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e Wahlen der Abgeordneten für Darmstadt
wel abwesende nationalliberale Kammermitglieder morgen
cppen, sprang auf und wollte fliehen.
under. Und jetzt, wo ihre rosige Wange, ihr kleines, nohlgeformles Ohr ibm so nahe waren, fiel es ihm
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Gitben, Sonntag, den 2. Mai
1897.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
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Gießen.
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Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
NMedaktion: 4 Kreuzplatz Nr. 4.—
Darmstadt, 30. April. Heute Vormittag 9½ Uhr trat die Zweite Kammer
lederum zusammen. Präsident Haas gedachte des ver⸗ sorbenen Abgeordneten Wasserburg in anerkennenden Als landständiges Mitglied zur Staatsschulden⸗ erwaltung wurde der Abg. Völlinger gewählt, schröder wurde Stellvertreter.— Hiernach kam die an⸗ lefochtene Darmstädter Landtagswahl zur Cramer befürwortete Namens der Uinderheit des Ausschusses die Ungiltigkeit der Wahl, gen Hauptgrund in der ungenauen Aufstellung der Pählerlisten liege. Friedrich hält es durch Zeugen in bewlesen, daß während der Abwesenheit eines der lelundspersonen auf einem Wahlbureau keinerlei Un⸗ cgelmäßigkeiten vorkamen. Erhebliche Gesetzes verletzungen amen nicht vor. Ullrich: Die Wahl sei zu kassieren, u das Wahlgesetz durch Eintragung von nicht hessischen Imlerthanen und vier Gardeunteroffizieren in die Wähler⸗ en verletzt sei. Dr. Schmitt und Metz⸗Gießen sind en Ansicht, daß die formelle Vorschriften über die Zu⸗ arnmensetzung der Wahlkommission verletzt wurden, was Lein zur Ungiltigkeitserklärung der Wahl Veranlassung zerden müsse.
Joutz und Dr. David treten für die Ungiltigkeit er Wahl ein. Letzterer namentlich verlangt eine ge⸗ lssenhafte Aufstellung der Wählerlisten, wie sie seitens en Behörde bei Aufstellung der Steuerlisten durchgeführt l, Die Wählerlisten möge man drucken und veröffent⸗ schen lassen. Osann gibt zu, daß die Aufstellung der Hahlerlisten mangelhaft sel, das habe aber mit der lligkeit der Wahl nichts zu thun. Das Wahlresultat in keiner Weise beeinträchtigt durch zeitweises Fehlen ner der Urkundspersonen. Die Aufnahme der Garde— i terofftztere in der Wählerliste sei richtig, da diese nicht un beutschen Reichsheer gehören, sondern lediglich im enste des Großherzogs stehen. Im gleichen Sinne hrachen noch die Abgg. Schröder und Jöckel, worauf le Fortsetzung der Berathung auf Nachmitags 4 Uhr an⸗ etzt wurde. Wie Präsident Haas bekannt gab, hat ge Regierung mitgetheilt, daß sie auf Beantwortung ner Interpellation des Abg. Köhler über e Feierabend stunde wegen des in ihr enthaltenen imparlamentarischen Tones verzichtet. Die saummer wird sich morgen mit der Angelegenheit be⸗ sssen.
In der nahezu dreistündigen Nachmittagssitzung sind
egen 2 Stimmen für ungültig erklärt, nachdem ein latrag von Osann, die Abstimmung mit Rücksicht auf
sorzunehmen. abgelehnt war.
Als der Präsident das Resultat verkündete, hatten be⸗ uits zahlreiche Nationalliberale den Sitzungssaal verlassen, vns Abg. Hechler benutzte, um die Auszählung des bnuses zu beantragen. Darüber entspann sich eine so lebhafte und erregte Debatte, wie sie wohl schon seit ehr langer Zeit im Hause nicht vorgekommen ist.
Dr. Schmidt erklärte u. A. Namens der Opposition, hesß sie, wenn sie auf solche Weise vergewaltigen wolle, an einer Abstimmung der Kammer mehr theilnehmen perde.
Die Ansicht ist allgemein, daß die Nationalliberalen met ihrem heutigen Vorgehen ihren Juteressen keinerwegs gedient haben.
kokales und Provinzielles.
* Gießen, 1. Mai. Eine für die Be⸗
amten des Fahrdienstes wichtige Ver-
Sache„auf sich genommen“, wird zu 25 Mark
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Vetitzelle.
fügung hat der Eisenbahnminister erlassen. Von einer Eisenbahn⸗Direktion war die Er⸗ mächtigung nachgesucht worden, beim Betriebe verletzten Beamten des Fahrdienstes für die Zeit der Dienstbehinderung die Nebenbezüge in Höhe des pensionsfähigen Teiles weiter zu gewähren. Diesem Ersuchen konnte nicht entsprochen werden, dagegen hat der Minister Thielen bestimmt, daß, wenn die Dienstbehinderung längere Zeit an⸗ dauert und so erhebliche Einbußen an Nebenbe⸗ zügen für den Verletzten entstehen, derselbe hier für durch angemessene Zuwendungen aus den Remunerations- und Unterstützungs-Fonds schad⸗ los gehalten werden soll.
* Gießen, 1. Mai. Dem Verbande der Kreditgenossenschaften der Provinz Oberhessen gehören zur Zeit 21 Vereine an, wovon im letzten Jahre 4 der gesetzlichen Revi— sion unterzogen wurden; außerdem fanden erst— malige Revisionen bei der Gießener Omni⸗ busgesellschaft und der Baugenossenschaft des evangelischen Arbeitervereins statt. Das Ergebnis der Revisionen war befriedigend. Ausgeliehen waren im Jahre 1895: 3,352,450 . 92„ gegen Schuldscheine und Hypotheken, 598,515. 55& in Güterkaufgeldern, 409,094 . 54„ in Staatspapieren. Die Summe der bis Ende 1895 aufgenommenen Kapitalien belief sich auf 4,533,124 1 81&; die Einzahlungen der Mitglieder an Geschäftsanteilen betrugen 130,310 A 45. Der Reservefonds, bezw. die Betriebs⸗Rücklage beträgt 60,829. 4. Was Gewinn und Verlust der Einzelvereine be— trifft, so haben 3 Vereine einen Reingewinn nicht erzielt, während wieder andere recht erhebliche Beträge erübrigten.
* Gießen, 1. Mai. Die Stadtverord⸗ neten genehmigten in der letzten geheimen Sitzung dem H. Leib im Philosophenwald die Erbauung einer Restaurations halle. Dieselbe soll für 1000-1200 Menschen Raum bieten, wird vollständig geschlossen und erhält Heizeinrichtung, doch werden Einrichtungen ge⸗ troffen, welche es ermöglichen, für die heiße Jahreszeit den Raum luftig umgestalten zu können. Der Raum, welcher nach einer den Stadtverordneten vorliegenden Zeichnung sich sehr schön ausnimmt, wird nach Plänen der Archi⸗ tekten Stein& Meyer ausgeführt.
* Gießen, 30. April.(Schöffengericht.) Wegen Körperverletzung hatte sich der Möbeltransporteur Heinrich Keßler jr. zu verantworten. Der Angeklagte hatte anfangs Februar den Knecht Chr. Bautz mit einem Besenstiel mißhandelt und ihn gegen den Leib etreten, wofür ihm, da er schon einmal wegen Körperverletzung vorbestraft ist, 3 Wochen Ge⸗ fängnis zudiktiert wurden. Der Student Max Schlag von hier machte sich am 20. Februar mit mehreren hiesigen Kommilitonen das Vergnügen, nachts in einem Hofe in der Bahn⸗ hofstraße einen Karren umherzuziehen. Der Hausbesitzer schüttete den Ruhestörern 2 Eimer voll Wasser über den Kopf, worüber die Studenten derart aufgebracht wurden, daß sie mehrere Scheiben einschlugen. Schlag, der die
Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
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Geldstrafe verurteilt.— Einen komischen Beige— schmack hat die Verhandlung gegen den Fuhr— mann Konrad Pfeiffer von hier, welcher am 25. Februar dadurch groben Unfug verübt haben soll, daß er einem Israeliten das Wort „Rachemer“ nachrief. Pfeiffer, der schon einmal wegen dieses Ausdrucks bestraft ist, erklärt, mit dem erwähnten Wort habe er sein Pferd ge— meint, welches schon jahrelang„Rachemer“ heiße. Wenn man ihn hierüber bestrafen wolle, müsse das Gericht dem Pferd einen auderen Namen geben. Da das Gericht in dem Vorgang nur eine Beleidigung, die aber auf dem Privatklage— weg gesühnt werden müsse, erblickt, wird der An— geklagte freigesprochen.
* Gießen, 1. Mai. Im Regierungs⸗ bezirk Frankfurt ist der Verkauf auf⸗ Mae Fleisches verboten. Der Metzger Ferd. Roth von Nidda wurde kürz⸗
60 A. Geldstrafe verurteilt, weil er aufgeblasenes Kalbfleisch nach Frankfurt a. M. abgesetzt hat. Den Einwand, den der Verteidiger erhob, daß in Rothes Heimat(Großherzogtum Hessen) das Fleischaufblasen nicht verboten und der Ange— klagte dieses nicht etwa in Frankfurt, sondern in Nidda vorgenommen habe, konnte denselben vor Strafe nicht schützen.
* Gießen, 1. Mai. Das nasse Wetter hat anscheinend unsere Akademiker verschnupft, denn sie haben die gestrige Mitternachtsstunde vor⸗ übergehen lassen, ohne auf dem Markt und Lindenplatz dem Wonnemonat mit dem üblichen Mailied zu begrüßen.
„Gießen, 1. Mai.(Getrockneter Wald⸗ meister.) Getrockneter Waldmeister giebt der Wäsche einen äußerst angenehmen Wohlgeruch, wenn man ihm, in Sträußchen gebunden, im Wäscheschrank an verschiedenen Stellen ein ruhiges Plätzchen anweist, von denen aus er seinen aroma⸗ reichen Duft versenden kann. Praktische Haus⸗ frauen mögen also z. B. den zur köstlichen Bowle verwandten Waldmeister, der durch das kurze Weinbad durchaus nicht seine Duftfähigkeit ein⸗ gebüßt hat, abspülen, schnell in gelinder Wärme am Ofen trocknem, dann in Säckchen aus grob⸗ fadigen Mull füllen und ihm schließlich sein neues Amt als Duftspender im Wäscheschrank anweisen.
* Gießen, 30. April. Sitzung Großh. Han⸗ delskammer am 27. April 1897. Vor dieser Sitzung fanden drei Sitzungen der Kammer statt, welche hauptsächlich dem Verlesen des Jahresberichts für 1896 gewidmet waren. In der letzten Sitzung wurde die Drucklegung desselben beschlossen und eine hiesige Firma mit dem Drucken betraut. In Heide und Schweidnitz sind am 1. April und in Schleswig am 20. April l. J. Reichsbanknebenstellen, abhängig von den Reichsbankstellen in Kiel, bezw. Breslau und Flensburg errichtet worden. — Vom Büreau des deutschen Reichstags wird der Kam⸗ mer mitgeteilt, daß ihre Petition, betr. die Herabsetzung der Fernsprechgebühren den verbündeten Regierungen zur Erwägung überwiesen worden ist.— Zum Mitglied des Bezirks⸗Eisenbahnrats in Frankfurt a. M. wird Herr Kommerzienrat Koch und zu seinem Stellvertreter Herr A. Katz wiedergewählt. Zur Er⸗ leichterung von Ausflügen ist von der Kammer die Ein⸗ führung von Sonntags fahrkarten nach Lich,
Fata Morgana. Novelle von H. René. (Fortsetzung.)
„Ich glaube, Ihr habt heute noch garnicht ein- nal miteinander angestoßen, Kinder“, meinte der kürgermeister, der sich nach und nach seiner hoheits⸗ vollen Miene von vorhin zu entledigen begann.
Alma errötete über und über und hielt ihr Elas so schwankend, daß der Wein herausfloß und Heid nebst Schürzchen befleckte.
„Ich habe nicht Schuld“, schmollte sie,„es rar Ihre Hand, die zitterte.“
„Hoffentlich werde ich heute zu keiner schwierigen Lperation mehr gerufen, ein Arzt dürfte nicht mehr tie ein Glas trinken“, versuchte er zu scherzen.
„O, später werde ich alles Trinkbare ver⸗ ließen“, lachte sie, doch dann biß sie sich auf die
Walter hielt sie fest. Sein leichter Sinn wurde sets durch ihren Uebermut angesteckt, fortgerissen. dausend fröhliche Erinnerungen teilten sie mitein⸗
im, wie manchen heimlichen Kuß er ihr früher ge suubt. Jetzt war sie seine Braut, bald seine Frau, se Eltern flüsterten diskret miteinander, und ehe noch recht wußte, wie es geschehen, hatte er & geküßt.
„Treuloser Schurke, treulos Beiden“, glaubte
drückte so zärtlich die seine, daß es ihm ganz warm ums Herz wurde und er allmählich die Zukunft in ganz anderem Lichte zu betrachten begann.
Dazu die prickelnde Champagnerbowle, die joviale Stimmung, die der Bürgermeister heraus⸗ zukehren für gut fand, die Stunden, die ihm erst wie Schnecken krochen, schienen auf einmal Flügel bekommen zu haben. Es schlug Mitternacht, als er mit erhitzter Stirn in die laue Sommernacht hinaustrat. Was war das? Die Thür im Doktor— haus stand offen, ein Licht, als würde es umherge⸗ tragen, huschte an den Fenstern vorüber, und als er mit einigen eiligen Schritten die Hausflur er⸗ reicht, stürzte Fräulein Minchen schreckensbleich ihm entgegen.
„Ach, du mein Gott, das Unglück“, jammerte sie.„Den Baron hat ein neuer Schlaganfall ge⸗ troffen, es soll sehr schlimm mit ihm stehen. Der Christian kam in die Stadt hineingejagt, als ob es hinter ihm brenne. Es blieb keine Zeit nach Ihnen zu suchen, und so bat sich der Adolf selbst aufgemacht, um zu sehen, ob noch Hilfe möglich. Die alten Füße zitterten unter ihm, aber er verbiß die Schmerzen. Ach, wenn er ihn doch noch lebend angetroffen hätte!“
Senglin stand wie zu Stein geworden da. Therese frei und er gebunden! Als ob der Wahn⸗ sinn seine Krallen ihm ins Gehirn schlüge, war ihm zu Mut. Therese frei! Ein wildes Hohnge⸗
„Da habe ich nun die Augen mir na b Ihnen aus⸗ gesehen“, klagte sie,„und jetzt sind Sie so sonderbar. Wenn Sie nur gleich, so wie sie gehen und stehen, hinauf aufs Schloß eilen möchten. Es würde mir ein Trost sein, wenn ich Sie meinem alten, armen Adolf und der Therese zur Seite wüßte.“
Wieder lachte er laut auf.„Auf's Schloß, ihr vor die Augen treten. Nimmermehr! Ich komme ja eben von meinem Verlobungsmahl, und von dort geht man an kein Sterbebett. Warum gratulieren Sie mir nicht! Sehe ich denn nicht aus, wie ein glücklicher Bräutigam?“
Minchens zitternder Hand entfiel das Licht und verlöschte auf dem weißen Fliesenboden.
„Was Sie ihr angethan haben, das verzeihe Ihnen Gott. Ich kann es nimmermehr“, sagte sie ganz laut. Noch nie im Leben hatte sie so energisch zu Jemand gesprochen. Die Dunkelheit gab ihr wohl den Mut dazu.
VI.
Noch ehe die Sterbeglocken es laut verkündet, wußte man überall im Städtchen, daß der Baron ausgelitten.
In des Jugendfreundes treuen Armen war er verschieden, während Therese auf den Knieen liegend, die erkaltenden Hände in Thränen badete.
Nun lag er zwischen Totenkränzen von Rosen und weißen Lilien, aufgebahrt in der stillen, buchen⸗ umrauschten Ahnenhalle, der Letzte seines alten Stammes, der einem entfernten, unbekannten Seiten⸗
„es in seinen Ohren schallen, an den Wänden niederhallen zu hören, doch die kleine, volle Hand
lächter war seine einzige Antwort darauf. Entsetzt wich das kleine Fräulein vor ihm zurück.
sproß endlich Platz gemacht.
lich in Frankfurt von der Strafkammer zu
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Lollar, Wetzlar und Braunfels unter eingehender Begründung beantragt worden. Ein Zirkular des Deutschen Handelstages bringt der Kammer zur Kenntnis, daß vom 26. bis 31. Juli l. J. in Brüssel der vierte internationale Kongreß für Arbeite runfälle und soziale Gesetzgebung stattfinden wird. Da durch die seitherigen Kongresse in den Staaten des Auslandes eine große Zahl von Anhängern der Errichtung staat⸗ licher Arbeiterversicherungen geworben wor⸗ den ist— bisher tragen Handel und Gewerbe in Deutschland allein die Belastung, welche aus der öffent⸗ lichen Fürsorge für die Arbeitnehmer entspringt so legt es uns die Sorge um die Erhaltung unserer Kon⸗ kurrenzfähigkeit demgegenüber nahe, auf möglichst rasche Ausdehnung dergleichen sozialpolitischen Ausgestaltung bei Gewerbe und Industrie des Auslandes hinzuwirken. Der deutsche Handelstag fordert die Kammer unter Hinweis auf die Bedeutung dieser Versammlung dazu auf, das Interesse durch Beteiligung an dem Kongresse und Ueber⸗ nahme des damit verbundenen geringen Beitrags zu den Kosten desselben zu bekunden. Die Kammer bewilligt den gewünschten Beitrag, wofür ihr seiner Zeit die sämtlichen gedruckten Berichte und Protokolle zugehen werden. Das Verzeichnis der Kammer von schwindelhaften Firmen im Ausland hat Erweiterung für Italien, Spanien und die Niederlande erfahren.
* Reichelsheim i. d. Wetterau, 29. April. Als vor fünf Jahren Landwirte von hier und der Umgegend zusammentraten, um als Genossen⸗ schaft hier eine Dampfmolkerei zu erbauen, da schüttelte gar Mancher den Kopf und stand abwartend abseits, weil diese Gründung die erste ihrer Art in der hiesigen Gegend war. Aber die Ansicht änderte sich gar bald, nachdem man ein⸗ mal den Vorteil einer Molkerei eingesehen hatte. Der Gründung hier, der bald noch sehr viele Landwirte beitraten, folgten andere in der Gegend, die nun alle mit Nutzen für die Land⸗ wirtschaft arbeiten und eindringlich predigen und mit Zahlen beweisen, welcher Vorteil für die Landwirte im Zusammenschluß liegt. Von dem Umfang des Geschäftsbetriebs unserer Molkerei im verflossenen Jahr giebt die Reinertragsziffer aus Molkereiprodukten mit 39 749 98. Auf⸗ schluß. Der Brutogewinn beläuft sich für 1896 auf 15 860 28, Hiervon sollen nach einem Vorschlag des Vorstandes 12 700. als Nach⸗ zahlung auf Milch an die Genossen verwandt werden. Der Gesamtgewinn in den vier Jahren repräsentiert das schöne Sümmchen von 56 353 47 a, der Reservefonds beträgt 541393., die Betriebsrücklagen 379768 K Die Aktiva und Passiva erreichten die Höhe von je 80 205 90 KA. Den Genossen wird die gelieferte Milch nach dem Fettgehalt bezahlt. Sie erhalten für jedes pCt. im Liter 2/. Hierzu kommen jetzt noch die Nachzahlungen.
* Darmstadt, 29. April. Das Großh. Ministerium, Abtheilung für Schulangelegen⸗ heiten, hat eine Verfügung erlassen, wonach an lokalen Festtagen, z. B. an Kirchweihtagen, auf Fastnacht u. s. w. der Schulunterricht in den Volksschulen künftig ausgesetzt werden darf, ohne daß diese freie Tage an den von dem Ministerium gesetzlich festgelegten Ferientagen in Abzug gebracht werden dürfe. Indessen wurde die Beschränkung beibehalten, daß diese schulfreien Tage im Laufe der ganzen hohen, nicht mehr als
drei betragen dürfen.. —8——Ä—UZ— 8888 ̃ ̃ ͤͤ
Therese, wie eine dankbare Tochter dem treuesten der Väter nachtrauernd, stand doch mit einer ge⸗— wissen, heiteren Ruhe an seinem Sarge.
Warum sollte man dem Dulder nicht die schmerzlose Stille gönnen, die ihn jetzt umgab. Hoch erhaben über alle Erdenqual lächelte er so friedlich, und sein letzter Hauch war ein Segens⸗ wunsch für sie gewesen.
Warum Onkel Doktor und Tante Minchen sie nur so mitleidig betrachteten, so seltsame Blicke miteinander wechselten, mitten im Flüstergespräch stockten, sobald sie sich nahete. Die Guten, fie trugen wohl Sorge um sie des Schicksalswechsels wegen, fürchteten, daß ihr das Scheiden von der Heimatsstätte schwer falle. Ach, Keiner von ihnen allen ahnte ja das heimliche Glück, das ihr eine Waffe geworden war gegen jeden drohenden Schmerz.
Sie hatte Walter so lange, drei Tage nicht ge— sehen, seine geliebte Gestalt, seine helfende Hand sogar am Sterbebett des Onkels vermißt. Verbot sein Zartgefühl ihm sich der Geliebten, die doch vor der Welt als eine trauernde Witwe an der Bahre des Gatten stand, zu nahen? Sie wußte ihm Dank für diese Zurückhaltung, obgleich ihr Herz aus banger Sehnsucht nach ihm fast schmerzlich klopfte.
Heute sollte der neue Herr einzi hen; festtäglich geputzt harrte unten die Dienerschaft seiner Ankunft Der stille Tote dort oben brauchte ja Niemand mehr.
(Fortsetzung folgt.)


