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Gießen, Somabend den 16. Oktober
1897.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
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Gießen.
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Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Medaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
6 n Krankenversicherungs⸗
Statistisches aus Hessen.
Aus den Mitteilungen der Centralstelle für Landes⸗ statistik.)
Die Gesamtzahl der Krankenkassen in Hessen, welche dem reichsgesetzlichen Vorschriften über die Krankenversiche⸗ zung entsprachen, betrug im Jahre 1894 988.
Der Mitgliederbestand war im Durchschnitt des Jahrs 1894 185 182, gegen 182 868 im Jahre 1893. Auf eine Kasse kamen im Durchschnitt 188, Mitglieder. Von den Mitgliedern waren 1894 135 350 männlichen und 49 832 weiblichen Geschlechts. Es kamen demnach auf 100 männliche Versicherte 36,, weibliche. Unter den Provinzen hatte 1894 Oberhessen die meisten Kranken⸗ lassen, nämlich 392(1893 392), Rheinhessen die wenigsten, 220(219), nicht viel weniger Kassen als Oberhessen hatte Starkenburg, nämlich 376(370). Auch im Ver⸗ hältnis zur Bevölkerung nehmen die Provinzen hin⸗ sichtlich der Zahl der Kassen dieselbe Reihenfolge ein wie horstehend. Was die einzelnen Kassen arten betrifft, so überwiegt im Großherzogtum die Gemeindekrankenversiche⸗ zung. Derselben gehören von 983 Kassen überhaupt 697 stassen oder 70,3% aller Kassen an. Danach folgen die ungeschriebenen Hilfskassen mit 100 Kassen oder 10,7%, hie Betriebs⸗(Fabrik⸗) Krankenkassen mit 86 Kassen oder 9,6%, die Ortskrankenkassen mit 84 Kassen oder 8,5%, die Zahl der den übrigen Kassenarten angehörenden kassen ist nicht beträchtlich.
Recht verschteden von dem Anteils verhältnis der ein⸗ zelnen Kassenarten an der Gesamtzahl der Kassen ist das Verhäituis, in welchem die Zahl der Mitglieder der ein⸗ zelnen Kassenarten zur Gesamtzahl der Mitglieder steht. Wie hinsichtlich der Zahl der Kassen, so nimmt auch hin⸗ sichtlich des Mitgliederstandes die Gemeindekranken⸗ bersicherung die erste Stelle ein, der Prozentsatz der Kassenmitglieder der letzteren beträgt aber nur 35, also etwa halb so viel als der Prozentsatz der Zahl der zuge⸗ hörigen Kassen; auf die Ortskrankenkassen entfallen 30,1%, auf die eingeschriebenen Hilfskassen 17,0%, auf die Be⸗ kriebskrankenkassen 14,7%, auf die übrigen Kassenarten 0% bis 2,0% der Gesamtzahl der Kassenmitglieder.
Was das Vorkommen der verschiedenen Kassenarten in den Provinzen betrifft, so waren die Gemeindekrankenver⸗ sicherungen in Oberhessen weit stärker vertreten, als in den beiden anderen Provinzen, die wenigsten Kassen dieser Art hatte Starkenburg aufzuweisen; dagegen gab es in Starkenburg mehr Ortskrankenkassen, als in Rheinhessen und Oberhessen, in letzterem am wenigsten; Betriebs⸗ (Fabrik-) Krankenkassen waren in Starkenburg gleichfalls mehr vorhanden, als in den anderen Provinzen; auch die eingeschriebenen Hilfskassen waren in Starkenburg zahl⸗ reicher vertreten, während in Rheinhessen deren nur wenige aufzuweisen hatte.
Die Durchschnittszahl der versicherten Personen war entsprechend der Bevölkerungszahl in Starkenburg am größten, in Oberhessen am kleinsten. Es kamen auf 1000 Einwohner in Starkenburg 206, in Oberhessen 152, in Rheinhessen 163, im Großherzogtum 181 versicherte Personen.
Die Zahl der Erkrankungsfälle betrug im Groß⸗ herzogtum im Jahr 1894 58 933(193 72343) mit zu⸗ sammen 1054559(1 223 491) Krankheitstagen. haben hiernach gegen das Vorjahr erheblich abgenommen. Auf 100 Mitglieder kamen durchschnittlich 31, Krank⸗
heitsfälle und 569,, Krankheitstage; bei den männlichen
Mitgliedern 32,, Krankheitsfälle und 588, Krankheits⸗ tage, bei den weiblichen 27, Krankheitsfälle und 517,
Beide
Unter den Provinzen hatte
Erkrankungsfälle. Krankheitstage absolut. auf 100 Mitgl. absolut. auf 100 Mitgl. Starkenburg 29 910 32, 553 359 605, Oberhessen 11242 2753 189 235 459,3 Rheinhessen 17 781 385 311 965 593,
Starkenburg zeigte mithin absolut die höchste, Ober⸗ hessen die niedrigste Zahl der Krankheitsfälle und Krankheitstage, während im Verhältnis zur durchschnitt⸗ lichen Zahl der Krankenkassenmitglieder Rheinhessen die meisten Erkrankungsfälle, Starkenburg die meisten Krank⸗ heitstage aufweist, für Oberhessen dagegen auch relativ sich die niedrigsten Zahlen herausstellen.
Im Durchschnitte dauerte ein Krankheitsfall im Großherzogtum 17,(1893 16,0) Krankheitstage und zwar bei den männlichen Mitgliedern 17,(16,), bei den weib⸗ lichen 18,(17,).
Die gesamte Einnahme aller Krankenkassen des Großherzogtums betrug 1894 3 018 269,(1893 3 040 515 /), darunter 2 567 569&(2 449 545%) Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Eintritts⸗ gelder und Zusatzbeiträge für Familien⸗Unterstützung. Auf ein Mitglied kamen hiernach durchschnittlich an Beiträgen, Zusatzbeiträgen und Eintrittsgeldern im Jahr 1894 18,&(1893 13, 0.
Die gesamten Ausgaben beliefen sich im Jahr 1894 auf 2 820 050/(1803 2 888 234%). Davon kamen auf Krankheitskosten 2 238 073 4(2 436 618 /. Auf ein Mitglied berechnen sich hiernach durchschnittlich 12, l(13,½ /) Krankheitskosten. Die Aufwendung für jeden Erkrankungsfall belief sich durchschnittlich auf 37% l(33, /); auf einen Krankheitstag entfielen 2,2 1(1% 1).— Verwaltungskosten kamen auf ein Mitglied im Durchschnitt 0,&(0% ½%).
Nach dem Vermögensausweis am Schluß des Rech⸗ nungsjahrs 1894 betrugen die Aktiva 2 026 072 Kl (1893 1758 676 4), die Passiva 189 735 4 (263 985); demnach war ein Reinvermögen vorhanden von 1 836 337 4, gegen 1 494691/ im Vorjahr, und es hatte sich somit der Vermögensbestand im Be⸗ richtsjahr vermehrt um 341 646— oder 22,%/. Es entfallen auf einen Versicherten im Jahr 1894 10%, Vermögen, gegen 8,1, im Vorjahr; mithin ergiebt sich eine Zunahme des Vermögens im Berichtsjahr pro Kopf um 1,&.
*, 3 N Lienen 51 75 Lokales und Provinzielles
„Gießen, 15. Okt. Der Regierungsassessor Hermann Stammler aus Gießen ist zum zweiten Beamten bei der Invaliditäts⸗ und Alters⸗ versicherungsanstalt„Großherzogtum Hessen“ er⸗ nannt worden.
* Gießen, 15. Okt. Dem Forstwart Michael Appel zu Schotten ist aus Anlaß seines statt⸗ gehabten 50 jährigen Dienstjubiläums der Cha⸗ rakter als„Förster“ verliehen worden.
* Gießen, 15. Okt. Teuere Gutachten. Die Herren Prof. Gaffky, Thiem und Dr. Kruse haben für ihre Gutachten, Wasserversorgung der
gefordert.
befassen, da die Forderung beanstandet wird. 5(M. J.)
* Gießen, 15. Oktober. verzeichnis für das Wintersemester
von 9—10 Uhr, Diensta
Krankheitstage.
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deutsches bürgerliches Recht
Susis Modifikation.
Humoreske von Martha Renate Fischer. (Nachdruck verboten).
Die Kousine sagte:
habe einen Zahn ausgebissen. mir darüber.
Mark. Nach dem Ersten zahle ich zurück.“ Sust antwortete:„Ich bedauere sehr; dem Zwecke kann ich kein Geld geben. mir zelobt, nichts zu thun, meines Mannes wäre.
Zähne.“ N „Frauenzimmerchen, sei nicht so lächerlich ge⸗ siunungstüchtig. Leih mir also zehn Mark zu
Pralinees und Makronen.“
Susi klagte:„Es bricht mir ia beinah das Sieh mal an, „—— Sie rollte die Schlummerdecke, die sie heimlich für ihren Mann legte die Arme und der Nun Gans, verstehst Du — und hab' dem armen Mann das Leben schwer gemacht mit Eifersucht— bis wir dann mal ganz intim mit einander sprachen über Grundsätze und dergleichen. Und da sagte er: Weißt Du, Lumpen“ würde ich bei einer Frau nicht fortkommen— und das ist ein unechter
Herzz aber wirklich: ich kann nicht.
— damit Du mich verstehf
arbeitete, im Schoß zusammen und darauf.„Mein Mann machte also doch mir Alma den Hof; aber um mich hielt er an. bin ich ja eine kleine, dumme
gesindelchen, sagte er, über eins
————
„Also denke Dir, Sust, ich Ich bin ja außer Natürlich kann ich meinem Mann damit nicht kommen. Bitte, leih Du mir ein paar
aber zu Ich habe das nicht im Sinne Unds Friedrich haßt falsche
Zahn. echten sag' ich ganz sagt er,
Zahn hat— lieber eine Kugel!—
Kaum glaublich! was hättest Du blos gethan,
— Er
Geld nicht leihen kann.“
Die Kousine entgegnete:. g f noch furchtbar grün bist;“ stand ärgerlich und ging
Als sie das g 8 ihr Jemand Schweigen zu und folgte ihr. Sufis Mann, wollte.
Im Entree angelangt, ein entzückendes Lumpengesindelchen, — Also— einen sse 0 schade!— Na— wieviel befehlen Sie, Kousinchen
sie sich bediente. Nebengemach,
hätte, das Präsent Spiegel, sie war
zu verstecken. aufgesprungen, raschelte
langen Bindfaden um das wider
J unglaublich eee Den Anfang des
spenstige Paket.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Fetertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzelle.
betreffend die Stadt Mainz aus der Laubenheimer Ebene, zusammen 10000 Mark Der Finanzausschuß der Mainzer Stadtverordneten wird sich noch mit der Sache
Nach dem Vorlese⸗ wird an
rer ule Professor Dr. Leist Montag a 115 von 810 Uhr über (Bürgerliches Gesetz⸗
Ich könnt' keine Frau küssen, die einen 5 entzückt, die Alma——— Ja, ich weiß schon!——— Viere! sag' ich. schauderhaft!— Na,
frag' ich, wenn Du im guten Glauben die statt meiner geheiratet hättest sagte mit geradezu verblüffender Festig⸗
keit: Ich hätte mich scheiden lassen!— Du ver⸗ stehst, daß ich von nun an nicht mehr eifersüchtig war; aber Du verstehst auch, daß ich Dir das
„Ich verstehe, daß Du
Nebenzimmer durchschritt, winkte Es war
der sich vor Lachen ausschütten
sagte er:„Ist sie nicht der Susematz? Zahn ausgebissen— schade!— 15 0.“ ihr Gesicht. und hielt ihr das offene Portemonnaie hin, daraus
Dann trat er scharfen Schrittes wieder in das trällerte, rumorte, damit Sust Zeit Denn er sah im die
in ein großes Papier und wickelte e ich fert e 5„hin lieben konnte, wenn er sie auch nur ein einziges
Expedition:
. 1 Kreuzplatz Nr. 4.
buch, reichs⸗ und landesherrliche Ergänzungen), allgemeiner Teil und Recht der Schuldverhält⸗ nisse lesen. Ferner wird Professor Dr. Bier⸗ mann Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10—112 Uhr dasselbe Thema, Sachenrecht, dozieren.
* Gießen, 15. Okt. Der Kaufmännische Verein hat in Gemeinschaft mit dem hiesigen Ortsgewerbeverein als weiteren Vortragen⸗ den für das Winterhalbjahr den Professor Dr. Frank⸗Gießen gewonnen. Derselbe wird dem Vernehmen nach am 18. November über das Laien-Element in der Rechtspflege sprechen. Ebenso ist der Syndikus Schloß⸗ macher⸗Offenbach noch für einen Vortrags— abend gewonnen.
* Gießen, 15. Okt. Zum Vorsitzenden des Schiedsgerichts für die Sektion VI der Hessen⸗Nassauischen Baugewerks-Berufsgenossen⸗ schaft, sowie zum Stellvertreter des Vorsitzenden des für den Bezirk der Provinz Oberhessen gebildeten Schiedsgerichts der land⸗ und forst⸗ wirtschaftlichen Berufsgenossenschaft für das Großherzogtum Hessen ist der großherzogliche Kreisamtmann Ernst Boeckmann in Gießen ernannt worden.
* Gießen, 15. Okt. Bei dem im nächsteu Monat in Darmstadt tagenden hessischen Städtetag wird die Stadt Gießen durch den Oberbürgermeister Gnauth, die Beigeordneten Wolff, Georgi und Grüneberg, sowie durch die Stadtverordneten Dr. Gutfleisch und Heyligenstädt vertreten werden.
a. Gießen, 15. Oktober.(Stadttheater.) Die gestrige Aufführung des hier schon ziemlich bekannten„Herrn Senators“ ist als eine recht gute zu bezeichnen. Herr Helm als Senator Andersen war vorzüglich. Die mehr⸗ fachen Uebertreibungen verzeihen wir ihm; sie trugen nicht wenig dazu bei, das Publikum in vergnügte Stimmung zu versetzen. Herr Albrecht brachte den dösigen Mittelbach mit dem„hohlen Raum“ sehr gut zur Darstellung, ebenso Herr Janson den flotten und geriebenen Dr. Gehring. Frl. Würdig und Frl. von Winterstein fanden sich mit ihren Rollen ebenfalls gut ab. Die übrigen Rollen sind unbedeutend und kaum erwähnenswert.— Das Theater war ziemlich gut besetzt.
* Gießen, 15. Oktober.(Stadttheater.) Die Erstaufführung des neuesten Lustspiels„Die goldene Eva“ von Schönthan und Kappel⸗ Ellfeld findet am Sonntag, den 17. d. M., statt. Das neue Stück ist überall mit großem Beifall aufgeführt worden und dürfte auch hier bedeutendes Interesse erwecken, nachdem im vorigen Jahre„Rennaissance“ von den⸗ selben Verfassern hier so außerordentlich günstige Aufnahme gefunden.
* Gießen, 15. Okt. Die Verhandlung gegen den Grafen Leiningen-Ilben— stadt, zu der für morgen, Samstag Vormittag Termin ansteht, mußte vertagt werden, weil mehrere zu ladende Zeugen nicht zu ermitteln waren.
W. Gießen, 15. Oktober. Der in der ver⸗ gangenen Woche von der hiesigen Strafkammer sie mit den Zähnen fest, lief zugleich auf das Schränkchen zu, um das Geschenk unterzubringen, stolperte über das schleifende Ende und——— das Paket lag auf der Erde und neben dem Paket ein entzückendes, kleines spitzes Seitenzähnchen, daß sich Susi sozusagen mit dem Fuße selber ausge— zogen hatte.
Schrecken! Lähmendes Entsetzen!
Und kein Traum!— Denn das Taschentuch, an den Mund geführt, rötete sich mit Blut, der Folgeerscheinung der kleinen unfreiwilligen Operation.
Der Gemahl im Nebenzimmer machte Teller⸗ augen und spitzte den Mund zum Pfiff. Ein Zahn. Jetzt hatte er sein kleines Weib mit ihrem ganzen Haufen Grundsätze sozusagen in der Faust. Wie sie sich bloß aus der Klemme heraus ziehen würde —— Aber nur keine unmännliche Schwäche etwa mit Entgegenkommen auf halbem Wege—— das wollte er vor sich selber ausbitten!
Susi war in das Schlafgemach geeilt, stand da vor dem kostbaren Toilettenspiegel und betrachtete Scheußlich sah sie aus mit der Zahn— lücke— die sie— um mindestens fünfundzwanzig Jahre älter machte!— Garnicht möglich, sich vor einer lebenden Seele sehen zu lassen!— und was noch mehr des holden Blödsinnes war, den sie tragisch durch ihr Gehirn wälzte.
Dann schoß ein fürchterlicher Gedanke auf, der Gedanke an ihren Mann, der sie unmöglich ferner—
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freigesprochene van Coeverten scheint einer von der Sorte werden. Durch die Verhandlung vor der Straf⸗
Menschen zu sein, die nicht alle
kammer gegen Schütz, Ehlig und van Coeverten
ging klar hervor, daß die beiden Ersteren den
Holländer, mit dem sie in Brüssel im Café Metropol zusammengetroffen waren, glänzend angelogen hatten, bloß um einen Reisegefährten zu bekommen, der für sie, die beiden Erzschelme, die keine Geldmittel mehr hatten, die Reise nach Frankfurt resp. Gießen bezahlen sollte. Dieser Koup ist den Gaunern auch geglückt, ja Coe⸗ verten versetzte auf Veranlassung Ehligs in Frankfurt a. M. sogar seinen Brillantring, nach⸗ dem seine Barmittel auf die Neige gegangen waren. Nun, der Holländer hat seine Leicht⸗ gläubigkeit, mit der er alles für bare Münze nahm, was Ehlers und Schütz ihm erzählten, außer mit dem Verlust des vorgelegten Geldes noch mit fünf Monaten unschuldig abgesessener Untersuchungshaft büßen müssen. Trotz dieser trüben Erfahrung ist van Coeverten selbst im Gefängnis nicht klüger und gewitzigt geworden. Coeverten wurde nämlich bei seiner Verhaftung eine sehr wertvolle goldene Uhr und Kette ab⸗ genommen. Er hatte beim Richter den Antrag gestellt, zu gestatten, daß dieses Wertobjekt an seine Angehörigen nach Holland gesendet werde, war aber aus leicht begreiflichen Gründen mit diesem Ansinnen abgewiesen worden. Der Hol- länder erzählte den Vorfall im Untersuchungs⸗ gefängnis einem Mitgefangenen, der ihm mit⸗ teilte, wenn er ihm 100 Mark verschaffe, würde er durch einen Rechtsanwalt die Aushändigung von Uhr und Kette betreiben können. Der diesem plumpen Schwindel Glauben schenkende Coeverten veranlaßte thatsächlich seine Angehörigen, dem die 100 Mark zu übersenden. Jetzt, bei seiner Entlassung klagte Coeverten dem Staatsanwalt, was es doch unter seinen Gefährten im Pro⸗ vinzialarresthaus für schlechte Menschen gebe, und erzählte, wie er um seine 100 Mark ge⸗ kommen sei. Dieser hinter den Gefängnismauern vorgekommene Betrugsfall wird noch den Richter beschäftigen, indem der betrogene Holländer in Aussicht gestellt hat, wieder nach Gießen zu kommen, um gegen den Kollegen, der ihn so gemein reingelegt hat, Zeugnis abzulegen.— Wirklich ein Pechvogel, dieser Holländer.
* Gießen, 15. Okt. Der 17 jährige Jakob Kob von Niederweidbach, zuletzt Hausbursche bei Bäckermeister Krämer hier, hatte sich heute vor dem Schöffengericht zu verantworten. Zur Last lag ihm die Unterschlagung von Kundengeldern. Der Angeklagte giebt dies zu. Zu seiner Verteidigung sagt der Angeklagte, daß er das Geld zum Frühstücken ver⸗ wendet habe, da er von seinem Dienst⸗ herrn kein Frühstück bekommen hätte. Der Gerichtshof erkannte auf eine Gefängnis⸗ strafe von 3 Wochen, welche durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt erachtet wurde.
* Gießen, 15. Okt. Ueber die„Traglasten“ der Reisenden vierter Klasse hat die königliche Eisenbahn-Direktion folgendes verfuͤgt: Die In⸗ anspruchnahme der Gepäckträger zum Herein⸗ schaffen von Handgepäck in die Wagen vierter
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von ihr scheiden lassen, wenn sie— hm— hm— einen kleinen— hm— hm— Ersatz für den Ausreißer anbringen ließ.— Und ein Zähnchen!
ein einziges!— so ein süßes!— kleines! wie das
ihrige!—— das war doch schließlich zu ver— zeihen—— Himmel!— es waren ja keine vier, wie bei der Alma! Und Susi weinte in ihrer Herzensqual dicke Thränenströme, indes zwei
hungrige Geier ihr armes Gemüt zerfleischten.
Mittlerweile pochte es gegen die Thür und ihr Mann rief:„Susi! Frauenzimmerchen! Das Essen wird kalt!“ und polterte so lange, bis sie einließ. Kaum war er drin, so faßte er sie bei den Schultern und inquirierte:„Thränen? Schatz! Lumpengesindelchen!“
Und das Lumpengesindelchen lispelte: Kopf⸗ weh!“ stand vor ihm im weißen Schlafrock, rieb ihre Augen mit den Fäustchen.
„Na! na! das wird schon verfliegen. Ich habe kannibalischen Hunger! komm! sonst freß ich Dich!“
Er zog sie ins Speisezimmer, saß ihr dann gegenüber und betrachtete sie insgeheim. Sie war so drollig in ihrem Jammer und ihrer Verzweiflung, daß er das Lachen kaum verbeißen konnte.
Als die sanfteren Regungen in sein übermütiges Herz endlich einziehen wollten, wurde er unver- mutet abgerufen, und als er nach einer Stunde zurückkam, sagte man ihm, die gnädige Frau sei ausgegangen.
(Fortsetzung felgt.)
Bindfadens hielt
Mal mit der Zahnlücke sah— und der sich würde


