Ausgabe 
15.6.1897
 
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Nr. 137

Gießen, Dienstag, den 15. Juni

1897.

Postztg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112.

Ausgabe

Hessische Landeszeitung

Gießen.

Pofigtg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112.

Nedaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 14. Juni. Schul⸗Entschul⸗ higungsschreiben sind nach einem Urteil des Reichsgerichts als Urkunden anzusehen. Wissent⸗ lich falsche Angaben in solchen Schreiben, z. B. die unrichtige Angabe, das Kind sei krank ge⸗ wesen, sind demnach als Urkundenfälschung zu beurteilen und eventuell zu bestrafen.

* Gießen, 14. Juni. Den Mitteilungen der Zentralstelle für die Landesstatistik für den Monat Mai entnehmen wir, daß für die Hand werker⸗ und Kunstgewerbeschulen im Jahr 1895/96 direkt aus Staatsmitteln 113 349 l. tufgewendet wurden. Hierzu kommen 16 958 4 des Landesgewer bevereins, 4029, der Orts- gewerbevereine, freiwillige Beiträge der Gemeinden, Sparkassen und anderer Körperschaften, wozu nch vielfach unentgeltliche Stellung der Lokale, heren Heizung und Beleuchtung kommen mit 17504, die Schul- und Eintrittsgelder er⸗ 1 53 328, die Ausgabe für Lehrergehalte etrug 187 702 1. Von Interesse ist eine lebersicht über die Anzahl der Hunde und den 16 der Hundesteuer für das Jahr 1896/97. In der Provinz Starkenburg zählt man 20 727, in Oberhessen 11662 und in stheinhessen 13 322 Hunde, sodaß an Staats⸗ steuern im ganzen 228 605. eingingen. Die von 2 bis 5% schwankende Gemeindehundesteuer ertrug 73 698,50 4 im ganzen.

Gießen, 14. Juni. Der VereinLehrers⸗ heim Vogelsberg beabsichtigt, im Laufe dieses Sommers behufs Errichtung einer Wasserleitung in dem Gebäude bei Schotten eine Verlosung on Kunstgegenständen zu veranstalten. Die stegierung hat die Erlaubnis zur Verlosung unter der Bedingung erteilt, daß nicht mehr als 10000 Lose zu 1&4 ausgegeben werden dürfen. Sechzig Prozent des Bruttoerlöses aus dem Losverkauf müssen zum Ankauf von Gewinn⸗ gegenständen verwandt werden. Der Vertrieb her Lose ist im ganzen Großherz. Hessen gestattet. Gießen, 14. Juni. Die gestern stattge⸗ sfundene Hunde⸗Ausstellung auf der Schönen Aussicht war sehr gut besucht. Be⸗ bonders waren Jagdhunde in ganz vorzüglichem Material und zwar größtenteils aus unserer geren Heimat vertreten. Auch Frankfurter gundebesitzer hatten die Schau mit etwa 35 Stück auserlesener Tiere beschickt und heimsten dafür schöne Preise ein. Der Besuch war ein ganz ausgezeichneler; es haben 1500 Personen e 5 Uhr nachmittags die Kassen passtert. Das Schliefen auf Dachs und Fuchs hatte viele Inte⸗ lessenten angezogen, so daß der veranstaltende Verein mit dem Erfolg des Unternehmens wohl ufrieden sein.

Gießen, 14. Juni. In einem Hause am Asterweg entstand gestern Abend zwischen 6 und Uhr ein kleines Schadenfeuer. Ein im Treppenbau stehender Kasten mit schmutziger Wäsche war auf bis jetzt unaufgeklärte Weise 1 Brand geraten. Die Nachbarn erbrachen die Thüre des Hauses, dessen Bewohner sämtlich dusgegangen waren, und löschten das Feuer ab.

* Gießen, 14. Juni. Die seit einigen Tagen bermißte Dienstmagd hat sich gestern Abend bel ihrer Herrschaft wieder eingefunden. .

Grünberg, 13. Juni. Die Landwirte sind jetzt allenthalben mit dem Ausgsetzen der Dickwurzpflanzen beschäftigt, welche Arbeit infolge der Feuchtigkeit des Erd⸗ bodens rasch von statten geht. Die e selbst sind heuer in Menge vorhanden, und sind deshalb die Preise derselben sehr gering. Weniger gut geraten sind die Kraut⸗ und Gemüsepflanzen, weshalb manche Gartenbesitzer ihren Bedarf aus Gärtnereien beziehen müssen. Wenn die günstige Witterung anhält, wird voraussichtlich diese Woche allgemein mit der Heuernte be⸗ gonnen werden. Die Wiesen versprechen einen schier überreichen Ertrag. Einige bereits statt gehabten Heugrasversteigerungen ergaben ver hältnismäßig sehr niedrige Preise.

K. Beltershain, 13. Juni. Heute Nach⸗ mittag fand im Lothschen Gasthause dahier eine Versammlung der Imker des Zweigvereins Grünberg-Mücke statt, welche namentlich von Interessenten aus Grünberg stark besucht war. Herr Lehrer Seip sprach in astündigem Vortrage über das künstliche Schwärmen der Bienenvölker vorerst wurden durch den Referenten praktische Unterweisungen erteilt. Die nächste Versammlung findet Ende August zu Grünberg in Hamels Garten statt.

* Bad Nauheim, 14. Juni. In der letzten Woche sind 916 Fremde angemeldet worden, gegen 995 in der entsprechenden Woche des Vor jahres. Dazu 4774 Personen nach der vorigen Kurliste, giebt eine Gesamtfrequenz von 5690. Bäder sind vom 1. April bis einschließlich 10. Juni d. J. 47 903 bereitet worden, 8114 Bäder mehr als bis zu diesem Tage des Vor⸗ jahres. Es wurden in der letzten Woche heuer 11772, in der entsprechenden Woche des Vor⸗ jahres 11497 Bäder gefertigt. Pro Tag der letzten Woche 1897 1681, 1896 1642 Bäder. Voriges Jahr waren 3412, dieses Jahr sind 3506 Personen am Tage des Erscheinens von Nr. 7 der Kurliste noch anwesend. Am Sonn⸗ tag, den 20. Juni, findet ein Benefizkonzert der Kurkapelle statt.

* Darmstadt, 12. Juni. Ueber die Ver⸗ waltung ständiger richterlicher Stellen durch Gerichtsassessoren wurde neulich in derFrkf. Ztg. in einer Mitteilung aus Worms Klage geführt. Die Wormser stehen mit ihren Beschwerden nicht allein. Beim Amtsgericht Darmstadt II wird eine Richterstelle, da der be⸗ treffende Amtsrichter ans Landgericht kommittiert ist, nun schon über ein ganzes Jahr durch Ge richtsassessoren versehen.

Schwurgericht. W. Gießen, 14. Juni.

Der Vorsitzende Landgerichtsrat Dornseif eröffnet um 9 Uhr vormittags die diesmalige Tagung des Schwur⸗ gerichts für die Provinz Oberhessen.

Nach Erledigung der gesetzlichen Formalitäten und nach Auslosung der Geschworenen wird in die Verhand⸗ lung gegen den ehemaligen Stationsassistenten Wil⸗ helm Gustav Mende aus Freiburg an der Unstrut, zuletzt in Vilbel wohnhaft, wegen Verbrechens m Amt eingetreten. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmermann, die Verteidigung liegt in den Händen des Justizrats Baist. Es sind zwei Zeugen zu hören. Der Angeklagte, welcher sich nicht in Haft befindet, ist 46 Jahre

alt, verheiratet, Vater von vier Kindern und nicht bestraft.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Espaltige Petitzeile.

Expebition: Kreuzplatz Nr. 4.

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Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, daß er vom Januar bis März d. J. für 250/ Monatsfahrkarten verausgabt, den Betrag derselben unterschlagen und unter⸗ lassen hat, diese Einnahmeposten in die zur Kontrolle dienenden Bücher und Register einzutragen.(Verbrechen aus§8 350 und 351 des R.⸗Str.⸗G.) Der Angeklagte ist Veteran des Krieges 1870/71, im Besitze des eisernen Kreuzes 2. Klasse und der Militär⸗Verdienstauszeichnung 2. Klasse. Sein Einkommen hat sich auf 2116, be⸗ laufen. Krankheit in der Familie, so erklärt der An⸗ geklagte, habe ihn in eine gewisse Notlage gebracht, und um drängende Gläubiger zu befriedigen, habe er die in der Stationskasse fehlenden Beträge hinterzogen, er habe aber die Absicht gehabt, den Betrag der zurückbehaltenen Summe am 1. April, wo er sein Gehalt bekommen hatte, wieder in die Kasse zu legen. Da habe am 15. März eine Revision in Vilbel stattgefunden. Der Angeklagte hat am Tage der Revision den Fehlbetrag ersetzt, sodaß der Eisenbahnfiskus keinen Nachteil erlitten hat.

Der Stationsvorsteher Mierse von Vilbel war 75/ Jahre mit Mende im Dienste zusammen und giebt demselben geradezu ein glänzendes Zeugnis.

Der Beigeordnete Kalbhenn von Vilbel, Nachbar des Angeklagten, bekundet, daß die Mendeschen Eheleute sehr sparsam und auspruchslos lebten, ihre Kinder auch bescheiden und einfach erzogen hatten. Die Kinder seien schwächlich und öfter mit Krankheiten behaftet. Mende sei bestrebt gewesen, seine Kinder in die bessere Schule zu schicken.

Die den Geschworenen vorgelegte Schuldfrage ist dahin formuliert:Ist der Angeklagte schuldig, Gelder, welche er in amtlicher Eigenschaft empfangen oder in Gewahrsam hatte, unterschlagen zu haben, hat er in Beziehung auf die Unterschlagung die Eintragung oder Kontrolle der Einnahmen in die dazu bestimmten Bücher und Register unterlassen. Sind mildernde Umstände vorhanden? Staatsanwalt Zimmermann plaidiert für Bejahung der Schuldfrage, aber, da der Angeklagte sich in einer Notlage befunden und nicht verdiente ins Zuchthaus zu k mmen, auch die Frage nach mildernden Umständen. Justizrat Baist weist darauf hin, daß, wenn die Geschworenen der Ansicht sind, der Angeklagte habe den aus der Kasse ent⸗ nommenen Betrag bei Gehaltsempfang decken wollen, dann mögen sie ihn freisprechen, er schließe sich im anderen Fall dem, was der Staatsanwalt gesagt, an. Nach er⸗ folgter Rechtsbelehrung durch den Vorsitzenden ziehen sich die Geschworenen ins Beratungszimmer zurück. Der Wahrspruch, welcher vom Obmann Theobad-Bad⸗Nauheim, verkündet wurde, lautet schuldig des Verbrechens im Amte, unter Zubilligung mildernder Umstände. Staatsanwalt Zimmermann beantragt in Rücksicht auf die Art, wie der Angeklagte gehandelt, auf 9 Monate Gefängnis zu er⸗ kennen, von der Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte wolle er absehen. Der Verteidiger bittet um die Erken⸗ nung der Minimalstrafe(6 Monate Gefängnis), hier liege ein Fall vor, wo man bedauern müsse, daß das Gesetz keine geringere Bestrafung zulasse. Der Gerichts⸗ hof erkannte auf 7 Monate Gefängnis.

Auszug aus den Kirchenbüchern der evangelischen Gemeinde.

Lukasgemeinde. Taufen. Am 6. Juni. Dem Tagelöhner Peter Trechsler ein Sohn, Georg, geboren den 27. April. Am 7. Juni.

Dem Schlosser Karl Oskar Weißbach eine Tochter, Elisa⸗ beth Anna, geboren den 25. Mai. Am 10. Junt. Dem Schutzmann Johannes Schädel ein Sohn, Ludwig, geb. den 23. Aprll.

Johannesgemeinde. Taufen. Am 6. Juni. Dem Schuhmachermeister Adolf

Schwan ein Sohn, Adolf Karl Heinrich, geboren den 4. April. Dem Hilfsbremser Heinrich Kümmel eine Tochter,

n

Emilie, geboren den 14. März. Dem Hausburschen Kon⸗ rad Jakob Koch ein Sohn, Dietrich Wilhelm, geboren den 21. April. Dem Eisendreher Gustav Krüger ein Sohn, Emil Wilhelm Karl Heinrich Philipp, geboren den 1. Mal. Am 7. Juni. Dem Schlosser Karl Gerlach eine Tochter, Elisabeth Wilhelmine, geboren den 24. April. Dem Bau⸗ aspirant Georg Grüning eine Tochter, Auguste Luise, geb. den 12. Mai. Trauungen.

Am 6. Juni. August Karl Emil Best, Dreher zu Gießen, mit Rosine Groh, Tochter des Landwirts Georg Michel Groh zu Geilenkirchen. Am 7. Juni. Gustas Eduard Michaelis, Graveur zu Gießen, mit Auguste Karoline Wilhelmine Kluge, Tochter des verstorbenen Klavierstimmers Karl Heinrich Kluge zu Gießen. Am 8. Juni. Wilhelm Julius Hermann Pätz, Regierungs⸗ landmesser und Kultur⸗Ingentieur zu Bonn, mit Anna Luft, Tochter des Wirts Otto Luft zu Gießen.

Neueste Telegramme.

Hd. Berlin, 14. Juni. DemKl. Journ. wird aus Luxemburg telegraphiert, daß da⸗ selbst Gerüchte über den ungünstigen Zu⸗ stand des 80 jährigen Großherzogs ver breitet sind.

Hd. Aachen, 14. Juni. Vier an der Turmstraße gelegenen Fabriken, nämlich die Weberei von Emil Kahn und M. Salomon, ferner die Tuchfabrik Schnei⸗ der und Burghert, die Spinnerei von Finger und Schneider, sowie ein Gebäude der Spinnerei Lennartz sind Sonntag Nachmittag vollständig nieder⸗ gebrannt. Der entstandene Schaden ist

enorm. Hunderte von Arbeiter sind brotlos.

Hd. Paris, 14. Juni. Hier verbrei⸗ teten gestern Extrablätter die Meldung von einem Revolver⸗Attentat auf den Präsidenten Faure während dessen Fahrt zum Reunplatze nach Langchamps. Die Untersuchung ergab jedoch, daß kein Revolverschuß gefallen, sondern daß ein Individuum im Ge büsch eine mit Pulver gefüllte Blechbüchse zur Explosion gebracht hat. Die Büchse war nicht in der Rich⸗ tung Faures geworfen. In der Nähe der zur Explosion gebrachten Büchse fand man noch einen Dolch, eine alte Pistole und ein Stück Papier mit der Aufschrift: Hinrichtung des Präsi⸗ denten Faure. Mehrere Personen wurden sofort von der Menge festge⸗ nommen und miß handelt. Sogar einem Sicherheitsbeamten wurden die Kleider vom Leibe gerissen. Nach Klarstellung der Sache wurden die Verhafteten entlassen. aure er⸗ hielt von den Ministern, Diplomaten, dem Großfürsten Sergius usw. Glück⸗ wünsche. Auf dem Rennplatze hatte die Meldung von dem Attentat ebenso wie in Paris ungeheure Sensation hervor⸗ gerufen.

Hd. Bozen, 14. Juni. Die Eisackbrücke ist vollständig abgebrannt.

Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redok⸗ teur: Wilhelm Sell in Gießen; Drus der E. Ottmannschen Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 13.

Schonzeit.

Von M. Roda ⸗Roda. (Nachdruck verboten)

Vom vorigen Jahre gar nicht zu reden! Es har noch ärger, heuer. Ich dachte manchmal es wüsse anders werden und es ward nicht bisser. Der Kreis zog sich immer enger und enger um mich, bis ich armes gehetztes Wild mich aus dir Schußlinie brauner, blauer und schwarzer Augen durch einen kühnen Ausflug rettete.

Keinen Ball, kein Kränzchen hatte ich versäumt, neder im Carneval, noch derNachzügler eins. ch hatte mit ihr entschieden zu oft getanzt und die Antwort, die auf rosigen Lippen schwebte:Sprechen Lie mit Mama! nur mit knapper Not verhütet. Daß ich ein Meister darin sei, den Kopf so oft Mperletzt unter dem Damoklesschwerte hervorzu⸗ ehen dies Zeugnis durfte ich mir mit gerechtem Etolze ausstellen.

Und jetzt gerettet, geborgen vor allen

Heiratsanträgen zu Hause bei Mama urd Papa.

Ach, es war entzückend!

Das leise Klingen von der Höhe oben wor die Tarienglocke des Klosters; voll setzte die große

inglocke ein. Summende Bienen, weißblühende Arschenbäume und ein wonniges Gefühl im Herzen

das alles zusammen gab die rechte Ostersonntag stimmung.

Ein leichter Schritt ließ mich die Nähe meiner Schwester vermuten. Ich blieb in meiner nach lässigen Stellung an das Fenster gelehnt.

Guten Morgen Richard!

Morgen, Lila!

Das Gespräch entspann sich. Was wir sprachen ich weiß es nicht mehr; nur das eine blieb mir im Gedächtnis, daß ich nach einer traulichen halb en Stunde wußte, ihre Freundin Minna sei ein Prachtmädel, von meiner fürsorglichen Schwester erkoren, mir mein Leben zu verbittern, d. h. mir eine zärtlich zu liebende Gattin zu sein. Und meine Züge verzerrten sich vor Angst und Grauen in so schrecklicher Weise, daß meine Schwester bald, niedergeschmettert von meinen empörten Worten, mich um Verzeihung bat, auch nur in Ge⸗ danken an den Leitseilen meines Schicksals in kindisch unvorsichtiger Weise gezupft zu haben. Von dieser Seite war ich gesichert. Ich hoffte auf zwei Tage Rast und wenn ich bedachte, daß ich nach den Feiertagen wieder in die Nähe Carlas und ihrer Mutter mußte, da gönnte ich mir die Erholung so recht aus tiefster Seele, um mich allen zu erwartenden Angriffen und Stürmen gegenüber gewappnet zu wissen.

Ich sollte nicht Ruhe finden! In den nächsten

Tagen machte mirs Mama klar, daß ich als Jung

geselle nicht das Leben genieße, daß es unbedingt die Seligkeit des Mannes ausmache, zu Hause nach tötlicher Bureauarbeit eine schmollende Gemahlin, ein halb Dutzend quieckender Kinder und ver pulverten Braten zu finden. Und ich beugte mein Haupt in Demut und kindlichem Gehorsam, ließ mir erzählen, wie brav, nett und liebenswürdig Mamas Patentkind Auguste Margold sei.

Ich habe sie nicht gesehen. Ich wollte ihr ausweichen und es gelang mir. Was ist denn nur gar so Schönes an mir, daß sie mich alle haben wollen! Ich selbst wahrhaftig, ich würde mich nicht heiraten.

Meiner guten Tante Leonore mußte ich auch einen Besuch machen. Die bitterste Pille, die ich zu schlucken bekam. Vorsichtig und gewitzigt, wie ich nun einmal bin, fing ich an, von der Oper zu sprechen, ging dann sauft auf wirksames Rattengift über und berührte im weiteren Verlaufe der Kon- versation die neuesten Versuche mit Röntgenstrahlen, den Stand der Nordbahnaktien, die Pest in Indien, gab einen klaren, sachlichen Ueberblick über die Geistesthätigkeit der Möpse zum Besten und so kamen wir endlich heilige Mutter Gottes, hilf! auf die Mädchenerziehung von heute und auf das Heiraten zu sprechen. Mit überzeugender Wärme schilderte mir die Tante, was für ein

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Juwel meine Kousine Toni sei. Wie sparsam, wie häuslich, wie gebildet und der Schluß ihrer Rede lautete:Das Fett von der Suppe läßt das gute Kind nicht unbenützt zu Grunde gehen! In Gedanken machte ich vor Toni eine tiefe Ver⸗ beugung, laut sagte ich aufstehend:Nun, dann wird sich wohl in Kürze ein Würdiger finden, um Toni als Hausehre heimzuführen.

Meine Tante lächelte in eigentümlicher Weise mir lief eine kalte Gänsehaut über den Rücken. Das Lächeln kannte ich und am besten von Carlas Mutter.

Ach, die Kleine, meinte sie süßlich,sie hat solch einen besonderen Geschmack. Ihr Blick glitt in unzweideutiger Weise an mir herunter.Ihr wäre nicht der erste Beste recht.

*.*

Drei ruhige Wochen verlebte ich in einem Dörfchen bei Aussen Es war ein wunderschöiler Maitag. Ich lag im Grase unter einer mächtigen Eiche hingestreckt mit geschlossenen Augen und horchte mit halbem Ohre auf das lustige Vogelgezwitscher. Meinen Rock hatte ich abgelegt und mirs in jeder Weise bequem gemacht. Ich dachte an die wilde Flucht aus dem Elternhause, an alle, die mich ge⸗ jagt hatten, seit ich majorenn geworden und dann an etwas viel Angenehmeres.

(Schluß folgt.)