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29.3.1896
 
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Gießen, Sonntag, den 29. März

1896.

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Ausgabe

Udeszeitun 0.

Gießen.

Redaktion:

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

1 Expedition:

Kreuzplatz Nr. 4.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile.

Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles. Gießen, 27. März.Endlich! seufzen Ar erleichtert auf, denn endlich ist es bei uns getroffen, wirklich und wahrhaftig: das erste enzgedicht. Nun erst sind wir so recht aus but zlerster Seele davon überzeugt, daß Frühling ast st ab worden ist und die linden Lüfte thatsächlich 1 ih Menn wacht sind. Sie säuseln und weben, wie der tunen Achter behauptet, Tag und Nacht; sie wecken in db and a In verstocktesten Philisterbusen wundersame Ge⸗ achgebers z le und drücken scheuen Primanern und schä⸗ zulcgen ud n gen Backfischlein den Federkiel in die Hand, ö 5 sie, himmelhoch jauchzend, in zierlichen timen der Welt ihr junges Glück verkündigen. denn glücklich sind sie, sobald der Lenz seinen den belebenden Blick auf sie niedersenkt; ihr rz ist voll süßer Hoffnung und Sehnsucht ad weß das Herz voll ist, deß fließt bekanntlich cht nur der Mund, sondern auch manchmal 5 Tinteufaß über. So entstehen, fast un wollt, die zahllosen Lenzgedichte, die all rlich um diese Zeit in das trübe Dunkel. Marl da da sosaischer Redaktionsstuben flattern. Kein nan u 15 kischer Zephir weht sie durchs offene Fenster ich bei aii, ein, kein Vögelein kommt geflogen und trägt Aufages ef 1 im Schnabel, wie es ihrem poetischen Cha⸗ lter eigentlich zukommt; ein ganz gewöhnlicher lephansbote schleppt sie in seiner ledernen Brief ügertasche herbei und legt sie, vermischt mit ndert andern gleichgiltigen Episteln und Druck chen, vor den mürrisch dreinschauenden Redakteur. Aer freilich kennt sie sofort unter hunderten heraus, e schüchtern sie auch sich zwischen den übrigen sstsendungen verstecken. Mit boshaftem Lächeln oh er aus dem Stoß bedruckten und beschrie on. nien Papiers, der auf dem Redaktionstisch vor 5 m aufgestapelt ist, ein niedliches rosenrotes Monates döuwert hervor, das sehr verdächtig nach Veilchen⸗ senlchen, den ger Maiglöckchenparfüm riecht.Da haben wir Zahl, Nes⸗ Steg glücklich die Bescheerung! murmelt er ironisch, Le Lenden ihrend die Finger mitleidlos an der duftigen lle herumzerren, bis sie zerfetzt in den großen

apierkorb sinkt. Ach, nur zu bald wird der fühlvolle Erguß, den sie schützend umfing, ihr N chfolgen! Denn solch ein Papierkorb ist das N 1 055 Ungetüm, das man sich denken kann; nauher, unergründlicher Magen verdaut selbst ( falschesten Reime, die zähesten Versfüße ohne

7 Ulnpen ichwierigkeit. Und darau mangelt es leider den vermieten ihllosen Lenzgedichten nicht, die alljährlich um

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wenn und. Inserat m.

Ein berufen 9 daasenstei Vetteten th, Saler en intimsten In, Uugsprese des ihn ulla seise in der La Weile nitlih und billigt aug se bet Zaugg

irg, Verantw. J; von E. Ottmanz

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sse Zeit, wie schon oben konstatiert, an die U resse vielgeplagter Redakteure gelangen. Sie stellen dem guten Willen ihrer Verfasser das and Kessel, Ae Zeugnis aus; sie versichern so treuherzig,

die Luft wiederlau und der Himmel

Gepräge für immer verloren. Das will freilich die stattliche Schar unserer Wald- und Wiesen dichter, die beim Nahen des Lenzes beherzt in die Saiten greift, nicht einsehen. Sie reimt munter drauf los, unter wahren und erdichteten Namen, und stellt nach wie vor an uns arme Redakteure das freventliche Verlangen, dem lieben Publikum durch banale Gedichte den schönen Lenz gründlich zu verleiden. Wir aber sind, Gott sei Dank, redlich genug, uns nicht zu Helfern eines so schnöden Verbrechens zu machen. Deshalb hinein in den Papierkorb!.

* Gießen, 27. März.(Fortsetzung der Strafkammerverhandlung gegen Gun derloch). Die Belastungsmomente gegen den Angeklagten sind genau dieselben, wie bei Vetter. Jakob Müller von Nieder Dor felden hat am 4. September 1895 kurz vor 12 Uhr Mittags Vetter und einen zweiten Mann auf dem Acker umhergehen sehen. Die Sache kam ihm verdächtig vor; er hat darauf, als er ius Dorf kam, etwa 5 Minuten nach 12 Uhr dem Ph. Wörner II von seiner Beobachtung Mitteilung gemacht und diesem gesagt, er möge doch ein Mal sehen, was die Beiden da draußen machen. Wörner bezeugt heute in Ueberein stimmung mit seiner früheren Aussage, er habe gesehen, wie Vetter an einem Ende des Ackers gesessen, während der andere Mann, den er nicht gekannt, die Hasen dem Vetter zugetrieben. Es seien zwei Schüsse gefallen; wer von den beiden geschossen, wisse er nicht. Er habe aber gesehen,

daß Vetter einen angeschossenen Hasen todt⸗ geschlagen und in einen Sack gesteckt habe. Er

glaube, der Treiber des Wildes sei der Ange klagte Gunderloch gewesen. Wörner gesteht zu, dem Vetter feindlich gesinnt zu sein und die Anzeige gegen diesen erstattet zu haben. Die zwei als Zeugen vernommenen Brüder Herling bekunden, Anfang September 95 ob es am 4. d. Mts gewesen, können beide Zeugen nicht sagen auf demselben Acker, wo Wörner VI. und Müller ihre Beobachtungen gemacht, das Gleiche gesehen zu haben. Die beiden Männer haben sie nicht erkannt; zwei Schüsse seien hinter einander gefallen und, dem Rauch nach zu schließen, mußten diese von einem der Männer abgefeuert sein. Ihnen kam es so vor, als ob die beiden Leute jagten. Der Zeit nach haben sie diese Beobachtung um nach 12 Uhr Mit⸗ tags ge nacht. Demgegenüber bezeugt der Zeuge Jakob Steul III, daß er am 4. September Grummet gemacht. Seine Wiese liege ganz in der Nähe des Ackers von Gunderloch. Er habe beide Männer gesehen, aber keine Schüsse gehört. Vetter und Gunderloch seien kurz vor 12 Uhr

en erlan ist, daß die S l

ederblau ist, daß die Sonne wieder vo onne scheint, daß imHerzen nun keine Schmerzen mehr sind und sämtlicheTriebe

I afLiebe hindeuten; aber diese frommen Be⸗

derungen sind nicht mehr ganz neu und wirk⸗ er-Schoth

Ihe Dichter wagen es kaum mehr, sie öffentlich cdszusprechen. Mindestens nicht in Worten, che nachgerade so abgegriffen sind, wie uralte fünzen; einst waren sie wohl blitzblank, aber uch jahrhundertelanges Wandern von Hand Hand haben sie ihren Glanz, ihr eigenartiges

Die ewige Lampe. Novelette von E. Eschricht. (Nachdruck verboten.)

Agrafina hatte ihren Rurik Maximowitsch jung gheiratet; sie war sechzehn, er noch nicht zwanzig hre alt; mit ihm war sie aufgewachsen und er den, und die Eltern betrachteten diesen verwaisten ter immer wie ein eignes Kind, und waren Sguücklich, die beiden zu früher Selbständigkeit führen e können, denn der Bojar war sehr alt und seine ahe, immer noch schöne Frau litt an der Schwind t t. Sie überlebten das sanfte Glück der Kinder den wa e eich nur um zwei Jahre; dann ließen sie dieselben nicht lee an l k dem hübschen alten Herrenhause mit dem präch e ln Gut, das an den Ufern des Lowat in der

5 Faule e von Cholm lag und 300 Seelchen zählte, bel Oi en zurück. Es waren noch 300 gute alte tote

uche heul 8 len; konnten nicht lesen noch fchreiben, arbeiteten 15 it gern viel, waren aber immer so recht ver un el Fligt, heirateten sich unter einander und starben,

entin⸗ 911 ein sie so alt waren, daß sie ordentlich Moos ene 0:

ud vel 1 ei dem Kopfe und zwischen den Falten der freund

Sof be den alten Gesichter hatten; unter 95 Jahren

saen sie es schon nicht gern.

In diesem seligen Gefilde des Lebeus lag auf zur kleinen Anhöhe das selige Gefilde des Todes ud herum um ein freundliches Kapellchen mit

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dann, ken schonen peiligen, Vergoldungen und Silber⸗ ische bert darin; und dicht daneben lag das kleine en e noch gar nicht so sehr verfallene Popen⸗

1 b dessen Garten hinab führte bis zur Lowat.

zu ihm gekommen und nach Hause gegangen. Gastwirt L. Spengler hat auf seine genau gehende Wanduhr gesehen und bezeugt, diese habe halb 1 Uhr gezeigt, da sei Vetter mit seinem Wagen an seinem Hause in Nieder Dorfelden vorbeigefahren. Vetter könne un⸗ möglich auf dem Acker gesehen sein. Forstbe⸗ amte des Baron von Holzhausen, erklären, am 4, September wegen der großen Hitze die Jagd aufgegeben zu haben. Vetter sowohl als der Angeklagte ständen im Ruf von Wilderern, aber

zu beweisen sei dieses nicht. Auch der Bürger meister von Rendel erklärt dasselbe von Gunderloch, dieser habe auch keinen guten Ruf, weil er wegen Bedrohung, Beleidigung und Ver gehens gegen das Viehseuchengesetz bestraft sei. Frau Reuling von Nieder Dorfelden bezeugt, daß Vetter 10 Minuten nach 12 Uhr am 4. September auf ihren Hof gekommen ist, um sich die Erlaubnis zu holen, auf ihrer Tenne Klee auszudreschen. Der Bürger meister von Nieder-Dorfelden sagt aus, der Zeuge Werner sei ein sehr rachsüchtiger Mensch, er traue ihm zu, daß er im Falle Vetter es mit der Wahrheit nicht genau genommen, um diesen ins Unglück zu bringen. Wörner IV hat den Vetter häufig angezeigt und zwar immer erfolglos. Als Illustration dazu, wie gewissenlos der Wörner sei, führt der Bürgermeister an, wie dieser in einem Strafverfahren, welches gegen ihn schwebte, einen Zeugen zu seiner Entlastung angegeben, der auch bereit gewesen, vor Gericht einen Eid zu schwören, daß Wörner die ihm damals zur Last gelegte Strafthat nicht begangen habe. Der betreffende Zeuge sei vor Gericht vernommen und auch vereidet worden, aber man machte zum Glück noch die Entdeckung, daß seine Aussage falsch sei, denn es konnte aus vorliegenden Akten festgestellt werden, daß der Zeuge an dem betreffenden Tage in Haft war und gar nicht dabei gewesen sein konnte, als Wörner das ihm zur Last gelegte Delikt begangen hat. Der Bürgermeister depo niert ferner, daß der vernommene Zeuge Steul einen sehr guten Ruf genieße. Dem Vetter traue er zu, daß, wenn er gelegentlich einen Hasen er wischen könne, er wohl diesen sich aneigue, Be weise, daß dies schon geschehen, habe er allerdings nicht. Zwei als Zeugen vernommene Knechte bekunden, daß die Dickwurz, als sie im Oktober geerntet wurden, zeigten, daß sie stark entbladet waren. Einer dieser Zeugen erinnert sich, daß Gunderloch, bei dem er damals in Arbeit ge standen, am 4. September v. J. vormittags mit seiner Frau darüber gesprochen, daß er dem Vetter das Abbladen der Rüben versprochen, doch habe dieser ihm geraten, sich erst über den Stand der Dickwurz zu vergewissern. Gunderloch sei dann vom Hause fortgegangen und zwischen ½ und ¼1 Uhr zurückgekommen. Er habe gleich gesagt, er sei mit Vetter auf dem Acker gewesen, wo die Rüben gut im Kraut stäuden, so daß dieser Futter holen könne. Staatsanwalt Koch plaidiert auf schuldig wegen unberechtigter gemeinsamer Ausübung der Jagd§ 292/293 des R.⸗Str.⸗G. Zwar gesteht die Anklagebehörde zu, daß der Hauptbelastungszeuge Wörner keinen guten Eindruck gemacht habe, es sei richtig, daß dieser Zeuge nicht einwands⸗ frei dastehe, aber dieses schließe doch nicht in sich, daß der Wörner heute einen Meineid geschworen. Die Aussage des Wörner, der ge sehen hat, daß Vetter den angeschossenen Hasen tot geschlagen und nachher in einen Sack ver barg, wird unterstützt durch die Aussage des Müller, dem das Gebahren der beiden Männer auf dem Acker verdächtig vorgekommen. Hierzu kommen noch die Wahrnehmungen der Gebr. Herling welche zwar nicht sagen können,

daß es am 4. September war wo sie mittags 2 Männer auf demselben Acker jagend beobachtet, aber sie wissen doch noch, daß es Anfang Sep tember war. Am 1. September, dies war ein Sonntag, am 2. September war Sedan, am 3. September Bergener Markt, an diesen 3 Tagen konnten die Beiden ihre Beobachtung nicht machen, wohl aber am 4 September, und das stimme mit den Aussagen Müller und Wörner überein. Der Staatsanwalt beantrage den Ange⸗ klagten mit derselben Strafe zu belegen, wie den schon abgeurteilten Vetter nämlich mit 6 Wochen Gefängnis. Justizrat Jöckel plai⸗ dierte auf Freisprechung. Es sei ganz unmöglich, daß der Zeuge Wörner den Vetter und seinen Klienten habe jagen gesehen, denn es sei durch die Zeugen erwiesen, daß Beide um 12 Uhr nicht mehr auf den Acker gewesen. Der Zeuge Steul bekunde dies ganz ausdrücklich und andere Zeugen⸗ Aussagen bestätigt die Unmöglichkeit dessen, was Wörner sagt. Der Gerichtshof verurteilte den Ange⸗ klagten wegen gemeinsam verübten Jagdvergehens zu 3 Wochen Gefängnis, indem er bei der Be gründung des Urteils den Ausführungen der Staatsbehörde folgt. Man kann nur annehmen, daß sich die Zeugen in dem Zeitpunkt ihrer Wahrnehmungen geirrt. Der Gerichtshof war der Meinung, daß die Jagd zwischen 11 und 12 Uhr ausgeübt wurde, denn nach dem Zuge⸗ ständnis des Angeklagten war er während dieser Zeit auf dem Acker. Die Verhandlung war gegen ½8 Uhr Abends erst beendet. 5

* Gießen, 28⸗ März. Die neueste Re⸗ klame kündigt das Geschäft von L. Halbreich in Worms(dasselbe hat auch in Mainz ein Zweiggeschäft) an: Am ersten eines jeden Mo⸗ nats macht das Geschäft öffentlich bekannt, daß die gesammte Einnahme eines bestimmten Tages an die Käufer, welche an eben diesem Tage im Geschäft waren, baar zurücker⸗ stattet werden wird. Die Käufer erhalten stets Coupons über die Höhe ihrer Einkaufssummen. Dabei versichert das Geschäft, daß die Preise durchaus keine Erhöhung erfahren.

Gießen, 21. März. Eine eigenartige Er⸗ scheinung ist, wie dieKl. Pr. meldet, in diesem Jahre allenthalben in Hessen bezüglich der Holz- preise zu beobachten. Bei den in den letzten Wochen abgehaltenen Holzversteigerungen herrschte eine so geringe Kauflust, wie sie selten vorkommen dürfte. Es mag dies eine Folge des gelinden Winters sein; denn die Holzvorräte aus dem Vorjahre sind noch ziemlich reichhaltig. Die Preise für sämtliche Holzsortimente stehen überall auf einem so niedrigen Niveau, daß vielen Holz⸗ versteigerungen die behördliche Genebmigung ver sagt wurde und das abgezählte Holz im Auschlag⸗ preise des Macherlohnes unter den Bürgern zur Verteilung gelangt. Tannenscheitholz wurde mit 5, Pruͤgelholz mit 2, Stockholz mit 1,20. pro Raummeter höchstgeboten. In den Vorjahren waren die Preise mitunter um 50 pCt. höher. Die einzelnen Gemeinden erleiden dadurch einen bedeutenden finanziellen Ausfall. Derselbe betrug in den kleinsten Dörfern 600 bis 1000% Diese Summe muß durch Erhöhung der Gemeinde

steuern ersetzt werden.

Hier wohnte der Pope, dein seine Frau gestorben war, mit seiner wunderschönen Tochter Saschinka, die berühmt war weit und breit wegen ihrer herr lichen Stimme, mit der sie auch bei den Respon- sorien in der Kapelle den Bibelspruch vorsang und die antwortenden Chöre führte.

Und es kam ganz von ohngefähr, wie solche Dinge häufig zu kommen pflegen, daß Rurik Maximowitsch die Tochter des Popen mehr gefiel, als seine eigne junge Frau; und doch war Agrafina sehr hübsch mit ihren großen blauen Augen und dem kleinen sturen Näschen, dem Grübchen im Kinn und dem Kokoschnick auf den rabeuschwarzen Haaren; unter dem zobelverbrämten Jäckchen hatte sie eine Taille zum Umspannen.

Was soll ich thun, fragte sie eines Tages den Popeu,mein Rurik liebt eine Andre?

Behandelt er Dich schlechter als soust, Mütterchen?

O nein nicht schlechter, nicht besser, er ist wie immer aber ich ich leide doch!

Laß ihn, meine Tochter, so lange er Dich nicht schlägt, so lange er nicht trinkt, ertrag es! Die ungetreuen Ehemänner pflegen immer reuig zurück zukehren, wenn das Strohfeuer verflackert ist; kehrt er nicht zurück nun daun ist es erust gemeint, dann mußt Du freilich etwas thun mit ihm fortgehen oder ihn doppelt lieben, und helfen ihm sein Kreuz tragen, weil es doch ein Unglück ist, vielleicht ein sehr großes.

Sie sah ihn lange fragend an sie begriff.

daß er nicht wissen könne, wen Rurik Maximo witsch liebte. 1

Aber er wußte es ganz genau; er kannte die Menschen und die bösen Leidenschaften; was hätte es genutzt, sich ins Feuer zu werfen, damit löscht man nicht die Flammen. Saschinka, das Vögelchen in seinem Haus, das den ganzen Tag sang und sprang, war schon lange verstummt, saß still in einer Ecke am Fensterplatz und warf mit den schmalen, weißen Händen die hunderte von Klöppeln zu einer breiten feinen Kirchenspitze zusammen, die den Altar schmücken sollte.

Im Herrenhaus fing es au drunter und drüber zu gehen, mehr denn je. Agrafina warf trotzig die Schlüssel von sich und grollte stumm; die 300 Seelchen arbeiteten noch ein bischen weniger, tranken und tanzten noch ein bischen mehr, und wurden ein bischen mürrisch, widersetzlich und unverschämt.

Zwei Jahre ging es, wie es eben ging.

Da meldete die Kammerfrau eines Morgens früh den Popen an.

Mütterchen Agrafina, sagte er und beugte sich segnend in der Stube herum, sich vor dem Heiligenbild bekreuzend,es kaun nun Alles gut werden, und Du wirst, so Gott will, keinen Kummer wieder haben. Saschinka ist nun fort.

Fort? Wohin denn mein Gott, leicht Rurik Maximowitsch auch fort? sprang auf, um zu schellen.

Laß, laß, Mütterchen ich bitte Dich! laß!

ist viel⸗ und sie

Saschinka allein ist fort und niemals wird sie wiederkehren. Nun thue Du das Deine!

Seine Augen waren so kummervoll und seine Lippen bebten leise; er sah alt und verfallen aus; seine langen braunen Locken, die sonst immer ordent⸗ lich über einem Lockenstock geglättet, eine neben der andern auf seinen Rücken und die Oberarme nieder hingen, lagen wirr durcheinander.

Was ist mit Saschinka, sprich doch, erbarm⸗ Dich, Du siehst doch, Du quälst mich.

Sei Du ganz ruhig für jetzt. Als ich sah, daß es Erust war, und nicht so vorüber ging, da hab ich mich an den Metropoliten von St. Peters burg gewendet und um Hilfe gerufen; siehe, es mußte etwas geschehen, denn es schickt sich nicht, daß die Tochter des Popen ein öffentliches Aergernis gibt. Ich habe so lange gezögert, Mütterchen ach, vergieb mir sie war ja mein einziges Täub chen. Aber der Metropolit hat geholfen, und nun ist es zu Ende!

Ach, ach, Mütlerchen ich bin noch schwach von dem schweren Abschiedskampf, vergieb mir! Und da sind gestern in später Abendstunde mit einem kleinen Schiff die heiligen Frauen von Weiky⸗ Nowgorod gekommen, und die vier Burlaken, die das Schiff bedienen und ziehen; ach, ach Müt terchen Mütterchen die haben meine arme Saschinka aufgehoben und in das Schiff getragen; und sie kehrten still und stumm mit dem Schiffe um, wie sie gekommen waren. Ach, die Heiligen werden sich ihrer armen Seele erbarmen und machen

auch sie still, damit sie ihren Frieden findet.

RFV