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Nr. 101
Gießen, Sonnabend, den 1. Mai
9205 6910.
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Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
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Ausgabe
Gießen.
Postztg. Nr. 3319.
Telephonu⸗Nr. 112.
Medaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Lokales und Provinzielles.
Gießen, 30. April. Den Jahresberichten der hessischen Seminaren ist zu entnehmen, daß dieselben im verflossenen Schuljahr insge⸗ samt von 299 Zöglingen besucht wurden. Es entfallen auf Alzey 102, Bensheim 87 und Friedberg 110; die Oberklasse besuchten 93 Zög⸗ linge. Evangelisch sind 233, katholisch 63, israe⸗ litisch 3. Darunter sind Söhne von Landwirten 139, von Lehrern 37, von Kaufleuten und Ge— werbetreibenden 92, von Beamten und Be— diensteten 28, von Eltern anderer Berufsarten 3. Die Direktoren mit inbegriffen sind als Lehrer shütig: in Alzey 7 ordentliche, 1 außerordent⸗ licher Lehrer und ein Hilfslehrer; in Bensheim: ordentliche, 1 außerordentlicher und 1 Hilfs— lehrer; in Friedberg: 8 ordentliche, 4 außer⸗ ordentliche und 1 Hilfslehrer. Im verflossenen Jahr war der Lehrerwechsel an den Seminarien ein höchst mannigfacher.
* Gießen, 30. April. Der Wahlaus⸗ schuß der Zweiten Kammer hat die Wahl des im 9. oberhessischen Wahlkreis Schotten⸗ Nidda gewählten christlich⸗sozialen Abgeordneten Weidner wegen Wahlbeeinflußung— es gab „Wahlbier“ und Schnaps— beanstandet und die Ungiltigkeitserklärung beantragt.
* Gießen, 30. April. Nach der neuesten Zählung der Bevölkerung nach ihrer Kon⸗ fession giebt es im Großherzogtum Hessen 694970 Protestanten, 305 895 Katholiken, 24618 Israeliten und 6661 Andersgläubige, darunter JMuhamedaner. Nach Provinzen geordnet giebt es in Starkenburg 299 932 Protestanten, 130095 Katholiken, 8745 Israeliten und 1674 Anders⸗ gläubige, in Rheinhessen 149 350 Protestanten, 154,951 Katholiken, 8613 Israeliten und 4861 Andersgläubige, in Oberhessen 245,688 Pro⸗ testanten, 20,849 Katholiken, 7260 Israeliten und 126 Andersgläubige. In den Hauptstädten überwiegt die protestantische Bevölkerung, nur in Mainz sind die Katholiken in der Mehrheit; in Darmstadt, Worms, Offenbach und Gießen gibt es zusammen 4178 Israeliten, in Mainz allein 3089.
* Gießen, 30. April.(Ehrenpreise.) Anläßlich der am 30. Mai festgesetzten Eröff⸗ nung unserer neuen Rennbahn und der auf derselben stattfindenden großen Rennen hat der Vorstand des Gaues 9 des Deutschen Rad⸗ fahrer⸗Bundes beschlossen, den„Wanderern“ G. R.⸗G. einen Ehrenpreis im Werte von 150 M zu stiften.— Weitere Preise sind bereits ge⸗ stiftet vom Vorstand des Nordbezirks des Gaues 9 im Werte von 50%, vom Vorstand der „Wanderer“ G. R.⸗G. im Werte von 50 K. und vom Brauereibesitzer Bichler im Werte von 60 1 Weitere wertvolle Preise sind in Aus—
sicht gestellt.
* Gießen, 30. April. In der Privat- klagesache des Dachdeckermeisters Carle gegen den Rentier Haas sen. stand heute in der Berufsinstanz vor der Strafkammer Termin an. Die Angelegenheit endete indem die Parteien beide ihre Berufung zurücknahmen. Die entstandenen Kosten trägt der Beklagte
aas. 8* Gießen, 30. April.(Sitzung der Stadt⸗ verordneten.) Eine ganze Reihe Baugesuche werden, teilweise allerdings nur widerruflich, genehmigt, ein Ge⸗ such des Lohnkutschers Huhn abgelehnt.— Nachträglich —.——.———
genehmigt die Versammlung eine Rechnung des Adam Krombach von Krofdorf in Höhe von 322, 80& für demselben freihändig übertragene Arbeiten und Lieferungen zur Herstellung der Feldwege am Windhof und auf der Hardt.— Der vom Stadtbauamt aufgestellte Spezial⸗ Plan und Vorauschlag zum Ausbau der Ebelstraße vom Riegelpfad bis zum Leihgesternerweg(18 000%) wird genehmigt.— Die Berechnung der Kosten der Straßen⸗ beleuchtung von Seiten des Gas- und Wasserwerks an die Stadtkasse bedarf infolge der Einführung der Glüh⸗ lampenbeleuchtung der Genehmigung, die auch erteilt wird. Der Oberbürgermeister teilt der Versammlung die Berech⸗ nung mit, die das Gas- und Wasserwerk aufgestellt hat. Darnach stellt sich die Ersparnis an Gas bei den vor⸗ handenen Glühlampen gegen den gewöhnlichen Straßen⸗ brenner pro Monat März auf 288, von denen aber noch in Abzug kommen 138, für Gas für die Stich⸗ flammen, die Tag und Nacht brennen und vermöge deren die Glühlichtlaternen entzündet werden. Die dann noch verbleibende Ersparnis von 150/ in dem betreffenden Monat werde aber absorbiert durch die kostspieligere sub⸗ tilere Behandlung dieser Laternen, durch den Verbrauch der Strümpfchen und Cylinder, sodaß zwar materiell nichts dabei erspart werde, wohl aber eine größere Helligkeit für dasselbe Geld wie früher mit den Querbrenuern erzielt wurde.— Die Versammlung genehmigt, daß der Coaks—⸗ bedarf für städtische Anstalten vom Gas- und Wasserwerk diesen das ganze Jahr hindurch zu dem Vorzugspreise be⸗ rechnet werden soll, der von Privaten bei Abnahme von 200 Centnern für die Sommermonate eingeräumt werden kann.— Es wird eine bereits erfolgte Ausgabe in Höhe von 97/ für Anlage eines 2. Hydranten auf dem Hofe der höheren Mädchenschule nachträglich vom Kollegium ge⸗ nehmigt.— Der Wäscherin H. Klein wird eines der städtischen Grundstücke Nr. 8 oder 9 unterhalb des Männerbades zum Bleichen von Wäsche für den Preis von 30/ Jahrespacht überlassen.— Eine Stiftung der Wilhelm Köhler-Witwe, Henriette geb. Demuth zu Gleßen in Höhe von 1000% wird angenommen. Die Verblichene hat bestimmt, daß von den Zinsen so⸗ lange ihr und ihres Gatten Erbbegräbnis in Stand ge⸗ halten werden soll, bis der Friedhof einmal eingeht. Der etwa verbleibende Zinsüberschuß soll alljährlich einer allein⸗ stehenden Witwe die in Gießen wohnt, ausgehändigt werden. Nach Eingang des Friedhofes sollen jedoch die ganzen Zinsen am Todestage der Erblasserin in gleicher Weise verwandt werden.— Anläßlich des 100jährigen Geburtstages des Professor Credner hatte die Ver⸗ sammlung beschlossen, eine Straße zu Ehren des Gelehrten nach ihm zu benennen. Der Vorschlag im Süd⸗Osten der Stadt, die von der Hofmannstraße nach dem Weichbild der Stadt zu abzweigende, zwischen Hollergasse und der Frankfurterstraße gelegene und mit diesen parallel laufende neue Straße Credner⸗Straße zu benennen, wurde gut geheißen. Ebenso wurde für die Hollergasse die Umtaufung in Wetzlarer Straße angenommen. — Ein Gesuch des hiesigen Kaufmännischen Ver⸗ eins, um hypothekarische Hergabe eines Darlehens (24000 Mark) zu 3¼% auf das neu errichtete Vereins⸗ haus in Höhe von 60% des Taxwerthes desselben wurde nach dem Vorschlag der Finanz⸗Deputation angenommen. Die Finanz⸗Deputation ließ sich davon leiten, daß es nicht über den Rahmen des Interesses hinausgehe, den die Stadt an der gedeihlichen Weiterentwicklung der kauf⸗ männischen Fachschule, die in dem Hause Unterkunft finden soll, wenn man durch Hergabe des Dahrlehens den Verein unterstütze, um so mehr, da die Stadt die Subvention von 800 Mark pro Jahr, die sie für diese Schule an den Verein zahle, beinahe wegen der Verzinsung der Hypothekenschuld gedeckt sei.— Für den Verband für das deutsche Un terrichtswesen, daß es sich speziell um die Hebung der kaufmännischen Fachschulen angelegen sein läßt, wird ein Jahresbeitrag von 10 Mk. bewilligt. — Ein Gesuch der Theater⸗Direktoren um Be⸗ willigung eines Zuschusses von 500 Mark zur Anschaffung von Theaterdekorationen wird genehmigt, unter der Be⸗ dingung, daß dieselben Eigenthum der Stadt bleiben. Ebenso wird genehmigt, dem Theaterunternehmen auch für
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für bie Bspaltige Petitzeile.
die neue Saison einen Gaspreisnachlaß zu bewilligen, der etwa den Betrag von 500 Mark ausmacht.— Der Verein der Ga stwärtefür Gießen und Umgebung weist in einer Eingabe an den Stadtvorstand darauf hin, daß er vom Kreisamt sowohl sowie vom Polizeiamt wegen Aufhebung der Polizeistunde abgewiesen sei. Der Verein legt sehr eingehend die mancherlei Gründe dar, welche er für unsere Verhältnisse für angemessen erweisen, daß mit dieser Einrichtung ein Ende gemacht werde. Ferner wird darauf hingewiesen, daß in anderen hessischen Städten diese Einrichtung auch nicht mehr bestehe oder wenigstens die Feierabendstunde nicht so gehandhabt werde, wie bei uns in Gleßen, eine Stadt, die Garnison und eine Hoch⸗ schule und außerdem vermöge seiner Lage an einem Eisenbahnknotenpunkt einen starken Verhehr habe. Die Bitte der Gastwirte gehe dahin, daß der Stadtvorstand eine von ihnen an das Ministerium gerichtete Eingabe wegen Aufhebung der Polizeistunde unterstützen wolle. Beigeordneter Wolff, der über diese Angelegenheit als Vor⸗ sitzender der Wirthschafts-Commission eingehend referirt, erklärt, daß man in derselben die mancherlei Schattenseiten nicht erkannt habe, die sich einstellen würden, wenn die Feierabendstunde aufhöre oder nicht mehr in der Weise gehandhabt werde wie bisher. Aber man sei auch der Ansicht, daß, was in andern hessischen Städten Recht, bei uns billig sein müsse und so schlage die Commission vor, dem Gesuch zu willfahren. Stadtverordneter Dir. Gut⸗ fleisch ist ganz der Ansicht der Commission, er sei sehr für eine Aenderung der gegenwärtigen Verhältnisse, weil damit der Unterschied aufhöre, der in der H an dhabung der Poltzeistunde den einzelnen Wirthen gegenüber gemacht wird. Er könne nicht sagen, daß es hierbei nach Gunst gehe, aber die Vorstellung, daß dem so sei, bestehe in weiten Kreisen des Publikums. Man müsse wünschen, daß die Polizei damit in der Nacht ihre Aufgabe erfüllt, für die Sicherheit der Bürger zu sorgen. Er halte es nicht für die Aufgabe der Schutz⸗ manschaft, zu controlieren, ob dieser oder jener Wirt seinen Gästen noch etwas zu trinken verabfolgt. Der Antrag der Wirthschafts⸗Commission wird darauf ange⸗ nommen.— Ein Gesuch der Minna Bernhardt und Helene Schmidt um Erlaubniß zum Wirtschaftsbetrieb für das Haus Wolfstraße 9 wird abgelehnt, weil der fortwährende Wirtschaftswechsel in jenem Lokale(der letzte Inhaber der Conzession in jenem Hause hat wegen Nahrungssorgen durch Selbstmord geendet) am besten beweise, daß ke in Bedürfnis dort vorliege. Ein gleiches Gefuch des Franz Mäder für die Grünbergerstraße 32(Neuer Schützenhof), findet Annahme. Es folgt eine nicht öffent⸗ liche Sitzung.
* Lollar, 30. April. Vom 1. Mai ab ge⸗ langen auf hiesiger Bahnstation direkte Fahrkarten nach Alsfeld, Betzdorf, Büdingen, Burbach(Sieg), Dillenburg, Ehringshausen, Grünberg, Haiger, Großen-Buseck, Herborn, Hungen, Hirzenhain, Cöln, Lich, Mücke, Nidda, Siegen und Zell⸗Romrod, sowie nach Darmstadt zur Ausgabe.
Neueste Telegramme.
Hd. Berlin, 30. April. Der anarchistische Schriftsteller Dempwolf, welcher in der letzten Woche in Haft genommen wurde, wird der Anstiftung zum Hochverrat beschuldigt. Dempwolf trat als Redner in den fünf Versammlungen auf, welche von den Anar⸗ chisten anläßlich der Centenarfeier abge⸗ halten, von der Polizei aber aufgelöst wurden. In diesen Reden soll Dempwolf die Strafthaten begangen haben.
Hd. Berlin, 30. April. Die Anarchisten beabsichtigten in diesem Jahre eine Maifeier durch eine öffentliche Versammlung zu begehen, müssen hiervon absehen, weil sie trotz
Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
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aller Bemühungen kein Versammlungs⸗ kokal erhalten konnten.
Hd. Berlin, 30. April. Der Späthsche Diskutir⸗Klub, der im Prozeß Kosche⸗ mann mehrfach erwähnt wurde, hat sich auf⸗
gelöst. Hd. Hamburg, 30. April. Die Sozialisten haben beschlossen, a m
1. Mai den Fest umzug, der mehrere Jahre nicht stattgefunden hat, wieder abzuhalten.
Hd. Kiel, 30. April. In Marine⸗ Kreisen wird versichert, daß von größeren Herbst⸗Manövern bezw. einer Uebung der Geschwader mit kriegs⸗ mäßigen Ausrüstungen, wie dies in früheren Jahren der Fall war, in diesem Herbst abgesehen werden soll.
Hd. Wien, 30. April. Meldungen aus Volo zufolge sollen die Türken nach Vetestino zurückgeworfen sein, unter Zurücklassung von Zelten und Waffen.
Hd. London, 30. April. Dem„Standard“ wird aus Canea gemeldet, daß eine englische Batterie in Candia angekommen sei. Die Plünderung der Stadt dauert fort.
Hd. Mailand, 30. April. Hier wurden aus Anlaß des Attentats auf König
Humbert zahlreiche Haussuchungen und acht Verhaftungen von Anarchisten vorgenommen.
Kirchliche Anzeigen.
Evangelische Gemeinde. Sonntag, den 2. Mai. Miserieordias Domini. In der Friedhofskapelle:
Bormittags 9 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Im Konfir man densaal in der Neustadt.
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche der Matthäusgemeinde. Pfarrer Schlosser.
Johanneskirche. Sonntag, den 2. Mai, Miserieordias Domini.
Vormittags 9 Uhr: Pfarrer Dr. Grein.
Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Lukas⸗ gemeinde. Pfarrer Dingeldey.
Nachmittag 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Konfir⸗ manden aus der Johannesgemeinde Pfarrer Dr. Naumann.
Sonntag, den 9. Mai. Konfirmation der Kinder aus der Johannesgemeinde. Feier des heiligen Abend⸗ mahls. Kollekte für die Armen.
Die Beichte findet Samstag, den 8. Mai. Nachmittags 2 Uhr statt.
Sterbefälle.
Am 27. April. Elisabeth Lindenstruth, geb. Bastian) 71 Jahre alt, Witwe von Oekonom Wilhelm Lindenstruth II dahier. Große Mühl⸗ gasse 31.
Am 28. April. Marie Pfeiffer, 1 Jahr alt, Tochter von Schlosser Engelbert Pfeiffer von Wallmenroth bei Betzdorf. Gestorben in der Augenklinik.
Am 28. April. Ludwig Becker, 15 Jahre
alt, Hausbursche von Altenbuseck, Kreis Gießen.
Gestorben in der neuen Klinik.
Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell in Gießen; Dru der E. Ottmaunschen Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 13.
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Fata Morgana.
Novelle von H. René. (Nachdruck verboten). (Fortsetzung.)
Festen Griffs hatte er die Thür des Neben⸗ zimmers geöffnet, und Walter sah sich plötzlich
einem verlockend arrangierten Theetisch und Alma,
1 die sich errötend von ihrem Fensterplatz erhob,
gegenüber.
ö Das helle Sommerkleid, das weiße Spitzen⸗ grundschürzchen, die Sammetschleife im Haar, alles paßte so gut zusammen, stand dem zierlichen, blonden Mädchen so allerliebst, daß Walter es sich ehrlich gestehen mußte, daß ein Mann zu solch einer Braut sich nicht zwingen zu lassen brauche.
Nur heiter verlebten Stunden an ihrer Seite erinnerte er sich in diesem Augenblick. Jedem tiefen Gedanken, jeder ernsten Stimmung wich sie geflissentlich aus, und leichtherzig wie er war, wußte er es ihr Dank, daß sie ihn nicht mit Thränen und Vorwürfen empfing, sondern als ob sie sich gestern in aller Herzlichkeit von ihm ge⸗ trennt, freundlich sagte:
„Gertrud Dohms, die Freundin, bei welcher wir uns in Berlin kennen lernten, hat mir heute
ihre Photographie geschickt, ich möchte sie Ihnen gern zeigen, Walter.“
Fräulein Dohms war sehr gut getroffen, und daran knüpfte sich die Bemerkung, daß Alma auf ihrem letzten Bilde eigentlich ganz unvorteilhaft aussehe. Die Stellung sei gezwungen, das Kleid zu hell.
Das mütterliche Album aus rotem Sammet mit Elfenbeinschlägen wurde geholt, Walter zog aus seiner Brieftasche eine frühere Photographie Almas hervor. Beide Bilder wurden verglichen.
„In Berlin wolle sie es bald noch einmal ver— suchen“, hieß es.„Aber im Hut und schwarzen Sammetjäckchen“, bat er,„das sei sein Lieblings— anzug. Alma nickte, und als Mama Bürgermeister erhitzt aus der Küche hinein kam, hinter sich das Mädchen mit einer mächtigen Schüssel gesottener Krebse, da glaubte sie sogar, leises Lachen gehört zu haben. Alma hatte eben dem Doktor Fräulein Minchens Portrait im großkarrierten Kleide, das Strickkörbchen am Arme, gezeigt.
„Krebse, ich weiß, daß Sie die gern essen, langen Sie unr tüchtig zu“, ermutigte die Hausfrau.
Es war sein Lieblingsgericht. Wie freundlich,
daß man hier, wo er doch gerade die Ursache zum
Gegenteil gegeben, so aufmerksam seiner kleinen
Neigungen gedachte.
Alma mit ihren weißen Händchen brach die Schalen auf und legte den lockeren Inhalt auf seinen Teller. Es war alles so ziersich und appe⸗ titlich an ihr, und er konnte es sich eigentlich ganz hübsch denken, sich von ihr nun immer so bedienen und umschmeicheln zu lassen.
Wenn nur nicht Therese wie ein dunkler Schatten in sein Leben gefallen wäre. Der Ge⸗ danke an sie machte ihn noch toll, während er hier ruhig sitzen, den Angenehmen spielen mußte. Was wird sie sagen?„Kann ich mit ihrer Verachtung auf der Seele weiterleben?“ fragte er sich, während die zukünftige Schwiegermutter eben in Erwägung zog, ob die Wohnuug bei dem Becker Rolof oder der Oberstock des Kaufmanns Elkuß besser für die Ansprüche des jungen Paares geeignet sei.
Mitten auf der Tafel standen in einem hohen Kelchglas frische Rosen bunt durcheinander. Wie gebannt hingen seine Blicke an einer gelblichen Theerose, die ihren halberschlossenen Kelch leise über den Rand des Bechers senkte. So sinnend hielt auch Therese oft den Kopf, und so bleich und duftig zugleich war auch ihr Teint. Je länger er
hinabsah, je lebhafter wurde er an sie erinnert.
———
Wie ein geliebtes Antlitz selbst, das er oft heiß ge⸗ küßt, mutete ihm die träumerische Blume an.
Alma, die nach einem Körbchen duftender Wald— erdbeeren hinüber langte, blieb mit feinem ihrer vielen Armreifen an dem Bouquet hängen. Die Rose, auf welcher noch immer sein Auge ruhte, schwankte und fiel entblättert auf das weiße Damasttuch.
Walter fuhr zusammen. Als sei Therese selbst ein Leid geschehen, war ihm zu Mut.
„Gut, daß es nur die Theerose ist, das häß⸗ liche, gelbe Ding“, meinte Alma geringschätzig. „Sie paßte garnicht in meinen Strauß, und nur Fräulein Minchen, die eine Schwärmerei für den füßlichen Duft hat, schmuggelte sie ein.“
„Entblättert, zertreten!“ summte es in seinen Ohren, und er gab der Frau Bürgermeister, die ihn fragte, ob ihm geschnitztes Eichenholz oder Polisander besser gefiele, eine solche konfuße Ant⸗ wort, daß sie ihn ganz erstaunt anblickte.
Nach Schluß der Büreaustunden erschien auch das Stadtoberhaupt im Familienkreise. Eine kleine Bowle wurde gebraut, allerlei scherzhafte Toaste ausgebracht.
(Fortsetzung folgt.)


