Ausgabe 
28.11.1896
 
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1896.

Postztg. Nr. 3239 Telephon⸗Nr. 112.

Gießen, Sonnabend, den 28. November

Andeszeitung

Ausgabe Gießen.

Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

0 Redaktion: 0 9. Krenzplatz Nr. 4.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

edition: K 1290 latz Nr. 4.

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Lokales und Provinzielles.

SGießen, 27. November. Die Großh. handelskammer Gießen berichtet aus der Sitzung des Bezirks⸗Eisenbahnrats zu Frankfurt a. M. vom 25. November die fenigen Verkehrserleichterungen, welche die Interessenten unserer 1 be⸗ tühren und mit dem nächsten Sommerfahr lan zur Einführung gelangen werden. Ab Hießen mittags 12 Uhr Schnellzug nach rankfurt mit Anschluß an den 1 Uhr Minuten dort abgehenden Gotthardzug. ach Eintreffen des Gotthardzuges in Frankfurt a. M. findet 4 Uhr 30 Minuten achmittags Schnellzugs-Anschluß nach gießen statt. Der bestehende Schnell- zug 71 ab Frankfurt a. M. 8 Uhr 30 Min. bormittags findet neue Schnellzugsver bindung in Gießen, und zwar 10 Uhr 10 Min. nach Betzdorf⸗Siegen, Ankunft in hagen 2 Uhr 30 Min. nachmittags, von wo lirekt Personenzuganschluß nach Nordteich. Hegenzug verläßt Nordteich vormittags I Uhr 30 Min., ab Hagen nachmittags 5 Uhr 0 Min., erreicht Gießen via Siegen getzdorf 9 Uhr 25 Min. abends und geht D-Zug 74) ab Gießen 9 Uhr 30 Min. nach Frankfurt a. M. hält aber nur auf Sta⸗ son Friedberg und erreicht 10 Uhr 40 Min. abends Frankfurt a. M. Auf der ober⸗ hessischen Strecke Fulda⸗Gießen wird keabsichtigt, den Personenzug 9 soviel später zu gen und zu beschleunigen, daß er in Gießen ch den Anschluß vom Schnellzuge 223 on Coblenz aufnimmt und trotzdem in zulda den Anschluß an den D-Zug 1 nach herlin behält. Da zu diesem Zwecke einige Stationen überfahren werden müssen, ist geplant, en gemischten Zug 7, welcher jetzt in Als⸗ ld endigt, bis Fulda durchzuführen, und als Gegenzug einen neuen gemischten Zug 10 von Fulda 9 Uhr 10 Min. abends abzulassen und in Alsfeld 10 Uhr 40 Min.

N zubringen. Außerdem sind Erhebungen arüber im Gange, ob es sich empfiehlt, z wei eue n einzulegen, nämlich 5 Fulda 12 195 30 Min, mittags, Ankunft gießen 2 Uhr 30 Min. Ab Gießen 2 Uhr 6 nachmittags, Ankunft in Fulda 4 Uhr 6 Min. nachmittags. Der erste Zug Fulda⸗ gießen würde an der Ausgangsstelle die An⸗ chlüsse von den Berliner Schnell zügen ja und 3 aufnehmen und in Gießen an Zug 056 nach Coblenz und 215 nach Köln an⸗ chließen. Der zweite Zug Gießen⸗Fulda 17 auf der Abgangsstation den Zug 210 on Köln und in Fulda an den Zug 5 nach Jerlin und Leipzig anschließen. Es ist icht ausgeschlossen, daß noch eine weitere Zugvermehrung auf den oberhessischen Hauptlinien stattfindet. Die Einführung leichmäßiger Bestimmungen wie bei der preuß. Staatsbahn(Freigepäck bei Rückfahrt⸗

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scheinen u. s. w.) wird schon mit dem 1. April kommenden Jahres eintreten. Sonntags⸗ Fahrkarten nach Frankfurt a. M. sind von den Gießener Vertretern des Bezirks⸗Eisen⸗ bahnrats gemeinsam beantragt worden und

werden wahrscheinlich die Genehmigung königl. Direktion erhalten. 9 5 N

* Gießen, 27. November. Die gestrige Stadt- verordneten⸗Versammlung wurde um Uhr vom Beigeordneten Wolff eröffnet. Derselbe teilte mit, daß der Oberbürgermeister behindert sei, in der Sitzung zu erscheinen, weil er von der Frau Großherzogin zu einer Audienz nach Darmstadt berufen sei. Ferner bittet der Stadtverordnete August Heß ihn wegen dauernder Krankheit von seinem Amte zu dispensieren. Beigeordneter Wolff weist darauf hin, daß der Gesuch⸗ steller sich vor einem Jahr mit demselben Antrag an die Versammlung gewendet, daß derselbe aber damals abge⸗ lehnt sei, weil man auf eine Wiedergenesung des Stadt⸗ verordneten Heß gerechnet habe. Jetzt liege die Sache aber so, daß man annehmen könne, Herr Heß sel dauernd behindert, sein Mandat zur Stadtverordneten-Versammlung auszuüben. Die Versammlung ermächtigte die Bürger⸗ meisterei dem Gesuchsteller auf Grund des§ 112 d. St. O. aus seiuem Amte zu entlassen und denselben dahin bescheiden zu wollen. Zur Ausführung der Gas- und Wasserleitung in demjenigen neu herzustellenden Teil der Liebigstraße zwischen Ludwig⸗ und Frankfurterstraße werden für die Gasleitung 830 /, inclusive der Aufstellung von 2 Kandelabern mit Glühlicht und für die Wasser⸗ leitung 1075 // zu Lasten des Budgets pro 1897/98 be willigt. Zur Ausführung der Gasleitung für die Wiesenstraße sind bereits 255/ bewilligt. Es stellt sich jedoch heraus, daß dieser Betrag nicht langt und 290, hierzu benötigt werden, außerdem soll auch die Wasser⸗ leitung um vier Meter verlängert werden, um diese einem dort wohnenden Industriellen für dessen Gewerbebetrieb nutzbar zu macheu, zu welchem Zwecke 19/ 40 c er⸗ forderlich wären. Die Versammlung erklärte sich damit einverstanden. Der nächste Punkt der Tagesordnung: Einrichtung einer Wohnung im Gerätema⸗ gazin auf Oswaldsgarten ist noch nicht spruchrelf und wird daher zurück gestellt Die Versammlung hat am 19. September zur Entwässerung der Linden⸗ gasse bis zur Hundsgasse 950/ zur Anlage eines Kanals bewilligt. Der Stadtverordnete Bäckermeister Löber hat in einer Eingabe, gerichtet an die Bürger⸗ meisterei, darauf hingewlesen, daß dieselben Mißstände, welche zur Anlage eines Kanals geführt hätten, nicht nur im unteren Teil, sondern in der ganzen Lindengasse bis zur Brandgasse vorhanden seien und das Gesuch gestellt, den Kanal und die Umpflasterung in dem ganzen Zuge der Gasse vornehmen zu lassen. Stadtbauamt und Bau⸗ deputatlon erkennen die Beschwerde des Stadtverordneten Löber an und bewilligt die Versammlung die Mehrkosten der Arbeit in Höhe von 739/ Beigeordneter Grü n e⸗ berg frägt an, ob denn das gesamte Straßengelände in der Lindengasse Eigentum der Stadt sei. Der Beigeord⸗ nete erklärt, zwar nicht genau hierüber orientiert zu sein, aber jeden Falls sei dies wohl anzunehmen. Ein Ge⸗ such des Andreas Sorgenfrei um die Erlaubnis zum Ausschank von Spirituosen im Wichardschen Hause, Hamm⸗ straße 14, wird genehmigt. Dem Eigentümer selbst, der mit dem gleichen Gesuch sich s. Zt. an die Versammlung gewendet, war das Gesuch abgeschlagen wegen Mangel eines Bedürfnisses. In Rücksicht auf das Bedürfnis der Arbeiter, welche beim Ausbau der Hamm⸗ straße beschäftigt sein werden, kam die Wirtschaftskom⸗ mission dieses Mal zu einem bejahenden Votum. Ebenso

geschah es mit einem gleichen Gesuch des Jakob Grau für das Haus Wolfstraße 9. Es handelt sich hier um den Uebergang einer schon bestehenden Wirkschaft. Hierauf folgt eine geheime Sitzung.

* Gießen, 27. Nov. Der Detailisten⸗ Verein beabsichtigt, sich an die kaiserliche Post⸗ behörde zu wenden mit dem Antrag, im Mittel⸗ punkt der Stadt, vielleicht am Postamt 2 oder dem alten Rathause, den Briefkasten abends später als 12%½ Uhr, jedoch so zeitig leeren zu lassen, daß dessen Inhalt, soweit er Post nach Norddeutschland betrifft, mit dem Berliner Faun 0 12 Uhr 33 Minuten befördert werden ann.

* Gießen, 27. Nov. Wegen Betrugs im Rückfalle hatte sich der schon mehrmals vor⸗ bestrafte Wilhelm Hahn, Russenmacher von Redenrode, vor der Strafkammer zu ver⸗ antworten. Es wird demselben zur Last gelegt, daß er im September d. J. sich von dem Russen⸗ macher Edel in Ober-Roßbach als Arbeiter ein⸗ stellen ließ, um von demselben ein Frühstück zu erhalten, sich jedoch, ohne die Arbeit anzutreten, wieder entfernte. Der Angeklagte führte zu seiner Verteidigung an, die Arbeit, welche ihm erteilt worden sei, habe ihm nicht behagt, wes⸗ halb er sich entfernt hätte. Das Gericht sprach den Angeklagten frei, weil nicht zu ermitteln war, ob derselbe anfangs die Absicht gehabt habe, überhaupt nicht zu arbeiten. Die Staats⸗ behörde hatte 4 Monate Gefängnis beantragt.

Heuchelheim, 2/. Nov.(Unglücksfall.) Der an dem Neubau der Herren Rinn und Cloos thätige Spenglermeister Schleenbecker von hier, stürzte gestern, während er Zinkbe schlag an den Schornstein legte, vom Dache und erlitt schwere innere Verletzungen.

Alsfeld, 26. Nov. Der Diaspora-Ge⸗ meinde Alsfeld wurden seitens des Bonifa⸗ ziusvereins in Paderborn als Gehalt des Pfarrers jährlich 800 4 auf die Dauer der nächsten drei Jahre bewilligt und weitere 200 . für Transportkosten überwiesen. Der katholischen Pfarrkuratie Nidda sind durch den Bonifaziusverein in Breslau kürzlich 500. zum Bau einer Kirche nebst Pfarrhaus geschenkt worden.

* Darmstadt, 26. Nov. Der von dem Ausschuß der freien Bürgervereinigung gegen die Wahl der nationalliberalen Landtags⸗ abgeordneten Schmeel und Wolfskehl ein⸗ gereichte Wahlprotest wird u. A. damit be⸗ gründet, daß städtische Octroibeamte an Aus⸗ übung des Wahlrechts behindert gewesen seien, daß active(nicht wahlberechtigte) Militär⸗ personen gewählt, und eine größere Anzahl nicht⸗ hessischer Staatsbürger, die in der Wählerliste standen, zu Unrecht abgestimmt haben. Schließ⸗ lich sollen bei Bildung eines Wahlbureaus Un⸗ regelmäßigkeiten vorgekommen sein und nament⸗ lich einer der Beisitzer gefehlt haben.

* Darmstadt, 20. Nov. Der Verein hessischer Aerzte hat in der Frage des Er⸗ lasses einer ärztlichen Standesord nung be⸗ schlossen, keine Stellung zu nehmen, sondern

erst abzuwarten, wie sich die Sache in Sachsen bewährt.

Groß ⸗Steinheim, 26. November. Der beim hiesigen Postamte beschäftige Landbrief⸗ träger Michael Stenger aus Klein⸗Steinheim wurde auf Antrag der Postbehörde in Unter⸗ suchung shaft genommen. Er ist beschuldigt und geständig, ihm amtlich anvertraute Gelder im Gesamtbetrage von beiläufig 250* unter- schlagen und die betreffenden Postquittungen ge⸗ fälscht zu haben. Der Verhaftete stand schon seit vielen Jahren im Dienste der Post, er ist verheiratet und Vater mehrerer Kinder. Wenn auch dasGehalt angegeben wäre, das der seitvielen Jahren im Dienst der Post stehende unglückliche Mann bezieht, dann würde sein Verbrechen für manchen erklärlich werden.

Mainz, 26. November. Ein tödlicher Unglücksfall hat sich im Gartenfeld zuge tragen. Das Pferd eines Husarenoffiziers, das an einen leichten Wagen gespannt war, wurde scheu und rannte davon. In dem sogenannten Hauptweg stieß das Pferd, um eine Ecke jagend. mit der Wagendeichsel gegen den Kopf eines gerade dahingehenden bejahrten Arbeiters, Namens Sieben, der sofort tot zusammenbrach; der Schädel wurde ihm total zertrümmert. Der Offizier hat sich sofort bereit erklärt, sämtlichen Schaden zu tragen und für die Witwe des ver⸗ unglückten Sieben zu sorgen.

Mainz, 26. Nov. Das Gewerkschafts⸗ kartell beschloß in seiner heutigen Sitzung, dem der Stadtverordnetenversammlung zur Zeit vorliegenden Entwurf behufs Errichtung eines städtischen Arbeitsnachweises gegenüber eine reservierte Haltung einzunehmen. Sollten die von den sozialdemokratischen Stadt⸗ verordneten beantragten Zusatzanträge, welche bezwecken, den geplanten Arbeitsnachweis in das ursprünglich ins Auge gefaßte städtische Arbeits⸗ amt wieder zurück zu konstruiren, von der Stadt⸗ verordnetenversammlung außer Acht gelassen werden, so behält sich das Gewerkschaftskartell vor, die Stellung der organisirten Arbeiter zu der Vorlage näher zu präzisiren.

* Mainz, 26. Nov. Das sozialdemokra⸗ tische Wahlkomitee des Reichstags⸗Wahlkreises Mainz⸗Oppenheim hat umfangreiches Material von angeblich vorgekommenen Unregelmäßig keiten bei den Wahlen gesammelt und das⸗ selbe der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion eingesandt. Derselben bleibt es dann überlassen, gegen die Wahl Protest zu erheben oder nicht. Das Mainzer Komitee ist einem Proteste wegen des Kostenpunktes einer neuen Agita⸗ tion abgeneigt.

Vermischtes.

Das Spektroskop in der Wettervorher⸗ sage. Man schreibt derFrankf. Ztg.: Es dürfte nicht allgemein bekannt sein, daß die Spektralanalyse des Sonnenlichts zugleich wichtige Aufschlüsse über den Zustand der Erdatmosphäre zu geben im Stande ist. In dem kontinuirlichen, die bekannten Regenbogenfarben der Reihe

zaßler I Flitterwochen. 2460 Skizzenblatt von F. Storck. sei 0 N Ul(Nachdrud verboten.) 5 1 Diaas idyllische Apothekergärtlein, im Schutz der enstraß then Giebel, prangte in all seiner Blütenpracht. N die behaglich angerundete Hausfrau erhob sich bei uuserm Eintritt, uns in ihrer herzgewinnend leb⸗ suften Art begrüßend. Unter der alten Linde fslonden wir dann einem jungen Paar gegenüber, ussen stärkere Hälfte uns aus ihrerWerdezeit kkkannt war. Vor Jahren hantierte dieser schlanke Nann, dessen Kopf schon damals etwas entschieden deniales hatte, als Pillen und Mixturen bereitender schrling im Laboratorium dieses Hauses. Damals, ge heute, hatten diese braunen Augen den sieghaft kuchtenden Glanz, und die dunklen Locken fielen gellos auf die edelgeformte Stirn. Nur das kecke bärtchen war ein Produkt der Neuzeit. Und an ener Seite das junge Wesen, im grauen Reisekleid, bir sein Weib. Vor acht Tagen brachten goldum⸗ sndete Karten die Vermählungsanzeige. Eben diese Anzeige verblüffte den einstigen Lehrherrn und seine Fau nicht wenig, denn man hörte seit seinem Ab⸗ ging aus der Lehre absolut nichts von Ernst Weigel. Diese Schweigsamkeit hatte guten Grund. Ernst ur dazumal grollend von dannen gezogen, weil en Prinzipal die Ehre nicht zu schätzen wußte, sein (kläubiger zu werden. Etliche lumpige hundert Wark hatte er ja nur begehrt. Der Apotheker, err Brand, weigerte sich, und Ernst schüttelte ver⸗ üßtlich den Staub der Kleinstadt von seinen neuen Uokkstiefeln. uz zu redete man in späteren Jahren von

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dem einstigen Hausgenossen. Die Kinder hatten

ihn fanatisch geliebt, und in der Gesellschaft genoß er stets des Vorzugs allgemeiner Beachtung. Er machte nämlich auf alle bemerkenswerten Vorkomm nisse fließende Verse, huldigte der Jugend und Schönheit, wo sie ihm nahe trat, und berauschte sich selbst in dem felsenfesten Bewußtsein seiner persönlichen Liebenswürdigkeit. In der Schule hatte er, neben anderen nützlichen Dingen, auch Rechnen gelernt, doch die praktische Nutzanwendung für's Leben hatte man ihm nicht beigebracht. Anscheinend war auch kein Grund vorhanden, sich mit Aneignen so prosaischer Praxis die Jugend zu verkümmern. Die Eltern verweigerten ja nie die geforderten Summen, bis urplötzlich dieser stetig sprudelnde Goldquell versiegte.

Man munkelte, Erusts Vater habe schlecht ver standen, sein Soll und Haben in harmonischen Ein · klang zu bringen. Und gerade nach dieser fatalen Krisis im Elternhause verließ Ernst die Stätte seiner ersten Triumphe.

Dann war er seit Jahren hier verschollen. Und nun saß er neben uns, seinem glückstrahlenden, jungen Weibe gegenüber. Strahlend glücklich schein bar auch er. Ihre Augen schienen nicht voneinander lassen zu können. Schier andächtig, als vernehme sie himmlische Offenbarungen, lauschte sie seiner, ein wenig forciert geistreich sein sollenden Rede.

Wir vernahmen die befremdliche Kunde, daß er ein schönes Haus, nebst Droguenhandlung, in einer Provinzialstadt gekauft habe. Natürlich im neuan⸗ gelegten Millionenviertel. Ein distinguiertes Publikum brannte schon lange darauf, von ihm bedient zu

werden. Als Apotheker sei man ja der reine Sklave der lieben Mitmenschen. Da bekomme gerade jeder, den die Langeweile plage, irgend ein Gebreste und und schicke sein Rezept in die Apotheke. Nur der Kaufmann ist ein freier Mann. Der Sonntag ge höre seinem Frauchen, da mache man die herrlichsten Ausflüge mitsammen. So renommierte er, und wir staunten. Ja, wie hatten sich denn die Finanzen so glänzend umgestaltet? Wohl redete die junge Frau von der Fabrik, welche Mama mit den Brüdern fortführe, seit Papa vor Jahresfrist gestorben; sollte aber die Mitgift der Tochter so bedeutend sein?

Sonderbar. Ich habe schon immer bei der Be zeichnung Flitterwochen meine schwer ernsten Ge danken; hier, bei diesem Paar, konnte ich sie erst recht nicht bannen. Wird sich das Eheglück echt er weisen? Wird sich die Liebe bei gegenseitiger Wert; schätzung mehren, oder werden dit krügerischen Rosen⸗ schleier unerbittlich in den Schmutz gezogen werden und nur die nackte, trostlose Oede gegenseitiger Nichtachtung und Enktäuschung bleiben? Warum verfolgte mich diese Frage angesichts der ab göttischen Verehrung, die dies junge Weib dem Manne zollte. Er hatte sich entfernt, noch im Gehen ihr eine Kußhand zuwerfend. Er wollte vom Postamt einem befreundeten Landpastor telephonieren, daß er ihm noch heute seinimmenses Glück zeigen würde, wie er zärtlich sagte. Sie schaute ihm mit feuchtem Blick nach und seufzte:

Die erste Trennung seit unserem Hochzeitstag.

Es klang eigentlich komisch, und doch konnte ich nicht mit den Anderen lachen. Mir war es rührend. Ihre Stimme bebte, wie in unterdrückter Angst.

sah vorwurfsvoll auf:

Eine ganze Stunde, Ernst, sagte sie.

Unter seinem leuchtenden Blick, bei seiner humor⸗ vollen Schilderung der Hindernisse, die er beseitigt, bis der Apparat endlich des Freundes freudezitternde Antwort gab:Ich erwarte Dich und Dein Glück, schwand der kleine Schmollansatz.

So Schatz, nun ist schon der Wagen bestellt. Wie wird mein guter Walter seine ohnehin großen Augen aufreißen, wenn er Dich sieht! Der gute, ehrliche Kerl scheint mir rein aus dem Häuschen vor Freude, schloß er seinen Bericht.

Auf der kleinen Veranda, vor dem Laboratorium, war gastlich der Tisch gedeckt. Hans, der Sextaner, schleppte den riesigen Majolikabierkrug herbei. Der Hausherr füllte die kunstvoll geschliffenen Gläser mit dem schäumenden Gerstensaft. Er sah, gegen seine sonstige, gemütsheitere Art, erust, faft gedrückt aus. Grollte er dem einstigen Lehrling noch ob seines damaligen, brüsken Abschiedes? Der junge Gatte lachte und renommierte um so ungezwungener. Er entrollte mit leuchtenden Farben den ferneren Reise⸗ plan, obgleich seine Frau meinte: Dieses Hasten sei ihr schon völlig über, sie möchte am liebsten morgen daheim sein. Sie freute sich kindisch auf ihr eigenes Haus, auf das stilvolle Eßzimmer und ihren molligen, heliotropfarbenen Salon. Und auf der grün um⸗ sponnenen Veranda werde sie gleich erster Tage sämtliche Freundinnen mit Chokolade und Eis be wirten.Sie sollen mich recht beneiden um meinen

Ernst. (Fortsetzung folgt.)