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Gießen, Sonntag, den 3. Jaunar
Poftztg. Nr. 3239a. Telephon⸗Nr. 112.
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Ausgabe
Gießen.
Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
Aus dem Verwaltungsbericht der Stadt Gießen.
für das Rechnungsjahr 1895/96.
+ Städtische Vertretung und Verwaltung. Die Zusammensetzung der Stadtverordneten⸗
Versammlung hat im Laufe des Berichtsjahres mehr⸗
fache Aenderungen erfahren: zunächst einen schmerzlichen Verlust durch den am 16. September 1895 erfolgten Tod des Stadtverordneten Georg Konrad Simon, welcher seit 1884 der städtischen Vertretung angehörte.
Sodann hatten zur regelmäßigen Erneuerung eines Dritteils der Stadtverordneten, zum Ersatz des Stadt⸗ verordneten Simon sowie zur Verstärkung der Stadtver⸗ ordneten⸗Versammlung auf 30 Mitglieder Ergänzungs⸗ Wahlen stattzufinden, deren Ergebnis die Wiederwahl der sechs ausscheidenden Stadtverordneten und die Neuwahl der Herren Kommerzienrat S. Heichelheim, Kaufmann Theodor Haubach, Kaufmann Carl Loos, Hoftraiteur Jean Kirch und Professor Dr. Gaffky gewesen.
Die städtische Verwaltung hat im Berichtsjahre eine wichtige Verbesserung erfahren durch die Schaffung der Stelle eines besoldeten Beigeordneten. Die neue Stellung wurde dem Großherzogl. Regierungs⸗Assessor Herrn Hans Wolff in Gießen übertragen.
Die Zahl der Beigeordneten beläuft sich nunmehr auf drei. Die Wahl des besoldeten Beigeordurten ist auf zwölf Jahre erfolgt.
Die Stadtverordneten⸗Versammlung bestand am Schluß des Berichtsjahres neben dem Oberbürger⸗ meister aus den drei Beigeordneten Grüneberg, Georgi und Wolff und aus 30 Stadtverordneten.
Die Stadtverordneten⸗Versammlung hat in 24 Sitzungen 612 Gegenstände verhandelt(gegenüber 25 Sitzungen mit 593 Gegenständen im Vorjahre).
Der stärkste Besuch einer Sitzung hat bestanden aus dem Oberbürgermeister, den 3 Beigeordneten und 27 Stadt⸗ verordneten, der schwächste aus dem Oberbürgermeister, 2 Beigeordneten und 15 Stadtverordneten; im Durch⸗ schnitt haben an jeder Sitzung 22 Stadtverordnete und jeder Stadtverordnete an 17 Sitzungen teilgenommen.
Gewerbegericht.
Mit Anstellung eines besoldeten Beigeordneten hat das Gewerbegericht in seiner Zusammensetzung insofern eine wesentliche Veränderung erfahren, als an Stelle des Beigeordneten Grüneberg der Beigeordnete Wolff zum Stellvertreter des Vorsitzenden gewählt wurde und danach auch den Oberbürgermeister thatsächlich nahezu ständig im Vorsitz des Gewerbegerichts vertreten hat; zweiter Stell⸗ vertreter des Vorsitzenden blieb Stadtverordneter Keller.
Im Kalenderjahr 1895 sind bei dem Gewerbegericht im ganzen 100 Fälle angebracht worden(gegen 96 im Kalenderjahr 1894).
Diese 100 Klagen haben sich erledigt wie folgt:
Klagezurücknahme 0% e ee 5 im 1. 1 5 2 Vergleich 1 75 5 38 Anerkennungsurteil 7 1. 7— Versäumnisurteil 7 5 8 en Endurteil 1. 1. 3 Klagverbindung 1 5. 1 Klagzurücknahme vor 2. 0(mit Beisitz.) 2 Vergleich im 2. 5. 4 Endurteil 2 5 9 Andere Erledigung eee ,,, 1 F/ 2
100
Erscheint täglich mit Ausnahme der
Es sind somit 87% aller Klagen(im Jahr 1894 60 ¼) ohne Heranziehung von Beisitzern, vielfach mit Vergleich, durch den Vorsitzenden erledigt worden.
In allen Sachen wurden zusammen. 5 Termine abgehalten, und zwar:
a. durch den Vorsitzenden allein auf Grund des§ 54 des Reichsgesetzes an 45 Sitzungstagen.
b. durch denselben mit Beisitzern an 8 Sitzungstagen 1 0
Von den anhängig gewordenen Klagen
waren durch die Arbeitgeber erhoben
12 gegen 10 in 1894
88 7 86, 7
100 gegen 96 in 1894.
Von den 12 Klagen der Arbeitgeber ging in 9 Fällen der Klagantrag auf Wiederaufnahme der Arbeit, in 3 Fällen auf Entschädigung: nach Zurückziehuug von 2 Klagen wurde den verbleibenden 10 Klagen teils durch Vergleich(4), teils durch Versäumnis⸗(3) und Endurteil (3) durchgängig entsprochen, so daß die an sich selteneren Klagen der Arbeitgeber danach auch in 1895 als im Allgemeinen wohl begründet sich erwiesen haben.
Die 88 Klagen der Arbeitnehmer haben sich erledigt wie folgt:
105
88
durch die Arbeitnehmer
durch Klagzurücknahme vor 1. Termin 5 „1. 1 im 1 1 2 5„5 vor 2 15 2 „ Vecgleich im 1. 0 34 .* 1 2.* 4 „ Versäumnisurteil„ 1. 4 27 „„ 2 5 1 „ Endurteil 72 5 9 „ Klageverbindung 1 „ Beruhen 1
unerledigt blieben 2
88
In 3 Fällen war dabei auf Herausgabe des Arbeits- buches, in 2 Fällen auf Zeugnisausstellung geklagt; von diesen 5 Fällen wurden 2 durch Klagzurücknahme und 3 durch Vergleich erledigt.
Die übrigen Klagen lauteten sämtlich auf Entschädigung und zwar in der Gesamthöhe von 2116 ι 5; es können danach im Folgenden auch die Prozentsätze der Streitsummen angegeben werden, nach welchen sich die erhobenen Klagen erledigt haben:
durch Klagzurücknahme e e e. „ Versäumnisurteil ene i „ Endurteil zu gunsten des
a 2 „ dsgl. mit Klageabweisung 197„ 54„ 9„ „ Vergleich zu gunsten des i 6 26 22 „ desgl. mit Nachlaß seitens Klägers 3e 6 zusammen 2116 4 05 8 100% Die klagenden Arbeitnehmer haben danach von den eingeklagten 2116/ 5& im ganzen 1417 56
rund 67% des Klageanspruchs erhalten(im vorigen Berichtsjahre von 2149 4 1, im ganzen 1310, 90 rund 61%).
An Gerichtskosten einschl. der zu ersetzenden baren Auslagen sind dabei den Parteien erwachsen 68, 95, an Vergütungen für die Beisitzer der Stadt 32 l.
Lokales und Provinzielles. * Gießen, 2. Januar. Aus der Sitzung der Großh. Handelskammer vom 28. Dezember. Das
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Vreis der Anzeigen: 10 Pfg. für die zspaltige Petitzeilr.
Tage nach Sonn- und Feiertagen.
55 Erpebition: 2 Kreuzplatz Nr. 4.
jetzige Verfahren in Zollstreitigkeiten, bei welchem nur der Petitious- und Beschwerdeweg— nicht aber der Rechtsweg bei den ordentlichen Gerichten offen steht, wird schon lange von vielen Seiten bekämpft und als einer Reform bedürftig anerkannt. Der Kammer liegen diesbezüglich zwei neue Anträge vor, welche von der Handelskammer-Wiesbaden und dem Vor⸗ steheramt der Kaufmannschaft zu Königsberg i. Pr. an den Deutschen Reichstag gerichtet worden sind. Die Handelskammer-Wiesbaden empfiehlt die Einführung des Schiedsgerichtsverfahrens zur Entscheiduug von Zoll⸗ streitigkeiten und wünscht die Einrichtung eines obersten Zollvereins⸗Schiedsgerichts, sowie die Einführung von Bezirks⸗Schiedsgerichten am Sitze der Hauptzoll⸗ oder Hauptsteuerämter. Die zweite Eingabe der Königsberger Kaufmannschaft nimmt eine mehr vermittelnde Stellung ein, tritt in dieser Hinsicht prinzipiell für die Gewährung des Rechtsweges ein, daneben auch für die Errichtung eines Reichszolltarifamtes. Die Kammer hält den gegenwärtigen Zustand auch für unhaltbar und stellt sich auf den Boden der Königsberger Eingabe und beschließt deshalb in ge— eigneter Weise für diese einzutreten.— Auf Grund der Beschwerde eines Interessenten wegen des Fehlens ge— eigneter Ladekrahnen auf dem hiesigen Bahn⸗ hofe wird beschlossen, bei der Eisenbahn-Direktion Frankfurt a. M. dieserhalb vorstellig zu werden und um Abhilfe dieses Mißstandes zu bitten.— Der Entwurf für die demnächst zur Verteilung gelangenden Fragebogen zum Handelskammerbericht pro 1896 wird von der
Kammer gebilligt. Es wird beschlossen, dem Unterverbande für Hessen und Hessen⸗ Nassau des Deutschen Verbandes für das
kaufmännische Unterrichtswesen beizutreten. Der Kammer sind genauere Nachrichten über die Einfuhr⸗ verhältnisse in der Kolonie Viktoria, über die Lage der italtenischen Eisen- und Stahlindustrie, über den Freund⸗ schafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag mit dem Frei⸗ staate Costa-Rica und über den Handel und die Industri
Schwedens während der ersten neun Monate des Jahres 1893 zugegangen. Diese Schreiben liegen den Interessenten auf dem Bureau der Kammer offen.— Das Verzeichnis der Kammer über schwindelhafte Firmen im Aus⸗ lande hat Erweiterung betr. der Niederlande gefunden. — Die Königl. Eisenbahn⸗Direktion in Frankfurt a. M. teilt mit, daß die von der Kammer beantragte Einführung von Sonntagsrückfahrkarten von Gießen nach Friedberg und Frankfurt am Main zur Zeit nicht stattfinden kann und daß die von der Kammer nachgesuchten Erleichterungen (Gewährung von Freigepäck auf Rückfahrkarten, sowie freie Beförderung der von Reisenden mitgeführten Fahr⸗ räder auf den Oberhessischen Bahnen) bei der dem⸗ nächstigen Regelung der Personenverkehrsverhältnisse auf denselben, welche jedoch erst nach deren Uebernahme in die Verwaltung obiger Direktion stattfinden könne, in Erwägung gezogen werden sollen.
* Gießen, 1. Januar. Die Inhaberin des bekannten Kauffmannschen Lehrinstituts für junge Mädchen, Fräulein R. Kauffmann aus Mainz, die sich wegen geschwächter Gesund— heit nach hier begeben hatte, ist plötzlich ge— storben.
* Gießen, 2. Januar.(Besitzwechsel.) Das Grundstück Ludwigstraße 30, dem Herrn Jakob Ruppel gehörig, ging heute durch Kauf an Herrn Ferdinand Hoffmann über.
* Gießen, 1. Januar.
Die Sylvester⸗ nacht ist in der
gewohnten Weise vorüberge—
gangen. Das neue Jahr wurde mit Glocken— geläute begrüßt. Auf dem Marktplatz, in der Mäusburg, der Schulstraße ꝛc. entstand gleich— zeitig ein ohrenbetäubendes Prosit-Neujahrgeschrei, gemischt mit dem Knallen der sog.„Frösche“. Die sonst ruhigsten Menschen brüllten sich gegen— seitig an, als ob ihre ewige Seligkeit davon ab— hinge. Nachdem das Geläute der Glocken ver— stummt, stimmte vom Thurme der Johanneskirche herunter ein Bläserkorps Choräle an.
* Gießen, 2. Jan. Auch eine Neujahrs⸗ gratulation. Das Großh. Ministerium der Finanzen, Abth. für Eisenbahnwesen, hat unter Behändigung der betreffenden Benachrichtigungen am Sylvester⸗Nachmittag ca. 20 Be⸗ amten der Baubehörde für Ober⸗ hessische Nebenbahnen darunter fast sämt⸗ liche Ingenieuren, soweit sie nicht deutsche Staats— angehörige sind, ferner ständigen Bureaubeamten wie Zeichner ꝛc. per 31. März d. J. gekündigt. Den Leuten wurde in Aussicht gestellt, daß, wenn dieselben vor dieser Zeit passende Stellung finden, ihrem früheren Scheiden aus der bis— herigen Stellung thunlichst nichts in den Weg gelegt werden soll. Die Kündigung dieser Be⸗ amten, unter welchen sehr viele Familienväter sich befinden, wird damit motiviert, daß zum ersten April d. J. die bisherige Organisation der Bau— verwaltung der hessischen Nebenbahnen aufhört und Bau und Betrieb dieser hessischen Bahnen in das Ressort der gemeinsamen Verwal⸗ tung der preußischen Staatseisenbahnen übergeht. Die Entlassenen gehen in der Mehr⸗ heit mit Sorgen der Zukunft entgegen, da es bei der Ueberfüllung in der Baubranche sehr schwer hält, passende Stellung für die meistens nicht mehr jungen Beamten zu erhalten.
* Gießen, 2. Jan. Das gestrige Krauße— Konzert war außerordentlich zahlreich besucht. Der Spielzettel wies ein Programm auf, wie wir es lauge nicht gehört haben. Meisteus wurden klassische Tonschöpfungen zur Aufführung gebracht. Brillant vorgetragen wurde Liszt's Rhapsodie an Haus von Bülow. Herr Querch— feld leistete in der Fantasie Caprice von Vieuxe temps mit seiner Violine künstlerisch Vollendetes. Kompositionen von Verdi, Wagner, Weber, Strauß, Suppe, ꝛc. ꝛc. wechselten untereinander ab. Besonders anerkennenswert ist es, daß Herr Krauße auch die Schöpfungen junger Talente zur Geltung bringt.„Annys Traum“, Walzer— Idyll(Streich⸗Quartett von L. Beringer, cand. jur.) wurde mit großer Bravour zu Gehör ge— bracht und so lebhaft applaudiert, daß das Stück wiederholt werden mußte. L. Beringer ist bekanntlich der Komponist des Turnermarsches zum 22. Mittelrheinischen Turnfest.
* Gießen, 2. Januar. Die erste Karne— valistische Kappensitzung im Saale des Schipkapaß war überaus gut besucht. Der komische Gesangsteil sowie das außerordentlich gut ausgearbeitete Protokoll bot für die Gäste die großartigsten Abwechslungen. Wir wollen an dieser Stelle nochmals auf die morgen auf der Liebigshöhe stattfindende närrische
Mächte der Finsternis. Roman von Helmuth Wolfhardt. (Nachdrud verboten.) (Fortsetzung.)
Milow war durch Bernhards Briefe, welche ihm der Arzt vorgelesen hatte, vollkommen von dem Geschehenen unterrichtet, aber was er bei dem An⸗ blick der Braut seines Sohnes und ihres Adoptiv- vaters bekundete, war viel eher Entsetzen als Freude. An allen Gliedern zitternd, versuchte er zwar, sich wie zu höflicher Begrüßung ein wenig von seinem Sitze zu erheben, doch über seine Lippen kamen nur stammelnde, unverständliche, abgerissene Worte, und als ihm Rodewald seine Hand entgegenstreckte, war es, als ob er vor der Berührung derselben wie vor etwas Schrecklichem zurückbebe. Während der ganzen Dauer des kurzen Besuches starrte er den Gutsbe— sitzer mit weit aufgerissenen, angstvollen Augen an, und etwas Anderes als eine hastige, bejahende oder verneinende Bewegung des Kopfes war überhaupt nicht aus ihm herauszubringen.
Elisabeth war durch die Begegnung mit dem unglücklichen Vater ihres Verlobten auf das Tiefste erschüttert worden und auch Rodewald hatte den peinlichen Eindruck derselben nur schwer überwinden können. Aber es war ihnen erspart geblieben, sich öfteren Wiederholungen solcher bedrückenden Auf— tritte zu unterwerfen. Der Sanitätsrat, der noch immer die Behandlung des Leidenden führte, hatte dem Gutsbesitzer einen Besuch gemacht und ihn in taktvoller Form gebeten, von einem weiteren Ver— tehre mit dem ehemaligen Packmeister abzusehen. Der Mann sei zwar im Allgemeinen leidlich bei
Vernunft, aber scheine doch an gewissen fixen Ideen zu leiden, und eine von diesen sei unzweifelhaft eine große Abneigung oder vielmehr Furcht vor Rode— wald. Gleich nach jener kurzen Begrüßungsszent habe sein Zustand eine Verschlimmerung erfahren, welche im Wiederholungsfalle das Aeußerste be— sorgen lasse und er habe nur immer flehentlich ge— beten, ihm jene Besucher nicht wieder vor die Augen zu bringen.
Daß er nun gerade in einer Stunde, wo er körperlich noch schwächer und hinfälliger geworden war, den Wunsch geäußert haben sollte, ihn zu sehen, erschien Rodewald wenig glaublich; aber er hielt es nichtsdestoweniger für seine Pflicht, dem von einem Sterbebette aus wirklich oder angeblich ergangenen Rufe zu folgen, wie peinvoll für ihn selbst eine erneute Begegnung mit dem seltsamen Menschen sein mochte.
Gerade vor der Thür des kleinen Häuschens außerhalb der Stadt traf er auf den Sanitätsrat, der im Begriff war, seinen Wagen zu besteigen.
„Nun, wie steht es drinnen?“ fragte er,„ist es wirklich so schlimm, als mir die Aufwärterin berichten ließ?“
„Ja, es geht zu Ende! Glücklicherweise— möchte ich beinahe sagen, denn in meiner ganzen Praxis ist mir noch kein längeres und qualvolleres Sterben vorgekommen als das dieses bejammernswürdigen Mannes. Um seinetwillen hoffe ich, daß er es nicht noch einmal Abend werden sehe.“
„Ist der Sohn von dieser Wendung benach— richtigt worden, wird er kommen?“
„Ja! Ich selbst telegraphierte ihm heute, und
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vor einer Stunde traf seine Antwort ein, daß er noch an diesem Abend abreise. Es ist trotzdem wenig wahrscheinlich, daß er seinen Vater noch am Leben findet.“
„Und ist es wahr, daß der Kranke nach mir verlangt hat? Nach Ihren früheren Mitteilungen kann ich ja nur vermuten, daß die Aufwärterin eine seiner Aeußerungen mißverstanden habe.“
Der Sanitätsrat schüttelte den Kopf.
„Sie sind vollkommen zutreffend berichtet worden, Herr Rodewald. Mit der Unberechenbarkeit, die ihm während der ganzen Krankheit eigentümlich war, hat Milow plötzlich, wie es scheint, seine Neigung geändert und in jedem lichten Augenblick auf das Dringendste gewünscht, Sie bei sich zu sehen. Es ist ja möglich, daß sich das bei Ihrem Erscheinen gleich wieder in das Gegenteil verkehrt; aber ich bin überzeugt, daß Sie großmütig genug sein werden, einem Sterbenden auch das zu ver— zeihen. Geben Sie also immerhin zu ihm hinein. Es ist nicht mehr zu befürchten, daß irgend etwas im Stande sei, ihm zu schaden. Gegen Mitter— nacht, wenn ich von einem dringenden Krankenbe— suche in Oberhof zurückkehre, werde ich selber noch einmal vorsprechen.“
Rodewald betrat das Innere des Hauses und die Krankenstube, um auf den ersten Blick zu er— kennen, daß in der That hier alle Hoffnung zu be— graben sei. Milow lag mit leichenhaftem Gesichte und mit geschlossenen Augen da, als habe der Engel des Todes seine Stirne bereits berührt. Mit dem Ausdruck der Erleichterung wandte sich die Auf wärterin an den Gutsbesitzer.
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„Es ist ein Glück, daß Sie kommen, Herr Rodewald“, flüsterte sie ihm zu.„Er hat eben schon wieder nach Ihnen gefragt.“
Der Laut ihrer Stimme, wie vorsichtig er auch gedämpft worden war, hatte den Todtkranken aus seinem dämmeruden Halbschlummer aufgeschreckt— Er öffnete die Augen weit und er schien sich Sekunden lang im Ungewissen zu befinden, ehe er Rodewald erkannte. Dann machte er einen vergeb— lichen Versuch, seinen Oberkörper in die Höhe zu richten.
„Ich bitte Sie dringend, sich nicht aufzuregen, lieber Herr Milow“, sagte der Besucher, indem er sich neben dem Lager niederließ.„Ich bin ge— kommen, mich nach Ihrem Befinden zu erkundigen; wenn meine Anwesenheit Ihnen aber im gexringsten lästig ist, so müssen Sie es ohne Weiteres sagen, und ich werde es Ihnen ganz gewiß nicht übel nebmen.“
Der Sterbende hatte ihn ehne Zweifel ver— standen, denn er hatte ihm die Worte fast von den vippen getrunken, aber die plötzliche erneute Sinnes— änderung, die der Sanitätsrat befürchtet batte, war nicht eingetreten. Milow wandte nur scheu den Kopf nach der Aufwärterin hin und machte ihr mit der Hand ein Zeichen, sich zu entfernen.
„So gehen Sie doch“, keuchte er, da die Frau nicht sogleich Miene machte, dem Befehl Folge zu leisten, „Ich habe mit dem Herrn hier zu reden!“ (ronterun folas.“


