten den Hochzeitsvormittag zum ersten Mal allein im Hirschwinkel. Sie waren glücklich in der verwegensten Bedeutung des Wortes. Gertrud war der alte Wildfang. Sie rannte in den Wald, und Walter suchte sie lange vergebens.

Warte nur, rief er endlich mit lauter Stimme, Du sollst es büßen, Wildfang, Wildfang!

Da vernahm der Flüchtling plötzlich von seinem Verstecke aus helles Lachen und Geplauder. Er⸗ schrocken eilte Gertrud in die Arme ihres Bräutigams

zurück und verriet ihre Wahrnehmung. Beide schritten darauf schleunigst dem Ausgange des Thales zu.

Hier bleiben! rief da plötzlich eine gebieterische Stimme. Sie blickten zurück. Herr des Himmels! Wer hatte diesen Ruf gewagt? Niemand Ge ringeres als der erhabenste Gebieter im deutschen Reiche der Kaiser.

Er befand sich mit einigen Jagd.

Kavalieren auf der

Schon hatte man das junge Paar eingeholt.

Die jählings Ueberraschten Gertrud glühte; ihr Hofknix fiel trotzdem tadellos aus. Der Kaiser betrachtete sie wohlge fällig.

Also Sie sind der Wildfang, der seinem Schatze entlaufen war! sprach der Monarch lachend zu Gertrud.Ei, ei! So kurz vor der Hochzeit! Nicht wahr, Sie sind die Kinder meines wackern Oberförsters Linden, die heute ihre Hochzeit feiern. Stimmt's?

Verzeihung, Kaiserliche Majestät! antwortete Walter befangen,ich bin der Sohn des Ober- försters Linden, und diese Dame ist meine Braut, aber wir sind erst seit gestern verlobt.

Ah! Also ein zweites Brautpaar im Lindenschen Hause. Gratuliere, gratuliere! sprach der Kaiser vergnügt.Grüßen Sie Ihre Eltern und melden Sie meinen Besuch für heute nachmittag drei Uhr. Sie aber, mein Pärchen, lassen sich nicht stören.

Wir haben's auch eilig. Auf Wiedersehn!

Die Trauung in Brausewalde war beendet; man erwartete Seine Majestät. Der Kaiser erschien pünktlich, die Frau des Hauses führend, im soge nannten Kaisersaale der Oberförsterei. Ihm folgte der Adjutant an der Seite des Hochzeitsvaters.

In der Mitte des reich mit Elch- und Hirsch köpfen ausgestatteten Gemaches hatten die von den Brautführerpaaren umgebenen Neuvermählten Auf⸗ stellung genemmen. Rechts und links an den Wänden: die lebensgroßen, mit Blumen geschmückten Gemälde der Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. Im Hintergrunde: die weit geöffneten Balkonthüren und Bogenfenster, die einen Blick in den Garten und auf die dort versammelten, festlich gekleideten Landleute gestatteten.

Die Lindenschen Kleinen begrüßten den Landes- vater an der Thür und überreichten Sträuße und Feldblumen. Die Musikanten aus der Stadt, die später zum Tanze aufzuspielen hatten, donnerten einen Tusch von der Empore herunter.

Alles verneigte sich, und das junge Ehepaar schritt Seiner Majestät entgegen.

In verbindlicher Weise sprach der Kaiserliche Herr seinen Glückwunsch aus; er kam nicht mit

leeren Händen.

verbeugten sich tief.

Der Oberförster und sein Schwiegersohn, der Forstassessor aber hatten sich eines besonderen Gnadenbeweises zu erfreuen, indem der erstere zum Forstrat, der letztere zum Oberförster ernannt wurde.

Auch Mama Linden, die den hohen Herrn schon wiederbolentlich in ihrem gastlichen Hause bewirtet hatte, sah sich hochgeehrt.

In ebenso unterthänigen, wie treuherzigen, markigen Worten gab der neue Herr Rat seinem Danke für die Allerhöchste Gnade und Auszeichnung Ausdruck, die seinem bescheidenen Hause widerfahren, worauf er die Bitte an seine Majestät richtete, auf die Veranda hinaustreten zu wollen.

Und hier kam es nun zu einer Huldigung, wie sie dem geliebten Landesherrn nicht immer zu teil wird. Etwa in derselben Weise huldigen ihm in Wald und Flur die rauschenden Wipfel der Bärme, das wogende Kornfeld, die nickenden Blumen.

Ueberwältigend brauste der Jubelruf der tausend köpfigen Menge friedlicher ostpreußischer Landbe⸗ wohner zu dem Kaiser empor. Dem biedern, treuen Forstrat standen die Thränen in den Augen, aber auch der Monarch war sichtlich überrascht und be⸗ wegt. Er drückte ihm warm die Hand, dann trat er vor und sprach die bedeutungsvollen Worte: Dank, aus tiefstem Herzen Dank für Eure Treue! Hier ist sie noch unverfälscht. Stehet fest, wenn der Versucher auch an Euch herantreten sollte.

Nach der Tafel hielt der Kaiser in leutseligster Weise Cercle, und nun hatte auch Gertrud die Ehre, vorgestellt und sofort erkannt zu werden.

Sieh da, der Wildfang! neckte der Hohe Herr.Hoffentlich erfahre ich nie wieder, daß Sie dem Manne Ihrer Wahl davongelaufen sind. Wann und wo soll die Hochzeit sein?

Der Zeitpunkt ist noch nicht bestimmt, Kaiser⸗ liche Majestät! antwortete Gertrud unbefangen und glückselig.Das Fest aber wird in Berlin in meinem Elternhause gefeiert werden.

Also eine Landsmännin! sprach der gütige Herr.Das freut mich. Vergessen Sie ja nicht, mich einzuladen.