Gießen, Dienstag, den 10. Angust
1897.
Nr. 185
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
sesische
Ausgabe
Gießen.
andeszeitung,
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
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Kreuzplatz Nr. 4..
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ebitivu: Kreuzplatz Nr. 4.
Lokales und Provinzielles. „Gießen, 9. August. Mit Rücksicht auf den Stand der Ernte und der Weinberge hat
großh. Ministerium des Innern bestimmt, daß
die Heegzeit für Feldhühner und Wach⸗ keln im laufenden Jahre 1) in der Provinz Alheinhessen mit dem 11. August, 2) in den Provinzen Starkenburg und Ober hessen mit Ausnahme der Kreise Alsfeld, Lauter⸗ bach und Schotten mit dem 18. August, 3) 10 in den Kreisen Alsfeld, Lauterbach und Schotten mit dem 25. August endigt.
., Gießen, 9. August. Die Ergebnisse der Statistik der mit der großh. Zentralstelle für die Gewerbe in Verbindung stehenden gewerb⸗ chen Unterrichtsanstalten pro 1896/97 sind die juolgenden: Unter Leitung der Zentralstelle für das Gewerbe standen nachstehende Lehranstalten: roßh. Landes⸗Baugewerkschule zu Darmstadt, goßh. Fachschule für Elfenbeinschnitzerei und berwandte Gewerbe zu Erbach, die Kunstgewerbe⸗
schule zu Mainz, Kunstgewerbe⸗ und gewerbliche Jachschule zu Offenbach a. M., Neue erweiterte . dann zu Alsfeld, Bensheim, Bingen, 140 dingen, Darmstadt, Friedberg, Gießen, Adda und Worms, 84 Sonntagszeichenschulen an 83 Orten, teilweise mit Wochenunterricht berbunden, 42 gewerbliche Fortbildungsschulen für nichtzeichnerische Fächer. Werden die Namen der an demselben Orte thätigen Lehrer nur ein⸗ al gezählt, so beträgt die Zahl der an vor⸗ flehenden Schulen thätigen Lehrer 327, darunter Architekten, 16 Ingenieure, 31 Bildhauer und Maler, 70 Kreisbauaufseher, Straßenmeister, Pahnmeister, Geometer usw., 5 Bautechniker, 20 Gewerbetreibende, 14 Reallehrer, 8 Gewerbelehrer,
12 Zeichenlehrer und Zeichner, 116 Volksschul⸗ lehrer und 14, welche sonstigen Berufen an⸗ bm. 21 10% gehören. Die Sonntagszeichenschulen besuchten ö
tritt.
3973 Schüler ausschließlich der noch ausnahms⸗ weise zugelassenen 417 schulpflichtigen Knaben Vorschüler), welche, soweit thunlich, in beson⸗ deren Abteilungen unterrichtet wurden. Von den Sonntagszeichenschülern gehören 4192, also
dmaln- Gies 10 Prozent, den Baugewerben an. In die 42 — werblichen Fortbildungsschulen gingen 1886 ten Schüler. Die Lehrgegenstände waren in der ar„ Aegel Deutsch, Rechnen, Geometrie zu den in st: ben meisten, nämlich 30 Schulen, noch Buch⸗ gust: hrung und Naturlehre hinzukam; in einzelnen igun Schulen wurde außerdem noch Baumatertalien⸗ a kunde, Aufstellung von Voranschlägen, sowie igmaschine, Verwaltungs- und Gesetzeskunde gelehrt. Man s. w. 8 1 55 5 5 daß das 6 0 9 1 le Besitzer, urch die Fachschulen des Landesgewerbeverein — zur Hebung des Handwerks im Baugewerbe ge⸗ let leistet wird und daß das Drängen der anderen 2 Berufszweige des Handwerks, die Zeutralstelle ust J möge auch ihnen durch Fachschulen helfen, ihre Lehrlinge zu tüchtigen Gesellen und Meistern
ing beranzubilden, berechtigt it. —— SGießen, 9. August. Eine für Kranken⸗ 0 kassen wichtige Entscheidung ist vom N U 0 preußischen Kammergericht gefällt worden. Viel⸗ leicht besteht bei den Mitgliedern dieser Kasse die 897: Ansicht, daß in Fällen, in denen sie entgegen
Arztlicher Anordnung es ablehnen, ein Kranken⸗ aus aufzusuchen, sie trotz dieser Weigerung nicht es ganzen Krankengeldes verlustig gingen, son⸗ Nen Anspruch auf einen Teil desselben hätten.
ste der Verfügung des Kassenvorstandes, in ein Krankenhaus zu gehen, Folge leiten, ihnen nicht nur vollständig free Behandlung daselbst zuteil wird, sondern daß sie auch noch für sich oder ihre Angehörigen einen Teil des Krankengeldes er⸗ halten können. Das Kammergericht hat nun diese Ansicht als unzutreffend bezeichnet und ent⸗ schieden, daß die Ablehnung der vom Arzte be⸗ antragten und vom Vorstande verfügten Kranken⸗ hauspflege durch ein Krankenkassenmitglied den Verlust sämtlicher Unterstützungsansprüche zur Folge hat. Diese Entscheidung rechtfertige sich aus Abs. 3 des§ 13 des Krankenkassenstatutes, in welchem nur von„im Krankenhaus Unterge⸗ brachten“ die Rede sei, welche neben der voll⸗ ständigen freien Pflege noch einen Teil des Krankengeldes erhalten können, nicht aber von solchen Kranken, welche die Krankenhauspflege ablehnen. v. Gießen, 9. August. Als vor nunmehr einem Jahre der Detaillisten-Verein ge⸗ gründet wurde, glaubte Mancher, es würde nun aufgrund des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb eine lustige Hatz beginnen, der Vor⸗ stand des Vereins würde nun Prozesse führen, um allen unlauteren Wettbewerb, und darunter verstand man vielfach auch jede leistungsfähige Konkurrenz, aus der Welt zu schaffen. Aber die Sache kam anders. Die Vorstands mitglieder des Detaillistenvereins, welche es übernommen hatten, im Interesse des Handelsstandes unserer Stadt die Geschäfte des Vereins zu führen, er— blickten nicht ihre Aufgabe darin, gleich zum Richter zu laufen, wenn jemand einmal gegen das Gesetz verstoßen, sondern dieselben nahmen stets mit Recht an, daß es sich wohl nur um eine unwissentliche Verletzung des Gesetzes han⸗ delte und ein einfacher schriftlicher Hinweis ge⸗ nügte, um den Betreffenden zu veranlassen, Ungesetzliches zu unterlassen. Nur in einem Fall schritt man zur Erhebung der Klage, nicht weil der betreffende Kaufmann eine marktschreierische, ihrem Inhalt nach seine Konkurrenten verletzende und schädigende Annonce auf die Vorstellung des Vereins hin nicht unterlassen hätte, sondern weil derselbe noch im Recht zu sein glaubte und an den Vorstand des Vereins einen Brief schrieb, dessen Inhalt Beleidigungen enthielt, die man im Interesse des Vereins sich nicht gefallen lassen wollte. Aber auch dieser Prozeß wurde durch Vergleich erledigt, indem Beklagter sein Bedauern aussprach und sich zur Uebernahme aller Kosten verpflichtete, außerdem an den Verein 30 Mark als Buße zahlte. Auch auf anderen Gebieten hat der Verein sehr segensreich gewirkt. Mehrfach ist er auswärtigen Versandgeschäften, welche in verschleierter Form durch Agenten in hiesigen Fabriken an die Arbeiter Waren ver⸗ trieben, mit Erfolg entgegengetreten. Alle An⸗ träge aus der Mitte der Mitglieder wurden einer sehr gründlichen Prüfung unterzogen, jedoch mußte mancher dieser Anträge resultatlos bleiben, weil es oft zweifelhaft war, wo die Grenze zwischen dem lauteren und unlauteren Wett⸗ bewerb eigentlich zu finden ist. 8 * Gießen, 9. August. Wie unangenehm für Han delsleute eine Zugverspätung werden kann, konnte man gestern Abend am hiesigen Bahnhof beobachten. Der nach 8 Uhr von Kassel kommende Zug hatte 20 Minuten
Schotten besuchen wollten. Die Verspätung des Zuges hatte zur Folge, daß„unsere Han⸗ delsleute“ den Anschluß nach Nidda nicht mehr erreichten, worüber ein furchtbares Lamento ent⸗ stand. Wie besessen rannten die Handelsmänner auf dem Bahnhof umher, verlangten schließlich einen— Extrazug und als ihnen ein solcher verweigert wurde, das— Beschwerdebuch. Ob die Beschwerde Erfolg haben wird? Das in Erwartung stehende„Geschäftche“ muß also doch mehr ausgemacht haben, als die Kosten für einen Extrazug.
* Gießen, 9. August. Nach langer Pause veranstaltete gestern Nachmittag die Kapelle des hiesigen Infanterieregiments in Steins Garten wieder ein Konzert. Der Besuch war ein außerordentlich zahlreicher, sodaß der Saal nicht alle zu fassen vermochte, als kurz nach Beginn des Konzertes anhaltender Regen eintrat. Das Programm war im allgemeinen gut gewählt. Die Kapelle erntete reichen Beifall.
* Gießen, 9. August. Die Zeughaus⸗ kaserne am Brandplatz wird gegenwärtig einer gründlichen Renovation unterzogen. Die Ar⸗ beiten, für welche der Militärverwaltung ein nam⸗ hafter Betrag bewilligt wurde, sind dem Bau— unternehmer Steinbach übertragen worden.
* Gießen, 9. Aug.(Sport). Am Samstag Nachmittag spielten auf dem Trieb Marburger Gymnasiasten gegen Gießener Gymna⸗ siasten Fußball. Die Partie blieb unent⸗ schieden. Am Samstag vorher war ein Match zwischen den Gießener und Wetzlarer Gymna⸗ siasten für Wetzlar verabredet. Der Direktor des Wetzlarer Gymnasiums verbot jedoch den Schülern seiner Anstalt die Austragung desselben. Warum ge⸗ schah dies? Was die Leiter der Gymnasien in Gießen und Marburg recht finden, sollte dem Wetzlarer Schulgewaltigen doch billig sein.
* Gießen, 9. August. Ein Simulant, der am Samstag Abend die Rolle eines Taub⸗ stummen spielte und sich nicht ohne peku- niären Erfolg in den Wirtschaften„sehen ließ“, wurde von Schutzleuten entpuppt, hören und sprechen gelernt, aber auch in Haft genommen. * Gießen, 9. August.(Feuer.) Heute Morgen kurz vor 12 Uhr wurde die Feuerwehr allarmiert. Am Seltersweg, im Hintergebäude der Witwe Weißbäcker geriet der Hühnerstall beim Ausschwefeln in Brand. Das Feuer konnte, ohne erheblichen Schaden verursacht zu haben, alsbald gelöscht werden.
* Gießen, 9. Aug.(Eisenbahn Gießen⸗ Bieber.) Von der Allgemeinen deutschen Klein⸗ bahn⸗Gesellschaft ist der Antrag auf Einleitung des Enteignungsverfahrens nunmehr gestellt worden und zwar kamen in der Gemarkung Gießen 71, in der Gemarkung Heuchel⸗ heim 40 Grundstücke inbetracht. Der An⸗ trag liegt nebst den betreffenden Geländeer⸗ werbsplänen usw. in der Zeit vom 12. August bis 26. August l. J.(einschließlich) auf dem Amtszimmer der Bürgermeisterei Heuchelheim zu Jedermanns Einsicht offen. Zur Verhand⸗ lung über den Plan und die zu leistenden Ent⸗ schädigungen wird Tagfahrt vor der Lokal⸗ kommission auf Montag, den 30. August l. 2 vormittags 8 Uhr, eventuell auch noch am fol⸗ genden Tage im Rathause zu Heuchelheim an⸗ beraumt, in welchem Termin zugleich über die
Ertrunken beim
* Gießen, 9. Aug. Baden ist am Samstag Abend der verheiratete
Diensknecht August Rink von hier. Derselbe badete in Begleitung eines Kollegen in einem Wassertümpel an der Lahn, in der Nähe des Felsens, geriet hierbei in eine tiefe Stelle und mußte, da auch sein Begleiter des Schwimmens unkundig war, ertrinken. Die Leiche wurde gestern Morgen gelandet und in das Leichenhaus gebracht.
* Gießen, 9. Aug. Ein von verschiedenen Behörden verfolgter Zechpreller wurde am Samstag Abend verhaftet und in das Provinzial⸗ Arresthaus eingeliefert.
* Gießen, 9. August. Gestohlen wurden aus dem Mansardenzimmer eines Hauses am Asterweg am Samstag Abend eine 9005 Schmuckgegenstände im Gesamtwerte von ca. 500 4 * Gießen, 9. Aug.(Unfall.) Am Sams⸗ tag Morgen wollten Knechte eines hiesigen Oeko⸗ nomen an einer Feldscheune das Thor ein⸗ hängen, wobei letzteres umschlug und auf einen der Knechte fiel. Derselbe erlitt hierbei innere Verletzungen und mußte in die Klinik ge⸗ bracht werden.
l. Launsbach, 9. August. Gestern fand hier bei Ww. Pfaff eine sozialdemokratische Volksversammlung statt. Es war das erste Mal, daß hier ein„Umstürzler“ sprach. Die Versammlung war sehr gut besucht und die Ausführungen des Redners, Herrn Scheide⸗ mann aus Gießen, wurden mit großem Beifall aufgenommen. Mit einem Hoch auf die Sozial⸗ demokratie wurde nach zweistündiger Dauer die Versammlung geschlossen.
Neuefte Telegramme.
Hd. Madrid, 9. Aug. Nach einer
amtlichen Meldung aus Santa Aqueda wurde Ministerpräsident Canovas durch drei von Anarchisten abgefeuerte Revolverschüsse tödlich verletzt Er starb mittags mit dem Rufe: Es lebe Spanien. d. Madrid, 9. August. Nach aus Lissabon eingetroffenen Privatnachrichten sind in den letzten Tagen in Lissabon und mehreren anderen Provinzstädten Meu⸗ tereien ausgebrochen. Die Polizei mußte mit blanker Waffe einschreiten. Die Zahl der Toten soll mehr als 50 betragen. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen.
Hd. Berlin, 9. Aug. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag ist die unverehelichte, unter sittenpolizei⸗ licher Aufsicht stehende Marie Thiele durch Durchschneiden des Halses ermordet worden. Die That erfolgte in der Wohnung der Ermordeten. Der Thäter ist bisher noch nicht entdeckt.
Für die Ueberschwemmten gingen bei uns ein: Von August Muhl, Lehrer i. Pi: 3; von Gastwirt Arnold(gesammelt am Stammtisch 14,50 l.
Weitere Gaben werden in der Expedition unserer Zeitung bereitwilligst entgegengenommen.
Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ leur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmanpschen Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 13.
Höhe der Entschädigung und die mit ihr zu⸗
Verspätung und brachte eine Anzahl Handels⸗
leute mit, die den heutigen Viehmarkt in
sammenhängenden Fragen verhandelt wird.
*
Sie stützen ihre Auffassung darauf, daß, wenn
——
Eine reiche Partie.
Erzählung von Felix von Stenglin. (Nachdruck verboten).
(Fortsetzung.) Frau Möhrchen seufzte tief auf und nickte mit dem Kopf. f „Jedensalls“, meinte Warnshagen,„habe ich zu den Millionen des Herrn Mühlberg kein Ver⸗ Frauen, so leid es mir thut,— und da die Ab⸗ teilung für Heiratssachen doch nur einen Teil meines Geschäfts ausmacht, so würde ich mich zu sehr zersplittern, wenn ich auf dergleichen gutge⸗ meinte, aber unsichere Vorschläge eingehen wollte. Wenn Sie selbst aber einmal etwas wirklich Sicheres und Gutes haben—“ N „ erwiderte sie mit schmachtendem Blick ich hätte schon etwas—“ „Einen Herrn oder Dame?“ „Eine Dame.“ „Nun, Damen sind gut, aber Herren sind
— 2 r
5
schönste Dame haben,— wenn aber der Herr kein
detes und steinreiches Mädchen, eine Bauerntochter aus Friedrichsthal.“ a „Also in der Nähe. Das ist was wert der Name, verehrte Frau* Frau Möhrchen zierte sich. nicht, Herr Dixe lter: e 5 „Ich verstebe. Die Rücksicht auf die Familie 725 „Ja, ja, nur die Rücksicht auf die Familie— „Da mach' ich einen Vorschlag. Ich verpflichte mich Ihnen gegenüber zu vollkommener Diskretion und nebenbei zur Abgabe eines Gewinnanteils— „O, Herr Direktor, nicht deshalb—“ ö „Ich weiß ja, verehrte Frau, aber wenn mir doch daran liegt—“ i „Nun, um sie nicht zu verletzen, meinetwegen! „Und dann sagen Sie mir die Adresse. ne Bauerntochter aus Friedrichsthal,— das könnte
Und
„Ach— ich weiß
was werden. Der zu Liebe würd' ich schon etwas eit opfern.“ 8 5 5„Wenn Sie Diskretion geloben—
„Vollkommene Diskretion! Und auch die Fest⸗ setzung des Gewinnanteils muß durchaus schriftlich
erfolgen, Herr Direktor, und ich
*
Se 0 n 2—
Shrenmann ist, der seine Versprechungen hält Sie wissen, mit dem Gericht ist da schwer etwas u machen.“
„Nun ja, aber die Dame ist gut, dafür steh' , und sehr wenig bekannt. Ein reiches, gebil-
esser, nämlich sichere Herren. Man kann die
l habe zu Ohren geschäftlichen Erfahrungen alles
„Sie wollen es so,
Zutrauen.“
„Wie Sie wünschen, Herr Direktor. Ich würde dem lieben, guten Mädchen gönnen.“
„Ach ja, solch'n unberührtes Mädchenherz—“
„Nicht wahr, Herr Direktor?“
Warnshagen deklamierte:„O daß sie ewig grünen bliebe, die schöne Zeit der jungen Liebe!“
Frau Möhrchen zog das Taschentuch hervor und trocknete ihre Augen. Die Rührung hatte sie
übermannt. Und dann wurden die„Bedingungen“ vereinbart.
III.
Etwa vierzehn Tage später klingelte es gegen Mittag an der Flurthür der Frau Möhrchen.
„Ich möchte Herrn von Warnshagen sprechen“, sagte ein großer, vornehm aussehender Herr.
Frau Möhrchen brachte die Karte hinein.
„Ach, mein alter Kamerad, Rittergutsbesitzer von Jürgen! Bitte lassen Sie den Herrn hier herein, liebe Frau Möhrchen.“
„Gerne, Herr Direktor.“
Und während die Wirtin hinausging, eilte Warnshagen in sein Schlafzimmer, um sich dort für den Besuch anzukleiden. Er vertauschte seinen Bureaurock mit einem Gehrock, band einen tadellos sauberen Kragen und dann eine neue Kravatte um, worauf er im Spiegel die Miene studierte, die er
„Machen wir uns also gleich an die Arbeit,
verehrte Frau.
diesem Besuch gegenüber anzunehmen habe. Er
durfte jetzt nicht der süßlich-lächelnde und schmeichelnde Zimmerherr sein, wie er es seiner Wirtin gegen⸗ uͤber war. Jürgen war ein zu delikater Mann. Vornehm zurückhaltend und doch liebenswürdig mußte man ihm gegenübertreten. Ein bischen geist⸗ reicheln im Gespräch, allgemeine Probleme in die Unterhaltung einflechten,— nun Warnshagen wollte das schon machen!
Er schien in der That ein ganz anderer wie sonst, als er nun dem Besucher höflich lächelnd entgegentrat.
„Es freut mich, lieber Jürgen, Sie in meine bescheidenen Behausung begrüßen zu können. Alles nur provisorisch natürlich, bis zur definitiven Ein⸗
richtung. Bitte,— wollen Sie nicht Platz nehmen?“ „Bin so frei, lieber Warnshagen. Sie werden
sich wundern, mich sobald bei sich zu sehen?“ „O nein. Ich rechnete eigentlich darauf.“ „Nun ja,— das wohl,— aber ich komme in geschäftlicher Angelegenheit.“ „Es wird mich freuen, wenn ich Ihnen dienen kann.“ i (Fortsetzung folat.)


