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Gietzen, Mittwoch, den 7. April
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
ische Landeszei
Gießen.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Medaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Im Hause von Justus v. Liebig.
Von Dr. Otto Frhrn. v. Völderndorff.“) (Nach dem Gedächtnis geschildert.)
Mein erstes Erscheinen im Hause Liebig and in etwas außergewöhnlicher Weise statt; denn ich machte dasselbe als„Tischler“— in München sagt man„Schreiner“. Das kam nun aber so. Als ich, wie zu jener Zeit fast täglich, ünes Nachmittags anfangs des Jahres 1854 bei Dönniges, im Hause Nr. 66 an der Neuen Amalienstraße, vorsprach, dessen Franz v. Dingel⸗ stedt in seinen Münchener Bilderbogen mit so armen Worten gedenkt, sagte meine treue Bönnerin„Frau Franziska:„Sie haben ja mer gewünscht, bei Liebig eingeführt zu werden, sezt wäre dazu Gelegenheit vorhanden. Die junge Welt dortselbst will nämlich Komödie spielen. Ich habe„Die Liebe im Eckhause““), ein ganz nettes Lustspiel, zur Aufführung vor⸗ c und wenn Sie mir versprechen, Ihr
erz nicht an die schöne Johanng zu verlieren, so will ich Sie für die Rolle des Assessors Tell⸗ king empfehlen.“
„Ob ich mein Herz nicht verlieren werde“, trwiderte ich,„das kann ich natürlich nicht ver⸗ bürgen. Aber das kann ich geloben, daß ich den Spruch nicht vergessen werde: Die Sterne, die begehrt man nicht.“„Gut also“, sagte Frau b. Dönniges,„um fünf Uhr treffen wir uns im Hause Liebig, wer zuerst kommt, wartet unten sm Runden Saal.“ Daß ich der Erste war, ist selbstverständlich. Ich wurde von dem die Thür öffnenden Dienstmädchen in den Saal gewiesen, in welchem schon die Koulissen des kleinen Theaters aufgestellt waren, und beschäftigte mich mit der Untersuchung, wie sie befestigt seien, wo⸗ hei ich meinen Cylinder auf einen in der Ecke stehenden Stuhl gelegt hatte. Da trat ein hoch⸗ 1 schönes Mädchen herein, es war
ohanna oder, wie man sie allgemein nannte, Nanny, die zweite Tochter Liebigs, die später den berühmten Chirurgen Geheimrat Dr. v. Thiersch geheiratet hat.
„So, das ist recht, daß Sie kommen, ich habe schon lange auf Sie gewartet, die Koulissen wollen nicht feststehen, was macht man denn da?“
Nun hatte ich mir im Stillen gedacht, Frau Franziska werde für mich gute Stimmung ge⸗
Empfang hatte ich mir doch nicht erwartet. „Ja“— meinte ich—„da müssen eben Latten als Stützen mit Bohrern angeschraubt erh 8 „Haben Sie alles gleich mitgebracht?“ fru Fräulein Johanna. 5 195 5 „Ich?“ erwiderte ich erstaunt,„nein.“ „Nun, dann hollen Sie das Nötige schnell.“
) Diese interessante Schilderung entnimmt die„Frkf. Ztg.“ dem soeben zur Ausgabe gelangten Aprilheft von Richard Fleischers Deutscher Revue(Stuttgart, Deutsche Berlagsanstalt).
) Nach Calderons„Haus mit zwei Eingängen“, bearbeitet von Alexander Coswar.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Fetertagen. Preis der Anzeigen t 10 Pfg. für die spaltige Pettitzeile.
Mein Erstaunen wuchs ins Ungemessene. Zum Glück trat jetzt Frau v. Dönniges herein, und als sie uns im Gespräche fand, sagte sie: „So, ihr kennt euch schon, da brauche ich euch also nicht mehr vorzustellen.“
a Fräulein Johanna war etwas verblüfft.„Ja, ist denn der Herr nicht der Schreiner, der unser Theater aufstellen soll. Er hat ja keinen Hut, da mußte ich doch glauben—.“
Frau Dönniges brach in ein herzliches Lachen aus.„Aber, Nanny! wie ein Schreiner sieht der Baron Völderndorff auch ohne Hut doch nicht aus.“(Und darin hatte sie recht; wohl⸗ wollende Seelen sagen noch jetzt, ich sei ein „schöner alter Herr“, worauf ich stets zu er⸗ widern pflege: ich wollte, ich wäre ein häßlicher, junger.)
Nun, also damals war ich wirklich ein ganz
hübscher Fellow, der, ohngeachtet seiner liberalen Ideen, in seiner äußeren Erscheinung den Aristo⸗ kraten nicht verleugnen konnte. Auf Frau von Dönniges' Aeußerung wurde Fräulein Johanna sehr rot; aber die weltgewandte Frau Franziska half rasch über die Situation hinweg. Wir sprachen noch einiges über die beabsichtigte Theater⸗ vorstellung; dann führte uns Nanny zuerst zur Mama Liebig. Frau v. Liebig war eine einfache, aber vor⸗ treffliche Hausfrau, eine ganz kluge, aber be⸗ scheiden im Hintergrund sich haltende, stille Seele. Für ihre Hauptaufgabe erachtete sie, von ihrem Manne alles fernzuhalten, was ihn in seinem Wirken stören konnte, und ihm seine Häuslichkeit so freundlich wie möglich zu gestalten. Und das gelang ihr auch vortrefflich.
Nach längerem Gespräch mit Frau v. Liebig brachte mich Frau v. Dönniges in das Arbeits⸗ zimmer des großen Gelehrten. Justus v. Liebig deen am 12. Mai 1803) stand, als ich ihn ennen lernte, im Anfang der Fünfziger. Er war eine schöne Erscheinung. Seine edlen, regel⸗ mäßigen Gesichtszüge flößten sofort Achtung und Zuneigung ein, die großen, nußbraunen Augen, unter dunklen, schattigen Brauen hervorschauend, schienen den mit Liebig Sprechenden bis ins Herz blicken zu wollen. Als ihm mein Name genannt worden war, gab er mir freundlich die Hand und sagte:„Freundin Fränzl(so pflegte er Frau v. Dönniges zu nennen) hat Sie bei mir so gelobt, daß Sie schon jetzt einen großen Stein im Brett haben. Es freut mich herzlich, einen jungen, strebsamen Mann kennen zu lernen, der das in München herrschende Vorurteil gegen die„Neuberufenen“ nicht teilt und begreift, was die Absichten des edeln Königs sind. Betrachten Sie mein Haus wie das eines Verwandten, und was speziell mich selbst betrifft, so suchen Sie mich nur ungeniert in meinem Sacro sanctum, hier im Arbeitszimmer auf. Wenn ich gerade mitten in einer Arbeit wäre, setzen Sie sich wohl eine Weile ruhig hin. Bücher zum Lesen giebt es stets genug, wie Sie sehen.“
In ganz kurzer Zeit war mir das Haus an der Arcisstraße zur zweiten Heimat geworden, und verehrte in Justus v. Liebig nicht bloß den
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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
weltberühmten Mann, sondern ich liebte ihn als meinen väterlichen Freund. Unsere Beziehungen wurden gleich im Anfange durch ein besonderes Ereignis ausnehmend warme.
(Fortsetzung folgt.)
E 8 e, Lokales und Provinziclles. * Gießen, 6. April. Hessischer Fecht verein„Waisenschutz“. Wir werden ge⸗ beten, auch an dieser Stelle darauf hinzuweisen, daß morgen, Mittwoch Abend, im Schipkapaß GBahnbofstraße) die Generalversammlung des hessischen Fechtvereins„Waisenschutz“ stattfindet. Die Mitglieder werden gebeten, im Interesse der humanen Sache, welche der Verein zu fördern sich zur Aufgabe gestellt hat, recht zahlreich zu dieser Versammlung zu erscheinen. * Gießen, 6. April. Wohl selten wurde auf der„Schönen Aussicht“ in engerem Kreise ein Fest gefeiert wie der Familienabend des Vereins„Contitia“ am vergangenen Sonntag. Dicht gedrängt lauschten die Mitglieder sowie Freunde und Gönner des Vereines nebst Familie den gebotenen Ueberraschungen. Besonders her⸗ vorzuheben ist, daß der bekannte Komiker Ohr, enannt Uttloppe, sich bereit gefunden hatte, die eier verherrlichen zu helfen. Seine Vorträge waren von durchschlagendem Erfolge. Auch die komischen Vorträge eines Vereinsmitgliedes wurden beifällig aufgenommen. Wie immer, konnte Herr Kuhnd allen Anforderungen, die an eine gute Küche und Keller gestellt werden, nachkommen. In einigen Wochen findet eine gleiche Veranstaltung statt, der wir ebenfalls das beste Gelingen wünschen. * Gießen, 6. April.(Strafkammer.) Heute Vormittag verhandelte die Strafkammer egen den noch unbestraften 68 Jahre alten zandwirt, ehemaligen Gemeinderechner Johann Rausch von Hofmannsfelde. Derselbe ist beschuldigt der Unterschlagung im Amt und zwar eines Betrages von 1351 K 31. Der Ange⸗ klagte bestreitet entschieden, mehr wie 100%— vielleicht auch ein Paar einzelne Mark aus der Gemeindekasse für sich genommen zu haben. Diese Beträge will er aber gegen seine 130 Mark pro Jahr betragende Remuneration verrechnet haben. Das fehlende Geld müsse ihm gestohlen sein. Durch die Beweisaufnahme wird festgestellt, daß der Angeklagte 12 Jahre lang sein Amt gut ver⸗ waltet, daß alle Buchungen richtig vorgenommen, und der der Kasse entnommene Betrag von 100 Mark nicht eingetragen sei. Die Gemeinde ist durch die Kaution des Angeklagten sicher gestellt. Mehrere Zeugen bekunden, daß die Söhne des Rausch über ihre Verhältnisse hinaus Geld ver⸗ ausgabten und leichtlebige liederliche Burschen sind, so daß nicht ausgeschlossen, daß diese mittels Nachschlüssels die Kasse bestohlen hätten. Wegen der durch den Angeklagten ohne Buchung ent⸗ nommenen 100 Mark erkennt der Gerichtshof auf 4 Monate Gefängnis. Der Vertreter der Staatsbehörde hatte 6 Monate beantragt. j. Grünberg, 5. April. Die Abhaltung des mit unserem Ostermarkte verbundenen Vieh⸗
Fata Morgana.
Novelle von H. René. (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.) II
„Sie wollen also wirklich wissen, was Therest von Dahlström geb. Kleeman eigentlich ist, Herr Kollege?“
„Ich bitte darum. Nicht müßige Neugier, tlef⸗
geh endes Interesse läßt mich nach dieses Rätsels Lösung forschen“
Der alte Doktor blies dicke Tabakswolken vor fich hin, dann ließ er plötzlich die Pfeife fallen und blickte durchs Fenster gedankenvoll in das leichte Schneegestöber hinaus.
„Dann müssen Sie aber auch meine und des Barons Lebensgeschichte mit in den Kauf nehmen; denn wir drei sind untrennbar, unsere Schicksale so eng mit einander verwebt, daß sich nicht eins vom andern lösen läßt. Wenn ich Ihnen manchmal zu weitschweifig werde, so halten Sie es wohl dem
Also, vor länger als sechzig Jahren ließ der damalige Majoratsbesitzer von Wettin, der Baron Walter Dahlström, seinen erstgeborenen Sohn in hiesiger Stadtkirche taufen und nannte ihn zum Andenken an den glorreichen Schwedenkönig, unter noch seine Vorfahren gefachten, „Gustav Adolf.“ Wenige Monate später erzeigte er seinem Wirtschaftsvogt die Ehre, dessen Söhnlein über die Taufe zu halten und legte ihm gleichfalls
Obgleich in damaliger Zeit noch eine weite Schranke Feudaladel und Bürgertum schied, so wuchsen wir beide Knaben, der Junker Gustav, ich Adolf genannt, doch wie Brüder miteinander auf. Kein Spiel gab es, das wir nicht teilten, keinen Gedanken, den wir nicht gemeinsam hatten. Der⸗ selbe Hofmeister unterrichtete uns, dieselbe Hoch— schule nahm uns später auf, mich um eines ernst⸗ haften Brotstudiums willen, den Junker, um sich der Familientradition gemäß für einige Semester kopfüber in das studentische Treiben zu stürzen.
Ob es ihn amüsierte, ich wurde mir nie recht klar darüber, aber eins weiß ich, daß ich, nach ab⸗ solviertem Examen in das Heimatnest zurückkehrend, ihn neben dem alternden Vater als einen gesetzten, liebenswürdigen Menschen, den alten, ehrlichen Junker Gustav wiederfand. In dem alten, schönen Herrenhaus war es recht still geworden, die Baronin gestorben, die älteren Schwestern auswärts verheiratet, durch längere Trennung den Ihren bereits entfremdet. Auch ich kam an eine ver⸗ schlossene Thür, die Eltern hatten ihre alte Woh⸗ nung im Inspektorhaus mit zwei schmalen, grünen Hügeln auf dem Friedhof vertauscht, und Schwester Minchen that bei fremden Leuten Dienst.
War es unter diesen Umständen nicht ganz natürlich, doß die alte Kameradschaft wieder in ihre Rechte trat? Nur nominell besaß ich eine Wohnung mit Schild und Glocke im Städtchen, in Wirllichkeit war das Soldiner Schloß meine Heimat. b ü
So lebten wir ruhig, friedlich dahin, bis
die Namen„Gustav Adolf“ bei. Dieser Täufling war ich.
plötzlich an unserm Himmel ein Stern aufging, dessen Leuchtern unser brechendes Auge noch sehen
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wird. Der alte Baron erhielt aus Schweden, von wo seine Familie stammte, die Na richt, daß seine einzige verwitwete Schwester mit Hinterlassung einer mittellosen Tochter dort gestorben sei. Ob⸗ gleich seine Kasse durch das flotte Leben der sport⸗ lustigen Schwiegersöhne stark in Anspruch ge⸗ nommen war, besann er sich doch keinen Augenblick der verwaisten Nichte sein Haus zu öffnen.
Der alte Doktor hielt inne, und seine trüben Augen belebten sich. Die Gedanken mochten wohl weit zurückschweifen, in Vergangenheit und Jugend.
„Sie kam bierher“, hub er nach einer Pause wieder an,„und ich sehe es noch vor mir, das schöne, schlanke, tapfere Mädchen, mit den leuchten⸗ den blauen Augen, das bald der Mittelpunkt des Ganzen wurde. Inge Lindblad bemächtigte sich der Wirtschaft, führte dem verwitweten Oheim das Haus und ließ sich durch den Neid und die kleinen Bosheiten der verheirateten Cousinen nicht schrecken.
Brauche ich Ihnen es erst noch zu sagen, daß wir Beide sie liebten, heiß, leidenschaftlich, unaus⸗ löschlich, wie wohl noch nie ein Weib auf Erden geliebt worden ist. Ich, der junge patien tenlose Doktor, der mit dem alten Physikus um die arm⸗ selige Praxis dort unten verzweifelt kämpfte, kam wohl dabei nicht in Betracht, aber daß auch Gustav, mit düstergefalteter Stirn, wenig einem glücklich Liebenden glich, war wunderbar. Bald kam die Aufklärung.
Inge liebte, liebte einen Andern, hatte sich schon vor Jahren einem armen Musiklehrer, der, um sie zu erringen, auf Virtuosenreisen gegangen war, versprochen. Heute hatte sie dem Baron, als ihrem Beschützer und Vormund davon gesagt.
marktes ist wegen Seuchengefahr verboten worden. Gewiß eine erfreuliche Nachricht für die hiesige landwirtschaftliche Bevölkerung und die Geschäftsleute. Als Charakteristikum sei noch erwähnt, daß auf dem eine halbe Stunde Wegs weit von hier entfernten Wart⸗ hof unlängst die Maul- und Klauenseuche aus⸗ brach und weil dieses Gehöft noch in unsere Gemarkung gehört, ist einfach über die ganze Gemarkung Grünberg die Sperre peeh hn worden.
* Stangenrod, 5. April. Wie allseitig bekannt sein dürfte, ist die Wahl des Landtags⸗ abgeordneten Schönfeld im Wahlkreise Grünberg von seiten der Antisemiten ange⸗ fochten worden und zwar auf Grund einiger vor⸗ gekommener Ungesetzlichkeiten bei den hierorts vorgenommenen Wahlmännerwahlen. Heute war nun Herr Regierungsrat Dr. Wagner in dieser Angelegenheit hier anwesend, um die von den Antisemiten erhobene Einsprache auf ihre Wahrheit zu untersuchen. Die Untersuchung soll jedoch resul⸗ tatlos verlaufen sein. Im entgegengesetzlen Falle dürfte sich aber bei einer Neuwahl dies⸗ mal ein lebhafter Wahlkampf entwickeln, da
jedenfalls drei Kandidaten dabei in Frage kommen. * Darmstadt, 5. April.(Kosten der
Polizei.) In einem Referat über die letzte Sitzung der Stadtverordnetenversammlung war ausgeführt, daß„die Kosten der hiesigen Polizei auf 183 000. gewachsen seien, sodaß auf den Kopf der Bevölkerung 2 4 80„ kommen. Die höchsten Kosten habe seither Berlin mit 2 4 50 pro Kopf aufgewiesen.“ Es ist dadurch vielfach die Annahme hervorgerufen worden, als seien die hiesigen Polizeikosten höher wie die zu Berlin. Diese Annahme ist vollständig unrichtig. Die Kosten der Berliner Polizei betrugen im letzten Jahre 12¼ Millionen, somit auf den Kopf der Bevölkerung 7 A1 55 5. Die Stadt Berlin hat auf diesen Betrag gesetzlich einen Zuschuß von 2 l 50& pro Kopf der Bevölkerung ge⸗ leistet. Diese Summe ist in den 12 ½ Millionen mitenthalten. Der oben bemerkte Betrag der hiesigen Polizeikosten mit 183 000 A. stellt übrigens nicht den Zuschuß der Stadt, sondern den Abschluß des hiesigen Polizeibudgets dar. Der Zuschuß der Stadt beträgt nur 175000. Bedenkt man, daß in diesem Zuschuß der Stadt von 175 000& hier die persönlichen Kosten der Feuerwehr, namentlich auch der ständigen Feuer⸗ wachen(in Berlin von der Stadt besonders mit 1 Million bestritten und in obigen 12 Millionen Polizeikosten nicht berechnet), ferner die Kosten der Hochwache auf dem Stadtkirchturm(ein⸗ schließlich Gehalt des Stadttürmers), außerdem die Kosten der Baupolizei(welche hier ebenso wie in Berlin von der staatlichen Polizeibehörde ausgeübt wird), enthalten sind, so ergiebt sich, daß die Kosten des hiesigen Polizeiwesens ver⸗ hältnismäßig durchaus keine bedeutenden sind. Bemerkt sei noch, daß hierorts die großh. Polizei eine ganze Reihe von Angelegenheiten(z. B. Zu⸗ stellungen, statistische Erhebungen u. s. w.) für
Wir waren keine schwärmerischen Knaben mehr, keine Nichtsthuer, die sich in wohlfeiler Rührung gefielen, aber wir saßen doch die ganze laue Sommernacht stumm neben einander im Garten und wünschten, der neue Tag mit seinen Sorgen und seinem Lärm möchte nimmer mehr anbrechen.
Baron Walter, ein echter Edelmann der alten Schule, wies die Nichte auch zurück, verweigerte seine Einwilligung zu der ungleichen Heirat und verbot, von der Sache überhaupt zu sprechen.
Scheinbar fügte sich Inge, festen Schrittes, das klirrende Schlüsselbund an der Seite, ging sie ihren Pflichten nach, noch zwei Tage nach ihrem vierundzwanzigsten Geburtstag, an welchem sie mündig und Herrin ihrer selbst wurde, war sie verschwunden. Aus Amsterdam kam später ein Brief mit dem Trauzeugnis und der Bitte um Verzeihung.
Als sei die Sonne ausgelöscht, als tappten wir alle ratlos im Dunkeln, war uns nach ihrem Weg⸗ gang zu Mut. Der Baron kränkelte und starb eines Tages ganz unerwartet, den verschuldeten Schwiegersöhnen sehr gelegen, die sich schleunigst in die mäßige Hinterlassenschaft teilten, Gustab um den Besitz des Majorat's heimlich beneidend.
Jahre vergingen. Haar und Bart ergraute langsam, doch keinem von uns Beiden war der Gedanke an eine Heirat gekommen. Sollten wir einem andern, fremden Mädchen, alle die heißen Liebesworte zuflüstern, die wir ihr, der Unver⸗ gessenen, niemals hatten sagen dürfen.
(Fortsetzung folgt.)


