Ausgabe 
13.8.1897
 
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Nr. 188

Gießen, Freitag, den 13. August

1897.

1 Pofiztg. Nr. 3519. 1 Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe Gießen.

Hessische Landeszeitung,

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

9 Nedartion: 1 Kreuzplatz Nr. 4.

5 8 Lokales und Provinzielles.

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Gießen, 12. August.(Militärdienst⸗

lach richten.) Dr. Voßler, Unterarzt vom

SGeroßh. Feld⸗Artillerie⸗Regiment Nr. 25(Groß⸗

pberzogliches Artilleriekorps) und Dr. Schäffer,

Neufadt 40. lgterarzt der Reserve vom Landwehrbezirk A Gießen sind zu Assistenzärzten 2. Klasse be⸗

ordert. * Gießen, 12. August. Den Bericht des

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Zweiten Ausschusses der Zweiten Kammer über die 0 80 großh. Ministeriums des Innern, den Gesetzentwurf, das Radfahren 9 uf öffentlichen Wegen, Straßen und blätzen betreffend, erstattete der Abg. Hirsch Der berichtende Ausschuß ist der Ansscht, daß * sie Regelung des Radfahrverkehrs auf die Dauer jon zwei Jahren durch landesherrliche Verord⸗ zung erfolgen soll; er glaubt, daß bis dahin ge⸗ ügende Erfahrungen vorliegen, den Radfahr⸗ Jerkehr durch gesetzliche Bestimmungen festzulegen; emngemäß wird vom Ausschuß beantragt, die kammer wolle der Gesetzesvorlage zustimmen, doch in Artikel 1 hinter dem Worteerfolgt en Zusatzauf die Dauer von zwei Jahren

infügen. Gießen, 12. Aug. Internationales Fad⸗Wettfahren in Gießen. Einen über brwarten günstigen Erfolg hat die Einladung I dem internationalen Wettfahren am 5, August d. Is. von allen Seiten erfahren, und es bestätigt auch dieser Umstand, in welcher borteilhaften Weise sich die Rennbahn auf dem L Sportplatz an der Hardt seit der kurzen Zeit Ke. ies Bestehens in Radfahrerkreisen eingeführt 8 al. Die stattliche Zahl von 160 Anmel⸗ der vice ungen füllt die Liste, worunter sich viele kamen befinden, deren Träger schon Siege auf⸗ u weisen haben, welche nur von ganz vorzüglichen e Jahrern erreicht werden, z. B.: Michael Hertry us Klein⸗Steinheim, der am 4. Juli d. J. in rilen empfehl! darmstadt die Meisterschaft von Hessen über L000 Meter gewonnen hat und der wegen seiner Ilstr 7 foßen Technik jüngst dazu ausersehen wurde, MIt. I. uf dem Sportplatze in Leipzig eine Trainir⸗ fabrik. hule für Radfahrer zu begründen. Ferner elfabri annen wir den beliebten und gleich vorzüglichen

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. A

ge fennfahrer Heinrich Struth aus Mainz, welcher e 9 lien fein den rel ga 15 eutschland erworben hat, weiter die hier schon

Polsterwang kannten Konrad Lautermann aus Darmstadt 5 ind Hans Neumann aus Rüsselsheim. Außer sesellen Pele. erstehend genannten Herren und den bereits in uratlon serem ersten Bericht erwähnten Gebr. Krämer 5 U Ize. e Chicago und Christiansen aus Kopenhagen, chu 0 1 en zu dem für Berufsfahrer entschieden wich⸗ rasse 5. Iten Rennen um die Meisterschaft von Hessen Pfungstädle uch weitere Anmeldungen vor, sodaß dasselbe

bier. n neun Fahrern bestritten und durch die ver⸗

Prag, Platt aus Crefeld, Fahrig aus Chicago, Willi Koch, Meisterfahrer von Vessen⸗Rassau, aus Frankfurt a. M., Jehlika aus Prag, Wolff aus Stettin, Heering aus Hannover, Kieling aus Mannheim und viele andere. Zu dem Militärfahren, welches gleichfalls sehr interessant zu werden verspricht, wurde als Anzug vor⸗ geschrieben: Litewka, Schirmmütze und Ga⸗ maschen, ohne Seitengewehr. Die Wertpreise für Amateure werden von Donnerstag an im Schaufenster des Herrn Ernst Blödner am Seltersweg ausgestellt sein. An der festlichen Ausstattung des Sportplatzes an der Hardt wird rüstig gearbeitet, die Vorarbeiten zum guten

Gelingen des Ganzen sind nahezu abgeschlossen,

und es bleibt nur noch zu wünschen, daß auch das Wetter, von dem der größte Teil des Festes abhängt, sich den Veranstaltungen nicht hindernd entgegenstellen möge und der Verlauf der Rennen, ungetrübt durch Unfälle, ein befriedigendes Ende finde.

* Gießen, 12. Aug. Ueber einen Besuch in der e Irrenklinik geht dem Mainz. J. folgender Bericht zu:Vergangene Woche hatte Herr Direktor Dr. Sommer als Vorsitzender der Nebenkasse in Gießen die Ver⸗ trauensmänner der Unterstützungskasse der hessi⸗ schen Landes⸗Irrenanstalten aus der Provinz Oberhessen zu einer Besichtigung der neuen psychiatrischen Klinik eingeladen. Wohl 50 Herren, darunter Aerzte, Lehrer, auch Geist⸗ liche beider Konfessionen, hatten der Einladung Folge gegeben und sich im Hörsaal der Irren⸗ klinik eingefunden. Herr Direktor Dr. Sommer erklärte zunächst unter Zuhilfenahme verschiedener Anschauungsmittel die Anlage und die Einrich⸗ tung der Anstalt, hin und wieder treffliche Winke für die ärztliche Behandlungsweise der Geistes⸗ kranken beifügend; dann gab er den Zuhörern Gelegenheit, unter seiner sachkundigen Führung einzelne Teile der Irrenklinik in Augenschein zu nehmen. Man hat hier nicht etwa einige große Gebäude aufgeführt, um darin alle Pfleglinge unterzubringen; auch hat man nicht die entgegen⸗ gesetzte Pavillon⸗Methode angewandt und die Kranken möglichst gesondert in vielen Häuschen untergebracht: vielmehr hat man die goldene Mittelstraße beschritten und dies mit augenschein⸗ lichem Erfolg. Um das Hauptgebäude, worin sich der Hörsaal für die Medizinstudierenden der Universität, dann eine Anzahl Zimmer mit phy⸗ sikalischen und medizinischen Instrumenten und ähnliche Räumlichkeiten befinden, sind etwa acht meist einstöckige, durch Gartenanlagen getrennte Gebäude gruppiert. Solch ein Irrenhaus hat gewöhnlich im Mittelraum einige Zimmer für den Arzt und das Wärterpersonal und auf beiden Flügeln je einen lichten, hohen Saal zur Auf⸗ nahme von 68 Pfleglingen. Letztere sind natürlich streng nach Geschlechtern geschieden. Für Beleuchtung und Heizung aller Räume, sowie für größte Reinlichkeit ist allenthalben und zwar in bester Weise gesorgt. Auch befinden sich

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Bspaltige Petitzeile.

die Pfleglinge bei Tag wie bei Nacht unter Auf⸗ sicht. Den erschienenen Vertrauensmännern war es von hohem Interesse, Einblick in bas innere Leben der Gießener Irrenanstalt gewinnen zu können. Man schied hochbefriedigt von dannen, mit dem Bewußtsein, daß die bedeutenden Sum- men, welche aus öffentlichen Mitteln für die Erbauung und Einrichtung der Irrenklinik zur Verfügung gestellt waren, gewissenhaft und er folgreich verwendet worden sind und daß die Leitung der Anstalt in guten Händen ruht.

* Gießen, 12. Aug. Unsere Nimrode seien darauf aufmerksam gemacht, daß die Jagd auf Feldhühner und Wachteln in Oberhessen, mit Ausnahme der Kreise Alsfeld, Lauterbach und Schotten, wo die Jagd erst mit dem 26. l. Mts. aufgeht, mit dem 19, l. Mts. er⸗ öffnet wird.

h. Gießen, 12. Aug.(Naturseltenheit.) Ein in dem Garten des Herrn Dr. Hanau in der Weserstraße besindlicher Kirschenbaum steht zur Hälfte in schönster Blüte, während die übrigen Aeste mit reifen Früchten be⸗ hängt sind zur jetzigen Jahreszeit ein seltener Anblick.

* Gießen, 12. August. Aus einer von dem Verband deutscher Privat-Feuerversicherungsge⸗ sellschaften aufgestellten und jüngst erschienenen Statistik geht hervor, daß die Zahl der durch unvorsichtiges Umgehen mit Zünd⸗ hölzern entstandenen Brände in den letzten Jahren ganz bedeutend zugenommen hat und im Jahre 1895, dem letzten Jahr der vorliegenden Statistik, auf 10 Prozent der sämtlichen Brand fälle gestiegen war. Insbesondere sind in unserem Großherzogtum allein in den Jahren 1893 bis 1895 zwanzig schwere Fälle von Brandstiftung durch Spielen der Kinder mit Zündhölzern vorgekommen, wobei für Gebäude⸗ schäden 402 417 A zu zahlen waren.

* Gießen, 12. August. Für die bevor⸗ stehenden Manöver läßt die Intendantur des 11. Armeekorps in den nächsten Tagen in Lich, Södel, Reichelsheim, Butzbach usw. Heu-, Futter- und Lagerstroh aufkaufen. Selbst das kleinste Quantum, von 1 Centner an, wird angenommen.

* Gießen, 12. Aug. Der großherzog⸗ lichen Handelskammer wird von der königl. Eisenbahn⸗Direktion Frankfurt a. M. folgendes mitgeteilt: Im bevorstehenden Herbste ist eine weitere erhebliche Steigerung des Güterverkehrs zu erwarten; namentlich sind es die Massentransporte von Kohlen, Kokes, Ge⸗ treide, Kartoffeln, Rüben, Zucker und Dünge mittel, welche den Wagenpark der Eisenbahnver⸗ waltungen vorzugsweise in Anspruch nehmen. Wenngleich durch vermehrte Zugverbindungen, verbesserte Einrichtungen auf den Stationen usw. durch außerordentliche Vermehrung des Wagen⸗ parkes nach Möglichkeit Fürfürge getragen wird, um den gesteigerten Ansprüchen des Verkehrs gerecht zu werden und dem Wagenmangel abzu⸗

edition:

* Kreuzplatz Nr. 4.

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helfen, so können diese Bestrebungen doch nur von Erfolg sein, wenn dieselben Unterstützung durch die Verfrachter bezw. Empfänger selbst finden. Eine solche Unterstützung würde ganz besonders dann eintreten können, wenn die größeren Verbraucher von Kohlen und Kokes, namentlich die Gasfabriken und industriellen Werke, sowie die Kohlenhandlungen ihren Herbst⸗ und Winterbedarf möglichst schon vor Beginn des Herbstes unter Ansammlung von Vorräten beziehen würden. Gleichzeitig wird das Publikum ersucht, für schleunige Be⸗ und Entladung der Wagen zu sorgen, damit so lange wie möglich von einer Verkürzung der Lade fristen abgesehen werden kann.

* Gießen, 12. August.(Gefährlichkeit der Tinte.) Ein Leipziger Gelehrter, Mar p⸗ mann, hat neulich 67 Proben von Tinte, wie sie in den Schulen benutzt wird, auf ihren lebendigen Gehalt untersucht und ist dabei zu recht bedenklichen Ergebnissen gekommen, die es unter Umständen als gefährlich erscheinen lassen, sich mit einer tintigen Feder zu verwunden, nicht als ob die chemische Zusammensetzung der Tinte dabei am meisten zu fürchten wäre, es ist vielmehr der Gehalt vieler Tinten an krank⸗ heitserregenden Bakterien das Gefähr⸗ liche. Die meisten der untersuchten Tinten waren aus Galläpfeln bereitet und enthielten eine große Flora von Mikrokokken, Bakterien und Pilzen. Eine aus Nigrosin, einem Anilinfarb⸗ stoff, hergestellte Tinte, die aus einer frischgeöff neten Flasche genommen wurde, enthielt ebenfalls Pilze und Bazillen in Mengen. Als nicht besser erwiesen sich eine rote und eine blaue Tinte, aus denen Marpmann einen Bazillus züchten konnte, der eine Maus in vier Tagen umbrachte. Diese letzteren Tinten waren aus einer Flasche ent⸗ nommen, die seit drei Monaten offen gestanden hatte. Man hat aus diesen Thatsachen die Lehre zu ziehen, daß auf ein sorgfältiges Schließen der Tintenfässer während des Nichtgebrauches zu halten ist, besonders muß dieses in den Schulen während der Unterrichtspausen geschehen. Auch ist es ratsam, der schlechten Angewohnheit zu entsagen, nach der viele eine Feder vor dem Gebrauch mit der Zunge befeuchten. Bei solchen Kleinigkeiten schadet es durchaus nicht, sich die möglichen Gefahren, die aus solchen Angewohnheiten entstehen können, zu vergegen⸗ wärtigen.

* Grünberg, 12. August. Der am 26. l. Mts. hierselbst stattfindende Herbstmarkt wird zugleich mit einem Viehmarkt verbunden. Auch soll am genannten Tage eine öffentliche Faselschau durch die Körkommisston abgehalten werden. Bei der Schau, welche vormittags 9 Uhr beginnt und nur zum Zwecke der An⸗ körung stattfindet, werden seitens der Körkom⸗ mission nur sprungfähige Bullen der Vogels⸗ berger und Berner, speziell Simmenthaler Rasse berücksichtigt werden.

* Schotten, 11. August. Zum Sommer⸗

kata ten auserwählten Kräfte sich von selbst zu her Wu im Hauptrennen des Tages gestalten wird. eines 10 1 Lehr bedeutende nichthessische Verufsfahrer, welche for fl uch gemeldet haben, sind u. A.: Bodilek aus Deutsche* 0 1% M, Eine reiche Partie. en Erzählung von Felix von Stenglin.

(Nachdruck verboten).

5(JFortsetzung.) Hellmuth erwiderte nichts. ch er zum Fenster heraus.

Run? Hast Du keine Antwort für Deinen beter?

Mit ernster Miene

Hol 0

N Hellmuth wandte sich um. Er ging auf den üisch biter zu und erfaßte 1 Hand. in S001 1Lieber Vater, sagte er,Du meinst es ja adde, vaber ich bitte Dich, erlasse mir das! Ph. E. Nun nahm Herr von Jürgen ebenfalls eine Hir, ernste Miene an.Du willst nicht? Na

. Deine Sache ißß es ja. Aber ich weiß nun 1 ühts mehr, mein Mut, meine Spannkraft ist er⸗ f söpft. Er erhob sich langsam.

1 0 Hellmuth blickte zu Boden.Es scheint mir

entwürdigend, mi ˖ ängen und Liebe U 0 gend, mich da einzudränge ö Zügel 1 1 15 alles mögliche andere zu heucheln. Ich bringe ae nere 4 nicht fertig. Ja, wenn das einfach geschäfts⸗ 2 f 11 abzumachen wäre, dann noch eher. Beide arte 1 le wüßten, was sie geben und empfangen. Aber 90 1 be 1( gverlangen sie doch, daß man so thut, brett i an, nein, Papa! Und die Verwandtschaft, denke Maine* nur! Was würde Mama dazu sagen! Aeppl ö(Ather Junge, wir sind alle Menschen vor 1 de, ja, aber verscht s einer

70. erschiedene Menschen, au g 70 5 1 heren Sphäre. Das läßt sich doch nun einmal 11 Cheb 15 derwischen, und wenn man noch so demo⸗ el unh 1 iu 0 gesonnen ist. Hellmuth stutzte und sah e in Vater in die Augen.Ueberhaupt verstehe ich 1

an 1 2

Dich garnicht, Papa. Daß Du gerade mir das empfiehlst*

Herr von Jürgen legte dem Sohne die Hand auf die Schulter und blickte ihn ernst an.

Ich würde mich auch darüber wundern unter anderen Verhältnissen, aber ich wundere mich nicht, denn seine Stimme zitterte ein wenigich hab' Dich lieb, mein Junge. a

Und dem Sohne kräftig die Hand drückend ging Herr von Jürgen hinaus. 0

Hellmuth blieb nachdenklich zurück. Aus dem Fenster blickte er der hohen Gestalt des Vaters nach.

Eine Heirat? Warum nicht? Aber eine solche Heirat! Nein, nein! Das Mädchen mochte schön und gut sein, wohl, aber gerade dann war es noch schlimmer, es zu läuschen. 55

So besonders schön sollte sie sein? So be⸗ sonders liebenswürdig? Er stellte sie sich vor, sah ein schlankes, blondes junges Ding vor sich mit großen blauen Augen, aus denen sie ihn freundlich

anschaute. e sah sie ganz anders aus. Doch blond

mochte sie wohl sein, wie die meisten märkischen Bauernmädchen. Hübsch? Nun ja. Und liebens⸗ würdig? Warum nicht? Hübsche junge Mädchen ind immer liebenswürdig..

Aber nur nicht als Frau! Wahrscheinlich that sie den Mund nicht auf, und wenn sie es that,

dete sie Plattheiten. 8 1 Und das für ein ganzes langes

Leben? a i ee Dann doch lieber gleich ein Ende machen mit diesem Leben. Es war so schön und sonnig gewesen bisher, er hatte es in vollen Zügen

genossen. Mochte denn ein Ende gemacht werden!

Und Hellmuth stellte sich vor, wie ers ein richten würde. Am frühen Morgen, so daß sein Bursche ihn gleich finden mußte. Ein Griff, ein Druck, o er würde nicht zittern! Heiter noch mit einem Lächeln auf den Lippen, würde er hin übergehen. Und dort auf dem Tisch der Brief an seine Eltern, kurz und bündig. Der Bursche würde ihn nehmen und hinausbringen nach Frauensee. Und der Vater würde ihn öffnen wie jeden anderen Brief, und dann würde er anfangen, zu lesen... Und erbleichend würde er sich am Stuhl fest klammern und dann hinüberschwanken zur Mutter und ihr zurufen: Frau! Frau! Wir haben keinen Sohn mehr!!.

Hellmuth öffnete hastig das Fenster, doch warme, drückende Luft stieg ihm entgegen, er schloß das Fenster wieder, ging im Zimmer auf und ab, eine Unruhe hatte ihn gepackt, deren er nicht Herr werden konnte.

Schließli b nahm er Mütze und Säbel und ging hinaus, einige Straßen weiter, bis er zum Kasino des Regiments kam. Dort dachte er einige Kame raden zu treffen. Doch die Räume waren leer.

Der junge Offizier ließ sich etwas zu frühstücken bringen, aber er konnte nicht viel essen, nur ein paar Glas Bier stürzte er herunter.

Und wieder versank er in Nachdenken. Die Müdigkeit überfiel ihn, er schloß die Augen. Ein paar Mal schreckte er auf aus dem Halbschlummer. Schließlich streckte er sich lang aus auf dem Sofa und machte sichs bequem. Bald war er fest ein⸗ geschlafen.

Als er erwachte, war die Sonne schon herum⸗ gegangen. Im Zimmer aber wars noch drückend

heiß. Er wankte zum Fenster und öffnete es. Er- frischende, kühle Luft wehte ihm entgegen.

Da kamen schon Ordonnanzen, um im nebenan liegenden Saal für die um fünf Uhr beginnende Mittagstafel zu decken. Hellmuth sah nach der Uhr. Halb fünf.

Vorhin hatte er Kameraden gesucht, jetzt wäre er am liebsten allein geblieben, irgendwo hin nach auswärts gefahren, um den schönen Abend im Freien zu genießen. Essen konnte er ja in einem Wirtshaus.

Wie wäre es, wenn er aber nein, das wäre ja zu dumm, nachdem er eben erst dem Vater gegenüber abgelehnt hatte!

Doch der Vater brauchte es ja nicht zu wissen. Kein Mensch braushte es zi wissen. Eine schier unbezwingliche Lust, nach Friedrichsthal zu fahren und sich einmal das Mädchen wenn auch nur aus der Entfernung anzusehen, überkam ihn.

Es war ein Abenteuer. Und ein hübsches Mädchen kennen zu lernen, war immer eine Freude.

So eilte er denn in seine Wohnnng zurück, zog sich Zivilkleidung an und fuhr mit der Pferdebahn nach dem Bahnhof. Die Halle war gefüllt mit Ausflüglern, und wenn Hellmuth nicht zweiter Klasse gefahren wäre, hätte ihm das Mitkommen Schwierigkeiten bereitet.

Vorüber gings an hohen Mietshäusern, dann an Korn- und Kartoffelfeldern, bis die Häuser eines Vororts auftauchten. Der Zug hielt, und etwa die Hälfte der Mitfahrenden stieg aus. Und wieder gings an Feldern, an einzelnen Gehöften vorüber. Als der Zug zum dritten Mal hielt, hatten fast alle die Wagen verlassen.

(Fortsetzung folgt.)