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ug, den 7. Mai
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
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Ausgabe
Gießen.
undeszeil!
Posttg. Nr. 33919. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
3 a 10 n Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 6. Mai. Der Oberförster der Oberförsterei Büdingen, Forstmeister Kasimir Leo zu Büdingen ist auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treuge— leisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Juli d. J. in den Ruhestand versetzt.
* Gießen, 6. Mai. Militärdienstnach⸗ richten. Frhr. v. Autenried, Pr. Lt. vom Inf.⸗Regt. Kaiser Wilhelm(2. Großh.
ess.) Nr. 116, ist von dem Kommando zur ienstleistung bei dem techn. Instituten ent⸗ bunden.
* Gießen, 6. Mai.(Sport⸗ und Volks⸗ sest in Gießen.) Begünstigt durch das schöne Wetter der letzten Tage schreiten die Vor— arbeiten auf dem neuen Sportplatz an der Haardt küstig vorwärts, sodaß die eigentliche Rennbahn schon bis ca. zum 15. Mai fertig gestellt ist und zum Trainiren benutzt werden kann. Auch die sonstigen Arbeiten, wie Tribüne u. s. w. sind ihrer Vollendung nahe, sodaß bis zum Feste alles würdig zum Empfange der Gäste vorbereitet sein wird. Die Theilnahme der Radfahrer an dem kigentlichen Sportfeste: Preiskorso der Vereine des Nordbezirks des Gaues IX. vom Deutschen Radfahrer⸗Bund und Internationale Rennen wird aller Voraussicht nach eine sehr große werden. Ist doch auch die Rennbahn nach allen Erfahrungen und Verbesserungen der Neuzeit ge⸗ haut und somit den Rennfahrern Gelegenheit gegeben, ihr ganzes Können zu zeigen, ohne auf lörende Nebenumstände, wie Fehler in der lechnischen Anlage u. s. w., acht geben zu müssen. Aber auch noch ein anderer Punkt dürfte es sein, der die Radler am 30. Mai nach Gießen zieht, um in friedlichem Wettkampf um die Sieges⸗ palme zu ringen und das sind die herrlichen Ehrenpreise. Die ersten Preise sind fast ohne Ausnahme Stiftungen vom Deutschen Radfahrer⸗ Bund als oberster Behörde im Radfahrsport, wom Vorstand des Gaues IX.(Frankfurt a. Main) und vom Vorstand des Nordbezirks des Gaues IX., dessen Mittelpunkt Gießen ist. Weiter von den
beiden festgebenden Vereinen„Wanderer“ Gießener Radfahrer⸗Gesellschaft und Curatorium der Renn⸗ bahn Gießen 1897, sowie von Herrn Brauerei⸗
besitzer Bichler. Ganz besonders prächtig wird der von den Damen beider Vereine gestiftete Damen⸗Wanderpreis ausfallen, welcher aber auch seines hohen Werthes wegen erst nach mehr⸗ maligem Sieg in den endgültigen Besitz des Siegers übergeht. In Anbetracht dieser Stif— tungen wird es der Rennleitung möglich sein, auch die zweiten und dritten Preise sehr gut zu dotiren, sodaß auch die Fahrer, welchen es nicht vergönnt ist als„erste“ das Band zu passieren, ihre Mühen durch schöne Preise belohnt sehen werden. Wollen wir hoffen und wünschen, daß alle Gäste sich recht wohl fühlen werden auf dem idyllischen Sportplatz an der Haardt und daß ein jeder mit dem Wunsche scheidet: 800 Wiedersehen beim nächsten Rennen.„All He 17.
* Gießen, 6. Mai. Gestern Nachmittag fand ein erstes Probefahren auf einem Teil der neuen Rennbahn statt. Die genau 2 m 80 em messenden Erhöhungen wurden von den Fahrern mit Leichtigkeit genommen. Am Diens⸗ tag wird die Bahn durch Herrn Bichler dem Curatorium und den Wanderern übergeben.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die öspaltige Petitzeile.
* Gießen, 6. Mai. Die Aufhebung der Polizeistunde in Hessen. Die sozialdemokratische Landtagsfraktion hat in der zweiten Kammer folgenden Antrag eingebracht:
„Wir beantragen, die Kammer wolle be— schließen, die Großh. Regierung zu ersuchen, den Ständen eine Vorlage zu machen auf Beseitigung der Polizeistunde oder dieselbe eventuell auf dem Verordnungs— wege aufzuheben.
Ulrich, David, Haas, Rau, Cramer.“
* Gießen, 6. Mai. Zu dem vom 22.— 24. Mai d. J. in Heppenheim a. d. B. statt⸗ findenden 27. hess. Feuerwehrtag ist fol⸗ gendes Programm festgesetzt: Am Samstag, 22. Mai vormittags, 8 Uhr: Eröffnung der Aus⸗ stellung. Um 9 Uhr: Empfang der Delegirten am Bahnhof. Nachmittags 2 Uhr: Delegirten⸗ versammlung. Abends 7 ¼ Uhr: Abendessen im Gasthaus„Zum halben Mond“, Konzert Benga⸗ lische Beleuchtung der Ruine Starkenburg. Sonntag, 23. Mai: Früh 6 Uhr: Weckruf. Von 7-10 Uhr: Begrüßung der ankommenden fremden Wehren. Um 11½ Uhr: Uebung der freiwilligen Feuerwehr Heppenheim. Nachmit⸗ tags 2 Uhr: Festzug nach dem Festplatz, Ueber⸗ reichung der Diplome durch den Bürgermeister an Feuerwehrleute die 15 Jahre im Dienst sind. Konzert, Tanz und Volksbelustigungen aller Art auf dem Festplatz. Montag, den 24. Mai: Vormittags: Frühschoppen, Spaziergang durch den Wald mit Musik nach Wahl und von dort zurück nach dem Festplatz. Wehrleute, welche in Uniform zum Feuerwehrtag fahren, erhalten auf einfache Fahrkarte freie Rück⸗ fahrt auf der Main⸗Neckar⸗Bahn.
* Lauterbach, 5. Mai. Am Montag wurde die neu errichtete höhere Bürgerschule mit 66 Schülern eröffnet. Die Direktion liegt in der Hand des Herrn Lehramtsassessors Büchler, der auch den Unterricht in Mathe⸗ matik und den Naturwissenschaften erteilt. Herr Lehramtsassessor Reeb lehrt die alten Sprachen, Deutsch u. s. w., Fräulein Fendt die neuen Sprachen, während der Elementarunterricht von Herrn Schulverwalter Kadel, der Religionsunter⸗ richt von Herrn Stadtpfarrer Vogt erteilt wird. Das Kuratorium besteht aus den Herren Bürger⸗ meister Stöpler, Stadtpfarrer Vogt, Stadtver⸗ ordneter W. Finger und Sekretär Köhler. Möge der neuen Schule gutes Gedeihen und kräftiges Aufblühen beschieden sein.
* Sarmstadt, 5. Mai. Die Klage der Studentenschaft Darmstadts gegen das „Mainzer Journal“ wegen Beleidigung durch die Presse endigte heute mit der Verurteilung des verantwortlichen Redakteurs Felix Stromowski zu 100. Geldstrafe eventuell 20 Tagen Ge— fängnis. Die Klage gründete sich auf eine Korrespondenz im„Mainzer Journal“ vom 5. Februar. Die Studentenschaft hatte die neube⸗ gründete katholische Verbindung Nassovia als nicht existenzberechtigt bezeichnet. Der ent⸗ scheidende Teil des Urteils muß je einmal im „Mainzer Journal“ und im hiesigen„Tägl. Anzeiger“ auf Kosten des Beklagten veröffent— licht werden.
* Offenbach a. M., 5. Mai. Der in den 40er Jahren stehende Kaufmann P., früher langjähriger Prokurist einer hiesigen bedeutenden Lederhandlung, suchte sich heute Morgen im
D Erpebition: Kreuzplatz Nr. 4.
Bürgeler Gemeindewald, zunächst der Militär⸗ schießstände, durch einen Revolverschuß in den Kopf zu entleiben. Schwer verletzt, insbe⸗ sondere ist auch das eine Auge ausgeschossen, wurde der Lebensmüde in das hiesige Kranken⸗ haus verbracht. P., der Familienvater ist und dem erst in verflossener Nacht noch ein Kind ge— boren wurde, handelte offenbar in geistesgestörtem Zustand; so suchte er sich kürzlich, obwohl er in durchaus günstigen Verhältnissen lebt, schon durch einen Sprung in den Main das Leben zu nehmen.
* Mainz, 5. Mai. Das engere Komile zur Feier des 500 jährigen Geburtsfestes Gutenbergs hielt gestern eine Sitzung ab, in der Herr Oberbürgermeister Dr. Gaßner die Mitteilung machte, daß bezüglich der im Jahre 1900 abzuhaltender Feier eine vollständige Einigung mit dem in Leipzig zu dem gleichen Zweck konstituierten Komite erzielt wor⸗ den sei.
* Mainz, 5. Mai. Gestern Nachmittag wurde an der sog. Waschbrücke in der Neustadt die Leiche eines Soldaten des 87. Juf.⸗ Regiments geländet, der sich vor einiger Zeit durch einen Sprung in den Rhein das Leben genommen hat.— Ende voriger Woche wurde im Hafengebiet ein Packet Kleider vorgefunden. Nunmehr hat es sich herausgestellt, daß der Eigentümer der Kleider der Landwirt Ph. Wollschied von Sulzhain ist, der sich ver⸗ mutlich ertränkt hat.— Bei der Verhaftung eines Einbrechers wurden gestern Nachmittag zwei Polizeibeamte verletzt. Der Ver⸗ haftete geberdete sich wie wütend und trat einem Schutzmann derart auf die Brust, daß der Mann schwer erkrankt ist.
* Mainz, 2. Mai. Wegen bedeutender Be⸗ trügereien verurtheilte das Landgericht den Commis Gg. Paul Aug. Mayer aus Fulda, Sohn einer achtbaren Familie, zu einer Zucht⸗ hausstrafe von 8 ¼ Jahren. 1050% Geld⸗ buße- 70 Tage Zuchthaus und fünf Jahren Verlust der bürgerlichen Ehren rechte. Der Be— schuldigte hat die Betrügereien in Mainz, Worms und Darmstadt verübt; u. A. gab er sich für den ersten Gehilfen eines Rechtsanwaltes in Frankfurt aus und schwindelte als solcher einer Wormser Dame namhafte Geldbeträge ab.
* Mainz, 3. Mai. Den Stadtverordneten gingen die Bedingungen für Errichtung eines Elektrizitätswerkes für die Stadt Mainz zu. Es sollen auf Grund dieser von Prof. Kittler⸗Darmstadt gutgeheißenen Beding⸗ ungen zwei Ausschreiben erfolgen. Das eine be⸗ zweckt die Einholung von Projekten und Kostenan⸗ schlägen über alle das Elektrizitätswerk betreffende Lieferungen und Arbeiten für den Fall, daß die Stadt Mainz das Werk auf eigene Rechnung erbauen sollte; durch das andere Ausschreiben sollen die Bedingungen festgestellt werden, unter denen die Stadt Mainz einem Unternehmer die Konzession für den Bau und Betrieb eines Elektrizitätswerks übertragen würde.
* Mainz, 3. Mai. Das städtische Arbeits⸗ amt tritt nunmehr definitiv in Wirksamkeit. Für den allgemeinen Verkehr ist das Amt von 9—1 Uhr und von 3—6 Uhr an Werktagen und Sonntags Vormittags von 10—12 Uhr geöffnet. Außer der unentgeltlichen Arbeitsver⸗ mittelung hat das Arbeitsamt den Zeck, über Fragen der Gewerbeordnung, der Kranken-,
Unfall-, Invalidäts⸗ und Altersversicherung so⸗ wie anderer sozialpolitischen Gesetze Arbeitgebern wie Arbeitnehmern auf Anfrage mündliche Auskunft zu ertheilen, ebenso an fremde Arbeitnehmer über die örtlichen Lebens⸗ und Wohnungsverhältnisse. Wenn Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern über die Bedingungen der Fortsetzung des Arbeits⸗ verhältnisses entstehen und zu Ausständen oder Aussperrungen führen, stellt das Arbeitsamt seine Thätigkeit für die Betheiligten ein, sobald das Gewerbegericht nur von einem Theil der Be⸗ theiligten als Einigungsamt angerufen wird. Wenn bei diesem Einigungsamt weder eine Verein⸗ barung noch eine von beiden Theilen anerkannter Schiedsspruch zu Stande gekommen ist, nimmt das Arbeitsamt für die Betheiligten seine Thätig⸗ keit wieder auf. * Rodheim a. d. B.,
hiesige Radfahrer-Verein unternahm am vergangenen Sonntag eine Vergnügungs⸗ tour nach Frankfurt a. M., welche ohne jeden Zwischenfall und zum größten Amüsement der Teilnehmer ausfiel.
Vermischtes.
— Geheimnisse eines Theaterfriseurs. Wie der große englische Schauspieler Irving so klein ge⸗ worden ist, wenn er als„petit Corporal“ in„Madame Sans-Gene“ das Publikum des„Lyceum⸗Theaters“ in Erstaunen setzt, darüber zerbricht sich ganz London jetzt den Kopf. Henry Irving ist ja wegen seiner langen hageren Figur bekannt, und hat seiner Zeit als„Don Quixote“ den„Ritter von der traurigen Gestalt“ in einer erstaunlich lebenstreuen Maske darstellen können, sodaß er um Kopfeshöhe über seine ganze Umgebung auf der Bühne hinwegragte. Nun hat er als Gegenstück zu dem spanischen Langbein, den kleinen, beleibten Napoleon J. in einer Weise personificirt, daß Alles sich erstaunt fragt, wie er es fertig bringe, plötzlich so winzig zu erscheinen? Ein findiger Berichterstatter hat sich an Irving's Theater⸗ friseur, den berühmten Clarkson gemacht, aber auch dort nicht viel herausbringen können. Wenn, wie in Irving's Fall— so plauderte der unerschöpfliche Figaro Londons — oder wie bei Beerbohm Tree's„Falstaff“, aus einer dünnen Figur eine dicke Person gemacht werden soll, so ist das mit Hülfe einer ausgestopften Weste ja nicht so schwer. Was Irving sonst noch für geheime Kniffe an⸗ wendet, um sich klein zu machen, absatzlose Schuhe, ein verhüllter Hals und dergleichen mehr, das ist sein Ge⸗ heimniß! Ein„Gestell“, einen„Rahmen“, wie man sagt, trägt Irving sicher nicht um den Leib. Wie man übrigens Gesichter macht, das könnte ich Ihnen erzählen! Gesichter, daß Ihre eigene Mutter Sie nicht erkennen würde. Jeden Tag haben wir solche Aufträge auszu⸗ führen, und nicht nur fürs Theater. In dem berühmten „Strand-⸗Entführungsprozeß“ kam der Vater der jungen Dame zu mir, und ich bearbeitete sein Gesicht derartig, daß seine Tochter ihn als einen zu ihr gesendeten Rechtsbeistand empfing. So kommen auch die Detektives schaarenweis zu uns und lassen sich herausputzen. Er⸗ scheint doch neulich eine der bekanntesten Schönheiten Londons, über dernen Reize die Männerwelt den Ver⸗ stand verloren hat, bei mir und will als„Blumenmäd⸗ chen“ herausstaffirt sein. Es war eine Schande, sage ich Ihnen, wie ich die geradeste Nase der Welt verunstaltete und dem herrlichen Kinde Steinchen in den Mund thun mußte, um die Contouren der Backen zu vergröbern, aber was halfs? Sie hatte eine Wette gemacht, sie wolle zwei Stunden lang unerkannt in Piccadilly Blumen auf der Straße verkaufen, und sie hat ihre Wette gewonnen. Kürzlich fiel eine junge Dame von ihrem Rad und stieß sich die Augen gegen die Maschine. Das war einen Tag vor ihrer Hochzeit. Als sie am nächsten Morgen auf⸗
6. Mai. Der
Fata Morgana. Novelle von H. René. (Nachdruck verboten). (Fortsetzung.)
So öde und finster war es in den niedrigen Stuben, so schattenlos in dem kleinen wilden „Garten, wo zwischen üppig wucherndem Unkraut einige verkrüppelte Salatstauden und überreife Mohnköpfe verdrießlich standen.
Selbst Schufterle's Uebermut fand hier keine Nahrung. Die Leute, die seinen schlimmen Ruf kannten, sperrten ihre wenigen, mageren Hühner vor ibm ein, und so kehrte er denn von jedem ver— fehlten Ausflug trübselig zurück und schob seine kalte Schnauze bittend in die Hand der blassen, stillen Herrin.
Tage, Wochen, Monate vergingen; über kahle Erntefelder strich der Herbstwind, und aus den Scheunentennen klang 4 das eintönige Tick— Tack der Dreschflegel.
Noch immer war das Neuhöfer Gesindehaus die Brutstätte der schlimmen Krankheit. Kaum be⸗ fand sich der Vater außer Lebensgefahr, so erkrankte sein Kind nach dem andern, und heute, auf der Grenzscheide zwischen Tag und Nacht, war des
Therese stand am Fenster und wischte mit der Hand über die feucht angelaufene Scheiben. Eben
gebeizten Sarg gebracht. Der Witwer fuhr mit dem Aermel über die thränenden Augen, während
eine mitleidige Nachbarin die nach der Mutter schreienden Kleinsten fortzuführen suchte. Wie herzzerreißend dieses war. Das brave
Weib hatte ihren Opfermut, mit dem sie Gatten und Kinder treu gepflegt, mit dem Leben büßen müssen. Wie würde der sieche Mann, die hilflosen Kinder sie vermissen, sie, die ohne Murren für sie gearbeitet, gewacht und gehungert hatte.
Warum mußte dieses Weib gerade sterben, während an ihr selbst, so unnötig auf der Welt, so lebensmüde, der Würger verächtlich vorüberging.
Das also war die gütig waltende Vorsehung, die Allmacht und Liebe Gottes!
Sie schauderte, während ihre glühende Stirn an die kalte Scheibe sank.
Sterben, Vergessen, Aufhören! Alle die vielen Monate hindurch wünschte sie es in jeder Stunde des Tages, schrie sie es verzweifelt in den langen, stillen Nächten, wo nur der Holzwurm mit leise nagendem Geräusch ihre Seufzer und Thränen be⸗
August's braves Weib gestorben.
gleitete.
hatte der Dorfschreiner den schmucklosen, schwarz⸗
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Sterben! Sie hatte sich gewöhnt, den Tod als Befreier zu betrachten. Welche hoheitsvolle Ruhe hatte doch von des Onkels Stirn geleuchtet, und wie sanft hatten sich unter seinem eisigen Kuß die Schmerzensfurchen, die das Leben ihm ins Antlitz gezogen, geglättet. Selbst jenes arme Weib drüben. Lag es nicht wie Verklärung über ihren braunen, wetterharten Zügen.
Ja, ja, das Leben war für Manchen eine un⸗ heilbare Krankheit, und die einzige Genesung davon der Tod. Aber wohl auch nur für Manche, Ver— einzelte. Vielen war es ja ein einziger sonniger Festtag, ein Tag, der keine Schatten, keine Däm⸗ merung kannte. Und jene Glücklichen, über welche das Schicksal ein Füllhorn blühender Schätze aus⸗ geschüttet, verdienten sie auch so glücklich, so hoch— begnadet zu sein?
Vor drei Tagen hatte der Wind Glockenklänge zu ihr herübergetragen, seine Hochzeitsglocken, und die Weiber unter ihren Fenstern erzählten sich flüsternd, wie reich bekränzt des Bürgermeisters Haus, wie lang die Atlasschleppe der Braut ge⸗ wesen. Hatte er wohl aus voller, freier Brust sein„Ja“ gesprochen, nicht der falschen Liebes— schwüre gedacht, die noch vor Kurzem einer Anderen gegolten? Nein, nein, keine Wolke trübte ihm diese selige Stunde. Die Glücklichen, sie schritten ja
sorglos auf Rosen dahin, mit denen man ihnen den Weg gestreut, während sie selbst einsam und ver⸗ lassen im heißen Wüstensand verschmachten mußte.
Schlürfende Schritte wurden draußen laut, schüchtern klopfte es an der Thür. Die alte Nach— barin, die sich warmherzig der verwaisten Familie angenommen, war gekommen, die gnädige Frau um etwas Altes, am Liebsten wohl Linnenzeug zu bitten. Beim August sei die Not gar groß. Die Kinder hätten kaum ihre Blöße zu bedecken, für die Leiche finde man nichts zum Anziehen, auch kein Groschen Geld sei im Hause.
Schweigend räumte Therese irgend ein Schub⸗ fach aus. Bei ähnlichen Anlässen hatte sie schon früher immer gegeben, ohne nachzusehen, was es war. Und nun liefen die barfüßigen Kinder in den wunderlich gemusterten Kamisols der alten Baronin umher, trugen die Weiber ihre spitzenbesetzten, ver⸗ gilbten Nachthauben. Eine traurige, spukhafte Maskerade am hellen Tage.
Und so spukhaft war auch das Leben, das sie seit Monaten hier geführt. Wie Moderduft schlug es ihr überall entgegen, wehte sie es an, aus den Truhen, Schränken, aus den alten Andachtsbüchern, die noch immer auf dem wackeligen Tischchen am Kopfende ihres Bettes lagen.
(Schluß folgt.)
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