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Nr. 132
Gießen, Mitwoch, den 9. Juni
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
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Gießen.
Postztg. Nr. 3319.
Medaktion:
2 Kreuzplatz Nr. 4. 8
Aus dem Jahresbericht der hessisehen Fabrikinspektoren. 5
Gießen, 8. Juni 1897.
Nach den bis jetzt im Bäckereigewerbe in den Städten Mainz und Worms vorgenommenen Untersuchungen ist der Unterzeichnete zu der An— sicht gekommen, daß im allgemeinen durch die Bekanntmachung vom 4. März 1896 eine wirt— schaftliche Schädigung dieses Gewerbes wicht eingetreten ist. Die größeren Bäckereien mit mindestens zwei Gehilfen nehmen in der Regel ihre Gehilfen am meisten in Auspruch. Wenn deshalb in den größeren Bäckereien, in welchen die Meister in der Regel nicht selbst mitarbeiten, hier und da eine Vermehrung des Arbeitspersonals eingetreten ist, so kann von ener wirtschaftlichen Schädigung deshalb noch lange keine Rede sein, da vorher vielfach eine shatsächlicheUeberlastung vorhanden war.
Zur Begründung des vorher Behaupteten vienen folgende statistische Angaben:
In 2 Polizeibezirken der Stadt Mainz mit 30 Bäckereien wurden von sämtlichen Bäcker— meistern größere Ruhezeiten, als die gesetzlichen, gewährt. Von 15 dieser Betriebe ist die Stunden⸗ fahl bekannt, nämlich: 1 Bäckerei giebt 12 Stunden Ruhe, 2 Bäckereien geben 11 Stunden Ruhe, 9 Bäckereien geben 10 Stunden Ruhe, Bäckereien geben 9 Stunden Ruhe. 19 Häckereien wurden während der Zeit, welche für gelegentliche Dienstleistungen bestimmt ist, besucht, und die Arbeiter ruhend angetroffen, weil keine Beschäftigung für sie vorhanden war.
Die Arbeitszeiten betrugen: in 12 Fällen se 13 Stunden mit einer Pause, in 10 Fällen e 12 Stunden ohne Pause, in 9 Fällen je 12 Stunden mit einer Pause, in 5 Fällen unter 12 Stunden.
In den ersten 12 Bäckereien sind durchschnitt⸗ lich 3—5 Gehilfen beschäftigt, in den übrigen weniger als 3 Gehilfen.
Bie oft aufgeworfene Frage, ob das Ver⸗ hältnis zwischen Arbeitgeber und Gehilfen durch den Erlaß der Verordnung eine Verschlechterung erfahren habe, kann zwar nicht leicht beantwortet werden; es muß aber doch darauf hingewiesen werden, daß unter den Bäckergehilfen schon lange . herrschte, daß die Eigentümlichkeit dieses Gewerbes, das für die meisten Gehilfen die Gründung eines eigenen Hausstandes aus⸗ schließt, und daß die Aufnahme in die Familie des Bäckermeisters oft Unzuträglichkeiten mit sich führt und oft hinreichenden Anlaß zur Un— zufriedenheit giebt.
Dazu kommt, daß das Schlafstätten⸗ wesen vielfach Anlaß zur Klage bietet, indem die Gehilfen oft zu zweien in einem Bette schlafen müssen und die Backstube manchmal iußerst ungesund ist(bis 4,70 Meter unter dem Straßenniveau). Vielfach wird als Grund zur klage gegen die Bäckereiverordnung seitens der Hehilfen der Umstand angegeben, daß die Ab⸗ grenzung der Zeiten(Arbeitszeit, Zeit für ge⸗ legentliche Dienstleistungen und ununterbrochene Muhezeit) von den Bäckermeistern dazu benutzt werden könnte, ihre bis dahin gewährte größere Freiheit jetzt einzuschränken. a 1
Ueber die Ernährungsverhältniss der Arbeiterbevölkerung sagt der Bericht da olgende:
„Der gemeinschafliche Warenbezug der Arbeiter aus eigenem Antrieb und der genossenschaftliche usammenschluß zu ühnlichen Zwecken macht nur geringe Fort⸗ chritte. Die politischen Vereine arbeiten der⸗ artigen Bestrebungen in der Regel direkt ent⸗ gegen, aus der begründeten Befürchtung, die Arbeiter könnten ihr Interesse und ihre Geld⸗ mittel diesen Bestrebungen mehr zuwenden als rüher und die Parteikasse möchte dadurch ge⸗ chaͤdigt werden. Nur wo die Unternehmer die Dründung von Genossenschaften direkt begünstigen oder den Warenbezug selbst für ihre Arbeiter in die Hand nehmen, wird namhaftes geleistet. In
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den größeren Städten sind die Arbeiter vielfach
abhängig von kleinen Ladeninhabern, welche meist in Fällen der Not Kredit gewähren und eventuell auch Barvorschuß leisten. Daraus entstehen oft schwere Nachteile für die betreffen⸗ den Käufer, welche keiner näheren Erörterung bedürfen. Ein Loskommen aus diesem Abhängig⸗ beitsverhältnis ist in den meisten Fällen sehr schwer. Deshalb kann der Vorteil des genossen⸗ schaftlichen Zusammenschlusses für die Arbeiter im Interesse der Industrie, wie der Arbeiter selbst, nicht genug betont werden.“
Mit diesen Bemerkungen hat der Fabrik⸗ ispektor wohl sehr neben die Scheibe geschossen.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Fetertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Bspaltige Petitzeile.
die Sozialdemokratie den Konsumvereins— bestrebungen direkt entgegenarbeitet, ist wohl nicht richtig. Die Arbeiter versprechen sich eben zu wenig von derartigen Genossenschaften.
Daß die Arbeiter in den größeren Städten von kleinen Ladeninhabern abhängig sind, dürfte auch nicht stimmen. Umgekehrt ist das Verhältnis. Die kleinen Ladeninhaber sind abhängig von der Arbeiterbevölkerung. Die besser situierten Leute decken ihren Bedarf in großen Geschäften, wo sie mehr Auswahl, frischere Ware und promptere Bedienung erwarten. Und die kleineren Ladeninhaber sollten neben Ge⸗ währung von Warenkredit gar noch Barvorschüsse leisten? Da ist dem Herrn Fabrikinspektor wohl von einem Spaßmacher ein Bär aufgebunden worden. Daß solche Darlehen hier und da mal gewährt werden, geben wir zu, aber es sind Ausnahmefälle, die man nicht verallgemeinern darf. Die kleineren Ladeninhaber leben in so außerordentlich schlimmen Verhältnissen, daß sie es dem Fabrikinspektor Baentsch kaum Dank wissen werden, wenn er die Arbeiter auffordert, „Genossenschaften zum gemeinsamen Warenbezug“ zu gründen.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 8. Juni. In dem Hauptvor⸗ anschlage der Finanzperiode 1897/1900 für das Großherzogtum Hessen sind die Mittel für zwei weibliche Assistentinnen der Fabrik⸗ inspektoren eingesetzt. Dieselben werden den Beamten der beiden in Hessen bestehenden Auf— sichtsbehörden unterstellt. Die Aufsichtsbefugnisse der Assistentinnen sollen sich einstweilen nur auf ganz spezielle, die Frauenarbeit berührende Ge⸗ biete und solche Betriebe, in denen ausschließlich Arbeiterinnen beschäftigt sind, beziehen. Trotz dieser Beschränkungen bleibt doch die Thatsache beachtenswert, daß Hessen die ersten weiblichen Aufsichtsbeamten in ganz Deutschland anstellen wird. Welche Personen ausersehen sind, über diese wichtige Frage wird noch nichts mitgeteilt.
* Gießen, 8. Juni. Auf Grund der Beo⸗ bachtung, daß die Reinigung der Schul⸗ lokalitäten Manches zu wünschen übrig läßt, haben die Kreis-Schulkommissionen in einem Erlaß an die Schulvorstände und Bürgermeiste⸗ reien verfügt, daß täglich alle Schulsäle, die zu diesen führenden Treppen und zugehörigen Vor⸗ plätze, sowie in den Schulsälen die Bänke, Tisch⸗ platten, die Katheder, die Schränke und Fenster⸗ bänke durch gründliches Kehren und Abwischen vom Staube befreit werden; daß wöchentlich zweimal, Mittwochs und Samstags nachmittags, Schulsäle, Vorplätze und Treppen naß aufgezogen werden; daß im Jahr mindestens viermal während der Ferienzeit alle Schullokalitäten einer größe⸗ ren Reinigung unterzogen werden. Dieselbe hat sich auf Putzen der Fußböden mit Bürste und Seife, Putzen der Fenster u. s. w. zu erstrecken; daß bei jeder Reinigung auch die Schulaborte einer gründlichen Reinigung unterzogen werden. Ferner machen die Kreis⸗Schulkommissionen dar⸗ auf aufmerksam, daß eine öftere und regelmäßige Benutzung der Schulsäle zu anderen als zu Schulzwecken ohne Genehmigung der Kreis⸗ Schulkommission unzulässig ist. Wo, wie z. B. vielfach in Oberhessen und Starkenburg, in den Schulsälen Gesangsproben, Heu-, Holz⸗, Arbeits⸗ versteigerungen u. s. w. stattfinden, ist für gründ⸗ liche Reinigung und Lüftung der Schulsäle sofort nach Beendigung der bezeichneten Geschäfte Sorge zu tragen. Das Tabakrauchen in den Schul⸗ sälen oder in den vor denselben befindlichen Räumen des Schulhauses ist strengstens zu unter⸗ sagen, ein Zuwiderhandeln trotz dieses Verbotes wurde zur Folge haben, daß solche Veranstal⸗ tungen in den Schulräumen überhaupt verboten werden. 55
* Gießen, 4. Juni. Die Deutsche Gesell⸗ schaft zur Rettung Schiffbrüchiger, welche auch in Gießen zahlreiche Mitglieder zählt (Vorsitzender Stadtverordneter Kirch), hat wieder Jahresabrechnung abgelegt. Wenn irgend eine Vereinigung wegen ihres edlen Thuns der kräf⸗ tigen Unterstützun aller Kreise des Volkes be⸗ darf, so ist es diese. Dem Bericht über das Rechnungsjahr 1896 97, welcher am 29. Mai in Breslau der Jahresversammlung des Gesell⸗ schaftsausschusses vorgelegt ist, entnehmen wir die folgenden Mitteilungen: Die Rettungs⸗ stationen sind 23 Mal mit Erfolg tatig gewesen und haben 122 Menschenleben durch Rettungs⸗ boote vor dem Untergange bewahrt. Die Zahl der seit der Begründung unserer Gesellschaft durch deren Gerätschaften geretteten Personen ist damit auf 2354 gestiegen. Aus der Laeisz⸗Stiftung
Daß die politischen Parteien— soll wohl heißen:
Telephon⸗Nr. 112. ebition:
. E Kreuzplatz Nr. 4.
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sind für 55 auf hoher See gerettete Menschen— leben Prämien im Betrage von 1152 4 60, einschließlich des Geldwertes der Medaillen, ver— teilt worden. Die Zahl der Rettungsstationen beträgt 114, darunter 71 an der Ostsee, 51 sind
Doppelstationen, ausgerüstet mit Boot und Raketenapparat, 47 Boots- und 16 Raketen⸗ stationen. Die Zahl der Bezirksvereine betrug
am Schlusse des Rechnungsjahres 60, darunter 24 Küstenbezirksvereine. Hinzugekommen ist der Bezirksverein für Elsaß-Lothringen mit dem Sitze in Straßburg und mit Lokalvereinen in Metz, Kolmar und Mülhausen. Im April und Mak dieses Jahres haben sich der Lokalverein zu Mülhausen und die Vertreterschaft zu Breslau in Bezirksvereine umgewandelt. Die Gesamt⸗ einnahme belief sich auf 280, 417,16 4 gegen 322,911,10 4 in 1895/96. Die Jahresbeiträge betrugen von 51,428 Mitgliedern 147,159,001 gegen 143,675, 40 4 von 50,170 Mitgliedern in 1895/96. Die außerordentlichen Beiträge be— trugen 76,640,50. gegen 122,905,74 4 in 1895/96. Davon lieferten die Sammelschiffchen 23,937,75 4 gegen 22,719,55 in 1895/96. Die Gesamtausgabe belief sich auf 153,233,80 gegen 165,592,77 in 1895/96. Sie ist abermals zurückgegangen, da nur wenig neue größere An⸗ schaffungen zu machen waren. Im Laufe des Jahres hat Herr Emile Robin der Gesellschaft eine fünfte Stiftung überwiesen: ein Kapital von 15,000, dessen Aufkünfte für sechs jährliche Pensionen an die sechs ältesten Vorleute der Bootsstationen verteilt werden sollen. Herr Bartels, Oberst und Regimentskommandeur in Lyck, und seine Gemahlin haben eine vollständig eingerichtete Doppelstation gestiftet. Die Station wird augenblicklich in Tenkitten unweit Pillau im Bezirk Königsberg eingerichtet, wo sie etwa in der Mitte des vier Meilen langen Küsten⸗ strichs zwischen Palmnicken und Pillau zu liegen kommt.
„Gießen, 8. Juni. In der jetzigen heißen Jahreszeit entstehen, wie die Erfahrung lehrt, durch den Genuß von mit Eis gekühlte Getränken sehr häufig Magenkatarrhe, die in nicht seltenen Fällen schwere Erkrankungen nach sich ziehen. Es muß deshalb dringend vor dem Genuß eiskalter Getränke gewarnt werden. Besonders ist rasches Trinken solcher Getränke gefährlich. f
* Leihgestern, 8. Juni. Am 1. Pfingst⸗ feiertage enklud sich über unserer Gemeinde ein heftiges wolkenbruchartiges Gewitter, welches sehr großen Schaden verursacht hat. Das Wasser stand nahezu meterhoch. Viele Leute wurden gezwungen ihr Vieh in die Woh⸗ nung zu nehmen, um es der Gefahr des Er⸗ trinkens zu entziehen. Dem Wirt zum Kasino drang das Wasser bis in die Wirtsstube. Sein Vieh(Ziege ꝛc.) mußte er auf dem Bodenraum unterbringen. Die Feldfrüchte sind größtenteils zu Grunde gegangen.
* Grünberg, 7. Juni. Infolge des starken Personenverkehrs zu Pfingsten trafen die Züge auf der Strecke Gießen⸗Fulda mit großer Verspätung ein. Am Samstag betrug die Differenz bei dem um 5 Uhr 20 Minuten von Gießen abgehenden Zuge nahezu eine Stunde. Das Publikum hatte dadurch insofern einen Nachteil, da deswegen die letzte Post nicht mehr ausgetragen werden konnte.
* Grünberg, 8. Juni. Am zweiten Pfingst⸗ feiertag, der von dem herrlichsten Wetter be⸗ günstigt, war auf der oberen Zügelhütte die „Eintracht“ in geselliger Zusammenkunft ver⸗ einigt, auf der Neuwahl fand sich der Verein „Frohsinn“ ein. In beiden Lokalen war die Musik von einer Abteilung des Infanterie-Regi⸗ ments Nr. 116 gestellt. Der Verlauf ist ein schöner zu nennen.
* Grünberg, 7. Juni. Alljährlich am ersten Pfingstfeiertage wurden vom Kirchturme herab von dem Musikverein einige Choräle ge⸗ blasen, wodurch der Bedeutung des Tages ein feierlicher Anstrich verliehen wurde. Durch die kürzlich erfolgte Auflösung genannten Vereins fiel nun dieses Jahr die Choralmusik weg und an dessen Stelle trat der hiesige Gesangverein. Trotzdem aber machte sich das Bedürfnis noch eines Musikvereins geltend.
* Bad Nauheim, 7. Juni. Dem Bericht über die hier abgehaltene Generalversammlung der freien Vereinigung der Kranken⸗ kassen im Großherzogtum Hessen ist noch nach⸗ zutragen, daß die Versammlung sich gegen die einheitliche Regelung der Aerztehonorare, aber für zwangsweise Einführung der freien Aerzte⸗ wahl erklärte. Nach dem Geschäftsbericht ist ein Entwurf zu einer gemeinsamen und billigeren Arzneitaxe auf Grund aufgestellter
Normen
fertiggestellt.— Bei dem heftigen Gewitte das am Sonntag um 5 Uhr über unsere Stadt zog, schlug der Blitz neben der Teichhaus-Restauration in eine hohe Tanne ein. Der Hausbursche des Restaurants, der in der Nähe stand, wurde zur Erde geworfen, ohne indessen einen Schaden zu erleiden. Die Tanne ist zur Hälfte total zer⸗ schmettert. Dicht unterhalb der Tann befindet sich eine Halle, in der während des Gewitens etwa 60 Personen saßen, doch hat weden der Blitz noch die umstürzende Tanne die Halle ge— troffen, sonst hätte ein großes Unglück entstehen können.
* Aus der Wetterau, 7. Juni. Wenn auch der Mai nicht gerade allen Anforderungen entsprochen hat, so können die Landwirte mit dem, was er gebracht, doch recht wohl zufrieden sein. Die Felder sehen in jeder Hinsicht gut aus. Die häufigen Niederschläge beförderten die Pflanzenentwickelung ganz bedeutend. Es konnte darum schon sehr frühe mit dem Kleeschnitt begonnen werden. Klee konnte stellenweise auch wieder zu Dörrfutter gemäht werden. Auch das Gras steht sehr schön und befindet sich eben in voller Blüte. Alle Raine und die Gräben an Straßen prangen in saftigem Grün. Futter ist also in Hülle und Fülle vorhanden. Der Roggen blut eben auch. Wenn die herrschende trockene Witterung jetzt nur noch ein paar Tage anhält, damit der Fruchtansatz erfolgen kann! Der Roggen hat sich entgegen den Anfangs Mat nicht ohne Grund auftauchenden Befürchtungen doch nur wenig gelagert. Das ist sehr gut; denn bei Lagerfrucht bleiben infolge sehr mangel⸗ hafter Befruchtung fast alle Aehren taub. Auch das übrige Getreide steht sehr schön. Kar⸗ toffel und Zuckerrüben werden schon be— hackt. Letztere sind meistens schon vereinzelt. Zerstörungen durch die Larve des Saatschnell— käfers, den Drahtwurm, sowie durch Maikäfer sind dieses Jahr nicht zu konstatieren. Die Obstbäume werden den nach dem Reichtum ihrer Blüten erhofften Ertrag nicht liefern. Am reichsten ist der Fruchtansatz bei den früh und ganz spät blühenden Sorten. Der Ertrag der Zwetschenbäume bleibt hinter einer Mittelernte zurück. Starke, anhaltende, zur Zeit der Blüte niedergehende Regen wuschen den Blütenstaub aus und ließen so eine Befruchtung nicht zu. Gering fällt auch, im Ganzen genommen, die Kirschenernte aus. Birnbäume tragen stellen⸗ weise reich, Aepfelbäume weniger gut. An den Blüten dieser verrichtete zahlloses Ungeziefer sein Zerstörungswerk. Wir werden in Aepfeln kaum eine Mittelernte zu verzeichnen haben. Der Holz⸗ trieb an sämtlichen Obstbäumen ist bis jetzt recht gut.
* Mainz, 7. Juni. Nach einer Privatmit⸗
teilung ereignete sich am Freitag voriger Woche bei dem um 8 Uhr 12 Min. von hier nach Bingen abgegangenen Personenzuge ein schrecklicher Un⸗ glücksfall. In einem Abteil der dritten Klasse saßen zwei Frauen mit mehreren Kindern, die im Begriffe waren, nach Amerika auszuwandern. Während der Fahrt zündete eine der Frauen eine Spiritusmaschine an, um für die Kinder Milch zu erwärmen. Unglücklicherweise explodierte die Lampe und verbrannte beide Kinder ganz erheblich. In ihrer Aufregung sprang eine der Frauen mit ihrem Kinde in der Nähe der Station Bingen aus dem fahrenden Zuge nnd verletzte sich ebenfalls schwer. Sämtliche Auswanderer wurden vorerst zur Pflege in das Hospital in Bingen verbracht. Mainz, 7. Juni. Der Kreisschulin⸗ spektor des Kreises Mainz, Brielmayer ist auf unbestimmte Zeit beurlaubt und der Kreis⸗ schulinspektor Krämer von Bingen mit dessen Stellvertretung betraut worden. Man bringt den Urlaub mit der ungesetzlichen Einfüh⸗ rung einer fünften Religionsstunde in den Mainzer Volksschulen in Verbindung.
Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten
Versammlung, Donnerstag, den 10. Juni 1397, wachmit⸗ tags 4½ Uhr pünktlich.
1. Chaussierung von Feldwegen im Neustädterfeld; hier: spezieller Voranschlag.
2. Baugesuch des Karl Schleenbecker für die Bleich straße.
3. Gesuch des allgemeinen Vereins für Armen⸗ und Krankenpflege zu Gießen um Gewährung eines Jypo⸗ thekdarlehens in Höhe von 6000 Mark zu 3½¼ Prozent verzinslich aus der Plockischen Stiftung.
f 4. Vermietung des ehemals H. Bellofschen Hauses in der Sonnenstraße.


