Ausgabe 
15.9.1897
 
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Im 3. Großh. Hess. Inf.⸗Regt.(Leib⸗Regt.) Nr.

b. 98, v. Erhardt, Major aggreg. dem Inf. egt. Kaiser Wilhelm(2. Großh. Hess.) Nr.

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dert die Pr.⸗Lts. v. Hofmann vom 1. Großh. ef. Inf.⸗Regt.(Leibgarde⸗) Regt. Nr. 115, roßmann vom Inf.⸗Regt. Kaiser Wilhelm(2. roßh. Hess.) Nr. 116, Wolter vom 4. Großh. e. Inf.⸗Regt.(Prinz Karl) Nr. 118, Funden, Sekondelieutenaut vom 1. Großh. Hess. If.(Leibgarde⸗ Regt. Nr. 115 zum Premier- utenant befördert.

1 ladr.⸗Chef ernannt.

Eskadr.⸗Chef in das Kurmärk. Drag.⸗Regt.

ung(2. Hess.) Nr. 14, als Adjutant zur 05 Pr.⸗Lt. sind befördert die Sek.⸗Lts. Prinz

. 24. Frhr. v. Gemmingen⸗Hagenschieß, Sek. , vom 1.. Hess. Drag.⸗Regt.(Garde⸗

Gießen, Mittwoch den 15. September

1897.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

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Gießen.

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Pofitg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112.

Redaktion:

25 Kreuzplatz Nr. 4. 2

kokales und Provinzielles. * Gießen, 14. September.(Militär⸗ enstnachrichten.) Schott, Major aggreg.

7, als Bats.⸗Kommandeur in das Inf.-Regt.

0, als Bats.⸗Kommandeur in das Inf.⸗Regt. roßherzog Friedrich Franz II. von Mecklen⸗ Arg⸗Schwerin(4. Brandenburg.) Nr. 24, Mangiert. Zu überzähl. Hauptleuten sind be⸗

v. Fink, Hauptmann und

8. 75. Graf zu Astell⸗Rüdenhausen, Rttm. vom 1. Großh. Hess. drag⸗Regt.(Garde⸗Drag.⸗Regt.) Nr. 23, zum Frhr. v. Klot⸗Traut⸗ ler, Rittm. vom Westf. Ulan.⸗Regt. Nr. 5, ter Entbindung von dem Kommando als Ad⸗ kunt bei der 25. Kav.⸗Brig.(Großh. Hess.),

. 14 versetzt. v. der Groeben, Pr.⸗Lt. vom us⸗egt. Landgraf Friedrich II. von Hessen⸗ Rab.⸗Brig.(Großh. Hess.) kommandiert. bert zu Schleswig⸗Holstein Durchlaucht vom Großh. Hess. Drag.⸗Regt.(Garde⸗Drag.⸗Regt.) J. 23, Meister, Fischer, v. Negenborn vom 2. Außh. Hess. Drag.⸗Regt.(Leib⸗Drag.⸗Regt.)

Arag.⸗Regt.) Nr. in das 2. Garde⸗Ulan. gk, versetzt. Nachgenannte Hauptleute und Komp. hefs sind unter Beförderung zu überzähligen

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Tageszelt. 6383 Pfg.

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asoren aggregiert: v. Scheven vom Inf.⸗Regt. utser Wilhelm(2. Großh. Hess.) Nr. 116, lichler vom 4. Großh. Hess. Inf.⸗Regt.(Prinz Al) Nr. 118, v. Prittwitz und Gaffron vom Großh. Hess. Inf.⸗Regt. Nr 168, v. Wor⸗ ey, Hauptmann vom Königs⸗Inf.⸗Regt. Nr. , unter Belassung in dem Kommando als Uiatant bei der Großh. Hess.(25.) Div. und ter Versetzung in das Füs.⸗Regt. von Gers⸗

A. b. Treskow, Major und Eskadr.⸗Chef en 2. Großh. Hess. Drag.⸗Regt.(Leib⸗Drag. 115 Nr. 24, ein Patent seiner Charge ver⸗ en. Lübbert, Pr.⸗Lt. von der Arbeiter⸗Ab⸗ . in Mainz zum Festungsgefängnis in Span⸗ u bersetzt. Lageman, Sek.⸗It. vom Großh. M. Train⸗Bat. Nr. 25 zum Pr.⸗Lt., vorläufig hie Patent, befördert. Völsing, Major z. D. i dritter Stabsoffizier bei dem Kommando Landw.⸗Bezirks Köln, unter Verleihung des

uff(Hess.) Nr. 80, zum überz. Major beför⸗ g

garakters als Oberstl., zum Kommandeur des Audw. Bezirks Siegburg ernannt. Frhr. Dael ..

v. Köth⸗Wanscheid, Sek.⸗Lt. à la suite des Großh. Hess. Feldart.⸗Regts. Nr. 25(Großh. Art.⸗Corps), in das Regt. wiedereinrangiert. Mangold, Oberst z. D. mit dem Range eines Regts.⸗Kommandeurs, unter Verleihung des Charakters als Gen.⸗Major, von der Stellung als Kommandeur des Landw. ⸗Bezirks Stettin entbunden. Nau, Oberst z. D. mit dem Range eines Regts.⸗Kommandeurs, unter Verleihung des Charakters als Gen.⸗Major, von der Stellung als Kommandeur des Landw. Bezirks Köln entbunden.

Gießen, 14. Sept. Der Präsident des hessischen Landwirtschaftsrats, Kreisrat Haas⸗ Offenbach, macht bekannt, daß mit dem Vorstand der Landwirtschaftskammer für den Regierungs⸗ bezirk Wiesbaden die Einrichtung einer gemein⸗ schaftlichen Preisnotierungsstelle an der Fruchtbörse zu Frankfurt a. M., ver⸗ bunden mit einem Nachrichtendienst zur Bekanntgabe der festgesetzten Preise in allen Orten des Großherzogtums und des Regierungsbezirks Wiesbaden, vereinbart worden sei. Diese Einrichtung soll den Zweck haben, alle interessterten Landwirte des Landes an den Hauptbörsentagen regelmäßig und so rasch wie möglich über den jeweiligen Stand der Preise, wie solche von einer aus Landwirten be⸗ stehenden gemeinsamen Kommission an Ort und Stelle auf der Grundlage realer Verkaufs⸗ abschlüsse festgestellt wurden, in Kenntnis zu setzen. Diese Preisermittelungen sollen den Landwirten eine zuverlässige Richtschnur für die örtliche Preisbildung und damit einen Schutz gegen Uebervorteilung bieten. Die Preisfest⸗ stellungen sollen an jedem Montag stattfinden und zwar zunächst für Weizen, Roggen, Gerste und Hafer für je 100 Kgr., unter Angabe der ermittelten niedrigsten und höchsten Preisgrenz⸗ zahlen für gutes Marktgetreide. Diese Mit⸗ teilungen sollen an einzelne Landwirte, an Gemeinden, Genossenschaften oder landwirtschaft liche Ortsvereine erfolgen und zwar entweder mit Postkarte oder durch den Telegraphen; das Abonnement hierfür ist für die Postkartenmit⸗ teilung auf 3 1 und für telegrapische Mittei⸗ lung auf 30& per Jahr festgesetzt, alle übrigen Kosten werden durch die Landwirtschaftskammer zu Wiesbaden und den hessischen Landwirtschaftsrat getragen. Der Nachrichtendienst soll am 1. Okt. d. J. in Kraft treten.

* Gießen, 14. Sept.(Stadttheater.) Die Wintersaison im hiesigen Stadttheater be ginnt am Dienstag, den 28. cr. mit dem LustspielRosenkranz und Guldenstern von Klapp, welches augenblicklich am Kgl. Schauspielhaus in Berlin sehr oft und mit großem Erfolge gegeben wird. Die erste bedeutende Novität der Saison ist das MärchendramaDie versunkene Glocke von Gerhart Hauptmann.

* Gießen, 14. Sept.(Ein Opfer des Manövers.) Gestern wurde hierselbst ein Dragoner vom Hofgeismarer Regiment be⸗ erdigt, der im hiesigen Lazarett am Typhus

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pig. für die Aspaltige Betitzeile.

8 Exyveditiou: Kreuzplatz Nr. 4.

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* Gießen, 14. Sept. gestern ein Soldat der 11. Kompagnie unseres Regiments mit seinem Dienstgewehr. Der Mann sollte zur Reserve entlassen werden, hatte sich jedoch zum Kapitulieren gemeldet und war damit zurückgewiesen. Diese Zurückweisung hat den Mann zum Selbstmord geführt.

* Gießen, 14. Sept.(Gemütliches Zu⸗ sammensein.) Am Sonntag Abend kam es zwischen Mitgliedern zweier hiesiger Vereine, deren Zweck ausschließlich in der Pflege des geselligen Verkehrs besteht(Amicitia und Konversation), auf derSchönen Aussicht zu einer fürchterlichen Keilerei. Als Waffen dienten Stühle und Biergläser. Die übrigen Gäste, worunter sich viele Familien mit Kindern befanden, mußten aus dem Lokale flüchten, um nicht ebenfalls mit Gläsern bombardiert zu werden. Ungefähr 10 junge Leute wurden wegen gegenseitiger Körperverletzung und groben Unfugs zur Anzeige gebracht, auch haben sämtliche mehr oder weniger Verletzungen davongetragen.

* Alsfeld, 10. Sept. Bei der gestrigen Wahl des Bürgermeisters für unsere Stadt wurde der seitherige Bürgermeister, Herr Ernst Arnold, der dieses Amt bereits 18 Jahre hindurch bekleidet hat, mit 317 von 319 abge⸗ gebenen Stimmen wieder gewählt. Die Einmütigkeit, mit der unsere Bürgerschaft dem im Amte erkrauten, bewährten Beamten diese ehrende Kundgebung des Dankes und des Ver trauens bereitet hat, ist in hohem Maße er⸗ freulich. Möge die körperliche und geistige Frische, deren sich der nun schon bejahrte Herr bislang erfreute, demselben auch während seiner ferneren Amtshätigkeit ihm erhalten bleiben!

* Darmstadt, 13. Sept. Das seit längerer Zeit von der Regierung in Aussicht gestellte neue Beamtengesetz nebst einer Gehalts- ordnung ist soeben der zweiten Kammer zu gestellt worden.

* Mainz, 12. September. Eine öffentliche sozialdemokratische Parteiversamm lung nahm nach einem Referat des Herrn Redakteurs Katzenstein einstimmig eine Reso⸗ lution an, in der aufgrund der in Hessen ge⸗ machten Erfahrungen der Eintritt sozialdemo⸗ kratischer Abgeordneten in den preußischen Landtag im Interesse der Propaganda des Sozialismus, der Hebung der gegenwärtigen Lage der Arbeiter- klasse und der Bekämpfung des Junkertums für wünschenswert erklärt wird. Sie hält die Auf⸗ hebung des Kölner Beschlusses von 1893 für geboten und empfielt den preußischen Partei genossen den Eintritt in die Landtagswahl mit dem Zweck der Gewinnung von Mandaten. Weiter besprach Herr Katzenstein die Notwendig keit einer Revision des Parteiprogramms und wurde beschlossen, bei dem Parteitag in Hamburg zu beantragen, auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages zu setzen: 1. die theo⸗ retischen Grundlagen des Parteiprogramms mit C. Kautsky und Konrad Schmidt als Referenten und 2. die Bedeutung der Konsumgenossenschaften für die Arbeiterklasse. Es folgte hierauf ein

Vorschlag des früheren Abgeordneten Jöst, auf

Erschossen hat sich

dem Parteitag in Hamburg den Versuch zu machen, von dem bei der Bank von England angelegten eine halbe Million betragenden Partei⸗ fonds größere Unterstützungen für die sinanziell schlecht stehenden Parteiblätter herauszuschlagen, da die Presse das wichtigste Agitationsmittel sei. Fast alle Redner widersprachen jedoch mit Hin⸗ weis auf die kommenden Reichstagswahlen und die Versammlung ging über den Vorschlag zur Tagesordnung über. Als Delegierter für den Parteitag in Hamburg wurde Redakteur Katzen⸗ stein gewählt. Kl. Pr.

37. Wanderversammlung des Ober⸗ hessischen Bienenzüchtervereins zu Grünberg.

K. Grünberg, 13. September.

Der heutige Tag war speziell für Imker von großer Wichtigkeit, und die zahlreiche Beteiligung an der Generalversammlung bewies, welch reges Interesse die Mitglieder des oberhessischen Bienen⸗ züchtervereins der Imkerei entgegenbringen und bestrebt sind, die Bienenzucht zum Wohle des Volkes zu heben und zu fördern. Das Pro⸗ gramm war heute ein sehr umfangreiches, das sich in der Hauptsache mit den internen Ange⸗ legenheiten des Vereins beschäftigte und auf der Generalversammlung in befriedigender Weise seine Erledigung fand. Hierzu gehörte die Be⸗ richterstattung des Vorsitzenden, Rechnungsablage pro 1896, Aufnahme der Zweigvereine Grünberg, Lauterbach und Engelrod in den Hauptverein usw. Eingeleitet wurden die heutigen Verhandlungen durch kurze Ansprachen des Herrn Pfarrer Ellenberger-Ortenberg und Herrn Bürger⸗ meister Zimmer-Grünberg. Nach Erledigung der Vereinsangelegenheiten wurden zwei ver schiedene Vorträge gehalten, die mit großem In⸗ teresse von Seiten der Anwesenden verfolgt wurden. Herr Pfarrer Deichert-Großen⸗Buseck sprach über: die nützliche Verwendung von Kunstwaben und Herr Lehrer Roth Lich über: die Behandlung des Honig⸗ raums. Diesem schloß sich das gemeinschaftliche Mittagsessen an, welchem die Freiverlosung von zwei Völkern und Kunstwaben folgte. Bei der Prämiierung können wir nur die Namen der zwei ersten Gruppen erwähnen, da uns die der Aussteller des Honigs usw. nicht zur Verfügung stehen. Die erste Gruppe bildete Bienen woh⸗ nungen und Gerätschaften, wobei solgen⸗ den Ausstellern Prämien zuerkannt wurden: Heinrich Heck Witwe-Nidda, Franz⸗Nidda, Jose⸗ Ober⸗Bessingen, Weckfort⸗-Nieder⸗Eschbach, Herz⸗ berger-Flensungen. Die zweite Gruppe bestand aus lebenden Völkern, wobei nachstehende Aussteller Prämien erhielten: Schmidt II⸗Saasen, Jose-Ober-Bessingen, Hchr. Heck Witwe-Nidda, Herzberger-Flensungen, Heinrich Müller-Queck⸗ born. Bei der Verlosung fiel der erste Preis,

eine vierstökkige Bienenwohnung mit Völkern, nach Gießen; der fünfte Preis nach Grün⸗ berg. Auf dem Honigmarkt war der Ver⸗ kehr ein sehr reger zu nennen, und ist mit diesem Versuch vollständig der Zweck erreicht worden,

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verstorben war.

3

Eine reiche Partie.

Erzählung von Felix von Stenglin. (Nachdruck verboten).

(Fortsetzung.)

0 Nun ergriff sie seine Hand und preßte sie an he Wangen. Hellmuth fühlte Thränen an seinen ungern.

O so weine doch nur nicht, Liebste! Man ist nicht immer aufgelegt. Ich muß wohl nicht ag wohl sein, das wird sich schon wieder geben. Röschen seufzte und nahm ihre Arbeit wieder . Doch nach kurzer Zeit erhob sie sich plötzlich ging auf ihren Gatten zu.Weißt Du, was thun wollen? Es ist ein so schöner Tag, und haft keinen Dienst.... Wir wollen zu nen Eltern fahren, ja? Bittend sah sie zu ihm 1 Doch verwirrt erwiderte er:Das geht nicht, es Kind. Es kann noch Befehl vom Regiment damen, und dann muß ich hier sein.

Traurig senkte Röschen den Kopf.Ich hatte chon darauf gefreut. Nun, dann ein ander

% leicht?

ful. Ich habe die Eltern so lange nicht gesehen.

I einmal offen, Hellmuth, bist Du meinem

er böse über irgend was? Eine Aeußerung Nein? Ja, aber warum willst Du denn aus nicht mehr mit ihm zusammen kommen?

Ich? Du irrst Dich wohl.

5 1 101 nein! Vor ein paar Tagen wars

e 1 C b g 5 s . Grin sich zu einem Lächeln.Laß doch

. len, Herzchen. Komm', wir wollen einen erzang machen, das wird uns gut thun.

Ungern ließ Hellmuth in dieser Zeit seine Frau allein. Wenn er vom Dienst kam, beeilte er sich, nach Hause zu kommen und suchte sogleich in ihrem Gesicht zu lesen. Kam sie ihm mit ihrem unbe⸗ fangenen, freundlichen Lächeln entgegen, so war er froh. Schien ihre Miene ihm nicht ganz so heiter wie sonst, dann fragte er hastig:War jemand da? Hast Du jemand getroffen? Sind Briefe ange kommen? f N

Und erst wenn sie auf diese Fragen eine ver⸗ neinende Antwort gab, war er beruhigt. b

Wohl hatte sie Recht darin, daß er sie auf jede Weise von dem Verkehr mit den ihrigen fern u halten suchte.

n 155 1 kam er ihr mit der alten Frische, mit dem alten Frohsinn entgegen. Doch manchmal gelang es ihm, alle Sorgen zu vergessen und harmlos heiter zu sein. So kam er auch eines Mittags gut gelaunt vom Dienst. Es war alles so glatt verlaufen und der wunderschöne Herbsttag draußen erfreute und erhob sein Gemüt, nicht minder aber die Aussicht, sein junges Weib wieder in die Arme schließen zu können. Trällernd stieg er die Treppen hinauf, zog die Schlüssel und öffnete ie Korridorthür.

8 15 700 stand vor ihm. Aber sie lachte nicht wie sonst, kam ihm nicht entgegen, gab ihm

f inmal die Hand.. 0 dare Schreck durchfuhr ihn. Dein Vater war hier? fragte er schnell. Nein, erwiderte sie leise. Deine Mutter?

Ja.

Damit ging sie in sein Zimmer. Er legte Säbel und Mütze ab und folgte ihr.

Ernst stand sie vor ihm. Er merkte sofort, daß sie alles wußte.

Und nun mußte er sprechen. Trotz der pein lichen Situation spürte er ein Gefühl der Erlösung. Er war die Last los. Und es wurde nun hoffentlich klar um ihn

Willst Du Dich nicht setzen, Röschen?

Sie schüttelte mit dem Kopf und sah immerfort prüfend an.

Was soll denn das! So setz' Dich doch!

Ich danke.

Wie förmlich dasz klang, diesich danke!

Ja, Hellmuth, ich weiß es nun, was Dich bedrückte, begann sie endlich.Das konntest Du mir freilich nicht sagen. Und ich fasse es auch noch nicht. Du entschuldigst, wenn ich nicht ganz folgerichtig spreche, mir ist alles so wirr im Kopf. Merkwürdigerweise empfinde ich auch keinen be sonderen Schmerz, doch das kommt wohl noch. Es ist, als ob alles in mir ertötet wäre, die heiligsten Gefühle, alles tot, tot!

Sie ließ die Hände sinken und blickte zu Boden.

Vor allen Dingen eins, Röschen: ich liebe Dich 0

Schweig'! Zorusprühend blickte sie auf, sie atmete heftig.Ich habe mal früher davon ge lesen, fuhr sie leiser fort, obwohl die innere Erregung in dem Ton ihrer Worte nachklang,und damals schon hat es mir Abscheu eingeflößt. Im

ihn

Heiratskontor, so hieß die kleine Geschichte glaub' ich. Und da waren förmliche Listen mit reichen

Mädchen, und die Mäuner kamen und sahen die Listen durch, manche ließen sich auch die Photo graphie zeigen, doch den Meisten war das Neben- sache. Das Geld war die Hauptsache. Und der freche Mensch, der das Büreau hatte, ließ sich dann eine Provision zusichern, wie das häßliche Wort heißt, und damit war dasGeschäft einge leitet. Und nun zu denken, daß man selbst ein solches Spekulationsobjekt gewesen ist, daß man gegen seinen Willen so verschachert ist des Geldes wegen Sie blickte auf, und ihr flammendes Auge traf den Gatten,das ist eine Schande, die auf mir lasten wird, mein Leben lang! Und der, an den ich verkauft bin, das bist Du!

Hellmuth war bleich geworden.Röschen, erwiderte er leise,Du beleidigst mich auf das Tiefste!

Sie wehrte ab. kann Dir ja nicht

Röschen! schrie er Hand fassen.

Faß mich nicht an! Ich sehe jetzt klar. Und ich will mich nicht wieder einlullen lassen. Deshalb die Verlegenheit, wenn von Herrn von Warns hagen gesprochen wurde! Deshalb die Be schleunigung der Hochzeit! Die Schulden mußten ja bezahlt werden, und der Heiratsvermittler mußte doch die Provision bekommen! Nun? Nun? So doch! So verteidige Dich doch! Sage, daß alles nicht wahr ist, daß ich träume oder geistig gestört bin. Bringe mich in eine Anstalt, laß mich ein⸗ sperren und sage: sie hat eine fixe Idee, und da laß mich sterben!(Jortsetzung folgt.)

Laß doch! Sprich nicht! Ich mehr glauben, nie mehr! auf und wollte ihre