Ausgabe 
6.7.1897
 
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Gießen, Dienstag, den 6. Juli

1897.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

ische Landeszeilung.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion:

. Kreuzplatz Nr. 4. 8

kokales und Provinzielles.

Gießen, 4. Juli. Ernannt wurden am Juni l. J. die Militäranwärter Heinrich Duchardt aus Lauterbach und Anton ommerkorn aus Londorf zu Hauswärtern u sogenannten Neuen Kanzleigebäude zu Darm⸗ ladt, mit Wirkung vom 1. Juli d. J. an. n den Ruhestand versetzt wurde am 26. Juni

1893 J J. der Steueraufseher Adam Schill ing zu

rund. 0 ec 0 1 n 1 mite.

Yrünberg auf sein Nachsuchen, mit Wirkung om 1. Juli l. J. an.

H. Gießen, 5. Juli.Kuratorium der lennbahn Gießen 1897. Ein Beweis ur die vorzügliche Anlage der neuen Rennbahn u der Hardt ist es, daß die bekannten Renn⸗ ihrer C. Lautermann⸗Darmstadt und Christiansen⸗Kopenhagen am nächsten

Donnerstag Nachmittag von 5 Uhr an hier rsuchen werden, im Tandemfahren alle deut⸗

hen Rekords bis 3000 Meter zu verbessern.

3 e giese Veranstaltung, bei welcher sehr tüchtige

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schrittmacher mitwirken, wird den Besuchern nen sehr anziehenden sportlichen Genuß bereiten, ud es ist auf eine große Beteiligung von Zu⸗ hauern umsomehr mit Bestimmtheit zu rechnen, s nur ein ganz geringfügiges Eintrittsgeld ur Deckung der Kosten erhoben werden soll. gon guten Herrenfahrern sind eine ganze Anzahl um Trainieren angemeldet. Herr Albert

70 Pfg., becker aus Hofheim wird schon morgen auf

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Hehner.

Stadlt. pufektion.

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wa 14 Tage hier eintreffen.

H. Gießen, 5. Juli. DieWanderer, hießener Radfahr⸗Gesellschaft, haben den am gestrigen Sonntag von dem Bichele⸗ lub in Darmstadt veranstalteten großen ternationalen Bahnwettfahren sehr höne Erfolge durch ihre Mitglieder, Herren far! Duill und Ernst Bethge, zu ver⸗ ichnen. Im Gauverbandsfahren über

Meter gelang es nämlich Herrn Duill, uch schönem Spurt dicht hinter Opel⸗Rüssels⸗ m das Ziel passierend, den zweiten Preis, ine hohe, prachtvolle Roccoco-Uhr, zu gewinnen, Ahrend Herr Bethge sich den dritten

latz sichern konnte, womit ihm ein silberner

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Publikum. Jiektors gewesen, der gewirkt hatte. Nun kam

cher zuftel. Bei der guten Gelegenheit zum shtigen Trainieren auf der hiesigen muster⸗ Aigen Reunbahn werden fernere große Erfolge cht ausbleiben und wir hoffen, schon recht bald ger solche berichten zu können. All Heil!

Gießen, 5. Juli. Am Sonnabend feierte u hiesige Fahrbeamtenverein in dem Aitsaale des Café Leib sein 4. Stiftungs- t, verbunden mit Aufführung von Theater⸗ ken und Tanz. Der Vorsitzende leitete die lichkeit mit einer Ansprache ein, dabei be⸗ end, daß der Verein aus kleinen Anfängen lch Einigkeit und Opferfreudigkeit es zu seiner igen Blüte und Größe gebracht habe. Ein olog, gesprochen von der Tochter eines brstandsmitgliedes, fand wohlverdienten Beifall,

senso die unter Mitwirkung von jungen Damen Atgehörigen von Vereinsmitgliedern) aufge⸗ r.

führten Theaterstücke. Ein späteres Tanzver⸗ gnügen hielt die Mitglieder bis zum frühen Morgen in der gemütlichsten Stimmung bei⸗ sammen.

Gießen, 5. Juli. Die Vorstellungen des Zirkus Immans erfreuen sich unausgesetzt eines zahlreichen Besuchs, die Leistungen der Künstler des ungeteiltesten Beifalls. Heute Abend findet leider schon die Abschiedsvorstellung statt, mit welcher unser Publikum eine Künstlerschar scheiden sieht, die ihm für wenige Tage die an⸗ genehmste und abwechslungsreichste Unterhaltung

geboten. Gießen, 5. Juli.(Unfug.) Vor einigen Tagen wurde in der Moltke- und

Senkenbergerstraße verschiedener Unfug verübt, auch die Gesimse an Thorpfeilern herunter ge worfen. Als Thäter wurde ein Arbeiter, der sich abends mit dem Verkauf von Bretzeln be schäftigt, ermittelt und zur Anzeige gebracht. In derselben Nacht vergnügten sich in der Südan⸗ lage zwei Herren damit, die Pflanzenkübel und Gartenmöbel auf die Straße zu schleppen. Die Polizei wird ihnen für einen Denkzettel sorgen.

* Gießen, 5. Juli.(Unfall.) Am Samstag Abend fuhr ig der Ostanlage ein Arbeiter aus Lollar, als er mit seinem Fahrrad an einem Wagen vorbeifahren wollte, direkt vor die Pferde einer ihm entgegen kommenden Chaise und wurde überfahren. Er trug mehrere Kopfwunden davon, klagte auch über Schmerzen in der Brust; die Verletzungen scheinen aber leichter Art zu sein, denn er ver⸗ mochte, nachdem ihm von einem Arzt ein Ver⸗ band angelegt war, den Weg nach Lollar zu Fuß zurückzulegen.

* Gießen, 5. Juli. Hundebesitzer seien hierdurch darauf aufmerksam gemacht, daß das freie, unbeaufsichtigte Umherlaufenlassen der Hunde zur Nachtzeit, das heißt, von 9 Uhr abends ab, strafbar ist; ebenso hat ein jeder Hundebesitzer dafür Sorge zu tragen, daß sein Hund nicht

durch anhaltendes Bellen oder Heulen, sei es].

zur Tages⸗ oder Nachtzeit, die Hausbewohner oder Nachbarn belästigt.

* Gießen, 5. Juli. Wie dieKl. Pr. meldet, hat der Vorstand des Hessischen Landeslehrervereins an das Großh. Ministerium eine Vorstellung gerichtet, wonach die Bestimmung, daß bei Mädchen über⸗ haupt und bei Kindern in den beiden ersten Schuljahren körperliche Strafen nicht angewendet werden dürfen, aufgehoben werden möge. Ist es denn wirklich not⸗ wendig, zu prügeln?

* Gießen, 5. Juli. Die Beratungen der von der Zentralstelle für das Gewerbe niedergesetzte Kom⸗ mission, welche sich mit dem Antrage des Sekretärs Jutzi⸗ Darmstadt, die Umgestaltung des Landesgewerbevereins betreffend, zu befassen hatte, haben zu folgendem Refultat geführt: Nachdem Jutzi⸗Darmstadt seinen weitergehenden Antrag zurückgezogen, wurde folgender Antrag der Herren Brück und Brockmann gegen 2 Stimmen angenommen:

Die Kommission empfiehlt dem engeren Ausschusse, bei der Regierung zu beantragen, falls der dem Reichs⸗ tage vorliegende Gesetzentwurf nicht zur Annahme ge⸗

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. Preis der Ameigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

langt, die Bildung von Handwerkskammern für das Großherzogtum baldigst zu veranlassen.

Man empfiehlt weiter, die großh. Zentralstelle kollegial einzurichten, dem Vorsitzenden derselben Sitz und Stimme im Ministerium zu geben und einen sach⸗ kundigen Gewerbeschul-Inspektor für die gewerblichen Lehranstalten zu bestellen.

Weiter wurde beschlossen:

der Redaktion des Gewerbeblattes eine mehr kauf⸗ männische Leitung zu geben, den Anzeigeteil weiter auszubilden und die Mitarbeiter zu honorieren.

Weitere Beschlüsse gehen dahin:

den Ortsgewerbevereinen die Erwägung nahe zu legen, ob nicht:

1. für Sterbe- und Witwenkassen der Mitglieder

zu sorgen wäre;

2. die Gründung von Rohstoff⸗, Werk-, Magazin⸗ und Kredit⸗Genossenschaften, soweit nötig unter Zuhülfenahme des Staatskredites, wo angezeigt, zu erwirken wäre;

die Einrichtung unentgeltlicher Auskunftserteilung für Handwerker in Angelegenheiten der Kranken-, Unfall⸗ und Invaliditätsversicherung, in Fragen der Gewerbeordnung, der Bauordnung und der damit in Verbindung stehenden Ausführungs⸗ bestimmungen angezeigt erscheine;

durch gemeinschaftlichen Abschluß von Verträgen mit Feuer⸗, Unfall⸗ und Haftpflichtversicherungs⸗ gesellschaften wenn dies auch in erster Linie für die größeren Vereine gälte auch für die oft zerstreuten Kleingewerbetreibenden anregend und zusammenfassend gewirkt werden könne.

Indem die Vertreter der großh. Zentralstelle hierzu anregen und den Gegenstand planmäßig durch Vorträge ꝛc. unterstützen, würde dieselbe immer und unmittelbar auf dem Laufenden über das wirtschaftliche Leben der Vereine und ihrer Mitglieder gehalten.

* Wieseck, 5. Juli. Das 15 jährige Stiftungsfest des GesangvereinsJugend grund nahm den allerschönsten Verlauf. Auch war die Beteiligung der Gesangvereine aus den benachbarten Orten eine sehr große. Das zahl⸗ reich anwesende Publikum amüsierte sich bis in die späte Nacht hinein auf das allerbeste.

* Bad Nauheim, 3. Juli. In der letzten Woche sind 911 Fremde angemeldet worden, sodaß am 1. Juli die Gesamtfrequenz die Zahl von 8711 erreicht hat, von denen an diesem Tage noch 3969 Personen anwesend waren. Der Vorsprung gegen das Vorjahr berechnet sich auf 1336 Personen. Der Juli galt bis jetzt immer der frequentierteste Monat. Da in diesen Monat in den meisten norddeutschen Staaten die Schulferien fallen. Bäder wurden bis 1. Juli 87785 abgegeben, 10370 Bäder mehr als an dem entsprechenden Tage des Vorjahres. Jetzt werden den Tag über 1900 Bäder bereitet.

* Darmstadt, 3. Juli. Die Vorarbeiten zur Errichtung eines Darmstädter Volksbads sind nunmehr zum Abschlusse ge langt, sodaß eine größere Versammlung in der Lage war, zu beschließen, die Anstalt solle durch eine Privatgesellschaft beschafft werden. Voraus⸗ gesetzt wird, daß die Stadt, sei es in bar oder durch freie Hergabe von Wasser und Licht, sich beteilige. Als Platz wurde das Heytsche Haus in der Wilhelminenstraße gewählt, das für

Komödie.

Von Fritz Anders. (Nachdruck verboten). (Fortsetzung.)

Jetzt kam die Stelle, wo der erste Applaus zu arten war. Alles blieb still. Im Publikum ze sich keine Hand und der Beifallsausschuß se auch still. Ein paar Sätze weiter, an einer Alle, wo lautlose Spannung herrschen sollte, ging Getrampel los. Von unten wurde unwillig be gezischt. August Springer war außer sich.

wäre am liebsten auf die Galerie geeilt, um be zu gebieten, aber das ging doch nicht. Da elne leichte Bewegung, eine flüchtige Heiterkeit Es war einSchlager des

0 Aktschluß. Matter Beifall, die Kommission Ate wieder ihre Schuldigkeit nicht gethan. Im Alten Akte wiederholte sich das Unglück, das Ahsämchens Schwiegersohn und seine Leute falsch Aten. Jetzt wurden sie vom Publikum energisch Ruhe gebracht. Sie ließen sich denn auch ein shchtern und schwiegen. Die Beifallskommission hatte sich also als un⸗ 10 chbar erwiesen. Dafür hielt der Dichter Unter⸗ Ang von einer Seite, wo er es nicht erwartet ü Der Trommelfabrikant Schweigelmann und il Anbang fanden an dem Stücke großen Ge⸗ iet und an den heiklen Stellen am meisten. ae ühne Zukunftsmoral, die da entwickelt wurde, 25 sie mit Begeisterung. Ganz besonders war hebruchsgeschichte nach dem Sinne Schweigel⸗

manns. Denn er selbst stand wegen gewisser arger Geschichten bei der Bürgerschaft in üblem Rufe, und sein Anhang war seiner wert. Durch das, was hier öffentlich von der Bühne aus gepredigt wurde, fühlte sich Schweigelmann glänzend gerecht⸗ fertigt. Er klatschte also nach Kräften und sein Anhang schloß sich an. Auch der Beifallsanschluß folgte der neuen Führung; dazu thaten die Akt⸗ schlüsse und Schlager des Direktors ihre Schuldig⸗ keit, und so entstand ein Beifall, dem sich freilich nicht alle anschlossen, der aber auch keinen Wider⸗ spruch fand. Beinahe hätte der Schluß des Stückes alles wieder verdorben. Das Publikum hatte nicht die Reife, die scharfe Dissonanz zum Schlusse für einen künstlerischen Abschluß zu halten. Als der Kommerzienrat geendet hatte, blieb man sitzen und dachte, es gehe weiter und jetzt werde die Moral kommen. Und so wäre beinahe der Zeitpunkt für Beifall und Hervorruf vorüber gegangen. In diesem kritischen Augenblicke trat Krimper für den Dichter ein, und rief Bravo und des Dichters Namen. Das Publikum schloß sich an, Springer ließ sich nicht lange bitten, er erschien mit der vorge⸗ schriebenen Bescheidenheit und empfing seinen Lorbeer⸗ kranz. Der Erfolg war ein unbestreitbarer. Jetzt wurde von allen Seiten gratuliert, 8 70 die 1 5 arischen Freunde erschienen aus dem Hintergrunde, 5 15 war groß und selbst Lobesämchens Schwiegersohn erhielt Verzeihung. 8 Nach der Aufführung versammelte man sich im Prinzen Johann im engsten Kreise, um das Erlebte nochmals durchzusprechen, und um Freud und Leid nochmals durchzukosten. Der Dichter und sein Werk bildeten den Mittelpunkt und seine Frau

hatte zum erstenmale das beglückende Bewußtsein davon, was es bedeutete, die Frau eines großen Manues zu sein. August Springer spendete es war das erstemal in seinem Leben einige Flaschen Sekt und erörterte allen Ernstes den Plan, die Brandstifter demnächst auf die Bühne des König lichen Schauspielhauses zu bringen.

Der nächste Tag machte sein alltägliches Gesicht. Jeder ging an seine Arbeit, auch der Dichter er innerte sich, daß er seit acht Tagen nicht im Ge schäft gewesen war. Wir dürfen es nicht länger verschweigen, daß der Dichter im bürgerlichen Leben Kaufmann und zwar Teilhaber an der Wollweberei von Naumann und Kompagnie war. Eigentlich war er Schulmeister gewesen, nachden mer aber die Hand von Emilie Naumann erhalten und es durchgesetzt hatte, als ein Fremdling in Blechstedt in die Familie Naumann aufgenommen zu werden, trat er auch in das Naumannsche Geschäft ein, um ein tüchtiger Kaufmann zu werden. Aber daraus wurde nicht viel. August Springer hatte keinen Geldsinn. August Springer dichtete, es genügte ihm nicht, die ehrenvolle Stelle eines Naumannschen Schwieger⸗ sohns einzunehmen und später vielleicht einmal Stadtverordneter zu werden; er wollte höher hinaus. Dies sah die Familie Naumann mit großem Mißfallen. Daß aber Emilie, die doch eine Naumann war, ihren Mann in seinen Allotriis noch bestärkte und daß sie auch selbst höher hinaus wollte, war rein unbegreiflich. Da war nun Schwager Franz, der Mann der jüngeren Nau⸗ mannschen Tochter, ein unangenehmer, ränkevoller Mensch. Springer wußte ganz genau, daß dieser den Plan hatte, ihn aus dem Geschäfte zu ver⸗

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

140 000 K gekauft werden soll. Nach dem vor⸗ liegenden Plan soll das Unternehmen im Gase auf 500 000& kommen. Hiervon soll die Hälfte durch die Privatgesellschaft und die andere durch hypothekarisch sicher gestelltes Anlehen aufgebracht werden. Legt man 125 000 Bäder jährlich mit einem Preise von 30 für das Bad zugrunde, so würde sich ein, wenn auch kleiner Ueberschuß ergeben. ö

* Darmstadt, 4. Juli. Freiherr dee von Riedesel zu Eisenach, erbliches Mitglie des preußischen Herrenhauses und der ersten hessischen Kammer ist im Schloß Eisenburg bei Alsfeld gestorben.

* Offenbach, 3. Juli. Ein ener⸗ gischer Junge. Ein noch leib e Knabe wollte sich gestern Abend beim Schwim⸗

men im Main am Nachen festhalten, dabei passierte es ihm, daß ein alter, verrosteter, stecken gebliebener Nagel ihm in der Herzgegend ins Fleisch ging. Der Junge belegte auf Zureden seiner Kameraden die Wunde mit einem Heft⸗ pflaster, hielt die Nacht über die größten Schmerzen aus, verschwieg aber seinen Eltern den Sachverhalt. Heute morgen besuchte er wie gewöhnlich die Schule, ging aber schließlich, da sein Leib bedenklich schwoll, freiwillig ins Krankenhaus und verlangte seine Operation, wiederum ohne die Eltern zu benachrichtigen.() Vom Krankenhaus aus wurden diese aber ver⸗ ständigt, und als seine Mutter kurz vor der Operation erschien, rief er ihr zu:Liebe Mutter reg dich nicht auf, in 2 Stunden bin ich wieder bei Euch! Die Qperation wurde, da es glücklicherweise noch nicht zu spät war, vorge⸗ nommen. Der Patient ist den Umständen nach wohl. Der Knabe hatte die ganze Sache ver⸗ heimlicht, um seinen Eltern keine Aufregung und Angst zu machen gewiß ein Zeichen edler, wenn auch unrichtig aufgefaßter Kindesliebe nicht minder wie die Bethätigung einer namhaften Energie. Auf dem Wege zum Krankenhause war der Knabe mehrmals zusammengebrochen.

* Mainz, 4. Juli. In der geheimen Sitzung der letzten Stadtverordnetenversammlung wurde u. a. mitgeteilt, daß der Dampfmühlenbesitzer Schmitt von hier, der mit 6000 1 Oktroi⸗

ebühren eingeschätzt war, sich aber geweigert hatte bei einer neuen Einschätzung auf 8400 4 seine Bücher vorzulegen, jetzt mit 15000&. eingeschätzt worden sei und sich damit ein⸗ verstanden erklärt habe. Der muß es gut können.

Mainz, 4. Juli. Der Krieg in der hiesigen Bäckerinnung ist nach einem noch⸗ maligen heftigen Gefecht vorläufig beendet worden. Es fand eine außerordentliche Generalversamm⸗ lung statt, in der Herr Oberbürgermeister Dr. Gaßner den Vorsitz führte, um zur Wahl eines Obermeisters an Stelle des zurückgetretenen Herrn Franz Köberich und außerdem des gesamten Vor⸗ standes zu schreiten. Von Seiten der sog. Oppo⸗ sition lag ein Wahlvorschlag vor, in dem Herr Dinges als Obermeister empfohlen war. Im Laufe des Vormittags war jedoch ein anonymes drängen, um später alleiniger Inhaber des Ge schäftes zu werden, denn Eduard Naumann, der die gutmütige Art seines Vaters geerbt hatte, konnte auf irgend eine Art untergebuttert werden. Schwager Franz kam zwar mit seinen Plänen nicht offen heraus, aber er hörte nicht auf, zu wühlen und Stimmung gegen den Dichter zu machen, wobei er bei Frau Naumann, die die eigentliche Seele der Familie Naumann war, mehr und mehr Gehör fand. Denn Papa Naumann hatte, seitdem in der Familie gewisse dunkle Geschichten passiert waren es ist schon lang her und es ist nicht bekannt geworden, was es eigentlich gewesen ist das Szepter an Rosalie seine Frau abgeben müssen.

Springer machte sich also nicht ohne ein Ge fühl von bösem Gewissen auf den Weg. Im Ge⸗ schäfte herrschte ein gewisses gespanntes Schweigen. Niemand gratulierte zu dem dramatischen Erfolge, niemand redete von den Exeignissen des vorigen Tages auch nur ein Wort. Im Hintergrunde steckten die jungen Leute die Köpfe zusammen und kicherten. Schwager Franz konnte einen geheimen Triumph schwer verhehlen und Papa Naumann machte eine sorgenvolle Miene.

Auf dem Heimwege begegnete Springer dem Trommelfabrikanten Schweigelmann, der ihn dreist und vertraulich grüßte, als wollte er sagen: Nicht wahr, wir verstehen uns. Was fiel denn dem un⸗ verschämten Menschen ein. Zu Hause fand er seine Frau in Thränen.

(Schluß folgt.)

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