Ausgabe 
2.6.1897
 
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Nr. 126

Gießen, Mitwoch, den 2. Juni

1897.

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Postztg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

ische Landeszeitung,

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

Wie geht man einen markierten Weg?

Von befreundeter Seite erhalten wir den nachstehenden

Artikel zur Veröffentlichung. Mit Hinsicht auf die bevor⸗ stehenden Feiertage dürften die gegebenen Fingerzeige ge⸗ wiß vielen willkommen sein.

Wie geht man einen markierten Weg? Sehr einfach, man fängt am ersten Zeichen an und kommt mit dem letzten Zeichen an den Ort den man aufsuchen will.

So sagt sich mancher; im ganzen ist dies richtig und so einfach es aussieht, so geht es doch nicht so glatt und eicht.

Wer zum ersten mal einer Markierung folgt, der be⸗ achte wohl, daß auch der bestbezeichnete Weg sehr leicht perloren werden kann, wenn der Wanderer nicht hübsch uf den Pfad und die Zeichen achtet, und ebenso die Augen ofen hält, wie wenn er den Weg nach der Karte suchen Milßte.

Es ist ein Fehler, der so oft gemacht wird, und selbst rute die schon lange Zeit auf markierten Wegen mar⸗ schteren, verfallen immer wieder in denselben, daß sie, socher gemacht durch die führenden Wegzeichen, sich in die Unterhaltung oder ihre Gedanken vertiefen, nicht mehr um süch schauen und plötzlich die Zeichen und damit den Weg verloren haben.

Die Markierung wählt nicht den kürzesten oder be⸗ g uemsten Weg zu einem Punkt, sondern den Weg, welcher dem Wanderer landschaftlich am meisten Genuß verschafft.

Bei Auswahl der Pfade werden daher tunlichst Chaus⸗ seen oder stark befahrene Wege vermieden und Feldwege, hübsche Fußsteige bevorzugt, vor allem aber richtet sich das Bestreben darauf, schattige Waldwege zu finden und Orte zu berühren, welche einen schönen Ausblick in die Gegend gewähren.

Um all das zu vereinen ist es nötig, die Wege über allerlei Gelände zu führen und hier ist es zuweilen recht schwlerig, die Zeichen so anzubringen, daß es für jeder⸗ mann leicht ist, sich sofort zu orientieren, oder auch, daß die Markierung gleich ins Auge fällt.

Leicht ist es den Weg in Wald zu malen und zu ver⸗ solgen, die Bäume sind die besten Träger der Farbzeichen. Wo der Weg eingeht, zeigt sich der weiße Fleck mit den farbigen Zeichen(Dreiecke, Quadrate, Punkte ꝛc.), wenige Schritte dahinter ist meist ein zweites Zeichen, welches die Richtung des Weges noch genauer andeutet. Es folgen dann auf geradem Pfad nach je 100 200 Schritten die sogenannten Beruhigungsstriche, zur Beruhigung für den Wanderer und zur Bestätigung, daß er sich auf dem rech⸗ len Weg befindet. Wo ein Weg abzweigt, sind rechts und links Zeichen angebracht, welche andeuten, daß die tingeschlagene Richtung weiter zu verfolgen ist. Zweigt der Weg ab, so stehen die Zeichen in der neu zu nehmen⸗ ben Richtung. Biegt ein nicht gut erkennbarer Pfad ab, so deuten die kurz vorher rasch aufeinander folgende Striche an, eventuell auch noch ein Pfeil.

Im Niederwald ist die Markierung schwierig anzu⸗ bringen, der strauchartige Wald bietet nur schmale Stämm⸗ chen zum Zeichnen und im Laufe des Sommers verwächst

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Bspaltige Petitzeile.

durch das aufschießende Astwerk leicht ein Zeichen, welches im Frühjahr noch gut sichtbar war. Wird daher lin solchem Wald ein Zeichen vermißt, so empfiehlt es sich, ein wenig hinter den Blättern zu suchen, es wird sich dann gewiß vorfinden. Noch weit mißlicher sieht es für den armen Wegmaler auf Feldwegen aus. Rechts und links Aecker, ein kleiner Rasenstreif am Wegrain, aber nirgends etwas, um ein Zeichen anzubringen. Hier ist guter Rat teuer, helfen müssen dann Grenzsteine und allenfalls Obstbäume, wenn sie auch etwas abseits stehen. Leider sind diese Steine kein gutes Objekt zur An⸗ bringung von Markierungen. Ist das Gras hoch, so werden sie häufig ganz davon verdeckt, auch verwittern die Farben auf Steinen ungemein rasch. Wer auf einer Kreuzung von Feldwegen nicht gleich Farbzeichen findet, welche genau die Richtung angeben, der gehe auf einem der Wege ein Stück weiter, bis er an einen Grenzstein oder dergl. kommt. Auf dem richtigen Wege wird er dann sicher wieder die Markierung finden, wenn auch vielleicht etwas hinter Gras versteckt. Der deutsch⸗österreichische Alpenverein, Sektion Gießen, wird im Lauf des Sommers noch an einigen Wegen, welche keinerlei Anhalt boten, um ein Zeichen anbringen zu können, Pfähle mit der Markierung versehen einrammen lassen, so daß der Lauf des Weges dann genau bezeichnet ist. Das Auf⸗ stellen der Pfähle verursacht mancherlei Schwierigkeiten, da hierzu erst die Erlaubnis der beteiligten Geländeeigen⸗ tümer eingeholt werden muß. Und wenn auch fast überall dem Verein in sehr freundlicher Weise entgegengekommen wurde, so bedarf es doch gar manchmal auch erst längeren Parlamentierens, bis die Erlaubnis erteilt wird,

Wenn die fertiggestellte Markierung nun so blieb, wie sie in Vorstehendem geschildert ist, so wäre es ein Ver⸗ gnügen, sie zu unterhalten und zu verbessern; leider ist dies nicht der Fall. Die Erhaltung der Farbenzeichen um Gießen ist eine recht umfangreiche und viele Tage in jedem Jahr in Anspruch nehmende Arbeit, die dauernde Aufmerksamkeit erfordert, da immerwährend Zeichen ver⸗ schwinden, die ersetzt werden müssen. Auf Steinen und Felsen vernichten Regen, Sonnenbrand und Staub, sowie wuchernde Flechten die Zeichen in kurzer Zeit fast bis zur Unkenntlichkeit.

Im Wald werden durch Baumfällen oft die wichtigsten Zeichen weggeschlagen, wo der Weg durch einen Lohschlag führte, verschwinden zuweilen die sämtlichen Markierungen, wenn der Schlag geschält wird. Alles das läßt sich doch nicht innerhalb weniger Wochen wieder ersetzen. Sollte daher hie und da ein Zeichen fehlen, so gebe man nicht den Herstellern der Markierung allein die Schuld, die beste Markierung kann im Laufe eines Winters durch alle die angeführten Umstände ungenau werden. Leider finden sich auch ab und zu, wie üblich, rohe Menschen, welche die Zeichen beschädigen.

Mit Vergnügen kann bestätigt werden, daß es in Gießen nur wenige Stellen sind, an denen mutwillige Zerstörung vorgekommen ist. Im Allgemeinen und ge⸗ de fast überall auf dem Lande ist die für Jedermann

angenehme Wegbezeichnung gut erhalten worden.

Jedem Naturfreund, welcher die markierten Wege öfter zu Ausflügen benutzt, ist hierzu die Farbenkarte nur an⸗ zuraten. An Hand dieser wird er den Weg, auch dort, wo etwa Zeichen fehlen sollten, leicht wieder finden, da auf der Karte Straßen, Wege, Wälder und Wasserläufe ein⸗ gezeichnet sind, so daß eine Orientierung im Gelände leicht bewerkstelligt werden kann.

Die Karte ist um so notwendiger für weitere Aus⸗ flüge, als vielfach Wegbezeichnungen des Taunusklubs Wetzlar in unser Gießener Markierungsnetz hineinziehen, über deren Richtung und Bedeutung man sich nur an Hand der Karte vergewissern kann. Wiederholt soll hier noch auf einige Umstände aufmerksam gemacht werden, welche vorerst noch bei Benutzung der Farbenkarte zu beachten sind.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 1. Juni. Erledigt sind: die mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kailbach, Kr. Erbach, mit einem jährl. Gehalt von 900 4. Dem Herrn Grafen zu Erbach-Fürstenau steht das Präsentationsrecht zu derselben zu; die mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hesselbach, Kr. Erbach, mit einem jährl. Gehalt von 900 4. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem Herrn Grafen zu Erbach-Fürstenan steht das Präsen⸗ tationsrecht zu derselben zu; eine mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Ge⸗ meindeschule zu Neu⸗Isenburg, Kr. Offenbach, mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährl. Gehalt von 1000-1800*; eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Jügesheim, Kr. Offenbach, mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährl. Gehalt von 900-1100, eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Ge meindeschule zu Qber-⸗Olm, Kr. Mainz, mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährl. Gehalt von 900-1000&&; eine mit einer kath. Lehrerin zu besetzende Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Bieber, Kr. Offenbach, mit einem jährl. Gehalt von 1000 4.

* Gießen, 1. Juni. Der gestrige zweite Festtag des Radfahrerfestes ist ebenso wie der erste sehr gut verlaufen. Das Frühschoppen⸗ konzert im Restaurant Busch war zahlreich besucht. Um 3 Uhr zogen die Radler wieder mit Musik nach dem Festplatz, wo sich bis in die späte Nacht ein richtiges Volksfest entwickelte. Die Zentralstätte war jedoch die alte große Faß⸗ halle der Bichlerschen Brauerei. In dieser ist nämlich die bayerische Bierhalle etabliert. Die

Poufssette. Von Ouida. Deutsch von B. Treumann⸗Koner. (Schluß.)

Vallarec fuhr auf, wie von einem Messerstich getroffen. Er erhob sich und starrte den vor ihm Stehenden erstaunt an

Wofür halten Sie mich? fragte er den Be⸗ umten hochmütig, der ihn wie durch eine eisige Douche aus seiner dumpfen Betäubung aufgerüttelt vatte.

Der Andere dachte jedenfalls:Ich halte Dich für das, was Du bist für einen verzweifelten, zu Grunde gerichteten Spieler. Doch einge schüchtert von Ton und Blick des verarmten Edel⸗ mannes, wagte er nicht, den ihm erteilten Auftrag zu wiederholen, und, eine Entschuldigung stammelnd, sog er sich hinter die schattigen Gehölzpartieen zurück.

Vallarec lachte leise vor sich hin ein kurzes, vitteres Lachen.

Sie fürchten, ich werde mir auf ihrem Ge⸗ viete das Leben nehmen, sagte er zu sich,und vaß dadurch ihr Ruf einen Stoß erleiden würde. And da sind sie denn bereit, meine Beförderung nach Paris und eine Wochenrechnung im Hotel für nich zu bezahlen wie gütig! Gentils Seigneurs, ich werde Euch ein Abschiedsgeschenk hier lassen meinen Kadaver. Und wenn der Euch alle Gäste aus Eurer Spielhölle verscheucht, desto besser. Mein Tod wird dann der Welt mehr genützt haben, als mein Leben!

Die Gartenanlagen verlassend, wo er den Beobachterblicken der Kasinospione jeden Augenblick zusgesetzt war, sah er im Fortgehen noch einmal nach der Marmorbank zurück und dachte an Poussette, die er nun wenigstens in Sicherheit wußte.

Der Kopf war ihm jetzt klarer. Durch den Stoß, den das beleidigende Unterstützungsanerbieten zeitens der Bank ihm gegeben hatte, war der düstere Bann seines halb wahnfinnigen Zustandes gelöst worden. Körperlich erschöpft infolge Schlafmangels und genügender Nahrung fühlte er sich doch geistig liesund. Er sagte sich, daß die Spielhölle, welche

dort hinter ihm lag, Alles verschlungen hatte, was er je besessen Ehre und Fähigkeiten, Existenz und Zukunftsaussichten. Was war ihm noch ge⸗ blieben, um dafür zu leben? Nichts!

Nicht einmal Poussette! dachte er mit trübem Lächeln. Poussette schlief gewiß jetzt in dem Linden⸗ beschatteten Häuschen zu Bourg, vielleicht an der Brust der von ihm Betrogenen und Verlassenen, die ihn nie vergessen hatte.On passe au coté du bonheur sans le savoir! hatte er einmal ge lesen, er wußte nicht mehr, bei welchem Schrift steller. Der Ausspruch kam ihm in Erinnerung, da er seufzend Marie Desjardins gedachte, wie er sie in der Bitte ihres Talentes und ihrer ver trauensvollen Jugend kennen gelernt hatte.

Langsam schritt er aus dem Bereich des Gartens fort und die Gassen entlang dem Hause zu, in welchem er ein ärmliches Zimmer bewohnte. Die Thür stand offen, denn es war schwül nach der Hitze des Tages, nicht thaufrisch, wie die Luft in La Bresse gewesen war. Ohne von Jemand be merkt zu werden, erreichte er sein Zimmer, das unter dem Dache lag. Das eine Fenster darin, welches einen Ausblick auf den Himmel und die See gewährte, stand ebenfalls offen. Einen Brief, der auf dem Tische lag, beachtete er nicht. Er schritt geradewegs auf seinen Koffer zu, den er dann aufschloß. Derselbe enthielt nichts weiter als etwas Leibwäsche und einen Pistolenkasten. Nun zog er seinen Revolver aus der Tasche, entfernte die Ladung und lud die Waffe auf das Sorgfältigste wieder. Er wollte rasch und ohne Qualen sterben. Einen Augenblick sah er hinaus auf das silber⸗ glänzende Meer und die silberlichten Wolken, das Letzte, was er von der Welt noch sehen wollte. Dann hob er den Revolver, er fühlte das kalte Metall an seiner Schläfe ein Moment und Vallarec wäre ein toter Mann gewesen.

Doch ein scharrender Stoß gegen die Thür und ein kurzes Schnaufen veranlaßten ihn, die Pistole aus der Hand zu legen. Und als er sich umsah, erblickte er Poussette, die, von Staub und Schmutz bedeckt, kraftlos heranhinkte. Mit schwachem Freudeknurren wollte sie an seinen Knieen empor⸗

springen, aber der Versuch mißlang, und sie fiel erschöpft in seine zu ihr niedergestreckten Hände.

Ganz allein hatte sie den Weg von Bourg nach Monaco zu ihm zurückgesunden.

Mein kleiner Liebling! Mein Herzblatt! rief er aus und nahm ihren zerschundenen, abgezehrten kleinen Körper auf den Arm, ihr Gesichtchen mit Küssen bedeckend. Sie blickte zu ihm auf in stummer, unbeschreiblicher Glückseligkeit. Es war zu viel für ihr kleines Herz. Ein Seufzer durch⸗ zitterte in diesem Augenblick der höchsten Freude ihre Brust und mit diesem Seufzer verschied sie.

Wenn er den auf seinem Tische liegenden Brief geöffnet hätte, so würde er schon gewußt haben, daß Poussette in Bourg seit 15 Tagen vermißt wurde und alle Versuche, ihre Spur zu entdecken, sich fruchtlos erwiesen hatten. Die liebevollste Pflege, Ruhe und Behagen war nicht im Stande gewesen, sie über die Trennung von ihrem Herrn zu trösten. Ihr hatte der friedliche Garten keinen Frieden gegeben, sie keinen Augenblick mit ihrer Verbannung ausgesöhnt. Sie war unruhig, ruhe los und traurig gewesen; in sich gekehrt und nur ihrem Gatten nachhängend, hatte sie jeden Trost verschmäht. Und als sich ihr eine Gelegenheit zur Flucht bot, war sie hinausgezogen in die weite, un⸗ freundliche, grausame Welt, um nur auf ihre eigenen schwachen Kräfte gestützt, ihren Weg zu dem verlorenen Freund zu suchen. Wie sie ihre Wan⸗ derung möglich gemacht hatte, wer vermochte es zu sagen? Ein winzig Ding wie sie, so klein, so schutz⸗ und wehrlos ganz allein in der brutalen Welt der Menschen! Ihre blutenden, geschwollenen Füße, ihr regendurchweichtes zottiges Fell, ihr abgemagerter Körper allein bezeugten, was sie durchgemacht hatte. Nur ausgerüstet mit dem, was die Menschen Instinkt nennen, hatte sie ihre Odysseusfahrt heldenmütiger bestanden, als der große Odysseus selber. Hunger und Durst, Hitze und dann wieder Kälte, Stöße, Schläge und Fußtritte, angstvolle Tage, obdachlose Nächte dies alles hatte sie ertragen. Hin und wieder mochte unter Tausenden Einer für das kleine, staubbedeckte, keuchend seines Weges ziehende Ge⸗ schöpf einen mitleidigen Blick gehabt und ihm

edition: Kreuzplatz Nr. 4.

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Wände der alten Halle sind von dem Maler und Weißbindermeister Groß mit flüchtigen Pinselstrichen mit humoristischen Episoden aus dem Leben und mit gar frommen Biersprüchlein geschmückt. In diesem anheimelnden Raum kon⸗ zertierte die Bauersche Kapelle. Die Besucher der Halle aber waren in einer Stimmung, wo gegen die Faschingsstimmung das reine Kinder⸗ spiel ist. Frohe Laune und Ausgelassenheit hatten hier in dieser dem Gambrinus geweihten Halle den Höhepunkt erreicht; allerdings Menschen mit zarten Nerven können wir von dem Besuch dieses Ortes nur abraten.

* Gießen, 1. Juni. Für 200 000 4 Fahr⸗ räder sollen am Sonntag in unserer Stadt ver⸗ sammelt gewesen sein. Die Berechnung wird ungefähr stimmen, wenn man annimmt, daß mindestens 900 Radler hier waren, von denen jeder eine Maschine im Werte von 225. besaß.

* Gießen, 1. Juni. Zu den Rennen am Sonntag waren 5100 Billets verkauft, und zwar 4036 für den Stehplatz, 650 für den Sattelplatz und 420 für die Tribünen. Hierzu kommen noch ca. 5 600 Eintrittskarten, welche zu er⸗ mäßigten Preisen an die Gäste abgegeben wurden, sodaß im ganzen an 6000 Personen die Renn- bahn besucht haben. Die Gesamt-Einnahme für Eutree wird sich auf ca. 3500 4 belaufen.

* Gießen, 31. Mai. Die fünfte General⸗ versammlung der freien Vereinigung von Krankenkassen im Großherzogtum Hessen hat gestern in Bad Nauheim unter dem Vorsitze des Herrn Muench-Worms statt⸗ gefunden. Vertreten waren 63 Krankenkassen durch 101 Delegierte. Als Vertreter der Regie⸗ rung waren anwesend Regierungsrat Dr. Dietz und Rechnungsrat Zeller von der Landesver⸗ sicherungsanstalt in Darmstadt. Nach dem Be⸗ richte des geschäftsführenden Ausschusses umfaßt der Verband jetzt 40 Ortskrankenkassen, ferner 20 Betriebs- und drei Innungskrankenkassen mit 65 870 Mitgliedern. Ueber die Uebernahme des Heilverfahrens durch die Landesversicherungs anstalt nach§ 12 des Gesetzes vom 22. Juni 1889 referierte eingehend Regierungsrat Dr. Dietz. Es handelt sich hier um diejenigen Kranken, denen bei raschem Eingreifen im ersten Stadium der Krankheit, besonders bet Lungen⸗ tuberkulose, durch rechtzeitige Unterbringung in geeigneten Heilanstalten noch Rettung gebracht werden kann. An der Hand von Zahlen wies der Redner nach, daß in den letzten Jahren steigend in einem immer größeren Prozentsatz streichelnd einen Schluck Wasser, ein Stückchen Brot gegeben haben. Sicherlich aber war sie weit öfter mit Scheltworten bedroht, mit Steinen geworfen und verjagt worden, nirgends Veistand oder Hilfe findend. Denn sie war ja ein Hund, ein Geschöpf, das nur dazu gut ist, seinen Balg dem Kürschner zu überlassen oder für die Wissenschaft zu Tode ge⸗ foltert zu werden. Die Erde hatte ihr kein Er barmen gezeigt, ihre Füße blutig gerissen und ihren ermatteten Körper durchkältet; der Himmel hatte ohne Erbarmen seine Regenschauer und eisigen Windstöße auf sie herabgepeitscht, seine brennende Sonne auf sie niederstrahlen lassen und durch ihr grelles Licht ihre kleine Gestalt den menschlichen Teufeln sichtbar gemacht. Sie aber war standhaft geblieben. Durch unbekannte Gegenden inmitten fremder Menschen, hatte sie ihren Weg gefunden nur vermöge ihres unbeugsamen Willens und jener Liebe, die Berge versetzen kann. Derselbe Geist, welcher die Schwalbe über Wüsten und Ozeane steuert und zu ihrem nördlich gelegenen Sommerneste geleitet dieselbe wunderbare Kraft, welche die Nachtigallen Jahr für Jahr vom Schilf des Nilstrandes und den Rosengefilden Hindostans nach den im Herbst verlassenen grünen Gebüschen der Ufer unserer Flüsse zurückführt diese ge⸗ heimnisvolle Macht hatte auch Poussette auf Wegen, die ihr Fuß noch nie betreten, durch Not und Ge⸗ fahr an's Ziel gebracht. So war sie, von aller Welt verlassen, ohne an irgend Jemand eine Frage oder Bitte richten zu können, von beständiger Furcht gehetzt, von Herzeleid verzehrt nun endlich bis hierher zu den Füßen des einen Menschen gelangt, dem ihr ganzes treues Herz gehörte. Und dann, als sie ihm in die Augen gesehen hatte, hauchte sie beruhigt ihren letzten Seufzer aus.

Ihr Grab erhielt sie in dem grünen Garten zu Bourg.

Die Erde hat für ihres Gleichen keinen Lohn. Sie gab ihr Leben hin Alles, was sie zu geben hatte ohne Aussicht auf Vergeltung; und hätte sie wissen können, wofür sie wäre glücklich ge⸗ wesen. Denn durch ihren Tod rettete sie ihren Herrn.