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sstrankheitserscheinungen verursacht, wenige Personen ins Bett bannen.
Gießen, Sonnabend, den 15. Mai
1897.
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Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
che Landeszeitun
Gießen.
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Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 14. Mai. Die Beurteilungs⸗ kommission für die eingegangenen Entwürfe für ein Volksbad zu Gießen, bestehend aus Stadtbaurat Wolff⸗ Frankfurt a. M., Bau⸗ rat Raupp⸗Offenbach, Badeanstaltsdirektor ühnel⸗Köln, Oberbürgermeister Gnauth und Kommerzienrat Heyligenstädt war gestern hier zusammen. Eingegangen waren Projekte von den Architekten Lehmann und Wolff⸗Halle a. d. S., Wittmann und Stahl⸗ Stuttgart, Stein und Meyer⸗Gießen, in deren Entwurf die maschinellen Anlagen von der Firma O. Schaffstädt⸗Gießen herrühren. Die Jury entschied sich nach beinahe Zstündiger Beratung für die Ausführung des Projekts der Architekten Stein und Meyer⸗Gießen. Ein nicht ernst zu nehmender Entwurf war von Michael Merz⸗Gießen eingegangen.
* Gießen, 14. Mai.(Schöffengerichts— sitzung.) Der Metzgergeselle Georg Schäfer, . Zt. in Darmstadt, hatte im Januar und Februar d. J. dem Metzger J. Boller hier Pfund Schinken und 10 Pfund Wurst ent— wendet. Letztere hatte er in den der Dienstmagd Göbel gehörigen Schließkorb versteckt. Er wird deshalb zu vier Wochen Gefängnis verurteilt. egen die Dienstmagd, welche wegen Hehlerei sangeklagt und nicht erschienen ist, wird Haftbefehl
vrlassen. * Lollar, 14. Mai. Der hiesige Rad⸗ fahrer⸗-Verein, der auf ein zweijähriges
Bestehen zurückblickt, veranstaltet am nächsten Sonntag sein diesjähriges Sportfest, womit ein Straßen⸗Rennen auf der 50 Kilometer langen Strecke zwischen Lollar und Grünberg sherbunden wird. Dem Verlauf des Wettrennens wird allgemein mit Spannung entgegengesehen. Siehe Artikel Grünberg. Die Red.) Das im heutigen Inseratenteil bekannt gegebene Pro— gramm ist ein sehr reichhaltiges und geeignet, diele Sportsfreunde zum Besuche des Festes zu beranlassen. Hoffentlich ist die Witterung dem Sportsfeste nicht abhold, denn im übrigen steht dem Gelingen des Festes nichts im Wege.
* Grünberg, 13. Mai. Anläßlich des Radfahrerfestes in Lollar am kommenden Sonntag ist ein Wettrennen geplant und als Endziel Grünberg bestimmt, von da gehts tpieder zurück nach dem starting-port. Die Ent⸗ 850 915 von hier bis Lollar beträgt 50 Klm.
fahrt von Lollar erfolgt morgens 7 Uhr. Ueber den Ausfall des Radfahrwettrennens dürfte man allseitig gespanut sein.
Harbach, 13. Mai. Der extreme Wechsel des Wetters hat auch in unserem Orte vielfache die nicht Namentlich gilt dies von der Influenza, die sonst nur im Winter auftrat. Dieser vom Witterungs⸗ wechsel begünstigten Krankheit fiel vor wenigen Tagen ein junges Mädchen zum Opfer. Dies
st der erste Todesfall, den wir seit mehr als
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen t 10 Pfg. für die Bspaltige Petitzeile.
Jahresfrist in unserer Gemeinde zu verzeichnen haben.
* Flensungen, 13. Mai. Zu der gestrigen Verhaftung des Bürgermeisters Hölzer von hier wegen Ur kundenfälschung sei bemerkt, daß gegen dessen Amtsführung schon seit längerer Zeit Bedenken gehegt wurden, und infolgedessen war ihm auch wohl das Ortsgericht und das Standesamt nicht unterstellt. Auch schwebt gegen denselben die Untersuchung wegen Unter- schlagung.
* Bad Nauheim, 13. Mai. Die Fabrik feuerfester und säurefester Produkte mit dem Hauptsitz in Bad Nauheim und einer Zweigniederlassung in Wirges bei Koblenz siedelt nach Vallendar a. Rh., in die Nähe von Wirges, über. Bad Nauheim bleibt mit seinem Stamm von nahezu anderthalb Hundert gut eingeschulter Arbeiter als Zweigniederlassung erhalten. In Wirges werden keramische Produkte, Flaschen
und schwefelsaure Thonerde gewonnen. Die Zahl der Arbeiter beträgt 1200. * Nidda, 13. Mai. Eine wunderbare
Bewahrung bei einem Sturze aus beträcht— licher Höhe erfuhr hier ein elfjähriger Knabe. Er lehnte auf der Brüstung eines Mansarden— fensters im dritten Stock, als dieselbe wich. Der Knabe stürzte hinab, überschlug sich in der Luft und kam, an einem halb offenen Fensterladen und einem Schellenzuge vorüber- und zwischen an Pfähle gebundenen Rosenstöcken hindurch— fallend, in einen Kasten mit Blumenpflanzen zu sitzen, dessen Rückleiste er durchschlug. Außer einigen Quetschungen am unteren Rücken, die schon am zweiten Tage schmerzlos wurden, trug der Knabe weder eine Verletzung noch eine Er— schütterung davon. Die Höhe, von der er herab— gestürzt, beträgt 9,5 Meter.
* Eschenrod, 12. Mai. In wahrhaft be⸗ sorgniserregender Weise tritt hier und in dem unteren wie oberen Eichelthal Gehirnhaut⸗ entzündung(Meningitis cerebrospinalis epidemica) auf. Zunächst erkrankte daran ein auf Besuch hier anwesender Soldat, dann ein sieben Jahre altes Mädchen. Ferner wurden Erkrankungsfälle von Herrn Dr. Büchner von Schotten in Busenborn und Eichelsachsen festge— stellt. Bei dem ersten schweren Fall zeigte sich auch Genickstarre. Wahrscheinlich starb ein nahezu 11jähriger Knabe auf der Sengesmühle ober— halb Eschenrods an derselden Krankheit.
* Mainz, 13. Mai. Die Bedingungen, unter denen die Gemeinde Kastel einer Ver- einigung mit der Stadt Mainz zustimmt, sind im wesentlichen folgende: Die zukünftige Stadt⸗ gemeinde erhält die Bezeichnung Mainz-Kastel. Das gesamte aktive und passive Vermögen beider Gemeinden fällt zusammen. Die Kosten der Kasteler Stadterweiterung werden gemeinschaft— lich getragen. Die Kasteler Wohlthätigkeits⸗ Stiftungen bleiben vorerst für Kastel reserviert. Das Rheinufer soll reguliert, mit Schienen und die Längskanäle auf die ganze Uferstrecke aus— gedehnt werden. Das Wasserwerk und die elek⸗ trische Beleuchtung soll mindestens noch 30 Jahre
* Expedition:
Kreuzplatz Nr. 4.
unter spezieller Verwaltung des Stadtbezirks Kastel bleiben. Ebenso soll ein neues Schlacht—
haus gebaut, der dortige Friedhof vergrößert und eine Leichenhalle errichtet werden. Die
Schulen sollen mindestens noch 30 Jahre ihren konfessionellen Charakter behalten und die Inter— essen der Landwirtschaft sollen gewahrt werden. Die Gemeindeverwaltung bleibt bestehen; sie soll als Zweig der Mainzer Verwaltung angesehen werden. Sämtliche Gemeindebeamten werden mit übernommen. Solange Bezirkswahlen noch nicht eingeführt sind, sind 5 Mitglieder des Ge— meinderats zu wählen, die Sitz und Stimme in der Mainzer Stadtverordnetenversammlung haben. Im allgemeinen soll verschiedenen lokalen Be— dürfnissen Rechnung getragen werden, wie z. B. in der Bauordnung und Straßenreinigung. Das Brückengeld soll unter allen Umständen beseitigt und das Oktroi nicht eingeführt werden. Auf alle öffentliche Anstalten in Mainz sollen die Bewohner Kastels den gleichen Anspruch haben.
* Mainz, 12. Mai. Erfreulicherweise hat die Zahl der Singvögel in allen Anlagen in der nächsten Umgebung unserer Stadt, beson— ders auch auf dem Friedhof, in diesem Jahre zugenommen. Die Nachtigallen, die z. B. in früheren Jahren nur sehr vereinzelt sich hören ließen, sind heuer in allen Anlagen besonders zahlreich; auf dem Friedhof allein nisten über 20 Nachtigallen. Man glaubt dies damit er— klären zu sollen, daß in den letzten Jahren das Raubzeug, Raubvögel, verwilderte Katzen, Mar— der ꝛc., erheblich vermindert worden ist— dank auch dem Entgegenkommen der Militär verwal⸗ tung, die das Schießen des Raubzeugs inner- halb des Festungsgebietes erlaubt hat, ferner daß unsere Feldschützen, den Vogelstellern beson— dere Aufmerksamkeit zuwenden.
Vermischtes.
— Empfindungen eines„elektrisch Ver⸗ unglückten““. Mit der steigenden Entwickelung der Elektrotechnik im praktischen Alltagsleben häufen sich leider auch die Fälle elekrischer Verunglückungen, die in ihrer Neuheit von hervorragendem wissenschaftlichen Interesse sind. Dr. Mandry in Heilbronn berichtet in dem „Med. Korrespondenzblatt“ des württembergischen ärzt⸗ lichen Landesvereins über einen solchen Fall von Ver⸗ unglückung durch elektrischen Hochspannungsstrom. Heil⸗ bronn bezieht seine Elektrizität von der Wechselstromanlage des württembergischen Portland⸗Cementwerkes in Lauffen am Neckar. Die Leitung von dem 11 Kilometer ent⸗ fernten Lauffen erfolgt auf Drähten mit 5000 Volt Spannung. In einem an der Peripherie der Stadt ge⸗ legenen Haupttransformatorenhäuschen beginnt die Strom⸗ verteilung mittels Kabels von 1500 Volt Spannung. In diesem Häuschen war am 5. September v. J. einer der Ingenieure des Werkes mit Messungen beschäftigt. Um einen verabredeten telephonischen Anruf zu erwarten, setzte er sich auf eine am Boden stehende Holzkiste und fing an, sich eine kurz zuvor angebrachte Blitzschutzvorrich— tung neuer Konstruktion zu betrachten. Plötzlich glaubte er zu träumen, er hänge an einer Leitung und könne nicht mehr weg. Allmählich kam die Be⸗ sinnung zurück; er gab sich Mühe zu erwachen und ver⸗ suchte vergeblich die Augen zu öffnen. Dann seine Lage
erkennend, schrie er um Hilfe, bäumte sich mit aller Kraft und war mit einem Ruck frei. Er fiel zu Boden; gleich darauf hörte er das Telephon anklingeln; er versuchte auf die Uhr zu sehen, was ihm mit einiger Anstrengung gelang. Danach konnte der ganze Vorgang nur ein paar Sekunden gedauert haben, während er minde— stens 20 Minuten mit der Leitung in Verbindung gewesen zu sein glaubte. Er schleppte sich mühsam zu dem noch immer klingelnden Telephon, konnte sich aber nicht verständlich machen. Er gewann das Freie, wo er zunächst liegen blieb; nach etwa zehn Minuten hatte er sich so weit erholt, daß er, wenn auch mit Mühe, nach seiner über eine Viertelstunde entfernten Wohnung gehen konnte. Wenige Minuten nachher sah Dr. Mandry den Kranken, der zwar blaß und verstört aussah, aber bei klarer Besinnung war und mit schwerfälliger, lallender Zunge über seine linke Hand klagte. An der linken Hand
war das Nagelglled des Daumens vom äußeren Rande
her fast bis zur Hälfte durchgebrannt, am Zeigefinger fand ich eine Zehnpfennigstück große Verschorfung auf der Volarfläche des Nagelgelenks. Auf der Beugeseite des Mittelfingers und in der Hohlhand zwischen Zeige- und Mittelfinger waren zwei größere Brandblasen. Nach einer halben Stunde wurde Dr. Mandry wegen Schmerzen im linken Bein nochmals gerufen. Hand breit über dem linken Knie fand sich an der Außenseite des Oberschenkels eine fast kreisrunde, tiefschwarze Verschorfung der Haut in Zweimarkstückgröße, die Umgebung 2—3 Centimeter breit intensiv gerötet. An der entsprechenden Stelle wies das Beinkleid einen etwas kleineren Defekt mit unregel⸗ mäßig gezacktem Rand auf, der sich auch für den Geruch als gebrannt kennzeichnete. Nach einigen Stunden Bett- ruhe hatte sich der Verletzte so weit erholt, daß er mit normaler Sprache über den Vorgang Auskunft geben konnte. Auch in der Folge sind keinerlei Störungen von seiten des Zentralnervensystems aufgetreten. Die Brand⸗ wunden brauchten wochenlang zur Heilung, nach acht Wochen war die bis ins Unterhautgewebe reichende Ver⸗ brennung am Oberschenkel vernarbt; am Daumen hat sich das angebrannte Stück Nagelphalanx noch nicht ab⸗ gestoßen.
— Mit einer neuen Delikatesse für„arme Leute“ ist man in Berlin an die Oeffentlichkeit ge⸗ treten. Man bereitet aus dem Fleisch kranker Tiere eine Art Wurst, unterzieht dieselbe einem Ver⸗ fahren, durch welches alle in der Wurst enthaltenen Bazillen und Krankheitskeime zerstört werden, was in der Sterilisieranstalt des städtischen Schlachthauses geschieht und wenn diese Wurst nun den Stempel des städtischen Schlachthofes trägt, darf sie unter dem Namen„fsterili⸗ sierte Kochwurst“ verkauft werden. Nun kostet aber eine solche appetitliche Wurst, die, wie ausdrücklich betont wird, für„arme Leute“ bestimmt ist, nicht weniger als— 60 Pfg., ein Preis, für welchen man allenthalben eine aus gesundem Fleische hergestellte Wurst, wenn auch nicht von allererster Güte, bekommen kann. Es ist deshalb zu hoffen, daß die geniale Erfindung mangels von Käufern recht bald wieder verschwinden wird.
— Die Kunst, das Glück zu züchten. Vierblättrigen Klee zu züchten ist leicht. Man legt die Knöllchen von der als„Glücksklee“ bekannten Oxalis⸗ Art im Frühjahr in die Erde und erhält ohne alle Mühe ausschließlich nur vierblättrige Kleeblätter, mit denen man die ganze Menschheit beglücken kann. Dieses„Glück“ ist sogar immergenießbar. Die Knöllchen sind eßbar.
— Ideen⸗Association. Professor(beim Bar⸗ bier, nachdem ihm ein Gehilfe die Serviette umgebunden): So, und nun geben Sie mir, bitte, die Speisekarte!
— Aus der Instruktionsstunde. Unteroffi⸗ zier:„Werdet Ihr heute in einer Schlacht verwundet, so
—
Der Wildfang. Von O. Seeher. (Nachdruck verboten).
Im gastfreundlichen, idyllischen Waldhause des in den weitesten Kreisen bekannten und beliebten Oberförsters Linden zu Brausewalde, in der Ro— minter⸗Forst, wurden die ersten Hochzeitsgäste erwartet.
Der Herr Oberförster in Parade-Uniform, seine Tochter Dora.— die Braut— und die Erzieherin ver jüngsten Lindenschen Kinder hatten sich in aller Frühe nach dem Bahnhofe Schaumilken begeben, um dort eine Berliner Freundin Dorchens— Fräulein Leo— zu empfangen, gleichzeitig aber nuch der Ankunft des deutschen Kaisers beizu— wohnen, der zur Jagd erwartet wurde.
Um die Mittagszeit kehrte man mit dem Gaste nach Hause zurück, die jungen Damen ausgelassen heiter, der Herr Oberförster in besonders rosiger Laune, da Seine Majestät den altbewährten Forst— mann zur Frühstückstafel zugezogen und ihm bei „ieser Gelegenheit in den gnädigsten Ausdrücken den arbetenen Urlaub zu der Hochzeit seiner Kinder be— billigt hatte.—
Gertrud Leo war der Einladung trotz des weiten Weges von Berlin bis zur russischen Grenze gern gefolgt, denn sie kannte den herzlichen, frischen Um— gangston im Lindenschen Hause schon aus früherer Zeit, und Mama Linden hieß sie nun auch mit einer Zärtlichkeit willkommen, die dem warmen Herzen der mutterlosen Waise ganz besonders wohlthat.
Nach dein Mittagessen, da Gertrud erklärte, e Austrengungen der Reise überwunden zu haben, uud Dorchen zu einem Spaziergange nach dem
„Hirschwinkel“ ein, und entzückt stimmte die Freundin zu, denn auch dieses trauliche Plätzchen war ibr noch wohl bekannt. Es lag mitten im Walde und diente zum Stelldichein für die jeweilig zur Jagd anwesenden Fürsten.
Hier befanden sich die beiden Mädchen allein, hier tändelten sie miteinander wie ehedem als Pensionsgenossinnen. Wenn auch Gertrud schon von Zeit zu Zeit den Ernst des Lebens gekostet hatte, nun erwachte in ihr wieder der alte Wilt— fang, für den sie in der Pension gegolten. Sie wollte einmal„mit den Vögeln singen und den Rehen springen“, und Dorchen meinte:„Du hast recht, Trudi, laß uns noch einmal Kinder sein, ehe der Ring an der rechten Hand sitzt.“
Dann, als sie des Tändelns müde, auf der inmitten des Waldkessels aus Stein erbauten soge— nannten„Fürstenbank“ Platz genommen, plauderten sie von ihrer Kinderzeit, der Zeit des Erwachens, Knospens und Blühens in ihrem sonnigen Leben. O, welch eine Fülle von Glückseligkeit entquoll ihren reinen Herzen!— Die Vögel des Waldes lauschten, und der einzige Sonnenstrahl, der um diese Zeit das Blätterdach des Hirschwinkels durch- brach, und die Fürstenbank vergoldete, weilte in ungewöhnlich langem, glühendem Kusse auf den Rosenwangen dieser mit so seltenem Liebreiz ausge— statteten Frühlingskinder.
Gerade zu der Zeit, als die jungen Damen mit den letzten Blumen des scheidenden Sommers geschmückt, zurückkehrten, trafen der Bräutigam Dorchens— der lebensfrohe Forstassessor Bruno
Rabenstein— Dr. med. Walter Linder, der älteste Sohn des Lindenschen Hauses, in Brausewalde ein.
Letzterer war sichtlich hoch beglückt, Fräulein Leo hier begrüßen zu dürfen. Sie hatte sich bei dem Empfange bescheiden im Hintergrunde gehalten, allein das Auge der Liebe hatte sie bald entdeckt. Der stattliche, offene treuherzige Walter schritt auf sie zu und drückte ihr warm die Hand:„Seien Sie mir in meinem Elternhause herzlich will— kommen!“ flüsterte er, während sie errötend den Gruß erwiderte.
Dr. Linden lebte zu dieser Zeit in Berlin um seiner Militärpflicht als Arzt zu genügen. Sein erster Besuch in der Residenz hatte dem alten Freund seines Vaters, Herrn Kommerzienrat Leo gegolten, und bei dieser Gelegenheit hatte er dessen Töchterchen Gertrud zum ersten Mal gesehen. Nach gelegent— lichen, schwärmerischen Berichten seiner Schwester Dora über diese ihre wärmste Freundin, beherrschte sie seine Träume, allein die Wirklichkeit übertraf Walters Vorstellungen. Als das blonde, schöne Mädchen mit dem goldigen Haar und den lachenden, braunen Augen ihm entgegentrat, als sich Auge in Auge senkte, Hand in Hand legte, da jubelten beider Herzen in seliger Lust.
Das stand also fest: sie lebten einander von dem Augenblicke ihrer ersten Begegnung an, indessen sie sahen sich zu selten, denn Gertruds Vater war ein viel beschäftigter, seltsamer Herr, der von einem regen geselligen Umgange seiner Tochter nichts wissen wollte. Um so mehr knüpfte jetzt Walter an das voraussichtlich öftere Beisammensein mit der Geliebten im verschwiegenen Hirschwinkel des heimatlichen Waldes die süßesten Hoffnungen. Er hatte Schwester Dora brieflich sein Geheimnis an— vertraut, und diese empfing ihn nun, bei seiner An—
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kunft, mit den Worten:„Junge, ich gebe Dir von ganzem Herzen meinen Segen.“
Ja, Walters Liebespläne schienen sich früher verwirklichen zu wollen, als er zu hoffen gewagt. Eine herrliche Mondscheinnacht kam ihm zu Hilfe.
Bei außergewöhnlich mildem Wetter hatte man trotz der späten Jahreszeit das Abendessen auf der Veranda des Herrenhauses eingenommen. Da kam der Mond herauf und verbreitete sein magisches Licht über den wohlgepflegten Garten und den da— binterliegenden Wald. Einem solchen Zauber wider— steht kein liebend Herz.
Dorchen winkte ihrem Bruder bedeutungsvoll und verließ dann an der Seite ihres Bräutigams die Veranda. Walter bot Gertrud den Arm, und sie folgten dem Brautpaare in den Garten.
Es war ein köstlicher, lauer Herbstabend. „Lauschend stehen geblieben war die Luft.“ Walters Pulse aber fieberten, seine Brust wogte.
Gertrud bemühte sich zwar mit dem voran— gehenden Paare gleichen Schritt zu halten, indessen ihr Kavalier fand hart am Wege alle möglichen Dinge, die er mit ihr zu besprechen wünschte.
Endlich waren sie allein. Gertruds Arm zitterte merklich in dem seinigen. Er war von ihrer Liebe zu ihm überzeugt; ihre Blicke, ihr Erröten hatten sie schon oft verraten. Der langersehnte Augenblick war gekommen. Wozu bedurfte es der Liebes⸗ schwüre! Mit den bebenden Worten:„Gertrud, sei mein für alle Zeit!“ zog er die zarte Gestalt an sich, feurige Küsse besiegelten das gegenseitige Geständnis.
(Fortsetzung folgt.)
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