Ausgabe 
4.11.1897
 
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Gießen, Donnerstag, den 4. November

1897.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

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Ausgabe

Udeszeitung.

Gießen.

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Hochelheim, Kinzenbach, Kl⸗Linden, Krofdorf, Lang⸗

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Das Museum des oberhessischen Geschichtsvereins in Gießen.

th. Das Museum, welches jetzt jeden Sonn⸗ tag geöffnet ist, erfreut sich eines überaus regen Besuchs aus allen Kreisen der Bevölkerung. Eine Wanderung durch die Räume des alten Nathauses, in denen die Sammlungen Unterkunft gefunden, bietet aber auch des Interessanten so diel, daß es schon lohnt, dort zu verweilen. Im ersten Stock des Hauses betritt man, nach dem Passteren eines langen Gangs einen Raum, der eine ober hessische Bauernstube darstellen soll. Es sind jedoch auch eine Reihe Gegen⸗ fände in dieser Bauernstube plaziert, die man sonst vergeblich in einer Bauernstube suchen wird. Es fesselt uns zuerst eine Bettstelle aus dem origen Jahrhundert und eine Truhe aus der⸗ felben Zeit. Spinnrad und Holzschemel, eine Kietze und eine am Bettpfosten hängende ge⸗ paztige Ledertasche(Büchsenranzen, wie die Bauern sie bei ihren Gängen nach der Stadt benutzen), sowie an der Wand hängende Bilder vervollständigen die Einrichtung. Im oberen Teil des Zimmers gehört ein vorzüglich erhal⸗ lener Tisch den Bauernmöbeln zu. Er ist aus⸗ ziehbar und birgt in seinem Innern einen um⸗ fangreichen Vorratsraum. Schön gearbeitete Truhen, in denen die Zünfte ihre Akten auf⸗ bewahrten, sind er ebenso die Fahnen der Küfer⸗ und der rauerzunft zu Gießen und das Banner, welches Frauen und Jungfrauen der Stadt aus Anlaß eines landwirtschaftlichen Festes 1858 zu Gießen gestiftet haben. Ein Gestell mit den jetzt wieder modern gewordenen Zinngeräten aus dem vorigen und dem Anfang dieses Jahrhunderts zeigt einzelne künstlerisch perzierte Gebrauchsgegenstände. Besonders sei auf einen Teller aufmerksam gemacht, welcher aufs reichste mit Reliefs geschmückt ist(in der Mitte die Auferstehung, auf dem Rande die Wappen der sieben Kurfürsten). Derselbe ent⸗ stammt der Werkstatt des berühmten 1683 ge⸗ storbenen Nürnberger Zinngießers Kaspar Endter⸗ lein. Auf einem langen Regale an der Schmal⸗ wand dieses Raumes sind Erzeugnisse der Keramik untergebracht. Siegburger Steingut, darunter mehrere kleinere, durch geschmackvolle Form sich auszeichnende Becher, die man früher für holländisches Fabrikat hielt, wechselt mit den bekannten Marburger Thonwaren und den Nassauer grauen Krügen mit teilweise blauer Ornamenta⸗ tion ab. In Vitrinen unter den keramischen Gegenständen sind Kostümstücke ausgelegt worden. Zwischen den Glaskästen und dem Regal mit dem Thongeschirr hängen Bilder und Porträts, darunter das Bild der Vorfahren des sozial⸗ demokratischen Abgeordneten Liebknecht, der bekanntlich in Gießen geboren ist. a Von der oberhessischen Bauernstube betritt man durch eine niedrige Thür die sogen. Kapelle. Beim Eintritt fällt uns eine messingne Laterne auf. Dieselbe entstammt dem Anfange unseres Jahrhunderts und diente als Spitze einer Zunft⸗ fahne. In der Kapelle sehen wir zuerst d beiden großen Tafelbilder an der hinteren Schmal⸗

wand. Sie bildeten Flügel zum Altar und sind Eigentum der Gemeinde Großen⸗Linden Die beiden Gemälde, die durch prächtige Farbenfrische

sich auszeichnen, stammen aus der zweiten Hälfte des 15 Anders und eutstammen wahr⸗ scheinlich der Nürnberger Schule. Aus gleicher Zeit entstammt auch der den Gemälden gegen⸗ über oben angebrachte bemalte Leinwandstreifen, über dessen Herkunft sich die Gelehrten noch nicht einig sind. Man ist der Ansicht, daß dieses bac interessante Stück wahrscheinlich aus Limburg a. d. L. stammt r als Altarver⸗ ierung oder als Rückwand eines Chorstuhles Nene Sehr zu bedauern bleibt, daß dieses interessante Stück durch spätere Uebermalung seinen ursprünglichen Charakter zum Teil 95 gebüßt hat. Ebenfalls dem 15. Jahrhundert gehören die meisten hier in der Kapelle aus⸗ gestellten Heiligenfiguren an. Nur zwei dau eine Marka und ein Johannes sind Produkte des 17. Jahrhunderts. Von der ehemaligen Wirkung dieser einst bemalten Figuren N man sich eine Vorstellung machen, wenn man 5 beiden Heiligen, rechts und links vom Flügel⸗ altar postiert, 1 91 noch in ihrer ganzen arbenpracht erhalten sind. f

5 In 91 pb. höher gelegenen We Räumen des Museums dürfte das der Sta

Gießen gewidmete Zimmer am meisten Ae erregen. Ein schmiedeeiserner Löwe aus 105 16, Jahrhundert, der den Giebel des alte N 1 hauses einst zierte, neben dem letzten in a in Gebrauch gewesenen Nachtwächterhorn n

und entweder

[Wert und seien der

Hellebarde erinnern an längst vergangene Zeiten. Auch dürfte das Hirtenhorn Interesse erregen. Eine Sau mlung älterer Schmiede- und Schlosser⸗ arbeiten zeigt, daß in diesen Handwerken auch früher in unserer Vaterstadt und dessen Um⸗ gebung tüchtige Meister gelebt haben. Ein Schrank mit altem Porzellan und Glas, dar⸗ unter gut erhaltene Laubacher Stücke, fesseln unsere Aufmerksamkeit. Eine Sammlung von optischen Instrumenten und Goldwagen, eine kunstvoll gearbeitete Schnupftabaksreibe führen in die allerdings noch spärliche Universitäts⸗ abteilung über. An der Wand hängen Porträts berühmter Professoren, die an unserer Hochschule wirkten. Der mit eingeschnittenen Namen ver⸗ zierte Holzstuhl des ehemaligen Universitätskarzers wird vielleicht manchen Musensohn daran mahnen, daß es doch heute besser geworden ist, wo die studentischen Uebelthäter vor dem Schöffengericht meistens mit einer Geldstrafe davonkom men. Ansichten von Gießen und unserer Umgebung füllen die Wände. Ein Gemälde, die Ruine Vetzberg darstellend, läßt erkennen, wie diese Ruine noch vor 100 Jahren ein stolzer Burgbau gewesen, der zwar schon dem Verfall anheim⸗ gegeben, doch noch Formen seiner ehemaligen Herrlichkeit zeigte. Auch eine Sammlung hessischer Münzen und auf Gießen, und Gießener Persön⸗ lichkeiten bezüglicher Medaillen sind hier aus⸗ gestellt. In Glaskästen sehen wir Gießener Ansichten, ein Lebensmittelverzeichnis von 1833, Flugschriften und Zeitungen aus dem Jahre 1848. Ein ausgelegter Strafzettel belehrt uns, daß ein Musketier der Gießener Bürgerwehr des Jahres 1848 für zwei versäumte Exerziertage al. Kreuzer Strafe an seinen Korporal zahlen ollte.

Es sei noch bemerkt, daß in diesem Zimmer Professor Dr. Buchners Porträt angebracht ist, der so große Verdienste um diese Sammlungen hat. Neben dem Gießener Zimmer befindet sich ein Raum, der den stolzen Namen Waffenhalle beigelegt erhielt. Eine gewaltige Trophäe deckt den größten Teil der Längswand und setzt sich zusammen aus zwei Fahnen der Gießener Bürgerwehr des Jahres 1848,gestiftet den wackeren Streitern von patriotischen Frauen und Jungfrauen. Kopfbedeckungen und Waffen der Bürgerwehr, darunter Uniformteile und Waffen des Generals Hoffmann, sowie Erinnerungs- stücke an den Krieg 1870/71. Zu beiden Seiten wird dieses gut wirkende Arrangement flankiert von älteren, meist dem 17. Jahrhundert ange⸗ hörenden Schwertern, Hellebarden, Hirschfängern usw. In einem Glaskasten sind mittelalterige Sporen, Pfeilspitzen in den verschiedensten For⸗ men, Armbrustbogen und ein sehr seltenes, langes, schmales Spießeisen von einem langschäftigen, Framen genannten fränkischen Speere herrührend. Eine kleine Sammlung von Schußwaffen wird sich hoffentlich bald vermehren. Im selben Raume befinden sich noch vier eiserne Ofenplatten aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, die wunder⸗ voll ornamentiert sind und einer reichhaltigen Sammlung zugehören, welche leider, um das alte Gebäude nicht zu überlasten, im unteren Hausflur des Rathauses lagern. Manches sehens⸗ werte befindet sich noch in den Vitrinen dieses Raumes, u. a. zwei herrliche Pistolen des vorigen Jahrhunderts, die der berühmten Kuchenreuter⸗ schen Fabrik zu Regensburg entstammen. Der Inhalt zweier gewaltiger Glasschränke, Funde aus römischer und germanischer Zeit, eine Samm⸗ lung, die der verstorbene 1101 an hohen

ükte, repräsentieren einen

Museum schenk Frace ir Altertum

de bestens empfohlen. Den. Weg zurück- ehen d das Gießener Zimmer kommt man in einem Raum der mit römisch⸗germa⸗ nischen Altertümern gefüllt ist. Wundervolle lurnen aus dem Gräberfunden, besonders bei Muschenheim, bedecken die Wände. Eine wunder⸗ volle Sammlung von Steinhandwerkzeugen ist hier ausgestellt, Von diesem Raum gelangt man in ein kleines Zimmer, dessen Wände mit Ge⸗ mälden der Gießener Ratsschöffen gefüllt sind. Mancher der Namen dieser Männer, welche, ehe⸗ mals für das Gemeinwohl thätig waren, ist in unserer Stadt erloschen, aber von anderen sind noch Nachlommen vorhanden. Hier ist auch eine von Dickore meisterhaft modellierte Jugendbüste von v. Ringens ausgestellt. Ebenso befindet fich hier eine kleine, aber schöne Sammlung von Ofenkacheln aus dem 16. und 17. Jahrhundert, von ein und demselben Meister hergestellt, dessen Signatur TR auf einem Exemplar vor⸗ handen ist, doch ist es bisher nicht gelungen, den Namen festzustellen. Aus diesem Raum gelangt man durch einen langen, dunklen Korridor

rod, Staufenberg, Steinbach,

wieder nach dem Treppenbau des Rathauses. Gleich zu Anfang des Ganges bieten drei soge⸗ nannte Kleiekotzer, der Burkschen Mühle entnom⸗ men, durch ihre grotesken Formen ein ganz be⸗ sonderes Interesse. Diese Marken sind nur noch äußerst selten in älteren Mühlen anzu⸗ treffen. Zwei Fußschellen aus dem alten Gießener Arresthause, einige ältere Dachbe⸗ krönungen, die den alten Gießenern zeigten, wie oben der Wind wehte, sowie Feuerlöschgeräte sind hier untergebracht.

g Es läßt sich nicht leugnen, daß dieses Museum im alten Rathause nur mangelhafte Räume zur Verfügung hat. Aber es ist ja bekannt, daß binnen wenigen Jahren das alte Schloß am Brand für ein Museum hergestellt wird und so muß man geduldig mit dem Provisorium für⸗ lieb nehmen.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 3. Nov. Dem Pfarrer Karl Haacke zu Wenings ist die evangelische Pfarr⸗ stelle zu Steinbach, Dekanat Gießen, über⸗ tragen. Der Oberlandesgerichtsrat Ernst Rohde ist auf sein Nachsuchen von der Stelle eines richterlichen Mitgliedes bei dem Landes⸗ versicherungsamte entbunden; der Oberlandes⸗ gerichtsrat Hugo Forchs zum richterlichen Mit⸗ gliede bei dem Landesversicherungsamte für die Dauer des von ihm zur Zeit bekleideten Haupt⸗ amts, und der vortragende Rat der Abteilung des Ministeriums der Finanzen für Forst⸗ und Kameralverwaltung Geheime Oberforstrat Lud⸗ wig Frey auf Lebenszeit zum ständigen Mit⸗ glied des Landesversicherungsamtes im Neben⸗ amte ernannt. Der Geheime Baurat Eduard Sonne von der Wahrnehmung der Geschäfte eines Vorsitzenden der Zentralstelle für die Ge⸗ werbe und des Landesgewerbevereins auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 1. November d. J., entbunden und der Brandversicherungsinspektor August Noack zu Darmstadt zum Vorsitzenden der Zentralstelle für die Gewerbe und des Landes⸗ gewerbevereins unter Verleihung des Charakters alsRegierungsrat, mit Wirkung vom 1. No⸗ vember d. J. an, ernannt.

* Gießen, 3. Nov. Bei der zweiten Kammer ist ein Gesuch der seminaristisch gebildeten Lehrer an den höheren Schulen des Großherzogtums eingegangen. Dieselben wünschen, daß die definitiv angestellten semi⸗ naristisch gebildeten Lehrer in ihren Gehalten gleich den Seminar⸗ und sogenannten technischen Lehrern, innerhalb 28 definitiver Dienstjahre von 1850. beginnend, in vierjährigen Fristen, bei jeweils 250. Zulage, zu dem Maximal⸗ gehalt von 3600 K. aufsteigen und daß dieselben hinsichtlich der Reliktengelder dieselben Vor⸗ teile genießen sollen, wie die übrigen Staats⸗ beamten.

* Gießen,

3. Nov. In den Zeitungen wird über den flotten Abgang der Kartenbriefe hingewiesen. Besonders gut, so berichtet unser Amtsblatt und dieKleine Presse, sei das Ge⸗ schäft in Gießen gegangen. Das Stadt⸗Postamt habe am Mittag des ersten Tages bereits seinen Vorrat ausverkauft gehabt. Nun mit dem Vor⸗ rat bei unseren Postämtern war es nicht weit her. Er belief sich auf ganze 300 Stück beim Stadt⸗Postamt. Wenn dies überhaupt ein Vor⸗ rat sein soll, so bedarf es wahrhaftig nicht des Geschreies, wenn er so schnell geräumt wurde.

* Gießen, 3. Nov.(Lahnthal-Zither⸗ Bund.) Die diesjährige Hauptversamm⸗ lung des Bundes findet am 7. und 8. No⸗ vember in Friedberg statt. Das damit verbundene größere Zither⸗Konzert findet Sonn⸗ tag, den 7. November, abends 8 Uhr, im Saale desHotel Trapp, statt.

* Gießen, 3. November. Gestern verhandelte die Strafkammer gegen den Maurer Georg Mühl⸗ häuser von Bad Nauheim. Das Schöffengericht hatte den Angeklagten wegen Körperverletzung, Be⸗ drohung und Beleidigung zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Vor der als zweite Instanz verhandelnden Strafkammer produzierte Mühlhäuser den Taglöhner Am⸗ brosius Feuerstein aus Bad Nauheim. Die drei Be⸗ lastungszeugen, welche bei dem Vorfall unmittelbare Zeugen waren, beschworen auf das entschiedenste, der An⸗ geklagte habe den Verletzten Becker, ohne daß dieser vorher ihn beschimpfte, angegriffen. Es sei unwahr, wenn der Angeklagte behaupte, Becker hätte, ehe er ihn gepackt, eine Schippe in der Hand, zum Schlage ausgeholt, und er habe nur in der Notwehr gehandelt. Ambrosius Feuer⸗ stein, welcher zuerst unvereidet vernommen wurde, erklärte, er habe wahrgenommen, wie Becker den Angeklagten zuerst gröblich beschimpft und wie dieser dabei eine Schippe in der Hand gehabt habe. Der Zeuge will dann, um nichts

Steinberg, Ulrichstein, Watzenborn,

Wetzlar, Wieseck, Wißmar.

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weiter sehen zu wollen, seiner Wege gegangen sein. Die drei Belastungszeugen erklären übereinstimmend, der Zeuge Feuerstein sel bei dem in Frage stehenden Vorfall gar nicht zugegen gewesen, es sei auch ganz unmöglich, daß Becker eine Schippe in der Hand gehabt haben könne. Der Vorsitzende der Strafkammer machte den Zeugen Feuerstein darauf aufmerksam, daß er ihn nach dem Gesetz vereiden müsse, so schwer ihm dies auch im vorliegenden Falle werde, er möge die Folgen eines solchen Eides be⸗ denken. Derselbe blieb aber dabei, daß das, was er gesagt habe, von ihm auch beschworen werden könne. Auf Befragen erklärt der Zeuge, der Angeklagte habe nicht mit ihm gesprochen, was er hier auszusagen hätte. Der Vorsitzende ließ die Aussage des Feuerstein protokollieren und fragte ihn dann noch einmal, ob er das, was nieder⸗ geschrieben sei, beschwören wolle. Der Zeuge bejahte dies und wurde dann vereidet. Die Berufung des Mühlhäuser wurde vereidet. Dieser, sowie sein Kronzeuge wurden wegen Anstiftung zum Meineid resp. wegen Meineids in Haft genommen. Beide Verhaftete sind verheiratete Männer.

Bad Nauheim, 3. November. Mit dem gestrigen Tage sind die Badehäuser geschlossen worden und hat die 1897er Saison ihren Ab⸗ schluß gefunden. Sie war im ganzen von 17847 Kurfremden besucht, gegen 15288 Personen in 1896; wir sind also gegen das Vorjahr um 2559 Personen voraus. Vom 1. April bis 31. Oktober d. J. wurden 227 338 Bäder abgegeben, darunter 11528 Freibäder. In der vorjährigen Saison waren es 200 282 Bäder, darunter 11134 Freibäder, also heuer 27056 Bäder mehr. Die Einnahme betrug in der 1896er Saison nach dem von den Ständen vorgelegten Staatsbudget an Badegeldern 303956, an Kurtaxe 95465, zusammen 398 421.. Nach diesem Maßstabe möchten dieses Jahr rund mindestens 450 000 4 verein⸗ nahmt worden sein. Seit 14 Jahren hat unser Bad etwa die vierfache Steigerung der Personen⸗ und Bäderfrequenz erfahren.

* Darmstadt, 3. Nov. Das Regierungs⸗ blatt Nr. 39 enthält: Bekanutmachung, die dienstliche Benennung der Leiter der höheren Bürgerschulen betreffend. Nachdem seine könig⸗ liche Hoheit der Großherzog mittelst Allerhöchster Entschließung vom 27. d. Mts. zu genehmigen geruht haben, daß den definitiv angestellten, akademisch gebildeten Leitern der im Großherzog⸗ tum bestehenden höheren Bürgerschulen die dienst⸗ liche BenennungRektor beigelegt werde, so wird dies hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht.

Darmstadt, den 29. Oktober 1897.

Großherzogliches Ministerium des Innern.

Finger. Dr. Weber.

* Mainz, 1. Nov. In einer öffentlichen Versammlung beschlossen die in dem städtischen Gaswerk, Wasserwerk und Reinigungsamt be⸗ schäftigten Arbeiter sich zu organisieren. Zweck der Organisation ist die Erringung besserer Lohn⸗ und Arbeitsbedingungen. Als Referent fungierte der sozialdemokratische Stadtverordnete Tiefel. Es wurde ein Verein gegründet, der dem Ver⸗ band der Arbeiter in Gasanstalten und allen anderen städtischen Betrieben mit dem Sitz in Berlin als Mitgliedschaft beitreten wird. Es war dies das erste Mal, daß die in den städtischen Betrieben beschäftigt en Arbeiter zur Erörterung ihrer Angelegenheiten öffentlich zusammentraten. Bekanntlich haben sich die städtischen Arbeiter in Gießen ebenfalls organisiert.

Neuefte Telegramme.

Hd. Berlin, 3. Nov. Wie dieDeutsche Tageszeitung aus bester Quelle erfährt, wird der Reichstag bereits im letzten Drittel des November einberufen werden.

Hd. Berlin, 3. Nov. Großes Aufsehen erregt demBerl. Tagebl. zufolge in Breslau die Verhaftung eines Elternpa ares, von welchem beide Teile beschul⸗ digt werden, an ihrem fünfjährigen Töchterchen scheußliche Sittlichkeits verbrechen verübt zu haben. Entdeckt wurde die Sache durch Aerzte des Aller⸗ heiligenhospitals, wohin das Kind wegen Krankheit einge⸗ liefert worden war.

Hd. Venedig, 3. Nov. Der hiesige Gerichts⸗ hof verurteilte den Vertreter der englisch⸗ orientalischen Schiffahrtsgesellschaft zu drei Jahren elf Monaten Gefängnis wegen Unterschlagung.

Hd. Newyork, 3. Nov. van Wyck ist zum Bürgermeister von Newyork ge⸗ wählt worden. Man schätzt die Majorität auf 70 000 Stimmen.

Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmanpschen Buchdruckerei(Rademaker u. Keßler), Gießen, Schloßg. 18.