Ausgabe 
3.6.1897
 
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Nr. 127

Gießen, Donnerstag, den 3. Juni

Postztg. Nr. 3319. Telephonu⸗Nr. 112.

hessische Landes

usgabe

Gießen.

Postztg. Nr. 3319.

Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

5 8

Aus dem Jahresbericht der hessisehen Fabrikinspektoren. 1. Gießen, 2. Juni 1897.

Am meisten dürfte unsere Leser wohl das an dem Fabrikinspektor über Gießen und e Zigarrenindustrie Gesagte interessieren. berr Baentsch berichtet darüber:

lleber die Veränderungen, welche die ober ssische Zigarrenindustrie im Berichtsjahr er⸗ hren hat, bei der hauptsächlich weibliche beitskräfte Verwendung finden, giebt nach hende Uebersicht Aufschluß.

a 8 Mäynl. Arbeiter.] Arbeiterinnen: Näbljabr.] Fabriken. 7 8 e erwachs. jugendlerwachs. jugendl.

1896 39 595 86 1661 233 1895 34 561 60 1525 241 1894 33 513 73 1405 184 1892 36 487 45 1341 194 1890 32 514 77 1187 237 1888 30 504 52 1079 162

Es hat hiernach in dem abgelaufenen Jahr ne starke Vermehrung der Arbeiter in dieser bdustrie wiederum stattgefunden, und sind es zuptsächlich Arbeiterinnen, welche zur Ein⸗ allung gekommen sind. Die im vorjährigen bericht gemachte Unterscheidung zwischen Stadt hießen und Umgebung von Gießen sei auch hier nieder ergänzt.

Stadt Gießen.

a Männl. Arbeiter:] Arbeiterinnen: Jäbljahr. ffabriken 25 IU erwachf jugendl, erwachs. jugendl.

1896 18 379 46 741 96

1895 14 369 24 619 84

1894 16 379 40 648 86

1892 15 331 26 672 88

1890 15 364 40 637 98

1888 15 364 30 582 77

Umgebung von Gießen. N. Männl. Arbeiter:] Arbeiterinnnen: hljahr.] Fabriken 3 erwachs. jugendl. Lerwachs. jugendl. 1896 21 216 40 920 137 1895 20 185 36 906 157 1894 17 134 33 7157 98 1892 21¹ 156 19 669 106 1890 17 150 37 550 139 1888 15 140 22 497 85 ö

Wenn auch eine Vermehrung um 4 Fabriken verzeichnen ist, so sei hier erwähnt, daß drei um diesen nur klein, in den Anfängen begriffene detriebe sind und nur eine größere Fabrik ent⸗ anden ist. Eine größere, leistungsfähige Fabrik wieder auf dem Lande erbaut worden und at eine Zunahme der Arbeiterschaft herbei führt.

Es ist also der im vorjährigen Bericht näher surgelegte Entwickelungsprozeß, nämlich des lebergangs der Zigarrenindustrie aus r Stadt auf das flache Land, den lebeitskräften nachgehend, in stetiger Zu⸗ uh me begriffen. Auch haben sich mittlerweile ige aus kleinen Anfängen, durch Hausindu⸗ tie hervorgegangene Betriebe zu Fabrikbetrieben itwickelt.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Anzeigen i 10 Pig

Fg 1 Lokales un * Gießen, 2. Juni. Der dritte Arzt an der Landes⸗Irrenanstalt Oberarzt Dr. Heinrich Kratz ist zum zweiten Arzt und der Assistenz arzt Dr. Ludwig Römheld zum dritten Arzt an der Landes-Irrenanstalt in Heppenheim er nannt.

Gießen, 2. Juni. Dem Pfarrer Otto Fischer zu Schlitz ist die evangelische Pfarr stelle zu Goddelau, Dekanat Eberstadt, über tragen.

* Gießen, 2. Juni. Der Preiskorso am Sonntag ist auf Veranlassung des photographischen Verlags von H. Noll, Marktplatz, in einzelnen Gruppen photographisch aufgenommen. Vorzüg liche Aufnahmen sind erzielt von den Vereinen Darmstadt, Butzbach, Bad Nauheim, Lauterbach undWanderer-Gießen.

* Gießen, 2. Juni. Während des Rad⸗ fahrerfestes sind auf dem Festplatz 125 Hekto⸗ liter Bier verzapft, 1180 Flaschen Selters wasser wurden geleert. 1800 Paar Wiener Würstchen waren vom Wirtsausschuß beim Metzgermeister A. Möhl, Bahnhofstraße, bestellt und nicht ein Paar blieb davon übrig. Auf der Terrasse war am Sonntag Abend schon frühzeitig die warme Küche ausverkauft. Zwei Zentuer Fleisch waren verbraten worden. Ohne die Brötchen hat der Wirt 200 Brote verschnitten. Auch die Menge der als Beleg verkonsumierten Wurst und des Schinkens ist eine sehr ansehnliche.

* Gießen, 2. Juni. Der Scheinwerfer, den Herr Bichler nur leihweise für das Fest sich verschafft hatte, wird auch für die Folge von der Hardt seine Strahlen in die Umgegend werfen. Trotz des Preises von 1600*. hat der Besitzer des Etablissements sich entschlossen, den Schein werfer als Eigentum zu erwerben, um mittels desselben den Weg von der Stadt bis zur Straße nach der Terrasse mit Licht versehen zu können.

* Gießen, 2. Juni.(Strafkammer.) Gestern verhandelte die Strafkammer hinter ver⸗ schlossenen Thüren in mehrstündiger Sitzung gegen den 50 Jahre alten Landwirt Joh. Schön⸗ holz von Billertshausen. Derselbe war der Blutschande an seinen eigenen 9 und 11 Jahre alten Mädchen beschuldigt. Zur Verhandlung waren als Sachverständige die Professoren Som⸗ mer, Bose und Fuhr geladen. Der Staatsan⸗ walt beantragte wegen mangelnden Beweises die Freisprechung, auf welche das Gericht erkannte.

Gießen, 2. Juni.(Besitzwechsel.) Der Wiener Hof wurde heute für 90 000% zum Zwecke der Erbauung des evangelischen Schwesternhauses von dem seitherigen Be⸗ sitzer verkauft.

* Lollar, 2. Juni. Die neue Haltestelle Wißmar der Wetzlar⸗Lollarer Bahn ist gestern eröffnet worden.

* Rödgen, 2. Juni. Am 1. Juli d. J. wird die hiesige Haltestelle eröffnet. Die⸗ selbe dient nur für Personenverkehr. Direkte Fahrkarten über Gießen und Fulda hinaus werden vorerst nicht verausgabt.

* Neu- Ulrichstein, 1. Juni. In der Ar⸗ beiterkolonie befinden sich soeben 52 Stellen-, bezw. Arbeitslose, davon aus dem Großherzog tum 8, aus den Reg.⸗Bez. Kassel und Wiesbaden

Provinzielles.

Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die Ispaltige Petitzeile.

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

10, bezw. 5. Arbeiter waren unter der Gesamt⸗ zahl 23, ferner von anderen Berufsarten je 3 Kaufleute und Kellner, je 2 Anstreicher, Bäcker, Former, Küfer, Schlosser, Schneider, Tüncher, je 1 Konditor, Drechsler, Gärtner, Kupferschmied,

Spengler, Landwirt, Schuhmacher, Schreiner, Schreiber. An 1372 Tagen wurde gearbeitet;

an 1638 Tagen verpflegte die Kolonie. 17 Mann wurden entlassen, darunter 8 wegen Arbeitsscheu (Kontraktbruchs), 7 auf eigenen Wunsch. Die bisherige Gesamtfrequenz der Kolonie hat 2960 betragen.

* Darmstadt, 1. Juni. Der Jagdpächter Daub von Groß-Bieberau, ein 60 jähriger Mann, hatte das Unglück, seinen Mitpächter, den Guts⸗ besitzer Simmermacher, auf der Jagd zu er⸗ schießen. Als Daub sah, welches Unglück er angerichtet hatte, bedeckte er den toten Kollegen mit seinem Rock, nahm alsdann die Flinte und schoß sich selbst eine Kugel in den Kopf. Der Tod war nach derWorms. Ztg. sofort ein⸗ getreten.

* Offenbach, 1. Juni. In den 27 Obst⸗ verwertungsgenossenschaften, die vor Jahresfrist in Deutschland bestanden und in den Händen der Landwirte waren, sind im letzten Jahre mehrere neue hinzugetreten, darunter drei in Rheinpreußen, eine in Hannover, eine in Schleswig⸗Holstein. Außer den Genossenschafts⸗ verbänden beginnen sich auch die Landwirtschafts⸗ kammern und landwirtschaftlichen Zentralvereine mehr für den Obstbau zu interessieren. Es werden besondere landwirtschaftliche Wanderlehrer für Obstbau angestellt. Der Allgemeine Verband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaft giebt bekannt, daß er auf seinem Genossenschafts, tag zu Dresden Ende August d. J. die genossen⸗ schaftliche Obstverwertung eingehend zu erörtern beabsichtigt.

* Mainz, 1. Juni. Eine recht eigentümliche Eingabe hat das gesamte Oktroipersonal an die Bürgermeisterei gerichtet. In der Oktroi⸗ debatte haben die Stadtverordneten Schäfer das Oktroi einegesetzlich sanktionierte Wege lagerei und einmodernes Raubsystem genannt. Die Oktroibeamten hoben in ihrer Eingabe an die Stadtverwaltung hervor, daß diese Aeußerungen zwar rein sachlicher Natur seien, ein großer Teil des Publikums sie aber persönlich auffasse, wodurch ihr Dienst sehr er⸗ schwert würde. Aus diesem Grunde legen die OktroibeamtenVerwahrung gegen diese Aus⸗ drücke ein.

* Mainz, 1. Juni. Der 21 Jahre alte Spengler und Blecharbeiter Jean Möcks stürzte gestern Abend in einem Hause der Pfaffengasse so unglücklich die Kellertreppe hinab, daß er das Genick brach. In einem Anflug von Geistes⸗ gestörtheit hat sich in letzter Nacht der 46jährige Buchbinder Johann Joseph Hartmann erhängt. Während des Chemieunterrichts im Real⸗ gymnasium explodierte gestern ein als Gasometer be nutztes Blechgefäß unter starker Detonation. Ur⸗ sache der Explosion war der Rest eines Gases, welches Vermengen mit Sauerstoff nicht verträgt und den im Wasser enthaltenen Sauerstoff löste. Dem dozierenden Lehrer Herrn Dr. Friedrich wurden durch das ausströmende Wasser die Kleider verdorben; die Schüler kamen mit dem Schrecken davon.

Vermischtes.

Durch das Lesen von Schauderromanen angeregt, haben sich in Schwelm zehn junge Burschen im Alter von 16 20 Jahren zu einer Räuberbande verbunden und in letzter Zeit dort, sowie in der Umgegend eine große Reihe von Einbruchsdiebstählen ausgeführt. Als Anleitung zu ihrer Verbindung hat der Schundroman Schinderhannes gedient. Die Bande hatte ihren Haupt⸗ mann und jedes Mitglied führte einen Räubernamen, wie schwarzer Wolf, Anton Bärenherz,Falkenauge, Eisenfaust,der schlaue Fuchs,José usw. Unter dem WahlspruchEinigkeit macht stark wurde jedes Mitglied dem Hauptmann durch einen Eid auf Messer und Revolver verpflichtet. Die betreffende Eidesformel lautete:§ 1. Jeder Verrat oder Ungehorsam wird mit dem Tode bestraft.§ 2. Jeder Räuber ist verpflichtet, seinen Kameraden als Bruder zu betrachten. Zuwider⸗ handlungen werden mit Disziplinarstrafen bestraft. § 3. Wenn ein Kamerad Beute gemacht hat und giebt dieselbe nicht richtig ab, so muß er den Betrag aus seinen eigenen Mitteln zurückgeben.§ 4. Derjenige, welcher beim Kartenspiel gewinnt, und Derjenige, welcher betrügt, muß die gewonnene Summe zurückgeben.§ 5. Wenn einer seine Kameraden unter Vorspiegelung falscher Thatsachen um Geld oder um eine gute Gelegenheit, Beute zu machen, bringt, so wird er zu 2030 Mark Geldstrafe verurteilt. Wenn diese Eidesformel auch äußerst verworren und komisch ist, so darf man das ganze doch nicht allzu harmlos ansehen. Die Burschen hatten sich nicht weniger als vier Revolver und scharfe Patronen angeschafft. Einer der Burschen bemerkte bei seiner Ver⸗ haftung, daß sie bei Entdeckung der Bande durch die Polizei für diese 24 Schüsse in Bereitschaft gehalten hätten. Die Beute brachten die Räuber in einer Höhle unter, die sie selbst angelegt haben. In ihrem Besitze fanden sich nicht weniger als 70 Schlüssel vor.

Die entlassene Prima⸗ Ballerina. In der Affaire, welche zwischen dem Intendanten des Hof⸗ theaters in Budapest, Baron Nopesa, und der ge⸗ wesenen Prima- Ballerina der dortigen Oper, Fran Katharine D.⸗Müller, aufgetaucht ist, veröffentlicht die genannte Künstlerin imM. Hirado die nachfolgende Erklärung:Der authentische Berichterstatter derBuda⸗ pester Korrespondenz verbreitet über meine Angelegenheit falsche Mitteilungen. Es ist nicht wahr, daß mir der Intendant die Stelle einer Balletmeisterin angeboten habe. Verhandlungen dieser Art sind nach dem bei der königl. Oper geltenden Statut schriftlich zu führen. Der Herr Intendant möge in dieser Angelegenheit auch nur einen geschriebenen Buchstaben aufweisen! Der Herr Intendant hat zwar einmal Anspielungen auf irgend eine Ballet⸗ aufseherinnenstelle gemacht, doch statt eines schriftlichen Antrages erhielt ich bloß jenes Entlassungsbrieflein von zehn Worten, das die Sonntag erschienenen Blätter mit⸗ geteilt haben. Es ist nicht wahr, daß ich an der königl. Oper seit 22 Jahren wirke. Das wird sich bel meiner Pensionierung herausstellen, wenn man mir nur 18½¼ Jahre einrechnen wird. Ich bringe mit meinem Tauf⸗ schein den Nachweis, daß ich 33 Jahre alt bin, Mädchen von 11 Jahren werden aber beim Ballet nicht angestellt. Die authentische Quelle will mich nur älter machen und wirft mir deshalb die Dienstleistungen meiner Kinder⸗ zeit vor. Prima⸗Ballerina der Oper war ich bloß sieben Jahre hindurch. Der Herr Intendant möge mir den wahren Grund meiner Entlassung mitteilen, der kein anderer ist, als daß ich meiner Meinung über die vom Herrn Intendanten im National⸗Kasino veranstalteten Balletsoupers freimütig Ausdruck geliehen habe. Das war mein einziges Vergehen, nur das kann es sein. Ich bin nicht alt, nur anständig! Katharine D.⸗Müller.

Eine gruseligeIllusion. Eine Hint richtung auf der Bühne ist die neueste Sehenswürdigkei⸗ in einem bekannten Pariser Café chantant. Das grau⸗ sige Schauspiel soll wirklich täuschend nachgeahmt sein, und es ist interessant, dessen Verlauf zu erfahren. Es

er Vogelsberg. Eine Skizze von Aug ust Muhl. (Nachdruck verboten)

Willst Du in die Ferne schweifen? Ach das Gute liegt so nah'!

Keinem von den deutschen Mittelgebirgen ist nohl bisher weniger Beachtung geschenkt worden, as gerade dem so unübertreffliche Schätze bergenden dogelsgebirge mit seinem Quellenreichtume, seiner nichen, von keiner Gebirgsgegend übertroffenen ora, seinen prachtvollen Buchenwaldungen, welche tan nirgends in so überwiegender Menge und Schönheit vorfindet, und seiner reinen, sauerstoff⸗ süchen, die Lungen erquickenden Gebirgsluft; ja ist uch geradezu im Frühlinge, der hier freilich zumeist it im Juni in seinem vollen Glanze sich zeigt, seselbe ein Lebenselixier für schwache Lungen, und ja das so verbreitete Schreckgespenst, die Lungen- spwindsucht, im Vogelsberg geradezu eine Abnormität. viese großen Schätze, welche der fast vollständig un den vielen, Heilung und Stärkung Suchenden morierte Vogelsberg birgt, werden von den zahl⸗ ichen Brustleidenden irrtümlicher Weise oft in wit abgelegenen, kostspieligen Luftkurorten vergeblich ssucht.

gute Milch, frische Eier, mäßige Bewegung sind die bisher als einzig wirksamsten Faktoren zur Belebung und Stärkung schwacher Lungen. Und wo könnte das Wasser reiner sein als in dem Basaltmassen⸗ gebirge, dem Vogelsberge? Verwendet doch deshalb das geldreiche Frankfurt Millionen auf die Leitung des guten Vogelsberger Quellwassers bis in seine Wohnungen. Wo könnte die Milch schmackhafter und würziger sein, als gerade im Vogelsberg mit seinen saftigen, gras- und kräuterreichen Wiesen und Triften, welche auf dem quellenreichen Basalt⸗ boden, im Frühlinge mit ihrer Vegetation etwas lange zurückgehalten, dann aber in kürzester Zeit in erstaunlicher Ueppigkeit prangen?

Wenn auch noch bis jetzt keine Bahnstation dem eigentlichen Vogelsberge sehr nahe gerückt ist wiewohl die Oberhessische Bahn, wenn dieselbe in gerader Richtung die Provinz durchschnitten, und also über den Vogelsberg nach Fulda geführt worden wäre, eine Zukunft auf Weltverkehr ge⸗ habt, so sind doch jetzt meistens auf herrlichen Chausseen gut angelegten Vizinalwegen und ange⸗ nehmen schattigen Waldwegen die Höhen des Vogels⸗ berges leicht zu erreichen.

Am anmutigsten find die nach Westen sich öffnenden Thäler desselben, da diese enger, also tiefer und romantischer find, als die mehr flachen östlichen,

unteren Altfell die beiden interessantesten sind. Unter den ersteren dagegen sind das Nidda- und Nidderthal die einzigen in jenem das Stunden vom Ursprung der Nidda, höchst anmutig gelegene Kreisstädtchen Schotten mit seiner in demselben Style wie die Friedberger und Oppenheimer Katharinenkirche erbauten alten Kirche, in dessen Näbe der vielgenannte und äußerst romantische Altenburgskopf sich befindet, und das von der Bahnstation Nidda aus durch den Zmal des Tags verkehrenden Postomnibus in Stunden zu er⸗ reichen ist. Von hier aus, wo die Reisenden die beste und billige Aufnahme, auch stärkende Fluß⸗ und jetzt sogar warme Bäder finden, kann man die Höhenpunkte des Vogelsberges: Taufstein, Geißel⸗ stein und Hohenrotskopf, in kurzer Zeit erreichen.

Von Schotten überdie Feldkrücker Höhe führt die, gleich einer blauen Ader sich an den Höhen hinwindende Landstraße nach Lauterbach. Auf der Höhe angelangt, öffnet sich ein Panorama, das an Schönheit seines Gleichen sucht: nach W. die gesegnete Wetterau mit ihren bewaldeten Hügeln und feuchtreichen Niederungen, deren Hintergrund der, besonders nach Sonnenuntergang koloßartig sich abhebende Taunus bildet.

Der Anfangsort des so reizenden Nidderthälchens ist Gedern; ein Marktflecken mit einem gräflichen

Gesundes Wasser, reine frische Gebirgsluft,

unter denen wohl das der Moosbach und der

Schlosse, umgeben mit schönen Parkanlagen. Hier

mt

findet der Reisende ebenfalls wie überall in den Städtchen und bedeutenderen Orten des Vogels bergs gute und billige Aufnahme, wie nirgends anders, vor. Von der nächsten Bahnstation Stock heim bis Gedern gelangt man in längstens 2 Stunden durch den Omnibus, welche Tour indessen eine reizende ist, zumal man von dem Bergstädtchen Lißberg resp. Ortenberg aus nach der groß herzoglichen Villa mit PachthofKonradskloster bis Lindheim hinab die herrliche Perspektive hat.

Die Fernsicht von den höchsten Punkten des Vogelsberges, wie namentlich des Taufsteins, des Hohenrotskopfes und der Herchenhainer Höhe, welche Punkte ca. 2800 Fuß über dem Meeresspiegel sich erheben, ist eine solche, wie sie wohl von keinem Gebirge Deutschlands übertroffen wird: im Osten wird dieselbe durch die Röhn, im W. und SW. durch den Taunus und die Ausläufer des Wester⸗ waldes: Haußberg bei Butzbach und Dünsberg bei Gießen, im S. durch den Spessart und SW. durch den Odenwald begrenzt. Nach Norden hin reicht die Aussicht vomUlrichsteiner Schloßberge sogar, freilich bei sehr hellen, klarem Himmel, bis zum Brocken.

(Schluß folgt.)