Ausgabe 
17.7.1897
 
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Nr. 165

Gießen, Sonnabend, den 17. Juli

1897.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

Hessische Landeszeitung

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion:

Kreuzplatz Nr. 4. 8* 8

kokales und Provinzielles.

* Gießen, 16. Juli. Ernannt wurden m 12. Juli der Hilfsgerichtsschreiber am Amts⸗ richt Gernsheim ikolaus Distel zum slsgerichtsschreiber am Amtsgericht Orten erg und der Hilfsgerichtsschreiber am Amts richt Ortenberg Daniel Jullmaun um Hilfsgerichtsschreiber am Amtsgerichte gernsheim.

Gießen, 16. Juli. Im Monat August geht der großh. Musikdirektor Krauße,

deb Dirigent unserer Militär⸗Kapelle, den Tag, 8 9

u dem er vor 25 Jahren seinen Dienst Gießen übernahm. Man hört, daß die

gigen Körperschaften, welche der Mitwirkung

i Kraußeschen Kapelle manchen Erfolg ver

Inken, diesen Anlaß benutzen werden, um deren

lter eine Aufmerksamkeit zu erweisen. Gießen, 16. Juli. Bei dem am Sonn⸗ ig in Preungesheim stattgehabten 11. Verbands⸗ e des Athleten⸗Verbandes Maingau, zm auch der Geßener Stemm⸗ und Ring⸗ errang letzterer drei Preise; mlich im Senior⸗Stemmen 1. Klasse Joseph zeln den 6. Preis; im Stemmen 3. Klasse W. Aünewald den 3. Preis; Justus Friedrich den . Preis. An dem Konkurrenzstemmen be⸗ ligten sich 180 Mann. Sonntag, 18. Juli det das Sommer fest auf derPulvermühle tl. Mit demselben wird ein Schau- und Reisstemmen, sowie griechisch-römische Ring Ampfe, Pyramidenbau verbunden. Das Konzert ard von der Kapelle des Inf.-Regts. Kaiser Hilhelm ausgeführt. Gießen, 16. Juli. Ueber die Frage, h Ansichts⸗ oder sogen. Briefpostkarten Verkehr nach Ländern des Weltpost⸗ eins zuzulassen sind, hat die Berliner Ober stoirektion folgenden Bescheid erteilt: Für den Jeltpostverkehr kommen deutscherseits besondere lostkarten mit dem Frankostempel zu 10 in wendung. Es ist indes unzulässig, auch Post⸗ ben zu verwenden, welche durch Privatindustrie gestellt sind. Sie müssen aber, wenn die uuze für Postkarten Anwendung finden soll, e allgemeinen Bedingungen für Postkarten er⸗ Alen und hinsichtlich 1 Größe und der sügkeit des Papiers den postamtlich für den kreinsverkehr ausgegebenen Postkarten ent⸗ gechen. Die Absendung von Postkarten dieser It mit aufgedruckten Bildern, sogen. Ansichts⸗ ten ist demnach zulässig.

Gießen, 16. Juli. Das sogenannte hetterleuchten, d. h. ein Blitzen ohne Donner, bisher noch wenig genauere Untersuchungen Fahren, da man sich begnügte, es als ein fernes Jelpstter aufzufassen, bei welchem nur das Licht Entladungen, nicht aber der Schall der Ex⸗ ostonen und das Echo, welches das Rollen des aners erzeugt, zu uns dringt. Wilhelm Ainardus zeigt aber in derMeteorologischen feischrift, daß die Sache nicht so einfach liegt, a bvielmehr eine akustische Anomalie, eine be dere Beschaffenheit der Luft zugrunde liegen ß, da die Hörbarkeit des Donners in der gel 15 Kilometer nicht übersteigt. Es folgt daraus, daß beim Herannahen eines Ge⸗ ters noch kein Donner gehört wird, selbst

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wenn der Himmel von den grellsten Blitzen er leuchtet wird, und daß, wenn nach dem Blitze 4050 Sekunden verstreichen, ohne daß Donner hörbar wird, überhaupt keiner mehr zu erwarten ist. Es ist nun aus den Untersuchungen Mohns und Anderer über die Hörbarkeit der Nebelsignale bekannt, daß, wenn das Berechnungsvermögen der verschiedenen übereinander liegenden Luft⸗ schichten stark von einander abweicht, ein in der Höhe erregter Schall selbst bei kleinen Ent fernungen nicht zur Erdoberfläche gelangt, sondern total nach oben reflektiert wird. Das tritt nun nach Meinardus sehr leicht bei den Blitzdetona tionen in den Wolken ein, weil die Dichtigkeits und Wärmeverschiedenheiten der Luftschichten bei Gewittern sehr bedeutend sind, und die Gehör weite der Gewitter sinkt darum leicht bis auf 12 oder 18 Kilometer herab, während die Blitze immer noch stark, namentlich des abends oder nachts, herüberleuchten. Man spricht dann nicht von fernen Nachtgewittern, sondern es heißt: Das Wetter kühlt sich ab. Je höher der Beobachter sich über der Erdoberfläche befindet, desto größer wird die Schallweite; sie kann auf das Doppelte steigen, wenn der Beobachter sich mit der Schallquelle in gleicher Höhe befindet. Von diesemsubjektiven Wetterleuchten, welches wohl den häufigeren Fall darstellt, muß aber ein durch stille elektrische Entladungen hervor gebrachtes Wetterleuchten unterschieden werden.

F. Weickartshain bei Grünberg, 15. Juli. Gestern Nachmittag hielt Herr Feuerwehrinspektor Loos aus Gießen seine diesjährige Inspektion in unserem Dorfe ab. Nachdem der Brand angriff exakt verlaufen, hielt Herr Loos eine Ausprache an die Mannschaft, in der er seiner vollsten Zufriedenheit über den Verlauf der Uebung Ausdruck gab. Die fachmännischen Aus⸗ führungen, sowie der Hinweis, daß bet einer freiwilligen Feuerwehr noch viel mehr geleistet werden könnte, bewirkte, daß sich die anwesenden Feuerwehrleute bereit erklärten, demnächst der Gründung eines freiwilligen Feuerwehrkorps näher zu treten. Hoffen wir, daß ein solches zustande kommt.

Vermischtes.

Das Haar der Sarah Bernhardt. Frankreichs große Tragödin, die nach dem Ausspruch ihrer Bewunderer heute mit fünfzig Jahren jünger aus⸗ sieht, als da sie fünfunddreißig war, sucht sich diese ihre Jugend besonders in der Pflege ihres wahrhaft herrlichen Haares zu erhalten. Und in der That ist Sarah Bern⸗ hardts Haarschmuck von einer Ueppigkelt und Fülle, um die sie Frankreichs jüngster Mädchenflor beneiden dürfte. Daß solche Lockenpracht aber auch der fürsorglichsten Be⸗ handlung bedarf, um inewiger Schönheit erhalten zu werden, liegt auf der Hand. Ein Pariser Friseur, der in die Toilettengeheimnisse so mancher großen und kleinen Damen eingeweiht ist, hat nun jüngst einem Reporter einige pikante Enthüllungen über Sarah Bernhardts Haarstudien und die Pflege der Locken im allgemeinen gemacht. Vor allem ist es notwendig so plaudert der allwissendeFigaro daß Damen ihr Haar so viel als möglich offen und lose herabhängend tragen. Die Bernhardt setzt ihre Locken stundenlang dem Luftzug aus, der so beständig durch ihr Haar weht, und den Sonnen⸗ strahlen, die es fortwährend durchglühen. Schon des morgens nach dem Aufstehen breitet sie ihre Locken sorg⸗ fältig über ihr Peignoir aus und nur das winzige Band,

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. der Anzeigen: 10 Pfg. für die spaltige Petitzeile.

das ihr Haar lose zusammenhält, wird über den Hals und die Haarfülle geschlungen. wenn sie sich zur Vorstellung ankleidet, Bernhardt feisieren. Aber auch auf der Bühne, in den meisten ihrer Rollen, trägt die Künstlerin ihr Haar lose herabhängend, indem sie so die Pflege desselben fortsetzt und zugleich seine Pracht dem Publikum vorführt. Hat sie ihr Haar gewaschen, so wird es nach demShampoo nicht etwa gebürstet oder mit einem Handtuch getrocknet, sondern durch stundenlanges(?) Fächeln langsam getrocknet, eine Aufgabe, die der mit der Operation betrauten Kammerzofe manchen Seufzer der Ermüdung erpreßt, ob⸗ wohl ihre Gebieterin sie von Zeit zu Zeit bei der Arbelt ablöst; denn unterbrochen darf das Werk des Trocknens keine Minute werden. Sind die Locken endlich völlig ge trocknet, so bettet sich Sarah Bernhardt in der Sonne, breitet ihr Haar weit aus und läßt es durchglühen, wobei sie einen schützenden Schleier über das Gesicht deckt. Durch diese Behandlung wird ein welliger Glanz der Locken erzielt, den keine andere künstliche Behandlung ihnen geben kaun. Und nun der Duft ihres Haares! Er ist nicht das Resultat des bloßen Besprengens der Locken mit Parfüm! Weit gefehlt! Eines solchen mauvais got, der Anwendung solch aufdringlicher Blumengerüche macht sich keine Sarah Bernhardt schuldig. KeinArroseur kann die Gleichmäßigkeit des sanften Duftmeeres erzeugen, das in stetig leisen Wellen aus den Locken der Sarah hervorzittert. Selbst ein mit Parfüm getränktes Taschentuch, das um das Haar gebunden wird, bis das Tuch völlig getrocknet ist, erreicht noch lange nicht diese raffinierte Durchdringung und Tränkung jedes einzelnen Haares, das selbstduftend sein soll wie eine Blume; die große Sarah schläft auf Duftkissen, die ihre Locken in steter Duftigkeit erhalten. Ihr Haar ist fest für die Nacht frisiert, eine Haube umschließt es eng und fest. Diese Haube ist aus dem feinsten Mouslin, ganz durchsichtig, aber trotz ihrer Enge faltenreich wie das Häubchen eines Kindes, und in diesem Häubchen, in dem Sarah Bernhardt schlummert, schlummert auchdas Ge heimnis ihrer Duftlocken. Das weich gefütterte, rosa⸗ farbene Bonnet ist nämlich mit Veilchenpulver-Sachets ausgestattet. So dringen während der langen Stunden des Schlafes die Veilchendüfte gleichmäßig und stetig in die Locken ein und nisten sich fest; und wenn am nächsten Morgen die Hülle fällt, wenn die Haare herabwallen. so strömen ebenso stetig und gleichmäßig die Vellchendüfte wieder hervor.

Erst, läßt sich Sarah

Neueste Telegramme

Hd. Berlin, 16. Juli. Wie das Tagebl. meldet, steht Podbielski der Einführung der Kartenbriefe zustimmend gegenüber.

Hd. Bremen, 16. Juli. Die Hanse⸗ atische Jutespinnerei stellte wegen

Streiks der Feinspinner und Weber den Betrieb ein. In der

Norddeutschen Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei streiken 1500 Arbeiter.

Hd. Brüssel, 16. Juli. Gestern hat hier der internationale Kongreß zur Be⸗ kämpfung der öffentlichen Sittenlosig keit begonnen. Die meisten Teilnehmer gehören dem weiblichen Geschlecht an. Die Regierung ist durch mehrere Minister vertreten. Den Vorsitz führt Kammerpräsident Beernarot. Aus Deutschland wohnt die Gräfin Hagen dorp der Sitzung bei.

Hd. Mons, 16. Juli. Gestern Abend nahmen wiederum mehrere hundert Arbeiter die Arbeit auf.

N Expedition: 84 Kreuzplatz Nr. 4. aber nicht fesselt, Die Gruben⸗ Direktoren erklären

jetzt, sie würden weiter nichts an dem Reglement ändern, da die Arbeiter sich geweigert hätten, schriftlich über eventl. Aenderungen einzukommen.

Hd. Warschau, 16. Juli. Nach vorhergegangenen Haussuchungen sind in den letzten Tagen zahlreiche Verhaftungen polnischer und russischer Stu denten erfolgt. Man bringt dieselben in Verbindung mit den vor kurzem in Charlottenburg stattgefundenen Verhaftungen russischer Studenten.

Hd. London, 16. Juli.Daily Telegraph meldet aus Wien: Wenn infolge der Antwort des Sultans auf die Vorschläge der Mächte Ruhestörungen ausbrechen sollten, so würden die Schiffe der Großmächte in einer Stunde 5000 Soldaten an Land setzen.

Hd. Sosia, 16. Juli. In der Anklagesache wegen Ermordung der Anna Simon über gab der Staatsanwalt dem Kriegsgericht und den Geschworenen den Rittmeister Boitscheff, den Polizeipräfekten Lo- wilie und den Gendarmen Boydan.

Kirchliche Anzeigen. Evangelische Gemeinde. Sonntag, den 18. Juli, 5. nach Trinitatis. Gottesdienst.

In der Johanneskirche.

Vormittags 7 ñæ Uhr: Pfarrer Dingeldey. Gottes⸗ Gottesdienst mit Christenlehre für die Neukonfirmirten aus der Lukasgemeinde.

Vormittags Uhr: Geheimer Kirchenrat Professor D.

Köstlin.

Vormittags 11 Uhr: Milttärgoßtesdienst. Pfarrer Dingeldey.

Nachmittags 3 Uhr: Versammlung der Kinderkirche der Lukasgemeinde an der Johanneskirche. Pfarrer Dingeldey,

In der Friedhofskapelle. Vormittags Uhr: Kandidat Holtz aus Friedberg. Im Konsirmandensaal, Neustadt 61: Vormittags 8 Uhr: Gottesdieust mit Christenlehre für die Neukonfirmlerten aus der Matthäusgemeinde. Pfarrer Schlosser.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für Matthäusgemeinde. Pfarrer Schlosser.

Abends 8 Uhr: Versammlung der Konfirmandenverelnigung der Matthäusgemeinde in der Herberge.

Gottesdienst in der Synagoge. Samstag, den 17. Juli 1897.

Vorabend: 7,30 Uhr.

Morgens: 8,30 Uhr.

Nachmittags: 4 Uhr.

Sabbathausgang: 9,20 Uhr.

Erprobte Rezepte

Deutsches Beefsteak. Gehacktes Ochsenflelsch mit gleichviel gehacktem Schweineflelsch gemengt was man schon in diesem Zustande beim Metzger haben oder sich dort bestellen kann wird angenehm gesalzen und ge⸗ pfeffert, eventuell auch mit etwas feingeschnittener Petersille und Zwiebel gemischt, zu schönen, runden, gut fingerdicken Beefsteaks geformt und wie solche in Butter gebraten. Die Brühe wird entfettet, ein paar Eßlöffel voll Bouillon oder Wasser mit Maggi's Suppenwürze dazu gegeben, dies aufgekocht und über das Beefsteak gegossen. Bratezeit 8 Minuten unter öfterem Wenden.

Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak- teur: Wilhelm Sell in Gleßen; Druck der E. Ottmaupschen Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 18.

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das Tüpfelchen auf dem i.

Von E. Ritter.

6(Nachdruck verboten)

(Schluß.)

Gehen Sie nur hinein, Herr Doktor, Fritz noch nicht zuhause, aber er muß gleich kommen. 0 Flurthür ist offen, Sie brauchen nicht zu Hllen. Und Gründlich steht im Flur. Die Für zum Wohnzimmer ist nur angelehnt, er hört tes Sprechen Magdas Stimme.

Aber nicht fröhlich und lachend, wie sonst, nein, * ernsthaft: Siehst Du, Max, wenn ich nicht I. Exerzitium selbst mit Dir durchgegangen hätte, It für Wort, wenn ich nicht wüßte, daß Du Die vielen Fehler nur in der Reinschrift aus üchigteit gemacht, dann würde ich nicht schelten, b so Flüchtigkeit ist mir verhaßt, und damit 1 es merkst, wirst Du morgen Hausarrest haben 11 heute Abend auf Deinem Zimmer allein essen. 0 thut mir leid, daß ich Dich strafen muß, aber 8 habe Dich schon so oft ermahnt, ernsthafter in 1 nen Pflichten zu werden. Wer nicht hören . muß fühlen.

Ach d mit Deiner Ernsthastigkeit Du bist Jelbst ummer lustig und fidel, Magda, und 5 das bin ich, mein Junge, aber wo es sich 5 flichten handelt, muß man auch ernsthaft sein Auen, wie gesagt, es thut mir leid, aber es bleibt

0.

bei dem, was ich gesagt. Nun geh' ins Arbeits zimmer. Gründlich steht wie verzaubert, er glaubt zu träumen. Das Tüßpfelchen auf dem i verschwindet plötzlich in unerreichbarer Ferne er lacht ihm noch in Gedanken nach.Grau, Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum! Und nun ins Zimmer; da steht Magda noch mitgrausamer Erziehermiene, die sich aber aufhellt, als sie Gründlich erblickt.

Was die beiden in den nächsten paar Minuten mit einander gesprochen, das hat niemand gehört, aber es gab an dem Abend eine fröhliche Ver lobung bei Gerichtsrats.

Nicht lange nach Pfingsten, reiste der glückliche Bräutigam für einige Tage zu seiner Schwester, die inzwischen mit dem Gatten von der Riviera zu. rückgekehrt war. Da erhielt er den ersten Brief seiner Braut. Zum erstenmal wieder sollten ihm die ominösen i's vors Auge treten. Aber was war das? Welches Wunder! Das war ja eine ganz andere Handschrift als das Rezept. Auch keine sehr vertrauenerweckende, aber doch flogen die Tüpfelchen auf den i's nicht ganz so weit fort, und von den Grausamkeitslinien war nichts zu entdecken. Immer⸗ hin jedoch, der Handschrift zuliebe würde er Magda nicht genommen haben. Wenn er aber daran dachte, daß er um einer fremden Handschrift willen fast um sein Lebensglück gekommen wäre! Ja, lieber

Gründlich, man kann auch zu gründlich sein. Als er zurückkehrte, brachte er auf allerlei Umwegen die Rede auf das Rezept.Das hattest Du doch nicht geschrieben, Magdachen? fragte er scheinbar harmlos.Ach nein, weißt Du, ich hatte es von einer Freundin, von Meta Herder, bekommen, Du kennst sie ja sie ist immer so gefällig, das gute Ding und es lag noch in meinem Rezeptenbuch, in welches ich es bereits eingetragen ich bin darin sehr pünktlich. Du erhieltest das Original, ich dachte nicht, daß Du Wert auf ein Autogramm von mir legen könntest.Nun, darauf kam es mir auch nicht an(o Mustermensch!) nur auf den

Kuchen.So, nun wart', morgen sollst Du wieder einen haben, weil Du ihn so sehr gern magst, lieber Schatz. Derliebe Schatz macht

eine saure Miene und nimmt sich vor, später ein mal, wenn Magda erss seine Frau sein würde, ihr die Geschichte mit dem Tüpfelchen auf dem i zu beichten. Vorerst will er aber lieber davon schweigen, aber sein ganzes Lebenlang kann er sich doch un möglich mit demguten Aniskuchen füttern lassen, selbst nicht ihr zuliebe, die ihm der Inbegriff alles Schönen und Guten ist.

Mit Graphologie hat der Oberlehrer Doktor Gründlich sich nicht mehr beschäftigt.

2

Humoristisches.

Lootse Protze. Wilhelm Jordan hat sich neulich in das Hotelbuch eines Strandortes mit der Strophe eingezeichnet:

Leeres Schiff und Ueberfracht Scheut der gute Lootse,

Suche Reichtum, aber sacht,

Sei nicht Lump noch Protze!

Einer, dem der bedenkliche Reim,Lootse Protze weh that, soll darunter geschrieben haben: Tönt die Leyer wieder Dir,

Teurer Meister Jordan, Quäle nicht so sehr wie hier Unser armes Ohr dann.

(Zu früh gejubelt.) Charlie Schmidt, der etwas stottert:S S S S Sie haben es vielleicht schon seit einiger Zeit bemerkt, Fräulein Ka Ka Ka Katharina, daß i i i ich

Fräulein Katharina(ganz verzückt):O, Charlie, das kommt mir aber ganz unerwartet

m m meinen Schirm vor vierzehn Tagen bei Ihnen vergessen habe.

(Sarkastisch.)Golt, Gott, wenn ich doch meinem Vater gefolgt wär! Wie oft hat er zu mir gesagt:Arthur, werd kein Schauspieler!

2. Schauspieler:Na nimm Dir doch die Sache nur nicht so zu Herzen, alter Junge, Du bist ja auch keiner geworden.