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1.4.1897
 
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das Publikum nicht darunter leiden. Das kann

jedesmal dem neuen Briefträger zwei oder drei Tage lang einen Kollegen mitgeben würde, der den betr. Bezirk schon genau kennt. Wir nehmen an, daß dem hiesigen Postamt nicht bekannt ist, welche Unannehmlichkeiten seine Maßnahmen für das Publikum im Gefolge hatten, wünschten aber, daß Abhilfe geschaffen wird.

verein WaisenschutzVerband Gießen hat an die Oberfechterei Mainz den Ueberschuß seines diesjährigen Maskenballes, 350 K, übersandt.

Nr. 77

Gießen, Donnerstag. den 1. April

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

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Ausgabe

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Gießen.

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Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

A 1727 Se 1 Lokales und Provinzielles. * Gießen, 31. März. Wir machen auch an dieser Stelle auf die heutige Bekanntmachung des städtischen Gas⸗ und Wasserwerks aufmerk sam, betr. Absperrung der Wasserleitung in der Schulstraße und einiger angrenzenden Straßen. Gießen, 31. März. Sein 25 jähriges Dienstjubiläum feierte am Sonntag der Bremser Georg Spaar von hier. Seine Freunde und Kollegen veranstalteten aus diesem Anlaß eine kleine Feier auf dem Lenzschen Felsenkeller, bei welcher dem Jubilar von dem Fahrbeamten⸗Verein als Jubiläumsgeschenk ein Regulator überreicht wurde. Spaar ist seit 25 Jahren ununterbrochen in Gießen stationiert. * Gießen, 31. März. Seitens des hiesigen Postamts wird es beliebt, in bestimmten, ver⸗ hältnismäßig aber recht kurzen Fristen die Briefträger mit ihren Bezirken wechseln zu lassen. Das hat für das Publikum roße Unannehmlichkeiten im Gefolge. at sich ein Briefträger glücklich eingearbeitet, weiß er, daß X. täglich 15, Y. 16 und Z. 17 Zeitungen bekommt, hat er sich auch endlich daran gewöhnt, diese Zeitungen nicht mehr zu verwechseln, so daß er also dem Freisinnigen keine sozialdemokratischen, dem Sozialdemokraten keine nationalliberalen Blätter mehr bringt usw., dann kann man sicher sein, daß der Briefträger durch einen neuen abgelöst wird. Und mit diesem neuen Briefträger fängt die alte Geschichte wieder an. Wozu ist eigentlich diese ewige Wechselei? Will man jeden einzelnen Brief⸗ träger mit jedem einzelnen Einwohner unserer Stadt bekannt machen, so lasse man wenigstens

erreicht werden, wenn man bei der Ablösung

* Gießen, 31. März. Der hessische Fecht⸗

* Gießen, 31. März. Die Strafkammer verurteilte gestern den Taglöhner Jakob Diehl und dessen verheiratete Tochter, die Ehefrau Hrch. Brassel, beide von Gießen, wegen Ver⸗ brechens aus§ 173 des R.⸗Str.⸗G. zu 2 Jahren Zuchthaus, bezw. 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis und sprach gegen beide den Verlust der bürger⸗ lichen Ehrenrechte auf 3 Jahre aus.

* Gießen, 31. März.(Schöffengerichts⸗ verhandlung.) Gestern Nachmittag um 3 Uhr kam eine Spinnstuben⸗Affäre zur Verhandlung. Ange⸗ klagt sind der Landwirt Georg Will, der Bergmann Georg Häuser und der Bergmann Ludwig Luh, alle drei von Leihgestern. Der Erstere wird beschuldigt der Körperverletzung mittelst eines Messers und weiter, begangen in Gemeinschaft mit den anderen Angeklagten, der Körperverletzung mittelst einer Bierflasche. Alle drei Angeklagten bestreiten schuldig zu sein. Die Beweisauf⸗ nahme hatte folgendes Resultat. Am 17. Januar d. J. hatten die militärpflichtigen jungen Burschen des Ortes sich in die Stammrolle eintragen lassen und waren in bester Stimmung. So kehrten dieselben bei dem Wirt Faber X ein, wo sie bis gegen 9 Uhr verblieben. Die in kriegerischer Stimmung Befindlichen, darunter auch die drei Angeklagten, passierten später auf dem Heimwege das Häusersche Haus, wo Spinnstube stattfand. Man hörte aus demselben Musik und fröhliches Stimmendurcheinander und zögerte nicht, hier einzutreten. In der Spinnstube wurde gerade getanzt und verlangte der Angeklagte Will für sich ein Solo, welches ihm zuerst verweigert wurde, bis er es doch endlich durchsetzte. Nach Beendigung des⸗ selben verlangte der Bergmann Wilhelm Hahn von dem Solotänzer 10 3 für die Musik, worauf jener von Will gepackt und lang in die Stube geworfen wurde. Das war das Signal zur ersten Rauferei. Wie dieselbe ent⸗ standen, wer geschlagen und wer Hiebe bekommen hat, keiner der vernommenen 19 Zeugen vermochte darüber Auskunft zu geben. Die Raufenden gingen in einem Knäuel in der Ecke der Stube aneinander, plötzlich hieß es, schmeißt sie raus, und nun packten die Burschen gegen⸗ seitig kräftig zu und säuberten die Stube im Handum⸗ drehen. Zur zweiten Attaque schritt man im Hausflur, und auch hier wurden tüchtig Hiebe ausgeteilt und hin⸗ genommen, wie es gerade kam, aber auch bei diesem Akt der Affäre kann keiner der Zeugen Details angeben. Aber wegen zweier Spezialangriffe wurde thatsächliches ermittelt. Der Bergmann Hahn bekundet nämlich, daß er wieder in das Zimmer, in dem nach dem Tanz die Rauferei stattgefunden, gewollt habe, am Eingange habe ihn der Angeklagte Will gestellt und es sei zum Zweikampf gekommen, wobei Hahn nicht weniger als 9 Stiche mit

einem Messer erhalten, von denen 5 genäht werden mußten; er sei dadurch 8 Wochen arbeitsunfähig gewesen. 1 die Vernehmung des Dr. Felsing wird festgestellt, daß

die Wunden im Gesicht und am Arm vorhanden gewesen, daß dieselben nur von Messerstichen herrühren konnten, daß, nachdem die Wunden geheilt waren, der Verletzte infolge der Verletzungen die Gesichtsrose bekam, wozu noch eine Vereiterung kam. Durch die weiteren Zeugenaussagen wurden die Angeklagten überführt und endete die Ver⸗ handlung mit Verurteilung derselben. Das Urteil lautete gegen Will auf 6 Monate und 4 Tage, gegen die beiden anderen Angeklagten auf je eine Woche Gefängnis. Dem Antrage der Nebenkläger gemäß erkannte das Gericht außerdem auf insgesamt 424,25, für Arzt⸗ und Apothekerkosten, sowie Buße für entgangenen Arbeits⸗ verdienst des Verletzten. Von der Inhaftnahme des Will wurde abgesehen, weil Fluchtverdacht nicht vorliege.

* Gießen, 31. März. Von beteiligter Seite werden wir ersucht, zu unserem gestrigen Schöffengerichtsbericht noch nachzutragen, daß gegen Konrad Hamel in zwei von dem Dachdeckermeister Carlé angestrengten Belei digungsklagen auf 20 bezw. 25. Geldstrafe erkannt wurde. Die dritte Anklage richtete sich gegen den Studiosus Jean Hense.

* Gießen, 31. März.(Stadttheater.) Heute und morgen Abend gastieren hier bekannt⸗ lich Frl. J. Dora und Herr Worlitzsch, beide auf das vorteilhafteste bekannt. Der Ber⸗ liner Börsen⸗Kourier schreibt über eine Vor⸗ stellung der beiden Künstler in Berlin:Das Gastspiel der Frl. Josephine Dora und des Herrn Worlitzsch hatte das Haus bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Dora, mit stürmischem Beifall begrüßt, sah vorzüglich aus und bewies, daß sie noch immer im Vollbesitz ihrer reizenden, eigenartigen Soubrettenkunst ist. Ein Couplet versteht sie mit feiner Pointierung und ent⸗ zückender Drolerie vorzutragen, wie keine zweite. Man begreift nicht recht, wie sich die Berliner Bühnen, welche das Possengenre pflegen, eine solche Kraft entgehen lassen können. Auch Herr Worlitzsch war ganz Temperament und Froh⸗ laune. Demnach stehen uns hier zwei ge nußreiche Abende bevor.

* Gießen, 31. März. Ein hiesiger älterer Student, der seit Jahren sich in aller Stille mit der Konstruktion eines Flugapparates be⸗ schäftigte, hat Erfolg gehabt. Die Versuche, welche er in engerem Freundeskreis seither an⸗ stellte, sind ziemlich befriedigend ausgefallen. Er will sich nunmehr an die Oeffentlichkeit wagen, da er seiner Sache sicher zu sein glaubt. Morgen früh um 11 Uhr wird der glück⸗ liche Erfinder auf dem vorderen Teil des Triebs Flugversuche vornehmen. Die hiesige Militärbehörde hat in zuvorkommendster Weise 50 Soldaten zur Verfügung gestellt, die bei der Aufstellung des notwendigen Gerüstes helfen sollen. Ueberhaupt interessiert man sich in mili⸗ tärischen Kreisen außerordentlich für die Er⸗ findung des Studenten. Wie uns mitgeteilt wird, soll der Flugapparat einem Fahrrad sehr ähnlich sehen, doch ist das Hinterrad etwa doppelt so groß als das Vorderrad.

* Gießen, 31. März. hat gestern auf seiner Jagd im Herrschaftswald eine wilde Katze erlegt. Das Tier hat über 75 Zentimeter Körperlänge und ein Gewicht von 8 Pfund.

* Gießen, 30. März. Gestern Vormittag wurde ein Maschinenbauer der Heyligenstädtschen Maschinenfabrik beim Schleifen von Werkzeug derartig am Kopfe verletzt, daß man ihn in die Klinik berbringen mußte. Man befürchtet, daß der Verletzte ein Auge verlieren wird.

* Steinbach, 31. März. Während gestern Mittag zwischen 12 und 1 Uhr die Sonne über unser Dorf schien, machte sich am Forsthaus Hohe⸗Warte, ein 10 Minuten lang andauerndes Schneegestöber bemerkbar, so daß die Chaussee auf eine kurze Strecke vollständig winterlich aussah.

W. Grünberg, 31. März. Von morgen, 1. April ab gehen die Oberhessischen Eisen⸗ bahnen in preußische Verwaltung über. Die in Aussicht genommene Vervollkommnung des Bahnbetriebes, darunter auch die Einführung der 4. Wagenklasse, wird jedoch erst mit dem Inkrafttreten des Sommerfahrplans(1. Mai) erfolgen. Nichtsdestoweniger hat die Bahnver⸗ waltung sich veranlaßt gefühlt, dem morgigen Tag einen feierlichen Anstrich zu geben. Wie man uns mitteilt, wird der morgen Vormittag 11 Uhr 18 Min. hier eintreffende Personenzug, dem man in Fulda Guirlandenschmuck anlegt, während der Fahrt nach Gießen eine Musikkapelle mit sich führen, die auf allen größeren Stationen, nämlich in Bad Salzschlirf, Als⸗ feld, Grünberg u. s. w. während des eigens dazu verlängerten Aufenthaltes konzertieren wird. Auch werden sich die Stationsgebäude tagsüber in Fahnen⸗ und Guirlandenschmuck

präsentieren.

Herr Felsing jr.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

* Grünberg, 30. März. Die Sektion Grünberg des Vogelsberger Höhen⸗ klubs hielt im Gasthaus zumWilden Mann eine Generalversammlung ab. Da der seitherige Vorsitzende, Herr Kreisbauinspektor Baurat Schnitzel, in Folge der Neuorganisation des Straßenbauwesens zum 1. April nach Friedberg übersiedeln wird, wurde an seiner Stelle Herr Fuldner, Lehrer und Dirigent der erweiterten Schule hier, gewählt. Zum Schriftführer wurde Herr Gerichtsschreiber Schnellbächer und zum Rechner Herr Gemeinderechner M. Jöckel ernannt. Die vorhandenen Geldmittel, die aus einer zum Zwecke der Verschönerung der Umgebung der Stadt dem Verein gemachten Schenkung noch übrig sind, sollen im Sinne des Stifters ver wendet werden. Dagegen wurde ein Antrag, diese Summe dem neu gegründetenVerkehrs⸗ verein zu überweisen, abgelehnt.

* Darmstadt, 30. März. In Lausanne starb im Alter von 82 Jahren Professor Hermann Wiener. Von Darmstadt ge⸗ bürtig, war er 1834 als politischer Flücht⸗ ling nach dem Waadland gekommen und 1848 zum Professor der griechischen Sprache und Litteratur an der Akademie ernannt worden. 1877 nahm er seinen Rücktritt.

* Offenbach, 30. März. Im Schuh⸗ macherstreik hatten die Arbeiter das Gewerbe⸗ gericht als Einigungsamt angerufen, ein dahin gehender Schiedsspruch konnte von demselben deshalb nicht gefällt werden, weil die Arbeitgeber sich weigerten, gleichfalls dieses Gericht anzu⸗ rufen. Auch durch die vom Gewerbegericht schriftlich gemachten Vergleichsvorschläge ist es nicht gelungen, eine Einigung herbeizuführen, so daß der Streik immer noch fortdauert. Die Fabrikanten haben nun die ausständigen Arbeiter wegen Verlassens der Arbeit ohne Einhaltung der Kündigungsfrist beim Gewerbegericht verklagt. Von jedem Arbeiter wird der Betrag von 13 4. 80 als Entschädigung verlangt und die sich hierdurch ergebende Gesamtsumme soll, wie die Fabrikanten bei Erhebung der Klage erklärten, den Offenbacher und Oberrader Ortsarmen voll und ganz zu gute kommen.

* Seligenstadt, 30. März. In der vor einigen Monaten außer Betrieb gesetzten chemischen Fabrik hier ereignete sich vor einigen Tagen ein bedauerlicher Unfall. Ein Teil der vorhandenen Maschinen wurde nämlich von einer rheinischen Farbfabrik käuflich erworben. Beim Abbruche der Maschinen erlitt nun der beaufsichtigende Vertreter erwähnter Firma, Herr Dr. chem. C., eine schwere Quetschung der linken Hand. Das Vorderglied eines Fingers wurde vollständig abgedrückt. Der Verletzte hatte einen bedeutenden Blutverlust und mußte schleunigst ärztlichen Bei⸗ stand anrufen. Das altrenommierte Gasthaus Zum Hirsch ist durch Kauf in den Besttz des Herrn Metzgers Adam Stenger übergegangen, der demnächst neben der Gastwirtschaft noch eine Metzgerei darin betreiben wird.

* Mainz, 30. März. Die Vorarbeiten zur Erbauung einer elektrischen Eisenbahn von hier nach Wiesbaden durch die Süddeutsche Eisenbahngesellschaft sind nahezu beendet und werden in wenigen Tagen zum Abschluß kommen. Von der Gesellschaft sollen alsdann Schritte gethan werden, um die definitive Konzession zur Erbauung der Bahn baldmöglichst zu erhalten. Gleichzeitig mit diesem Schritt bei der preußischen und hessischen Regierung wird auch eine Eingabe an die hiesige Stadtverwaltung um Einführung des elektrischen Betriebs bei der jetzigen Straßen⸗ bahn erfolgen. Es ist Oberleitungsbetrieb vor⸗ gesehen.

* Mainz, 28. März. Im Gewerbe⸗ vereinshaus wurde heute Mittag die von Herrn Professor Dr. Kubel, dem Direktor der hiesigen Kunstgewerbeschule arrangierte Re⸗ klame⸗ und Plakatausstellung eröffnet. Die Ausstellung ist sehr reich beschickt, außer Deutschland ist Frankreich stark vertreten, dann England, Italien, die Schweiz, Belgien, Holland u. s. w. Der Besuch der Ausstellung war heute bereits recht lebhaft. Heute Nachmittag wurde eine andere Ausstellung geschlossen, die erste Ausstellung von Zeichnungen und Hand⸗ arbeiten von Kindern der hiesigen Volks⸗ schulen. Von nun ab soll alljährlich im März oder April eine solche Ausstellung abgehalten werden.

* Mainz, 30. März. Anläßlich des defini⸗ tiven Uebergangs der hessischen Lud⸗ wigsbahn in den Besitz des preußischen und hessischen Staates am 1. April trifft morgen Abend gegen 5 Uhr der preußische Eisenbahn⸗ minister v. Thielen hier ein. Zu Ehren des Ministers findet im Administrationsgebäude der

edition:

xv Nr. 4.

Kreuzplatz

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Bahn beim Direktionspräfidenten Oberregierungs⸗ rat Breidenbach ein Dejeneur und im Kasino zum Gutenberg ein Diner statt.

Vermischtes.

Freiwillig verhungert. Seine Absicht, durch Verweigerung von Nahrungsaufnahme den Tod zu suchen, hat, wenn eine Nachricht derRhein. Westf. Ztg. sich bestätigt, ein Gefangener, der zu mehreren Jahren Zuchthaus wegen Tötung eines Menschen in einer Schlägerei verurteilt war, im Zuchthause zu Vechta er⸗ folgreich durchgeführt. Zuerst benahm er sich ordnungs⸗ gemäß, dann verweigerte er die Nahrung, sodaß er zur Beobachtung in die Irrenanstalt nach Wehnen gebracht wurde. Dort hielt man ihn für einen Simulanten und schaffte ihn nach Vechta zurück. Doch weder Strafen noch gute Worte konnten ihn zur Beobachtung der Hausord⸗ nung anhalten. Der Gefangene hatte den Vorsaß, dadurch, daß er jegliche Speise von sich wies, sein Leben zu enden. Ermahnungen, Zwang u. s. w. wollten aber nicht helfen, infolge Entkräftigung ist er verschieden.

Ein bewegter Abend in Pesaro. In dem italienischen Städtchen Pesaro, wo Mascagni als Direktor des Konservatoriums Rossini wirkt, ist es am Dienstag Abend zu einem argen, gegen Mascagni gerich⸗ teten Skandal gekommen. Man muß wissen, daß die Bevölkerung von Pesaro für Mascagni sehr begeistert war, bis es der Masstro durchsetzte, daß diesen Winter in Theater des Städtchens seinWilliam Ratcliff zur Aufführung gebracht werde. DerRatcliff ist aber un⸗ streitig die hohlste und langweiligste unter allen Opern Mascagnis, und dieses Werk 2 Monate hindurch immer von Neuem mit anhören zu müssen, mag eine Folter sein und hat das Theaterpublikum von Pesaro, insbesondere die Abonnenten zu geschworenen Feinden Mascagnis ge⸗ macht. Wie man sich denken kann, stand es unter diesen Umständen auch um die Finanzen des Theaters schlecht. Das Personal konnte nicht bezahlt werden. Dienstag Abend brach nun das Unwetter los. Es sollte wiederum William Ratcliff gegeben werden, aber vor Beginn der Vorstellung erklärte der Kapellmeister Tango, er werde nicht dirigteren, wenn man ihm nicht auf der Stelle sein rückständiges Gehalt auszahle. Die Impresa war dazu beim besten Willen außer Stande und rief Mascagni um Hilfe an. Dieser erklärte, daß der Kapellmeister im Rechte sei. Inzwischen wurde das Publikum ungeduldig und geriet in Zorn gegen den widerspenstigen Kapell⸗ meister. Mascagni hielt von der Loge aus eine An⸗ sprache an das Publikum, wurde aber niedergezischt. In diesem Augenblicke führten zwei Polizisten den Kapell⸗ meister in das Theater zu seinem Platze hin und wollten ihn zwingen, die Vorstellung zu dirigiren. Das Publikum brach in Schimpfworte gegen den Unglücklichen aus während Mascagni und eine kleine Minderheit der Zu⸗ hörer ihn in Schutz nahmen. Es dauerte nicht lange, so wurde man handgemein. Mascagni war außer sich vor Wut und überhäufte das Publikum immer aufs Neue mit Beleidigungen. Das Ende vom Liede war, daß der Präfekt Herrn Mascagni und den Kapellmeister Tango mit Gewalt aus dem Theater schaffen und unter poltzei⸗ licher Bedeckung in ihre Wohnung geleiten ließ. Das Publikum beruhigte sich dann sehr bald, und da der Bürgermeister dem Personal Bezahlung versprach, nötigen⸗ falls aus städtischen Mitteln, so konnte unter Leitung eines stellvertretenden Kapellmeisters auch eine Vorstellung zusammengebracht werden, die Künstler sangen Romanzen und Arien, das Orchester spielte ein paar Tänze, das Publikum freute sich, einen so denkwürdigen Abend ver⸗ lebt zu haben und der Impresario war glücklich, daß er die Eintrittsgelder nicht hatte zurückzahlen müssen. Da⸗ gegen soll Mascagnis Stimmung und das klingt sehr glaubwürdig nicht eben die rosigste sein.

Neueste Telegramme.

Hd. Berlin, 31. März. Reichskanzler Fürst Hohenlohe feiert heute seinen 78. Geburtstag.

Hd. Berlin, 31. März. Die Ankunft Nansens in Berlin wird am 2. April Vor⸗ mittags erfolgen.

Hd. München, 31. März. Der Prinzregent hat den im Oktober v. J. wegen dreier Verbrechen des Mordes und Raubes dreimal zum Tode verurteilten Maurer Johannes Berchtold zu lebenslänglichem Zuchthaus be gnadigt.

Hd. Kanea, 31. März. Gestern Nachmittag 4 Uhr griffen die In surgenten das Fort Izzedin, welches den Ausgang der Sudabey bildet, an. Die fremden Kriegsschiffe feuerten auf die Angreifer, um das Fort, welches von Türken mit 12 Geschützen und einer Mitrailleuse besetzt war, zu unterstützen.

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Sterbefälle. Konrad Kohlhauer, 64 J.

Am 29. März. alt, Landwirt von Bissenberg, Kreis Wetzlar, Gestorben in der neuen Klinik. Die Leiche wird in die Heimat verbracht.

. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗

teur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in Gießen.