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0 Nr. 215 Gießen, Dienstag, den 14. September 1897. it. ö W 8
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N—. 5 Ausgabe Gießen.
dey 1 Redaktion:
* Kreuzplatz Nr. 4. 2
okales und Provinzielles. 9 Gießen, 13. Sept. Die evangelischen Synoden der verschiedenen Dekanate des Landes ehmen soeben Stellung zu der Frage: Wie hat ch die evangelische Kirche ihren Grundsätzen N semäß in Bezug auf die Beerdigung von Selbstmördern zu verhalten? In der feser Tage abgehaltenen Synode des Dekanats Nainz wurde nun diese Frage schon eingehend 7 e irtert. Der Pfarrer Walter von Engelstadt alte das Referat übernommen; er ist der An⸗ cht, daß nach den Grundsätzen der evangelischen kirche die Versagung der kirchlichen Be⸗
edigung sich noch viel weiter als nur Nn I elsnörder erstrecken müsse; man oll die Frage für die Folge durch die Ge⸗
„ einde,„die aber zu einer den Grundsätzen der kirche entsprechenden Sitte erzogen werden müsse“, ö 1 lscheiden lassen. Der Synodale Kloos, Bürger⸗ gelster von Wackernheim, war der Ansicht, daß
3. d. M.; Ran es bei der seitherigen Uebung belassen solle,
lie kirchliche Beerdigung von Selbstmördern hade dem Ansehen der Kirche durchaus nicht, in übrigen sei die Sache noch nicht spruchreif. Nach lebhafter Debatte kam man zu dem Beschlusse, das Oberkonsistorium zu ersuchen, allgemeine bestimmungen und Grundsätze zu bezeichnen, jach denen jede Gemeinde diese Frage für sich segeln soll.
Gießen, 13. September. Verbot des adelns der Geistlichen. Das Radeln, so Ichreit man aus Mainz, ist nunmehr auch den Gelttlichen der Diözese Mainz durch einen Be⸗ Ichluß des bischöflichen Ordinariats verboten porden. Veranlassung gab der Geistliche einer Hemeinde Rheinhessens, der eine Anzahl Filial⸗ hörfer zu versorgen und sich, da die Ortschaften beit auseinander lagen, ein Fahrrad zur schnellen beförderung angelegt hatte. Dies wurde nach Mainz denunziert und in einer Sitzung des * sischö ichen Ordinariats erging daraufhin ein
. vorzüglich generelles Verbot des Radfahrens für alle Geist⸗ b. 70 Pfg. 4 iche der Diöͤzese.
Gießen, 13. Sept. Für das bevorstehende
lende Erinnern, Einkellern der Kartoffeln dürfte folgen⸗
A es zur Verminderung von Schaden durch
Hehner. Jlasigwerden usw. der Kartoffeln zu beachten
kin. Die Kartoffeln werden zwecemaßis auf
ine hohl liegende Holzpritsche gelegt; letztere
t. ht auf 3 bis 4 Querbalken, liegt etwa 15
wein dae, beitimeter hoch und läßt sich aus sogen Neben.
5er Müh ccwarten leicht herstellen. Auf diese Weise wird
meiner Pohle, s der Luft möglich, die Kartoffeln von unten
Honorar dus zu durchziehen. Seitdem Einsender dieses
„erfahren beobachtete, ist im Frühjahr die unterste 05 ebenso schön und gut wie die oben egende.
mid.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. 3
angefertigt sind, hier an.— Die Eröffnung der Theatersaison erfolgt am Dienstag, den 28. September.
* Gießen, 13. September. Der Reichs- kanzler, Fürst Hohenlohe, stattete am Samstag dem Fürsten von Braunfeld seinen, Besuch ab. Gestern Nachmittag 2 Uhr 18. fuhr Hohenlohe nach Frankfurt a. M. zurück.
v. Gießen, 12. September. Aus Anlaß des Jubiläums des Direktors Pascoe ruhte gestern der Betrieb des Gießener Braunstein⸗Bergwerks, ohne daß den Bergleuten ihr Lohn gekürzt wurde. In der Nähe des Bergwerks hatte man einen Festplatz hergerichtet, wie er nicht besser gedacht werden konnte. Eine prächtige Festhalle, mit Tannen⸗ grün, Blattgewächsen ꝛc. wirkungsvoll gehoben, war für die Beamten und Gäste des Jubilars erbaut, während eine weitere Halle, die etwa 1000 Menschen fassen konnte, für die Bergleute und deren Familienangehörige Raum gewährte. Ein Mustkpavillon, zwei Tanzpodien und eine Theaterbühne, sowie prächtiger Flaggenschmuck vervollständigte das Ganze. Um 2 Uhr nach⸗ mittags zog die 600 Mann starke Belegschaft, die Beamten der Grube, die neuen Fahnen mit sich führend, geführt von zwei Musikkorps vor die Wohnung des Jubilars, um diesem und dessen versammelten Familienangehörige nach dem Fest⸗ platz zu geleiten. Hier angekommen, gruppierten sich die Bergleute mit ihren Frauen und Kin⸗ dern, welche inzwischen aus den umliegenden Ortschaften zahlreich erschienen waren, um die Rednertribüne, von welcher der Pfarrer Nau⸗ mann eine Ansprache an die Festversammlung hielt. Redner gedachte der Verdienste des Jubi⸗ lars um das Wohl seiner Untergebenen und brachte demselben ein Hoch, in das die Ver⸗ sammelten wacker einstimmten. Hierauf begab man sich an das bereitete Festmahl, welches durch Reden gewürzt wurde. Tanz, Konzert, Theater, am Abend prächtige Illumination des Festplatzes und Feuerwerk bildeten die Unter⸗ haltung bis in die späte Nacht hinein. Die Stimmung unter den Festteilnehmern war eine ausgezeichnete. Kein Mißton störte die Festes⸗ freude, sodaß man gestehen muß, es war ein wirkliches Volksfest.
* Gießen, 13. September. Sein viertes Stiftungsfest feierte gestern der Verein „Edelweiß“ auf der Liebigshöhe unter zahl⸗ reicher Beteiligung seiner Mitglieder und Gäste. Ein von Herrn Tränkner geleitetes Thegter⸗ stück, sowie ein lebendes Bild fanden reichen Beifall.
* Gießen, 13. Sept. Unser jugendlicher Radfahrer Karl Duill hat gestern bei dem
. Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
fare e wertvollen Brillantring versehen, ehrte der Sieger heute Vormittag zurück.
n. Lollar, 13. September. Der Ra d⸗ fahrer verein veranstaltete gestern ein Verein s⸗ wettfahren über 10 000 Meter mit Vorgabe auf der StreckeLollar-Gießen und zurück. Der beste Rekord wurde mit 20 Minuten erzielt, während der letzte Fahrer 26 Minuten brauchte. Bei dem voraufgegangenen Jugendfahren über 2000 Meter blieb der Erste mit 5 Minuten Sieger. In anbetracht des Terrains und des recht scharfen Gegenwindes kann der Verein mit diesen Leistungen wohl zufrieden sein.
* Bad Nauheim, 12. Sept. In der Woche vom 3. bis 9. September sind 502 Fremde angemeldet worden, sodaß sich die Gesamtfrequenz auf 17 350 stellt, von denen 2578 noch anwesend sind(am 10. September 1896: 1999). Bäder wurden in der letzten Woche 7894 verabfolgt. Die Gesamtzahl der bis 9. Septemer d. J. bereiteten Bäder beziffert sich auf 210 159, d. h. 25 308 mehr als bis zum entsprechenden Tage des Vorjahres.
* Mainz, 10. Sept. Der Zahnarzt Bern⸗ hard, der s. Zt., wie bekannt, wegen fahrlässiger Tötung seines Kindes zu einer Gefängnisstrafe von vier Wochen verurteilt wurde, war mit seiner Revision gegen dieses Urteil vom Reichs⸗ gericht abgewiesen worden; nachdem auch sein Gnadengesuch von dem Landesherrn zurück— gewiesen worden, ist das Erkenntnis des Land— gerichts rechtskräftig geworden.— Gestern Vor- mittag kam in ein hiesiges großes Teppichgeschäft ein junger Mann mit der Geschäftskarte eines hiesigen Tapezierers, worauf das Ersuchen an den Juhaber des Teppichgeschäfts gerichtet war, daß er dem Ueberbringer der Karte eine Partie näher bezeichnete Tischdecken zur Auswahl über⸗ geben möge; der Auftrag war mit dem Namen des Tapezierers unterzeichnet. Dem jungen Manne wurden ohne Bedenken die Tischvorlagen eingehändigt, doch stellte es sich später heraus, daß ein Schwindler hier sein Wesen ge— trieben hatte.
* Wetzlar, 13. Sept. Wie dem„Wetzlarer Anzeiger“ berichtet wird, ist in der Nacht von Freitag auf Samstag im„Finsterloh“ auf vier aus dem Manöverterrain heimkehrende Fuhr— leute aus Oberndorf und Niederbiel ein Ueber- fall versucht worden, der jedoch erfolglos verlief. Die Leute führten als Ertrag ihrer mehrtägigen Gespannleistungen eine nicht unbeträchtliche Summe Geld bei sich.
37. Wanderversammlung des Ober⸗ hessischen Bienenzüchtervereins zu Grünberg.
K. Grünberg, 13. September.
Das öffentliche Bienenvereinsleben hat in diesem Jahr allgemein große Veränderungen gezeitigt, nicht allein auf sondern auch auf dem der Bienenzucht. Die Ergebnisse aus dem Bienenzuchtsgetriebe und die praktischen Erfolge sind von einer viel wesentlicheren Be⸗ deutung für eine intensive Bienenzucht, als die mannig⸗
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fachen Theorien und Hypothesen, denen für gewöhnlich der feste Ruhepunkt fehlt. Wenn auch das Bienenjahr in 1897 im großen und ganzen keine befriegende Ergebnisse zu verzeichnen hat, so ist doch in Bezug auf die Vereins⸗ thätigkeit ein um so regerer Fortschritt zu verzeichnen. Die im August in Wiesbaden abgehaltene deutsch⸗öster⸗ reichische Wanderversammlung der Bienenzüchter hatte schon für unser engeres Heimatland befriedigende Erfolge auf dem technischen Gebiete des Imkereiwesens aufzuweisen, die durch verschiedene Prämiierungen, wie z. B. der Firma Heinrich Heck Ww.⸗Nidda usw. zum Ausdruck kamen.
Die heute in den festlich geschmückten Räumen des Hammel schen Gartenhauses dahier eröffnete 37. Wanderversammlung des oberhessischen Bienenzüchtervereins ging von demselben Grund⸗ gedanken aus, wie sie zwecks Abhaltung von Ausstellungen und Versammlungen allseits erstrebt werden, nämlich das Ziel der Einigung unter den Bienenzüchtern zu erwirken. Wenn auch der heutige Tag unter dem Eindrucke des Jupiters pluvius zu leiden hatte, so that dies der Be⸗ teiligung an der Ausstellung gar keine Einbuße.
Eröffnet wurde die Ausstellung durch eine Ansprache des Herrn Lehrer Fuldner-Grünberg. Auch der Grün⸗ berger Gesangverein wirkte bei dem Konzert mit.
Die Ausstellung ist in drei verschiedenen Gruppen ein⸗ geteilt und zwar:
J. Bienen wohnungen, Geräte und Werkzeuge.
Aussteller sind: Heinrich Koch Ww.⸗Nidda, Franz⸗ Nidda, Jox⸗Ober⸗Bessingen, H. Müller⸗Kerkenbach(prä⸗ miiert auf der Ausstellung zu Wiesbaden mit der silbenen Staatsmedaille), Heinrich Schmidt II-Großen⸗Buseck, Weckfort⸗Nieder⸗-Eschbach, Povon- Vilbel, Herzberger⸗ Flensungen.
II. Lebende Völker.
Aussteller sind: Heinrich Heck Ww.⸗Nidda, Schmidt⸗ Saasen, Schäfer-Wallershausen, Schönhals⸗Lindheim, Grün⸗Reiskirchen, Heinrich Müller⸗Queckborn(einen finn⸗ reich konstruierten Beobachtungsstock), Herzberger⸗Flensungen, Bätz⸗Mücke, Enders⸗Groß⸗Eichen, Luzius⸗Kesselbach.
III. Bienenhonig, Kunstwaben dc.
Aussteller sind: Theiß⸗Lumda, Enders⸗Groß⸗Eichen, Ellenberger⸗Ortenberg, Brück⸗Oppenrod, Herzberger⸗Flen⸗ sungen, Philippi⸗Mücke, Schäfer⸗Wallenhausen, Schott⸗ Grünberg, W. Gontrum⸗Münster, Luctus⸗Kesselbach, Jöckel⸗ Büdingen, K. Buß⸗Wetzlar, Wachtmeister Jöckel⸗Grünberg, Grün⸗Reiskirchen, Heinrich Müller⸗Queckborn, Seip⸗Bel⸗ tershain, Hahn⸗Merlau, Heinrich Riedesel⸗Winnen, Reg. Kassel, Römer⸗Münster.
Die Ausstellung von Bienenhonig war recht reichhaltig beschickt und geschmackvoll ausgestattet.
Am Abend fand als Fortsetzung der Eröffnungsfeier⸗ lichkeiten im Gasthause„Zum wilden Mann“ eine Sitzung des Lokalkomitees statt.
Vermischtes.
— Ein Riesenweib. Aus Paris wird vom 9. September geschrieben: Die Reisenden des aus Creil gestern im Pariser Nordbahnhofe anlangenden Zuges waren nicht wenig überrascht, aus dem— Packwagen eine kolossale Negerin heraussteigen zu sehen, der ihre Körpermasse nicht gestattet hatte, in einem einfachen Abteile Platz zu nehmen. Die unter dem Namen Prinzessin Campbell von Toronto bekannte schwarze Dame wiegt nicht weniger als 236 Kilogramm. Ihre Arme haben einen Umfang von 75 Centimetern, ihre Brust einen solchen von 2 Meter 10 Centimetern und ihre Taille von 1 Meter 80 Centimetern. An dem Knöchel haben die Beine 61 Eentimeter Umfang. Die„Prinzessin“, die eine tiefschwarze Hautfarbe hat,
zählt 34 Jahre und liebt trotz der Schwierigkeiten, die
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das Fahren für sie mit sich bringt, leidenschaftlich das
Gießen, 13. Sept.(Stadttheater.) Radfahren zu Mainz um die Meister⸗
fall Tib E. In den achten Tagen 10 die für das schaft von Hessen(5000 Meter) unter sechs 20 esige Stadttheater bestimmten neuen Deko⸗ Bewerbern den Sieg davongetragen diesem Gebiete, — Iven, sowie der neue Vorhang, welche Ferner wurde Duill im Mehrsitzerfahren(2000 ie een en der Leipziger Firma J. Hegmann, Meter Strecke) Zweiter. Mit der goldenen
1 buten Heller für Dekorations⸗ und Theatermalerei, Meisterschaftsmedaille und einem als Chrenpreis ud f. 30% ͤ%ͤ⅜?DꝙmM. 8— 5 815 1 5 8 5 else„Die hochnäfige Sippe Keie Eine reiche Partie. bleiben! 0 Dochter kann widder zu mir ** Etzählung von Felix von Stenglin. kommen, wenn der Mann se nich ernähren kann! 4 15 Gortsetzung.) Fümunsechzig Dausend sind schon hin! Nee nu N 1 l Der Bauer stand auf und nahm die Hände aus aber ooch keenen Jroschen mehr. Un dabei 0 Zi.„n Hosentaschen.„Wat?“ schrie er.„Noch bliwt et!“.
4, und de kehr? Noch hunnertdausend?!“ Und er richtete sich Er war unzugänglicher, der Bauer, als Warns⸗ * loch auf.„Nee, Herr Warnshagen, da hebben Se hagen gedacht hatte. Und so oft er wieder anfing bab in de Dhür verjriffen. Hier libt't nischt und neue Argumente vorbrachte, immer wieder hieß
de behr. Hier hat et jeschnappt! Fümunsechzig es:„Keenen Iroschen mehr! Un dabei bliwt et! lanzle„galt, Fausend sind schon hin, fümunsechzig Dausend! Schließlich hielt Warnshagen es für das beste, elfarben, der Schwiegersohn kommt mir schon deuer jenug. den Mann einstweilen sich selbst und seinem Nach⸗ hlspähn, 1 dene Daschen sind zu. Keen Jroschen mehr, denken zu überlassen. i 8 155 Pinsel“ 89˙ ick! Hebben Se verstanden, Herr Warns—⸗„Ueberlegen Sie sich die Sache. Ich halte chse, Punzen?“ alles noch geheim. In einiger Zeit werde ich
4 mb,„Verstanden hab' ich, Herr Puhlmann, Ihre wieder anfragen.—“ N
tinme i äfti ˖ erden aber Warnshagen schrieb an den Vater Hellmuths. 8 Er stellte 1 vor, daß des Sohnes Stellung ia
110 sotzdem zahlen— 0 »„Werd' ick nich!“ „Es ist'ne Ehrenschuld!“ „Ick zahle nich!“ eich will Ihnen im Vertrauen sagen, was es * ein Bewandtnis mit der Schuld hat—“ „Will ick nich wissen!“ g 1„Sie werden dann anders urteilen. Herr von igen in Frauensee und sein Sohn haben sich pflichtet, mir die genannte Summe als Provislon Ahlen, falls ich die Bekanntschaft mit Ihnen Stande brächte. Wenn Sie sich weigerten, zu 5 len und die Sache öffentlich bekannt würde,— f üßte hr Schwiegersohn den Abschied nehmen.“ Er
Gefahr sei und ersuchte ihn dringend, die Ange legenheit nunmehr energisch zu betreiben. 5
Einen Tag besann sich Herr von Jürgen. Seine Frau rlet ihm ab, nach Friedrichsthal zu
n. . Warnshagen wird sich hüten, es zu verbreiten, denn er weiß doch, daß er 8 dann mit uns ganz verdürbe. Wie kann man auch eine so
n a
„ mir den Gefallen und sprich davon nicht mehr. Die Summe ist ihm auf Ehrenwort zu⸗ gesichert und muß bezahlt werden, so oder so.
Und als vierundzwanzig Stunden um waren, fuhr Herr von Jürgen in Friedrichsthal bei Herrn Carl Puhlmann vor.
Starr sah Puhlmann den Sprecher an.
Nad 3 mae keine Worte auf diese Enthüllung. 4„ chrie er um so mehr.
15. N
Wenig Minuten später standen sie sich gegen⸗
über, die kurze gedrungene Bauerngestall und der
hochgewachsene Aristokrat.
Stumm uusterten sie sich eine Weile.
„Sie wissen, warum ich komme?“
„Nee, Herr Jürgen, ick weeß et nich.“
„Nun, ich dachte Sie könnten sichs denken.“
„Ick kann mir nischt denken.“
Eine Pause trat ein.
„Herr Puhlmann, ich glaube, wir spielen offenes Spiel, nicht wahr?“
„Nee, ick nich.“
„So, Sie nicht. dings eigentümlich.“
„Aber Sie spielen Herr„von Jürgen?“
„Warum betonen Sie das„von“ so? Sonst halten Sie sich doch damit nicht auf.“
„Ehre dem Ehre jebührt, Herr„von“ Jürgen.“
„Sie machen mir es wirklich schwer, ruhig mit Ihnen zu verhandeln.“
„Dat sollte mir freuen. Jeschäfte zu wenig bewandert. Ihnen, Herr„von“ Jürgen.“
Hellmuths Vater biß die Lippen auf einander. Doch dann bezwang er sich noch einmal.
„Sie können versichert sein“, begann er leise, „daß es mir schwer genug geworden ist, auf dies Abkommen mit Warnshagen einzugehen. Ich habe überhaupt mit seinesgleichen sonst nichts zu thun. Mir waren bis dahin solche Geschäfte ebenso fremd wie Ihnen. Aber mein Sohn stand vor dem Ruin, und es war mein Einziger. Was thut man nicht, für sein Kind! Und nun hat Gott es so gefügt, daß die Verbindung ihn glücklich macht, ihn und,
Dies Bekenntnis ist aller—
offen Spiel, nich wahr,
Ick bin in solche Die überlaß ick
wie es scheint, doch auch Ihre Tochter. Da sollten wir doch alles aus dem Wege räumen, was diesem Glück störend in den Weg treten könnte. Und so bitte ich Sie, um Ihres Kindes willen, bitte ich Sie: Zahlen Sie die Summe!“
Puhlmanns Ausdruck war hart wie zuvor. „Zahlen Sie se doch!“ gab er ruhig zur Antwort.
„Ich kann nicht, ohne mich zu ruinieren. Ja auch dann nicht einmal!“
Der Bauer zuckte die A pseln.
„Nun, wenn Sie mich denn nicht verstehen wollen, wenn Sie kein Gefühl haben für das Glück unserer Kinder, wenn Sie an dem Mammon mehr hängen als an Ehre und Gewissen, dann hab' ich mein letztes Wort gesprochen, dann muß ichs drauf ankommen lassen. Leben Sie wohl!“
„Adje ooch.“ Und ruhig blickte der Bauer dem
anderen nach. Dann wiederholte er höhnisch: „Adje ooch, Herr„von“ Jürgen!“ XII.
Röschen saß in ihrem Zimmer und arbeitete an einer Stickerei.
Ab und zu hob sie den Kopf und sah befremdet auf Hellmuth, der da vor ihr auf- und niederschritt. „Du bist wieder so stumm und nachdenklich heute, Hellmuth...“
„Dienstliche Sachen, liebes Kind.“
„Doch wohl nicht allein. Seit Herr ron Warnshagen hier war, bist Du anders. Glaube mir, Hellmuth, das macht mir viel Kummer.“ Der junge Offizier blieb stehen und streichelte ihr Haar.
(Fortsetzung folgt.)


