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Gießen, Sonntag, den 4. Juli
1897.
Poftztg. Nr. 3819. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
Gießen.
sische Landeszeilung.
Posigtg. Nr. 2819. Telephon⸗Nr. 112.
Medaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
8
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 3. Juni.(Zwei silberne Jubiläen.) Der Wirt eorg Atzbach sonnte gestern sein 25 jähriges Jubiläum als Mitglied der Gailschen freiwilligen Feuerwehr selern.— Der Reisende S. Joseph begeht morgen, Sonntag, sein 25 jähriges Jubiläum als Angestellter der Firma E. Friedberger Söhne. Beide Jubilare werden durch entsprechende Feiern hesonders geehrt werden.
* Gießen, 3. Juli.(Schöffengericht.)
18jährige Hedwig Becker von Jena, nit verschiedenen Vorstrafen ausgestattet, halte sich heute wegen Betrugs zu ver⸗ antworten. Es wurde ihr zur Last ge⸗ legt, vor einiger Zeit unter Vorspiegelung falscher Thatsachen bei dem Prof. Dr. Krüger dahtier 10. erschwindelt zu haben, wofür sie Trauringe kaufte. Prof. Krüger erkundigte sich tach der Angeklagten und erfuhr, daß sie ein auf die schiefe Ebene geratenes Dämchen war, worauf er Anzeige erstattete. Die Polizei nahm hie Angeklagte in Haft. Der Gerichtshof er⸗ kannte auf eine Gefängnisstrafe von 3 Wochen, die durch die erlittene Untersuchungshaft als ver⸗ büßt erachtet wurde.— Der 32jährige Heinrich Christian Pförtner von Hannover, vorbe— straft, hat dem Bahninspektor Richter in einer hlesigen Wirtschaft das Portemonnaie gestohlen. Der Angeklagte will das Portemonnaie vor der Mirtschaft gefunden haben. Da aber die Zeugen das Gegenteil bekundeten, erkannte das Gericht auf eine Gefängnisstrafe von drei Monaten und ahm den Angeklagten sofort in Haft.
Gießen, 3. Juli. Wir berichteten kürlich, daß das Oberlandesgericht Darmstadt im Gegen⸗ satz zur Strafkammer Gießen einen Arbeiter von der Anklage des versuchten Betruges freisprach, well es dessen Behauptung, er habe im Betriebe einen Unfall erlitten, wobei er verschwiegen, daß dleses Bruchleiden früher schon vorhanden ge⸗ wesen, als eine einseitig aufgestellte Parteibe⸗ hauptung erachtete, die nach der Rechtsprechung, selbst wenn sie falsch sei, nicht unter den Be⸗ Kugsparagraphen falle. Nunmehr hat das Reichsgericht in einem gleichen Falle die gegen⸗ sätliche Ansicht in einem Urteil gegen einen land⸗ Wirtschaftlichen Arbeiter ausgesprochen. Wir ent⸗ lehmen den Entscheidungen des Reichsgerichts in Straffachen Band 29, Seite 291, das Folgende: Ein Arbeiter hatte der Ortspolizeibehörde die Anzeige erstattet, daß er auf dem Wege zu einem Landwirt, um daselbst ein Ackergerät zu borgen, Ilso im landwirtschaftlichen Betriebe einen Bein⸗ bruch erlitten und stellte den Antrag auf Unfall⸗ lente. Die Sache ging den Instanzenweg und 8 stellte sich heraus, daß die Angabe falsch war.
Die
Es kam zur Verhandlung vor dem Strafrichter
gegen versuchten Betruges.
Der Angeklagte burde freigesprochen, weil
das Gericht der
Ansicht war, daß das Vorbringen nur als ein⸗ kettige een, als solche genau so wie hen
m Zivilprozeß, anzusehen sei, bei dem Verfahren lor dem Schiedsgericht wegen Erlangung einer lnfallrente. Der 4. Strafsenat des Reichsge⸗ lichts erklärte aber in seiner Sitzung vom „ Januar 1897 diese Ansicht des Vorderrichters ür rechtsirrtümlich und zwar aus folgenden Hründen. Die Versicherung der in land⸗ und orstwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Ar⸗ beiter; erfolge durch Gegenseitigkeit durch die Unternehmer, diese bilden in ihrer Gesamtheit ine Genossenschaft. Die Feststellung einer zu Listenden Unfallrente steht dem Vorstand einer Sektion bezw. der Genossenschaft oder einem Organ der Selbstverwaltung zu. Das Ver⸗ ahren vor dem Schiedsgericht tritt erst ein, venn der Verletzte gegen einen ablehnenden Be⸗ cheid Berufung einlegt. Der Vorstand oder as Organ der Selbstverwaltung kann ohne eine Rechtspflicht zu verletzen, den einfachen Angaben des Verletzten unbedingt Glauben schenken, da das betreffende Gesetz dem entscheidenden Organ Nerzu freie Hand läßt. Demgemäß sei rechtlich licht zu bestreiten, die Möglichkeit, daß die Mit⸗ Nieder des Organs durch falsche Angaben ge⸗ duscht in einen Irrtum versetzt und hierdurch in Betrug zwecks wiederrechtlicher Erlangung mes Vermögensvorteils zum Nachteil der Ge⸗ nossenschaft ausgeführt werde.
8 Gießen, 3. Juli. Der Vorstand der Irtskrankenkasse Gießen hat beschlossen, 90 ständigen Krankenkontrolleur mit einem chalt von 1300 4 pro Jahr anzustellen. ese Einrichtung wird sich bei der sont schwer
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Auzeigent 10 Pfg. für die Bspaltige Petttzeile.
Gießzen, 3. Juli. Die Vorstellungen des Zirkus Immans erfreuen sich fortdauernd der Gunst des Publikums. Die einzelnen Nummern wurden auch gestern Abend auf das lebhafteste applaudiert. Da das Kunst⸗ institut nur noch wenige Vorstellungen giebt, em⸗ pfiehlt es sich, geplante Besuche nicht aufzu⸗ schieben.
G. Fellingshausen, 3. Juli. Der hiesige Gesang verein feiert morgen, Sonutag, sein 7. Stiftungsfest. Zahlreiche Vereine werden daran teilnehmen, sodaß das beste Gelingen des Festes zu erwarten steht.
* Lauterbach, 3. Juli. Am 1. d. Mts. waren es 50 Jahre, daß Herr Oberlehrer Wolf sowohl in den öffentlichen, als auch in den Schuldienst der Stadt Lauterbach eintrat. Obgleich er eine öffentliche Feier nicht wünschte, so erschienen doch am Vormittag die Vertreter der verschiedenen Behörden des Lehrerstandes und des Quartettvereins, dessen langjähriger Leiter der Jubilar war, bei demselben, um ihn zu seinem Jubel⸗ und Ehrentag zu beglück⸗ wünschen. Herr Kirchenrat Dr. Stock, Dekan des Dekanats Lauterbach, überbrachte die Glück⸗ wünsche der obersten Kirchenbehörde, ferner die Herren Kreisrat Dr. Fischer und Kreisschul⸗ inspektor Andres die der obersten Schulbehörde, Herr Oberpfarrer Kullmann die des Kirchen⸗ und Schulvorstandes und Herr Bürgermeister Stöpler die der Stadt Lauterbach; letzterer über⸗ reichte dem Jubilar zugleich als Zeichen der An⸗ erkennung und Dankbarkeit einen silbernen Pokal. Die Lehrer des Konferenzbezirks Lauterbach widmeten ihrem Senior die Kulturgeschichte von Henne am Rhyn und der Quartettverein ein sehr hübsches Blumenbouquet in Form einer Lyra. Möge der Jubilar sich noch vieler Jahre körper⸗ licher Rüstigkeit uud geistiger Frische erfreuen.
* Mainz, 2. Juli. Die Elektrizitäts⸗ und die Straßenbahnkommission haben in einer gestern Abend abgehaltenen gemeinsamen Sitzung den Entschluß gefaßt, das Gesuch der Süd⸗ deutschen Eisenbahngesellschaft, bei der Einfüh⸗ rung des elektrischen Straßenbahnbe⸗ triebs innerhalb der Altstadt auch den Oberleitungsbetrieb einzuführen, abzulehnen und gleichzeitig beschlossen, innerhalb der Altstadt nur den Akkumulatorenbetrieb zuzulassen.
Standesamtliche Nachrichten. Geburten.
Am 23. Juni. Dem Spengler Georg Damer ein Sohn Rudolf Hermann.— Am 25. Juni. Dem Premier⸗ lieutenant August Schroeder ein Sohn, Gustav Georg Otto Arnold.— Am 27. Juni. Dem Fuhrmann Johannes Rausch ein Sohn, August Heinrich Richard.— Am 28. Juni. Dem Buchbindermeister Adolph Bourgeois eine Tochter.— Am 29. Juni. Dem Dachdecker Johannes Prang ein Sohn, Ludwig Heinrich.
Aufgebote.
Am 28. Juni. Ludwig Schenk, Schutzmann zu Worms, mit Marie Diehm hierselbst.— Am 29. Juni. Johannes Ludwig Mankel, Schneider dahier, mit Karoline Elise Helene Roth hierselbst. Heinrich Stimmer, Werk⸗ führer dahier, mit Marie Adelheid Frieda Quent von Ruhla, G. A.— Am 30. Juni. Julius Paul Kretsch⸗ mann, Hausdiener dahier, mit Marie Welker hierselbst. — Am 1. Juli. Johann Rühl Bambey, Vizefeldwebel dahter, mit Helene Elisabeth Jakobine Noll hierselbst.— Am 2. Juli. Johann Georg Waldschmidt, geschieden, Taglöhner dahier, mit Katharine Birk von Naunheim.
Eheschließungen. 5
Am 1. Juli. Richard Ernst Karl Klinkow, Kauf⸗ mann zu Frankfurt a. M., mit Helene Wiegelmann hier⸗ selbst.
Sterbefälle.
Am 27. Juni. Heinrich Hainbuch VI, 43 Jahre alt, Landwirt von Eudorf. Anton Keil, 58 Jahre alt, Steinbrecher von Görgeshausen. Georg Stenzel, 78 Jahre alt, Maschinenfabrikant dahter.— Am 28. Juni. Helene Krumm, geb. Weber, 40 Jahre alt, Ehefrau des Gast⸗ wirts Karl Krumm von Dreisbach. Elisabethe Henkel, 92 Jahre alt, Witwe des Schuhmachers Daniel Henkel dahter. Adam Paul, 41 Jahre alt, Postschaffner dahier. Jakob Ludwig Wilhelm Kreuter, 3 Jahre alt, Sohn des Schlossers Ludwig Kreuter dahier. Heinrich Biemer, 34 Jahre alt, Bergmann von Rodenroth.— Am 29. Juni. Ludwig Hein, 46 Jahre alt, Kaufmann dahier.— Am 30. Juni. Johannette Katz, 54 Jahre alt, Näherin von Beuern. Karoline Dietz, geborene Weis, 71 Jah re alt, Witwe des Oberstaatsanwalts Dr. Rudolf Dietz dahier. — Am 1. Juli. Christian Ehrhardt, 45 Jahre alt, Taglöhner dahier.
Auszug aus den Kirchen büchern der evangelischen Gemeinde.
Matthäusgemeinde.
Trauungen. Am 1. Juli. Richard Ernst Karl Klickow, Kaufmann
i kontrollierenden Anzahl(3200) Mitglieder der kasse bezahlt 5 8 5
zu Frankfurt a. M., mit Helene Wiegelmann, Tochter des
Kaufmanns Heinrich Wiegelmann zu Naumburg a. S.
Zirkus Im mans.
Beerdigte. Am 1. Juli. Karoline Dietz, geb. Weiß, Witwe des verstorbenen Staatsanwalts Rudolf Dietz, 71 Jahre alt, starb am 30. Juni.
Markusgemeinde. Taufen. Am 27. Juni. Dem Schaffner Wilhelm Keller eine
Tochter, Lina Elisabethe Luise, geb. am 27. Mai. Beerdigte.
Am 29. Juni. Georg Nenzel, Maschinenbauer, 77 Jahre alt, starb am 27. Juni.— Am 1. Jult. Ludwig Hein, Kaufmann, 47 Jahre alt, starb am 29. Juni.
Lukasgemeinde. Taufen.
Am 27. Juni. Dem Taglöhner Friedrich Jeschke ein
Sohn, Friedrich, geb. am 28. April. Beerdigte.
Am 30. Juni. Elisabeth Henkel, geb. Flach, Witwe
des Schuhmachers Daniel Henkel, 92 Jahre alt, starb
am 28. Juni. Johannesgemeinde. Taufen. Am 27. Juni. Dem Professor Dr. phil. Reinhard
Brauns ein Sohn, Hans Karl Ferdinand Walther, geb. am 19. März. Dem Schreinermeister Wilhelm Weigel eine Tochter, Elsa, geb. am 8. Mai. Dem Schuhmacher Peter Gerber eine Tochter, Elisabeth, geb. am 26. Mai. Beerdigte. Am 30. Juni. Adam Paul, Postschaffuer, 41 Jahre alt, starb am 28. Juli.
Vermischtes.
— Ein waghalsiger Klempner. Man erinnert sich des tollkühnen Wagnisses, das der Grazer Spengler⸗ gehülfe Josef Pircher vor einigen Jahren nachts in Wien zum Geburtstage des Kaisers Franz Josef ausführte, indem er den Stephansturm, den Blitzableiter entlang kletternd, bestieg und oben am Kreuz eine Fahne befestigte. Ueber Nacht wurde er ein berühmter Mann, reichlich flossen ihm Geldgeschenke und Anerkennungsschreiben zu, und auch der Kalser schenkte ihm eine wertvolle goldene Uhr. Seit dieser Zeit weilte er in Ungarn und reparierte schadhaft gewordene Turmkreuze und Blitzableiter. Nun ist er aber wieder in Wien, und kürzlich vollführte er, wie dem„N. W. Tagbl.“ gemeldet wird, abermals, und zwar auf dem etwa fünfzig Meter hohen Meidlinger Kirchturm ein rechtes Wagestück. Oberhalb der Turm⸗ uhr befestigte er nämlich eine Leiter und stieg dann auf den Turm und dann über die Kugel zum Kreuz. So⸗ dann befestigte er einen von ihm selbst konstruierten Sitz, den er mitgenommen hatte, an dem Kreuz, wo er sich nun in seinem Elemente befand. Mehrmals schwang er sich auf seinem Sitze im Kreise herum, als ob er sich vergewissern wollte, daß der Sitz tragfähig sei. Bis gegen Abend hatte er das Kreuz und die Kugel blank geputzt, sowie den Blitzableiter repariert. Eine riesige Menschenmenge umstand den ganzen Tag über die Meid⸗ linger Pfarrkirche.
— Der ewige Patient. In Madrid lebte, wie der„Imparctal“ erzählt, ein Handlungsreisender namens Lopez, der seine 120 Kilogramm wog. Da er befürchtete, auf der Eisenbahn das doppelte Fahrgeld zahlen zu müssen, wünschte er schlank zu werden. Der vorzügliche Spezialist Dr. A. riet ihm, weite Spaziergänge zu machen, und wirklich verlor er dadurch in einem Rauen beinahe 30 Kilo und war wieder ein normaler Mensch geworden. Aber durch die beständigen Spaziergänge, an die er nicht gewohnt war, zog er fich eine Geschwulst der Füße zu. Der berühmte Spizialist Dr. B. riet ihm, täg⸗ lich eine Zeit lang die Füße in feuchte Erde zu stecken. Dies Mittel hatte einen großartigen Erfolg für die Füße, leider zog er sich dadurch einen Kehlkopfkatarrh zu. Glücklicherweise gab er sich in die Kur des Spezialisten Dr. C., der durch sein in den Jahrbüchern der Heilkunde mit recht gepriesenes elektrisches Verfahren den Kehlkopf vollkommen wiederherstellte. Nur litt der arme Lopez seit dieser Zeit an Nervenstörungen, Halluzinationen und Schlaflosigkeit. Er befragte also den hervorragenden Spezialisten Dr. D., der ihn mit Brom behandelte und seine Nervenkrankheit vollkommen kuriecte. Aber ach! Das Brom hatte ihm den Magen ganz zu grunde ge⸗ richtet. Was blieb ihm übrig, als zu dem Spezialisten Dr. E. zu gehen, der durch seine vorzügliche Mastkur der Magen in einem halben Jahre wieder in Ordnung brachte. Was geschah aber da? Herr Lopez fing infolge der Mastkur wieder an dick zu werden und vor einigen Tagen, o Graus! wog er wieder seine 120 Kilo. Jetzt kann er wieder von vorn anfangen.
Neueste Telegramme.
Hd. Hamburg, 3. Juli. Im hiesigen Hafen geriet ein Fahrzeug mit über 2000 Colli Naph⸗ talin und einer großen Juteladung in Brand, wodurch andere Schiffe gefährdet waren. Es gelang, das eine starke Lohe verbreitende Schiff ins offene Wasser zu bringen und durch Anrennen mit einem Polizeidampfer den Untergang des Fahrzeugs herbeizuführen, wodurch jede weitere Gefahr beseitigt wurde.
Hd. Budapest, 3. Juli. Die landwirt⸗ schaftliche Arbeiter-Bewegung im Tief⸗ lände zeigt sich an vielen Orten. Da aber die Regierung umfassende Vorkehrungen getroffen hat, ist es bisher noch nirgends zu Ausschreitungen gekommen. An allen gefährdeten Punkten sind starke Abteilungen Militär und Gendarmerie
vorhanden.
edition: Kreuzplatz Nr. 4.
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erhalten die Arbeiter doppelte Löhne, an anderen Orten verweigern die Arbeiter rundweg die Ar⸗ beit, sodaß die Großgrundbesitzer in größter Ver- legenheit sind.
Hd. Brüssel, 3. Juli. Im Monser Kohlenrevier feiern 20 große Bergwerke mit 24000 Arbeitern. In das Streikgebiet ist Militär abgesandt worden. Die Arbeiter durchziehen die Straßen und fingen revolutionäre Lieder. Bisher ist die Ruhe nicht gestört worden. Ein von 6000 Streikenden in Jemuppes stattge⸗ fundene Versammlung beschloß die ent ⸗ schiedene Fortsetzung des Streiks.
Hd. Beuthen(Oberschl.), 3. Juli. Auf der Florentine⸗Grube sind 4 Bergleute infolge Einatmung brandiger Gase ums Leben gekom⸗ men. Zwei Heuer schweben noch in Lebensgefahr.
Hd. London, 3. Juli. Der„Standard“ meldet aus Konstantinopel: Die Botschafter haben als Kriegsentschädigung vier Millionen türkische Pfund angenommen. Die Pforte behauptet, die Kriegs-Ausgaben seien bedeutend größer gewesen. Die Pforte schlägt jede Grenz⸗Regulierung ab, welche ihr nicht La⸗ rissa und Trikala zuerkennt.
Hd. London, 3. Juli. Daily Chronicle meldet, die Friedensverhandlungen seien abgeschlossen, nachdem die Tür kei den Wünschen der Großmächte in der Kriegsentschädigung nachgegeben habe.
Eingesandt. Verehrteste Redaktion!
Sie veröffentlichten kürzlich ein Eingesandt in Ihrem Blatte, das sich gegen das allzu frühzeitige Beginnen des Schulunterrichts in der Stadtschule selbst für kaum schul⸗ pflichtig gewordene Kinder wendete. Sie dürfen versichert sein, daß das Eingesandt wohl im stillschweigenden Ein⸗ verständnis mit fast allen Eltern, deren Kinder früh morgens aus dem Schlafe herausgerissen werden müssen, geschrieben war. Die Frage ist nun angeschnitten und darf so lange nicht von der Tagesordnung verschwinden, bis sie gelöst ist.
Wer hat denn eigentlich ein Interesse daran, daß 6⸗ oder 7 jährige Kinder früh morgens 6 Uhr aus dem tiefsten Schlafe herausgerissen, schleunigst gewaschen, ge⸗ kämmt, gekleidet und abgefüttert werden, damit sie dann im Trabe den mehr oder weniger weiten Weg zur Schule zurücklegen und dort noch halbwegs weiter schlafen?
Daß 6 jährige Kinder morgens 6 Uhr noch nicht ausgeschlafen haben, wenigstens nicht im Sommer, wo sie doch nicht um 6 oder 7 Uhr abends zu Bett gebracht werden können, sollte doch jedermann einsehen. So lange z. B. mein Kind früh morgens 6 Uhr regelmäßig drel⸗ mal in der Woche aus dem Schlafe gerissen werden muß, schläft dasselbe regelmäßig an den be⸗ treffenden Tagen nachmittags von selbst ein. Stcherlich ist das ein Zeichen großer Müdigkeit, die an dem Tage nicht zutage tritt, an dem der Schuluntericht um 9 Uhr beginnt. Es sei ausdrücklich bemerkt, daß das betreffende Kind für sein Alter sehr stark ist.
Es wäre sehr erwünscht, wenn einer der Herren Stadtverordneten die Sache einmal in einer Sitzung zur Sprache brächte. Soweit bekannt, hat sich seither die Schuldeputation mit dkr Frage noch nicht beschäftigt. Es dürfte also notwendig sein, die Sache von Außen anzu⸗
schneiden. Ergebenst! . Marktpreise. Gießen, 3. Juli. Auf dem heutigen Wochen⸗
markt kostete: Butter p. Pfd. 80— 95 Pfg., Hühnereier 1 St. 6, 2 St. 13 Pfg., Enteneter 6 Pfg., Gänseeier 11 Pfg., Käse 5—8, Käsematte 3, Erbsen per Liter 18, Linsen 27 Pfg., Tauben per Paar 0,70— 0,90, Hühner p. St. 1,20— 1,40, Hahnen 1,30— 1,50, Enten 1,70— 2,00, Gänse per Pfund 48—54, Ochsenfleisch 66— 74, Kuh⸗ und Rindfleisch 60 bis 66, Schweinefl. 56— 66, Schweinefl., gesalz. 70— 72, Kalbfleisch 56—60 Pfg., Hammelfleisch 50— 60, Kartoffeln pro 100 Kilo 6—7, Zwiebeln per Zentner 8—9 Mk., Kirschen per Pfund 20—25 Pfg., Milch per Liter 16 Pfg.
Erprobte Rezepte!
Verschiedene Suppenarten werden sehr einfach hergestellt, indem man saubergeputzte und gut gewaschene Blumenkohlröschen, frische grüne, ausgelöste Erbsen oder ganz junge Bohnen, Spargelköpfchen und deren zarte Stengelteile, letztere in kleine Stückchen zerschnitten, in siedendem Wasser mit Maggi's Suppenwürze versetzt— 2 knappe Theelöffel voll Würze auf eine Bouillontasse Wasser— zusammen oder jede Art einzeln fünf bis acht Minuten aufkocht und über kleine, feine, etwas geröstete Weißbrotschnittchen gießt.
Alle diese Suppenarten sind ungemein leicht herzu⸗ stellen und können nicht wohl mißlingen.
Th. Haslinger.
Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmannschen
An manchen Orten verlangen und! Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 18.


