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Gießen, Freitag, den 9. April
1897.
Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
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Gießen.
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Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Im Hause von Justus v. Liebig.
Von Dr. Otto Frhrn. v. Völderndorff. (Nach dem Gedächtnis geschildert.) Schluß.)
Eine der größten Aufgaben der Chemie be— stand nach Liebigs Anschauungen in der Beförde— rung des Kreislaufs des Lebens und, auf die Agrikultur angewandt, darin, daß dem Erdboden alles das wieder ersetzt werde, was ihm durch den Feldbau als Ernte jährlich entzogen wird. Es ist hier nicht der Ort, und es ist auch nicht meine Sache, als Laie auf alles das einzugehen, was ich über diese wichtige Frage arbeiten und experimentieren sah und reden und disputieren hörte. Nur eines möchte ich erzählen, weil mir scheint, daß in dieser Richtung Liebigs An⸗ schauungen schon jetzt in Vergessenheit geraten find. Derselbe sprach sich in meiner Gegenwart stets mit der größten Schärfe gegen das System aus, die Fäkalien der großen Städte in die Flüsse und das Meer zu leiten. Ich erinnere mich noch ganz genau, mit welcher Freude er mir eines Tages ein Bild des Londoner Punch zeigte, auf welchem„Father Themse“ abgebildet war, wie er, mit Kot bedeckt aus den Wellen steigend, drohend die Hände erhebt.„Wenn Sie einmal im Staat an leitender Stelle sein werden, dann wenden Sie allen Ihren Einfluß an, um diesem sinnlosen Raubsystem vorzubeugen. Ich erkenne vollkommen an, daß Aerzte und Hygieniker mit Recht gegen das bisherige System der in unseren großen Städten üblichen Bodenverun⸗ reinigung sich auflehnen. Allein dieses läßt sich doch noch auf andere Art beseitigen, als indem man die Dungstoffe einfach verschleudert. Sehen Sie, lieber Völderndorff, ich will Sie auf etwas aufmerksam machen, worüber Sie einmal eine historische Studie veröffentlichen sollen. Der Fortschritt der Kultur zeigt sich besonders durch Kanalisierungen und durch künst— liche Wasserbauten. Wenn man einmal so weit ist, dann erledigt man sich natürlich der leichteren Bequemlichkeit wegen allen Unrates durch Abschwemmung. Geht das eine Zeitlang so fort, so verarmt allmählich der Erdboden in der Umgegend, er verliert seine Tragfähigkeit und wird zur Wüste. Sehen Sie einmal die Ländereien an, wo Ninive und Babylon einst blühten; überall die Spuren von Kanälen und Wasserwerken, aber verfallen und verödet alles, und das wird auch das Schicksal unserer großen Städte sein, wenn wir so fortfahren, Raubbau zu treiben.“ Ich erinnere mich auch, daß Liebig eines Abends in blitzender Geistesschärfe die „Hypothese“ entwickelte, die einzelnen Epidemien der Pflanzen, zum Beispiel Kartoffelkrankheit, Reblauspest, die Krankheit der Seidenwürmer usw. rühre nur davon her, daß man Jahre lan den Boden ungenügend ernähre und dadurch au die Nahrung zum Beispiel der Seidenwürmer eine verkümmerte sei.
Liebig hat den Grund zu seinem Ruhme be⸗ kanntlich durch die Entdeckung mit Knallsilber gelegt. Die Ergebnisse seiner Forschungen mit diesem Stoffe, welche naturgemäß nur mit größter Vorsicht ausgeführt werden können und höchst gefährlich sind, führten ihn nach Paris und lenkten die Augen Gay Lussacs und Renards auf ihn. Im Laboratorium des letztgenannten Forschers erwarb er seine Meister⸗ schaft, und oft erzählte er uns am Theetische bon dieser„der schönsten Zeit seines Lebens“. „Ich war nämlich da schon verheiratet“, pflegte er beizufügen, indem er seiner Frau einen schalk⸗ haften Blick zuwarf.„Jawohl“, sagte Frau b. Liebig, als er wieder einmal schwärmte,„eine schöne Zeit, wo dir dein Experimentieren beinahe das Leben gekostet hätte.“ Rasch stand der Hausherr auf, ging schweigend in sein Arbeits⸗ zimmer, aus dem er bald mit einer Sicherheits- lampe und dem Schlüssel zu seinem Laboratorium zurückkam. Als er den Saal verlassen, fragte ich Frau Liebig, was das für ein Begebnis ge⸗ wesen sei, auf das sie vorher angespielt habe. Sie erzählte mir, daß während Liebigs Aufent⸗
halt in Paris eines Tages eine Knallsilberexplo⸗
sion stattgefunden habe, welche arge Verwüstungen im Laboratorium anrichtete, sämtliche Experi⸗ mentierende zu Boden schleuderte und Liebig nicht unerheblich verwundete. Nur durch einen glücklichen Zufall sei größeres Unglück verhindert worden.
Inzwischen war der Hausherr wieder zurück⸗ gekehrt und hatte sich ruhig an den Theetisch gesetzt. Frau v. Liebig frug, was denn gewesen ssei.„Ja, siehst du, als du mich vorhin an die
Explosion in Paris erinnertest, fiel mir ein, daß
sich nachmittags ein höchst interessantes Experi⸗ ment begonnen habe.“—„Wahrscheinlich wieder
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Anzeigen t 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
mit deinem Steckenpferd“, schaltete Frau von Liebig ein.
Er nickte und fuhr fort:„Und da ich nicht ganz sicher war, ob ich es so genügend mit Wasser überdeckt hatte, daß es bis zum morgigen Vormittag nicht etwa trocken werden könne, ging ich nachzusehen. Es war genügend Wasser da, aber zur Vorsorge goß ich noch etwas nach.— „Und was wäre denn geschehen, wenn das Ma— terial trocken geworden wäre?“ frug ich.„Ja, dann wäre wohl das Haus in die Luft ge— sprungen“, meinte der Gelehrte ganz harmlos, „aber ich sagte Ihnen ja schon, es war keine Gefahr, das vorhandene Wasser hätte weitaus gereicht, bis ich morgen wieder ins Laboratorium gekommen wäre.“
„Sehen Sie, so ist er“, sagte Frau v. Liebig. „Und doch hat er mir damals heilig versprochen, niemals mehr mit dem entsetzlichen Knallsilber zu experimentieren.“—„Habe ich auch nicht mehr seit jenem Versprechen gethan“, erwiderte Liebig.—„Jawohl, statt dessen nimmt er jetzt Knallquecksilber, was noch viel gefährlicher ist.“ —„Knallquecksilber hast du mir damals nicht verboten“, war die lachende Antwort,„und siehst du, einer muß ja doch das Feld bebauen, und ich meine immer, ich bin noch der am wenigsten Gefährliche.“ Das war gewiß wahr. Liebig selbst ist in jener Zeit wohl kaum jemals ein Experiment mißglückt. Um so unangenehmer war es daher, daß ein solches Mißglücken, aller- dings nur durch das Ungeschick eines Famulus, gerade in einer Vorlesung erfolgte, welcher König Maximilian II., die Königin Marie, sowie mehrere Hofdamen und Hofherren beiwohnten. Es handelte sich um eine ganz einfache und leichte Demonstration—„jeder Schüler im zweiten Jahr könnte sie machen“, sagte mir Liebig, als ich sofort nach der Katastrophe(ich stand ganz vorne in einer Fensternische) ihm die blutende Hand abwischte. Der Unfall war so gekommen: Liebig hatte die ihm vom Assistenten dargereichten zwei Flaschen ergriffen und brachte deren Inhalt in Berührung. Da ertönte ein Knall, die eine Flasche war zersprungen, die Glassplitter flogen umher und einer davon schnitt den Experimen⸗ tierenden in die Hand; zum Glücke war von den Zuhörern sonst niemand verletzt. König Maximilian war ganz ruhig geblieben, desto aufgeregter war Königin Marie, der alle Vor⸗ lesungen und sonstigen wissenschaftlichen Be⸗ strebungen ohnehin ein Greuel waren. Aus Rand und Band endlich waren die Hofherren, natürlich lauter Gegner der Neuberufenen, man hörte sogar das Wort„Attentat“, dies rief freilich auf der anderen Seite das thörichte Echo hervor:„die Ultramontanen haben den Famulus bestochen, um Liebig und damit alle Berufenen beim König in Ungnade zu bringen.“ In Un⸗ gnade fiel Liebig nicht, aber eine Vorlesung hat König Maximilian— soviel ich mich erinnere— später auch nicht mehr besucht.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 8. April. Der ordentliche Pro⸗ fessor der Rechtswissenschaft an der Landes⸗ Universität, Dr. Schmidt, ist für die Dauer des dermalen von ihm bekleideten Amtes zum Mitglied des Verwaltungsgerichtshofes ernannt worden.
* Gießen, 8. April. Nach einer Bestim⸗ mung des Ministeriums der Finanzen findet für das Steuerjahr 1897/98 eine Steuer⸗ erhöhung nicht statt. Wie im verflossenen Jahre werden auf die Mark Gewerbe- und Ein⸗ kommensteuerkapital je 16, auf die Mark Grundsteuerkapital je 14 und auf die Mark Kapitalrentensteuer je 17„ erhoben.
* Gießen, 8. April. Wir machen unsere Leser auf folgende Bekanntmachung des großh. Kreisamtes aufmerksam:„Im Interesse der Wiesenkultur ordnen wir auf Grund des Art. 24 der Wiesenpolizei⸗Ordnung auch für das laufende Jahr an, daß die auf den Wiesen wachsenden Herbstzeitloseu zur Zeit des höchsten Saft⸗ standes durch Ausrupfen der Stengel be⸗ seitigt werden. Das Ausziehen hat möglichst bei feuchtem Boden zu geschehen, damit der Schaft der Pflanzen nicht schon dicht unter dem Boden abbricht. Die ausgerupften Pflanzen sind nicht auf die Wege zu werfen, woselbst die Schafe durch das Fressen derselben Schaden nehmen können, sondern abseits von den Wegen unterzubringen. Die Beseitigung der Herbst⸗ zeitlosen hat bis zum 20. Mai l. J. zu er⸗ folgen, die bis dahin säumigen Besitzer haben sich der Erhebung von Strafanzeigen zu ge⸗ wärtigen.“
En oition: Kreuzplatz Nr. 4.
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* Aus Oberhessen, 7. April. Gelegentlich der am 21. und 22. d. Mts. zu Bensheim tagenden Landeslehrer-Vereinsversammlung, wird auch eine Hauptversammlung des Vereins„Lehrerheim Vogelsberg“ stattfinden. Auf der Tages⸗ ordnung stehen: 1) Bericht über den dermaligen Stand des Vereins; 2) Wasserversorgung und Kanalisation des Lehrerheims; 3) Herstellung eines chaussierten Wegs am Hauptgebäude; 4) Sonstige Vereinsangelegenheiten.— Die Penstons⸗ preise im Lehrerheim betragen von jetzt ab für Mitglieder 2* 80, für Mitglieder des Landes⸗ lehrervereins 3 20, für Nichtmitglieder 3. 50& täglich. Kinder unter 12 Jahren zahlen die Hälfte. In anbetracht dieser mäßigen Preise ist zu hoffen, daß das Heim im kommenden Sommer sich starken Zuspruchs erfreuen wird.
* Bad Nauheim, 5. April. Am neuen Badehaus Nr. 6 wird eben mit dem Aufschlagen des Fachwerks begonnen. Im Park und be⸗ sonders an den Badehäusern werden Wege neu angelegt. Am letzten Samstag hat der Ge⸗ meinderat mit Herrn Geh. Ober-Bergrat Braun von Darmstadt wegen einer Brücke über die Usa verhandelt und mehrfache Besichtigungen in dieser Angelegenheit vorgenommen. Die neue Brücke soll eine Fahrbrücke werden und ist am Ende der Hauptstraße geplant. Auch die Saline soll verlegt werden, vielleicht mehr nach Südosten; auch darüber wurde beraten.— Am 3. April sind 18 Bäder abgegeben worden, darunter 15 an Kurgäste. Einige russische Familien kommen in den nächsten Tagen hier an. Die Thermal⸗ und Soolbäder kosten jetzt für nachmittags 80„, seither 60%; weniger Bemittelte zahlen 60 und Arme nur 30. Die Berechnung für das Heizen der Badezellen ist dagegen weggefallen. Alle Hotels haben am 1. April eröffnet, ebenso die Kinderheilstätte„Emmaheim“); heute sind dort eine Oberschwester und vier junge Damen als Lehrschwestern eingetreten.
* Friedberg, 7. April. Das Großh. Schul⸗ lehrer-Seminar(Direktor Dr. Quentell) beendet das laufende Schuljahr mit mündlichen Prüfungen am 6. und 7. April und einer öffent⸗ lichen Prüfung in der Turnhalle der Anstalt, sowie Schlußfeter am 8. April; das neue Schul⸗ jahr beginnt am 3. Mai. 13 Lehrkräfte waren an der Anstalt unterrichtlich thätig. Der Schüler⸗ bestand am Anfang des Schuljahres 1896/97 war 110. Davon waren evangelisch 100, katholisch 10; darunter befanden sich: Söhne von Land⸗ wirten 48, von Lehrern 16, von Handel- und Gewerbetreibenden 36, von Beamten 8, von Eltern anderer Stände 2; aus Städten mit über 10000 Einwohnern 12, aus Städten mit 2000 bis 10000 Einwohnern 23, aus Orten mit weniger als 2000 Einwohnern 75; vorbereitet in Präparanden⸗ Anstalten 82, von Lehrern 11, in Realschulen 15, in Gymnasien 1, in anderen Lehranstalten 1; aus Oberhessen 79, aus Starkenburg 15, aus Rheinhessen 3, aus Preußen 13; zu Anfang des Schuljahres im sechszehnten Lebensjahr 10, im stebzehnten 24, im achtzehnten 29, im neunzehnten 28, im zwanzigsten 13, über 20 Jahre alt 6.
*Ruppertsburg(Kreis Schotten), 7. April.
Herr Lehrer Magnus hierselbst ist in diesem
Jahre in der seltenen Lage, sein 60 jähriges Dienstjubiläum begehen zu können. Wie nunmehr bestimmt ist, wird die Feier Donners⸗ tag, den 29. d. Mts., stattfinden. Der Jubilar, der sich noch verhältnismäßig großer Rüstigkeit erfreut, ist der dienstälteste Lehrer des Großherzogtums. Er beabsichtigt, nach der Jubiläumsfeier in den wohlverdienten Ruhestand zu treten, um in Laubach seinen Wohnsitz zu nehmen.
* Echzell, 7. April. Das vom Mitglied der Reichs⸗Limes⸗Kommission, Hofrat Kofler in Darmstadt, schon seit Langem in Echzell ver⸗ mutete Kastel ist in diesen Tagen von ihm nachgewiesen worden. Obschon die Südseite des⸗ selben, die unter Häusern und unter der Land⸗ straße liegt, noch nicht festgelegt ist, kann man schon jetzt annehmen, daß es fast alle am Limes gelegenen Kastelle übertrifft, so z. B. die Saal⸗ burg um annähernd das Doppelte. Da es sich bis in den Ort und die Hausgärten erstreckt, wird sich von seinem Innern nur wenig frei⸗ legen lassen.
* Darmstadt, 5. April. Nach einer Mit⸗ teilung des Ministeriums des Innern an die Kontrolstelle für die Gewerbe und den Landes⸗ gewerbeverein beabsichtigt die hessische Staats⸗ regierung, durch eine neue gesetzliche Bestimmung die Wirksamkeit der Landeskreditkasse dahin zu erweitern, daß Darlehen gewährt werden können den eingetragenen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften(im Sinne des Reichsgesetzes vom 1. Mai 1889) zum Zwecke
des gemeinsamen Bezugs von Rohstoffen, sowie zur Anschaffung von Kraft- und Arbeits⸗ maschinen und Werkzeugen für ihre Mit⸗ glieder.
* Mainz, 7. April. Der 15 jährige Real⸗ schüler Franz Ludwig Wolf aus Bingen, der am 10. Oktober in fahrlässiger Weise dem 14 jährigen Buchbinderlehrling Josef Ledig eine Revolverkugel durch den Hals geschossen hat, daß der Junge nach kurzer Zeit an Ver⸗ blutung starb, wurde heute von der Straf— kaumer zu einer Woche Gefängnis verurteilt.
J. Vetzberg, 8. April. Unter der Spitz⸗ marke„Wahlkuriosum“ wird dem Gießener Anzei⸗ ger von hier geschrieben:„In dem benachbarten Vetzberg ereignete sich bei der dortigen Gemeinde⸗ ratswahl folgendes Wahlkuriosum: Der Herr Vorsteher leitete den Wahlakt und war bis gegen 4 Uhr beschäftigungslos, als um diese Zeit zwei Leute eintraten, welche ihrer Bürgerpflicht genügen wollten. Der Herr Vorsteher begrüßte die beiden Eintretenden, wovon der eine Schirmflicker und der andere Lumpensammler war, mit folgenden Worten:„Endlich bekomme ich einmal Beschäf⸗ tigung, Ihr seid die Ersten heute.“ Darauf er⸗ widerte der Schirmflicker:„Hannes, do will ich dr ue gore Rat gewe, do wählste mech und ich wähl dech“, und so geschah es. Am Abend gingen der Schirmflicker und der Lumpensammler, die erst ein halbes Jahr hier wohnen, einstimmig aus der Urne hervor. So geschehen Anno domini 1897.“ Sonderbar ist, daß der Einsender erst jetzt auf den Gedanken kommt, von diesem Vor⸗ kommnis in so überaus„gewitzter“ Weise Notiz zu nehmen. Die Gemeinderatswahl hat nämlich schon vor einem halben Jahre stattgefunden. Wahr ist allerdings, daß ein Lumpensammler Namens Walther gewählt wurde, der übrigens schon seit längeren Jahren am hie⸗ sigen Orte seßhaft ist. Da aber hierselbst ein Schirmflicker überhaupt nicht existiert, konnte auch keiner in den Gemeinderat gewählt werden. Wozu dieses Blech fabrizieren?
Gottesdienst in der Synagoge. Samstag, den 10. April 1897.
Vorabend: 6.30 Uhr.
Morgens: 9 Uhr.
Nachmittags: 3 Uhr.
Sabbathausgang: 7.50 Uhr.
Neueste Telegramme.
Hd. Berlin, 3. April. Staatssekretär v. Stephan ist heute Nacht 12½ Uhr sanft entschlafen.(Bereits durch Extrablätter gemeldet. Die Nedaktion).
Hd. Berlin, 8. April. Zum Tode des Staatssekretärs v. Stephan wird noch gemeldet: Nachdem bereits im Laufe des gestrigen Tages ein Rückgang der Kräfte eingetreten war, machte der Kräfteverfall gegen Abend rapide Fortschritte. Die Aufnahme der Nahrung wurde ver⸗ weigert. Alle Vorboten der nahenden Auflösung stellten sich ein. In den Abend⸗ stunden war der Kranke noch bei voller Be⸗ sinnung.
Hd. Berlin, 3. April. Die Haupt⸗ verhandlung im Prozeß Tausch vor dem Schwurgericht beginnt am 24. Mai.
Hd. Gotha, Der Landtag hat gestern die Einführung des e ahl⸗ rechts für die Landtags-Wahlen abge⸗
lehnt, die zweijährige Etatsperiode dagegen angenommen.
Hd. Brüssel, 8. April. Die belgische Arbeiter-Par tei beschloß, am 1. Mai 7 Uhr abends eine große Demonstration zu ver⸗ anstalten.
Hd. Madrid, 8. April. Spanien und Nordamerika verhandeln über die ce Pazifizierung Kubas. Auf Wunsch Nord⸗ amerikas wird Spanien den General Weyler sofort nach der Proklamation der Autonomie Kubas abberufen.
Hd. Konstnatinopel, 8. April. Die auf riechischer Seite an der Grenze zunehmende erpflegungsnot macht den baldigen
Beginn des Krieges wahrscheinlich.
Hd. Kandia, 8. April. Gestern fand auf der ganzen Linie um Kandia zwischen den Insurgenten und den Türken ein hef⸗ tiger Kampf mit Kanonen statt. 7 Uhr abends brach in unmittelbarer Nähe der Kathe⸗ drale Feuer aus. Das Quartier der Italiener brennt ebenfalls bereits. Andere gefährdete Stadtteile werden von den Italienern und Engländern niedergerissen, um den Brand⸗ herd zu beschränken.
Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in Gießen.


