Ausgabe 
10.4.1897
 
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Gießen, Somabend, den 10. April

1897.

Postztg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

ische Landeszeitung.

Poftgtg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Lokales und Provinzielles.

daß sie sich bis 9 Uhr, dauert also etwa drei

Redaktion: 2

Kreuzplatz Nr. 4.

* Gießen, 9. April. Die großherzogliche streis⸗Schulkommission weist die Schulvorstände des Kreises Gießen auf Grund einer Verfügung des Ministeriums des Innern und der Justiz (Abtheilung für Schulangelegenheit) an, in den⸗ jenigen Gemeinden, in denen ein Mai⸗ käferflugjahr stattfindet, den schulpflich⸗ igen Knaben vom 10. bis 14. Lebensjahr während der Vormittagsstunden zu gestatten, so lange der Käferflug 8 Wochen unter Auf⸗ sicht und nach Anleitung erwachsener, von dem betreffenden Gemeindevorstand bestimmter Per⸗ sonen bei dem Abschütteln, Sammeln und Ver⸗ lilgen der Käfer beteiligen.[Für die übrigen Kinder erleidet der Schulunterricht keine Veränderung.

Gießen, 5. April.(Sitzung der Stadt⸗ verordneten.) Ein Gesuch des Brauerei⸗ hesitzers Georg Bichler um Entfernung von 15 Weidenbäumen an dem Wege nach der Hardt findet nach Vorschlag der Baudeputation Annahme. Der Gesuchsteller zahlt für diese Bäume, die er selbst abholzen lassen muß, 60 Mark zur Stadt⸗ kasse und bleibt ihm dagegen die Verwertung des Holzes derselben überlassen. Bichler ist ver⸗ pflichtet, an Stelle der Bäume auf seine Kosten ein Schutzgeländer nach Vorschrift des Stadt⸗ Bauamts herzustellen. Dem Philipp Schwan wird widerruflich gestattet, an der Rodheimer⸗ straße eine provisorische Halle zur Unterbringung bon Ackergeräten zu errichten, welche aber nicht mit Dachpappe, sondern mit fester Bedachung ver⸗ sehen sein muß. Oekonom Friedrich Kost bean⸗ tragt, ihm für die Rodheimerstraße die Erlaubnis zu erteilen, Wohn⸗ und Stallgebäude zu errichten. Letztere sollen landwirtschaftlichen Zwecken dienen. Das Gesuch wird ausnahmsweise genehmigt. Zur Kommission, welche wegen der Vertilgung der Blattlaus z wählen ist, werden auf Vor⸗ schlag des Oberbürgermeisters: Louis Flett, Helfrich, Steinberger und Haubach wiedergewählt. Betreffs des Erlasses einer Milchverkaufsordnung beantragt das Polizeiamt die Bewilligung von 300. zur Entnahme von Stallproben, welche dem Nahrungsmittelamt zur Feststellung des Ge⸗ wichts ꝛc. überwiesen werden sollen, um dadurch eine sichere Grundlage zu gewinnen, welche An⸗ forderungen man an die bei uns feil gehaltene

Milch stellen soll. Der Oberbürgermeister weißt aber darauf hin, daß unsere Milchverkaufsordnung reformbedürftig sei, daß ferner festgestellt sei, daß wir die Milch von außerhalb von 245 Stellen be⸗ ziehen, wozu noch 22 Bezugsquellen, die wir in Der Betrag

der Stadt selbst haben, kommen. wird hierauf bewilligt. Ein Gesuch des Eduard

Böhm, um Erlaubnis zum Betrieb einer Schenk⸗ wirtschaft im Hause Rodheimerstraße 36, dem Steinbruchbesitzer Wallenthien gehörig, wird ab⸗ gelehnt, weil ein Bedürfnis hierfür nicht anzu⸗

Es folgt eine geheime Sitzung. 9. April. Die Stadtver

erkennen ist. * Gießen,

ordneten-Versammlung wählte gestern in Sitzung zum Hospitalverwalter den weiterer Bewerber war in Frage gestellt der Kriminalschutzmann Weiß, für welchen sich in der Versammlung

geheimer

Schutzmann Dürr. Als

Fata Morgana.

Novelle von H. René. (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

In einem Winter, noch länger und härter wie alle übrigen, schrieb Inge, daß ihr Mann nach langem Siechtum in Petersburg einer Brustkrank⸗ heit erlegen sei, und daß sie und ihr zehnjähriges in der

Töchtern von allen Mitteln entblößt,

Fremde stehe.

Wir lasen den Brief gemeinsam, unsere Blicke trafen sich, und wir wußten, daß für Junge und in unserem Herzen

ihr Kind Raum sei.

Trotz Eis und Schnee fuhr Gustav selbst f zu holen.

in Soldin und

gealtert, in unseren noch immer die Einziggeliebt

dieselbe Heldin, die einstens unsere jungen, feurigen

Herzens unterjocht.

Die kleine, schwarzlockige Therese, ganz das Ebenbild des Vaters, wie die Mutter wehmütig meinte, fühlte sich bald heimisch in dem großen

Hause und dem schattigen Garten, in welchem si

so schön spielen und träumen ließ. In der ärm⸗ lichen Krankenstube des Vaters war ihre natürliche

g Eine Woche fieberhafter Spannung ver⸗ ging, dann kamen sie. Inge in der Witwenhaube bleich und vergrämt. Für andere Augen vielleicht

Erscheint täglich mit Ausnahme der

warme Fürsprecher fanden. Die Mehrheit ließ sich aber von der Erwägung leiten, daß man an Stelle des Weiß schwerlich eine für das Amt eines Kriminalschutzmanns so geeignete Person finden würde, wenn dieser die Stelle als Hospital⸗ verwalter übertragen erhalten würde.

* Gießen, 9. April. Der Gießener Kon⸗ zert⸗Verein beabsichtigt in diesem Monat zur Ehrung Brahms ein großes Orchester Konzert zu veranstalten.

Gießen, 9. April. Die Generalversammlung des hessifchen FechtvereinsWaisen⸗ schutz, welche vorgestern im Schipkapaß statt⸗ fand, war von etwa, der Mitglieder besucht. Der Vorsitzende, Bauunternehmer Winn, er⸗ stattete in großen Umrissen ein Bild der Thätig⸗ keit des Verbandes Gießen, woraus hervorging, daß die veranstalteten Festlichkeiten im abge⸗ laufenen Rechnungsjahr einen hübschen Ueber schuß abgeworfen, von welchem nach dem Bericht des Rechners Hüttenberger 750. an die Ober⸗ fechterei abgeliefert sind. Der Verband Gießen hat seit seinem Bestehen(1893) im ganzen 1800 Mark nach Mainz gesandt. Die Vorstandswahl hatte das folgende Resultat: Bauunternehmer Winn, erster Vorsitzender; Kriminalschutzmann Weiß, zweiter Vorsitz.; Kassenbote Währum, erster Schriftführer; Bureaupvorsteher Fourier, zweiter Schriftführer; Eisenbahnbeamter Hütten⸗ berger, Rechner; Kaufmann Scheel, Kon⸗ trolleur; Schreinergehülfe Krug, Vergnügungs⸗ rat. Der Mitgliederbestand des Verbandes beträgt z. Zt. 160. Auf Antrag aus der Mitte der Versammlung wird bekannt gegeben, daß der alte Vorstand beschlossen hat, das diesjährige Sommerfest auf der Liebigshöhe abzuhalten und es dem neuen Vorstand zu überlassen, den Tag hierfür zu bestimmen.

* Gießen, 9. April. Gestern ist mit den Arbeiten zur Unterführung des Eifenbahndammes an der Westanlage nach der Hammstraße be⸗ gonnen worden.

* Gießen, 9. April. Durch den Abriß des alten Spritzenhauses hinter der Stadt⸗ kirche, an dessen Stelle das Treppenhaus der Kirche errichtet wird, ist der Konzert⸗Verein in nicht geringe Verlegenheit geraten, indem dessen großes Musik⸗Podium, welches im Spritzenhaus stand, unterkunftslos wurde. Der Verein ist wegen eines passenden Raumes hierfür in größter Verlegenheit. * Gießen, 9. April. Bei S. Weimers⸗ heim Nachfolger wurde vergangene Nacht ein Einbruchsdiebstahl verübt. Der Dieb hat sich, nachdem er wahrscheinlich mittels Nach⸗ schlüssels die Hausthür geöffnet, dadurch Eingang in das Ladenlokal verschafft, indem er das Thür⸗ schloß sprengte. Gestohlen sind nur einige Stücke Seidenwaren im Werte von etwa 1000 bis 1200 A.

* Gießen, mal ist heute. kleidet und präsentiert sich nun wieder in ganzen imposanten Schönheit.

* Gießen, 9. April. Unter Hinweis auf den Inseratenteil machen wir unsere Leser auf das morgen Abend auf derSchönen Aussicht stattfindende Konzert des Charakter⸗Komikers

9. April. Das Liebig⸗Denk⸗ seiner winterlichen Hülle ent⸗ seiner

Leser auf eine Bekanntmachun Rentamts Gießen, abgaben nutzungen vom 1. Quartal 1897 nur noch bis zum 24. April 1897 ohne Kosten bezahlt werden können. Nach dieser Zeit wird

Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Ispaltige Petitzeile.

* Gießen, 9. April. Wir verweisen unsere 0 des großherzogl. nach welcher die Hand⸗

an Holz⸗ und Waldneben⸗

das Beitreibungsverfahren eingeleitet. Darmstadt, 8. April. Sämtliche Ge⸗ meindeforstwarte des Landes, 381 an der

Zahl, haben sich um Aufbesserung ihrer!Lage

an die zweite Kammer gewendet. Sie bitten darum, daß die Kammer bei der demnächstigen Wiedereinbringung der wiederholt abgelehnten Gesetzesvorlage über die Organisation des Forst⸗ schutzes fernerhin ihre Zustimmung nicht mehr versagen möge. Unter besonderem Hinweis auf ihre besser gestellten badischen Kollegen wenden sich auch die Schaffner der Main⸗Neckar⸗Bahn an die Kammer. Sie erstreben Gleichstellung der Schaffner im Gehalt mit den Lokomotiv⸗ heizern und Erhöhung des Witwen⸗ und Waisen⸗ gehaltes.

* Darmstadt, 9. April. Stadtbaumeister Herr Baurat Hofmann hat einen Ruf als ordentlicher Professor für den durch den Tod des Herrn Geh. Baurat Dr. Wagner erledigten Lehrstuhl der Architektur an der hiesigen Hochschule erhalten. Herr Hofmann soll geneigt sein, diesem ehrenvollen Rufe Folge zu leisten und würde dadurch wieder eine her⸗ vorragende Kraft für die hiesige Hochschule gewonnen.

* Offenbach, 6. April. Infolge des naß⸗ kalten unfreundlichen Wetters der letzten Tage tritt in hiesiger Stadt die Influenza wieder stellenweise auf. Vor dem Gewerbegericht werden die Klagen der Schuhfabrikanten gegen die ausständigen Arbeiter teilweise fortge⸗ setzt. Es mögen sich noch ungefähr 300 Schuh⸗ arbeiter, bezw. Arbeiterinnen im Ausstand be⸗ finden. Eine Einigung ist bis jetzt nicht erfolgt. Von deu anfangs Ausgetretenen ist ein Teil verzogen, ein anderer Teil hat anderweite Be⸗

schäftigung ergriffen.

Neueste Telegramme.

Hd. Berlin, 9. April. In der Angelegen⸗ heit der 1 von vier sozialisti⸗ schen Vertranensleuten wird berichtet, daß gestern die Verhaftung von vier weiteren Per⸗ sonen erfolgte. Zwei von den gestern Inhaf⸗ tierten sind inzwischen auf freien Fuß gesetzt.

Hd. Berlin, 9. April. Die Be⸗ erdigung des Staatssekretärs von Stephan findet voraussichtlich am Sonntag in der Mittagszeit statt. Derselben geht im Prunk saale des Reichspostamtes eine Trauerfeier voran. Sämtliche Ober post⸗Direk⸗ tionen entsenden Abordnungen zu der Leichenfeier. Die Zahl der einlau⸗ fenden Beileidsbezeugungen des In⸗ und Auslandes ist enorm. Hd. Frankfurt a. M., 9. April. Die große

Der Wormser

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

2

verfügbaren Strom an eine französisch⸗ deusche Gesellschaft verschlossen, welche bei Rheinfelden eine Fabrik für Calcium⸗ Carbid errichtet. Die Lieferungsbedingungen sollen sehr billig sein. Hd. Hamburg, 9. April. Die Hamb. Nachr. fordern den Hofrat de Grahl auf, bezüglich der falschen Meldung von dem Glückwunsch des Kaisers zum Geburtstage des Fürsten Bismarck anzugeben, von wem er diese Nachricht erhalten habe. Es wäre kaum anzunehmen, daß er sich die Sache aus den Fingern gesogen habe.

Hd. Torgau, 9. April. Bei der gestrigen Reichstagsstichwahl wurden bisher gezählt für Knörcke(frs. Volksp.) 6365 Stimmen, für

Bussenius(Reichsp.) 3541 Stimmen. Die Wahl des Ersteren gilt als sicher. Hd. Wilhelmshaven, 9. April. Der

LloyddampferOldenburg ist mit 900 Mann Ablösungs⸗Mannschaften für die Schiffe der Kreuzer-Division nach China abge gangen.

Hd. Kanea, 9. April. Das österreichische KanonenbootSatellit wurde in der Nähe von Kutri am Mittwoch von Auf⸗ ständischen lebhaft beschossen. Das Kanonenboot erwiderte das Feuer anscheinend mit Erfolg.

Kirchliche Anzeigen. Evangelische Gemeinde.

Sonntag, den 11. April, Palmarum. Landes⸗Buß⸗ und Bettag. Gottesdienst.

In der Friedhofskapelle:

Vormittags 9 Uhr: Pfarrer Dr. Grein.

Kollekte für hilfsbedürftige evangelische Gemeinden unseres Landes unter vorwiegend katholischer Bevölkerung.

Im Konfirmandensaal, Neustadt 61: Vor⸗ mittags 11 Uhr: Kinderkirche; für die Vorbereitung dazu: Samstag, den 10. April, nachmittags 3 Uhr, im Konfirmandensaal.

In der Johanneskirche: Vormittags 9½½ Uhr: Pfarrer Schlosser. Kinder⸗ gottesdienst für die Johannesgemeinde fällt aus.

Abends 6 Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Kollekte für hilfsbedürftige evangelische Gemeinden unseres Landes unter vorwiegend katholischer Bevölkerung.

Am Gründonnerstag abends 3 Uhr Beichte und heiliges Abendmahl, am Charfreitag Beichte und heiliges Abendmahl im Vormittagsgottesdienst; jedesmal für alle vier Gemeinden.

Sterbefälle.

Am 8. April. Albert Luy, 48 Jahr alt, Bäcker von Wetzlar. Gestorben in der alten Klinik. Die Leiche wird in die Heimat ver⸗ bracht.

Am 7. April. Anna Schneider, geb. Schuster,

27 Jahre alt, Ehefrau von Rottenarbeiter Peter Schneider zu Scheuerfeld. Gestorben in der Frauenklinik. Die Leiche wird in die Heimat verbracht.

Elektrizitäts⸗Gesellschaft bei Rhein⸗

Ohr, genannt Uttlappe, aufmerksam.

Daß sie bald den Onkel Doktor mit dem Onkel Gustav, der so treu Vaterstelle an ihr vertrot, in ihrem Herzen gleichstellte, verstand sich von selbst, wetteiferten wir beiden einsamen, alten Narren doch miteinander ihr jede kindlichen Launen zu erfüllen. Ihr verzieht sie mir Beide, schalt wohl Frau Frau Inge, aber aus ihren Augen sprach doch das Glück, ihr Kind so wohl geborgen zu wissen. Das waren friedliche Jahre. Wenn ich jetzt an jene Zeit zurückdenke, so erscheint sie mir viel schöner, freudenreicher, Tage unserer leidenschaftlichen, Und weil es so dauern.

unerwiderten Liebe.

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Gezisch der bösen Zungen, wider erhob, kümmerte uns nicht. daran, wenn man sich zuraunte, in Soldin w ein Liebeshof gehalten, dort säßen zwei alte närri Minnesänger zu den Füßen ihrer Dame. lag uns daran, von keinem unreinen. hältnis war. Die Menschen schreckten uns nicht aber der Tod that es.

Nach einem heißen, regenlosen Sommer, kam

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viel wünscheloser, als jene schön war, darum konnte es nicht

Die Mißgunst der Schwestern, die Inge und Therese Eindringlinge nannten, hatte der Freund durch Geldopfer zum Schweigen gebracht, und das das sich nah und fern Was lag uns erde sche Was wußten wir doch selbst wie schön, Hauch getrübt, unser Ver⸗

felden in der Schweiz hat ihren gesamten, noch

uns einen unheimlichen Gast, die Cholera. Ich wurde damals viel umhergeholt, Alt und Jung hatte Furcht, ein böser Druck lag auf allen Ge⸗ mütern, die leichtesten Symptome wurden für aus⸗ brechende Krankheit gehalten, und so blieb mir weniger Zeit wie sonst für die alten Freunde im Schloß. An einem Sonntagabend wenn ich jetzt davon spreche, ist es mir, als durchlebte ich jene köstlichen Stunden noch einmal saßen wir im eifrigen Gespräch in der großen runden Linden⸗ laube, Inge's Lieblingsplatz. Die Georginenblüten, das Spargelkraut stand hoch aufgeschossen wie ein kleiner Wald da, und Therese, eben zur Jungfrau erblüht, pflückte auf den Beeten die letzten Resedastengel.

Es mochte wohl schon spät sein, als ich endlich durch die schwüle Herbstnacht nach Hause ging. Ermüdet sank ich auf mein Lager, um im bleichen Morgengrauen durch den schrillen Ton der Klingel wieder aufgeschreckt zu werden. Ein Bote vom Schloß stehe draußen, Frau Inge sei plötzlich er⸗ krankt, bestellte mir Schwester Minchen mit schreckens⸗ bleichen Lippen.

Ich wußte genug. Wagen, der auf der den Ebereschenbäumen dahi die Hufe der Pferde auf, Todesangst im Herzen,

Wie betäubt lehnte ich im bekannten Straße, zwischen nrollte; dumpf schlugen der alte Kutscher, selbst hieb unbarmherzig auf

Lebendigkeit gedämpft und sie zu einem über ihre

Jahre ernsten Kinde geworden.

ein ungesunder Herbst. Glühende Südwinde brachten

sie ein.

Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmanp, beide in Gießen.

Und was fand ich? Eine sterbende Frau, die mit seltener Fassung ihr schluchzendes Kind zu trösten suchte, mit großen, halbverklärten Augen uns die Sorge für dasselbe an's Herz legte.

Der Arzt konnte hier nichts mehr helfen, aber der Freund lag mit den Andern auf den Knieen, bis die Abendglocken, die leise überklangen, den letzten Seufzer mit hinweg nahmen.

Wenn ich nun sage, daß es nun einsam um uns wurde, so ist das nicht das richtige Wort. Wie in einer Wildnis verirrte Wanderer erschienen wir uns im eigenen, wohlbekannten Heim. Ohne Steuer und Kompaß trieben wir pfadlos auf hoher See.

Und doch verging die Zeit, Jahr reihte sich an Jahr.

Unser Kind, unsere süße Theerose, wie wir kosend ihren Namen umgeändert, hatte zwischen uns Alten keine sonnige Jugend. Fern von allem geselligen Verkehr verfloß ihr Leben.

Habe ich nicht Euch, meinn lieden Wald, Mamas Grab, sagte sie stets, wenn wir sie be⸗ dauerten.Ja, wenn ich von Euch fort, in die weite, fremde Welt hinaus sollte, da müßte ich verzweifeln, aber hier bin ich ja glücklich. Hier fehlt mir nichts.

(Fortsetzung folgt.)