Ausgabe 
3.3.1897
 
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Gießen, Mittwoch, den 3. Mürz

1897.

Poftztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

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undeszeitung.

Ausgabe Gießen.

Postztg. Nr. 3239 a. Telephou⸗Nr. 112.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 2. März. Das Leben und Treiben am heutigen Karnevalstage ist gegen die Vorjahre etwas zurückgegangen, wozu auch die ungünstige Witterung dazu beigetragen haben mag. Erst in den Nachmittagsstunden bevölkerten sich die Straßen und Prinz Karneval behauptet nur in geringem Maße seine Autorität. Der auf dem Kirchenplatz wie alljährlich von der Studentenschaft geriebene Salamander kann in keiner Weise unsern Beifall finden. Ver⸗ schiedene Vereine veranstalten heute Abend Kappensitzungen und Maskenkränzchen.

Gießen, 2. März.(Stadttheater.) Auf die morgen im hiesigen Stadttheater statt⸗ findende erste Abonnementsvorstellung ewt im Frieden) sei hierdurch wiederholt ingewiesen. Fernere Spieltage dieser Woche sind Donnerstag und Freitag. Das Gastspiel Matkowsky betreffend, geht uns aus dem Theaterbureau die weitere Meldung zu, daß der Künstler alsOthello,Kran und wahrscheinlich alsKarl Moor in SchillersRäuber gastieren wird.

* Gießen, 2. März. In der hiesigen Klinik wurde vor wenigen Tagen an einer Frau aus Weickartshain vermittelst der Röntgenstrahlen die Lage einer vor etwa drei Monaten in die Hand eingedrungenen Nadel festgestellt, die bis⸗ her trotz operativen Eingriffes nicht entfernt werden konnte. Die Frau, welche Monate lang vergeblich den Arzt konsultierte, dürfte dadurch in allerkürzester Zeit von dem schmerzhaften Leiden befreit sein.

* Grünberg, 2. März. In unserer in⸗ dustriearmen Gegend erwächst der ärmeren Be⸗ völkerung durch die Haus weber ei die meist neben etwas Ackerbau betrieben wird, ein vollkommener Verdienst. In den meisten Ortschaften ist be⸗ sonders un Winterszeit fast in jedem Hause ein Webstuhl in Thätigkeit. Die hiesige Wollweberei, die in den letzten Jahren einen bedeutenden Auf⸗ schwung genommen, ist in allen Gegenden Deutsch⸗ lands bekannt und bildet einen Haupterwerbs⸗ zweig vieler Bewohner der Umgegend. Wöchent⸗ lich einmal werden die gefertigten Stoffe an die hiesigen Geschäfte abgeliefert und die zur Ver⸗ arbeitung nötigen Garne in Empfang genommen. Die Hausindustrie würde aber, von einem andern Stund punkte aus betrachtet, vielfach Anlaß geben zu einer behördlichen Beaufsichtigung. Bei der Be⸗ ratung des Antrages einer Lehrwerkstätte für Hausweberei in Lauterbach, der demnächst die 2. Kammer beschäftigen wird, dürften auch ein⸗ mal die Schattenseiten dervielgepriesenen Haus⸗

industrie etwas näher beleuchtet werden.

* Bad Nauheim, 1. März. Die Saison, die seit mehreren Jahren hier sehr früh beginnt, wird am 1. April eröffnet, d. h. vom 1. April ab werden die fünf Badehäuser dem Betriebe übergeben, die Kurunterhaltungen beginnen etwas später. Die Zahl der Vorausbestellungen

auf Wohnungen aus allen Ländern der Welt

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Auzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

ist in diesem Jahre besonders aroß; bei der Badedirektion, sowie in den Kreisen der Haus⸗ und Hotelbesitzer laufen täglich Anfragen ein.

Die etwa 3040 Neubauten gehen ihrer Vollendung entgegen und jede Woche werden Kaufabschlüsse auf Häuser und Villen gemacht. Auch 8 neue Läden, 2 Waschanstalten usw. usw. werden im Sommer eröffnet. Durch das Hier herziehen zahlreicher fremden Personen, haupt⸗ sächlich Damen aus Großstädten, die an Kur⸗ gäste vermieten wollen, nimmt die Bevölkerung immer mehr einen großstädtischen Charakter an; so fahren hier bereits gegen 80 Herren und 15 Damen Rad. Am neuen Badehaus Nr. 6 wird jetzt wieder gearbeitet, ob aber der großartige Bau mit den 62 Badezellen zum Beginn der Hochsaison im Juli schon vollendet ist, dürfte fraglich sein. Nach einer genauen Statistik waren im vorigen Sommer hier 15 230 Kurgäste, darunter 1452 Russen, 348 Ameri⸗ kaner und 894 Engländer. Der Umstand, daß in jedem Jahr mehr Engländer hierher kommen, veranlaßt Viele, die englische Sprache zu erlernen.

* Ilbeshausen im Vogelsberg, 1. März. Daß man Kinder nicht unbeaufsichtigt lassen soll, zeigt wieder folgender Unglücksfall, der kürzlich sich hier ereignet hat. Zwei Kinder des Schneidemüllers Sebastian Löffler III, der Witwer ist, waren allein zu Hause. Das Zjäh⸗ rige Söhnchen nahm Zeitungspapier und steckte es im Ofen an. Wahrscheinlich hatte es seine Freude daran und hielt das brennende Papier hinter sich. Plötzlich fingen die Kleider Feuer, und das Kind stand in Flammen. Die beiden Kinder fingen an zu schreien und sprangen aus dem Hause. Ein Mann, der gerade in der Nähe war, befreite das Kind aus seiner bedrängten Lage damit, daß er Wasser nahm und das Feuer dämpfte. Am hinteren Teile des Körpers hat das Kind schwere Brandwunden davongetragen.

* Darmstadt, 1. März. Geheimer Baurat Lichthammer, der länger als 50 Jahre als Direktor der Main⸗Neckarbahn wirkte, ist auf Ansuchen pensioniert worden. Sein Nachfolger wird der seitherige Direktor der Oberhessischen Bahn, Geh. Baurat Altvater, sein.

* Offenbach a. M., 1. März. In dem heutigen Versteigerungs⸗Termin der Kaiser Friedrich-Quelle und der dazu gehörigen Maschinenfabrik nebst sonstigen Liegenschaften gab Herr Kommerzienrat Theodor Steinhäuser im Auftrag eines Konsortiums das Höchstgebot von fünfhunderttausend Mark ab. Nach Er⸗ teilung des Zuschlages ist beabsichtigt, zum Zwecke der Exploitierung der Quelle und zum Betriebe der Krystalleisfabrikation eine Aktien⸗ Gesellschaft ins Leben zu rufen. Die erforder⸗ lichen Betriebskapitalien sind gesichert.

* Mainz, 1. März. Vom Karneval. Bei herrlichstem Frühlingswetter entfaltete sich schon am gestrigen Sonntag Vormittag ein när⸗ risches Treiben in den Straßen. Noch lag die Stadt in tiefem Dunkel, da erscholl schon die

Tagesreveille, während sich gegen 9 Uhr die

77 Expedition: . Kreuzplatz Nr. 4.

Prinzengarde sammelte, unter klingendem Spiel, verstärkt durch ein neuerrichtetes Jägerbataillon, unter Voranritt des Generals Freiherrn Reitz von Reitzenstein und seines Generalstabes durch die Straßen marschierte und gegen Mittag ihr befestigtes Lager auf dem großen Platz vor der Stadt bezog, woselbst sich ein malerisch-kriege⸗ risches Bild entwickelte. Kurz nach 11 Uhr langte in Wagen, mit chinesischen Fahnen und Emblemen geschmückt, über die Rheinbrücke kom⸗ mend, der chinesische Vizekönig Li Hung Tschang nebst Gefolge an, dem sich noch eine Gesandt⸗ schaft aus Indien, Alles in farbenprächtigen Gewändern anschloß. ImHolländischen Hof, dem Hoflager des Prinzen Karneval, wurde ab gestiegen. Prinz und Prinzessin Karneval, welch Letztere durch ihren Liebreiz wieder allge⸗ mein entzückte, unternahmen hierauf, gefolgt von dem närrischen Reichskanzler und den Ministern, in zahlreichen Karrossen eine Rundfahrt durch die menschengefüllten Straßen der Alt⸗ und Neustadt. In der Stadthalle begann gestern Nachmittag unter kolossalem Andrang die Ab⸗ haltung des sogenannten Hochheimer Marktes, mit welchem ein rheinisches Winterfest verbunden war. Gegen fünf Uhr fand die Enthüllung des 4 Meter hohen Jean Dremmel-Denkmals statt. Jean Dremmel hielt die Festrede. Das Fest erreichte erst nach 11 Uhr sein Ende, während in den Hotels und Restaurants das fröhliche Treiben bis zum frühen Morgen anhielt.

* Mainz, 1. März. Der Fasching er⸗ reichte heute in dem großen Fastnachtszuge seinen Höhepunkt. Vom herrlichsten Wetter be⸗ günstigt, bewegte sich der 53 Gruppen enthal⸗ tende Zug eine Stunde nach 11 Uhr 11 Min. von der Schulstraße in der Neustadt aus durch die verkehrsreichsten Straßen der Stadt. Ein kolossaler Fremdenbesuch aus den Nachbar⸗ städten und der ländlichen Umgebung hatte sich eingefunden. Der Zug selbst war von einer der humoristischsten, farbenreichsten und prunkvollsten der letzten Jahre. Von den einzelnen Gruppen sind als besonders hervorragend zu nennen: DasStruwwelpeter⸗Jubiläum(zwei Wagen), der Maximalarbeitstag der Bäcker, die neuer⸗ standene Klepperbuvegarde, dieRestauration des kurfürstlichen Schlosses, die Galopp⸗Schnell⸗ sohlerei, die hessisch⸗preußische und preußisch⸗ hessische Ludwigsbahn(eine ausgezeichnet humo⸗ ristisch⸗satyrische Gruppe), die Oesterreicher und ihrdefinitiver Abzug aus Mainz, die Jugend der Zukunft, das verschleierte Bild von Sai (Adam und Eva), die Eingemeindung von Kastel und Kostheim, die Nansen-Nordpolexpedition, der indische Gesandschaftswagen, der Prinzenwagen mit Prinz und Prinzessin Karneval und der Wagen des Li⸗Hung⸗Tschang⸗Bum und last not least die Prinzengarde und die prächtigen Reiter⸗ und Musikgruppen. Während des Umzuges brannten in den Straßen die Gaslaternen.

Aus Hessen, 1. März. In einzelnen hessischen und badischen Kreisen geht das Be⸗ streben von obrigkeitlicher Seite dahin, die

Für Ditta's Brautkleid! Novelle von E. Reinhold.

(Nachdruck verboten.)

Fährt da nicht eben die Droschke vor, liebes Kind 5 Ja? Dann ist also der bange Moment der Trennung gekommen, und wir müssen nun definitiv von einander Abschied nehmen. Füge Dich in das Unvermeidliche, meine liebe Marianne, trage mit Grazie das schwere Los einer einsamen Strohwitwe, behüte unsere kleine Ditta, und im übrigen ver⸗ traue, wie ich, auf ein fröhliches Wied ersehen in spätestens fünf Monaten.

Fünf lange Monate! Sag, Moritz, ist es denn unumgänglich notwendig, daß gerade Du auf die Reise gehst, und noch dazu nach Amerika? Ist denn in dem ganzen großen Geschäft kein Anderer da, der geschikt werden könnte?

Gott bewahre, Herzchen, zu der kniffigen Ge schäftsreise ist bloß Dein alter Mor zu brauchen. Darum gieb Dich zufrieden. Und überdies bedenke, was ich von meinen Spesen erübrige, überweise ich DeinemFond zu Dittas Brautkleid.

Spotte Du nur, Du böser Mann, noch im letzten Augenblicke über Dein armes Eheweib. Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Das dürfte Ditta sein, wenn sie dermaleinst das projektierte seidene Brautkleid mit der Zwei⸗ meterschleppe bekommt. Für dasselbe liegen ja bereits wohlgezählte zweitausendvierhundert Mark, die Du, Gott weiß woher, zusammengescharrt, in meinem feuer⸗ und diebessicheren Geldschrank. Da fällt mir übrigens noch ein, dort ist ja auch Dein Brillantschmuck verwahrt, willst Du den nicht

heraus haben? Denn wenn ich Dir auch die Schlüssel hierlasse, aufschließen kannst Du ja meinen Geldschrank doch nicht.

Nein, Moritz, laß den Schmuck nur, wo er ist. Ich werde schwerlich Gelegenheit haben, ihn anzulegen.

Wie Du willst, mein Schatz; und nun lebe wohl, grüße Ditta noch einmal, wenn sie aus der Schule kommt, spare nicht zu viel an Deinem Wirtschaftsgelde, damit Dittas Brautkleid keine gar zu lange Schleppe erhält, und brauchst Du einmal irgend etwas, so wende Dich nur getrost an Herrn Weingärtner, meinen Chef. Behüt Dich Gott,

meine liebe Marianne, auf Wiedersehen in fünf Monaten.

So kurz und wenig thränenreich der Abschied der beiden Eheleute war, die Trennung, die erste nach zehnjähriger Ehe, kam sie doch hart an. Sie hatten bisher ein zufriedenes, glückliches Leben ge führt. Sie hatten einander geheiratet, als er noch ein kärglich besoldeter Kommis war, und sie beide zusammen gerade so viel hatten, daß sie nur immer abwechselnd sich satt essen konnten; durch diese Periode hatten sie sich so leidlich durchgebracht, denn Er war, wenn auch nicht leichtmütig, doch mit einem glücklichen Humor begabt, der in kargen Zeiten sich als ein tröstender Freund erwies, und Sie hatte Verständnis für die Naturanlage ihres Gatten und vermied es darum auch in bedrängter Lage, dem weiblichen Klagebedürfuis nachzugeben. Der mageren Jahre in ihrem Ehestande waren

übrigens nicht viele. Bald wurde Moritz Schäfer als leitende kaufmännische Kraft für ein größeres

Fabrikunternehmen engagiert, und nun hatte alle Knappheit ein Ende.

Was aber in den beschränkten Verhältnissen nicht bemerkbar geworden, das kam jetzt, in den Tagen des Ueberflusses, immer deutlicher zum Vor⸗ schein: Die beiden Gatten waren in ihren Charakter⸗ anlagen grundverschieden und huldigten aber gewisse Dinge diametral entgegengesetzten Ansichten. Moritz, wie fast alle humorbegabten Leute einer gemäßigt epikuräischen Lebensweisheit ergeben, trat der rollen den Leidenschaft des Geldes nicht gerade hemmend entgegen. Es wäre ihm schwer geworden, sich einen erreichbaren Genuß zu versagen lediglich aus Spar⸗ samkeitsrücksichten. Da er viel hatte, gab er viel aus, ohne jedoch dabei die Sorge für die Zukunft aus dem Auge zu lassen. Nur rechnete er sich nicht jeden etwa unnütz ausgegebenen Groschen nach, sondern brachte dem Dämon des Geldes jetzt, wo er dasselbe überreichlich besaß, eine gewisse noble Gleichgültigkeit entgegen. Anders Frau Marianne. An ihr war die Wertschätzung des Geldes aus den Zeiten der Not haften geblieben. Sie drehte jeden Pfennig dreimal um, ehe sie ihn ausgab, besann sich sechsmal, ob es auch wirklich nötig wäre, sparte und knauserte, wo es sich mit Anstand durchführen ließ, und suchte aus allem Kapital zu schlagen. Darin hatte sie überhaupt ein eigenes Talent Auch das scheinbar Wertloseste wußte sie in Geld zu ver wandeln; sie verkaufte selbst die alten Zeitungen, Briefe und Packpapiere an den Lumpenhändler, das Pfund zu zwei ein halben Pfennig. Aber es war nicht gemeine Habgier, welche die junge Frau zu der Kultivierung dieses kleinen harpagonischen Talentes trieb. Sie erinnerte sich der sorgenvollen

Kirchweihen sämtlich auf einen Tag zu legen. Für Geschäftsleute, die da und dort zum Besuch fämtlicher Kirchweihen im Interesse des Geschäftes gezwungen sind, wäre dieses will⸗ kommen, im Interesse der Gastwirte liegt es jedoch nicht. Auch noch manche andere Bedenken gegen diese Maßregel äußert derGastwirt, das Organ des süddeutschen Gastwirtverbandes.

Ztg.

Neuefte Telearamme. Hd. Berlin, 2. März. DieNordd. Allg. meldet aus Wien: Die Athener Ge⸗ fandten wurden beauftragt, den Tert der Note festzustellen, welcher den Kabinetten der Mächte zur Begutachtung übermittelt und worauf derselbe der griechischen Regierung über⸗ reicht werden soll. Es tritt also eine neuerliche Verzögerung ein, offenbar in der Absicht, Griechenland zum Einlenken Zeit zu lassen. Die größte Schwierigkeit bereitet die Frage, wie im

Falle des fortgesetzten Widerstands Griechen⸗ lands die Räumung Kretas herbeigeführt werden soll.

Hd. Brüssel, 2. März. Gestern brach unerwartet ein Generalstreik der hiesigen Gasarbeiter aus. Dieselben fordern den Achtstunden tag uud eine 20 prozentige Lohn⸗ erhöhung. Der Ausstand ist allem Anschein nach von den sozialistischen Ge⸗ meinderäten angefacht worden. Die Polizei hält die Gasanstalt besetzt, weil die Ausständigen eine drohende Haltung annehmen. Gestern versammelten sich die Ausständigen in ihrem Vereins lokale, woselbst mehrere sozialistische Redner auftraten und die Ausständigen zum Ausharren und zur Ruhe auffor⸗ derten. Die Versammlung nahm eine dahingehende Resolution an. Im Brüsseler Gemeinderat werden die So⸗ zialisten eine Interpellation hierüber einbringen und den Gemeinderat auf⸗ fordern, den Streikenden einen Mini⸗ mallohn von 4 Franks pro Tag zu be⸗ willigen.

Hd. Venedig, 2. März. Auf der Station Mestro der Linie Mailand verschwand ein Postbeutel mit Wertbriefen von über

200 000 Lire.

Kirchliche Anzeigen. Evangelische Gemeinde. Mittwoch, den 3. März 1897. In der Stadtkirche: Abends 6 Uhr: 1. Passionsandacht. Pfarrer Schlosser.

Sterbefälle. Am 26. Februar. Johannes Jäger, Jahre alt, Bäcker dahier.

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Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in Gießen.

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Vergangenheit lebhafter als ihr Mann, ihr war es noch in der Erinnerung peinlich, daß sie an dem wichtigsten Tage ihres Lebens, an ihrem Hochzeits⸗ tage, nicht in einem der Bedeutung des Tages würdigen Kleide vor den Traualtar hatte treten können. Ihrem Kinde, ihrer Ditta, sollte das ein⸗ mal nicht widerfahren, und das sollte ganz ihre, der Mutter, Sorge sein. Ditta zählte erst acht Jahre, und es war nicht bekannt, ob sie schon an's Heiraten dachte, aber die Sorge um Ditta's Braut⸗ kleid war bei Frau Marianne sest zur fixen Idee geworden. Darum sparte, knauserte sie undmachte Geld, so viel sie konnte. Ihrem Gatten war seiner Frau Sparsamkeitssinn zwar nicht recht, manchmal sogar unangenehm, aber er ließ sie ge währen, denn er kannte die keineswegs unedle Wurzel, aus welcher der ihm unsympathische Trieb entsproßte. Nur gelegentlich konnte Moritz sich seiner Marianne gegenüber eine harmlose Neckerei nicht versagen, die aber weiter nicht übel geno men wurde. Zu ernstlichen Differenzen zwischen den Eheleuten führten die entgegengesetzten Anschauungen nicht, da auch Marianne denen ihres Mannes die gebührende Nachsicht entgegenbrachte, und so war das eheliche Leben von Herrn und Frau Schäfer bis jetzt das denkbar beste und friedlichste gewe sen. Die bevorstehende Trennung, die in anderen Ehen vielleicht als eine willkommene Ruhepause aufgefaßt wäre, wurde also hier als eine äußerst schmerz⸗ liche Unterbrechung eines goldenen Ehestilllebens empfunden. (Fortsetzung folgt).