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Lokales und Provinzielles.
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Pofltztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
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Gießen.
T Possgtg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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* Gießen, 8. Mai. Dem Pfarrer Gotthilf tleberger zu Ober⸗Mockstadt ist die erledigte wangelische Pfarrstelle zu Friedberg, Dekanat Friedberg, übertragen.
Gießen, 8. Mai. Ueber eine Gewerbe⸗ herichtssitzung, die von allgemeinem In- seresse sein dürfte, entnehmen wir der„Mitteld. Sonnt.⸗Ztg.“ das folgende:
„Der jetzt 17jährige Arbeiter L. aus Wieseck war drei hehre weniger 2 Wochen in der Thonwarenfabrik des kommerztenrats Gail beschäftigt. Er hatte ordnungs⸗ mäßig die 14tägige Kündigung eingehalten und war nicht wenig erstaunt, als ihm trotzdem die während seiner
Resamtbetrage von über 14 // vorenthalten wurden. deer Arbeiter hatte sich in dem Glauben die 10 Pfg. bo Woche abziehen lassen, daß er dieselben zurückerhalte, wald er ordnungsgemäß, d. h. mit Innehaltung der Mandigungszeit, die Arbeit verlasse. Er hatte angenom⸗ gan, das einbehaltene Geld sei dann verfallen, wenn er ka ohne Kündigung fortginge. Seitens der Geschäfts—
nn zurückerhalten hätte, wenn er mindestens drei hre im Geschäft geblieben wäre. In der„Mitteld.⸗ Fenntags⸗Ztg.“ wurde der Fall vor mehreren Wochen hon besprochen und dem betreffenden Arbeiter der Rat ctellt, das Gewerbegericht anzurufen. Der Vater des shhreffenden Arbeiters bevollmächtigte daraufhin den sebakteur Scheidemann zur Klageerhebung gegen die Gailsche imma. Es fand demnächst ein Sühnetermin statt, in enn Scheidemann die Rechtsgültigkeit des angeblich seitens en Firma Gail mit dem damals 14jährigen L. abge⸗ chlossenen Vertrages bestritt. Ein 14jähriger Junge habe licht das Recht, seine Arbeitskraft ohne Ein verständnis lt dem Vater oder Vormund auf Jahre hinaus zu ver⸗ Der Vertreter der Firma Gail, ein Techniker, falt den Vertrag für gültig. Jeder, der bei Gail in lebeit trete, müsse den betr. Vertrag unterzeichnen. Es anzunehmen, daß dann auch die Eltern jugendlicher libeiter Kenntnis von der Bestimmung erhielten und durch ihr Stillschweigen ihr Einverständnis bekundeten. Scheide⸗ gann bestreitet, daß der Vater gewußt habe, was der zohen unterschrieben habe. Jedenfalls wüßte das der junge nicht einmal. Beim Eintritt in die Arbeit würde iwer meist unterschrieben, was verlangt werde, ohne daß e Unterzeichner oft wisse, was er unterschreibe. Das sei twauerlich, aber es sei einmal so, weil die Arbeiter meist oh sind, wenn sie in Arbeit treten können. Eine larständigung wurde nicht erzielt und so fand denn eine herhandlung mit Beisitzern statt, zu der der Vater des L. üschtenen war. Er bestreitet, den Vertrag gekannt zu alben. Er würde nicht zugegeben haben, daß sich sein Auch er habe angenommen, würden, damit die Fabrik sch schadlos halten könne, wenn ein Arbeiter ohne Kün⸗ gung fortlaufe. Der Vorsitzende, Herr Beigeordneter Molff, formulierte nun einen Eid, den der Vater des L. essten solle. Der Eid lautet dahin, daß L. Vater nicht ewußt habe, daß sich sein Sohn auf drei Jahre gebun⸗ zen hätte und daß bei früherer Lösung des Arbeitsver⸗ saͤlltnisses der einbehaltene Lohn verfallen sei. Der Kläger hlärt sich zur Leistung des Eides bereit. Redakteur
zz die 10 Pfg. abgezogen
Stheidemann hält es nicht für richtig, daß dem L. der
Eid zugeschoben werde. Nicht L. habe zu beweisen und zu beschwören, daß er keine Kenntnis von jenem Vertrage hatte, sondern das Richtige sei doch, daß die beklagte Firma zu beweisen habe, daß sie ihre Verträge in gesetz⸗ entsprechender Weise abgeschlossen habe. Das sei aber nicht der Fall. Daß L. den Vertrag nicht gekannt habe, gehe doch schon daraus hervor, daß sein Sohn nur noch 14
Tage hätte zu arbeiten brauchen, um die drei Jahre voll
zu machen. Müsse L. schwören, so könne keine prinzi⸗ pielle Entscheidung über die Rechtsgültigkeit des Gail⸗ schen Vertrages getroffen werden, um die es ihm gerade zu thun wäre. Denn es würden jetzt noch mehr Arbeiter gegen Gail klagbar vorgehen und in jedem einzelnen Fall müsse dann geschworen werden.— Die Beeidigung wurde beschlossen und vorgenommen. daraufhin verurteilt, das einbehaltene Geld herauszu⸗ zahlen und die Kosten zu tragen.“
* Gießen, 7. Mai. Das Schöffengericht verhandelte heute in der Privatklagesache des Metzgermeisters Trinkhaus gegen den Schlacht⸗ hausperwalter Möhl. Der Anklage liegt fol⸗ gender Thatbestand zugrunde. Am 8. Januar d. J. brachte der Landwirt Johann Schaaf von Großen-Buseck einen Ochsen nach hier, der für den Metzger Trinkhaus bestimmt war und für welchen er die Versicherungsprämie schon im Voraus zahlte. Nachdem der Ochse ge— schlachtet, hatte Möhl zu Schaaf geäußert, er könne sich sein Geld wiederholen, der Ochse sei nicht versichert„worden“. Schaaf hatte darauf— hin gefragt, was es denn gegeben hätte, wenn der Ochse nicht ladenrein gewesen sei, worauf ihm Möhl geantwortet:„So geht es, wenn man es mit solchen Leuten zu thun hat.“ Diesen Ausdruck bezog Schaaf auf Trinkhaus, welchem er auch gleich davon Mitteilung machte und die Sache bei dem Metzgermeister Pirr zu Protokoll nehmen ließ. Schaaf, sowie dessen Sohn er— klären heute, sie hätten sich bei dem Ausdruck nichts anderes gedacht, als daß Trinkhaus nicht kreditfähig sei. Zeuge Pirr wird von dem Ver⸗ teidiger, Rechtsanwalt Grünewald, gefragt, weß— halb er gerade die Protokolle aufnehme, er sei doch kein Beamter, worauf Pirr erwidert, daß er dazu bestimmt sei, die der Metzgerinnung an⸗ gehörigen Mitglieder gegen ungerechtfertigte An⸗ griffe seitens der Schlachthausverwaltung, sowie der Behörde zu schützen und etwaigen Vorkomm— nisse der Stadtverordnetensitzung zu unterbreiten. Auf weiteres Befragen, warum gerade diese Sache nicht der Stadtverordnetensitzung unterbreitet worden sei, erklärt Pirr, die sei doch nur ein Schlag ins Wasser gewesen, da die ganzen seit⸗ herigen Vorgänge bis jetzt noch nicht zur Sprache gebracht worden seien. Rechtsanwalt Grünewald stellt sodann Wiederklage gegen Trinkhaus, der im vergangenen Jahre seinen Klienten des Mein⸗ eids beschuldigt und diese Beschuldigung publicirt babe. Auf Antrag des Vertreters der Privat⸗ klage, Rechtsanwalt Katz, wird die Verhandlung auf den 21. Mai vertagt.
Lonys Bierkeller er⸗
Der Hunderttausendste. Von Hans Krieg. (Nachdruck verboten).
Herr Berthold Kircher hatte seinen„guten Tag“. nen solchen gönnte er sich etwa alle vier Wochen, geistens gegen Schluß des Monats, und zwar htte es damit folgende Bewandnis. Im allge— einen war es ihm ein Gräuel, irgendwelche über⸗ lässigen Ausgaben zu machen, und es verstieß gegen hne Grundsätze, den durch kluge kaufmännische Wätigkeit erworbenen Mammon hinweg zu amü⸗ men; er war im Gegenteil bestrebt, nach Bestrei⸗ lung der nun einmal leider unumgänglichen Kosten zr Essen, Trinken, Wohnen u. s. w. ein Häufchen bold neben das andere zu legen und sich an dem geißenden Glanze dieser schöngeprägten Münzen zu effreuen, bis so viel zusammen war, um ein ren— lcbles Papier zu kaufen, dem keine Gefahr der Kon— urtierung drohte. Zwar war er besser wie gut telt und hatte nicht für Weib und Kind zu srgen, und einem etwaigen leichtfinnigen Neffen ümdigte er sofort die Verwandtschaft auf, aber es ar doch so schön zu sehen, wie die Zahl der oupens sich von Vierteljahr zu Vierteljahr mehrte, ud für diesen erhabenen Zweck konnte man sich don Enthaltsamkeit auferlegen. Wenn aber der Monat sich seinem Ende näherte und ein genauer leberschlag wieder sinen tüchtigen Ansatz zu einer uuen Tausend ergab, dann gönnte er sich einen ten Tag d. h. er bestimmte eine erkleckliche umme für ein feines Abendessen nebst Zubehör, da sind bessere Marken Weins und erlesene Und da machte es ihm jedesmal eine
ttanische Freude mit hinterm reichlich bemessenen
btat zurückzubleiben. Hatte er z. B. in seinen vier dsänden seine Phantasie damit erlabt, sich im zessaurant eine Mocturtlesuppe und ein Beefsteak
* Gießen, 8. Mai.
a la Chateaubriand mit obligatem Hochheimer bestellen zu können, so schlug er nachher, wo er wirklich im Restaurant saß, seine Begierde siegreich aus dem Felde, indem er sich gar keine Suppe geben ließ und zu dem einfach deutschen Beefsteak simplen Zeltinger schlürfte. So wußte er selbst aus seinen Luxusausgaben Ersparnisse heraus- zuschlagen.
Heute genoß er Rührei mit Schinken und er⸗ labte sich am dunklen Naß des Nürnberger Biers. Darauf zündete er sich eine Zigarre an, die, sage und schreibe, zwölf Pfennige gekostet hatte, und ver— tiefte sich in die Zeitungen.
Inzwischen hatten einige Herren in dem kleinen Seitengemach, in dem er hauste, Platz genommen; nachdem sie dies und jenes Gleichgültige ziemlich laut verhandelt hatten, dämpften sie ihre Stimme und führten ihr Gespräch im Flüstertone fort. Da war irgend etwas Geheimnisvolles, und dafür hatte Herr Kircher ein feines Verständnis. Wie vieles, was nicht für seine Ohren bestimmt war, hatte nicht schon Herr Kircher erlistet und erkundet, nicht
zum Schaden seines Geldbeutels. Er hatte dabei eine Methode angewandt, in der er durch die viel— fache Uebung zum Meister geworden— er wurde allmählich von einer unüberwindlichen Schläfrigkeit heimgesucht und schnarchte schließlich diskret, bis plötzlich sein Ellenbogen vom Tisch herunterfiel, worauf er höchst erstaunt aufwachte, einige Worte der Entschuldigung stammelte und sich verlegen und linkisch entfernte. Das Gelächter der Zurück— bleibenden klang ihm wie Engelmusik, denn er hatte in Erfahrung gebracht, was er wollte. Wieder hatte der goldene Schlaf unsern Ehren⸗ mann in seinem Zauberbann, und die Herren äußerten sich etwas rückhaltloser. Den geschärften
Sinnen des alten Fuchses entging wenig, und was
Die Firma Gail wurde
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
uge igen: 10 Pfg. für die rspaltige Petltzeile
öffnet morgen Sonntag seine Sommerwirthschaft. Wer die wunderschön liegende, geräumige und schattige Terrasse dieses Lokals kennt, wird nicht versäumen, an schönen Abenden öfters dort zu verweilen. Für morgen Sonntag findet, wie jeden Sonntag, wieder Musik und Tanzvergnügen auf Lonys Bierkeller statt und verweisen wir dieserhalb auf das Inserat.
* Gießen, 8. Mai.(Volks⸗-Sommer—
fest.) Morgen Sonntag, Nachmittag findet auf der„Schönen Aussicht“ das erste große
Sommerfest dieser Saison statt. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, wird in dem be— deutend vergrößerten Garten dem Publikum eine ganze Reihe von Unterhaltungsstoff geboten und steht zu erwarten, daß das Fest sehr gut besucht
wird. Der Ueberschuß soll zu wohlthätigen Zwecken verwendet werden. * Gießen, 8. Mai. Man schreibt der
„Frkf. Ztg.“ aus Dar mstadt:„Im März und Mai 1895 wurde mitgetheilt, daß gegen den Grafen Leiningen zu Ilbenstadt ein Verfahren wegen Verfehlung gegen das Straf⸗ gesetz eingeleitet sei, das vor dem von Standesherrn gebildeten Austrägalgerichtshof seinen Abschluß finden müsse. Wie ich aus guter Quelle ver⸗ nehme, tritt nunmehr dieser Gerichtshof in nächster Zeit zur Verhandlung der Sache und Urtheils⸗ fällung hier zusammen. Den Vorsitz führt gemäß den Bestimmungen in Artikel 12 des Gesetzes vom 18. Juli 1858 betreffend die Rechtsverhält⸗ nisse der Standesherren des Großherzogthums und Artikel 9 des hessischen Ausführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetz der Präsident des Oberlandesgerichts Knorr. Der Großherzog hat sechs Standesherren zu beisitzenden Richtern er⸗ nannt, während zwei vom Präsidenten gewählte Mitglieder des Oberlandesgerichts als Referenten und Korreferenten mit nur berathender Stimme fungieren. Das gefällte Erkenntniß wird mit dem Gutachten über etwa vorhandene Begnadi⸗ gungsgründe und Anträgen der beiden Referenten dem Großherzog zur Entschließung vorgelegt.“
* Grünberg, 7. Mai. Von sämtlichen Landgemeinden des Kreises Gießen werden in unserer Stadt die meisten Kommunalumlagen erhoben. Dieselben belaufen sich für das Rech⸗ nungsjahr 1897/98 auf 28000, Normal⸗ steuerkapital erheblich günstiger, da derselbe 28,273„ beträgt.
* Mainz,. Mai. Das städtische Ar⸗ beitsamt wurde heute Vormittag 10 Uhr eröffnet und der Geschäftsführer, Herr Stuben— rauch, durch den Vorsitzenden der Deputation, den das Arbeitsamt unterstellt ist, durch Handschlag verpflichtet. Das Amt befindet fich in der Flachs— marktstraße, besteht aus vier Parterreräumen, dem Bureau, je einem separaten Zimmer für männliche und weibliche Arbeiter und einem Sprechzimmer für die Parteien. Der erste Tag
Staaten gemäß der ihm erteilten Befugniß den
N Expedition: 2 Kreuzplatz Nr. 4. Arbeitsuchenden meldete und 15 Gesuche um
Arbeiter angemeldet wurden.
* Mainz, 7. Mai. Die hiesige Handels⸗ kammer hat das Auswärtige Amt ersucht, durch Verhandlung mit der Regierung der Ver⸗ einigten Staaten von Nordamerika darauf hinzuwirken, daß der Präsident der Vereinigten Zoll auf Wein in Fässern von 60 Cents auf 50 Cents per Gallone und auf Wein in Flaschen von 2 Dollars auf 1,60 Dollars für 12 Flaschen herabsetze.
Auszug aus den Kirchen bũchern der evaugelisehen Gemeinde.
Matthäusgemeinde. Beerdigte. Am 1. Mai. Konrad Döpfer, Weißbinder, verhelrathet, Jahre alt, starb den 29. April. Am 2. Mai. Georg Dietz, Maurer, verheirathet, 45 Jahre alt, starb den 28. April.
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Markusgemeinde. Trauungen. Den 2. Mai. Friedrich Bonarius, ein Witwer,
Schreiner zu Gießen und Auguste Luise Heurtette Pauline
Schmidt, geborene Wisker, Witwe des Metallgießers Ludwig Wilhelm Schmidt zu Gießen. Beerdigte.
Den 5. Mai. Karl Lang, Schreiner, Sohn von dem verstorbenen Schreiner Georg Lang und seiner verstorbenen Ehefrau Auguste geb. Geller, 20 Jahre alt, starb den 3. Mai.
Den 6. Mai. den 4. Mai,
Den 7. Mai. Jocobine Lony, geb. Seitz, Ehefrau von dem Privatmann Christian Lony, 49 Jahre alt, starb den 4. Mai.
Standesamtliche Nachrichten.
Geburten.
Am 27. April. Dem Taglöhner Peter Drechsler 1 Sohn. Dem Knecht Johannes Emrich 1 Sohn, Georg. Den 28. April. Dem Kohlenhändler Aloys Spengler 1 Sohn. Den 29. April. Dem Taglöhner Friedrich Jeschke 1 Sohn, Friedrich. Dem Schlosser Heinrich Deibel 1 Tochter. Am 30. April. Dem Poltzeiamts⸗Gehülfen Ludwig Sier 1 Sohn. Am 1. Mai. Dem Eisendreher Gustav Krüger 1 Sohn. Dem Former Anton Zirbus 1 Sohn. Am 2. Mai. Dem Bauaspirant Jean Neumann 1 Tochter, Erna Karoline Eva. Dem Korb- und Stuhl⸗ flechter Ludwig Zecher 1 Sohn, Heinrich. Dem Zug⸗ führer Konrad Reusch 1 Sohn, Richard.
Aufgebote.
Am 30. April. Georg Albrecht Glenz, Sergeant da⸗ hier, mit Marie Philippine Märle zu Lich. Am 1. Mail. Heinrich Vomend, Hilfshoboist dahier, mit Elisabeth Marie Katharina Schäfer zu Wieseck. Am 7. Mal. Gustav Eduard Michaelis, Graveur dahier, mit Auguste Karoline Wilhelmine Kluge hierselbst. Georg Adam Rahn Korb⸗ macher dahier, mit Henriette Susanna Abel hierselbst.
Eheschließungen.
Am 1. Mai. Friedrich Bonarius, Schreiner dahier,
mit Auguste Luise Henriette Pauline Schmidt, geborene
Johanna Tasche, 46 Jahre alt, starb
zeigte eine respektable Frequenz, in dem sich 22
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ihm fehlte, konnte er sich folgerichtig zusammen—
reimen. Die drei Herren da gehörten zur Kom— mission der Kunst⸗ und Gewerbeausstellung, die schon seit einigen Monaten in der großen Pro—
vinzialhauptstadt den Hauptanziehungspunkt bildete. Der eine Herr berichtete, es seien bereits über 90,000 Eintrittskarten verkauft, ja er hätte eben nach Kassenschluß festgesteht, daß nur noch 8 Karten sehlten, bis das erste Hunderttausend voll sei. Und diese Zahl war, wie das weitere Gespräch ergab, von hervorragender Bedeutung. Denn dem Manne, der das 100,000. Billet löste, standen große Dinge bevor, er wurde von einem Komitee begrüßt, erhielt ein kostbares Andenken— was, verstand Herr Kircher nicht— und wurde mit einem solennen Frühstück regaliert in Gemeinschaft mit dem Zehner⸗ ausschuß, alles auf Verwaltungskosten. Herr Kircher schlief noch etwas weiter, und als das Gespräch der andern in einem harmloseren Gewässer herum— plätscherte, rasselte er plötzlich vom Stuhle und trollte sich beschämt von dannen. An die hinter ihm dreinschallende Lache war er schon gewöhnt.
Herr Kircher war Gemütsmensch, und man kann sich denken, daß sein aufgeregtes Gemüt ihn diese Nacht kaum schlafen ließ. Er war, wie wir schon ersehen, culinarischen Genüssen nicht abge— neigt; hier winkte ihm ein großartiges Frühstück — umsonst, ein kostbares Geschenk selbstver⸗ ständlich auch umsonst, denn sonst hieße es nicht Geschenk! Und das Alles— und was noch mehr! — konnte er haben, wenn er morgen der Hundert— tausendste war. Diese Möglichkeit lohnte schon die Ausgabe von einer Mark; zudem er noch nie in der Ausstellung gewesen und einmal mußte er doch hingehen, und das Geld dazu hatte er sich gewisser⸗ maßen auch schon verdient, da er ja diesen Abend auf den Weingenuß Verzicht geleistet und nur 3
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kleine Glas Bier getrunken hatte. Aber wie es anfangen, um die Nr. 100,000 sicher zu erhalten? Denn wenn er hinging, mußte er auch der Ge winner sein. Wozu hätte er sonst gelauscht und sich zu der Ausgabe entschlossen? Die Ausstellung wurde am folgenden Tage, es war ein Sonntag, erst um zehn eröffnet. Er mußte pünktlich da sein, aber wie wollte er es herausbekommen, wann die siebente Karte verkauft war? Ach, das ließe sich mit Leichtigkeit machen, wenn es kein Gedränge gab, und das war um diese frühe Stunde nicht zu fürchten, zumal doch Niemand um die edle Absicht der Ausstellungskommission wußte. Oder wollte er, um ganz sicher zu gehen, sieben Mann mitnehmen, ganz pünktlich erscheinen und hinter ihnen als achter an die Kasse herantreten? Aber dazu reichte sein Bureaupersonal nicht aus, und die Sache mußte auffällig erscheinen. An eine solche Frei— giebigkeit seinerseits war man nicht gewöhnt, und wenn der Zufall es wollte, daß trotz aller Vor— sichtsmaßregeln gerade sein dicker Buchhalter die richtige Karte erwischte— der Mann war ihm sowieso zuwider mit seinem überlegenen Lächeln, und wie kam er dazu, so dick zu sein, von seinem Salair bestimmt nicht! Nein, nein, er wollte seinen Andern in sein Geheimnis ziehen; mußte er doch überhaupt auf der Hut sein, damit sein Lauscher⸗ tum nicht entdeckt werde. Bei diesem Gedanken sträubte sich ihm das Haar. Wenn ihn die Herren wiedererkannten! Er fuhr aus dem Bette, und bald saß er in ziemlichem Neglige vor seinem Spiegel, das Rasiermesser in der Hand. Sein Backenbart wurde dem Untergang geweiht, das war doppelt schmerzlich, denn es bedrückte seine Seele, und er fügte sich einige unangenehme Schrammen bei, die er notdürftig mit Pflastern verklebte.
(Fortsetzung folgt.)


