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Nr. 153
Gießen, Sonnabend, den 3. Juli
1897.
—
Poflztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
Gießen.
ische Landeszeilung.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Lokales und Provinzielles.
„ Gießen, 2. Juli. Herr A. F. H. Pascoe, ein geborener Gießener, Besitzer der Adler⸗Apo⸗ sheke zu Mühlheim a. d. R., hat auf der Welt⸗ ausstellung in Brüssel das große Ehrendiplom llebst goldener Medaille für von ihm fabrizierte und ausgestellte Eisentinktur und Trinkwasser⸗
1% Essenz erhalten.
* Gießen, 2. Juli. Das Programm für die bevorstehende Einweihungsfeier des für den Raufmännischen Verein erbauten Hauses ist nun⸗ mehr festgestellt. Nachdem das Gebäude am Samstag, den 10. ds. Mts., mittags 1 Uhr, feierlich übergeben, findet hieran anschließend in dessen Räumen ein Festessen und abends 9 Uhr ein Kommers statt. Am Sonntag Vor⸗ mittag werden die inneren Räume des neuen Hauses zur öffentlichen Besichtigung geöffnet und leichzeitig die Schülerarbeiten ausgestellt sein. Juchmittags ist im Vereinshaus von 3 Uhr an 0 und abends 9 Uhr in Steins Garten ein Ball vorgesehen.
* Gießen, 2. Juli. Die gestrige Vor⸗ stellung im Zirkus Immans war leider (wohl infolge des drohenden Gewitters) nicht so zahlreich besucht, wie die Eröffnungs⸗Vorstellung; bagegen waren die Leistungen der Künstler in demselben Maße wertvoll zu nennen, wie wir e bereits in der vorigen Nummer unserer eitung zu thun Veranlassung hatten. Mehrere orführungen, die auf dem Programm der ersten Vorstellung standen, wurden gestern wieder⸗ holt und mit stürmischem Beifall belohnt. Ganz besonders gefiel wieder das Auftreten des Herrn Direktor Im mans mit seinen dressierten Hunden.
Die neuen Programmnummern ließen erkennen,
daß der Direktion nur bedeutende Kräfte zur Verfügung stehen. In der für heute Abend an⸗ e Vorstellung wird sich das Ballet⸗ orps in einer Glanznummer zeigen und der Elektro⸗Musikal⸗Clown Reiff⸗Wels sein erstes Debut geben. Da der Zirkus nur noch drei Tage hier bleibt, versäume Niemand den Vor⸗ stellungen sobald wie möglich einen Besuch abzu⸗ statten. Gießen, 2. Juli. Das gestern Abend liedergegangene Gewitter, von dem unsere Stadt nur durch einen kurze Zeit andauernden Negenschauer gestreift wurde, hat in der näheren Umgegend nicht unbedeutenden Schaden ange⸗ lichtet. Nicht weniger als viermal hat der Blitz zün dend in Gebäude eingeschlagen. ge eine Hofraithe in Steinberg, Harbenteich und Eberstadt sind voll⸗ ständig niedergebrannt. In der Nähe don Grüningen sind Bäume durch den Blitz zerschlagen worden. Ein Verlust an Menschenleben ist bis jetzt nicht bekannt worden. * Steinbach, 1. Juli. Die hiesige Spar⸗ end Darlehenskasse, e. G. m. u. H., die im Schluß des abgelaufenen Rechnungsjahres FFPFSSrrrrrrrrrrrrPErAEAAEAEAEAEAEFVVAkIBABAk'r
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Anzeigen 10 Pfg. für die spaltige Petitzeile.
noch 20 Mitglieder zählte und über 281677 4 Aktiva verfügte, hat sich letzthin aufg elöst. Zu Liquidatoren sind die Vorstandsmitglieder Herren K. Gerhard 3., Ludw. Gerhard 1. und Ph. Haas 1. bestellt worden.
„ Dad Nauheim, 1. Juli. Vom 18. bis 24. Juni sind 894 Fremde angemeldet worden. Die Gesamtfrequenz beträgt jetzt 7800 Per⸗ sonen, 1200 mehr gegen dieselbe Zeit im Vor⸗ jahre. Anwesend sind z. Zt. 3884 Personen, darunter sehr viele Ausländer. Für die nächsten Tage werden zahlreiche englische Familien er⸗ wartet. Bäder sind vom 1. April bis zum 24. Juni d. J. 74 368 bereitet worden, 9271 mehr gegen das Jahr 1896.— Das städtische Spital ist von der Militärbehörde als Reserve⸗ lazarett der im Herbst in der Umgegend statt⸗ findenden Kaisermanöver in Aussicht genommen worden.
* Friedberg, 1. Juli. Heute Morgen um 11 Uhr fand auf der neuen Bahnstrecke Fried⸗ berg⸗Hungen in der Nähe von Friedberg eine Brückenprobe statt, die zur vollen Zufrieden⸗ heit der abnehmenden Beamten ausfiel. Die Erdarbeiten auf der Strecke hat die Frankfurter Firma Hofmann übernommen, die Brücke ist von einem Hüttenwerk in Westfalen erbaut. Um 1 Uhr nachmittags ereignete sich ganz in der Nähe ein Unfall, dem beinahe Menschenleben zum Opfer gefallen wären. An vier mit Kies beladenen Güterwagen versagte auf der ab⸗ schüssigen Strecke die Bremse. Die Wagen fuhren mit voller Wucht in das Erdreich hinein. Die Arbeiter, welche die Wagen besetzt hatten, be⸗ merkten rechtzeitig die Gefahr und retteten sich durch Abspringen. Die Wagen sind schwer be⸗ schädigt.
* Aus der Wetterau, 1. Juli. Die Heuernte kann nunmehr als beendet angesehen werden. Sie ist im allgemeinen viel reicher aus⸗ gefallen, als man anfänglich annahm. Auch die Qualität der eingebrachten Krescenz ist im Durch⸗ schnitt eine vorzügliche. Nur ganz wenig Heu wurde verregnet. Die Preise waren bei den Grasversteigerungen stellenweise ja wohl hohe, allein da das Gras sehr dicht stand, und man bei dem herrlichen Wetter nur wenig Arbeit auf der Wiese hatte, ist doch sehr billiges Dürrfutter eingebracht worden. Außerdem war es in diesem Jahr möglich, hier und da sehr reiche Vorräte an vorzüglich getrocknetem Klee einzubringen, sodaß die Futterböden eben gefüllter sind, als in den Jahren vorher.
* Aus dem Ohmthal, 1. Juli. Die Heuernte ist als beendet zu betrachten. Bis an die Dächer sind die Heuböden gefüllt; dabei ist das diesjährige Heu von vorzüglicher Be⸗ schaffenheit. Die Wiesen zeigen wiederum einen vortrefflichen Ansatz zum Grummet, sodaß auch ein gutes Grummetergebnis in Aussicht steht. Die Kartoffeln zeigen trotz dem überaus rauhen Bau der Kartoffelfelder im Frühjahr jetzt das
üppigste Wachstum. Die Gartenerzeugnisse, vor allem Bohnen, Gurken, Salat u. a., gedeihen prächtig. Die Preise des Rindviehs sind bei diesen landwirtschaftlichen Ergebnissen und Aus⸗ sichten allerdings in die Höhe gegangen, aber doch nicht in einer Weise, wie man sie erwarten konnte.
* Darmstadt, 1. Juli. Das großh. Ministerium hat soeben eine Verfügung 1 55 wonach in den Verhaltungsmaßregeln für die Gefangenen in den hessischen Gefängnissen eine Verschärfung eintritt. Die Verfügung lautet:„Alle Unterredungen, die nicht durch das Zusammenleben oder die gemeinschaftliche Arbeit notwendig sind, haben zu unterbleiben. Inso⸗ weit es den Gefangenen zu sprechen erlaubt ist, hat dies in deutscher Sprache und mit halblauter Stimme zu geschehen.
* Aus Rheinhessen, 1. Juli. Der land⸗ wirtschaftliche Verein unserer Provinz wird auch in diesem Jahre wieder 1 15 und zwar Zuchtbullen, Rinder, Böcke und Ziegen aus der Schweiz einführen. Die Kosten des Ankaufs, der Fracht und der Verpflegung der angekauften Tiere übernimmt der landwirtschaftliche Berein, der auch die Anmeldungen zum Ankauf bis zum 15. August entgegennimmt.
Vermischtes.
— Differenzen in Wörishofen. Aus Wöris⸗ hofen, der Stätte, wo Pfarrer Kneipp waltete, berichtet man über erhebliche Schwierigkeiten, welche durch Diffe⸗ renzen zwischen Dr. Baumgarten, der den Verstorbenen in seiner letzten Lebenszeit behandelte, und dem eigentlichen Nachfolger Kneipps, dem Prior der Barmherzigen Brüder, Reille, entstanden seien. Letzterem Orden sind nämlich urkundlich die Wörishofener Kuranstalten von Kneipp übertragen worden und Prior Reille nahm als ärztlichen Assistenten Dr. Mahr, woraus sich eine Konkurrenz zwischen Mahr und Baumgarten ergab. Ein Gerücht will wissen, daß Dr. Baumgarten im Besitze eines vor Zeugen aufge⸗ setzten Testaments Kneipps sei, welches ihn zu dessen Nach⸗ folger ernennt, während anderseits Reille eine aus dem Jahre 1894 datierte Erklärung in Händen hat, wonach der Orden der Barmherzigen Brüder Eigentümer der Kneippschen Anstalten und ihm das Recht eingeräumt wird, den Nachfolger für Kneipp zu ernennen. Unter diesen Umständen haben sich nun, wie die Münchener„Allg. Ztg.“ berichtet, die Zustände auf das Schärfste zugespitzt. Dr. Baumgarten soll erklärt haben, er werde den Kampf fortsetzen und siegen,— der Prior aber besteht auf seinem Schein.„Die Krisis“, so schreibt die genannte Zeitung, „werde sich in Wörishofen namentlich auch zu einer wirt⸗ schaftlichen gestalten“. Es ist in Wörishofen auf den Namen Kneipp sehr viel gesündigt, spekuliert, in die Luft gebaut worden. Eine ganze Anzahl von Villen ist ent⸗ standen, deren reizendes Aeußere nur schwach die innerlich lastenden Hypotheken verbirgt. Nun ist, trotz der 2000 Fremden, in der Frequenz doch ein erheblicher Rückgang zu verzeichnen im Vorjahre waren es 3000. Die Krankheit und der Tod Kneipps haben auf Wörishofen gewirkt wie eine schlimme politische Situation auf die Börse. Diejenigen, welche auf guten Grund gebaut haben, die älteren Villenbesitzer, die ihr Schäfchen nach dem Gold⸗
Komödie.
Von Fritz Anders. (Nachdruck verboten).
(Fortsetzung.)
Und beinahe wäre das wichtigste übersehen worden, die Claque. Natürlich dürfte bei einem modernen Drama dem Publikum nicht überlassen verden, seinen Beifall freiwillig zu spenden, es mußte bevormundet und auf die Stellen hingewiesen verden, an denen sich kunstgemäß das Wohlge⸗ allen zu äußern hatte. An großen Theatern hat gan seine Freunde, die eingeschworen sind, und auf lle man sich verlassen kann, man hat die Berufs⸗ Claque, die mit ein paar Worten und ein paar Kötelstrichen unterwiesen werden kann; in Blech⸗ sedt war von alledem nichts vorhanden. Es mußte les erst neu geschaffen werden. Welche Mühe bostete das, und uoch dazu bei diesem Zeitmangel!
Ein halbes Dutzend Leute, Handwerker und Arbeiter,
enen an der Arbeit nicht viel lag, war bald zu⸗ ammengetrommelt. Aber die Einübung! es ist gar licht zu sagen, wie ungeschickt solche Leute sind. klatschen, Trommeln, Bravorufen alles mußte ründlich eingeübt werden. Als man im besten Zuge war, die Uebung fand nämlich in der Woh⸗ zung August Springers statt, schickte der Hauswirt erauf und ließ höflich fragen, ob Herr Springer ielleicht verrückt geworden sei. Wie oft mußte Springer seinen Leuten die beifallswürdigen Stellen wrlesen, aber sie setzten stets falsch ein. Es wurde Aso der Schneidermeister Lobesämchen zum Ob— nann ernannt, und man rüstete ihn mit einem Hefte aus, das die nötigen Stichworte enthielt. vobesäm hen setzte seine Hornbrille auf, buchstabierte, während Springer vorlas, mühsam nach und kam
jedesmal zu spät. Es war zum Verzweifeln. Zu⸗ letzt bat der Dichter den Herrn Hofrat, ob er nicht die Fürsorge für Lobesämchen und seine Kohorte übernehmen wolle. Doch wies dies Krimper mit höflicher Bestimmtheit zurück. 8 N
Die Zeit flog nur so dahin. Springer glich einem gehetzten Rehe; er eilte zur Probe nach Haus, in der Stadt herum, zu den Freunden, wieder ins Theater und so fort von früh bis zum Abend. Es hat aber alles sein Gutes in der Welt, auch diese Hetziagd hatte für Springer das gute, daß er die Prüfungen leichter ertrug, die ihm der Direktor in den Proben auferlegte. Welche Prüfung kann für einen Dichter härter sein, als zu sehen, wie sein Werk, das er mit liebevoller Sorgfalt er⸗ dacht und gefeilt hatte, mit dem Beile zugehauen und mit„Schlagern“ und wirkungsvollen Akt⸗ schlüssen versehen wird, die seinen, des Dichters feinen und tiefen Absichten schnurstracks wider⸗ sprechen. Aber wer hielt den rollenden Stein auf, man mußte ihn rollen lassen.
Einen Trost hatte der Dichter: seine Frau. Seine Frau war allerdings nur eine Bürgerstochter, aber sie war rührend gut. Sie erlitt alles Un⸗ gemach mit ihrem Manne, sie lobte alles, was er lobte, sie that alles, was er wünschte, sie hatte den unerschütterlichen Glauben, daß ihr August zu Großem berufen sei. Wäre doch gleich gutes von den litterarischen Freunden zu sagen gewesen. Aber diese Freunde erwiesen sich als unzuverlässig. Sie hielten sich klüglich zurück, bereit, den Dichter im Stiche zu lassen, wenn die Sache schief ginge. Nur Krimper hielt, was er versprochen hatte, ja, er that mehr als das. Er trat mit Zeit, Kraft, Person und Tinte männiglich für Springer ein. Und dabei mußte er— er hatte es gleich gefürchtet
— den Schmerz erleben, daß von seinen Arbeitern auf der Rickenburg in seiner Abwesenheit eine ebenso unschätzbare wie unleserliche Inschrift aus⸗ gegraben wurde.
So kam der Abend der Aufführung. Ach, wie so ganz anders gestalten sich so oft die Dinge in der Wirklichkeit, als wie man es sich vorher gedacht hatte. Wie anders hatte dieser Abend vor den Augen August Springers gestanden. Er hatte ge— hofft, mit Sammlung, mit innerer Erhebung diesen seinen Ehrenabend durchkosten zu können, nun stürmte alles in wilder Hast auf ihn. Tausend Sorgen warfen sich in den Weg, nichts war fertig. Als er schon den Frack angezogen hatte, und als seine Frau an der Kravatte herumnestelte, die natürlich nicht sitzen wollte, und als der Herr Hof⸗ rat schon erschienen war, um den Dichter in den Musentempel zu führen, hatte der Gärtner immer noch nicht den Lorbeerkranz geschickt, der dem Ahnungslosen durch Freundeshand zugeworfen werden sollte. Und noch auf dem Wege zum Theater kam die erschütternde Kunde, daß Lobesämchen den Hexenschuß habe und nicht kommen könne, und daß er an seiner Statt seinen Schwiegersohn senden werde. Also auch das noch! Finstere Ahnungen stiegen in des Dichters Seele auf. Aber es war nichts zu machen; mochte kommen, was kommen mochte, es mußte ertragen werden.
Im Vorraume des Theaters in der Nähe der Kasse traf man den Direktor. Dieser strahlte vor Vergnügen. Das Theater war bis auf den letzten Platz besetzt, ein Ereignis, dessen sich die ältesten Leute nicht erinnern konnten. Schon trug man Stühle ins Orchester. Der Dichter, feine Frau und Krimper nahmen in der Prosceniumsloge Platz. Dies war zwar der schlechteste Platz im Theater,
Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
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regen der letzten Jahre im Trockenen haben, können die Sache abwarten, einen Ausfall tragen und ruhig auf die Zukunft vertrauen. Wer aber auf Sand gebaut hat, wird bald ins Purzeln kommen. Schon jetzt kann man Vlllen, für die im Vorfahre 18 000, verlangt wurden, für 14000, ja für 12 000 haben. Nach der früher übertriebenen Hausse ist jetzt jedenfalls eine übertriebene Baisse eingetreten. In einigen Monaten wird sich wohl elne mittlere Linie herstellen.
— Das Ende des Zirkus Renz. Der be⸗ kannte Zirkus Renz wird, so melden Berliner Blätter, vollständig aufgelöst werden. Kommissionsrat Franz Renz will nicht nur in Berlin den Zirkus aufgeben, sondern sich überhaupt ins Privatleben zurückziehen. Er hat am 30. Juni in Hamburg seinem gesamten Personal zum 31. Juli gekündigt. Ob er bloß geschäftsmüde geworden ist oder ob veränderte Zeiten und Verhältnisse ihn zu diesem Beschlusse bestimmt haben, weiß man nicht; man vermutet, daß beides zusammen der Fall ist. Die Künstler des Zirkusses werden natürlich durch diesen Schlag hart getroffen. Auch im Publikum wird man unzweifelhaft allgemein, und ganz besonders in Berlin, es lebhaft be⸗ dauern, daß dieser seit einem halben Jahrhundert welt⸗ berühmte Zirkus nunmehr verschwinden wird.
— Das Diamantjubiläum der Königin Viktoria. Am Mittwoch Nachmittag hat die Königin im Buckingham⸗Palast zu London die Vertreter des Par laments und der Städte empfangen, die ihre Adressen überreichten. In feierlicher Prozession zogen beide Häuser gemeinsam nach dem Palast. Die Mitglieder des Unter⸗ hauses folgten großenteils zu Fuß der alten Staatskarosse des Sprechers, der die offiziellen Insignien trug. Nach Ueberreichung der Adressen kehrten die Mitglieder des Unterhauses nach dem Parlamentsgebäude zurück. Der Sprecher verlas nunmehr die Antwort der Königin auf die Adresse, in der die Königin ihren Dank aussprach. Sie sei tief bewegt von den zahlreichen, loyalen und liebevollen Kundgebungen. Später empfing die Königin, deren Befinden trotz der großen Anstrengungen sehr gut ist, die Vorsitzenden und Abgeordneten der Graf⸗ schaftsräte und die englischen und schottischen Bürger melster in Gegenwart des Hofes. Hierauf verließ die Königin den Palast, um sich zu den in dem Green⸗Park versam⸗ melten Schulkindern zu begeben, die etwa 10 000 an der Zahl, von einer großen Menschenmenge, zumeist den Eltern, begleitet waren. Bis zur Ankunft der Königin war unter die Kinder Kuchen, Süßigkeiten und Milch verteilt worden. Die Kinder fangen unter Begleitung von Militärmusik die Nationalhymne. Die Königin begab sich hierauf nach dem Peddington⸗Bahnhofe, von wo ste mit der Kaiserin Friedrich, dem Herzog von Connaught und der Prinzessin von Battenberg nach Windsor abreiste. Unterwegs besuchte sie das Eton⸗Kollege, wo ein festlicher Empfang seitens der Schüler stattfand. Abends war die Hauptstadt wieder festlich erleuchtet. Die Galaoper im Conventgarden⸗Theater nahm in Gegenwart zahlreicher Fürstlichkeiten einen glänzenden Verlauf. Die Königin war durch den Prinzen und die Prinzessin von Wales vertreten.— Die jetzt bekannt werdenden Unfälle, die sich beim Festzug am Dienstag ereigneten, sind sehr gelinder Art. Der Träger der Königsstandarte hinter dem Wagen der Königin wurde vom Pferde abgeworfen, erlitt jedoch keinen Schaden und konnte sofort wieder aufsitzen. Auch sonst sind einzelne Reiter gestürzt, ebenfalls ohne Ver⸗ letzungen zu erleiden. Etwa 20 Frauen wurden an den Kreuzungspunkten, wo die Menge am dichtesten war, ohn⸗ mächtig weggetragen. Zwei Männer fielen von einem aber es war doch undenkbar, daß der Dichter bei einer Première wo anders als der Prosceniumsloge weilte.
In der That, das Theater war gefüllt. Frei⸗ lich fehlten viele, die eigentlich hätten da sein müssen. Es war so zu sagen ein Publikum zweiter Güte. Die werte Verwandtschaft, die einen großen Kreis bildete, glänzte durch Abwesenheit, und die litterarischen Freunde hielten sich im Hintergrunde. Aber die Beifallskohorte war am Platze.
Der Dichter war in nervöser Unruhe. Es litt ihn nicht in dem engen Raume, es zog ihn nach der Böhne. Hier hielt er jedem der Darsteller, dessen er habhaft werden konnte, noch eine be⸗ sondere letzte Ansprache, in der er auf diese Wen⸗ dung und jene Feinheit ausdrücklich hinwies. Woran doch ein Dichter alles denken muß! Man hatte vergessen, die Uhr auf dem Kamin anzustoßen, deren Ticken doch von so großer realistischer Wirkung sein sollte. Springer war noch eben damit be⸗ schäftigt, dies der„Frau Kommerzienrätin“, die bereits auf ihrem Sopha Platz genommen hatte, auseinanderzusetzen, als ihn zwei starke Arme er⸗ griffen und kurzerhand hinter die Kulisse beförderten. Ein Glockenzeichen, der Vorhang rauschte empor, und die Komödie begann, Auguft Springer be⸗ gleitete sie mit Winken und ausdrucksvollen Ge⸗ bärden, ermunterte, mißbilligte, alles gratis et frusta. Es ging alles seinen Gang, als wenn er gar nicht dagewesen wäre. Der Souffleur sprach viel zu laut und war für Winke und mißbilligendes Kopfschütteln gänzlich unzugänglich. Und das hatte seinen guten Grund. Denn der Direktor hatte am Schlusse der Hauptprobe den Armeebefehl ausge⸗ geben: Wer auf den verrückten Kerl von Dichler hört, dem kostets fünf Mark Gageabzug.(FJorts. f.)


