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17.6.1897
 
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Gießen, Donnerstag, den 17. Juni

1897.

mal, wahrhaftig in seinen Angaben zu sein. gändlich handeln, wenn er ohne Grund jenen eines

Postztg. Nr. 3319. Telephonu⸗Nr. 112.

Ausgabe

ische Landeszeilun

Gießen.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Medaktion:

*. Kreuzplatz Nr. 4. 2

Schwurgericht. W. Gießen, 16. Juni. (Schluß.)

Die Beweisaufnahme erstreckt sich zuerst darauf, fest⸗ istellen, daß Ritzel wissentlich falsch vor dem Amtsgericht Ortenberg geschworen. Die Wilhelmine Reitz von Use rn, zur Zeit in Selters bedienstet gewesen, bleibt dabei, ert habe ihr gegenüber in der Spinnstube in Gegen zürt anderer Mädchen die Aeußerung, als von Reichert han, hinterbracht und wird hierin durch andere Zeugen uterstützt. Es werden noch weitere Zeugen, die dabei ren, als Ritzel in Ortenberg vereidet ausgesagt, ver ummen.

Es folgt dann die Vernehmung des sehr gewandt und lagfertig auftretenden Hauptbelastungszeugen des 21 uühre alten Johannes Ritzel. Derselbe betritt in Sträf⸗ ügskleidern den Gerichtssaal.

Landgerichtsrat Dornseiff ermahnt ihn, sich durch ichts bestimmen zu lassen von der Wahrheit abzuweichen, pwäre ein schändliches Thun und eine bodenlose Ge einheit, wenn er gegen den Reichert etwas wieder besseres Aissen aussagen würde, blos um diesen ebenfalls ins zuchthaus zu bringen.

Ritzel erklärt, er habe vor dem Amtsgericht zu Orten⸗ g am 15. März 1895 die Unwahrheit beschworen. lis er die Ladung zu dem betreffenden Termin als Zeuge chalten, sei er abends in die Wirtschaft des Vaters des Angeklagten gegangen, um dort zu hören, ob der junge leichert, der damals wegen Zahlung der Alimente Ver⸗ lagte, ihn als Zeuge angegeben. Reichert habe ihn, nach⸗ zm er demselben die Ladung gezeigt, ins Nebenzimmer mommen; dort habe er(Ritzel), geäußert, jetzt muß ich ngen, was du auf dem Acker zu mir geäußert hast. geichert sei in ihn gedrungen, dies nicht zu thun, sondern uszusagen, er, der Ritzel, habe zu Reichert die schmutzige keußerung gethan. Relchert, so bekundet der Zeuge weiter, übe ihm 2 300/ versprochen wenn er so sage. seichert hat ihn nicht aus den Fingern gelassen und amer in ihn gedrungen. Wenn er mit diesem allein zur hat dieser ihn mit Bier und Zigarren regaliert. sitzel erklärt, er set damals, als er den Eid, der ihn ins glück gebracht, geleistet, 19 Jahre alt gewesen und habe die Tragweite desselben nicht gedacht und als er vor m Termin, in dem er den Eid geleistet, dem heutigen ngeklagten gegenüber geäußert, wenn die Sache heraus⸗ umme, so wandere ich ins Zuchthaus, da habe dieser ihn uhigt und gemeint:Du bekommst höchstens ein Jahr

aid wenn du das hinter dir hast, kommst du zu mir und

alst dir das Geld.

eschert ihn bearbeitet. Staatsanwalt Koch ermahnt den Zeugen Ritzel noch

Er würde

Noch kurz vor dem Termin habe

weren Verbrechens bezichtige und fragt ihn, ob das, was jetzt angegeben Wort für Wort wahr sei; was dieser aht.

Rechtsanwalt Grünewald frägt Ritzel, ob er nicht ach seiner Verurteilung erst habe gegen das Urteil Revi⸗

n verfolgen wollen und ob er nicht von einem seiner esdensgenossen im Arresthaus veranlaßt worden sei, das

kelbrechen als von ihm begangen zuzugestehen und den eschert der Anstistung zu bezichtigen, um damit seine krafe zu mindern. Ritzel bestreitet das. Die ruge des Verteidigers, ob Ritzel aus Reue über seine ahrecherische That diese nach seiner Verurteilung zuge⸗ aden, bemerkt dieser: Nein, Reue habe er keine, er habe i Reichert angezeigt, damit dieser ebenfalls ins Zucht⸗ als komme, worin er wegen desselben 3 Jahre seines klens zubringen müsse. Ein Jahr Zuchthaus, das hätte

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die spaltige Petitzeile.

er sich ja gefallen lassen, da hätte er vielleicht geschwiegen, aber 3 Jahre lang im Zuchthaus zu bringen, das sel ihm zulange und er habe gedacht, wie sich inzwischen der Reichert ins Fäustchen lache, daß er so dumm gewesen, ihm den Gefallen zu thun, der ihm zum Verderben ge⸗ worden.

Der Angeklagte Reichert bemerkt, daß alles, was

Ritzel wegen der Anstiftung behauptet, unwahr sei. Der Schuhmacher Beckel deponiert, daß er in der Wirtschaft des Vaters des Angeklagten anwesend gewesen, als Ritzel seiner Zeit mit der Terminsladung in dieselbe gekommen und von Reichert ins Nebenzimmer geführt worden sei. Dem Zeugen ist die Sache damals schon sehr verdächtig vorgekommen. Die Belden seien beinahe % Stunde im Nebenzimmer gewesen und sei ihm aufge⸗ fallen, daß Ritzel, nachdem er wieder die Wirtsstube b⸗ treten, hastig hintereinander sehr viel Bier getrunken habe. Ob er das Bier auch bezahlt, weiß der Zeuge nicht. Nach dieser Zeit will Beckel einen auffallenden Verkehr zwischen Ritzel und Reichert beobachtet haben.

Der ehemalige Untersuchungsgefangene Kaiser erklärt, Ritzel sei im Provinzial⸗Arresthaus eines Tages zu ihm gekommen(Kaiser wurde während seiner Haft mit schrift lichen Arbeiten beschäftigt) und habe ihn ersucht, die von ihm gegen- das Urteil des Schwurgerichts eingelegte Revision zu rechtfertigen Er habe ihm das Material zu dieser Arbeit gegeben, sei aber am Nachmittag wieder zu ihm gekommen und habe erklärt, es sei die Arbeit nicht mehr nötig, denn es gäbe ein neues Verfahren. Der Gefangene Neb, welcher damals auch im Provinzial⸗ Arresthaus inhaftiert war, habe ihm(dem Kaiser) gesagt, der Mitgefangene Schwarzhaupt sei an der Sinnesänderung des Ritzel schuld. Später, als der Reichert ebenfalls im Provinzial⸗Artesthaus sich befand, habe Neb ihm gegen⸗ über in dessen Beisein mehrfach erklärt, Schwarzhaupt sei an dessen Unglück schuld.

Nach Verlesung der Urteile beider Instanzen in Sachen der Wilhelmine Reitz gegen Reichert wegen Alimenten⸗ zahlung und nach Konstatierung der rechtskräftigen Ver⸗ urteilung des Ritzel wegen Meineids wird die Beweisauf⸗ nahme um 4 Uhr nachmittags geschlossen.

Die an die Geschworenen gerichtete einzige Schuldfrage geht dahin:

Ob der Angeklagte den Ritzel zu dem von demselben am 14. März 1895 vor dem Amtsgericht Ortenberg wissentlich falschen Eid angestiftet und denselben durch Versprechen von Geschenken zu dieser Eidesleistung ver⸗ anlaßt hat.

Staatsanwalt Koch rekapituliert den Gang der Ver⸗ handlung. Für ihn unterliege es keinem Zweifel, daß Ritzels Geständnis und dessen Bezichtigung, daß Reichert ihn angestiftet, auf Wahrheit beruhe. Daß der Meineid geleistet, sei durch den Wahrspruch der Geschworenen vom 10. März d. J. erwiesen. Ritzel habe an dem Eid, den er in Ortenberg geleistet, persönlich gar kein Interesse, wie sollte der Angeklagte dazu gekommen sein, einen Meineid zu schwören, wenn er nicht dazu angestiftet worden wäre. Es müßten die Geschworenen die Schuld⸗ frage bejahen.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Grünewald, ist mit dem Vertreter der Staatsbehörde der Ansicht, daß es voll erwiesen sei, daß Ritzel falsch geschworen hat. Aber in welchem Punkte die Jury am 10. März d. J. dessen Eid für falsch gehalten, das entziehe sich jeder Beurteilung. Seien aber die Geschworenen bei ihrem damaligen Votum der Ansicht gewesen, daß Ritzel der Reitz etwas vor⸗ gelogen, wenn er dieser mitteilte, Reichert habe die schmutzige Aeußerung gethan und daß er diese Mit⸗ teilung in der Spinnstube gemacht, sei außer allem

Zweifel, so hätten sie den Ritzel auch wegen Meineid

verurteilen müssen, denn dieser hat in Ortenberg unter Eid in Abrede gestellt, daß er in der Spinnstube eine solche Mitteilung gemacht habe. Der Verteidiger geht nun auf den Alimentenprozeß ein und weist aus den Annahmen des Richters in diesem Zivilprozeß nach, daß Reichert unmöglich der Vater des Kindes der Reitz hat sein können. Er wußte dies auch in dem Moment, wo die ganze Angelegenheit mit Ritzels Historie in der Spinn⸗ stube vor sich ging, und es ist daher auch ganz unwahr⸗ scheinlich, daß er die ihm von dem Ritzel in den Mund gelegte Aeußerung gethan hat. Es ginge auch nicht an, wie es hier geschehen, ein Verfahren gegen den einen An⸗ geklagten wegen Meineids einzuleiten und, nachdem der⸗ selbe verurteilt, dessen Zeugnis gegen den vermeindlichen Anstifter zum Verbrechen zu verwerten. War der Reichert verdächtig, so hätte er am 10. März neben Ritzel auf die Anklagebank gehört, und der Verteidiger ist der An⸗ sicht, dieselbe Jury, die den Meineidigen damals verurteilt hat, hätte den Reichert freigesprochen. Der Verteidiger kommt zu dem Schluß, es sei gegen seinen Klienten nichts erwiesen, und es sei bedenklich, wollte man den Angeklagten auf Ritzels Anschuldigung hin verurteilen. Es sei voll⸗ ständig ausgeschlossen, daß man einen Menschen auf eine solche Prozedur hin, wobei die Angeklagten auseinander⸗ gerissen worden seien, um den Einen gegen den Andern als Zeugen zu benutzen, verurteilen wollte.

Nach nochmaliger kurzer Auseinandersetzung zwischen Staatsanwalt und Verteidiger erfolgt die Rechtsbelehrung der Geschworenen, die nach acht Minuten währender Be⸗ ratung auf nicht schuldig erkennen. Der Gerichtshof verkündete hierauf die Freisprechung des Angeklagten.

W. Gießen, 16. Juni.

Heute wurde in die Verhandlung gegen den am 23. Mal 1870 zu Villingen geborenen, wegen Bedrohung mit einer Geldstrafe bereits vorbestraften Schachtmeister Friedrich Pauli, in Borsdorf wohnhaft, wegen gewaltsamer Vornahme unsittlicher Handlungen eingetreten. Die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Dr. Güngerich. Die Verteidigung hat Rechtsanwalt Grünewald über⸗ nommen. Neun Zeugen sind zu hören. Die Verhandlung tst wegen Gefährdung der Sittlichkeit nicht öffentlich.

2 3108 ü 11 g 7 Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 16. Juni.(Strafkammer.) Gestern hatte sich der falsche Blitzableiter-Revisor, welcher vor Wochen der Buderusschen Villa einen Besuch abstattete und dabei mehrere Wert gegenstände in raffinierter Weise aneignete, vor der Strafkammer zu verantworten. Unsere Leser erinnern sich, daß dem Spitzbuben der Raub auf dem Wetzlarer Bahnhof von einem Gießener Schutzmann abgenommen wurde. Der Thäter entpuppte sich als der Einbrecher Hausmann aus Köln a. Rh., der schon mehrfach mit Zucht- haus bestraft ist. Der Gerichtshof verurteilte den unverbesserlichen Menschen zu vier Jahren Zuchthaus.

* Gießen, 16. Juni. Einem Arbeiter der Heyligenstädtschen Fabrik wurde heute Vormittag eiu Fuß derartig zerquetscht, daß er in die Klinik verbracht werden mußte.

* Mainz, 15. Juni. Auf dem Verbandstag der freien christlichen Gemeinden Süddeutsch⸗ lands, der sich gestern an die Bundesversammlung an⸗ schloß, wurde nach Erstattung des Jahresberichts von dem Mannheimer Vertreter die Frage der Anstellung von frei⸗

Theodor, der Freiersmann. Eine Episode in Briefen von C. Fahrow. (Nachdruck verboten.)

Berlin 97.

Lieber Karlmann! Wenn Du seit drei Jahren nicht müde geworden , mich durch alle möglichen und auch einige mögliche Mittel zur Ehe anzutreiben, so habe h Dir stets erwidert, daß Deine Mühe in alle wigkeit vergeblich bleiben würde: mein Jung⸗ kellentum gefiel mir gar zu gut! Du hast mir aun allerdings seit Jahr und Tag überhaupt nicht uhr geschrieben, allein da wir Freunde von der leren Art sind, denen es genügt, wenn sie hier d da einen kurzen Gruß wechseln, hat mich das ter nicht besorgt gemacht. Ich wußte ia, daß di wohl warst das schrieb mir von Zeit zu Zeit

er Dritter im Bunde, Friedrich der Große. Und n übrigen dachte ich mir, daß Du glücklicher Ehe⸗ dan eben von lauter Zufriedenheit keine Zeit adest, zu schreiben.

Ich aber bin augenblicklich weder glücklich noch

lieden, denn denke Dir, das große Schicksal von en Du mir vorprophezeit hast, ist jetzt eingetroffen,

bin heillos verliebt, und zwar so unheilbar, daß i mich verheiraten möchte.

Jawohl, soweit ist es mit mir gekommen! Die Ziten ändern sich und die Menschen auch, und ich nne mich mutig und offen zu meiner Be⸗ leung.

Die Dame die ich liebe, nenn' ich nicht. Aer nur, weil ich sie noch nicht nennen kann, hem ich weiß vorläufig nichts weiter von ihr, als

daß sie eine reizende Witwe ist, die vor einem halben Jahr hierher nach Berlin gezogen ist, daß sie mit den niedlichsten sächsischen Accent spricht, und daß sie Schulz heißt. Na ob jemand Schulz heißt oder nicht, das besagt doch garnichts! Ich habe also Recht, wenn ich sage, daß ich noch nichts von ihr weiß. 8

Da aber die Dame aus Dresden nach Berlin gezogen ist, weißt Du mir vielleicht etwas über sie zu melden, denn daß sie Dich kennt, glaube ich ganz bestimmt, ich sprach neulich einmal, zu⸗ fällig Deinen Namen aus, und da blickte sie über⸗ rascht auf und fragte mich, ob ich Dich kenne.

Bitte thue mir also die Liebe und sage mir einiges über diese wunderhübsche, junge Frau Schulz aus Dresden. Ich bin ein sehr vorsichtiger Mensch, wie Du siehst, denn ehe ich mich meiner Erkornen deutlicher nähere, möchte ich denn doch einiges über ihre Familie ꝛc. wissen..

Mit freundschaftlichem Gruß Dein Theodor. Dresden... 97. Lieber Theo!

Du sagst in einem Atem, daß Du die Dame nicht nennen willst, und daß sie Schulz heißt; das zeugt für den hohen Grad Deiner Verliebtheit und deshalb bedauere ich Dich. Denn, Freund, auch ich will Farbe bekennen: so sehr wie ich Dir einst zuredete zu heiraten, so sehr rede ich Dir heute ab! Du siehst, die Zeiten ändern sich und die Menschen auch. f 5 8 f Die Ursache meiner Sinnesänderung wird Dir durch eine kleine Thatsache klar werden, die ich Dir

heute mitteilen will, obgleich ich sie Dir Jahr und

Tag verschwieg ich lebe von meiner Frau ge⸗ trennt. Es ging nicht, beim besten Willen nicht. Sie war zu bockig! Also heirate nicht, laß die interessante Witwe fahren, besonders wenn sie Schulz heißt: das ist kein gutes Omen. Freundlichen Gruß! Besuche mich doch mal, ich habe ja jetzt Platz in meiner Wohnung. Dein Karlmann Berlin Lieber Friedrich!

Was ist das für eine dumme Geschichte mit unserem Karlmann? Die junge Ehe ist getrennt? Ich bin vollständig starr, es schien doch, als hinge ihm der Himmel voller Geigen!

Jedenfalls bitte ich Dich um Aufklärung ich glaube nämlich, daß er der schuldige Teil ist. Seine Frau habe ich nicht gekannt, denn ich befand mich zur Zeit seiner Heirat in Spanien; aber noch von der Schule erinnere ich mich, daß er einiger⸗ maßen rechthaberisch und eigensinnig war bockig, nannten wirs.

Was soll das heißen, daß er sagt, der Name Schulz sei ein böses Omen?

Schreibe bald Deinem alten Theodor. Nee Lieber Theophran!

Du mußt entschieden krank sein! Wie? Du hörst von einer getrennten Ehe und meinst, daß er der schuldige Teil sein müsse? Oh tempora, mutantur! Du eingefleischter Junggeselle, Du Weiberhasser, solltest Du von temperärem Wahnsinn erfaßt und verliebt sein?

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

2 E

christlichen Lehrern in den Volksschulen und die auf Seiten der oberen Schulbehörde dagegen bestehende Gegnerschaft besprochen. In Mannheim habe man die Hoffnung, daß bei Errichtung eines neuen Schulhauses der Gemeinderat einen freichristlichen Lehrer anstellen werde. Von anderer Seite wurde mitgeteilt, daß manche Lehrer aus Furcht, ihre Stelle zu verlieren, zu einem anderen Bekenntnis übertreten. Herr Prediger Voigt⸗Offenbach stellte fest, daß man in Hessen weder im Seminar noch bei der An⸗ stellung der freichristlichen Lehrer Schwierigkeiten mache. Die Angelegenheit wurde der Sektion für Schulangelegen⸗ heiten überwiesen. Die seitherigen Minimalbeiträge von 10 zum Verband wurden auf das Doppelte erhöht. Zu den Antrage:Die freien religtösen Gemeinden Deutschlands zahlen zum Ehrensold für freireligiöse Pre⸗ diger einen jährlichen Beitrag nach Selbsteinschätzung wurde ein Zusatzantrag des Herrn Pfarrer Sa eng er⸗ Frankfurt angenommen, wonach auch die versorgungsbe⸗ dürftigen Hinterbliebenen von Predigern Unterstützung aus diesen Beiträgen erhalten sollen. Für Propaganda wurden 600/ bewilligt. Ferner wurde eine Kommission niedergesetzt, die sich mit der Frage beschäftigen soll, ob man die seitherige Pensionskasse beibehalten oder ob man einen Vertrag mit iner Lebensversicherungsgesellschaft ab⸗ schließen soll. Als Ort des nächsten Verbandstages wurde Hanau bestimmt, für 1899 Mannheim. Die hessischen freien Gemeinden sprachen sich für die Gründung eines Landesverbandes aus. Herr Pfarrer Knellwolf-Mainz wurde beauftragt, einen Satzungs⸗ entwurf auszuarbeiten, der im Herbst einer deflinitiv ent⸗ scheidenden Konferenz unterbreitet werden soll.

Vermischtes.

Der Radfahrer Sontheimer er⸗ mordet? Ueber den Unfall, der bekanntlich am Pfingst⸗ sonntag an der abschüssigen Straße bei Zirl in Tirol dem Radfahrer Sontheimer das Leben gekostet hat, erhält dieAugsb. Postztg. neue Mitteilungen. Sonntag Nachmittag nahm die aus fünf Radfahrern bestehende Gesellschaft in Seefeld ein gemeinsames Mittagsmahl, bei dem sämtliche fröhlich und guter Dinge waren. Nach Tisch brach die Gesellschaft auf. Sontheimer entfernte sich von seinen Kollegen und fuhr in rascherem Tempo voraus. Die Anderen passierten den bereits abfallenden Weg mit mehr Vorsicht, und bei der Warnungstafel, die den Zirler Berg als unfahrbar bezeichnet, stiegen sie ab und führten die Räder. Sontheimer hatte bereits eine halbe Stunde Vorsprung und man glaubte, er werde am Fuße des Berges auf die Nachkommenden warten. Als letztere ungefähr auf halbem Wege herabgekommen waren und eben um eine Ecke bogen, fanden sie Sontheimer mit zerschmetterter Hirnschale bewußtlos am Boden. Auffällig erschien, daß das Fahrrad Sontheimers nicht etwa am Boden lag, sondern in bester Ordnung am Gelände stand, und daß die Mütze des Verunglückten auf das Rad gelegt war. Ferner fanden die Kollegen am Orte einen etwa zwei Pfund schweren Stein, um den ein Riemen ge⸗ schlungen war. All' das erregte den Verdacht, daß hier kein Unfall vorliege. Etwa fünf Minuten oberhalb der Unglücksstätte begegneten die vier Kollegen auch einem Mann, der über die Radfahrer schimpfte. Der schimpfende Unbekannte mußte den Abgestürzten unbedingt gesehen haben, ohne daß er den nachkommenden Kollegen das Geringste davon sagte.

Eine abenteuerliche Expedition. Aus Sydney schreibt man: Die 98 Köpfe zählenden Mit⸗ glieder derBruderschaft der Südseeinseln, über deren Abreise von San Franzisko letzthin berichtet worden ist, sind mit ihrem SchiffPercy Edwards nunmehr

2....88

Ueber Kaufmanns Ehetrennung Genaueres zu sagen, verbietet mir die Diskretion. Ich glaube seine Mutter war der unschuldig⸗-schuldige Teil, also diesmal die andere Schwiegermutter nicht die, die immer geschildert wird.

Karlmanns reizendes Frauchen war eine ge⸗ borene Schulz, daher seine Abneigung gegen den Namen das heißt die zur Schau getragene Ab⸗ neigung, denn innerlich glaub ich, liebt er die kleine Elwine immer noch wie je. Kein Wunder übrigens; sie war so entzückend ich selbst war beinah verliebt in die blonde Fee. Seit sie aus Dresden fortgezogen ist, besuche ich Karlmann nur noch selten, es ist zu öde bei ihm.

Herzlichen Gruß von Deinem Friedrich. Lieber Fredericus rex! Ja, ich bin verliebt nein, ich liebe! Du

begreifst den Unterschied zwischen diesen beiden Ausdrücken. Ich liebe eine wunderschöne, junge Witwe

namens Schulz, Vornamen weiß ich nicht die erst vor kurzem nach Berlin gezogen ist und mich eines Tages wegen ihrer beständigen Migräne rufen ließ. Die Migräne habe ich ihr wegge⸗ bracht, aber den Kummer um ihren Gatten kann ich ihr nicht nehmen. Sie liebt diesen Verstorbenen immer noch mit einer wahrhaft herzbewegenden Treue. Ach, wer doch einst ebenso betrauert würde! (Fortsetzung folgt.)